Zeitmanagement: Wie macht das Organisationsberaterin Antonia Anderland?

Zur Person:

zeitmanagement Antonia Anderland ist Organisationsberaterin, Trainerin, Coach und Mediatorin.

Sie ist Inhaberin von Anderland consulting + coaching, einem Beratungsunternehmen mit Sitz am Bodensee.

Schwerpunktthemen: Konfliktmanagement und Wirtschaftsmediation.

 

Frau Anderland, was bedeutet für Sie Stress?

Stress ist eindeutig nicht mit “zuviel Arbeit” gleichzusetzen. Negativer Stress kommt, meine ich, durch schlechtes Selbstmanagement bei zugleich ungünstigem Umfeld zustande.

Wenn jemand schlecht geschlafen hat, morgens am Arbeitsplatz ein Schlachtfeld von Chaos vorfindet, unfreundlich angeredet wird, wichtige Daten auf dem PC verliert, Minuten später eine schockierende Familiennachricht per Telefon bekommt und gleich danach für einen kranken Kollegen einspringen soll – dann sind nicht die einzelnen Ereignisse notwendigerweise unerträglich, sondern ihr Zusammentreffen.

Wer da jederzeit hilfreiche Freunde, Partner oder Kollegen hat, die ihn auffangen: prima. Wer darauf nicht bauen will, sollte sich etwas angeeignet haben, um mit derlei umzugehen, nach dem Prinzip: “Ich selber bin mein bester Coach”.

Habe ich das bereits erreicht? Immer wieder ja – immer wieder nein.

Zeitmanager, die ich schätze, sagen: nie mehr in eine Stressfalle zu geraten ist praktisch unmöglich. Viel wichtiger ist, sich aus Stress, Konflikt oder Krise regelmäßig (und möglichst schnell) wieder in einen Zustand der Ruhe und Konzentration “zurückbeamen” zu können.

Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag?

Es bewährt sich, “to dos” thematisch zu bündeln. Stressvermeidend finde ich, so weit es geht, “Unitasking” statt “Multitasking” zu betreiben, also nicht zu vieles gleichzeitig zu tun (frei nach dem bekannten Zen-Spruch “Wenn ich esse, esse ich – wenn ich schlafe, schlafe ich”).

In diesem Sinn finde ich es erlaubt, sich Unterbrechungen vom Hals zu halten. Neuere Hirnforschung hat ohnehin herausgefunden, dass langanhaltendes Multitasking schlechtere Ergebnisse bringt als Dinge konzentriert nacheinander zu erledigen.

Konkret heißt das für mich: möglichst wenig Situationen dulden, wo Telefonat zu Thema 1 sich mit Mails zu Thema 2 und 3 und Teamdiskussion zu Thema 4 überkreuzt. Wo so etwas nicht vermeidbar ist (und auch bei meinen Firmenkunden ist dieses Multitasking natürlich Alltag), finde ich essentiell, gelernt zu haben, bei sich genau nachzuspüren: Schaffe ich es noch gut, meinen Geist auf so viele Dinge gleichzeitig zu richten? Brauche ich Unterstützung? Muss ich besser delegieren? Oder brauche ich eine Pause? Wenn ja: eine kleinere oder größere? (Das kann vom kurzen Aufatmen in der Kaffeepause bis zum Sabbatjahr reichen).

Sich regelmäßig aktiv Freiräume zu schaffen, nicht nur zur Erholung, sondern auch zur inneren Sammlung, halte ich für eine gute Grundlage, um bei Unvorhergesehenem nicht kopflos zu reagieren. Einer der besten Autoren zu diesem Thema, David Allen, nennt Zeitmanagement eine “Kampfkunst”: man trainiert es nicht für harmlose Alltagsverläufe, sondern genau, um für Überraschendes, Überfallartiges fit zu sein.

Welches ist Ihr wichtigstes Zeitmanagement-Tool?

Ein Zeitplanbuch kombiniert mit einer Kalender- und Aufgaben-Software.

Nach welchen Kriterien legen Sie Prioritäten fest?

Nach dem guten alten Eisenhower-Prinzip (einer 4-Felder-Matrix, deren Quadranten sich in “Wichtigkeit” und “Dringlichkeit” unterscheiden).

Wie können Sie nach einem anstrengenden Arbeitstag entspannen?

Für mich stimmt eine These des bekannten “Glücksforschers” Csikszentmihalyi: Glücklich und entspannt macht nicht unbedingt das Herumliegen am Strand, sondern eher ein “Kontrastprogramm”: nach der Arbeit ganz andere Kontexte betreten, gedanklich und räumlich.

Und idealerweise dabei in einen selbstvergessenen “Flow” zu geraten. Kinder und Tiere finde ich da ideale Helfer. (Eckhart Tolle schrieb einmal: “Ich habe mit mehreren Zen-Meistern gelebt: alles Katzen”.)

Genauso wichtig ist mir das bewusste meditative Alleinsein zum Auftanken – am liebsten in der Natur.

Haben Sie Zeitmanagement-Tipps für meine Leser?

Wem das bekannte “Getting Things Done” von David Allen zu kompliziert ist, mag sich vielleicht mit einer kritischen Kurzform dieses Konzepts beschäftigen: “Zen to Done” von Leo Babauta (im Internet gratis als E-Book verfügbar). Beide Bücher sind auch auf Deutsch zu haben.

Wer Englisch beherrscht, dem möchte ich sehr einige Vortragsausschnitte von David Allen und Randy Pausch auf YouTube empfehlen. Ich kenne Menschen, die Zeitmanagement-Bücher jahrelang ungelesen im Schrank stehen hatten und von diesen Vorträgen auf einmal hingerissen waren, ihr Chaos verließen und begannen, ihr Leben aufzuräumen.

Schlechter Umgang mit Zeit paart sich ja oft mit Unordnung auf anderen Ebenen: Viele profitieren da auch von Karen Kingstons Büchern zum Thema “spirituelles Entrümpeln”.

Für Fortgeschrittene finde ich die Idee charmant, sich aus diesen prominenten Konzepten die Rosinen herauszupicken und ein ganz eigenes Zeitmanagement-System zu entwickeln. Alles, was funktioniert, ist o.k.!

Erwähnte Quellen:

Vielen Dank, Frau Anderland!

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