Umgang mit Kritik → Reaktion auf Kritik: Tipps, Beispiele & Übung

Vorab: Rufen Sie sich JETZT gleich eine konkrete Situation in Erinnerung, in der Sie unlängst kritisiert wurden.

Was haben Sie dabei empfunden und wie haben Sie darauf reagiert?


Jeder erfährt Kritik

Wir alle wurden und werden von anderen kritisiert, sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld: von den Eltern, der Partnerin bzw. dem Partner, die Mitarbeiter vom Chef, die Schüler von Lehrern, von Kollegen im Team, …

Der Schriftsteller Elbert Hubbard (1856 – 1915) hat es treffend formuliert:

Um Kritik zu vermeiden:
Tu nichts, sag nichts,
sei nichts.

Was ist überhaupt Kritik?

Kritik ist im Grunde nichts anderes als ein Feedback – also eine subjektive Beurteilung und damit eine persönliche Meinung.

Werden Sie kritisiert, so bewertet der Kritiker Sie als Person, Ihr Verhalten, einen Vorfall oder eine Ihrer Handlungen, die aus seiner Sicht nicht in Ordnung waren, aus welchem Grund auch immer.

Wenn Sie mit dieser subjektiven Beurteilung konform gehen, werden Sie die Kritik als gerechtfertigt und konstruktiv empfinden. Haben Sie eine komplett andere Sicht auf die geäußerten Kritikpunkte, werden Sie die Kritik als ungerechtfertigt und unsachlich wahrnehmen.

Mit Kritik umgehen lernen

Kritik ist ein zweischneidiges Schwert. „Zweischneidig“ deshalb, weil sie sowohl Positives als auch Negatives bewirken kann.

Kritik kann:

  • motivieren
  • (durch Annahme) Verbesserungen bewirken
  • (durch Annahme) zu Weiterentwicklung und Erfolg führen
  • die Augen öffnen
  • Probleme lösen

Kritik kann aber auch:

  • demotivieren, frustrieren, kränken, verletzen
  • (durch Ablehnen) Verschlechterungen bewirken
  • (durch Ablehnen) zu Stillstand und Misserfolg führen
  • ein „Kopf-in-den-Sand-Stecken“ bewirken
  • Probleme schaffen

Es liegt an Ihnen

Auch wenn Kritik unangenehm ist, ja sogar schmerzt – letztlich liegt es primär an Ihnen selbst, welche der oben genannten Punkte Sie zulassen und ob Sie die Kritik als Motor für Ihr Weiterkommen nutzen oder als Hindernis wahrnehmen.

Kritik annehmen: Es kommt darauf an

Wie ist es um Ihre persönliche Kritikfähigkeit bestellt? Natürlich fällt es nicht leicht, Kritik anzunehmen. Niemand wird gerne kritisiert!

Die Bereitschaft, Kritik anzunehmen, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

1. Berechtigt oder unberechtigt

Ob eine Kritik gerechtfertigt ist, liegt zuerst im Auge des Betrachters. Für den Kritiker ist sie immer berechtigt. Hingegen tendiert der Kritisierte zuerst einmal dazu, sie als unberechtigt oder übertrieben einzustufen.

Dass wir eher bereit sind, angemessene als unangebrachte Kritik anzunehmen, steht wohl außer Frage.

2. Wie die Kritik formuliert wird – der Ton macht die Musik

Da mag die Kritik noch so gerechtfertigt sein – je verletzender sie formuliert wird, je persönlicher der „Angriff“, desto geringer die Bereitschaft, sie anzunehmen. Erfolgt sie allerdings sachlich und konstruktiv, schaut es schon wieder anders aus.

3. Was kritisiert wird

Ist es ein begangener Fehler, eine Handlung, ein Verhalten, ein Vorfall? Oder werden wir als Person direkt kritisiert, z. B. unser Äußeres, unsere Persönlichkeit? Wer will schon als Person infrage gestellt werden? Niemand!

