Opferrolle → 17 Anzeichen, 6 Gründe & 4 Tipps: Opferrolle verlassen

Ob in der Arbeit oder im privaten Umfeld – wahrscheinlich kennen Sie auch Personen, die sich gerne als Opfer darstellen und ihre Hände stets in Unschuld waschen.

An ihrer misslichen Lage, an der belastenden Situation, an Fehlern, an was auch immer – schuld sind immer die anderen oder die Umstände ODER (hier können Sie weitere Gründe einsetzen, die als Ausrede genannt werden), niemals sie selbst.

Schuld sind immer die anderen!



Wichtig: Dieser Beitrag handelt NICHT von Menschen, die Opfer eines belastenden Vorfalls (Unfall, psychische und physische Gewalt, Straftat etc.) geworden sind. Hier geht es um Personen, die – meistens bewusst – eine Opferhaltung einnehmen, um sich daraus Vorteile zu verschaffen.

Opferrolle erkennen: 17 Anzeichen

Wenn mehrere der folgenden Anzeichen bei einer Person zutreffen, weist dies auf einen „Opfertyp“ hin:

  1. jammert gerne und oft
  2. sieht sich gegenüber anderen benachteiligt oder unfair behandelt
  3. ist selten bereit, von sich aus etwas zu ändern, was zu einer Besserung der eigenen Lage führen könnte
  4. fühlt sich bei jedweder Kritik persönlich angegriffen
  5. ist selten um eine Ausrede verlegen
  6. erlebt sich selbst als hilflos
  7. ist chronisch unzufrieden
  8. tendiert zu Egoismus
  9. scheut sich davor, Entscheidungen zu treffen
  10. badet sich in Selbstmitleid
  11. kann sich anderen gegenüber nicht durchsetzen (Opferrolle wird genutzt, um wenigstens dadurch Zuspruch zu erhalten)
  12. projiziert die eigenen negativen Emotionen auf Mitmenschen
  13. fehlt es an Selbstreflexion und Eigenverantwortung
  14. überreagiert auch bei unbedeutenden Vorfällen (macht aus einer Mücke einen Elefanten)
  15. manipuliert, um bei Mitmenschen Schuldgefühle zu erzeugen (emotionale Erpressung)
  16. hat ein geringes Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen
  17. gibt stets anderen die Schuld

Schuldzuweisungen sind (meist) Ausreden

Die Schuldzuweisungen beziehen sich in der Regel nie auf die eigene Person, sondern immer auf Mitmenschen oder ungünstige Umstände:

„Ich hätte es ja geschafft, aber …“

„Weil die anderen …, konnte ich nicht …“

„Wenn nicht … gewesen wäre, dann hätte ich schon lange …“

„Wenn es mir nicht so schlecht ginge, dann …“

Schuldzuweiser und Ausredenkünstler suhlen sich oft geradezu in ihrer selbst gewählten Opferrolle. Für alles, was ihnen widerfährt, suchen und finden sie die Schuld bei anderen.

Das ist für das unmittelbare Umfeld anstrengend, was häufig dazu führt, dass Menschen zu diesen Personen früher oder später auf Distanz gehen oder den Kontakt ganz abbrechen.

Verharren in der Opferhaltung – die Vorteile

Betroffene sehen in ihrer Opferhaltung durchaus Vorteile. Sie …

  • erhalten Mitleid und Aufmerksamkeit,
  • werden durch das zugesprochene Mitleid oft ge- und verschont oder von der Verantwortung entbunden
  • und brauchen keine Eigenverantwortung für ihre Lage übernehmen, denn Schuld sind immer andere Personen oder ungünstige Umstände.

4 Gründe, warum Menschen die Opferhaltung wählen

Das bewusste oder unbewusste Einnehmen der Opferrolle und das ständige „Schuld von sich weisen“ können verschiedene, individuelle Ursachen haben.

Jeder von uns hat eine ihn prägende Vorgeschichte (Erlebnisse, Erziehung etc.), aus der oft eingefahrene Glaubenssätze, Denk- und Verhaltensmuster resultieren.

Im Folgenden 4 mögliche Gründe, die teils auch ineinandergreifen und in Kombination auftreten können:

1. Schlicht und einfach: Bequemlichkeit

Wer stets die Schuld von sich weist, ist folglich auch nie selbst verantwortlich für die missliche Lage. Aus dieser eigenen Wahrnehmung lässt sich auch nichts zu einer Besserung beitragen, man muss nicht handeln.

Bevor diese Personen aktiv werden, bleiben sie lieber in der bequemen, passiven Opferhaltung. Denn das ist wesentlich einfacher, als aktiv zu werden und sich anzustrengen.

2. Aufmerksamkeit und Mitleid erhaschen

Sie erhoffen sich Mitleid und Trost durch ihre Opferrolle, denn das ist auch eine Form von Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch zuteilwird.

Gut gemeinte Ratschläge und Tipps interessieren sie weniger. Diese werden ignoriert oder nur alibimäßig kurz umgesetzt. Denn letztlich wollen sie an ihrer Opferrolle nichts ändern, sondern nur Mitleid oder Aufmerksamkeit.

Sie fühlen sich von Ratgebern sogar bevormundet und unverstanden. Deshalb wenden sie sich lieber an Personen, die sie in ihrem Lamento bestärken und in das Klagelied einstimmen.

