LESER-ZEITBLÜTEN

In unserer heutigen schnelllebigen Gesellschaft nehmen wir uns oft zu wenig Zeit für Dinge und Menschen, die uns wichtig sind. Sogar uns selbst gönnen wir selten bewusste Phasen der Ruhe, der Erholung und des Wohlfühlens.

Deshalb: Schenken Sie sich ZEITBLÜTEN!

Zeitblüten sind für mich Momente und Erlebnisse, die sich vom Alltag abheben, unser Leben bereichern und uns einfach guttun – persönliche Momente der Entspannung, des Wohlfühlens, des Krafttankens und des „Abschalten-Könnens“.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einen Leser zitieren, der mir Folgendes geschrieben hat:

… Nur darüber nachzudenken, welche die eigenen Zeitblüten sind, welche Gewichtung ich ihnen gebe, welche Wertschätzung ich für Momente und Erlebnisse mit Menschen habe, die mir nahestehen und mir wichtig sind, tut gut. Das Tolle daran: Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr werden mir meine Zeitblüten bewusst, und dass es eigentlich doch einige in meinem Leben gibt.

Auf den folgenden Seite finden Sie von meinen Lesern eingesandte persönliche ZEITBLÜTEN. (Wenn Sie möchten, können Sie mir auch Ihre zusenden, die ich dann gern in der Sammlung veröffentliche.)

Mit dieser Sammlung möchte ich Ihnen Anregungen und das Bewusstsein für solche Momente schaffen. Lassen Sie sich inspirieren.

Ich wünsche Ihnen viele ZEITBLÜTEN in Ihrem Leben!

burkhard heidenberger


ÜBER 800
LESERZUSCHRIFTEN

Von Lesern eingesandte Zeitblüten:

Zeitblüte 1

Mein Ort der Ruhe und Kraft

Da ich im Schichtdienst arbeite, komme ich zu unterschiedlichen Tageszeiten nach Hause – mal mehr, mal weniger müde oder gestresst.

Für mich wunderbar entspannend ist ein Morgenspaziergang direkt nach der Nachtschicht. Dazu halte ich auf dem Heimweg auf dem Hügel über meinem Dorf an, laufe zwischen Feldern und Obstbäumen zu einem kleinen Turm und blicke über das erwachende Dorf.

Einfach herrlich, diese Stimmung am frühen Morgen: manchmal etwas mystisch im Nebel, anderentags mit Morgenrot und immer wieder herrlich entspannend.

An diesem Ort der Ruhe und Kraft hatte ich schon einige Eingebungen und konnte verzwickte Herausforderungen einfach angehen.

Birgit

Zeitblüte 2

„Du kannst nicht singen!“

In der ersten Klasse Volksschule sollte ein Lied von uns Kindern gesungen werden. Während der Proben sangen wir alle im Chor. Plötzlich brach der Chorleiter ab und sagte zu mir, die ich mitten zwischen allen anderen stand, ich könne nicht singen.

Es war, als würden sich hundert Augen auf mich richten und meine Welt zusammenbrechen – ich war eine der Kleinsten und ich war damals tief gekränkt und habe mich sehr ungerecht behandelt gefühlt.

Den Wunsch zu singen und das vermeintliche Wissen, es nicht zu können, habe ich bis vor einem Jahr mit mir herumgetragen. Ich habe nur für mich gesungen, aber nie aus voller Seele.

Seit einem Jahr nehme ich Gesangsunterricht und seit der ersten Stunde weiß ich, dass ich ganz passabel singe.

Meine Zeitblüte ist es, Gesangsunterricht zu nehmen und mich immer wieder überraschen zu lassen – von den Tönen, von ihrer Klarheit und dem schönen Gefühl, das ich dabei empfinde.

Und wenn ich in einer anderen Situation zögere, denke ich an die erste Gesangsstunde zurück, in der ich alle Ängste und Zweifel über Bord geworfen und mich geöffnet habe.

Hertha

Zeitblüte 3

Ich übergebe meine
Steine dem Fluss

Wenn mich Herausforderungen des Lebens belasten, suche ich meinen Lieblingsplatz an einem Fluss auf. Ich sammle dann Steine mit unterschiedlichen Größen als Symbol für die Dinge, die mich beschäftigen und die ich gerne lösen möchte.

In die jeweiligen Steine packe ich gedanklich dann all das rein, was mich belastet und ich nicht mehr in der Art in meinem Leben haben möchte. Danach bedanke ich mich für die Aufgabe und übergebe sie dem Fluss zur Auflösung bzw. Transformation.

Manchmal sind es kleine, manchmal größere Steine, mal nur ein Stein und ein anderes Mal sind es mehrere Steine. Auf jeden Fall ist dieses Ritual sehr erleichternd.

Isabella

Zeitblüte 4

Geschenkte Minuten
an der roten Ampel

Vor einiger Zeit stand ich, ungeduldig und missmutig wie meist in solchen Situationen, an einer der roten Ampeln, die sich auf meinem Arbeitsweg wegen Baustellen befinden.

Es war auf dem Nachhauseweg und so fiel der Stress wegen eventuellen Zuspätkommens schon mal weg. Ich saß bloß da und wartete.

Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

Es ist keine verlorene Zeit, die ich vor einer solchen Ampel verbringe, sondern es sind geschenkte Minuten, die ich nutzen kann, um durchzuatmen, vielleicht sogar kurz zu meditieren oder an etwas Schönes zu denken.

Seither vermeide ich jedes „nützliche Planen“ oder sogar kurze Telefongespräche während Rotphasen, sondern genieße es, endlich mal loszulassen. Auch vor einer Ampel im Stadtverkehr nehme ich mir nun oft Zeit, um bewusst tief Luft zu holen.

Bin ich zu spät dran, ändert sich nichts, wenn ich mich über mich selbst ärgere oder über die Person, die Mitschuld an meiner Verspätung trägt.

Aber wenn ich die Ruhe bewusst genieße, ändert sich etwas, und zwar in mir und das kann ich mit in den Tag nehmen.

Marie-José

Zeitblüte 5

Mein „Tanz“ mit den Rehen

Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich ein Lauf im Wald.

Es war etwas nass, aber nicht zu kalt und dafür total ruhig. Mir ist während der ganzen Stunde kein Mensch begegnet. Aber dafür sind mir auf einem schmalen Pfad hangabwärts durch einen weiten Nadelwald Rehe begegnet, die mit mir zusammen durch den Wald gehüpft sind.

Erst ein Reh, das unmittelbar an mir vorbei und dann vor mir hersprang, als ob es über den unebenen Boden tanzen würde. Und dann noch ein weiteres, das nur ein paar Meter von mir entfernt wie in Zeitlupe vorbeihüpfte.

Es war nicht nur ein Augenblick, sondern gute zehn Sekunden, die wir zusammen durch den Wald gelaufen sind. Die Rehe schienen sich nicht an mir zu stören. Im Gegenteil, sie schienen mich willkommen zu heißen.

Es war für mich wie in einer anderen Welt, in der Harmonie und Frieden das höchste Gesetz sind. Einfach unbeschreiblich und inspirierend.

Benjamin

Zeitblüte 6

Die Konfrontation
mit der Vergänglichkeit

Ich habe eine Gewohnheit, die manchem etwas skurril erscheinen mag, die für mich aber sehr hohen Wert hat:

Da ich in der Nähe eines Friedhofs lebe und arbeite, mache ich des Öfteren einen kleinen Spaziergang auf dem Friedhof.

Die Ruhe dort, verbunden mit der Konfrontation der Vergänglichkeit, hilft mir immer sehr schnell, mich auf das Wesentliche zu besinnen.

Monika

Zeitblüte 7

Eine überraschende
Begegnung mit meinem Vater

Ich erinnere mich oft und gerne an einen frühen Oktobermorgen im vergangenen Jahr. Der Morgennebel war noch dabei, sich aufzulösen, einzelne weiße Schleier hingen noch in den Bäumen. Über die Wiese im Garten hinter dem Haus hatte sich eine frische Tauschicht gelegt.

Dieser Garten ist der ganze Stolz meines Vaters. Er kennt hier jede Pflanze und wacht über deren Wohlergehen. Was es heißt, in Achtsamkeit die Natur zu erleben, habe ich als Kind besonders von ihm, inzwischen 83 Jahre alt, lernen dürfen.

Der Zufall hat uns beide im selben Moment ins Freie geführt. Wir sind uns in dieser von Licht und Jahreszeit verzauberten Umgebung begegnet und haben die besondere, uns umgebende Stimmung wahrgenommen.

