5 Mnemotechniken (inkl. PDF-Vorlagen & Beispielen): Wie Sie sich MEHR MERKEN

Mit dem Smartphone – das die meisten von uns jederzeit griffbereit haben – ist alles einfach:

Telefonnummern und Kontaktdaten sind gespeichert, Termine und To-do-Listen können wir jederzeit abrufen und vieles mehr. Alle Informationen und Daten haben wir mit unserem mobilen Helferlein sofort parat und brauchen uns deshalb weniger zu merken.

So bequem und praktisch dieser externe Speicher auch ist, unser Gedächtnis wird dadurch aber vernachlässigt. Das kann dazu führen, dass wir schon Schwierigkeiten haben, uns eine kurze Einkaufsliste einzuprägen.


„Wie schaffe ich es, mir mehr zu merken?“

Vielleicht haben Sie sich genau diese Frage schon des Öfteren gestellt. Die Antwort: z. B. mit Mnemotechniken! Damit werden Sie sich nicht nur mehr merken können, sondern auch Ihr Gedächtnis trainieren. 

Im Folgenden erfahren Sie fünf Mnemotechniken, mit denen es Ihnen gelingen wird, sich Zahlen und Dinge einzuprägen.

Mit etwas Übung werden Sie sich innerhalb kurzer Zeit z. B. Einkaufslisten, To-do-Listen, Rezepte, Telefonnummern, PINs, Passwörter, Eckpunkte einer Rede oder eines Vortrags sowie Formeln leichter merken können.

Was sind Mnemotechniken überhaupt?

Mnemotechniken sind im Grunde nichts anders als Merkhilfen. Das können beispielsweise Eselsbrücken sein, aber auch komplexere Techniken, mit denen sich etwa Gedächtniskünstler unfassbare Mengen an Informationen merken.

Memotechniken oder Mnemotechniken?

Auch wenn häufig von Memotechniken die Rede ist – der korrekte Begriff lautet Mneomotechniken. Er leitet sich nämlich aus dem Altgriechischen (μνήμη mnḗmē für Gedächtnis bzw. Erinnerung) ab. Und Mnemosyne aus der griechischen Mythologie ist die Göttin des Gedächtnisses.

5 Mnemotechniken: Anleitungen, Vorlagen und Beispiele

Hier fünf Mnemotechniken, die mit zu den bekanntesten zählen:


Mnemotechnik 1:
Die Loci- oder Routen-Methode

Mit dieser Merktechnik können Sie sich mehrere Dinge (z. B. Einkaufsliste) einprägen, bei Bedarf auch in einer bestimmten Reihenfolge.

Bereits Marcus Tullius Cicero (106 v. Chr. – 43 v. Chr., römischer Politiker, Anwalt, Schriftsteller und Philosoph) hat sie genutzt und ist hierzu gedanklich die Umgebung des Forums in Rom abgeschritten.

Als Grundlage für die Loci-Methode kann Ihnen ein bekannter Weg (z. B. Arbeits-, Schulweg oder ein Weg in Ihrem Haus bzw. Ihrer Wohnung) oder ein Raum (z. B. in Ihrer Wohnung) dienen.

Nun legen Sie auf diesem Weg oder in diesem Raum der Reihenfolge nach gedankliche Ankerpunkte – quasi Haltestationen – fest.

Am Beispiel des Arbeitsweges können solche markanten Stationen sein:

  1. erste Ampel
  2. Kreuzung … (konkreten Namen der Kreuzung nennen)
  3. Zebrastreifen bei …
  4. Supermarkt … (konkreten Namen der Kreuzung nennen)
  5. Pizzeria …
  6. Unterführung
  7. Parkplatz

Beispiele für Ankerpunkte in der Wohnung:

  1. Eingangstür
  2. Garderobe
  3. Schuhschrank
  4. Couch
  5. Fernseher
  6. Spüle
  7. Abfalleimer
  8. Bett

Die Reihenfolge der Routen-/Raumpunkte soll klar und eindeutig sein.

Nachdem Sie sich für eine Route bzw. einen Raum und die dazugehörigen Ankerpunkte entschieden haben, können Sie zukünftig dort gedanklich in möglichst einprägsamen Bildern Ihre zu merkenden Dinge ablegen.

