Opferrolle: Schuld sind immer die anderen!

Ob in der Arbeit oder im privaten Umfeld – wahrscheinlich kennen Sie auch Personen, die ihre Hände stets in Unschuld waschen. An ihrer misslichen Lage, an der belastenden Situation, an Fehlern, an was auch immer – schuld sind immer die anderen oder die Umstände ODER … [hier können Sie weitere Gründe einsetzen, die als Ausrede genannt werden], niemals sie selbst.

Schuld sind immer die anderen!

Ausreden sind (meist) Schuldzuweisungen

Die Schuldzuweisungen beziehen sich also nie auf die eigene Person, sondern immer auf andere Personen oder ungünstige Umstände:

„Ich hätte es ja geschafft, aber …“

„Weil die anderen …, konnte ich nicht …“

„Wenn nicht … gewesen wäre, dann hätte ich schon lange …“

„Wenn es mir nicht so schlecht ginge, dann …“

Schuldzuweiser und Ausredenkünstler suhlen sich oft geradezu in ihrer selbst gewählten Opferrolle. Für alles, was ihnen widerfährt, suchen und finden sie die Schuld bei anderen. Das kann für das unmittelbare Umfeld mühsam, nervend und ärgerlich sein, was häufig dazu führt, dass Menschen zu diesen Personen früher oder später auf Distanz gehen und den Kontakt meiden.

6 Gründe, warum Menschen die Opferhaltung wählen

Das bewusste oder unbewusste Einnehmen der Opferrolle und das ständige „Schuld von sich weisen“ können verschiedene, individuelle Ursachen haben. Denn jeder Mensch hat eine ihn prägende Vorgeschichte (Erlebnisse, Erziehung etc.), aus der oft eingefahrene Glaubenssätze, Denk- und Verhaltensmuster resultieren.

Im Folgenden 6 mögliche Gründe für das Einnehmen der Opferrolle, wobei diese teils auch ineinandergreifen und in Kombination auftreten können:

Grund 1: Schlicht und einfach: Bequemlichkeit

Wer stets andere beschuldigt und Ausreden parat hat, ist folglich auch nie selbst verantwortlich für seine missliche Lage. Und wenn man nicht selbst schuld ist, lässt sich in der eigenen Wahrnehmung auch nichts zu einer Besserung beitragen, man muss nicht handeln.

Bevor diese Personen aktiv werden, bleiben sie lieber in der bequemen, passiven Opferhaltung. Denn es ist wesentlich einfacher, zu jammern, Ausreden zu formulieren und in Selbstmitleid zu zerfließen, als aktiv zu werden und sich anzustrengen.

Grund 2: Aufmerksamkeit und Mitleid erhaschen: „Ich bin so arm …!“

Ein weiterer möglicher Grund: „Unschuldslämmer“ erhoffen sich Mitleid und Trost durch die Opferrolle, denn das ist auch eine Form von Aufmerksamkeit, die ihnen dadurch zuteil wird.

Gut gemeinte Ratschläge und Tipps interessieren sie nicht. Diese werden ignoriert oder nur alibimäßig kurz umgesetzt. Denn letztlich wollen sie an ihrer Opferrolle nichts ändern, sondern nur Mitleid oder Aufmerksamkeit.

Sie fühlen sich von Ratgebern sogar bevormundet und unverstanden. Deshalb wenden sie sich lieber an Personen, die sie in ihrem Lamento bestärken und in das Klagelied einstimmen.

Grund 3: „Ich bin besser als die anderen!“

Insbesondere Menschen, die ständig anderen die Schuld geben und Sündenböcke suchen, wollen sich dadurch oft in eine moralisch überlegene Position hieven: „Schuld sind die anderen, deshalb bin ich besser als sie!“

Grund 4: Geringes Selbstbewusstsein

In der Regel sind es nicht die selbstsicheren Menschen, die sich als vermeintliches Opfer präsentieren. Mangelt es hingegen an Selbstwertgefühl, an Selbstbewusstsein, kann das Einnehmen der Opferrolle auch von dem Verlangen nach Bestätigung und Anerkennung herrühren.