Ohne dass große Absprachen nötig gewesen wären, haben wir Schuhe und Strümpfe ausgezogen und sind barfuß über das Gras gelaufen – Vater und Tochter, wir wie vor 50 Jahren – und haben die Natur „hautnah“ gefühlt.

An dieses sehr schöne und intensive Erlebnis, an die Nähe und Freude in diesem Augenblick denke ich sehr gerne zurück.

Gabriele

Zeitblüte 8

Was ein Danke
bei mir bewirkt hat

Wenn du die Hand eines Hilfsbedürftigen hältst und mit der Kraft deines Herzens dabei bist, kannst du spüren, dass auch du gehalten wirst.

Dazu folgendes Erlebnis:

Ich habe freiwillig in einem Pflegeheim ausgeholfen und zum Mittagessen den Damen und Herren das Essen gereicht. Eines Tages fehlte eine der Damen, weil es ihr sehr schlecht ging und sie im Bett geblieben war.

Sie war selten ansprechbar und zeigte keine Reaktion auf Worte, die an sie gerichtet waren. An ihrem Bett nahm ich – wie immer – ihre Hand in meine linke und reichte ihr mit der anderen das Essen.

Plötzlich drückte sie meine Hand, ein tiefes Lächeln zog über ihr Gesicht und sie hauchte mir ein „Danke“ zu.

Nicht nur an diesem Tag, sondern noch lange Zeit gab mir dieses Erlebnis Kraft und ein Gefühl von Aufgehobensein.

Meine eigenen Sorgen rückten in den Hintergrund und eine beruhigende Zuversicht bestimmte meine nächsten Tage und Wochen.

Birgit

Zeitblüte 9

Das Apfelbaumspalier

Auf dem morgendlichen Weg in die Arbeit komme ich an einem Feld mit einem Apfelbaumspalier vorbei.

Ich schaue durch die zahlreichen Apfelbäume – in der Blütezeit, später mit den reifenden Früchten, mit den gereiften roten Äpfeln – nach Osten in die Sonne. Je nach Jahreszeit sehe ich auch einen wunderschönen Sonnenaufgang.

Ein bewusster Blick, ein Moment, den mir niemand nehmen kann.

Auf dem Heimweg ein erneuter Blick. Diesmal mit der Sonne im Rücken werden die Apfelbäume belichtet. In Verbindung mit den sich verändernden Bäumen und den unterschiedlichen Sonnenauf- und Sonnenuntergangszeiten fasziniert mich dieser Blick (fast) jedes Mal aufs Neue.

Albert

Zeitblüte 10

Ecki mit Freibrief

Ich wohne in einem kleinen Dorf in Thüringen, das eine Besonderheit hat: einen freilaufenden Hund (Golden Retriever) mit Spitznamen „Ecki“.

Von meinem Küchenfenster aus sehe ich ihn öfter, wie er über die Wiesen und Felder streicht, sich aber nie lange aufhält, weil er die Menschen und ihre Zwänge, ihn einzusperren, fürchtet.

Er hat den „Freibrief“ bekommen, frei zu sein. Die Gemeinde bezahlt die Hundesteuer und Haftpflicht-Versicherung, eine Einwohnerin füttert ihn und andere Einwohner haben ihm eine kleine Schutzhütte gegen Kälte und Wind gebaut.

Jeden Sonntag gegen 16:00 Uhr liegt er auf einem bestimmten Platz am Berg und sieht sich von oben sein „Dörfli“ an. Wir warten schon immer ganz gespannt auf sein Erscheinen.

Wir empfinden es als wunderschön, ein Tier beobachten zu können, das seine Freiheit ausleben darf.

Angelika

Zeitblüte 11

Anderen Freude bereiten, trotz
Kalaschnikow an meiner Brust

Zurzeit gehe ich durch schwierige Phasen. Es ist in der rechten Brust ein Tumor aufgetreten, der triple negativ ist und eine hohe Vermehrungsrate hat – sprich, eine Kalaschnikow an meiner Brust.

Zur bevorstehenden Chemotherapie musste eine Portöffnung eingebaut werden. Um das Team im OP aufzuheitern, habe ich einen großen Korb frischer Äpfel mit einer Dankeskarte in den turbulenten und hektischen Saal mitgebracht.

Das Team war gerührt und der Internist bedankte sich mit den Worten: „Wissen Sie, ich bin hier doch nur der Einschläferer. In über 20 Jahren Berufskarriere sind Sie die Erste, die an mich denkt – danke!“

Den Korb zu gestalten, hat Spaß gemacht. Anderen eine Freude zu bereiten, ist für mich eine Zeitblüte, auch in dieser schwierigen Phase.

Ulrike

Zeitblüte 12

Die Lebendigkeit und
Vielfalt des Mikrokosmos

Nach einer schweren Operation war ich in meiner Beweglichkeit stark eingeschränkt und konnte den die Klinik umgebenden Park zwischen den einzelnen Therapieterminen und Mahlzeiten nur in einem sehr engen Radius nutzen.

Ein von Parkbesuchern selten aufgesuchter windgeschützter sonniger Platz am Ufer eines kleinen naturnahen klaren Fließgewässers, wurde zu meinem Lieblingsplatz. Es gab immer etwas zu beobachten.

Mit einem kleinen Fernglas mit einem sehr guten Naheinstellungsbereich, beobachtete ich das Kleintierleben in diesem Bach in seiner beeindruckenden Vielfalt.

Ich fühlte mich dabei in meine Kindheit zurückversetzt, denn seitdem hatte ich nicht mehr die Zeit und die innere Ruhe gefunden, Eindrücke aus der Natur so in mich aufzunehmen.

Welcher erwachsene Mann bringt es schon fertig, eine halbe Stunde lang mit einem Fernglas Wasserläufer, Köcherfliegenlarven, kleine Fische u. a. zu beobachten?

Ich habe dabei wieder gelernt, quasi mit den Augen eines Kindes, die Lebendigkeit und Vielfalt dieses Mikrokosmos zu erfassen, und habe dabei nach den traumatischen Erfahrungen der Krankheit meine innere Ruhe wiedergefunden.

Gerd

Zeitblüte 13

Alle Sorgen auf
eine Wolke setzen

Der Berufsalltag ist meistens sehr stressig und mit drei Schulkindern wird die Zeit außerhalb des Büros auch nicht wirklich ruhiger.

Ich habe aber das Glück, wundervolle Kinder zu haben, die mich immer wieder an die wirklich wichtigen Dinge des Lebens erinnern.

An besonders schönen Tagen stehlen wir uns einfach eine Stunde und wir gehen in einen nahen gelegenen Wald, die Kinder bauen bei den Baumwurzeln kleine Häuschen aus Rinden, Zapfen, Farnen usw. – so wie ich es vor fast 30 Jahren schon gemacht habe.

Weiter im Wald haben wir eine kleine Lichtung mit moosbewachsenem Boden. Da legen wir uns alle hin und beobachten die Wolken, hören den Vögeln zu, hören alle möglichen Geräusche …

Herrlich! Alle Sorgen – egal ob vom Büro oder von der Schule – setzen wir dann auf eine Wolke und schicken sie weg.

Nur wenn ich das wem anders erzähle, ärgern mich Kommentare wie „Na, du musst Zeit haben!“

Ich habe nicht mehr Zeit als andere – ich NEHME sie mir!

Regina

Zeitblüte 14

Fokus auf eine
Fläche von 40 x 40 cm

Im Wald oder auf einer Wiese mache ich oft für eine unbestimmte Zeit halt und fokussiere in der unmittelbaren Umgebung eine kleine Fläche von ca. 40 x 40 cm.

Ich betrachte diese Fläche als Einheit, in der wunderbares Leben steckt. Die Gräser, Blumen, Blätter und Insekten werden immer „größer“, ich nehme immer mehr Details wahr, je länger ich auf diese Fläche blicke.

Das tut unheimlich gut und ich kann mich herrlich entspannen!

Eva

Zeitblüte 15

Wenn ich eine
„Grand Gala“ gebe

Meine Zeitblüte ist – gerade weil ich keine sonderlich begabte Sängerin bin –, mich in meinen größten Raum oder in das gekachelte Badezimmer zu stellen und eine „Grand Gala“ zu geben.

Ich tue so, als wäre ich eine Opernsängerin im vollen Kostüm mit (Stimm-)Volumen, stelle mich recht dramatisch hin, zirpe ein paar Mal „Mii-mii-miii“, presse mein Stimmlein heraus in den tirilierendsten Tönen, schmettere eine Arie mit ziemlich falschem Text, weil ich den richtigen nicht kenne und das auch gar nicht wichtig ist.

„Wääär uuuuns getrauuut, der Dooohmpffaff hat’s gesähn“ – ich ringe die Hände, gehe zur Not auf die Knie und schmachte von unten empor. Ja, Drama, Baby.

