Was wäre ANDERS, wenn Sie NIE GEBOREN wären?

Kennen Sie den Film „Ist das Leben nicht schön“ (Originaltitel: It’s a Wonderful Life, 1946)?

Ein Filmklassiker, der insbesondere zu Weihnachten häufig wiederholt und von mehreren Kritikern als einer der besten Filme aller Zeiten angesehen wird.

Mag sein, dass er sich für den ein oder anderen etwas kitschig anmutet, für die meisten ist er wohl ein herzerwärmender, berührender Film, der lange nachwirkt.

Kurz zum Inhalt des Films:

George Bailey (gespielt von James Stewart) hat seinen Lebensmut verloren, weil er keines seiner großen Lebensziele erreicht hat. Er wünscht sich, er wäre nie geboren, da er allen ihm nahestehenden Menschen nur Unglück zu bringen scheine. Deshalb will sich George am Weihnachtsabend das Leben nehmen.

Zwei himmlische Kräfte (im Film symbolisiert durch zwei sich miteinander unterhaltende Galaxien) schicken den etwas naiven Engel Clarence zu George, um den Selbstmord zu verhindern. Daraufhin verwandelt Clarence die Stadt, in der George lebt, in einen Zustand, in dem diese sich befände, hätte es George nie gegeben.

Als Clarence George durch die so veränderte Stadt führt, wird diesem bewusst, welchen Einfluss er auf das Leben der Menschen in dieser Stadt hatte. Nun bereut er den Wunsch, sein Leben zu beenden.

Hier der Trailer (im englischen Original):


Ein Gedankenspiel: Was wäre ANDERS, wenn Sie nie geboren wären?

Lassen Sie die Gedanken zur Ruhe kommen, entspannen Sie sich. Und in einem ruhigen Moment stellen Sie sich bewusst die folgende hypothetische Frage:

„Was wäre ANDERS, wenn ich nie geboren wäre?“

Wenn Sie also wie George die Möglichkeit hätten, in eine Welt geführt zu werden, wie sie ohne Ihr Wirken wäre – wie würde es dort wohl aussehen, wenn es Sie nicht gäbe, wenn Sie nie geboren wären?

Lassen Sie sich auf dieses Gedankenspiel ein, denn die Erkenntnisse daraus können Ihr zukünftiges Handeln und Wirken nachhaltig beeinflussen.


Weitere 5 Reflexionsfragen

„Was wäre ANDERS, …?“ – im Zusammenhang mit dieser Frage hier noch 5 weitere Reflexionsfragen, die Sie in den nächsten Tagen in Ruhe für sich beantworten können:

  1. Wessen Leben habe ich ein Stück weit besser gemacht oder im besonderen Maße beeinflusst? (Es können auch Wirkungen im Kleinen sein – indem Sie z. B. einer Person durch ein freundliches Lächeln oder eine Unterstützung eine Freude bereitet und damit deren Tag verschönert haben.)
  2. Wen würde es besonders belasten bzw. wer würde sehr trauern, wenn es mich (z. B. durch ein tragisches Ereignis) plötzlich nicht mehr geben würde?
  3. Welche Ereignisse/Entwicklungen hätten ohne mein Einwirken wohl kein gutes Ende genommen oder wären ganz anders ausgegangen?
  4. Welchen Menschen nehme ich etwas Last ab (im privaten oder beruflichen Bereich) – helfe ich, ihren „Rucksack“ zu tragen? (Der Rucksack steht für die Sorgen, Probleme oder für eine Herausforderung, die diese Person zu bewältigen hat.)
  5. Welchen Menschen habe ich schöne Erinnerungen (durch gemeinsame Erlebnisse) geschenkt?

Auch wenn Sie auf die Fragen nicht gleich eine Antwort parat haben – das ist völlig ok. Lassen Sie die Fragen einfach mal sacken.


Zur Frage Nr. 5 etwas detaillierter:

Jedes (gemeinsame) Erlebnis erzeugt eine Erinnerung

Wenn Sie beispielsweise mit einer Person etwas Besonderes erlebt haben, wird dieses Erlebnis dieser Person in der Regel über viele Jahre in Erinnerung bleiben, vielleicht sogar deren Denken, Handeln und Weltbild auf irgendeine Art und Weise prägen.

Um Ihren Einfluss auf das Leben anderer nochmals vor Augen zu führen:

Jede Ihrer Handlungen und jedes gesprochene Wort kann eine nachhaltige Wirkung und eine prägende Erinnerung bei dem Empfänger erzeugen – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne.