4. Die Beziehung zum Kritiker

Dann kommt es natürlich auch darauf an, wer uns kritisiert. Ist es eine Person, die uns sehr nahesteht, die wir schätzen und lieben, von der wir wissen, dass sie uns Gutes will? Oder eine Person, zu der wir keine engere Beziehung haben?

5. Die Persönlichkeit des Kritikers

Ja, es gibt sie, die Menschen, die immer etwas zum Kritisieren finden, die geradezu mit Argusaugen nach jedem noch so kleinen Makel Ausschau halten, auch wenn es weitaus mehr zu loben gäbe. Diese Kritiker dürfen sich nicht wundern, wenn ihre Kritik oder sie als Person nicht ernst genommen werden.

6. Elternhauserfahrung

Die individuelle Reaktion kann auch aus der Kritikerfahrung im Elternhaus resultieren. Als Beispiel: Ist ein Elternteil ständig am Nörgeln, am Kritisieren, kann das Kind dieses Verhalten unbewusst übernehmen und als Erwachsener weiterführen.

Oder ein Kind nimmt durch permanente Kritik eine Abwehr- und Schutzhaltung ein, die es als Erwachsener beibehält. Dann wird jede Form von Kritik – auch wenn sie gerechtfertigt ist und sachlich formuliert wurde – als persönlicher Angriff wahrgenommen. Mögliche Reaktion: Aggression oder Rückzug ins Schneckenhaus.

In eigener Sache

 ❁ ZeitblütenDownloadpaket SELBSTBEWUSSTSEIN: 

Mangelndes Selbstbewusstsein kann mit ein Grund sein, dass Kritik Sie stark verunsichert oder dass Sie ungerechtfertigte Kritik widerstandslos über sich ergehen lassen. 

REFERENZ: Übungen aus dem Downloadpaket werden u. a. von der KLINIK SGM LANGENTHAL (Psychotherapie & Psychosomatik) genutzt, um Patienten beim Erlangen von mehr Selbstbewusstsein im Alltag zu unterstützen. Hilfe zur Selbsthilfe: 

Die Motive: Warum kritisiert mich diese Person?

Wenn Sie kritisiert werden, sollten Sie immer das Motiv für die Kritikäußerung hinterfragen:

Will Ihnen die Person etwas Gutes, Sie beschützen, unterstützen, fördern? Oder will diese Sie damit bewusst verletzen, kränken, verunsichern, manipulieren, provozieren?

Motive, die dahinterstecken können – 6 Beispiele:

  1. ein Vorgesetzter kritisiert ein Ergebnis, um eine Verbesserung im Arbeitsablauf zu erreichen
  2. der Kollege hegt Neid- oder Konkurrenzgedanken und möchte durch Kritik sich selbst besser im Scheinwerferlicht platzieren
  3. in der Partnerschaft/Ehe kann Kritik für Machtspiele missbraucht werden
  4. die Lehrerin oder der Trainer wollen damit die Weiterentwicklung und den Lernprozess fördern
  5. eine Person mit geringem Selbstwertgefühl möchte sich besser/stärker fühlen, indem sie andere kritisiert und kleinmacht
  6. ein „Besserwisser“ oder eine Person mit Geltungsdrang will sich durch Kritikäußerung wichtigmachen

Kritikannahme: Es kommt darauf an,
von wem und wie man kritisiert wird.

Auf Kritik souverän reagieren: 8 Tipps

Nehmen wir an, eine Vorgesetzte oder Ihr Partner kritisiert Sie. Wie am besten darauf reagieren? Dazu acht Tipps:

1. Hören Sie zu

Lassen Sie den Kritiker seine Argumente vorbringen, lassen Sie ihn/sie ausreden.

2. Bleiben Sie ruhig

Werden Sie laut, bewirkt das auf der Gegenseite in der Regel eine ähnliche Reaktion oder kann als Zeichen von Schwäche gewertet werden.