Und freue mich, dass es niemand sieht und hört … :-)

Dann achte ich darauf, dass diese ehrfurchtgebietende Darbietung mit einer leichten, plätschernden Sangesemotion endet. Die Auswirkung davon begleitet mich den ganzen Tag.

Wenn ich dann mittags daran zurückdenke, muss ich lachen. Zweck erfüllt!

Marina

Zeitblüte 16

Randsteinhüpfen

Randsteinhüpfen war eine meiner Lieblingsfortbewegungsarten als Kind und ich erinnere mich immer wieder daran, wenn ich aus stressigen Arbeitstagen komme.

Ich gehe noch schnell zur Bank oder habe noch anderes zu erledigen. Und dabei nutze ich jeden Randstein zum Rauf- und Runterhüpfen, oder gehe am Randstein mit dem rechten Fuß oben und dem linken Fuß unten.

Auf sandigen Gehwegen hüpfe ich gerne vom Weg auf den Rasen, zickzack, schnell und langsam. Zum Abschluss gehe ich noch gerne rückwärts.

Nach wenigen Minuten spüre ich mich wieder selbst und fühle mich meist besser.

Elly

Zeitblüte 17

Unser Herzensgespräch

Mein Freund und ich kennen uns nun schon einige Jahre. Wir arbeiten auch zeitweise zusammen und gehen wöchentlich zum brasilianischen Paartanz.

Aber zum Herzensgespräch in einer friedvollen und ruhigen Atmosphäre kommen wir erst, wenn wir uns dafür entscheiden und eine Zeit verabreden.

Wir setzen uns bewusst gegenüber auf das Sofa und entscheiden gemeinsam, wer den Anfang macht.

Wir stellen die Uhr und jeder hat 10 Minuten Zeit, um sich alles von der Seele zu reden, ohne vom anderen unterbrochen zu werden.

Dazu benutzen wir einen Redestab, den ich selber gebastelt habe. Das kann ein schön verzierter Ast, ein Handschmeichler oder ein anderes Symbol sein, das einen persönlichen Wert hat und das gut gehalten werden kann.

Vorher haben wir für eine ungestörte Atmosphäre gesorgt, haben unsere Handys ausgeschaltet und versuchen, bei uns selbst zu bleiben – also nicht in eine negative „Du-Botschaft“ abzudriften, sobald ein Thema aufkommt, bei dem der andere eine wichtige Rolle spielt.

Dann – ohne Kommentar – wird der Redestab an den anderen weitergegeben, der wiederum seine 10 Minuten auskostet.

Danach besprechen wir, was noch gesagt werden darf, um das Herzensgespräch abzurunden. Diesmal ohne die 10-Minuten-Regel, sondern in einer offenen Konversation mit Übergabe des Redestabs, sobald einer das Wort ergreift.

Danach bedanken wir uns jeweils beim anderen und gehen wieder unseren Aufgaben nach.

Diese Herzensgespräche tun uns unheimlich gut und bereichern unsere Beziehung.

Anja

Zeitblüte 18

Die Gnade des
flüchtigen Augenblicks

Viele der schönsten Erinnerungen in meinem Leben sind flüchtige, kurze Momente. Sie sind derart intensiv und kostbar, dass sie sich tief in meinem Herzen einprägen.

Das kann ein plötzliches Glücksgefühl sein, welches sich scheinbar grundlos einstellt, so wie ich es vor Jahren mit dem Fahrrad in Frankreich erlebte. Es ist das, was mir zufällt, weil ich es irgendwann verursacht habe. Ein Zufall eben.

Oder es ist eine flüchtige Landschaftsstimmung, die ich schauen, und manchmal auch fotografisch festhalten kann. Dies alles kann ich weder planen noch wiederholen.

Doch mit Achtsamkeit und Neugier habe ich gute Chancen, solche gnadenvollen Augenblicke immer wieder neu – wenn auch immer wieder anders – zu erleben.

Peter Kofmehl

Zeitblüte 19

Anfangen, solange
ich lebendig bin

Es ist schön zu leben, weil Leben Anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.

Cesare Pavese, ital. Schriftsteller 1908-1950

Seitdem ich dieses Zitat gelesen habe, schöpfe ich daraus immer wieder Kraft, wenn mal etwas nicht so läuft oder mir nicht so gelingt, wie ich es mir vorstelle. Wenn es mal länger dauert, als ich das möchte. Oder auch, wenn ich neue Ideen habe, deren Umsetzung mir schwierig oder sogar unmöglich erscheint.

Solange ich lebendig bin, kann ich anfangen, etwas zu tun. Etwas Neues, etwas Altes, vielleicht mal Aufgegebenes, einfach anfangen, immer, in jedem Augenblick. Nach vorne schauen. Nicht jammern, nicht bereuen, einfach nur versuchen, es besser zu machen.

Den einzigen Fehler, den wir im Leben machen können, ist, aufzugeben und es – was auch immer jedem sein ganz persönliches „es“ ist – nicht neu zu versuchen und vielleicht besser zu machen.

Es ist schön zu leben, weil Leben Anfangen ist, immer, in jedem Augenblick.

Dieser Satz ist meine persönliche Zeitblüte, hängt an meinem Kühlschrank und verleiht mir Frieden und Fröhlichkeit für mein Leben.

Katrin

Zeitblüte 20

Körper von innen
oder außen bemalen

Wenn ich nicht so ganz zur Ruhe und Zufriedenheit gelange, obwohl ich schon auf der Couch oder im Bett liege, stelle ich mir vor, wie ich mit meiner Lieblingsfarbe meinen Körper von innen ausmale.

Ich fange bei den Füßen an, hoch zu den Waden … bis zum Kopf. Meine Lieblingsfarbe ist gelb.

Es ist so unglaublich beruhigend.

Oder ich klebe gedanklich riesengroße Wörter von außen auf mich, wie Liebe, danke, schön, ausgeruht, Fülle, … Ich trage dann das schönste Gewand und es lässt mich zur Ruhe kommen.

Britta

Zeitblüte 21

Ein gemeinsamer
Nachmittag in der Woche

Da ich mit meiner Frau zusammen ein Unternehmen führe, kenne ich das Problem: zu wenig Zeit für mich und meine Familie.

Nach dem Lesen der anderen Zeitblüten und Tipps habe ich mich dazu durchgerungen, etwas zu verändern:

Meine Frau und ich nehmen uns seit einiger Zeit einen Nachmittag in der Woche bewusst frei, um zusammen etwas zu unternehmen oder Sport zu treiben – und siehe da, es lässt sich einrichten!

Früher war ich der Meinung, das klappt nicht, da ich unbedingt gebraucht werde. Nein, ich wurde eines Besseren belehrt und es geht uns dabei richtig gut. Es ist einfach klasse!

Roy

Zeitblüte 22

Surfen – mein Lebenselixier

Wenn ich auf meinem Surfbrett hinaus auf das Meer paddle, dann dort sitze und auf Wellen warte, spüre ich tiefen Frieden in mir. Ich lausche den Möwen, bewundere das Glitzern der reflektierenden Sonnen- oder Mondstrahlen auf dem Wasser und freue mich über einen Schweinswal oder eine Robbe in der Nähe. Ich bin ganz im Hier und Jetzt. Dann surfe ich eine Welle, bin nur darauf fokussiert und einfach nur glücklich.

Surfen ist ein Geschenk und hat mir schon durch viele Tiefphasen hindurchgeholfen.

Kann ich nicht an das Meer fahren, dann gehe ich bei uns in der Nähe „Stand Up Paddeln“. Auch hier genieße ich die Natur und die Schwäne etc., die mir begegnen. Hinterher fühle ich mich immer körperlich und geistig gestärkt. Mein Lebenselixier.

Susanne

Zeitblüte 23

Meine Aue – der
Platz meiner Träume

Sehr gern fahre ich zum Träumen mit dem Fahrrad an unsere kleine Aue in den Wald.

Es ist dort wie im Märchen, meine kleine Traumwelt eben. Dort spreche ich nicht nur mit den Bäumen, sondern höre dem Plätschern des Wassers und dem Rauschen des Windes zu. Das gibt mir Kraft.

Manchmal schreibe ich kurze Gedichte oder einfach nur meine Gedanken auf, lese ein paar Seiten in einem Buch oder singe dann ein Lied.

Diesen Platz möchte ich nicht missen, es ist der Platz für meine Träume.

Dort habe ich erkannt, dass es schön ist sich vorzustellen, ein Baum oder die Aue zu sein, oder der Weg, der immer wieder befahren oder begangen wird, das Eichhörnchen, das neugierig immer ein Stück näher kommt, das Reh, welches erschrocken weg läuft.