Fragen beantworten – 2 Möglichkeiten

Nehmen Sie sich ruhig Zeit für die Beantwortung der obigen Fragen. Dazu zwei Vorschläge:

  1. Ziehen Sie sich mit einem Blatt Papier oder einem schönen Notizbuch und einem Stift an Ihren Lieblingsplatz zurück, wo Sie ungestört sind und sich wohlfühlen. Machen Sie es sich bequem. Beantworten Sie dann in Ruhe die Fragen schriftlich. Allein dieses Niederschreiben kann eine kraftvolle Wirkung entfalten und Ihnen richtig guttun.
  2. Machen Sie einen (Winter-)Spaziergang. Unter freiem Himmel und an der frischen Luft sind auch die Gedanken freier und die Beantwortung wird Ihnen leichterfallen.

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„Wo sind Sie verwurzelt, wo haben Sie Ihren Platz in dieser Welt gefunden? Was wäre ANDERS, wenn dieser Platz frei wäre?“

Wenn Ihnen die Beantwortung schwerfällt …

Fällt Ihnen die Beantwortung der Fragen schwer, liegt das wahrscheinlich daran, dass Ihnen gar nicht richtig bewusst ist, was Sie bereits Großartiges zu einer besseren Welt beigetragen haben – und wenn es nur für die bessere Welt einer einzelnen Person in Ihrem Umfeld ist.

Dann lassen Sie die Fragen von einem Ihnen vertrauten Menschen (PartnerIn, FreundIn) in Bezug auf Ihre Person beantworten. Sie können sich sicher sein, dass Sie über so manche Antworten erstaunt sein werden.

Denn das Selbstbild – so wie Sie sich also selbst sehen – und das Bild, wie andere Ihr Tun und Wirken wahrnehmen, sind selten deckungsgleich. Und genau diese unterschiedlichen Wahrnehmungen können sehr aufschlussreich und bereichernd für Sie sein.

Seien Sie stolz auf sich!

Sollten Sie tatsächlich zu der Erkenntnis kommen, dass Sie in Ihrem bisherigen Leben weniger positiv auf andere eingewirkt haben und Sie das zukünftig ändern möchten – gut so, denn für eine Richtungsänderung ist es niemals zu spät! Und es braucht gar nichts Großartiges sein, auch im Kleinen kann man viel bewirken. Dazu hier einige Impulse:

Und wenn Ihnen nun bewusst geworden ist, dass Sie doch einiges Gutes in Ihrem Leben bereits bewirkt haben, dürfen Sie ruhig stolz auf sich sein. Freuen Sie sich über Ihr positives Wirken in dieser Welt.

Eine berührende Geschichte, die Mut macht

Abschließend noch eine Geschichte, die von einer Frau erzählt, der es ähnlich ergangen ist wie George Bailey im Film. Eine Geschichte, die Mut macht:

[Geschichte gefunden auf mymonk.de, leicht umgeschrieben]

Eine Frau hatte ihren Job verloren, ihre Beziehung ging in die Brüche, sie wurde krank. Und nichts von dem, was sie sich in den letzten Jahren so sehr gewünscht oder erträumt hatte, hat sich erfüllt. Sie hat sich nach richtigen Freunden gesehnt, nach etwas Glück, nach finanzieller Sicherheit – nach all dem, was andere Menschen in ihrem Umfeld offensichtlich hatten, wie sie immer wieder feststellen musste.

Nun war der Punkt erreicht, an dem sie nicht mehr weiterleben wollte. Aber bevor sie sich vollkommen aufgab, suchte sie einen alten, weisen Mann auf, der schon zahlreichen anderen Menschen mit seinen Ratschlägen geholfen haben soll. Sie fragte ihn:

„Weißt du nur einen einzigen Grund, warum ich nicht aufgeben sollte?“

„Siehst du den Bambus und den Farn?“

Der Alte sah sie an, dann zeigte er in seinen Garten und sagte:

„Siehst du den Bambus und den Farn? Die Samen beider Pflanzen habe ich am gleichen Tag in die Erde gegeben. Ich habe für ausreichend Wasser und Licht gesorgt. Und schon nach kurzer Zeit wuchs der Farn aus dem Boden. Er gedieh prächtig. Hingegen vom Bambus war nichts zu sehen. Trotzdem gab ich nicht auf.

Der Farn wuchs weiter wunderbar. Vom Bambus war auch im zweiten Jahr noch nichts zu sehen. Ich gab nicht auf und pflegte weiter den Farn und die Stelle, wo ich den Bambussamen in die Erde gab.