3. „Ich bin besser als die anderen!“

Insbesondere Menschen, die ständig anderen die Schuld geben und Sündenböcke suchen, wollen sich dadurch oft in eine moralisch überlegene Position hieven: „Schuld sind die anderen, deshalb bin ich besser als sie!“

4. Geringes Selbstbewusstsein

Opfertypen sind meist unsichere Menschen. Mangelt es an Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein, kann das Einnehmen der Opferrolle auch von dem Verlangen nach Bestätigung und Anerkennung herrühren:

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Das Selbstbewusstsein lässt sich dauerhaft stärken.

REFERENZ: Übungen aus dem Downloadpaket werden u. a. von der KLINIK SGM LANGENTHAL (Psychotherapie & Psychosomatik) genutzt, um Patienten beim Erlangen von mehr Selbstbewusstsein im Alltag zu unterstützen. Hilfe zur Selbsthilfe: 

Ursache: Die Opferrolle wird in der Kindheit „erlernt“

Eine häufige Ursache für das Verharren im Opfermodus sind eingefahrene Gedanken- und Verhaltensmuster, die sich bereits in der Kindheit entwickelt haben.

Konstellationen, die diese frühzeitigen ungünstigen Entwicklungen vorantreiben:

  • Das Kind stellt fest, dass ein Geschwisterteil von den Eltern bevorzugt wird. Dadurch hat es ständig das Gefühl, zu kurz zu kommen und sieht sich „geschwächt“.
  • Ein Mangel an Zuneigung und Aufmerksamkeit bereits im frühen Alter kann ebenso ursächlich sein. Die Erfahrung, dass man dann durch Einnehmen der Opferrolle Zuspruch und Trost erhält, macht den Opfermodus umso reizvoller.
  • Eltern können beim Kind (unbewusst) Schuldgefühle erzeugen, die zur Verinnerlichung der Opferrolle führen. Etwa wenn Streitereien zwischen Mutter und Vater auf dem Rücken des Kindes ausgetragen werden.
  • Das Kind wächst überbehütet auf. Ihm wird alles abgenommen, was mit Anstrengung verbunden ist. Die Bequemlichkeit wird unterstützt oder zumindest nicht unterbunden. Diese Kinder werden als Erwachsene eher Schwierigkeiten haben, mit widrigen Umständen alleine fertigzuwerden. Und wenn sie von klein auf erfahren haben, dass alle in ihrem unmittelbaren Umfeld Rücksicht auf sie nehmen und das irgendwann nicht mehr der Fall ist, fühlen sie sich plötzlich benachteiligt. Sie tendieren dazu, ihr Weiterkommen von anderen abhängig zu machen, weil sie nicht gelernt haben, selbstständig zu agieren.
  • Auch ein geringes Selbstwertgefühl und daraus resultierende Minderwertigkeitskomplexe können zur eigenen Opferfixierung führen. Wenn Vorwürfe durch die Eltern in Dauerschleife laufen, wirkt sich das unweigerlich auf das Selbstbild des Kindes aus.

Opferrolle ablegen – wie Sie anderen dabei helfen

  1. Vermeiden Sie Vorwürfe – z. B. in Bezug auf das Mitleid heischende Verhalten. Denn Vorhaltungen bestärken die Person in ihrem „Opferglauben“.
  2. Versuchen Sie, die Vorteile zu vermitteln, die eine Änderung der Verhaltens- und Denkmuster bewirken kann: Wer Selbstverantwortung übernimmt und aktiv wird, kann seine Lebensqualität enorm verbessern. Wer hingegen die Opferrolle einnimmt, gewährt anderen die Macht über sich und macht sein Fortkommen von anderen abhängig.
  3. Zeigen Sie Verständnis, denn der Opferrolle-Grundstein wurde meist durch belastende Umstände in der Kindheit gelegt. Versuchen Sie, prägendes Vergangenes durch sensibles Nachfragen und aktives Zuhören zu ergründen. Das unterstützt den Aufarbeitungsprozess.
  4. Wechselt die Person in Gesprächen in den Opfermodus, lenken Sie die Unterhaltung auf positive Themen. Beteiligen Sie sich nicht an Jammereien.
  5. Motivieren Sie zu aktivem Handeln. Unterstützen Sie alle Aktionen, die sich aus der Opferstarre bewegen oder kleine Erfolgserlebnisse bewirken können.
  6. Häufige Ursache für die Opferfixierung ist mangelndes Selbstvertrauen. Starke, selbstbewusste Menschen verlangen nicht ständig nach Aufmerksamkeit oder Zuspruch. Stärken Sie die Selbstsicherheit und das Selbstwertgefühl der „Opfer“. Kommunizieren Sie Wertschätzung und aufrichtige Komplimente.

Die Unterstützung wird letztlich nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn bei Betroffenen die Bereitschaft vorhanden ist, ihren Opferstandpunkt aufzugeben.

Wie umgehen mit Opfertypen?

In Ihrem unmittelbaren Umfeld gibt es einen Menschen, der an seinem Opferstatus keinesfalls etwas ändern will? Dann bleiben Ihnen wenige Möglichkeiten:

  • Sie weisen die Person mit Nachdruck darauf hin, dass sie in Ihrer Anwesenheit das Lamentieren, die Schuldzuweisungen und Ausreden unterlassen soll.
  • Sie ignorieren das Opferverhalten.
  • Sie schränken den Kontakt so weit wie möglich ein.