Je skurriler die Gedankenbilder, desto leichter werden Sie die zu merkenden Dinge behalten.

Die Loci-Methode: ein Beispiel

Zur Erläuterung ein Beispiel – die Einkaufsliste mit der o. a. Arbeitsweg-Route einprägen:

Einkaufsliste: Butter, Eier, Brot, Heftklammern, Obst, Toilettenpapier, Milch

  1. Bei der ersten AMPEL bestreiche ich das Grünlicht mit BUTTER, sodass kein Auto mehr weiterfährt.
  2. An der KREUZUNG stehen Kinder und werfen rohe EIER auf die Autos.
  3. Die Streifen des ZEBRASTREIFENS bestehen aus Schwarz- und WeißBROT.
  4. Die Eingangstür des SUPERMARKTS ist mit HEFTKLAMMERN zugetackert.
  5. Giovanni von der PIZZERIA reicht mir eine Pizza, die nur mit OBST belegt ist.
  6. Bei der UNTERFÜHRUNG hängen von der Decke unzählige TOILETTENPAPIER-Streifen.
  7. Da der gesamte PARKPLATZ mit MILCH überflutet ist, kann ich dort nicht parken.

Allgemein gilt:

Sie können natürlich mehrere Routen anlegen und nutzen, beispielsweise mit Ihnen bekannten öffentlichen Orten, Plätzen und Gebäuden, mit besonderen Szenen aus Ihrem Lieblingsfilm, mit Ihrem Körper, …

Auch können Sie Ihre Route bzw. Ihre Raumpunkte immer wieder benutzen, also neu „beschreiben“. Falls Sie bestimmte Verknüpfungen nicht regelmäßig wiederholen, werden sie mit der Zeit verblassen, bis Sie sie irgendwann ganz vergessen.

Die Loci-Methode: eine Vorlage (PDF)

Mit dieser Vorlage können Sie Ihre individuellen Routen festlegen:

Loci-Methode:
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Mnemotechnik 2:
Die Körperliste

Die Loci-Methode kann auch auf den Körper angewandt werden.

Beispiele für Ankerpunkte am Körper (Körperliste):

  1. Haare
  2. Gesicht
  3. Hals
  4. Schultern
  5. Brust
  6. Bauch
  7. Po
  8. Oberschenkel
  9. Knie
  10. Füße

Das oben vorgestellte Einkaufslisten-Beispiel können Sie nun auch auf die Körperliste anwenden, indem Sie den Körperpunkten jeweils ein Objekt zuordnen und daraus wieder eine schräge Geschichte ersinnen.

Um sich die Körperliste leichter einzuprägen, können Sie diese Grafik herunterladen:

Körperliste:
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Mnemotechnik 3:
Das Zahl-Form-System

Diese Merktechnik eignet sich hervorragend, um sich Zahlen zu merken.

Hierzu werden die Zahlen in Begriffe und Symbole übersetzt bzw. umgewandelt. Aus diesen Begriffen wird wieder eine Bildergeschichte gestrickt, denn die meisten Menschen können sich Bilder wesentlich besser merken als Zahlen.

Haben Sie sich die Begriffe zu den Zahlen von 0 bis 9 einmal eingeprägt, wird das Zahlenmerken (fast) zum Kinderspiel.

Hier sind die Ziffern und die zugeordneten Begriffe:

0 = Ei

1 = Einhorn oder Baumstamm

2 = Zwillinge

3 = Dreirad

4 = Auto mit vier Rädern, Stuhl (mit vier Beinen)

5 = Hand (mit fünf Fingern)

6 = Würfel (mit sechs Seiten)

7 = sieben Zwerge

8 = Sanduhr, Achterbahn

9 = Kegelspiel

Das Ganze bildlich dargestellt:

Natürlich können Sie sich zu den Zahlen selbst Begriffe ausdenken – das ist sogar empfehlenswert. Denn mit Ihren selbst erdachten Begriffen wird es Ihnen leichter gelingen, „merkbare“ Geschichten zu kreieren.