Grund 5: Negative Gefühle werden auf andere projiziert

Negative Gefühle können beispielsweise Frust, Ärger, Wut und Enttäuschung sein. Diese Emotionen werden dann gezielt an bestimmten Personen (z. B. Partner, Partnerin) ausgelassen, indem diesen die Schuld gegeben wird – d. h., das eigene Unvermögen und die damit verbundene Unzufriedenheit werden auf andere projiziert, nur nicht Eigenverantwortung übernehmen: „Ein Schuldiger muss her. Dann geht es mir besser.“

Grund 6: Selbstverantwortung und Selbstständigkeit nie gelernt

Dann gibt es noch Personen, die überbehütet aufgewachsen sind, denen bereits in der Kindheit alles abgenommen wurde, was mit Anstrengung verbunden war, und deren Bequemlichkeit unterstützt oder zumindest nicht unterbunden wurde. Diese Menschen werden als Erwachsene eher Schwierigkeiten haben, mit widrigen Umständen alleine fertigzuwerden.

Und wenn sie von klein auf erfahren haben, dass alle in ihrem unmittelbaren Umfeld Rücksicht auf sie nehmen und das irgendwann nicht mehr der Fall ist, fühlen sie sich plötzlich benachteiligt. Diese Menschen tendieren dann dazu, ihr Weiterkommen von anderen abhängig zu machen, weil sie nicht gelernt haben, selbstständig zu agieren.


Buch-Tipp – auch für den Umgang mit Schuldzuweisern:


Sie ertappen sich manchmal selbst in der Opferrolle?

Wenn Sie sich selbst hin und wieder in die Opferrolle hineinmanövrieren und das zukünftig vermeiden wollen, gehen Sie folgendermaßen vor:

Schritt 1: Sie müssen aus der Opferrolle herauswollen

Der Wunsch und der Wille, die Opferrolle zu verlassen, sind Grundvoraussetzung für alle weiteren Maßnahmen.

Denn wo ein Wille, da ein Weg. Wo kein Wille, da keine Veränderung!

Schritt 2: Bewusst machen

Machen Sie sich bewusst, wann Sie dazu tendieren, die Schuld auf andere (Menschen, Umstände, …) zu schieben. Hierzu einige Reflexionsfragen:

  • Sind es immer die gleichen Situationen? (Beispielsweise dann, wenn Sie überfordert sind.)
  • Weisen Sie nur gewissen Menschen die Schuld zu?
  • Begeben Sie sich nur gegenüber bestimmten Personen in die Opferrolle, von denen Sie z. B. Zuspruch, Mitgefühl wünschen?
  • Hat Ihnen bereits jemand Ihre Opferhaltung vorgeworfen? Wenn ja, in welchem Zusammenhang?
  • Was belastet Sie derzeit am meisten? Wer ist schuld daran?

Schritt 3: „Was kann ICH tun, damit es mir besser geht?“

Passivität wirkt wie eine angezogene Handbremse und verhindert das Vorankommen, das Erreichen einer Besserung.

Auch wenn Sie vollkommen schuldlos sind, Sie also in eine ungute Situation hineingeschlittert sind – machen Sie sich bewusst, dass Sie auch eigenverantwortlich zu einer Besserung beitragen können. Und wenn es im ersten Schritt nur das Akzeptieren der eingetretenen misslichen Lage ist.

Beantworten Sie diese Frage:

Was kann ICH tun, damit es mir besser geht?

Formulieren Sie am besten jetzt gleich eine Maßnahme, die zu einer Besserung führen wird.

Schritt 4: Aktiv werden

Schon Goethe wusste: „Es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.“

Passivität bedeutet immer Stillstand, das Tun bewirkt Veränderung. Suchen Sie nicht mehr nach Ausreden oder die Schuld bei anderen. Suchen Sie stattdessen nach Möglichkeiten, die Ihre Situation verbessern, und setzen Sie diese um, werden Sie aktiv! Mit jedem positiven Erlebnis werden Sie Kraft und neue Energie schöpfen und sich aus der Opferspirale herauswinden.