Es kommt natürlich darauf an, in welchem Verhältnis Sie zu dieser Person stehen. Gegenüber einem Familienangehörigen können Sie das Thema eher zur Sprache bringen und Ihre Wünsche äußern, bei einem Vorgesetzten ist das verständlicherweise nicht so einfach möglich.

Raus aus der Opferrolle: 4 Tipps

Sie ertappen sich manchmal selbst in der Opferhaltung?

Wenn Sie sich selbst hin und wieder in die Opferrolle hineinmanövrieren und das zukünftig vermeiden wollen, gehen Sie am besten so vor:

1. Sie müssen aus der Opferrolle herauswollen

Der Wunsch und der Wille, die Opferrolle zu verlassen, sind Grundvoraussetzung für alle weiteren Maßnahmen.

Denn wo ein Wille, da ein Weg. Wo kein Wille, da keine Veränderung.

2. Betreiben Sie Selbstreflexion

Machen Sie sich bewusst, wann Sie dazu tendieren, die Schuld auf andere (Menschen, Umstände, …) zu schieben. Hierzu einige Reflexionsfragen:

  • Sind es immer die gleichen Situationen? (Beispielsweise dann, wenn Sie überfordert sind.)
  • Weisen Sie nur gewissen Menschen die Schuld zu?
  • Begeben Sie sich nur gegenüber bestimmten Personen in die Opferrolle, von denen Sie z. B. Zuspruch, Mitgefühl wünschen?
  • Was belastet Sie derzeit am meisten? Worin sehen Sie die Gründe für diese Belastung?
  • Hat Ihnen bereits jemand Ihre Opferhaltung vorgeworfen? Wenn ja, in welchem Zusammenhang?

3. Legen Sie den ersten Schritt fest

„Was kann ICH tun, damit es mir besser geht?“

Passivität wirkt wie eine angezogene Handbremse und verhindert das Vorankommen, das Erreichen einer Besserung.

Auch wenn Sie vollkommen schuldlos sind und in eine ungute Situation hineingeschlittert sind – machen Sie sich bewusst, dass Sie auch eigenverantwortlich zu einer Besserung beitragen können. Und wenn es im ersten Schritt nur das Akzeptieren der eingetretenen misslichen Lage ist.

Beantworten Sie diese Frage:

Welchen ersten Schritt kann ICH machen, damit es mir besser geht?

Formulieren Sie am besten jetzt gleich eine Maßnahme, die zu einer Besserung führt.

4. Werden Sie aktiv

Schon Goethe wusste:

„Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“

Passivität bedeutet immer Stillstand, das Tun bewirkt hingegen Veränderung. Suchen Sie nicht mehr nach Ausreden oder die Schuld bei anderen. Finden Sie stattdessen Möglichkeiten, die Ihre Situation verbessern, und setzen Sie diese um. Werden Sie aktiv! 

Mit jedem positiven Erlebnis werden Sie Kraft und neue Energie schöpfen und sich aus der Opferspirale befreien.

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Eine Stärkung des Selbstvertrauens kann enorm dazu beitragen, sich nicht mehr als Opfer zu fühlen. 

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Opferrolle verlassen: Es gibt viele Wege zum Glück

Es gibt viele Wege zum Glück. Einer davon ist, aufhören zu jammern.
Albert Einstein zugeschrieben

Personen, die die Opferrolle bevorzugen, tendieren zu übermäßigem Jammern. Dieses ständige Lamentieren hat noch nie an einer unguten Situation etwas geändert hat.

Hin und wieder kann Jammern entlastend und befreiend wirken. Wenn es allerdings zur Gewohnheit wird, belasten Jammerer sich selbst und ziehen zudem ihre Mitmenschen mit runter, denn der Fokus ist ständig auf das Negative ausgerichtet. Der Blick auf das Positive und Schöne geht langsam, aber sicher verloren.

Personen mit eigener Opferfixierung vergleichen sich oft mit anderen Menschen. Dabei finden sie immer jemanden, der etwas besser kann oder etwas hat, was sie auch gerne besitzen würden. Das macht unzufrieden, wie auch der dänische Philosoph Søren Kierkegaard weiß:

Das Vergleichen ist das Ende des Glückes und der Anfang der Unzufriedenheit.

Raus aus der Opferrolle – hier die Tipps in einem Dokument nochmals zusammengefasst:


4.7/5 – (175 votes)

Kommentare

  • Heide-Rose

    Lieber Herr Heidenberger,

    in meiner Familie gibt es auch so jemanden. Sie ist gesundheitlich angeschlagen, sie hatte zwei Schlaganfälle, bedingt auch durch ihre vorangegangene ungesunde Lebensweise, wie die Ärzte bestätigten.

    Die Ärzte haben ihr schon beim ersten Schlaganfall dringendst geraten, mit dem Rauchen aufzuhören sowie zu mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung. Das hat sie für ca. zwei Wochen (!) gemacht, dann aber wieder aufgegeben. Mittlerweile isst sie zwischendurch einmal etwas Gesundes, dann einmal im Monat etwas Bewegung, nur um sagen zu können, dass sie eh das macht, was ihr die Ärzte geraten haben. Aber dass das alles nichts bringt, wenn es nicht regelmäßig gemacht wird, wie der Arzt gesagt hat, interessiert sie nicht. Lieber schluckt sie täglich Tabletten, denn dafür muss sie sich ja nicht anstrengen, ist ja viel bequemer!