Auch die großen fleißigen Waldameisen bei ihrem emsigen Treiben zu beobachten ist eine Wonne, während ich hier so faul sitze.

Mein Leben ist soooo schön!

Gabriela

Zeitblüte 24

Gast im eigenen Dorf

Tagaus, tagein fahre ich von der Arbeit nach Hause. 23 Kilometer mit dem Auto. Nach unzähligen Jahren könnte ich auch sagen, mit dem Autopiloten.

Und dieses gewohnheitsmäßige Verhalten wollte ich eines Abends bewusst ändern.

Mein Ziel war, meine mir bestens bekannte nähere Umgebung aus den Augen eines Fremden zu betrachten und wahrzunehmen.

Ich spielte ein Spiel, schlüpfte in die Rolle einer ortsfremden Person – eines Feriengastes.

Und schon sah die Welt ganz anders aus. Ich war gespannt, was mich auf meiner Reise und an meinem „Ferienort“ erwarten wird. Als „Gast“ wusste ich ja nicht, was auf mich zukommt.

Und es kam viel Neues auf mich zu! Vieles war mir völlig unbekannt. Bekannte Personen plötzlich irgendwie fremd und interessant. Unwichtiges schien mir wichtig. Ich sah nicht nur den Weg, sondern auch den Horizont.

Ich fühlte mich richtig wohl.

Und das tue ich immer noch! Sollte dem einmal nicht so sein oder es gibt etwas, das mich stört, dann kann ich das nun gelassen annehmen oder angehen. Ich weiß ja: Ich bin hier doch nur „Gast“.

Rudi

Zeitblüte 25

Es gibt kein Muss

Der Alltag mit seinen vielen – oft lästigen oder mühseligen – Verpflichtungen, die meistens nicht zu umgehen sind, hat mich häufig nur gestresst, bis ich meinen eigenen Anteil daran erkannte. Deshalb habe ich für mich Folgendes festgelegt:

Es gibt kein MUSS im Leben. Es gibt nur die Dankbarkeit, dass ich etwas tun KANN. Denn könnte ich nichts mehr tun, gäbe es keinen Grund zur Freude, kein Lächeln, keinen Genuss.

So gelingt es mir viel besser, die unangenehmen Dinge des Alltags zu erledigen, auch wenn manche nach wie vor nicht unbedingt ein Genuss sind.

Helmuth

Zeitblüte 26

Der Weg durch den Park

Meine Zeitblüte liegt schon viele Jahre zurück und trotzdem ist sie immer noch wirkungsvoll.

Nachdem ich unter mein altes Leben einen Schlussstrich gezogen hatte, um ein neues zu beginnen, bin ich nach einem Wohnungswechsel jeden Morgen zu Fuß zur Arbeit gegangen.

Auf dem Weg dorthin musste ich durch einen Park mit einem Teich, wo sich Enten, Wasserhühner und andere Wassertiere tummelten. Ich habe es jeden Morgen genossen, durch die Natur zu gehen und gelegentlich die Enten zu füttern.

Schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich befreit von den unschönen Erlebnissen der Vergangenheit und ich fand meine innere Ruhe wieder. Mit jedem Tag fiel ein weiterer Stein von meiner Seele, bis keiner mehr da war.

Gerne denke ich auch heute noch an diese Zeit zurück.

Ich finde immer wieder in der Natur meine Ruhe und sie ist für mich das beste Mittel gegen den alltäglichen Stress.

Anita

Zeitblüte 27

Mit den Bäumen sprechen

Am besten kann ich bei einem Spaziergang im Wald entspannen und Kraft tanken.

Ich spreche dann mit den Bäumen, erzähle ihnen meine Sorgen und Nöte und dann lausche ich auf das Rauschen der Wipfel.

Ich schaue nach oben und staune über die Höhe der jeweiligen Bäume, wie sie diese erreicht haben. Ich danke ihnen dafür, dass sie auch für uns Menschen die Luft reinhalten und uns mit Sauerstoff versorgen.

Danach sind all meine stressigen und sorgenvollen Stunden nur noch ganz winzige Teile und ich fühle mich ausgeruht. Ich habe wieder Kraft mich in den Alltagstrubel zu stürzen.

Im Winter mache ich das besonders gerne. Vor allem wenn Schnee liegt, herrscht eine so wunderbare Stille, nur das Knirschen des Schnees und ein leichtes Säuseln der Blätter ist zu hören. Ich fühle mich eingehüllt und geborgen. Nichts kann mich dann aus der Ruhe bringen und ich stelle fest, dass das Leben trotz aller Schwierigkeiten wunderschön ist.

Marie-Luise

Zeitblüte 28

Meine Zeitblüten
im Tagesablauf

Früher ist es mir nicht so aufgefallen, aber heute weiß ich kleine Momente sehr zu schätzen und mir derer bewusst zu werden, die mich in meinem Alltag begleiten.

Meine morgendliche Zeitblüte ist mein jüngster Sohn (5). Da er noch in den Kindergarten geht, hat er morgens am meisten Zeit, während die anderen hektisch versuchen als erstes im Bad zu sein, um dann ganz knapp noch den Bus zu erwischen. Der Kleine steht auf, kurz bevor die anderen das Haus verlassen.

Er ist ein absoluter Sonnenschein und ich habe bemerkt, dass der Start in den Tag mit ihm wesentlich schöner ist, als wenn er nicht da ist. Daran erfreue ich mich jeden Morgen. Wenn er mit seinen verschlafenen Augen und den strubbeligen Haaren mit seinem „Affi“ im Arm die Treppe runterkommt und sich erst noch mal auf das Sofa kuschelt.

Meine abendliche Zeitblüte ist mein Golden-Retriever Monty. Und das nicht nur am Abend, wo ich zur Ruhe komme, sondern auch zwischendurch, wenn er merkt, dass es mir nicht so gut geht oder ich sogar traurig bin.

Tiere haben so ein einzigartiges Gespür, welches ich nicht mehr missen möchte. Er ist einfach da und schaut mich an, fordert mich zum Spielen auf und lenkt mich ab. Bringt mir zwischendurch irgendetwas, was in seiner Höhe ist (Schuhe, Spielsachen, Kuscheltiere etc.).

Es ist einfach eine innere Freude, wenn ich ihn ansehe und dann muss ich zwangsläufig lächeln – übrigens ist er das Erste, was ich sehe, wenn ich morgens die Augen öffne. Dann sitzt er direkt vor meinem Bett und tätschelt mich so lange mit seiner Pfote, bis ich endlich aufstehe. :-)

Und vor einiger Zeit habe ich dann meine Liebe zum Nähen entdeckt. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Hobby so fesseln könnte. Ich fing damit an, aus alten ausrangierten Klamotten neue, tolle Dinge zu nähen und meiner Kreativität dabei freien Lauf zu lassen.

Der allerschönste Moment daran ist, wenn ich für eines der Kinder etwas genäht habe und es ihnen gebe. Obwohl meine Kinder sonst sehr verwöhnt sind, was materielle Dinge angeht, freuen sie sich so sehr darüber und so mancher Schlafanzug muss dann morgens schon gewaschen werden, damit er abends wieder angezogen werden kann. Die Gesichter, wenn sie die Dinge bekommen oder anprobieren, sind meine ganz persönliche Näh-Zeitblüte.

Melanie

Zeitblüte 29

Mein See

Ich habe das große Glück, an einem See zu wohnen. Er ist jeden Tag anders und äußerst meditativ.

Da ist zum einen das Wasser, unser wichtigstes Lebenselixier. Dann funkelt und glänzt er in der Sonne wie tausend Diamanten. Und er spiegelt auch die herbstlichen Farbtöne der Uferlandschaft tief hinein in meine Seele.

Er rauscht und plätschert mir wundervolle Melodien von Unendlichkeit, schenkt mir immer wieder neue, kreative Formen.

Mein See ist eine tägliche Quelle von Freude und Schönheit. Ein treuer Freund mit einem Hauch von Ewigkeit.

Er war schon da, als ich erst in den Gedanken meiner liebevollen Eltern existierte. Und er wird weiter Menschen erfreuen, wenn ich längst gegangen bin. Meine Zeitblüte ist mein See.

