Selbstgespräch: 6 Situationen, in denen es Sie weiterbringt

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie jemanden laut mit sich selbst sprechen hören? Oder ertappen Sie sich selber hin und wieder bei einem Selbstgespräch?

Grundsätzlich gilt es zu unterscheiden zwischen dem äußeren und dem inneren Selbstgespräch. Zuerst zum inneren:

Unsere innere Stimme – ein Plappermaul

Wir sind ja permanent im inneren Zwiegespräch mit uns selbst. Mal bewusst, mal weniger bewusst.

Unsere innere Stimme ist manchmal ein richtiges Plappermaul, das ununterbrochen unsere Handlungen und Wahrnehmungen kommentiert.

Hören Sie mal ganz bewusst einen Tag auf Ihre Plaudertasche im Kopf! Nicht selten wird einem erst dadurch deutlich, welchen Einfluss sie auf unsere Handlungen hat.

Machen Sie (gelegentlich) die innere zu einer äußeren Stimme!

Zu einem „äußeren Selbstgespräch“ wird es dann, wenn Sie die innere Stimme nach außen hörbar wiedergeben, also laut mit sich selbst sprechen. Dafür gibt es durchaus gute Gründe, wie auch Untersuchungen belegen.

6 Situationen, in denen ein Selbstgespräch Ihnen weiterhilft

Haben Sie sich bisher vor einer hörbaren Unterhaltung mit sich selbst gescheut? Wenn ja, lassen Sie es mal auf einen Versuch ankommen. Im Folgenden sechs Situationen, in denen Sie die positive Wirkung testen können.

Wichtig!

Laut einer Studie von Forschern der Universität von Michigan ist ein Selbstgespräch besonders wirkungsvoll, wenn Sie von sich selbst nur namentlich und in der dritten Person sprechen.

Beispiel: „Das ist eine große Herausforderung für den/die [Eigener Vorname]. Aber der/die [Eigener Vorname] schafft das!“

Situation 1: Sie stehen vor einer Herausforderung

Wenn Sie vor einer Herausforderung stehen, können Selbstgespräche motivieren und Mut machen. Natürlich können sie auch das Gegenteil bewirken, wenn der Dialog entsprechend negativ ausfällt. Deshalb ist es wie bei jedem konstruktiven Gespräch wichtig, die Worte mit Bedacht zu wählen, auch wenn Sie diese nur an sich selbst richten.

Beispiel:

So könnte der (Selbst-)Dialog lauten, den Sie mehrmals führen:

„Der/die [Ihr Vorname] weiß, dass er/sie das schaffst! Er/sie hat in seinem/ihrem Leben schon ganz andere Herausforderungen gemeistert.“


Situation 2: Sie müssen/wollen sich etwas merken

Wahrscheinlich haben Sie bereits die Erfahrung gemacht, dass Sie sich einen Lernstoff besser einprägen, wenn Sie ihn laut lesen. Das liegt daran, dass dadurch beim Lernprozess neben dem Sehsinn ein weiterer Sinneskanal (Hörsinn) eingebunden wird.

Tipp:

Um sich noch intensiver mit dem Stoff auseinanderzusetzen und sich ihn zu merken, können Sie z. B. Ihren Lesefluss unterbrechen und sich selbst laut Fragen stellen und diese natürlich auch beantworten.

Versetzen Sie sich hierzu in die Rolle eines Prüfers. Welche Fragen würde Ihnen diese Person wohl stellen?

Und wenn es sich um keinen Lernstoff handelt, sondern um ein Thema, das Sie vertiefen wollen, können Sie sich als „Selbstgesprächspartner“ eine Person vorstellen, für die das Thema fremd ist, oder ein Kind, das Ihnen dazu Fragen stellt.

Beispiel:

„[Ihr Vorname], was versteht man genau unter …. Kannst du mir das halbwegs verständlich erläutern?“ 


Situation 3: Sie suchen nach einer Lösung/Idee

Selbstgespräche bieten sich zur Lösungsfindung an – z. B. im Zusammenhang mit einem Problem oder einer Aufgabenstellung.

Der Lösungsfindung geht üblicherweise die Ursachenforschung voraus. Das heißt: Erst wenn Sie die genaue Ursache eines Problems kennen, lassen sich effektive Lösungen finden. Klingt zwar logisch, wird in der Praxis dennoch häufig vernachlässigt.

Tipp:

Stellen Sie sich – in der dritten Person  – Fragen, konfrontieren Sie sich mit mehreren Warums. Mit der Beantwortung dieser Fragen kommen Sie schließlich den Ursachen und in weiterer Folge der Lösung näher.