    Es ist wirklich so, dass bevor sie sich etwas anstrengt, zum Beispiel mit regelmäßigem Sport, oder auf Zigaretten und ungesunde Ernährung verzichtet, nimmt sie anscheinend lieber einen weiteren Schlaganfall in Kauf, der dann vielleicht nicht mehr so glimpflich ausgeht wie die zwei vorherigen.

    Für uns ist das alles frustrierend und wir können das auch schwer akzeptieren. Aber man kann noch so gute Ratschläge geben, sie ignoriert sie einfach. Ich habe ihr angeboten, mit ihr gemeinsam regelmäßig Sport zu machen, damit es ihr leichter fällt. Nö, will sie nicht.

    Richtig zornig macht mich dann aber, dass sie immer am Jammern ist: Das kann sie nicht machen oder jenes nicht, da braucht sie Hilfe, weil sie ja gesundheitlich angeschlagen ist. Wie Sie auch in Ihrem Artikel schreiben, fühlt sie sich so richtig wohl in der Opferrolle und nutzt andere Menschen in ihrem Umfeld aus, will ihnen Schuldgefühle einreden, obwohl sie alleinig schuld an ihrer angeschlagenen Gesundheit ist. Verwandte sind deshalb schon zu ihr auf Distanz gegangen.

    Leider ist es für mich als Familienangehörige nicht so einfach, das alles zu ignorieren, aber wahrscheinlich muss ich mich damit abfinden.

    Naja, es ist halt sehr frustrierend. Das musste jetzt einfach mal raus. Wie Sie sehen, hat mich Ihr Artikel berührt. :-)

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Vielleicht können Sie sich mit den anderen Familienmitgliedern zusammensetzen und ein gemeinsames Vorgehen absprechen, dann der Person zusammen mitteilen, dass sie diese Opferhaltung zukünftig nicht mehr ohne Weiteres akzeptieren und sich nicht mehr Schuldgefühle einreden lassen wollen.

      Gemeinsam können Sie eher mit Nachdruck vermitteln, dass seitens der Familie von ihr Eigeninitiative und Eigenverantwortung zur Gesundheitsbesserung verlangt wird. Vielleicht bewirkt dieses gemeinsame Vorgehen ein Umdenken.

    • lexi

      @heiderose, auch wenn es für dich hart klingen mag, aber dann müsst ihr eben mit dem
      3. schlaganfall rechnen, aber dann könnt ihr nix dafür, auch wenn sie dann wieder versucht, euch schuldgefühle einzureden, wenn sie dazu dann noch imstande ist. ich hätte da kein bisschen mitleid.

  • Karin

    Ich war 25 Jahre mit solch einem Schuldzuweiser und Ausredenfinder verheiratet. Ein Seminar mit dem Thema “Veränderungsprozesse positiv gestalten” hat mir da sehr weitergeholfen. Den Leitsatz “love it, change it or leave it” versuche ich seither umzusetzen.

    Dauerhaft lieben war hier schon eine große Herausforderung, unendlich lange habe ich an Veränderungen gearbeitet. Letztendlich bin ich gegangen. Und es geht mir sooo gut damit.

    L.G. Karin

  • Maya

    War auch lang genug mit so einem permanenten Ausredenerfinder zusammen, der nichts weitergebracht hat, weil immer die anderen schuld waren. Bis ich mich getrennt habe. Das wollte er dann nicht wahrhaben und ist aus allen Wolken gefallen.

  • Klopfer

    Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag! Er bestärkt mich in meiner seit ein paar Jahren trainierten Haltung gegenüber diesen Jammerlappen. In meinem privaten Umfeld habe ich sie inzwischen fast komplett “entsorgt”.

    Schwieriger ist das im beruflichen Alltag. Meine Erfahrung dort ist, dass diese Jammerlappen auch noch höchst intrigant sind. Und das macht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich. Hier kann ich allen Mitbetroffenen nur raten: Lasst sie auflaufen! Sie entlarven sich selbst über kurz oder lang durch ihre negative Performance. Das merkt irgendwann auch der dümmste Chef.

    Bleibt aber im persönlichen Umgang stets korrekt – am besten überfreundlich! Und fragt niemals, wirklich niemals “Wie geht es dir?”, “Hattest du einen schönen Urlaub?” oder “Wie war dein Wochenende” oder im schlimmsten Fall “Hast du auch so viel zu tun?”.

    Einen jammerfreien Tag Euch allen

  • Matthias

    Mmmmh, vielleicht zähle ich ja selbst auch zu diesen “Jammerlappen”, obwohl ich nicht unbedingt Schuldzuweisungen austeile – aber mit Rückschlägen und Versagen kann ich schwer umgehen. Und dass dann für mich alleine abzuhaken, fällt mir schwer.

    Ich bin von Jugend an darauf getrimmt worden, mich für andere einzusetzen, mich für andere zurückzunehmen. Wenn ich das dann tat, bekam ich Lob und Anerkennung. Dadurch kommt man schnell in diese Opferrolle und darunter entwickelt sich kein Selbstwertgefühl.

    Beruflich habe ich einen geradlinigen Weg hinter mir, der jetzt mit dem Ende der Selbstständigkeit eventuell auch nicht gut endet – aber das will ich hier nicht vertiefen.