Das dritte Jahr brach herein. Der Farn wuchs und wuchs. Kein Bambus. Ich gab nicht auf.

Auch im vierten Jahr das Gleiche. Aber ich gab die Hoffnung nicht auf. So ging es weiter.

Im sechsten Jahr schließlich kam ein kleiner, unscheinbarer Bambustrieb aus dem Boden. Ich hatte ihn fast übersehen. Und schon nach wenigen Monaten hatte er die beachtliche Höhe von über zehn Metern erreicht.

Sechs Jahre hat es also gedauert, bis er ausreichend starke Wurzeln gebildet hatte und an die Oberfläche kam. Und dann ging es schnell.

Auch wenn du auf deine vergangenen Jahre zurückblickst und keinen Erfolg hattest und nur gekämpft hast – in Wirklichkeit sind dir in dieser Zeit Wurzeln gewachsen, so wie dem Bambus. Gib nicht auf! Deine Zeit wird kommen.

Vergleiche dich nicht mit anderen, denn du hast DEINE Bestimmung – so wie der Farn eine andere hat als der Bambus. Du wirst noch wachsen.“

Die Frau wollte nun wissen: „Wie hoch soll ich wachsen?“

Der Weise: „Wie hoch wächst der Bambus?“

„So hoch, wie es ihm möglich ist?“, antwortete die Frau zaghaft.

„Genau. Hab Geduld, auch wenn dir das nicht leichtfällt. Gib dir einfach die Zeit, die du brauchst und wachse auch du so hoch wie es dir eben möglich ist. Es wartet noch viel Gutes auf dich.“

 

Zum Weiterlesen: 



Kommentare

  • Renate

    Lieber Herr Heidenberger,

    Sie berühren mich immer wieder mit Ihren Artikeln und ich denke, das geht nicht nur mir so. Auch dieser lässt mich wieder über mich nachdenken und hat mir eine neue Perspektive eröffnet, auch in einer familiären Situation, die momentan sehr belastend für mich ist.

    Überhaupt die Fragen finde ich sehr spannend und hilfreich und der Gedanke, dass jedes Erlebnis zusammen mit anderen bei den anderen eine Erinnerung erzeugt, macht mir deutlich, dass ich Einfluss auf diese Erinnerung und so auf die Welt der anderen Menschen nehmen kann.

    Danke wieder für diesen wunderbaren Artikel.

    Renate

    Renate antworten
  • Thilo

    Ist ein super Film und da wird schon auch einem harten Kerl warm ums Herz, auch wenn ich es nicht zeige. ;-) Gern gelesen und den Beitrag für gut befunden.

    Thilo antworten
  • Karin

    Lieber Herr Heidenberger,

    ich möchte mich auf diesem Wege bedanken für Ihre Zeitblüten.

    Ich lese Sie immer gerne und Sie haben mir in manchen Situation schon öfters weiter geholfen.

    Vielen Dank

    Karin antworten
  • Birgit

    Zu Weihnachten gibt es bei mir und meinem Mann immer zwei “Pflichtfilme”:

    “Wir sind keine Engel” und “Ist das Leben nicht schön”

    Es erinnert immer daran, dass trotz aller Schwierigkeiten, die sich einem in den Weg stellen, es immer wieder weitergeht und man mit jedem überwundenen Problem wieder ein Stück stärker geworden ist.

    Birgit antworten
  • Mare

    Lieber Herr Heidenberger!

    Danke für die regelmäßigen Impulse und spannenden Denkanstöße. Ich kenne den angesprochenen Film nicht und frage daher, ob er auch für eine mit sich hadernde, pubertierende 14-Jährige schon geeignet ist.

    Herzliche Grüße

    Mare antworten
    • Hallo Mare,

      der Film ist auch für Kinder und Jugendliche geeignet (FSK 6 Jahre).

      Wie er allerdings von dem pubertierenden Mädchen angenommen wird, kann ich leider nicht sagen.

      Im günstigsten Fall berührt sie der Film und sie erhält einen wetvollen Denkimpuls, der lange nachwirkt und ihr vielleicht sogar in ihrer aktuellen, für sie schwierigen Phase weiterhilft. Im ungünstigsten Fall gefällt ihr der Film nicht. Ein Versuch ist es allemal wert. :-)

      Liebe Grüße

      Burkhard

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Natalie

    Das ist wirklich ein wunderschöner Film. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich ihn schon gesehen habe und trotzdem rührt er mich immer noch zu Tränen. Ich danke auch für den schönen Artikel.

    Natalie antworten

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