Peter

Zeitblüte 30

Ein Zaubertrick mit Wirkung

Ein richtiges Highlight ist für mich, wenn ich Kindern (oder Erwachsenen) einen kleinen Zaubertrick vorführe, z. B. einen Gummiring-Trick. Ich habe immer zwei Gummiringe dabei, die haben mir schon manche Situation in eine Zeitblüte verwandelt:

Letzte Woche fuhr ich abends in einer S-Bahn, als zwei schmuddelige Typen mit Bierdosen, Alkfahne und lautem Handygetöse einstiegen. Ich sagte zu meinen Kindern, die mit mir mitfuhren:

„Und jetzt passt mal auf!“ Normalerweise sollte man zu denen sagen: „Hey, geht’s noch, das ist rücksichtslos und verboten, schaltet den Krach aus!“ Aber diesmal ging es anders.

Ich fragte einen der beiden, ob er nicht den Basslautsprecher aufdrehen könnte, weil das Handy mit seinen Höhen nur bescheiden klingt. Da stellte sich heraus, beide verstehen meine Sprache nicht.

Nach viel Zeichensprache und Activity-ähnlichem Gefuchtel (um Basslautsprecher darzustellen) gab er mir sein Handy, offenbar damit ich es umstelle.

Ich drückte herum, bis es endlich aus war und habe sofort meine zwei Gummiringe gezückt und als Ersatz für das stillgelegte Handy meinen Trick vorgeführt.

Der Knabe war total sprachlos und bot mir sofort eine frische Dose Bier an (er hatte eine ganze Tasche voll mit!). Ich lehnte dankend ab und wusste: Das gibt noch Spaß bis Schwechat!

Er wollte den Trick immer wieder sehen, versuchte ihn selber, scheiterte, lachte … und schließlich mussten die zwei aussteigen, nicht ohne große Verabschiedung und Winken noch vom Bahnsteig!

Ich werde ab sofort IMMER Gummiringe mithaben – es tut aber auch jeder kleine Zaubertrick. Ich fand das eine geniale Art, sich nicht ärgern zu lassen.

Und apropos Musik, noch eine musikalische Zeitblüte:

Besonders beim Autofahren, aber auch zu Hause: das Lied RADIO von den Wise Guys. Da muss man einfach mitsingen, wahlweise den Text oder das Aaaaaaahhhhhhh des Background-Chors.

Das spielte es eines Morgens im Auto, als ich nach Südosten fuhr, und da kam genau kitschig die Sonne durch den Nebel raus bei der Zeile „wir fahren durch den Sommerregen der Sonne entgegen“. Herrlich!

Andrea

Zeitblüte 31

Freudvolles Kritzeln

Vor einiger Zeit lernte ich einen sehr interessanten Menschen kennen. Es war eine Frau Mitte 40. Wir trafen uns im Wartezimmer beim Arzt. Sie erzählte mir, dass sie gerne malt und ich ihr, dass ich gerne schreibe.

Wir vereinbarten ein Treffen an einem Freitagvormittag. Ich besuchte sie zu Hause. Ein wunderschöner alter Bauernhof, der restauriert wurde. Ein heimeliges Gefühl verbreitete der beheizte große gusseiserne Ofen.

Sie erzählte mir, sie könne nur malen, was sie vor sich sieht, sie hätte keine Fantasie. Ich kann zwar überhaupt nicht zeichnen, weil ich die Dinge nie in den richtigen Proportionen schaffe. Aber trotzdem zeichne ich gerne und bezeichne es eben als Kritzeln.

Dann bat ich sie um Papier und zeigte ihr, dass Papier mein Freund ist, weil ich viel damit anfangen kann. Ich fertigte eine Kusudamaeinheit vor ihren Augen an.

Sie wollte es auch lernen. Dann saßen wir da, genossen die Wärme des rustikalen Ofens und sie diktierte mir, was ich zeichnen soll und ich versuchte es einfach.

Auch wenn es nicht so geworden war, wie ich wollte, so hatten wir doch riesigen Spaß, weil ich mich einfach dem Moment des Erfindens und Ausprobierens hingab.

Auch sie entdeckte plötzlich, dass sie sehr wohl Fantasie hatte. Aber nur wenn sie mit ihrer linken Hand zeichnet und mit der rechten die Dinge dann perfektioniert.

Die Ideen holt sie sich also mit der linken Hand und mit der rechten macht sie es dann visuell ansprechend.

Die Zeit verflog sehr schnell. Ich kam beinahe zu spät zur Schule, um meine Kinder abzuholen. Das waren wunderschöne unbeschwerte Stunden.

Diane

Zeitblüte 32

In Kinderaugen meine
Kindheit wiederentdeckt

Leider habe ich es aus verschiedenen Gründen – wie Hausbau und Studium – versäumt, meine Kinder bei den ersten Schritten zu begleiten.

Heute befinden diese sich im Teenageralter und ich mich mitten in einem anspruchsvollen Berufsleben mit wenig Zeit zum Abschalten.

Die Wochen und Monate fliegen vorüber und Kinderwünsche werden oft erfüllt, um eine kurzfristige und allgemeine Balance im Alltag zu erreichen.

Kürzlich habe ich, aus einem mir heute unergründlichen Grund, lange und tief in die Augen eines der Kinder gesehen und mich und meine Kindheit darin wiederentdeckt.

Ein langanhaltender und strahlender Blick aus Kinderaugen und ich wusste sofort, was ein gerechter Lohn für mein Einhalten war. Aber auch die Strafe für das zu lange Versäumnis.

Oliver

Zeitblüte 33

Verabredungen
mit mir selbst

Morgens nach dem Aufwachen, wenn keiner mehr im Haus ist, mache ich mir einen leckeren Kaffee und nutze die Zeit zur Muße. Ich horche in mich hinein und erfahre dort sehr gut, wie es mir heute geht und was ich für einen energiereichen Tag benötige.

Wenn ich abends aus dem Büro oder von Dienstreisen zurückkomme, mache ich dasselbe noch mal. Mit einem guten Kaffee setze ich mich in einen ruhigen Raum und gehe in mich.

Was ist mir gut gelungen? Was ist noch verbesserungswürdig? Bin ich respektvoll mit mir und meinem Energiehaushalt umgegangen? Habe ich Ideen/Anregungen für den nächsten Tag?

Je regelmäßiger ich es mache, umso schneller entdecke ich die Wege zu meinen versteckten Ressourcen.

Doris

Zeitblüte 34

Eine Welt voller Geschenke

Meine Zeitblüte: mein dreijähriger Sohn im Wald geduldig den Käfer beim Krabbeln betrachtend.

Ich?

Ich stehe dabei … ahne, wie voll von Geschenken in seinen Augen die Welt ist und danke in dem Moment, dass er mir dies zeigt.

Bernd

Zeitblüte 35

Sich im Rauschen verlieren …

Wir haben einen sehr schönen, gepflegten kleinen Stadtpark mit alten, großen Bäumen, vielen Wildblumen, Wanderwegen, einem kleinen See, es wimmelt von Vögeln und Insekten.

Und mittendrin findet man eine Saline, also eine große Bretterwand mit daran befestigten Reisigen, über die von oben herab Salzwasser in unendlich vielen kleinen und kleinsten Strömen herunterfließt.

So wird das salzschwangere Wasser sehr fein zerstäubt und an die umgebende Luft abgegeben. Das Inhalieren ist sehr gesund für Lunge und Atemwege.

Ich setze mich auf eine der Parkbänke, schließe die Augen und konzentriere mich auf das laute, geradezu aufdringliche Rauschen. So vergesse ich sehr schnell alles um mich herum und alle Sorgen und Lasten fallen von mir ab.

Peu à peu gewöhnt sich das Ohr an diesen Geräuschteppich und zunehmend dringen andere Geräusche ans Ohr, leicht zu identifizieren als Vogelgezwitscher, Hummelsummen, Kindergeschrei von einem entfernten Spielplatz, Windpfeifen, bellende Hunde im Park, Gesprächsfetzen von Passanten usw.

Nach geraumer Zeit bemerke ich dann auch wechselnde Düfte. Durch den dominierenden Salzwassergeruch hindurch riecht es abwechslungsreich nach verschiedensten Blumen und Naturgerüchen.

In dieser sehr intensiven Geräusch- und Geruchswelt fühle ich mich sehr wohl, das Ausschalten insbesondere des optischen Sinns, erlaubt eine sehr klare Wahrnehmung auch feiner Nuancen, anstrengungslos, fast meditativ.

Von dieser Entspannung profitiere ich ungemein und oft klären sich im Rest des Tages „unlösbar“ scheinende Probleme durch eine neu erlangte Gelassenheit und Klarheit im Denken. Allzu oft ist mir diese Gelegenheit leider nicht vergönnt.