3. Nicht rechtfertigen

Vermeiden Sie Rechtfertigungen. Diese können vom Gegenüber als Schuldeingeständnis interpretiert werden.

4. Zustimmen, aber …

Geben Sie dem Kritiker recht, aber nur in Bezug auf jene Punkte, die tatsächlich zutreffen, bei denen die Kritik berechtigt ist! Also nicht generelles Zustimmen, sondern selektives.

5. Nachfragen

Sind für Sie die Kritikpunkte unklar, fragen Sie selbstbewusst nach, um Missverständnisse zu vermeiden.

6. Ihre Sicht der Dinge mitteilen

Natürlich kann der Kritiker falschliegen, sich irren. Sind Sie anderer Meinung, legen Sie Ihren Standpunkt dar. Begründen Sie Ihre Meinung. Bleiben Sie aber dabei unbedingt sachlich und ruhig.

7. Konkrete Erwartungen erfragen

Wer kritisiert, erwartet eine daraus resultierende Besserung, Verhaltensänderung oder einen Wandel, auf was auch immer sich die Kritik bezieht. Sollten die Erwartungen vom Kritiker nicht klar kommuniziert werden, haken Sie nach:

„Was genau erwartest du von mir? Was genau soll sich ändern?“

8. Bedenkzeit nehmen

Sie müssen nicht sofort zu allem Ja und Amen sagen oder widersprechen. Wenn Sie nicht gleich wissen, was Sie antworten sollen, hören Sie sich die Kritikpunkte in Ruhe an und erbitten Sie sich dann Bedenkzeit:

„Ich lasse mir deine/Ihre Kritikpunkte durch den Kopf gehen …“

Vielleicht wollen Sie mit etwas Distanz Ihre Gedanken ordnen und zu Papier bringen, sich dadurch Klarheit verschaffen. Dann können Sie zu einem späteren Zeitpunkt immer noch angemessen reagieren:

„Ich habe nun über deine/Ihre Kritik nachgedacht …“

Umgang mit Kritik: Übung

Ihnen steht ein Kritikgespräch bevor oder Sie werden häufig mit Kritik konfrontiert?

Wie reagieren, wie damit umgehen?

Um zukünftig besser gegen Kritik gewappnet zu sein und selbstbewusst zu kontern, können Sie Affront-Situationen mit einer Ihnen vertrauten Person durchspielen – ähnlich wie Rettungskräfte heikle Situationen immer und immer wieder üben, um dann sicher und souverän zu agieren.

Bereiten Sie sich auf mögliche Diskussionspunkte und Gegenargumente vor. Üben Sie dann im Rollenspiel treffende Antworten auf die Kritik. Kontern Sie mit fester Stimme in aufrechter Haltung und selbstbewusster Körpersprache.

Diese Übung lässt Sie dann in der Kritiksituation souveräner auftreten.

Übung in der Gruppe: 

Mittlerweile wird auch an zahlreichen Schulen sowohl der Umgang mit Kritik als auch das konstruktive Kritisieren vermittelt. Hierzu werden Szenarien mit diversen Kritikhandlungen (verletzend, sachlich, …) durchgespielt, bei denen die Schüler unterschiedliche Positionen einnehmen. Die Schüler berichten dann von ihren Empfindungen und die Lehrkraft gibt Feedback auf die Reaktionen.

Auch in der Psychotherapie kommen entsprechende Rollenspiele zur Anwendung.