Das Zahl-Form-System: ein Beispiel

Wieder ein Anwendungsbeispiel:

Wenn Sie sich z. B. die PIN 78406 merken wollen, denken Sie sich mit den einzelnen Ziffern eine Bildergeschichte entsprechend den zugeordneten Begriffen aus:

Die SIEBEN ZWERGE (7) fahren auf der ACHTERBAHN (8) mit einem AUTO (4), werden dabei von einem Kind mit einem riesigen EI (0) beworfen, wodurch ihnen die Sicht verdeckt wird und sie deshalb einen WÜRFEL (6) überfahren, der dann verletzt am Boden liegt.

Auch hier gilt wieder:

Je unsinniger und origineller die konstruierte Bildergeschichte, desto leichter lässt sie sich einprägen – und somit auch die damit verbundenen Zahlen in der entsprechenden Reihenfolge.

Hier eine Vorlage, die Sie zum Erlernen des Zahl-Form-Systems nutzen können:

Zahl-Form-System:
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Mnemotechnik 4:
Das Zahl-Reim-System

Nun zu einer Abwandlung des Zahl-Form-Systems.

Eine weitere Möglichkeit einer Merk-Verknüpfung: die Umwandlung in einen Begriff, der sich auf die jeweilige Zahl reimt. Und daraus wird dann wieder eine Geschichte gebildet. Natürlich können Sie auch individuelle Reimwörter nutzen.

Hier die Zahl-Reim-Liste:

Null(er) = Schnuller

Eins = Heinz, Mainz

Zwei = Geweih, Verleih

Drei = Brei, Osterei

Vier = Bier, Tier

Fünf = Strümpf(e)

Sechs = Klecks, Hex(e)

Sieben = Ziegen, die Fliegen

Acht = Tracht, Yacht, Nacht

Neun = Moin, Bitcoin, Scheun(e)

Hier können Sie die Zahl-Reim-Liste herunterladen:

Zahl-Reim-System:
Download PDF-VORLAGE


Mnemotechnik 5:
Satz-Verknüpfung

Wenn Sie ein neues Passwort benötigen und es sich gut merken wollen (ohne einen Passwort-Manager zu nutzen), können Sie es z. B. mit einem Vorsatz oder Wunsch verknüpfen.

Dazu folgender Tipp einer Zeitblüten-Leserin. Michaela schreibt:

 „Was habe ich mich früher oft über die dauernde Passworteingabe am PC echauffiert. Bereits seit längerer Zeit verknüpfe ich nun meine Passwörter mit meinen guten Vorsätzen für das Jahr. 

Dadurch freue ich mich immer wieder auf meine Passworteingabe, die gleichzeitig einen Wunsch, einen Vorsatz oder eine gewünschte persönliche Veränderung darstellt und bedeutet.

So verliere ich den guten Vorsatz oder den Wunsch nicht aus den Augen und durch die Wiederholung und ständige Erinnerung gelingt es mir bei den meisten Vorsätzen, diese in die Realität umzusetzen.“

Als Beispiel ein Vorsatz und das entsprechende Passwort:

„Ich mache mindestens 3x die Woche eine 1/2 Stunde Sport.“

Das ergibt aus den Anfangsbuchstaben der Wörter folgendes Passwort:

 Imm3xdWe1/2SS.


Fazit: (Nicht nur) mehr merken

Wählen Sie aus den vorgestellten Merkmethoden jene aus, die Ihnen am meisten zusagt. Je häufiger Sie diese anwenden, desto leichter wird Ihnen das Merken umfangreicherer Daten fallen. Steigern Sie hin und wieder die Herausforderung, indem Sie die Anzahl der zu merkenden Objekte und Zahlen erhöhen.

Übrigens:

Kindern machen Mnemotechniken in der Regel großen Spaß. Ob in der Grundschule oder in der Oberstufe: Wenn die Lehrpersonen ihren Schülern diese Merkhilfen im Unterricht vermitteln, geben sie ihnen ein praktisches Werkzeug mit an die Hand, das die Kinder voraussichtlich auch im späteren Leben noch häufig nutzen werden.

Nun möchte ich noch Christiane Stenger, eine bekannte Gedächtnissportlerin und Fernsehmoderatorin, zitieren, die ich zu diesem Thema befragt habe. Sie sagt:

Mithilfe der Mnemotechniken steigert man nicht nur seine Merkfähigkeit enorm, sondern auch seine Kreativität, Fantasie, die Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit und noch vieles mehr. Das findet man schnell heraus, wenn man es selbst ausprobiert.



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