Nein sagen – so gelingt es!

Das „Nicht-Nein-sagen-Können“ zählt mit zu den häufigsten Stressauslösern. Das ergab auch eine von mir durchgeführte Umfrage, an der über 700 Personen teilgenommen haben.

Der deutsche Schriftsteller Claus Gaedemann hat es bereits passend formuliert:

Das Wörtchen „nein“ steht ganz vorn unter den Waffen gegen Zeitfresser.

Warum fällt uns das Neinsagen so schwer?

Um nur einige mögliche Gründe zu nennen:

  • wir wollen andere nicht vor den Kopf stoßen
  • wir erhoffen uns Anerkennung und Wertschätzung
  • wir wollen andere nicht verletzen
  • wir möchten es allen recht machen
  • wir fürchten die Konsequenzen etc.

Die Folgen

So mancher ist aufgrund der erhofften Anerkennung bemüht, anderen Menschen keinen Wunsch abzuschlagen. Aber es ist meist so, dass man genau von diesen Personen wenig Anerkennung bekommt und sogar ausgenutzt wird.

Nun gehören hierzu immer mindestens zwei dazu. Jene Person, die ausnutzt, und jene, die sich ausnutzen lässt.

Ein Nein fällt in der Regel viel schwerer, als ein Ja. Wer nicht nein sagen kann, der setzt sich häufig selbst unter Druck bzw. wird unter Druck gesetzt. Als Beispiel:

Ein Arbeitskollege kommt mit einer „kleinen Bitte“. Auf eine kleine Bitte folgt die nächste, dann weitere. Und das geschieht dann in der Regel nicht nur im Arbeitsumfeld, sondern setzt sich auch im privaten Bereich, in der Familie fort.

Wenn Sie Arbeiten und Aufgaben erledigen, für die Sie eigentlich gar nicht zuständig sind, dann bleibt Ihnen weniger Zeit für IHRE Aufgaben oder eben weniger Zeit für Ihre Freizeit.

Nein-sagen.

Nein sagen – 7 Tipps

Deshalb: Lernen Sie, Nein zu sagen. Das gelingt meist nicht von heute auf morgen. Aber beginnen Sie mit dem Veränderungsprozess gleich heute. Dazu 7 Tipps:

Tipp 1: Ursachen bewusst machen

Der erste Schritt in Richtung Verhaltensänderung besteht stets darin, sich die Ursachen für das Nicht-Nein-sagen-Können bewusst zu machen. Fragen Sie sich selbst, warum es Ihnen so schwer fällt, Nein zu sagen. Allein dieser Bewusstmachungsprozess führt oft zu Erkenntnissen, die den Veränderungsprozess erleichtern und beschleunigen. Also: Was befürchten Sie, wenn Sie öfter Nein sagen?

Tipp 2: Erlauben Sie sich ein Nein

Erlauben Sie es sich, nein zu sagen! Es ist Ihr gutes Recht! Insbesondere dann, wenn Ihnen Arbeiten oder Aufgaben zugeschanzt werden, für die Sie nicht zuständig sind.

Machen Sie sich bewusst, dass beispielsweise ein Ja zum Kollegen ein Nein für Sie und Ihre Bedürfnisse bedeutet.

Tipp 3: Gehen Sie den Weg der kleinen Schritte

Von einem Tag auf den anderen zu allen Forderungen bzw. zugetragenen Wünschen rigoros Nein zu sagen, ist nicht wirklich sinnvoll. Gehen Sie den Weg der kleinen Schritte.

Das Neinsagen ist ein Veränderungs-, ein Lernprozess. Und wie jeder Lernprozess erfordert auch dieser Übung. Je häufiger Sie es gebrauchen, desto leichter wird es mit der Zeit fallen.

Tipp 4: Bleiben Sie höflich, aber bestimmt

Lernen Sie, höflich, aber bestimmt Nein zu sagen! Natürlich kommt es auch darauf an, wem man eine Bitte abschlägt: dem Vorgesetzten, einem Arbeitskollegen, einem Bekannten, … Es muss nicht immer ein direktes Nein sein.

Wenn es Ihnen schwer fällt, Bitten oder Aufgaben abzulehnen, bestimmen Sie selbst, wann Sie diese erledigen: „Ich kann das machen, aber erst am …!“ „Ich werde es erledigen, habe aber morgen einen Abgabetermin, den ich unbedingt einhalten muss …“

Tipp 5: Halten Sie Argumente für Ihr Nein parat

Legen Sie sich zwei, drei allgemeingültige Argumente parat. So sind Sie dann bei der nächsten Forderung gewappnet und müssen nicht erst nach „Ausreden“ suchen.