Reaktion auf Kritik: ein hilfreicher Spickzettel

Diesen Spickzettel können Sie ausdrucken und in Zugriffsnähe – z. B. in der Schreibtischlade – platzieren, um zwischendurch zu üben:


Kritik: Sprüche & Zitate

Abschließend noch 6 Zitate zum Thema Kritik:

Ich bin dankbar für die schärfste Kritik, wenn sie nur sachlich bleibt.
Otto von Bismarck, dt. Staatsmann, 1815 – 1898

Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgendetwas richtig machen. Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat.
Bruce Lee, sino-amerik. Kampfkünstler, 1940 – 1973

In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik an anderen.
Christian Morgenstern, dt. Dichter, 1871 – 1914

Kritiker sind gute Freunde, die uns auf Fehler hinweisen.
Benjamin Franklin, US-amerik. Politiker und Erfinder, 1706 – 1790

Ein Übermaß von Kritik zeugt von Unverständnis.
Gustave Flaubert, franz. Schriftsteller, 1821 – 1880

Wer zu viel Kritik übt, liebt zu wenig.
Sprichwort aus Irland

Meine persönliche Erfahrung

Wenn ich auf zahlreiche Situationen zurückblicke, ist es oft die Kritik, die mich letztlich ein gutes Stück weitergebracht hat.

Denn sie hat nicht selten dazu geführt, dass ich

  • bereichernde Wege eingeschlagen habe, die ich sonst nicht gegangen wäre bzw. überhaupt als solche erkannt hätte,
  • einen klareren Blick erhalten habe,
  • mir meiner Stärken und Schwächen bewusster wurde.

Und genau diese Nachbetrachtung macht das Annehmen von Kritik leichter – vorausgesetzt, sie wird sachlich und konstruktiv kommuniziert.


ZUKÜNFTIG IMMER SELBSTBEWUSST UND SOUVERÄN AUF KRITIK REAGIEREN:


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Kommentare

  • Neva

    Gute Punkte, sollte ich mal unserem Chef zeigen, der versteht nämlich unter kritisieren immer in Verbindung mit runtermachen.

    Geht auch in anderen Firmen so zu, wenn ich meine Bekannten höre. Dieser Merkzettel gehört ausgedruckt und in jedem Büro aufgehängt und wer sich nicht danach richtet, der soll auch mit Konsequenzen rechnen müssen.

  • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

    Also quasi ein „Spickzettel“ für die ganze Firma. :-)

  • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

    Hallo Holger!

    > Mit “aber” negiert man üblicherweise vorher Gesagtes. Das Positive spielt keine Rolle mehr und das Darauffolgende bleibt im Gedächtnis.

    Auch wenn ich grundsätzlich bezüglich „aber“ Ihrer Meinung bin, sehe ich das im Zusammenhang mit der Kritikäußerung etwas anders. Die Alternative wäre: keinen positiven Aspekt anführen oder keine Kritik üben. Wenn schon Kritik erforderlich ist – und Kritik muss ja nicht immer etwas Negatives sein –, dann wird sie „annehmbarer“, wenn damit gleichzeitig auch Wertschätzung (der positive Aspekt) der Person gegenüber vermittelt wird.

    Um das ABER etwas abzuschwächen, habe ich in meinem obigen Beispiel auch das Wort ANDEREN eingefügt, also:

    „Ich schätze an dir/Ihnen sehr, dass … Heute muss ich aber mal einen ANDEREN Punkt zur Sprache bringen, verbunden mit einer Bitte …“

    Deshalb denke ich nicht, dass mit dieser Formulierung das Positive keine Rolle mehr spielt oder mit dem „aber“ das Positive negiert wird. Ich nehme auch an, dass in diesem Fall die wertschätzende Äußerung im Gedächtnis bleibt, also nicht nur die kritischen Worte. Natürlich ist das Ganze wieder von mehreren Faktoren abhängig, die ich oben unter dem Punkt „Die Bereitschaft, Kritik anzunehmen“ angeführt habe.

    Beste Grüße

    Burkhard

  • Bea

    Ein sehr guter Artikel!

    Ich gehe in derlei Gespräche mit Vorgesetzten immer mit dem Gedanken/Vorsatz: Man ist nur soweit “angreifbar”, wie man es selbst zulässt!

