Ein Streitgespräch führen: So haben Sie die guten Karten

Nur der Gedanke daran, ein Streitgespräch führen zu müssen, lässt bei manchen Menschen den Angstschweiß ausbrechen.

Andere wiederum sind in ihrem Beruf täglich damit konfrontiert.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ich hatte längere Zeit Einblick in den Bereich Bau-Projektmanagement. Es gibt wohl selten ein Bauprojekt, das reibungslos über die Bühne geht.

Kommt es bei einem Projekt zu unvorhergesehenen Kosten, Terminverschiebungen etc., so sind Schuldzuweisungen auch gleich zur Stelle. Dann vergeht kaum ein Meeting ohne Streitgespräch, sowohl im kleinen Rahmen als auch in der großen Gruppe.

Ein Bau-Projektleiter muss manchmal ein „harter Hund“ sein. Und als neutraler Beobachter habe ich so manches Streitgespräch miterlebt. Ein solcher Projektleiter hat mich besonders beeindruckt. Ich hatte nie ein Streitgespräch mit ihm erlebt, in welchem er nicht als Sieger hervorgegangen ist.

Deshalb habe ich ihn mal in Bezug auf seinen Erfolg bei Streitgesprächen angesprochen. Ich wollte wissen, welche Strategie, welche Methode dahintersteckt.

Meine Beobachtungen und seine Antworten habe ich im Folgenden in Form von Tipps zusammengefasst.

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Wie ein erfolgreiches Streitgespräch führen? So nicht!

10 Tipps für ein erfolgreiches Streitgespräch

Diese Punkte sollten Sie beachten:

  1. Bereiten Sie sich vor! Kein Streitgespräch ohne Vorbereitung – das ist die wichtigste Regel. Überlegen Sie, welche Gegenargumente und Einwände, welche schlimmsten Vorwürfe kommen könnten und legen Sie sich Antworten dafür bereit.
  2. Bringen Sie das Problem bzw. den Streitgrund direkt auf den Tisch. Wenn das Problem dem Gesprächspartner noch nicht bewusst ist, nutzen Sie den Überraschungseffekt. Der Gesprächspartner muss dann reagieren und ist damit in der schwächeren Position.
  3. Legen Sie sich ein Repertoire an möglichen Antworten und wirkungsvollen Konterfragen zu, unabhängig vom Streitgesprächsthema. Je öfters Sie Streitgespräche führen müssen, desto größer wird Ihr persönlicher Schatz an Konterfragen. Lernen Sie die wirkungsvollsten ruhig auswendig.
  4. Ihre Argumente sollen immer aus den drei B-Teilen bestehen: Behauptung, Begründung, Beispiel.
  5. Behalten Sie Ihre stärksten Argumente immer für den Schluss auf. Wenn Ihr „Gegner“ schon das ganze Pulver verschossen hat, ziehen Sie noch Ihre Pfeile aus dem Köcher.
  6. Achten Sie darauf, dass nicht vom Thema abgewichen wird.
  7. Greifen Sie eine Person nie persönlich an, keine Beschimpfungen und Beleidigungen. Ein Streitgespräch sollte immer auf der sachlichen Ebene bleiben.
  8. Achten Sie darauf, dass der Streitpartner nicht „das Gesicht verliert“, indem Sie ihn beispielsweise vor anderen bloß stellen. Dadurch erhalten Sie Wertschätzung und Respekt retour – gute Voraussetzungen für Streitlösungen.
  9. Eine Prise Humor – wenn angebracht – kann die Wogen in einem Streitgespräch schnell glätten.
  10. Beenden Sie das Streitgespräch möglichst mit einer konkreten, kurzfristigen Handlung, auch wenn diese vorab nur einen Kompromiss für beide Seiten darstellt.

Das sind also die 10 Tipps für ein erfolgreiches Streitgespräch und aus meiner Beobachtung und Erfahrung kann ich sagen, dass sie wirken.


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Ein selbstsicheres Auftreten trägt auch wesentlich dazu bei, sich in einem Streitgespräch souverän zu behaupten.  

REFERENZ: Übungen aus dem Downloadpaket werden u. a. von der KLINIK SGM LANGENTHAL (Psychotherapie/Psychosomatik) genutzt – zur Unterstützung der Patienten beim Erlangen von mehr Selbstbewusstsein im Alltag. Hilfe zur Selbsthilfe: 


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Kommentare

  • Leser

    Das sind jetzt einmal Hinweise, die ich so nicht akzeptieren kann. Sich auf ein Streitgespräch vorbereiten…. Erstens macht man sich vorher schon fix und fertig. Zweitens, was ist, wenn mein Gegenüber diese Hinweise auch kennt. Ein bitterer Streit ist vorprogrammiert. Man sollte unvoreingenommen in Gespräche gehen.
    Bin ich dann mit der Situation überfordert oder nicht zufrieden, kann ich zu jeder Zeit das Gespräch beenden und dies dem Gegenüber auch deutlich und bestimmt mitteilen. Der wird dann sicher ziemlich überrascht über meine Entschlossenheit und wird sich beim nächsten Gespräch vielleicht anders verhalten.
    Ich finde, dass sich viele Menschen überhaupt zu lange in unangenehmen Gesprächen aufhalten. Fühle ich mich in einer Situation nicht wohl, verlasse ich diese konsequent mit den Worten (in etwa): Mir gefällt diese Art der Unterhaltung nicht, weil….. Ich beende das Gespräch jetzt hier, werde über Ihr Anliegen nachdenken und wir können uns später noch einmal unterhalten. Ich kann eine faire Unterhaltung erwarten.
    Somit habe ich mich aus der Situation gerettet und dem Gegenüber ist der s.g. Trumpf genommen.