Wie umgehen mit Schuldzuweisern und Ausredenkünstlern?

Sie kennen einen „Schuldzuweiser und Ausredenkünstler“, haben oft mit dieser Person zu tun? Wie mit ihr umgehen?

Sie können gegenüber dieser Person mit Nachdruck darauf hinweisen, dass ständige Schuldzuweisungen und Ausreden nicht erwünscht sind. Ist sie aber nicht von sich aus bereit (s. o. Schritt 1), an ihrem Verhalten oder ihrer Rolle etwas zu ändern, dann bleiben Ihnen wenige Möglichkeiten: Das Verhalten ignorieren, und wenn Sie das nicht können, den Kontakt so weit wie möglich einschränken.

Es kommt natürlich immer darauf an, in welchem Verhältnis Sie zu dieser Person stehen. Beispielsweise können Sie gegenüber einem Familienangehörigen das Thema eher zur Sprache bringen und Ihre Wünsche äußern, gegenüber einem Vorgesetzten ist das verständlicherweise nicht so einfach möglich.

Fazit

Personen, die im Gegensatz zu „Schuldzuweisern und Ausredenkünstlern“ eigenverantwortlich handeln, konzentrieren sich auf Möglichkeiten und suchen nicht zuerst nach Gründen bzw. Schuldigen, wenn etwas nicht nach ihren Wünschen läuft.

Wer die Opferrolle einnimmt, gewährt anderen die Macht über sich. Wer hingegen Selbstverantwortung übernimmt, aktiv wird, gibt sich selbst die Macht für eine Besserung, nimmt selbst Einfluss und überlässt ihn nicht anderen. Letztlich liegt es an jedem selbst, wie er/sie mit einer Situation umgeht.

Abschließend in diesem Zusammenhang noch etwas zum Thema Erfolg: Erfolg hat auch viel mit dem Erreichen von Zielen zu tun. Erfolgreiche Menschen konzentrieren sich auf ihre Ziele und wie sie diese erreichen. Sie lassen sich von Rückschlägen nicht unterkriegen, lernen sogar daraus.

„Schuldsucher“ finden hingegen immer Gründe, warum sie ihre Ziele nicht erreichen, und wundern sich über das Ausbleiben des Erfolgs. Jede Widrigkeit bietet sich als Ausrede an, niemals als Chance auf dem Weg zum Erfolg! Sie verfallen in Lethargie und jammern, anstatt zu handeln.

Zum Weiterlesen: 



Kommentare

  • Heide-Rose

    Lieber Herr Heidenberger,

    in meiner Familie gibt es auch so jemanden. Sie ist gesundheitlich angeschlagen, sie hatte zwei Schlaganfälle, bedingt auch durch ihre vorangegangene ungesunde Lebensweise, wie die Ärzte bestätigten.

    Die Ärzte haben ihr schon beim ersten Schlaganfall dringendst geraten, mit dem Rauchen aufzuhören sowie zu mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung. Das hat sie für ca. zwei Wochen (!) gemacht, dann aber wieder aufgegeben. Mittlerweile isst sie zwischendurch einmal etwas Gesundes, dann einmal im Monat etwas Bewegung, nur um sagen zu können, dass sie eh das macht, was ihr die Ärzte geraten haben. Aber dass das alles nichts bringt, wenn es nicht regelmäßig gemacht wird, wie der Arzt gesagt hat, interessiert sie nicht. Lieber schluckt sie täglich Tabletten, denn dafür muss sie sich ja nicht anstrengen, ist ja viel bequemer!

    Es ist wirklich so, dass bevor sie sich etwas anstrengt, zum Beispiel mit regelmäßigem Sport, oder auf Zigaretten und ungesunde Ernährung verzichtet, nimmt sie anscheinend lieber einen weiteren Schlaganfall in Kauf, der dann vielleicht nicht mehr so glimpflich ausgeht wie die zwei vorherigen.

