Zeitmanagement: Wie macht das Vertriebs-/Marketing-Leiter Thomas Siller?

Zur Person:

zeitmanagement siller Thomas Siller ist Vertriebs-/Marketing-Leiter in der Konsumgüterbranche/Lebensmittel für ein deutsches Unternehmen am italienischen Markt.Er hat eine Ausbildung zum Trainer absolviert und wird verstärkt in den Bereichen Führung und Zeit-/Selbstmanagement tätig werden.

Website von Thomas Siller

 

Herr Siller, was bedeutet für Sie persönlich Stress?

Hier muss ich meinen bisherigen Lebenslauf zweiteilen. Bis vor ca. 2 ½ Jahren gehörte ich zur großen Gruppe der Personen, die diesen Begriff absolut unterschätzen.

Ich war mit voller Begeisterung in meinem Job tätig und fühlte mich überhaupt nicht gestresst. Ich war überzeugt, dass ich, wenn ich mich jemals gestresst fühlen sollte, einfach einen Schalter umlegen und mein Leben anders ausrichten könne.

Auch war ich der Meinung, dass ich es schon selbst früh genug erkennen würde, wenn ich Stress hätte. Doch da hatte ich weit gefehlt. Vor ca. 2 ½ Jahren traf es mich dann wie ein Blitz aus heiterem Himmel, und ich war sicher schon in einer Vorstufe des Burnouts angelangt.

Seitdem habe ich großen Respekt vor dem Thema Stress und den Auswirkungen, die dieser bei uns Menschen haben kann.

Heute bin ich gestresst, wenn ich aufgrund der Menge an Arbeit, die immer wieder auf mich zurollt, wieder in meinen alten Rhythmus des Multitasking-Arbeitens zurückfalle.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag?

In meinem neuen Leben habe ich mich dann deutlich besser organisiert. Mit Thema Zeit- und Lifemanagement habe ich mich sehr stark auseinander gesetzt und organisiere mein Leben (Beruf und Privat) mittlerweile sehr stark angelehnt an das Konzept der 7-Lebenshüte von Stephen Covey (7-Lebenshüte) und vor allem nach dem Konzept Getting-Things-Done von David Allen.

Gerade zweiteres Konzept hat mich sehr viel ausgeglichener gemacht und hier vor allem die Prämisse „Raus aus deinem Kopf“.

Da ich ein sehr gewissenhafter Mensch bin, kam es immer wieder vor, dass mir Sachen, die ich zu erledigen vergessen hatte, zu den unmöglichsten Zeiten wieder hoch kamen. Die Gewissensbisse die ich dann hatte, waren rückblickend gesehen Stress pur.

Heute wird jeder Gedanke, bei dem ich der Meinung bin aktiv werden zu müssen, sofort festgehalten, in meinem Eingangskorb abgelegt und dann irgendwann erledigt. Seit ich das mache, lässt mich mein Gehirn vor allem in meiner Freizeit in Frieden und das war und ist für mich sehr erleichternd.

Auch das Inbox-Zero-Konzept wird von mir mindestens einmal in der Woche verfolgt. Der Posteingang in Outlook, aber auch der Eingang der Post in Papierform im Büro, wird so schnell als möglich aufgearbeitet und geleert. Das ist ein sehr effiziente Methode die gleichzeitig sehr motivierend ist.

Für das Sammeln von Ideen ohne Terminbindung verwende ich zur Zeit MS OneNote. Ich bin aber am prüfen, ob ein Umstieg auf Evernote aufgrund seiner mobilen Funktionen Sinn machen könnte.

Welches ist Ihr wichtigstes Zeitmanagement-Tool und warum?

Ich gehöre in diesem Bereich absolut zur Technik-Generation. Ohne Technik könnte ich meinen Alltag sicher nicht so effektiv handhaben, wie ich es derzeit mache.

Ich arbeite im Büro auf meinem Laptop mit Office/Outlook 2010 mit Exchange und habe dort auch das Addin von David Allen installiert. Dieses hilft mir sehr mit wenigen Klicks meine Aufgaben zu notieren und zu sortieren. Ich habe auch andere Tools versucht, doch das Tool von David Allen ist aus meiner Sicht nicht zu kompliziert und beinhaltet alle Funktionen, die ich brauche.