    Nur privat bin ich immer gescheitert, weil ich mich immer nur zurückgenommen habe und meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse negiert habe. Das geht soweit, dass mir gar nicht mehr klar ist, was ich mir denn eigentlich wünschen und für mich erwarten soll. Da jetzt mit 66 rauszukommen, fällt verdammt schwer…

  • Patricia

    Ich kenne dieses Verhalten mit der Schuldzuweisung schon ewig von einer Person in der Familie. Und ich habe immer darüber hinwegsehen. Aber jetzt platzt mir langsam die Krawatte.

    Ein Familienmitglied ist vor kurzem verstorben. Nun will die besagte Person mir die Schuld geben, dass sie sich nicht vor dem Tod des Familienmitgliedes von selbigem verabschiedet hat. Mich selber trifft der Tod des Familienmitgliedes sehr hart. Und jetzt bin ich einfach nur noch wütend.

  • Henrietta

    Ich kenne das anders rum: Dass man mir für alles die Schuld geben will. Ich wurde so kaputtgemacht, dass ich heute zum Arzt rennen muss, um weiter zu leben. Mir mein Sinn zum Leben genommen wurde und man behauptet, ich bin derjenige, nur weil ich mich gewehrt habe.

    • Matthias F. Heufer

      Hallo Henrietta,

      so allgemeine Tipps funktionieren nicht immer und sind manchmal nicht anwendbar. Und genau das ist mir ja auch passiert und ich habe mir die Schuld dafür gegeben, dass das bei mir nicht funktionierte, was ja offensichtlich “alle anderen ganz leicht können” (Grenzen setzen – sich wehren).

      Ich habe mich privat und beruflich immer um alles gekümmert und mich für alles verantwortlich gehalten – das hielt ich für den Sinn meines Lebens. Man hat mir versucht klar zu machen, dass genau das es war, was mich letztlich doch in diese Sackgasse brachte – zugespitzt: das, was ich als Sinn des Lebens sah, machte mich kaputt. Ich habe lange gebraucht, da rauszukommen.

      Ich empfinde vieles offensichtlich intensiver als andere und empfinde mehr Empathie für andere – ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass das so ist und sehe es heute auch als Chance im täglichen Leben. Dass ich trotzdem immer aufpassen muss und darauf achten muss, auch selbst nicht zu kurz zu kommen, das ist für mich manchmal schwierig. Aber seitdem ich mich selbst nicht mehr dafür “verurteile” so zu sein, gelingt mir das besser.

      Und tatsächlich: seitdem geht es mir selbst besser und das Feedback von anderen ist auch besser.

    • Rebelde123

      Ganz genau so sehe ich das auch Henrietta!! Danke!

  • Unbekannt

    Mich hat dieses Verhalten meines Ex-Freundes total psychisch fertig gemacht. Meine Freunde sagen, ich war nicht mehr ich selbst, weil ich mich durch die Schuldgefühle von ihm kontrollieren ließ. Nichts konnte ich richtig machen. Jeder Satz wurde mir im Mund umgedreht und als Beleidigung interpretiert.

    “Du interessierst dich nicht für mich”, “ich bin dir total egal” und “du tust gar nichts für diese Beziehung” gepaart mit einer krankhaften Eifersucht waren an der Tagesordnung. Und immer habe ich mir gedacht “was muss ich für ein schlechter Mensch sein, dass ich diesen Mann, der mich so sehr liebt, immer so grausam behandeln muss”. Bis ich dann die Reißleine gezogen habe, und langsam verstehe, dass ich gar nicht so übel bin.

  • Anonym

    Hallo Herr Heidenberger,

    ich habe ein ähnliches Problem mit einem Familienmitglied. Und zwar ist ein Elternteil schon lange chronisch erkrankt, was schon meine ganze Kindheit geprägt hat. Der andere Elternteil weist ständig darauf hin, dass immer alle Verantwortung an ihm hängt und er ja schon vor 20 Jahren die Familie hätte verlassen können und dennoch geblieben ist (ich bin 25 Jahre alt).

    Außerdem hätten wir Kinder nicht ansatzweise so unter der Situation gelitten wie er, obwohl ich gefühlt meine halbe Jugend zu Besuch im Krankenhaus verbracht habe und er unter der Woche sowieso beruflich immer unterwegs war. Er hat nur Anstandsbesuche alle paar Wochen im Krankenhaus gemacht, weil er es glaube ich einfach nicht sehen kann.

    Nun macht mich das einfach so wütend, wenn man als Kind gesagt bekommt, die ganze Situation habe 20 Jahre seines Lebens zerstört, nur weil er bei uns geblieben ist. Und dabei war er eigentlich ja doch nie wirklich da. Es fühlt sich an wie ein “Wettkampf” wer mehr unter der Situation gelitten hat und der eigentliche Leidtragende, der chronisch kranke Elternteil, wird dabei einfach ausgeblendet.

    Reden kann man vergessen, dann fühlt er sich direkt angegriffen und der Streit eskaliert. Außerdem bestärkt ihn das direkt wieder in seinem schlimmen Dasein, wenn man nicht wertschätzt, wie schlecht es ihm geht. Ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll, diese Selbstdarstellung macht mich nur noch aggressiv.

    Über einen Ratschlag wäre ich dankbar.