    Für uns ist das alles frustrierend und wir können das auch schwer akzeptieren. Aber man kann noch so gute Ratschläge geben, sie ignoriert sie einfach. Ich habe ihr angeboten, mit ihr gemeinsam regelmäßig Sport zu machen, damit es ihr leichter fällt. Nö, will sie nicht.

    Richtig zornig macht mich dann aber, dass sie immer am Jammern ist: Das kann sie nicht machen oder jenes nicht, da braucht sie Hilfe, weil sie ja gesundheitlich angeschlagen ist. Wie Sie auch in Ihrem Artikel schreiben, fühlt sie sich so richtig wohl in der Opferrolle und nutzt andere Menschen in ihrem Umfeld aus, will ihnen Schuldgefühle einreden, obwohl sie alleinig schuld an ihrer angeschlagenen Gesundheit ist. Verwandte sind deshalb schon zu ihr auf Distanz gegangen.

    Leider ist es für mich als Familienangehörige nicht so einfach, das alles zu ignorieren, aber wahrscheinlich muss ich mich damit abfinden.

    Naja, es ist halt sehr frustrierend. Das musste jetzt einfach mal raus. Wie Sie sehen, hat mich Ihr Artikel berührt. :-)

    Heide-Rose antworten
    • Vielleicht können Sie sich mit den anderen Familienmitgliedern zusammensetzen und ein gemeinsames Vorgehen absprechen, dann der Person zusammen mitteilen, dass sie diese Opferhaltung zukünftig nicht mehr ohne Weiteres akzeptieren und sich nicht mehr Schuldgefühle einreden lassen wollen.

      Gemeinsam können Sie eher mit Nachdruck vermitteln, dass seitens der Familie von ihr Eigeninitiative und Eigenverantwortung zur Gesundheitsbesserung verlangt wird. Vielleicht bewirkt dieses gemeinsame Vorgehen ein Umdenken.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • lexi

      @heiderose, auch wenn es für dich hart klingen mag, aber dann müsst ihr eben mit dem
      3. schlaganfall rechnen, aber dann könnt ihr nix dafür, auch wenn sie dann wieder versucht, euch schuldgefühle einzureden, wenn sie dazu dann noch imstande ist. ich hätte da kein bisschen mitleid.

      lexi antworten
  • Karin

    Ich war 25 Jahre mit solch einem Schuldzuweiser und Ausredenfinder verheiratet. Ein Seminar mit dem Thema “Veränderungsprozesse positiv gestalten” hat mir da sehr weitergeholfen. Den Leitsatz “love it, change it or leave it” versuche ich seither umzusetzen.

    Dauerhaft lieben war hier schon eine große Herausforderung, unendlich lange habe ich an Veränderungen gearbeitet. Letztendlich bin ich gegangen. Und es geht mir sooo gut damit.

    L.G. Karin

    Karin antworten
  • Maya

    War auch lang genug mit so einem permanenten Ausredenerfinder zusammen, der nichts weitergebracht hat, weil immer die anderen schuld waren. Bis ich mich getrennt habe. Das wollte er dann nicht wahrhaben und ist aus allen Wolken gefallen.

    Maya antworten
  • Klopfer

    Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag! Er bestärkt mich in meiner seit ein paar Jahren trainierten Haltung gegenüber diesen Jammerlappen. In meinem privaten Umfeld habe ich sie inzwischen fast komplett “entsorgt”.

    Schwieriger ist das im beruflichen Alltag. Meine Erfahrung dort ist, dass diese Jammerlappen auch noch höchst intrigant sind. Und das macht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit unmöglich. Hier kann ich allen Mitbetroffenen nur raten: Lasst sie auflaufen! Sie entlarven sich selbst über kurz oder lang durch ihre negative Performance. Das merkt irgendwann auch der dümmste Chef.

    Bleibt aber im persönlichen Umgang stets korrekt – am besten überfreundlich! Und fragt niemals, wirklich niemals “Wie geht es dir?”, “Hattest du einen schönen Urlaub?” oder “Wie war dein Wochenende” oder im schlimmsten Fall “Hast du auch so viel zu tun?”.