    Ich muss mich nicht beleidigen lassen, muss mich nicht “runter machen” lassen. Selbstverständlich trete ich selbst auch höflich und korrekt auf.

    Zur “Not” ist es hilfreich, sich Notizen zu machen und das Gespräch vorerst zu beenden, wann immer man sich unwohl fühlt. Dieses Recht habe ich. Bin ich dazu in der Lage, begründe ich den Abbruch mit wenigen Worten selbstbewusst. Anderenfalls genügt es, dem Gesprächspartner zu vermitteln, dass man sich gerade außerstande fühlt, das Gespräch konstruktiv fortzusetzen, weil …

    Danach sollte man sich “sortieren” u.U. entspannen oder Abstand gewinnen, sich sammeln und dann um eine neues Gespräch bitten. Der Vorgesetzte z.B. hatte schließlich auch Gelegenheit sich vorzubereiten. Wichtig ist immer der obige Grundsatz.

  • Brigitte Graf

    Schön geschriebener Artikel! Gefällt mir sehr gut und trifft den Nagel auf den Kopf! Gebe den Link sehr gerne weiter!

    VG Brigitte

  • Sandra

    Werde den Spickzettel mal ausprobieren! Es steht bald wieder etwas an, wo mit Kritik nicht unüblich ist!

    Leider habe ich letztes Mal nicht wie jemand, der Erwachsenen ist (+/- 2x18Jahre), sondern wie ein kleines Kind reagiert und den Raum fluchtartig verlassen….

    Das ist kein angemessenes Verhalten, das weiß ich, aber es ist nun so gelaufen und in dem Moment war es auch nicht das Verkehrteste aus der Situation raus zu gehen, aber das wie war …..

    Ich werde versuchen, die “Spickertipps” zu beachten und ansonsten den letzten Punkt “Bedenkzeit” in “kurze Pause” versuchen umzuwandeln!?!?

  • Heike

    Ganz toll geschrieben. Kann man überall anwenden im Umgang mit Menschen, auch beim eigenen Partner und bei sich selbst :-) Dankeschön!

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Bitte schön! :-)

  • Heike K.

    Hallo Herr Heidenberger,

    danke für Ihre wertvollen Tipps! Ich habe in Führungsschulungen schon viel zum Thema “kritisches Feedback” gelernt. Ihr Artikel behandelt dieses Thema jedoch viel anschaulicher und vor allem detaillierter.

    Meine Meinung zum Lob vor der Kritik ist etwas gespalten. Viele MA “durchschauen” diese Systematik der Sandwichmethode und wissen schon im Vorfeld, dass gleich “die Keule” kommt. Oder sie hören nur das Lob und blenden den Rest aus.

    Gleichwohl stimme ich Ihnen zu, dass ein positiver Einstieg die Türen öffnet und für ein gutes Gesprächsklima sorgt. Hier muss jeder seinen eigenen Weg finden. Der Kritiker muss sich wohl fühlen mit seinem Lob und darauf achten, wie es beim Gegenüber ankommt. Eine schöne Alternative zum ABER ist das UND. Ganz nach dem Motto “ein ABER trennt, ein UND verbindet”.

    LG Heike K.

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Hallo Heike,

      ja, Sie haben recht. Es kommt auch immer auf den jeweiligen Mitarbeiter an – als Kritikgeber ist immer einiges an „Fingerspitzengefühl“ gefragt, da jede Kritik individuell und auch die Persönlichkeit des Kritikempfängers berücksichtigt werden sollte. Ihr UND ist tatsächlich eine schöne Alternative. Danke!

      Oder ich lasse das „Aber“ komplett weg:

      „Ich schätze an dir/Ihnen sehr, dass … Heute muss ich mal einen ANDEREN Punkt zur Sprache bringen, verbunden mit einer Bitte …“

  • Susanna Haller

    Vielen Dank für dieses Thema und für die wirklich weiterhelfenden Informationen und den Spickzettel. Ich werde diese gern in das Dossier “Wissen” unserer Organisation aufnehmen.