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Wenn er in diesem Zusammenhang nicht mit Ihnen reden will bzw. wie von Ihnen beschrieben reagiert, ist das natürlich sehr belastend für Sie.

      Vielleicht gibt es in Ihrem unmittelbaren Umfeld eine Person, welche die Familiensituation kennt und die einen guten Zugang zu ihm hat und mit der auch Sie gut können. Wenn ja, sollten Sie mit dieser Person sprechen, damit diese ihm dann (diplomatisch) Ihre Gefühle, Ihre Sicht, … vermitteln kann.

      Auch wenn es mit einem Gespräch wohl nicht getan ist, wird er voraussichtlich auf diese Person anders reagieren, also nicht sofort abblocken und dann sogar zuhören. Und das wäre schon mal ein Anfang.

  • Pjerman

    Etwas krass, eine psychisch krankhafte Haltung so herabsetzend darzustellen. Viele dieser Menschen brauchen Hilfe, die vom Umfeld (Familie etc.) gar nicht realisiert werden kann. Die meisten reden leicht und beurteilen die anderen in ihrer “Opferrolle” und begeben sich dadurch selbst in eine krankhafte Haltung. Ihr versucht ein Individuum auf Grund eurer eigenen Erfahrung zu ändern. Könnt euch aber nicht in den Menschen hineinfühlen. “Der Arzt sagt und tut und macht” … ab da sollte man merken, dass bei den Menschen etwas sehr starkes im Kopf blockiert.

    • Andi

      Es ist auch traurig, wenn ein Mensch in der “Opferrolle” festhängt, weil er blockiert ist, gerade auch wenn er selbst sehr darunter leidet.

      Aber wer fragt danach, welche Schäden sie auch bei Anderen hinterlassen können??? Bei meinem Exfreund ist es nicht anders. Und er tut mir wahnsinnig leid, weil er so unglücklich ist und ich ihn ihn noch wahnsinnig lieb habe.

      Unsere Beziehung ist letztlich daran zerbrochen, weil ich ständig Schuldzuweisungen, Unterstellungen und übelste Beschimpfungen nachher zu hören bekam.

      Ich habe mir das alles sehr zu Herzen genommen. Habe immer versucht sachlich zu bleiben, ihm Dinge vernünftig aus meiner Sichtweise zu schildern. Ihm ist es unmöglich gewesen, meine oder generell andere Sichtweisen in bestimmten Situationen zu akzeptieren und zu respektieren.

      Ich bin lange ein sehr verständnisvoller Mensch und bin dadurch absolut an meine Grenzen geraten und letztendlich habe ich meine Urvertrauen verloren, bin ein sehr ernster Mensch geworden, habe meine Leichtigkeit verloren, weil ich das alles persönlich genommen habe und er es geschafft hat, dass ich mich schuldig fühle.

      Ihm tut das alles sehr leid, pocht aber in gewissen Situationen immer noch darauf, dass andere oder ich schuld sind. Er macht eine Therapie, um seinen Alltag besser bewältigen zu können. Ich hoffe ihm geht es irgendwann besser.

  • Mila

    Hallo Herr Heidenberger,

    das ganze Thema kenne ich zu gut mit meiner Schwester. Sie hat sich selbst dazu entschlossen, 3 Kinder gleich hintereinander zu bekommen. Sie legt auch sehr viel Wert darauf, dass sie viel in der Natur sind oder auch Ausflüge machen und nicht, wie leider bei vielen häufig der Fall, nur vor dem Fernseher sitzen. Ich persönlich finde das super, wie sie das macht.

    Jetzt kommt aber das große “aber”, worin ich mich sehr schwer tue, mich davon zu distanzieren. Sie erwartet nämlich von meinen Eltern, anderen Verwandten und mir, dass wir uns auch an der Erziehung nach ihrem Vorbild beteiligen sollen. Schließlich wollten beispielsweise meine Eltern Enkel haben, dann ist das ja auch nicht zu viel verlangt, dass sie diese auch regelmäßig zu sich holen und etwas mit ihnen unternehmen. Auch seien meine Eltern daran Schuld, dass sie ein mangelndes Selbstbewusstsein hat und so weiter…

    Ständig ist sie am jammern, dass ihr alles zu viel sei und wir sie ruhig mehr unterstützen können, dabei sieht sie nie, was wir schon alles machen. Zu mir meinte sie auch, dass ich zu viele Freunde und Freizeitaktivitäten hätte und meine Familie mir unwichtig wäre. Was natürlich nicht stimmt. Bei allen Kindergeburtstagen bin ich bei ihr und auch so immer mal wieder. Das reicht ihr aber nicht. Jetzt wollte sie, dass ich mit ihren Kindern regelmäßig für die Schule lernen soll, weil ich das besser drauf hätte als sie. Ich sagte ihr, dass das hin und wieder gehen würde, aber ich nicht die Zeit habe, das ständig zu machen, da ich ja noch Vollzeit arbeite, einen Partner habe und noch andere Menschen, die mir wichtig sind.

    Ich und auch meine Eltern haben ihr schon mehrmals gesagt, dass sie selbst für ihre Kinder verantwortlich ist und wir ihr auch natürlich helfen, wo wir können, vor allem ist auch nach wie vor immer jemand in einem Notfall da. Sie wird dann aber immer sauer und meint, dass wir sie nicht verstehen, sie ist früher auch für alle da gewesen und wir würden sie nicht schätzen und das unsere Generation heutzutage keinen Zusammenhalt mehr kennt. Dass die Menschen früher viel mehr für einander waren und die Werte ganz anders waren. Kurz gesagt, früher war alles besser.