Aber: Wird mir der Stress in meinem Beruf einmal deutlich zu groß, setze ich mich, wenn möglich, in meinem Büro in einen bequemen Sessel, schließe die Augen und bilde mir ein, genau dort zu sitzen, und es funktioniert: Ich höre das Rauschen, die Vögel …

Calma

Zeitblüte 36

Allein mit meinem Zelt

Ich packe mir gerne, wenn es der Wetterfrosch zulässt, mein Ein-Mann-Zelt in den Rucksack. Dann finde ich einen ruhigen Platz, der mich über das Tal blicken lässt.

Wenn es dann anfängt, dunkel zu werden, mache ich mir ein kleines Lagerfeuer und beobachte, wie die Sterne langsam am Himmel sichtbar werden.

Dabei habe ich das Gefühl, dass Raum und Zeit stehen bleiben und die ganze Welt nur für mich da ist.

Petra

Zeitblüte 37

An einem Punkt haften bleiben

Ich arbeite in einem Büro in der 3. Etage eines Bürokomplexes. Mein Büro verfügt über ein bodentiefes Fensterelement und einen Balkonzugang.

Immer, wenn ich etwas Ruhe zum Abschalten benötige, stehe ich auf, schaue zum Fenster hinaus, gehe manchmal auch auf den Balkon und lasse den Blick auf die wunderschöne Umgebung schweifen. Ich muss hinzufügen, dass ich einen freien Blick auf den Speyerer Kaiserdom habe.

Es tut gut, sich einen Punkt in der Landschaft zu suchen und den Blick für eine Weile dort haften zu lassen.

Bei mir ist es eben dieser beeindruckende Dom. Sehr schnell befinde ich mich „in einer anderen Welt“. Nach nur wenigen Minuten kann ich mich dann deutlich entspannter wieder meiner Arbeit zuwenden.

Doris

Zeitblüte 38

Farben bewusst wahrnehmen

Meine Zeitblüte stammt eigentlich aus dem Augentraining:

Ich konzentriere mich manchmal darauf, eine bestimmte Farbe bewusst wahrzunehmen. Einmal sind es Rottöne, dann wieder Blautöne. Das mache ich auch von meiner Stimmung abhängig.

Wenn ich wärmebedürftig bin, dann entscheide ich mich für warme Farben, wenn ich abkühlen möchte, eher für kühle.

Erstaunlich, wie die Gegenstände in den gesuchten Farben einem „entgegenspringen“! Ich nehme so meine Umgebung ganz anders wahr und erlebe ein kleines Wunder im Alltag.

Ella

Zeitblüte 39

Freestyle

Wenn ich müde und energielos nach Hause komme, sich die Gedanken im Kreise drehen und eine Entspannung unmöglich scheint, dann mache ich Folgendes:

Platz schaffen, unbequeme Kleidung und Schuhe ausziehen, schwungvolle Musik einschalten (z. B. Samba, afrikanische Musik) und einfach durch die Wohnung tanzen und wirbeln.

Ganz frei wie ein Kind, so wie man es sich in der Öffentlichkeit meist nicht trauen würde.

Locker und gelöst, mit herumwirbelnden Armen und Beinen, ganz nach dem Motto Freestyle.

So vergesse ich die Alltagssorgen und die Zeit.

Zum Abschluss setze ich mich auf den Boden, ziehe Grimassen wie ein Clown und lache laut und viel! Das mag alles befremdlich klingen, aber es entspannt und befreit mich unheimlich.

Außerdem erinnert es mich einfach immer wieder daran, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen und dankbar dafür zu sein, dass ich mich so frei bewegen und fühlen kann!

Sylvia

Zeitblüte 40

Geräusche zum Innehalten

Nach jeder beruflichen stressigen Situation – und in meinem Beruf als Rezeptionsleiterin gibt es viele –, gehe ich bei uns in den Hinterhof des Hotels, setze mich auf die Bank, schließe die Augen, atme tief ein und aus und horche auf die Geräusche.

Mal sind es die zwitschernden Vögel, die ich höre, mal ein Flugzeug, das über das Hotel fliegt, mal die Sirenen des Krankenwagens – es gibt immer ein Geräusch, das hervorsticht. Dieses Geräusch erinnert mich, innezuhalten, zu atmen und den Stress zu vergessen.

Privat ist es anders. Es gibt zwei Zeitblüten, die mich den Stress vergessen lassen:

Einmal ist es die Musik. Ich drehe das Radio auf, singe lauthals mit oder tanze. Das ist Erholung pur. Die zweite ist lesen. Ich setze mich in meinen Massagestuhl, nehme ein gutes Buch und nach 30 Minuten bin ich relaxt. Herrlich.

Wichtig ist, dass ICH weiß, wie ich mich erholen kann. Jeder Mensch tickt anders und dementsprechend braucht jeder seine ganz persönliche Zeitblüte.

Sylvia

Zeitblüte 41

Das innere Kind

Wenn ich gestresst bin, gehe ich in den Park spazieren. Dabei lasse ich meine Gedanken schweifen.

Des Öfteren kam mir in den Sinn, wie einfach es doch war, Kind zu sein. Erinnerungen, Eindrücke, Ängste, die mich heute zum Schmunzeln anregen.

Im Alter von 8 oder 9 Jahren kletterte ich oft auf Bäume – zum Bedauern meiner Mutter –, liebte Schokolade und Erdbeereis oder legte mich auf eine Wiese und betrachtete die Wolken am Himmel.

Warum sollte man Altes vergessen?

Wenn Sie also jemanden im Park auf einem Baum sitzen oder auf einer Wiese liegen sehen, mit einem Erdbeereis in der Hand, dann bin das ich – auf Entdeckungsreise in Kindheitserinnerungen.

Für mich gibt es nichts Entspannenderes und Erfreulicheres zugleich.

Vicor

Zeitblüte 42

Meine Schatzkiste

Ich habe eine kleine Schachtel – eigentlich ist es ein Schuhkarton, golden beklebt, sieht sehr schön aus.

Darin sammle ich nette Erinnerungen: Postkarten von Freunden, Muscheln, besondere Bilder von meinem kleinen Sohn, Fotos, schöne Bilder, Witze und Cartoons, lustige oder schöne Zeitungsberichte – eben alles Nette, was man so findet.

Wichtig ist mir, dass es nur diese eine Kiste gibt. Ab und zu wird aussortiert, manches wird mal verschenkt oder anderweitig verwendet (basteln!).

Mit dieser Schachtel setze ich mich manchmal hin und krame darin herum.

Ich schwelge dabei nicht nur in Erinnerungen, sondern kann auch viel lachen – und gleich sieht der Tag viel schöner aus!

Nach einer halben Stunde mit „meiner Schatzkiste“ habe ich richtig gute Laune.

Kornelia

Zeitblüte 43

Orte von früher

Ich besinne mich am besten, wenn ich zu den Orten zurückkehre, an denen ich aufgewachsen bin oder früher gewohnt habe.

Ich sehe mich dort wie früher und nehme das wahr, was sich verändert oder eben nicht verändert hat und wo somit die Zeit stillzustehen scheint.

Das zeigt mir immer wieder, dass das Leben ein langsam fließender Fluss ist. Ich besinne mich wieder an meine alten Stärken und erlange innere Ruhe.

Michael

Zeitblüte 44

10 verschiedene Geräusche

Wenn es mir ein Bedürfnis ist, mich für eine kurze Weile aus dem Alltag, der Hektik, den übergreifenden Reizen zu „beurlauben“, setze ich mich an einen Ort, wo ich mich wohlfühle, wo ich zur Ruhe komme, wo die Sonne auf mich scheint und mich wärmt, oder wo ich am Wasser sitzen, wo ich zur Ruhe kommen kann.

Ich schließe meine Augen und konzentriere mich auf die Geräusche in meiner Umgebung, lasse sie einfach auf mich wirken und durch mich hindurchströmen. Dann versuche ich zehn verschiedene Geräusche zu lokalisieren.

Wenn ich ein Geräusch akustisch klar höre und die anderen ausschließen kann, konzentriere ich mich auf das nächste „Nebengeräusch“. Dabei zähle ich mit den Fingern die verschiedenen Geräusche mit.

So werden mir ganz viele, oft auch unscheinbare, angenehme Geräusche bewusst.

Es sensibilisiert meine akustische Wahrnehmung und durch die konzentrierte Aufgabe kann ich wunderbar entspannen und fühle mich danach wach und frisch.

Dorle

Zeitblüte 45

Die Vergangenheit
aufleben lassen

Ich digitalisiere die alten Dias meiner Eltern.

Da mein Vater immer mehr in seiner Demenz versinkt, sind diese gemeinsamen Momente, in denen wir die alten Zeiten wieder aufleben lassen, für ihn sehr intensive Lichtblicke.