    Selber bin ich vor Jahren während einer Pojektbegleitung überraschend zu einer Mediation eingeladen worden. Es ging dabei um die Finanzen und wie diese mit dem Budgetplan in Einklang gebracht werden sollten.

    Es bestanden Regeln über die Entlöhnung, der zu verrechnenden Stunden und über die weiteren Ausgaben.

    Das Thema ist schon an sich nicht einfach, wenn noch sprachliche wie kulturell andere Auffassungen dazukommen, ist es doppelt schwierig.

    Die zwei Leiterinnen des Projekts wurden noch von einer aussenstehenden Person begleitet.
    Die ganze Mediation fing recht gut an, doch dann mischte sich plötzlich die aussenstehende Begleiterin ein und nahm der Mediatorin die Leitung des Gesprächs aus der Hand. Und ich sass plötzlich als Schuldige, nicht als Projektbegleitende, die ihr Wissen und Erfahrung an die Projektleiterinnen weitergibt, da.

    Die Situation geriet fast aus dem Gleis.
    Zum Glück habe ich im Lauf der Jahre, wo ich bei vielen Projekten mitwirkte und auch leitete, auch gelernt ganz langsam auf 10 zu zählen.

    Das gab der Mediatorin die Zeit, um die Leitung des Gesprächs wieder zu übernehmen und die Mediations-Regeln nochmals aufzuzeigen. Und die aussenstehende Begleiterin aufmerksam zu machen, dass sie sich nicht einmischen dürfe.

    Es stellte sich dabei heraus, dass diese Begleiterin jene war, die die Mediatorin ausgesucht und das Treffen ausgelöst hat.
    Ich bin sozusagen schon von Beginn an als Schudige eingeladen worden und geriet dann voll zwischen die Fronten.

    Zwar sind wir mit einigermassen klaren gemeinsamen Zielen ausgeinander gegangen. Doch das Verhältnis untereinander und mein Vertrauen hat sehr gelitten.

    Dazu kam, dass mein Mann am Vortag als Notfall ins Spital kam, um einen Schlaganfall durch eine Operation zuvorzukommen. Bei diesem Eingriff musste er reanimiert werden.

    Heute stelle ich Familie und persönlich wichtige Situationen immer an erste Stelle.
    Und bei Projektleitungen und Begleitungen werden alle Treffen protokolliert, diese von allen genehmigt und Schwachstellen sofort eliminiert.

    Herzliche Grüsse

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Danke für Ihren Erfahrungsbericht, Susanna!

  • silvia schirbel

    der umgang mit dem wörtchen “aber” sollte man/frau üben, es gibt zwei verschiedene möglichkeiten und eine davon ist genauso wertschätzend wie andere worte, nämlich genau dann (und damit ist die anwendung von herrn heidenberger goldrichtig), wenn auf einen anderen gegensätzlichen oder in eine andere richtung weisenden aspekt hingewiesen wird.

    wenn ich kritik übe und tue das konstruktiv, will ich mein gegenüber ja schon wertschätzen und eben nicht bekämpfen oder niedermachen.

    dem “aber” kann also durchaus ebenbürtig ein lob folgen (oder umgedreht)? schaut mal was die deutsche sprache alles kann und bedient euch ihrer. doch das wohlwollende lächeln eines gegenüber bei aller kritik ist durch nichts zu ersetzen.

  • fahmiya

    woher hast du das, dass das eine alte lehrmeinung ist? ich denke es kommt auf die situationen und die personen an. ich würde eine kritik halt eher annehmen, wenn darin auch die wertschätzung mir gegenüber also etwas positives gesagt wird. wenn mich die gleiche person aber ständig kritisiert, dann ist es mir egal, ob positives dabei ist oder nicht, dann wird meine bereitschaft, diese permanente kritik anzunehmen, sowieso gering sein.