    Es gibt natürlich auch Phasen, wo sie entspannter ist und das hat sich auch im Vergleich zu früher gebessert, muss ich sagen. Aber es gibt doch noch häufig diese Zeiten der Schuldzuweisungen, wo ich dann sehr mit meinem Gewissen zu kämpfen habe.

    Haben sie einen Ratschlag, wie ich in solchen Momenten reagieren kann oder das ganze auch nicht so nahe an mich ranlasse. Ich möchte meine Schwester und meine Neffen, die ich alle natürlich sehr liebe, nicht aus meinem Leben ausschließen, aber möchte mein Leben auch nach meinen Vorstellungen leben und nicht das eines anderen “mittragen”.

  • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

    Im Artikel geht es nicht um Personen in einer VORÜBERGEHENDEN schwierigen Phase – etwa wie von Ihnen beschrieben die stressige Studienphase. Denn jeder Mensch von uns kennt schwierige Situationen, die belasten.

    Im Artikel geht es um Personen, die GENERELL ihre Hände in Unschuld waschen und IMMER die Schuld an ihrer misslichen Lage bei anderen suchen bzw. anderen geben.

  • Anna Lena

    Diese von aussen so bequem aussehende pathologische “Opferrolle” birgt in Wahrheit eine grosse Tragik. Diesen Menschen fehlte es von Anfang an an Aufmerksamkeit, Geborgenheit und Zuwendung. Meist liegen da ein oder gar mehrere Traumata zugrunde, die den Betroffenen aber überhaupt nicht bewusst sind.

    Diese sog. “Opfer” sind meist unterwegs mit ihren Überlebensstrategien, die sie als Kleinkinder schon entwickeln mussten, um zu überleben.

    Wer also solche Menschen im Umfeld hat, tut nicht unbedingt gut, sie einfach zu verlassen oder sie auf Distanz zu halten und sich auch noch über sie zu ärgern, das macht alles nur noch schlimmer. Viel besser ist es, den Opfern mit entsprechendem Mitgefühl zu raten (wenn sie einem gut bekannt sind), eine professionelle Beratung oder therapeutische Hilfe in Betracht zu ziehen, damit sie ihre Traumata angehen können, auch wenn das die meisten nicht hören wollen.

    Zudem spiegeln solche Leute auch immer Anteile in uns selbst, denn wer im Lebenssattel sitzt und grad alles gut läuft, der hat leicht reden, der bezieht auch immer wieder neue Energie und Selbstbewusstsein daraus. Wem aber alles misslingt und wer voll abgestürzt ist, der sieht das aus seiner Sicht völlig anders.

    Heute in dieser narzisstisch gestörten und egoistischen Ellbogen-Gesellschaft ist man nur was wert, wenn man leistet, sich abrackert, möglichst neben dem Job noch Ehrenämter und 15 Hobbys ausübt usw. usf.

    Wozu das alles? Für die sog. “Opfer”, die eigentlich nur nach der verpassten Aufmerksamkeit schreien, eine Katastrophe. Es gibt tatsächlich Situationen, wo man echt lange braucht, bis man wieder heraus findet, wenn überhaupt. Derjenige, der NICHT drin steckt, kann das von aussen immer leicht sagen, wo ein Wille da auch ein Weg, aber so einfach ist das eben doch nicht. Spreche da ganz konkret aus eigener Erfahrung (Stichwort: Jobverlust und Wiedereinstieg mit 50+).

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Danke für Ihren wertvollen Beitrag und die Perspektive von der „anderen Seite“!

  • Inga

    Aber was macht man, wenn man tatsächlich oft Opfer wurde? Und bis heute mit den Auswirkungen leben muss. Und die Lebenssituation heute sehr eng ist und man kaum Handlungsspielraum hat, die eigene Lage viel zu verbessern.

    Das ist schon sehr bitter. Wenn man ganz klar durch das Fehlverhalten anderer Konsequenzen zu tragen hat und diese bis heute spürt. Und dies in mehrfacher Hinsicht. Ich habe schon manchmal gedacht, habe ich ein Abo beim Teufel?

    Ich finde es viel einfacher, wenn man selbst an etwas ganz allein Schuld ist. Dann sagt man sich, naja jetzt hast du halt die Konsequenz davon. Wenn einen immer wieder die Umstände schütteln, speziell eben durch Handlungen von Menschen, man sich zur Wehr setzt – aber selbst das immer wieder scheitert, kann man schon das Vertrauen in Gott und die Welt verlieren.
    Das finde ich eigentlich das Schlimmste.

    Ich habe ein negatives Menschenbild entwickelt.
    Natürlich gibt es auch Positives, darauf versuche ich immer zu schauen. Aber die Gewichtung positiv/negativ passt bei mir einfach nicht.

    Darüber reden oder “Jammern” bringt nichts. Jedenfalls nichts Positives. Bei mir wurde auch schon manchmal an meiner Glaubwürdigkeit gezweifelt. Das fühlt man sich gleich noch besser. Und vermeidet solche Themen lieber.

    Und die Leute wollen im Allgemeinen folgendes hören:
    Mir fehlt zwar ein Arm und ein Bein, aber mir geht’s super. Und nicht: Manchmal ist es schon schwierig damit.

