Woran gute Vorsätze scheitern und wie Sie Ihre Vorsätze umsetzen

Nicht nur mit dem neuen Jahr werden Vorsätze gefasst. Immer wieder nimmt man sich etwas vor, fasst also einen Vorsatz – und scheitert.

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Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch starten und tun …

Warum klappt es mit so vielen Vorsätzen nicht? 8 Gründe

Zu den häufigsten Gründen zählen meiner Meinung nach folgende:

1. Ein Vorsatz ist kein Ziel

Ein Vorsatz ist immer etwas Unverbindliches, ein Vorhaben, ein Wunsch. Sie nehmen sich beispielsweise vor, ein paar Kilos abzunehmen. Aber wie viel sind ein „paar“ Kilos und bis wann möchten Sie diese Kilos loswerden?

Und genau das ist der große Unterschied zwischen Vorsatz und Ziel.

Ein Vorsatz ist etwas, was man gerne hätte. Mit einem Ziel hingegen legen Sie fest, was genau Sie bis wann erreicht haben wollen. Und das am besten schriftlich.

2. Das Wie ist nicht klar

Allein mit dem Ziel ist es aber nicht getan.

Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun!

So hat es bereits Goethe treffend auf den Punkt gebracht. Sie müssen also aktiv werden. Um aktiv werden zu können, gilt es, die entsprechenden Schritte und Maßnahmen zu planen und in weiterer Folge umzusetzen.

Wie Sie einen Maßnahmenplan aufstellen, habe ich hier erläutert:

Erst mit der Durchführung der einzelnen Maßnahmen, der einzelnen Schritte, können Sie das Vorgenommene erreichen.

Fehlen die konkreten Aktionen, wird es nur beim guten Vorsatz bleiben.

3. Fehlende Ausdauer

Darin liegt nicht nur ein häufiger Grund für das Scheitern guter Vorsätze, sondern die fehlende Ausdauer gehört wohl auch zu den größten Erfolgsbremsen.

Es gibt zahlreiche Menschen, die wirklich großartige und damit erfolgversprechende Ideen haben. Aber dann fehlt der lange Atem für die Umsetzung.

Denn der Erfolg stellt sich in der Regel nicht von heute auf morgen ein.

Manche schmeißen schon beim ersten etwas größeren Hindernis die Flinte ins Korn.

4. Zu hoch gegriffen

Ich bin der Meinung, dass man sich durchaus auch höhere Ziele bzw. Vorsätze setzen sollte. Aber in einem überschaubaren und realistischen Rahmen. Denn zu große Vorsätze können schnell demotivieren und damit zum (vorzeitigen) Aufgeben verleiten.

Deshalb ist es besser, den Vorsatz bzw. das große Ziel in mehrere Teilziele zu gliedern. Das erleichtert die Umsetzung wesentlich.

5. Die persönliche Schmerzgrenze ist nicht erreicht

Um beim eingangs erwähnten Vorsatz mit dem Abnehmen zu bleiben: Wenn das Übergewicht nicht sonderlich stört und Sie trotzdem einige Kilos loswerden möchten, wird der Erfolg schwerer zu erreichen sein.

Wenn Sie hingegen mit dem Übergewicht richtig unglücklich sind, es Sie belastet und damit die „persönliche Schmerzgrenze“ erreicht wurde, dann läuft der Motivationsmotor auf Hochtouren.

Also je größer der Leidensdruck, desto erfolgversprechender die Umsetzung des Vorsatzes bzw. die Zielerreichung.

6. Fehlende Zeit

Alles erfordert seine Zeit. Das gilt auch für das Erreichen des Vorhabens. Wenn Sie abnehmen möchten und dafür regelmäßig Sport treiben wollen, müssen Sie sich entsprechende Zeitressourcen freischaufeln. Und genau darin liegt häufig noch ein Grund für das Scheitern des Vorsatzes: die fehlenden Zeitressourcen.

7. Fehlende Selbstdisziplin

Die fehlende Selbstdisziplin ist ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum Ziel. Ich formuliere es mal so:

Je geringer der Leidensdruck, umso häufiger ist die fehlende Selbstdisziplin der ausschlaggebende Grund für das Scheitern.

Selbstdisziplin kann man lernen. Wie, das habe ich hier beschrieben.

8. Ablenkungen

Durch die Belastungen des Berufsalltags, aber auch durch die Anforderungen im Privatbereich geraten die guten Vorsätze leicht in den Hintergrund. Wir verdrängen sie und werden von anderen „Dingen“ abgelenkt.