    Einen jammerfreien Tag Euch allen

    Klopfer antworten
  • Matthias

    Mmmmh, vielleicht zähle ich ja selbst auch zu diesen “Jammerlappen”, obwohl ich nicht unbedingt Schuldzuweisungen austeile – aber mit Rückschlägen und Versagen kann ich schwer umgehen. Und dass dann für mich alleine abzuhaken, fällt mir schwer.

    Ich bin von Jugend an darauf getrimmt worden, mich für andere einzusetzen, mich für andere zurückzunehmen. Wenn ich das dann tat, bekam ich Lob und Anerkennung. Dadurch kommt man schnell in diese Opferrolle und darunter entwickelt sich kein Selbstwertgefühl.

    Beruflich habe ich einen geradlinigen Weg hinter mir, der jetzt mit dem Ende der Selbstständigkeit eventuell auch nicht gut endet – aber das will ich hier nicht vertiefen.

    Nur privat bin ich immer gescheitert, weil ich mich immer nur zurückgenommen habe und meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse negiert habe. Das geht soweit, dass mir gar nicht mehr klar ist, was ich mir denn eigentlich wünschen und für mich erwarten soll. Da jetzt mit 66 rauszukommen, fällt verdammt schwer…

    Matthias antworten
  • Patricia

    Ich kenne dieses Verhalten mit der Schuldzuweisung schon ewig von einer Person in der Familie. Und ich habe immer darüber hinwegsehen. Aber jetzt platzt mir langsam die Krawatte.

    Ein Familienmitglied ist vor kurzem verstorben. Nun will die besagte Person mir die Schuld geben, dass sie sich nicht vor dem Tod des Familienmitgliedes von selbigem verabschiedet hat. Mich selber trifft der Tod des Familienmitgliedes sehr hart. Und jetzt bin ich einfach nur noch wütend.

    Patricia antworten
  • Henrietta

    Ich kenne das anders rum: Dass man mir für alles die Schuld geben will. Ich wurde so kaputtgemacht, dass ich heute zum Arzt rennen muss, um weiter zu leben. Mir mein Sinn zum Leben genommen wurde und man behauptet, ich bin derjenige, nur weil ich mich gewehrt habe. Also vorsichtig, diese Äußerungen hier im Artikel sind nicht für Laien anwendbar. Ich halte davon gar nichts.

    Henrietta antworten
    • Matthias F. Heufer

      Hallo Henrietta,

      so allgemeine Tipps funktionieren nicht immer und sind manchmal nicht anwendbar. Und genau das ist mir ja auch passiert und ich habe mir die Schuld dafür gegeben, dass das bei mir nicht funktionierte, was ja offensichtlich “alle anderen ganz leicht können” (Grenzen setzen – sich wehren).

      Ich habe mich privat und beruflich immer um alles gekümmert und mich für alles verantwortlich gehalten – das hielt ich für den Sinn meines Lebens. Man hat mir versucht klar zu machen, dass genau das es war, was mich letztlich doch in diese Sackgasse brachte – zugespitzt: das, was ich als Sinn des Lebens sah, machte mich kaputt. Ich habe lange gebraucht, da rauszukommen.

      Ich empfinde vieles offensichtlich intensiver als andere und empfinde mehr Empathie für andere – ich habe mich inzwischen damit abgefunden, dass das so ist und sehe es heute auch als Chance im täglichen Leben. Dass ich trotzdem immer aufpassen muss und darauf achten muss, auch selbst nicht zu kurz zu kommen, das ist für mich manchmal schwierig. Aber seitdem ich mich selbst nicht mehr dafür “verurteile” so zu sein, gelingt mir das besser.

      Und tatsächlich: seitdem geht es mir selbst besser und das Feedback von anderen ist auch besser.

      Matthias F. Heufer antworten
    • Rebelde123

      Ganz genau so sehe ich das auch Henrietta!! Danke!

