Ankern oder positive Gefühle jederzeit abrufen

Vielleicht haben Sie schon mal etwas von der Anker-Methode gehört.

Dabei geht es darum, dass man positive Gefühlszustände „speichert“ und bei Bedarf wieder abruft.


Eine Hilfe vor allem in schwierigen und herausfordernden Situationen. Gut, darunter kann man sich jetzt nicht besonders viel vorstellen.

Deshalb eine typische Anwendung dieser Anker-Methode:

Nehmen wir an, Sie müssen vor einer größeren Gruppe sprechen, sind das aber nicht gewohnt und deshalb entsprechend unsicher und nervös. Wäre doch eine feine Sache, wenn Sie genau in dem Moment, sobald Sie vor die Gruppe treten, plötzlich ruhig werden. Die große Anspannung verfliegt.

Genau das können Sie mit dem Ankern erreichen.

Sie können sich das Ankern auch bildlich vorstellen:

Sie sind der Kapitän eines Schiffes, der bei unruhiger See den Anker setzt, um nicht abgetrieben zu werden und die Orientierung zu verlieren.

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Wie ein Boot lassen sich auch positive Gefühle ankern, damit sie nicht „abtreiben“

Ankern beruht auf der Reizreaktionskopplung

Das Ankern beruht auf der sogenannten Reizreaktionskopplung: Ein bestimmter Reiz löst eine Reaktion aus.

Bei mir ist es häufig so, dass Gerüche und Düfte Kindheitserinnerungen wecken – beispielsweise erinnert mich ein bestimmter Seifenduft an einen Familienausflug in meiner Kindheit. Verbunden mit dieser Erinnerung kommt auch meist das positive, unbeschwerte Gefühl, das ich damals empfunden hatte.

Das positive Gefühl hat sich mit diesem speziellen Seifenduft “verankert”.

Ankern: So gehen Sie am besten vor

Das Ankern lernen Sie nicht von heute auf morgen. Es bedarf viel Übung. Aber wenn Sie es einmal „intus“ haben, dann ist es eine hervorragende Methode, innerhalb kürzester Zeit positive Gefühle abzurufen.

Um das Ankern zu lernen, gehen Sie am besten so vor:

Schritt 1: Entspannen

Suchen Sie sich einen Platz, an dem Sie ungestört sind. Dann entspannen Sie sich – am besten mit einer Entspannungsübung. Einige habe ich schon hier vorgestellt:

Schritt 2: Visualisieren

Wenn Sie nun vollkommen entspannt sind, rufen Sie sich eine Situation in Erinnerung, in der Sie beispielsweise glücklich und zufrieden waren.

Gehen Sie diese Situation in Ihren Gedanken detailliert durch. Was haben Sie genau gespürt, wahrgenommen?

Je intensiver Sie diese Erinnerung formen, mit allen Sinnen wahrnehmen, desto wirksamer wird der Anker werden.

Schritt 3: Anker setzen

Wichtig: Den Anker sollten Sie genau dann setzen, sobald Sie die Erinnerung bzw. das positive Gefühl besonders intensiv empfinden.

Es geht also darum, dieses positive Gefühl mit einer Handlung zu verknüpfen.

Diese Handlung kann beispielsweise das Berühren von Daumen und Zeigefinger sein, das Drehen des Ringes, das Ballen der Faust oder was auch immer – sinnvollerweise etwas Unauffälliges, das von anderen nicht wahrgenommen wird.

Noch etwas Wesentliches:

Es sollte immer der gleiche Anker für das gleiche Gefühl gesetzt werden.

Beispielsweise das Berühren von Daumen und Zeigefinger zum Abrufen des Glückgefühls, das Ballen der Faust für das Selbstbewusstsein etc.

Schritt 4: Wiederholung

Der Anker wird erst wirksam, wenn Sie ihn über einen längeren Zeitraum regelmäßig wiederholen.

Denn mit ein-, zweimal Üben werden Sie nicht das gewünschte Ergebnis herbeiführen.

Aber wenn Sie das Ankern erst einmal beherrschen, haben Sie ein sehr effektives „Werkzeug“, um auch in schwierigen Situationen nicht so schnell die Ruhe zu verlieren bzw. gezielt bestimmte Emotionen/Kräfte abzurufen.

Viel Erfolg beim Ankern!


Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • Gerd Castan

    Schöne Herangehensweise, das Ankern mit einem so positiven Gefühl zu erlernen.

    Ein gut gesetzter Anker mit dem richtigen Timing funktioniert beim ersten Mal. Wenn der Eindruck besteht, man müsse einen Anker über einen längeren Zeitraum wiederholen, dann gibt es eine oder mehrere Stellen im Prozess, die man besser machen kann, wobei die Beschreibung oben schon ziemlich gut ist.

    Mit dem Ankern bei anderen Menschen zu beginnen, ist einfacher, als bei sich selbst. Bei sich selbst sind zusätzliche Fehler zu vermeiden, die beim Ankern mit anderen nicht vorkommen können (Sie tun zwei Dinge gleichzeitig, sich die Situation vorzustellen und sich ankern).

    Gerd Castan

    Gerd Castan antworten

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