Beispiel:

„Warum genau ist das … eine Herausforderung für den/die [Eigener Vorname]? Worin besteht das Problem? Wo sieht der/die [Eigener Vorname] die Ursachen?“

Weitere Tipps dazu:

» Fragen Sie 5x warum und Sie finden die Problem-Ursache 


Situation 4: Ihre Gedanken drehen sich im Kreis

Es beschäftigt Sie etwas, Ihre Gedanken drehen sich im Kreis und das Grübeln will einfach kein Ende nehmen. Gedankenkarussell! Mögliche Auslöser: ein Erlebnis oder ein bevorstehendes Ereignis.

Und genau in diesen Situationen können Selbstgespräche helfen, wieder Ordnung und Klarheit in die Gedanken zu bringen. Denn beim Sprechen werden die Gedanken in Bahnen gelenkt und schweifen nicht so schnell ab. Auch wirkt das Selbstgespräch wie ein Filter, der nur Wesentliches artikuliert und Nebensächliches vernachlässigt.

Tipp:

Abhängig von dem konkreten Auslöser für die Grübelei, können Sie unterschiedliche (Selbst-)Gesprächspartner hinzuziehen: Mutmacher, Warum-Frager, …

Aber es muss kein Dialog mit einer imaginären Person sein. Sie können auch nur Ihre Gedanken laut aussprechen. Auch dieses „laute Denken“ kann eine entlastende Wirkung haben und für Klarheit sorgen.


Situation 5: Sie sind emotional aufgewühlt

Ob Sie sich wütend, traurig oder himmelhoch jauchzend fühlen – diese Emotionen wollen in der Regel raus.

Selbstgespräche können wie ein Ventil für (belastende) Emotionen wirken. Zudem tragen sie auch dazu bei, sich der eigenen Gefühle besser bewusst zu werden.

Tipp:

Artikulieren Sie Ihre Gefühle. Dadurch geben Sie ihnen Raum, lassen sie zu. Und genau dieses Artikulieren und Rauslassen der Gefühle kann eine reinigende, befreiende Wirkung haben und sich positiv auf die Psychohygiene auswirken.

Für Selbstgespräche, in denen Sie Ihre Emotionen rauslassen, verwenden Sie am besten die Ich-Form.

Beispiele:

„Es ärgert mich extrem, dass …“ und weiter: „Warum genau ärgert mich das eigentlich so?“

„Es macht mich traurig, dass …“ und weiter: „Warum genau macht mich das traurig?“ 


Situation 6: Sie müssen/wollen sich entscheiden

Sie stehen vor einer Entscheidung? Wissen aber nicht genau, welche Option Sie wählen sollen? Auch für die Entscheidungsfindung können Selbstgespräche hilfreich sein. Wie bereits oben erwähnt, schaffen sie damit Klarheit in Gedanken und Gefühlen. Und sortierte Gedanken und Gefühle bilden eine optimale Basis für gute Entscheidungen.

Tipp:

Versetzen Sie sich in einen „Entscheidungshelfer“ – eine Person, welche das Für und Wider kennt und es Ihnen in diesem Selbstgespräch nochmals vor Augen führt.

Beispiel:

„Der/die [Eigener Vorname] hat also folgende Optionen: … Wenn er/sie sich für Option X entscheidest, ändert sich danach … Für die Option Y spricht …“ 


Buchtipp – „Selbstmotivation als Lebenseinstellung für ein erfülltes Leben“: 


Selbstgespräch führen – und wo?

Dass Sie ein Gespräch mit sich selbst nicht gerade in einem vollbesetzten Bus führen wollen, ist verständlich. Aber es bieten sich im Alltag genug Möglichkeiten an, sich ungestört mit sich selbst zu unterhalten.

Das kann in der Natur bei einem Spaziergang sein (s. Bild oben), in einem abgeschlossenen Raum, unter der Dusche oder auch im Auto bei der Fahrt zur Arbeit. Dort können Sie sich frei und unbekümmert dem Selbstgespräch widmen.

Fazit

Wenn Sie heute oder in den nächsten Tagen in eine der genannten Situation geraten, führen Sie bei entsprechender Gelegenheit ein Gespräch mit sich selbst. Nicht nur in Gedanken, sondern hörbar!

Auch wenn dies im ersten Moment ungewohnt und Ihnen vielleicht sogar etwas seltsam erscheinen mag, lassen Sie es auf einen Versuch ankommen. Wenn Sie eine positive Wirkung (wie in Studien nachgewiesen) wahrnehmen, haben Sie ein effektives Werkzeug gefunden, das Sie zukünftig gezielt einsetzen können.

WICHTIG: Sprechen Sie zu sich selbst aber immer wohlwollend – wie ein guter Freund oder eine gute Freundin.

Zum Weiterlesen:

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