Zeitmanagement: Wie macht das Sachverständiger Thorsten Leffeck?

Zur Person:

thorsten leffeck Thorsten Leffeck

 

Herr Leffeck, was bedeutet für Sie persönlich Stress?

Stress sind für mich Situationen, die sich von mir selbst nur schwer steuern oder bewältigen lassen. Da ich ein absolut positiv denkender Mensch bin, habe ich auch auf fast alle Fragen eine passende Antwort. Das macht mich weitgehenst stressfrei. Und das, obwohl ich täglich ca. 16 Stunden arbeite – aber das total gerne.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag?

Ich nehme mir täglich gewisse Dinge vor, die ich schon am Abend zuvor einmal kurz im Kopf durchgehe. Zwischen diesen Vorhaben lasse ich mir ausreichend Platz, Zeit und Raum.

Kommt mir etwas dazwischen oder es verzögern sich gewisse Dinge, so bleibt meine zeitliche Struktur unangetastet. Läuft alles nach Plan, so habe ich zwischen den Aufgaben oft ausreichend Zeit, um etwas dazwischen zu packen, was nicht unbedingt sein muss.

Manchmal nehme ich mir diese Zeit auch zum Entspannen, Zeitung lesen, mit meiner Frau oder Tochter zu sprechen.

Welches ist Ihr wichtigstes Zeitmanagement-Tool und warum?

Ich habe einen Wochenplaner, in dem ich alle Termine eintrage, aber ich habe sie auch ständig im Kopf. Das trainiert mein Gehirn (welche Termine habe ich morgen, welche heute Nachmittag?).

Manchmal vergesse ich trotzdem ausnahmsweise einen Termin. Das macht mich menschlich. Ich vergesse aber niemals einen absolut wichtigen Termin, wie Gerichtstermine, Termine mit mehreren geladenen Parteien, Gruppen-Besprechungen, Bank-Termine.

Nach welchen Kriterien legen Sie (Aufgaben)Prioritäten fest?

Immer nach der Wichtigkeit.

  1. Zuerst jene, die terminlich gebunden sind,
  2. dann die, bei denen schnelles Handeln erforderlich ist,
  3. dann solche, die mir Spass machen,
  4. zuletzt jene, die sich verschieben lassen, die nicht im „jetzt“ stehen oder die keine besonders hohe Konzentrationen erfordern (mach ich dann abends).

Wie können Sie sich nach einem anstrengenden Arbeitstag am besten entspannen?

Ich lese zwischendurch immer mal online Zeitung. Spreche viel mit meiner Familie und entspanne mich total beim Autofahren. Ja, Autofahren macht mir total viel Spaß – und entspannt mich.

Haben Sie einen Zeitmanagement-Tipp für die Leser?

Ich habe mir eine Reihe von Formularen entwickelt: für Standard-Beriefe, Mails, Gefährdungsanalysen und für meine Gutachten. Diese müssen in manchen Segmenten individuell abgeändert werden. So erspare ich mir, diese immer wieder neu zu erstellen.

Ich habe mir in Word eine To-do-Liste angelegt. Da schreibe ich jeden Tag rein, was zu erledigen ist. Wen ich unter welcher Rufnummer wann anrufen soll/muss. Das erspart mir das ständige Suchen nach meinen Aufgaben, nach Personen und deren Telefonnummern – und ich vergesse so gut wie nichts mehr.

Mit Ausnahme meiner Gutachten achte ich wenig auf meine Rechtschreibung. Ich schreibe keine Diktate, sondern vermittle etwas oder äußere mich eben in gewisser Weise.  Das muss inhaltlich verständlich sein – und nicht zwingend fehlerfrei. In Mails schreib ich z.B. alles klein. Sie werden lachen – aber das spart mir unglaublich viel Zeit beim Tippen, weil ich dann mit meiner Zwei-Finger-Technik wirklich schnell bin.   

Vielen Dank, Herr Leffeck!



Kommentare

  • Thomas Stulik

    Sehr geehrter Herr Heidenberg! Danke für Ihre Intervievserie. Bereits dieser Beitrag trifft für mich sehr zu, da ich selbst am Weg zur Selbstständigkeit bin und das noch dazu als SV ;-)
    Bis dato dachte ich immer, dass nur “Schwächlinge” eine Tages-/ Wochenstruktur schriftlich planen. Ein fataler Fehler. Ich benötige ebenso Struktur, ohne dieser komme ich nicht ans Ziel und “schwimme” eben nur so dahin. DANKE für Ihre wertvolle Unterstützung!!! Mit besten Grüßen Thomas Stulik

    Thomas Stulik antworten
    • Freut mich, wenn Ihnen meine Interviewserie gefällt, Herr Stulik!
      Sie bringen es auf den Punkt: Planung bringt Struktur und unterstützt bei der Zielerreichung.
      Also nicht nur etwas für Schwächlinge. :-)

      Herzliche Grüße!

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Thomas W.

    Guten Tag,

    als ich gelesen hatte “stressfrei 16 Std./Tag” konnte ich nur mit dem Kopf schütteln.

    ….Zitat: “Spreche viel mit meiner Familie”. Ich frage mich, wann das noch möglich sein soll.

    Ich mache einmal eine realistische Tages-Aufstellung.

    7:00 Uhr aufstehen
    Frühstücken, wach werden, Zähne putzen, rasieren, anziehen

    Ca. 7:30-Uhr losfahren (30 Minuten wäre schon leicht hektisch)

    8:00 Uhr Arbeitbeginn (von mir aus auch alles 1 Stunde früher)
    Arbeiten (wie angegeben 16 Std.)
    … dann ist es 23:30

    Essen gibt es wohl keines mehr, ok …
    aber Zähne putzen und umziehen, mal abgesehen vom Duschen.

    Es geht langsam Richtung Mitternacht und es dürfte wohl Zeit sein
    für das erwähnte Gespräch mit der Familie zum Entspannen.

    1:00 Uhr, es wird Zeit fürs Bett damit noch wenigstens 5-6 Std. Schlaf übrig bleiben.

    Sein Sie mir nicht böse, aber das Gerede von fleißigen 16 Std. arbeiten, ist übertrieben. Leistungsgehabe entsprechend unserer verkorksten “schnelllebigen”, “hektischen” Leistungsgesellschaft, wie wenn wir alles Maschinen wären. Ich finde das krank, mehr nicht.

    Übrigens:

    1. Es ist in Arbeitsverhältnissen nicht umsonst verboten mehr als 10 Std. zu arbeiten und das sollte auch nur in Ausnahmefällen sein, oder gegebenenfalls
    wieder durch Freizeit ausgeglichen werden.

    2. Bei geprahlten 16 Std. Arbeit bleibt keinerlei Leben mehr übrig.

    3. Bei 16 Std. würde man rein theoretisch nicht 45J. sondern 90 Arbeitsjahre bis zur Rente arbeiten.

    Viele, die viel gearbeitet haben, schaffen es nicht bis zur Rente. Ich arbeitete 9-13 Stunden mit 300km/ca.5 Std Fahrzeit und als Automatentechniker, nach 4 Jahren einen saftigen Burn-out.

    Mal ehrlich, nach dauerhaften 16 Stunden kippt man täglich doch nur noch um, weshalb ich hier vermute, dass es schlichtweg gelogen ist.

    Selbst wenn es stimmen würde, halte ich es für Dummheit, 16 Std./Tag zu arbeiten, dafür ist das Leben zu schade und man würde frühzeitig die Sargnägel küssen.

    MFG

    Thomas W. antworten

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