      Rebelde123 antworten
  • Unbekannt

    Mich hat dieses Verhalten meines Ex-Freundes total psychisch fertig gemacht. Meine Freunde sagen, ich war nicht mehr ich selbst, weil ich mich durch die Schuldgefühle von ihm kontrollieren ließ. Nichts konnte ich richtig machen. Jeder Satz wurde mir im Mund umgedreht und als Beleidigung interpretiert.

    “Du interessierst dich nicht für mich”, “ich bin dir total egal” und “du tust gar nichts für diese Beziehung” gepaart mit einer krankhaften Eifersucht waren an der Tagesordnung. Und immer habe ich mir gedacht “was muss ich für ein schlechter Mensch sein, dass ich diesen Mann, der mich so sehr liebt, immer so grausam behandeln muss”. Bis ich dann die Reißleine gezogen habe, und langsam verstehe, dass ich gar nicht so übel bin.

    Unbekannt antworten
  • Anonym

    Hallo Herr Heidenberger,

    ich habe ein ähnliches Problem mit einem Familienmitglied. Und zwar ist ein Elternteil schon lange chronisch erkrankt, was schon meine ganze Kindheit geprägt hat. Der andere Elternteil weist ständig darauf hin, dass immer alle Verantwortung an ihm hängt und er ja schon vor 20 Jahren die Familie hätte verlassen können und dennoch geblieben ist (ich bin 25 Jahre alt).

    Außerdem hätten wir Kinder nicht ansatzweise so unter der Situation gelitten wie er, obwohl ich gefühlt meine halbe Jugend zu Besuch im Krankenhaus verbracht habe und er unter der Woche sowieso beruflich immer unterwegs war. Er hat nur Anstandsbesuche alle paar Wochen im Krankenhaus gemacht, weil er es glaube ich einfach nicht sehen kann.

    Nun macht mich das einfach so wütend, wenn man als Kind gesagt bekommt, die ganze Situation habe 20 Jahre seines Lebens zerstört, nur weil er bei uns geblieben ist. Und dabei war er eigentlich ja doch nie wirklich da. Es fühlt sich an wie ein “Wettkampf” wer mehr unter der Situation gelitten hat und der eigentliche Leidtragende, der chronisch kranke Elternteil, wird dabei einfach ausgeblendet.

    Reden kann man vergessen, dann fühlt er sich direkt angegriffen und der Streit eskaliert. Außerdem bestärkt ihn das direkt wieder in seinem schlimmen Dasein, wenn man nicht wertschätzt, wie schlecht es ihm geht. Ich weiß einfach nicht wie ich damit umgehen soll, diese Selbstdarstellung macht mich nur noch aggressiv.

    Über einen Ratschlag wäre ich dankbar.

    Anonym antworten
    • Wenn er in diesem Zusammenhang nicht mit Ihnen reden will bzw. wie von Ihnen beschrieben reagiert, ist das natürlich sehr belastend für Sie.

      Vielleicht gibt es in Ihrem unmittelbaren Umfeld eine Person, welche die Familiensituation kennt und die einen guten Zugang zu ihm hat und mit der auch Sie gut können. Wenn ja, sollten Sie mit dieser Person sprechen, damit diese ihm dann (diplomatisch) Ihre Gefühle, Ihre Sicht, … vermitteln kann.

      Auch wenn es mit einem Gespräch wohl nicht getan ist, wird er voraussichtlich auf diese Person anders reagieren, also nicht sofort abblocken und dann sogar zuhören. Und das wäre schon mal ein Anfang.

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Pjerman

    Etwas krass, eine psychisch krankhafte Haltung so herabsetzend darzustellen. Viele dieser Menschen brauchen Hilfe, die vom Umfeld (Familie etc.) gar nicht realisiert werden kann. Die meisten reden leicht und beurteilen die anderen in ihrer “Opferrolle” und begeben sich dadurch selbst in eine krankhafte Haltung. Ihr versucht ein Individuum auf Grund eurer eigenen Erfahrung zu ändern. Könnt euch aber nicht in den Menschen hineinfühlen. “Der Arzt sagt und tut und macht” … ab da sollte man merken, dass bei den Menschen etwas sehr starkes im Kopf blockiert.

    Pjerman antworten

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