Unterwegs nutze ich meinen Blackberry, welcher meines Erachtens für eine berufliche Nutzung einfach das beste Smartphone am Markt ist. Bei Blackberry sind einfach alle Menüs und Shortcuts so platziert, dass alle nötigen Schritte schnell und unkompliziert abgewickelt werden können.

Auch hier habe ich viel probiert und spreche deshalb aus Erfahrung.

Eines muss abschließend auch bei aller Technik-Affinität meinerseits gesagt werden: Die wichtigste Taste ist der Abschaltknopf. Hier ist es wichtig, für technikfreie Zeiten zu sorgen. Meine Erfahrung bestätigt mir, dass der Mensch für die ständige Erreichbarkeit, wie wir sie in den letzten Jahren leben, nicht geschaffen ist und diese nicht bewältigen kann.

Nach welchen Kriterien legen Sie Prioritäten fest?

Ich gruppiere meine Aufgaben nach meinen Lebenshüten (Manager, Vater, Ehemann, Verkäufer, Kunde, Vereinsvorstand). Jede Aufgabe wird über die Fälligkeit nach Wichtigkeit und Dringlichkeit auf die einzelnen Wochentage verteilt.

So ermögliche ich es mir, den Druck etwas zu entzerren, wobei nach wie vor bei mir Montag und Freitag die intensivsten Tage sind.

Wie können Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag am besten entspannen?

Im Sommer auf dem Fahrrad und am Berg. Im Winter beim Skifahren und in der Sauna.

Auch hier war ich in meinem „alten“ Leben absolut fahrlässig und habe geglaubt, dass ich das nicht brauche. Ich habe für meine körperliche und geistige Fitness wenig bis gar nichts gemacht. Heute, da ich es mehr für den Kopf als für den Körper brauche, mache ich es sehr gerne. Ich habe auch erkannt, dass ich beim Sport meistens die besten und kreativsten Ideen habe.

Auch meine Familie mit meinen zwei Kindern hat für mich deutlich an Bedeutung gewonnen, da ich einfach gemerkt habe, dass ICH sie noch viel mehr brauche als sie mich und dass auch die Familie eine Quelle ist, wo man sehr gut entladene Batterien aufladen kann.

Bei schlechtem Wetter ist meist ein gutes Buch ein wertvoller Begleiter.

Haben Sie Zeitmanagement-Tipps für meine Leser?

Mein Tipp ist generell Zeit zu sparen und mit der eigenen Zeit sehr geizig zu sein. Wenn man mit seiner limitierten Zeit nicht geizig ist, dann wird viel von der eigenen Zeit vom eigenen Umfeld fremdverplant.

Zuviel verplante und vor allem unausgeglichen verplante Zeit überfordert den Menschen und macht über kurz oder lang krank.

Jemand der diesen Blog liest, glaube ich, hat schon die Notwendigkeit von einem guten Zeit-/Lifemanagement erkannt und ist auf der Suche nach dem für ihn richtigen Weg. Ich wünsche jedem Leser, dass er den für sich wichtigen Weg finden möge.

Wichtig ist nach meiner Meinung, dass man nicht die Zeit nur deshalb spart, um mehr Sachen in der selben Zeit zu erledigen.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass ich rückblickend meine Zeit mit den richtigen Dingen und gemäß meiner Werteskala verbracht habe und dass ich ohne schlechtes Gewissen zurück und nach vorne blicken kann.

Als abschließenden konkreten Zeitspartipp kann ich nur zu einem gut organisierten Arbeitsplatz raten. Hier verliert man sehr viel Arbeitszeit, wenn man nicht durch ein organisiertes Büro die Suchzeiten für Unterlagen reduziert. Ich selbst werde mich in Kürze mit einem der beiden Systeme Classei und Mappei beschäftigen und mein Büro dahingehend strukturieren.

Vielen Dank, Herr Siller!



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