  • Resilienz will gelernt sein

    Guten Tag,

    auf der Suche nach Literatur, die ich als Sozialarbeiter den aus ihrem Umfeld von Schuldzuweisungen Betroffenen mal zum Lesen mitgeben kann, bin ich auf Ihre Seite gestoßen und kann Ihnen gerade auch aus beruflicher Sicht bestätigen, dass die allgem. möglichen Hintergründe wirklich wunderbar aufklärerisch auf den Punkt gebracht wurden!

    Tatsächlich ist es häufig so, dass man die subjektive Motivation hinter der eigentlich gesendeten Botschaft praktisch nicht erkennt und infolgedessen auf die Primärbotschaften “hereinfällt”. Meist sind sich die ‘Schuldzuweiser’ gar nicht mal bewusst darüber, was sie anrichten, zumal ihre Motivation egoistisch ausgerichtet und fokussiert ist, doch trotzdem ergeben sich dann spätere Konflikte für den Empfänger der Botschaften. Manchmal werden die Folgen für den Empfänger aber auch bewusst ignoriert oder kleingeredet, etwa wenn zB eine versteckte Handlungsaufforderung an ihn vermittelt werden soll (“DU sollst für meine Probleme aktiv werden, nicht ICH”).

    Obwohl eine Lösung, wie man mit Schuldzuweisern umgeht und je nach Abhängigkeitsverhältnis meist immer kompliziert ist, sind die Ratschläge dazu sehr nützlich. Die beim Sender wirklich “eindeutige Klarstellung” über die Auswirkungen der Botschaften sind wichtig, notfalls auch mit einer Mehrheit. Aber auch das Zurückziehen im Notfall ist für die Rettung der eigenen Gesundheit richtig, denn auch man selbst hat einen definitiv berechtigten Anspruch auf ein gesundes Leben. Ein späteres Zurückkommen und Thematisieren ist dadurch nicht gleich weg und wird dann wieder zum Teil der Konfliktlösung.

    Sehr praktisch auch, dass Sie Punkt 6 (“Selbstverantwortung und Selbstständigkeit nie gelernt”) als häufigen Grund mit in der Liste haben. Wenn ich mir in den letzten Dekaden so betrachte, welche Auswirkungen die zunehmenden gesellschaftlichen Ängste in der heutigen “Helikopter”-Kindererziehung haben, dann ahne ich zukünftig auch schon eine allgemein zunehmende Dysfunktionalität in der Kommunikation. Das wird natürlich gesellschaftliche Auswirkungen haben.

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Vielen Dank!

  • Solina

    Meiner Meinung nach sind diese sogenannten “Opfer” jedoch auch immer “Täter”! Seit über 50 Jahren besetzt meine Mutter diese “Opferrolle” und ich die Rolle des Handlangers, Beschützer, Besorger, Mutter ect.

    Das Prinzip ist Zuckerbrot und Peitsche, was innerhalb einer Stunde sekundenschnell von Freundlichkeit und Vertrautheit zu Anklagen und Vorwürfen wechselt.

    Die Ursache dafür liegt eindeutig bei ihr in einem frühkindl. Stadium, ändert aber nichts daran, dass sie ständig das Verhalten anderer beurteilt, aber nicht ihr EIGENES. Denn solche Menschen wollen nichts lernen oder sich womöglich reflektieren und Eigenverantwortung übernehmen. Dann müsste sie handeln und das verweigert sie komplett.

    Dadurch ist sie eine große Manipulateurin geworden, die erstaunlich wenig Empathie für ihre Mitmenschen hat und auch vor Lügen nicht zurückschreckt, um in ihrem Opferdasein bleiben zu können und die Unterstützung anderer zu sichern.

    Aufgrund eigener Belastungen habe ich nun den Dienst bei meiner Mutter “quittiert”, konnte und wollte mich nicht mehr bei mir selbst hinten an stellen. Somit haben meine Brüder meinen Part übernommen, die übrigens meine Mutter noch immer als hilfloses Opfer sehen (abwarten, wie lange noch).

    Meine Mutter hat mich dann in der Familie sehr schlecht dargestellt und mich eigenhändig aus dem Familienverband rausgeworfen. Nach dem ersten Schock stellte sich bei mir eine große Erleichterung ein und ein unglaubliches Freiheitsgefühl! So groß war der von ihr über die Jahrzehnte ausgeübte Druck. Ich war selbst überrascht.

    Vor ein paar Tagen kam dann eine Nachricht mit einer Entschuldigung und sofort fühlte ich mich wieder schwer wie ein nasser Sack.
    Ich habe ihre Entschuldigung angenommen und dann kam von ihr ein “Danke, ich weine”!

    Nein, ich werde nicht wieder in die mir zugedachte Rolle zurückkehren, auch nicht in den Familienverband, denn es hat mich zutiefst erschüttert, dass alle meiner Mutter glaubten und in mir eine “Täterin” sahen, die mit Ausschluss bestraft und anschl. wieder “eingereiht” werden soll.

    Ich empfinde mich aber weder als Opfer noch als Täter und werde meine verbliebenen Ressourcen an Mitgefühl und Liebe auf mich verwenden.

    • Burkhard Heidenberger | ZEITBLÜTEN

      Vielen Dank für die offenen Worte und Ihren Erfahrungsbeitrag, Solina!