Zu vielen Bildern weiß er noch die Geschichten und ich erfahre wertvolle Dinge aus meiner Kindheit. Auch meine Kinder sind von diesen Erzählungen ganz begeistert.

Wir alle können diese Zeitblüten sehr intensiv genießen und erfahren eine wunderschöne Nähe und Gemeinsamkeit.

Gero

Zeitblüte 46

Zwischen den Welten bewegen

Als Segelfliegerin, die diesen Sport schon länger als 30 Jahre ausübt, finde ich immer wieder diese ganz besonderen Momente, die mein Leben so unendlich bereichern.

Es sind die Momente, in denen ich mich „da oben“ sozusagen zwischen den Welten bewegen kann, ganz losgelöst von der Unruhe und dem Unbehagen des täglichen Lebens.

Alles sieht so aufgeräumt und friedlich aus. Und manchmal schalte ich auch das Funkgerät aus und bin mit mir ganz allein.

Britta

Zeitblüte 47

Vom Erfolgsdruck erlöst

Wer so ehrgeizig wie ich ist, kann in bestimmten Bereichen des Lebens – nämlich im Beruf – Misserfolge schwer verkraften.

Eine Zeit lang habe ich sehr viel Kraft investiert, so zu tun, als ob es mir nichts ausmacht. Dann folgte eine Zeit von verkrampftem Lächeln und der Einbildung, dass jeder gegen mich ist. Die letzte Zeit war von Schlaflosigkeit und unkonzentriertem Handeln gezeichnet.

Ich habe nun losgelassen – von dem Job, den ich so liebte. Den ich unbedingt packen wollte.

Und nun erlebe Zeitblüten. Die jetzige, etwas andere Tätigkeit, macht auch Spaß. Die Mitmenschen lassen mein Herz hüpfen.

Ich danke mir täglich, dass ich von dieser Art Erfolgsdruck erlöst bin.

Benno

Zeitblüte 48

Die Liebe beobachten

Es gibt sie noch, die Liebe, Herzlichkeit und Zusammengehörigkeit – wo, fragen dann viele.

Wenn ich einmal unterwegs schlecht drauf bin, meine Familie nicht in der Nähe habe, gehe ich auf Bahnhöfe oder am liebsten auf einen Flughafen.

Dort findet man die scheinbar verloren gegangene Liebe, denn scheinheilig wird niemand bei einer Verabschiedung oder Begrüßung umarmt oder geküsst!

Dies zu beobachten gibt mir so richtig Energie und es wird mir bestätigt, dass es doch überall auf der Welt noch Liebe gibt.

Thomas

Zeitblüte 49

Das Grundgefühl
für meinen Tag

Jeden Morgen – noch im Bett – fühle ich in mich hinein, welches Grundgefühl mich heute durch den Tag begleiten darf.

Diesen Begriff – z. B. Ruhe, Freude oder was immer mich bewegt –, schreibe ich mir dick in meinen Tagesplan.

Tagsüber, besonders wenn es anstrengend oder hektisch wird, erinnert mich der Begriff an die gewählte Qualität und leistet so gute Dienste.

Barbara

Zeitblüte 50

Seerosenteich

Meine Zeitblüte ist die regelmäßige Wanderung in einen nahegelegenen Wald. Dort ist ein kleiner Seerosenteich, den ich seit meiner Kindheit kenne.

Es gab Jahre, da war er fast verschwunden. Jetzt scheint er sich erholt zu haben und bringt – trotz seiner geringen Größe – die wunderschönsten Seerosen zutage.

Ich stehe dann davor und bewundere, was die Natur so alles zustande bringt. Ich höre die Vögel zwitschern und rieche die frische Waldluft.

Und manchmal habe ich das Gefühl, dass ich eins bin mit der Natur und empfinde Kraft und Gelassenheit.

Wolfgang

Zeitblüte 51

Einfach drauflosfahren

Mein Mann und ich überlegen oft, was wir mit den Kindern unternehmen können. Meist plätschert der Tag so vor sich hin und plötzlich ist es für Unternehmungen zu spät. Am Abend sind wir dann enttäuscht, dass wir nichts „Gescheites“ unternommen haben.

Ich habe kürzlich festgestellt, dass es besser ist, einfach draufloszufahren bzw. -gehen und zu schauen, wo man landet.

Der Spaziergang oder die Fahrt dorthin kann auch schon sehr interessant sein. Wenn wir dann irgendwo in der Natur draußen sind, können wir alles genießen: die vielen schönen Wiesen, die Ruhe – einfach herrlich.

Es muss ja nicht immer etwas mit viel Power oder Lautes sein, wir brauchen keine Ansammlung von Leuten, keinen Lärm – nur wir vier und um uns herum Natur pur.

Britta

Zeitblüte 52

Meine Auszeit
in der Mittagspause

Mein Arbeitsort liegt direkt an einem großen, städtischen Waldgebiet. Statt mäßigen Kantinenessens mache ich mich täglich (bei jedem Wind und Wetter) in meiner Mittagspause auf den Weg zu einem halbstündigen, zügigen Spaziergang durch diesen Wald.

Ich versuche bewusst, Schultern und Rücken zu entspannen, tief durchzuatmen und Ärger und Missmut zurückzulassen.

Ich beobachte, wie sich der Waldboden und die Bäume im Laufe der Jahreszeiten verändern, auch den unterschiedlichen Lichteinfall durch die belaubten oder kahlen Äste bei Sonne, Regen oder Sturm.

Aber nicht nur die Natur macht mir diese kurze „Auszeit“ zur Zeitblüte. Ein kurzes Telefonat mit dem Mann meines Herzens, ein Austausch über das am Vormittag Erlebte und eine kleine Vorausschau, was jeder von uns am Nachmittag noch vor sich hat, machen diese Zeitblüte zu etwas sehr Kostbarem.

So gestärkt kann ich dann die geliebten und weniger geliebten Aufgaben, die mein Beruf so mit sich bringt, mit Schwung und Humor angehen und so manch miesepetrigem Kollegen ebenfalls ein, wenn auch zaghaftes, Lächeln abgewinnen.

Marion

Zeitblüte 53

Picknick bei Sonnenaufgang

Zur Morgendämmerung ist die Natur so frisch und gereinigt, so energiegeladen und erquickend.

Mindestens einmal im Sommer frage ich meine Tochter am Abend:

„Hast du Lust auf ein Picknick bei Sonnenaufgang?“ „Jaaaaaa!!!“, erklingt es in meinen Ohren. Meine Tochter weiß dieses Erlebnis zu schätzen.

Um 4 Uhr klingelt der Wecker, es ist ein freudiges Erwachen, denn es erwartet uns ein unvergesslicher Morgen. Heißer Tee und Kakao wird in Thermoskannen gegossen, alles für ein genüssliches Picknick in einen Korb gepackt, warme Kleidung, kuschelige Decken und Handtücher dürfen nicht fehlen.

Sanft wecke ich meine Tochter, sie hüpft aus dem Bett, denn sie teilt diese auf uns wartende Freude mit mir.

Im dämmrigen Morgen spazieren wir zum Ufer, breiten unser Picknick aus und genießen die beeindruckende Stille.

Wie munter die Tiere um diese Zeit schon sind. Der Himmel wandelt sich von schwarzblauen zum hellblauen Horizont, die Wolken färben sich in alle Rosa- und Orangetöne.

Stille, Ruhe und Nähe – dies genießen wir gemeinsam in eine kuschelige Decke eingepackt.

Plötzlich blinzelt die Sonne am Horizont auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Diesen Moment haben wir sehnsüchtig erwartet. Immer wieder berührt dieser Moment unser Herz.

Sobald die Sonne sich ganz zeigt, hüpfen wir aus unserer wärmenden Schale und springen in den See. Durch die Frische des Morgens erscheint das Wasser überraschend warm. Wir wissen, wie gut diese Überwindung tut, wie wohl man sich danach in der eigenen Haut wieder fühlt.

Frisch gebadet freuen wir uns auf die warme Kleidung, die kuschelige Decke, den heißen Tee und Kakao – und das Frühstück schmeckt unbeschreiblich lecker.

Die Sonnenstrahlen werden immer stärker, langsam erwachen das Dorf und die Geräusche der Zivilisation.

Reich beschenkt genießen wir am Nachmittag unsere wohlverdiente Siesta.

Eva

Zeitblüte 54

Geschenkte Stunden

Mein Mann ist 80 Jahre alt und seit einer Woche zurück aus der Klinik – gerade kurz vor unserem 44. Hochzeitstag. Wir dürfen noch einmal eine Zeitspanne zu zweit unterwegs sein.

Wie lange? Das können wir nicht wissen.

Wir können nur den einzelnen Stunden Freude abgewinnen und aus den Tagen wertvolle Bilder der Erinnerung sammeln.