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Alles eine Sache der persönlichen Priorität

Letztlich ist es aber eine Sache der Priorität, ob Sie Ihre guten Vorsätze erreichen oder nicht. Wenn Sie Ihrem Vorsatz höchste Priorität geben, werden Sie

  • die notwendige Ausdauer aufbringen,
  • die erforderliche Zeit finden,
  • genügend Selbstdisziplin aufbringen,
  • sich nicht ablenken lassen.

Und auch die Priorität geht häufig mit dem Leidensdruck einher:

Je höher Ihr Leidensdruck, aus dem der Vorsatz bzw. das anvisierte Ziel resultiert, desto höher die Priorität, die Sie dem Vorsatz zuordnen werden.

Als Beispiel:

Nehmen wir an, Sie haben starke Zahnschmerzen. Ihr Leidensdruck ist also immens. Sie werden alles daran setzen, diese Schmerzen möglichst kurzfristig zu lindern. Alle Maßnahmen/Aktionen (schmerzstillende Maßnahmen, zeitnahen Zahnarzttermin vereinbaren, …), die zum Nachlassen des Schmerzes führen, werden Sie höchste Priorität zuordnen.

Würden Sie hingegen nur ein leichtes Ziehen (= ein geringerer Leidensdruck) wahrnehmen, würden Sie wahrscheinlich die Prioritäten anders ansetzen.

Mit Mini-Gewohnheiten geht’s leichter

Was ein weiterer Grund für das vorzeitige Scheitern der guten Vorsätzen sein kann: Viele starten gleich von 0 auf 100:

  • Ab dem 1.1. wird mit dem Trainingsbeginn im Fitnessstudio gestartet und gleich mehrmals die Woche trainiert.
  • Ab Tag X wird keine Zigarette mehr geraucht – von heute auf morgen wird mit dem Rauchen aufgehört.
  • Es wird eine Stunde täglich gejoggt.

All das erfordert eine enorme Portion Willenskraft, um langfristig durchzuhalten.

Mini-Gewohnheiten sind einfach bewältigbare Stufen auf dem Weg zum Ziel

Besser: Mini-Gewohnheiten statt sofort von 0 auf 100

Aber es geht auch mit weniger Anstrengung, und zwar damit:

Mini-Gewohnheiten sind nichts anderes als kleine Umsetzungsschritte, die keine große Willenskraft erfordern und sich einfach in den Alltag integrieren lassen.

Mini-Gewohnheiten nehmen Ihnen den Druck und entlasten, trotzdem haben Sie die Gewissheit, sich etwas Gutes zu tun. Es wird Ihnen damit gelingen, Ihre Vorsätze ohne übermäßige Anstrengung umzusetzen und Ihr Ziel entspannter zu erreichen.

Mini-Gewohnheiten: 21 Beispiele

Im Folgenden habe ich einige Beispiele zusammengestellt. Lassen Sie sich inspirieren. Spricht Sie ein Vorschlag an, dann einfach übernehmen und in Ihren Alltag integrieren.

Vorsatz „mehr Bewegung“, Mini-Gewohnheiten:

  1. Vor jedem Toilettengang 10 Kniebeugen am WC machen.
  2. Statt Lift oder Rolltreppe die Stiege nehmen.
  3. Das Auto etwas entfernter parken und ein Stück des Arbeitsweges zu Fuß zurücklegen.
  4. Morgens nach dem Aufstehen 1 Minute lang Hampelmann-Springen oder im Stand laufen.
  5. Vor dem Start in die Mittagspause 1 Minute lang eine Dehnübung (z. B. für den Nacken) durchführen.
  6. Stehend telefonieren statt sitzend am Schreibtisch.

Vorsatz „gesünder ernähren“, Mini-Gewohnheiten:

  1. Zu jedem Mittagessen ein Stück Obst essen.
  2. Montag ist naschfreier Tag.
  3. Statt 2 nur noch 1 Löffel Zucker in den Kaffee geben.
  4. Wasser statt süßes Getränk zum Mittagessen trinken.

Vorsatz „mit dem Rauchen aufhören“, Mini-Gewohnheiten:

  1. Nach dem Mittagessen einen Kaugummi kauen statt eine Zigarette rauchen.
  2. Statt in jedem nur noch in einem bestimmten Raum in der Wohnung rauchen.
  3. Statt 4 nur noch 2 Raucherpausen während der Arbeit machen.

Vorsatz „Stress reduzieren“, Mini-Gewohnheiten:

  1. Morgens nach dem Aufstehen eine Atemübung machen.
  2. Eine halbe Stunde täglich soweit wie möglich abschotten, um an wichtigen Aufgaben ungestört zu arbeiten.
  3. Öfter freundlich Nein sagen („Mein Nein ist der erste Schritt zu weniger Stress und mehr persönlicher Freiheit“).
  4. Vor Verlassen des Büros 1 Minute lang den Schreibtisch aufräumen und dadurch den nächsten Tag stressfreier beginnen.
  5. Abends im Bett eine Entspannungsübung durchführen.