Tipp 6: Begründen Sie Ihr Nein

Begründen Sie Ihr Nein, sodass es für den anderen nachvollziehbar ist, ohne dass es sich direkt auf dessen Person bezieht (s. Beispiele unter Tipp 4).

Tipp 7: Belohnen Sie sich

Belohnen Sie sich! Vor allem zu Beginn ist das Neinsagen eine große Herausforderung. Lassen Sie am Abend den Tag Revue passieren und zählen Sie, wie oft es Ihnen gelungen ist. Steigern Sie sich. Belohnen Sie sich mit einer Kleinigkeit. Das motiviert und stärkt das Erfolgserlebnis.

Fazit: „Die Fähigkeit, das Wort NEIN auszusprechen, …

… ist der erste Schritt zur persönlichen Freiheit.“

Dieses Zitat von Nicolas Chamfort bringt es nochmals auf den Punkt!

Deshalb: Lernen Sie, Nein zu sagen. Ihre Stressbelastung wird abnehmen und Sie tun sich damit etwas Gutes! Öfter mal ein Nein trägt auch zu Ihrer Gesundheit (weniger Stress) und allgemein zu Ihrem Wohlbefinden bei!


Kommentare

  • Jessica U.

    Vor kurzem habe ich gelernt,dass in dem Wort NEIN auch ein EI – (versöhnliches über den Kopf streicheln …) integriert ist. Also ist jedes NEIN auch eine Selbstfürsorge für mich – und jeden, für den das auch einleuchtend ist.

    Jessica U. antworten
  • Ruske, Marlies

    Ich konnte auch selten “NEIN” sagen, fühlte mich gestresst usw., …
    2009 wurde ich sehr krank und fiel 4 Monate aus, danach habe ich mir vorgenommen, du wirst jetzt auch an DICH selbst denken und es funktioniert gut!!

    Ruske, Marlies antworten
  • Alex Bellon

    Schöner Artikel, in dem ein sehr wichtiges Thema kurz und knapp auf den Punkt gebracht wurde.

    Das Nein-sagen fällt vielen heutzutage aufgrund sozialen & gesellschaftlichen Drucks immer schwerer. Ich kenne persönlich mehrere Menschen, die regelrecht “ausgebrannt” sind, weil sie nicht die Fähigkeit besaßen, richtig “Nein” zu sagen. Es war für sie unmöglich, ihr eigenes Wohl und ihre Prioritäten an erster Stelle zu stellen, was sie irgendwann sogar krank gemacht hat.

    Oftmals liegen die Ursprünge für dieses Problem schon im Kindesalter. So lernen wir entweder von unseren Eltern oder von unserem Umfeld (Lehrer, Freunde, Verwandte etc.), dass es wichtig ist, ein hilfsbereiter und zuvorkommender Mensch zu sein.

    Was sich zunächst richtig und harmlos anhören mag, kann aber auch der Keim für die spätere Unfähigkeit sein, das Wort “Nein” auszusprechen. Weil wir glauben, von allen gemocht werden zu müssen, verbiegen wir uns oftmals selber, stecken ein und machen die Dinge, die dafür sorgen, dass wir uns selbst im Leben hintenanstellen. Klar, dass das uns irgendwann unglücklich und letztlich krank macht!

    Richtig “Nein” sagen zu lernen, gehört aus diesem Grund meiner Meinung nach zu DEN Fähigkeiten, die man sich aneignen muss, wenn man ein unabhängiges, selbstbestimmtes und erfülltes Leben führen möchte.

    Schöne Grüße

    Alex Bellon (von flowfinder.de)

    Alex Bellon antworten
  • Tim

    Sehr interessanter Artikel! Wir sind irgendwie schon dran gewöhnt, zu allem immer Ja und Amen zu sagen. Dabei hinterfragen wir nicht mehr, ob das, was wir tun, überhaupt dem entspricht, was wir auch tun wollen.

    Ich finde, dieser Artikel hat echt Mut gemacht nach einem gesunden Mittelmaß zwischen Egoismus und Hilfsbereitschaft zu suchen. Beides ist wichtig, wenn es sich in der Waage befindet!

    Liebe Grüße

    Tim (von catalyzr.de)

    Tim antworten
  • Anke Hagen-Meyer

    Ich finde den Artikel sehr gut, da er berücksichtigt, dass eine Portion gesunder Egoismus dafür sorgt, gesund zu bleiben. Natürlich ist ein Nein nicht immer angenehm, jedoch wird es im allgemeinen nicht übel genommen.

    Anke Hagen-Meyer antworten

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