Vorsatz „weniger am Smartphone“, Mini-Gewohnheiten:

  1. Das Handy außerhalb direkter Griffnähe platzieren, z. B. in einem anderen Raum.
  2. Räume zu Hause als Smartphone-Tabuzonen festlegen (z. B. Schlaf- und Esszimmer).
  3. Smartphone-freie Zeiten festlegen (z. B. täglich von 18 bis 19 Uhr).

4 Tipps für wirkungsvolle Mini-Gewohnheiten

Abschließend habe ich noch 4 Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung:

1. Mit einer Alltagshandlung verknüpfen

Verknüpfen Sie die gewählte Mini-Gewohnheit mit einer Alltagshandlung (z. B. vor dem Zubettgehen, nach dem Aufstehen am Morgen, vor/nach dem Toilettengang, nach dem Zähneputzen). Dadurch benötigen Sie keine zusätzliche Erinnerung und sie wird innerhalb kurzer Zeit zu einer routinemäßigen Alltagshandlung.

2. Mit EINER Mini-Gewohnheit beginnen

Vermeiden Sie den Versuch, mehrere Gewohnheitsänderungen parallel umzusetzen. Das kann überfordern und dadurch demotivieren. Erst wenn Ihnen eine Gewohnheit in Fleisch und Blut übergegangen ist, sollten Sie – falls gewünscht – die nächste angehen.

3. Schritt für Schritt steigern

Eine Mini-Gewohnheit ist auch dadurch gekennzeichnet, dass sie Sie kaum Überwindung und übermäßige Anstrengung kostet. Aber natürlich können und sollten Sie sich langsam steigern, um sich weiterzuentwickeln bzw. bis Sie Ihr anvisiertes Ziel erreicht haben.

Eine Weiterentwicklung bzw. Steigerung ist über folgende Varianten – auch in Kombination – möglich:

  1. in der Anzahl (z. B. Übungen),
  2. in der Durchführungsgeschwindigkeit (z. B. Treppensteigen),
  3. in der Dauer (z. B. Smartphone-Pause).

4. Seien Sie gut zu sich

Wenn Sie hin und wieder eine Mini-Gewohnheit auslassen, ist das nicht weiter tragisch – Hauptsache, Sie bleiben dran. Hadern Sie nicht mit sich. Seien Sie zu sich selbst wie ein guter Freund oder eine gute Freundin, der bzw. die Sie unterstützt und Ihnen Mut macht.

So erreichen Sie Ihre guten Vorsätze

Sechs Schritte, damit es mit der Umsetzung der guten Vorsätze auch klappt:

  1. Keinen (!) Vorsatz fassen, sondern ein ZIEL (was genau wollen Sie bis wann erreichen) und Teilziele (Meilensteine auf dem Weg zum Ziel) definieren
  2. Maßnahmen festlegen, die für das Erreichen des Zieles bzw. der Meilensteine notwendig sind
  3. Beginnen Sie mit Mini-Gewohnheiten
  4. Möglichst Mitstreiter/Verbündete (Personen, die das gleiche Ziel verfolgen) gewinnen (Gründen Sie einen Zielclub)
  5. Loslegen!
  6. Dranbleiben!


Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • Gaby Stratmann

    Lieber Herr Heidenberger,

    Sie und Ihre Zeitblüten…
    Einfach Klasse!

    Wünsche mir mehr Zeit, mich damit zu beschäftigen.
    Merke, meine Seele schreit danach.
    Aber: Ich weiß, auch das wird schon werden.

    Und Ihnen und all Ihren Lieben wünsche ich
    das Allerbeste für das neue Jahr.

    Vielen lieben Dank!
    Das, was Sie da den Menschen bringen,
    ist schon etwas Besonderes.

    Herzlichst
    Gaby Stratmann

    Gaby Stratmann antworten
  • Genau. Ich glaube auch, dass es nur der Leidensdruck ist, der Menschen dazu bewegt, wirklich etwas zu verändern bzw. zu wollen.

    Wenn ich als Raucher das Rauchen eher als Entspannung empfinde und nur aufhören will, weil meine Frau oder meine Kollegen das toll finden würden, fehlt mir die richtige Einstellung dazu. Irgendwann nach 1-2 Monaten bin ich dann wieder da, wo ich aufgehört habe.

    Andreas antworten

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