Seit vor acht Jahren die Krankheit ausgebrochen ist, musste er dreimal als Notfall eingeliefert werden – immer in der Nacht.

Jedes Mal kehre ich alleine heim und unsere kleine Wohnung ist plötzlich so groß. Das Licht scheint trüb und es ist unheimlich kalt, auch wenn die Räume warm sind – ein Hauch von einer Zukunft des Nicht-mehr-teilen-Könnens.

Etwas hilft mir, diese Grenzerlebnisse und die Erfahrung des Loslassens besser zu verkraften:

Seit Jahren schließen wir die Tage mit einem Still-für-uns-Sein und danken für das gemeinsam Erlebte. Der Morgen ist neu, zwar mit den alten Sorgen – er hat jedoch immer die Chance, ein ganz besonderer Tag zu werden. Einer, der erneut beginnt mit Danken für die gemeinsamen kleinen Highlights.

Susanna

Zeitblüte 55

Ein so intensives Erlebnis

Ich lag vor ca. zwei Jahren länger im Krankenhaus. Dort in der Cafeteria wurden unter anderem Briefkarten verkauft. Wunderschöne, handgemachte, individuelle Briefkarten.

Als es keine Karten mehr gab, wurde mir die Werkstatt genannt, wo diese hergestellt werden. Eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Teils schwere Behinderungen.

Im Laufe der Monate vergaß ich mein Vorhaben, mir ein Set solcher Karten zuzulegen. Nach meinem Krankenhausaufenthalt hat mich der tägliche Kampf um Geld, Arbeit und Ansehen wieder beherrscht.

Letzte Woche hatte ich eine Nachuntersuchung im Krankenhaus und im Anschluss noch viel Zeit. So beschloss ich, endlich die Werkstätte aufzusuchen.

Eine Dame führte mich direkt in den Werkraum. Die Personen dort haben sehr schwere körperliche und geistige Behinderungen und jeder Prozess der Herstellung dieser Karten ist abgestimmt auf die individuellen Möglichkeiten. Einzelne Damen und Herren schauten neugierig auf mich und grüßten mich mit einer besonders netten Art.

Dann geschahen zwei Dinge, die mitten in mein Herz trafen:

Ich saß inzwischen auf einem Sofa und hatte mehrere Kartons mit Grußkarten zum Aussuchen bekommen. Ich war sehr vertieft, als eine junge Frau ihren Arbeitsplatz verließ und zu mir kam. Sie stellte sich vor mich hin, schaute mir in die Augen, nahm meine Hand, beugte sich zu mir runter und gab mir ein Küsschen auf die Nase. Ich war überwältigt.

Ein anderer Mann stand ebenso auf, verließ seinen Arbeitsplatz mit einem angefangenen Deckblatt einer Karte. Er lächelte mich so liebevoll an, machte ein Blinzelauge und schenkte mir das Bild.

Ich war und bin jetzt noch so gerührt und berührt! Da waren für wenige Sekunden Liebe und Vertrauen selbstverständlich und ICH durfte die Empfängerin sein! Sich immer wieder mal auf die wirklich wichtigen Dinge besinnen, das macht es aus.

Die beiden liebevollen Menschen haben es mir gezeigt. Sie sind so wie sie sind. Echt. Einfach ehrlich.

Ich bedanke mich für dieses intensive Erlebnis!

Kerstin

Zeitblüte 56

Süßigkeiten schmecken
in der Sonne besser!

Wenn ich im Alltag allein bin und mehr Fröhlichkeit, Freude oder Unbekümmertheit brauche als ich selbst in dem Moment aufbringen kann, halte ich Ausschau nach Kindern, Teenies, Familien, Liebespaaren, Vögeln, Katzen, Hunden, Eichhörnchen etc.

Lachende oder spielende Kids zaubern mir fast immer ein Lächeln aufs Gesicht. Die liebevolle Zartheit, mit der Papas, Mamas, Omas und Opas mit den Kurzen umgehen, gibt mir einen Push wärmende Liebe.

Dieses wärmende Gefühl bekomme ich auch, wenn ich Liebespaare sehe. Am liebsten sind mir dabei ältere Pärchen, die sich gegenseitig stützen und aufeinander achten.

Sich streitende Vögel, beschäftigte Eichhörnchen, schnüffelnde und schwanzwedelnde Hunde und lässig beobachtende Katzen lassen mich meine Sorgen etwas vergessen und meine Probleme relativieren.

Wenn ich nicht draußen bin und etwas Schönes brauche, behelfe ich mir mit dem Internet bzw. mit Google und YouTube: die „schönen Nachrichten“ über etwa einen wilden Fuchs, der mit einem Haushund befreundet ist, der „Happy Animals Club“, der von einem neunjährigen Jungen gegründet wurde, um Streuner aufzunehmen oder wenigstens zu füttern, sowie einige Facebook-Seiten von und für Menschen, die Hilfe brauchen und geben.

Und wenn ich jemanden bemerke, der vielleicht auch ein nettes Wort brauchen könnte, schenke ich es ihm.

Somit mache ich mir meine Welt schöner. In einer schönen Welt plagen mich meine Sorgen weniger und manchmal werden aus Problemen Problemchen oder sogar Herausforderungen.

Die Kurzfassung meiner schönen Erfahrungen:

„Ein gestoßener Zeh tut auf einer sonnigen Blumenwiese einfach weniger weh als im garstigen Kellereck! Und Süßigkeiten schmecken in der Sonne auch besser!“

Vielleicht kann ich jemanden hiermit auch ein wenig mit Freude anstecken! :-)

Liza

Zeitblüte 57

Mein Zeitblüten-Gedicht

Ich habe ein Zeitblüten-Gedicht für Sie geschrieben:

Der Mensch und seine Zeit,
sie ist sein Leid und sein Vergnügen,
jedoch egal wie gut er feilscht,
er wird niemals ihr Eigentümer.

Hätten Momente einen Preis,
fälschten wohl wir alle die Zeit-„Blüten“.

Schön, dass wir hier teilen,
was wir uns eigentlich ja nur ausgeliehen.

Wir rechnen nichts auf,
wir lassen Zeiten blühen.

Oft vergessen, unbewusst,
oder bloß nicht an sie gedacht,
bemerken wir uns Blüten gießen,
mal mit Wut und mal mit Kraft.

Oh welche Zeitblütenpracht!

Sven Eichstädt

Zeitblüte 58

Achtsamkeit durch
fokussiertes Schauen

Da ich sehr gerne in der Natur unterwegs bin und dazu noch gerne fotografiere, verknüpfe ich beide Beschäftigungen.

Ich stelle mir beim Spaziergang dazu ein Thema und richte danach meinen Fokus auf mir dazu passend erscheinende Fotomotive. Dieses fokussierte Schauen bringt mich ganz leicht in meine innere Mitte.

Es müssen nicht unbedingt anspruchsvolle Themen sein. Ich habe schon öfter z. B. das Thema „die kleinen Schönheiten am Wegesrand“ gewählt. So wird das sogenannte Unkraut aus einem anderen Blickwinkel betrachtet und in Szene gesetzt.

Es klappt auch mit einem imaginären Rahmen:

Für jemanden, der nicht fotografieren möchte, reicht auch schon die Vorstellung eines „imaginären Rahmens“. Ich schaue durch diesen Rahmen und suche mir entsprechend dem gewählten Thema ein passendes Motiv aus.

Es sind alles Übungen der Achtsamkeit, die ich als Entspannungspädagogin und Lehrerin für Stressprävention auch sehr gerne als Impulse an meine Kursteilnehmer weitergebe.

Eine gute Übung der Achtsamkeit ist auch, mich einmal für 10 Minuten extrem langsam fortzubewegen und wahrzunehmen, welche „Schätze“ ich dabei entdecke, die mir bei normalem Tempo entgangen wären.

Achtsamkeit im Allgemeinen gibt meiner Zeit eine völlig neue, kraftspendende und wohltuende Qualität und bringt „meine Zeit zum Blühen“.

Beate Neufeld

Zeitblüte 59

Der Blick ins Tal

Wenn mal meine Gedanken durcheinander sind und ich Ruhe brauche, gehe ich auf einen Bergrücken – eine halbe Stunde Fußweg von unserem Haus. Von dort aus überblickt man das ganze Tal, und fast überall, wo man hinsieht, bin ich schon einmal gewesen.

Von diesem Berg schaue ich ins Tal hinunter und schließe dann die Augen. Da vergeht die Zeit wie im Flug.

Und wenn ich dann wieder zu Hause bin, sind meine Gedanken leicht und bestehen nur mehr aus Erinnerungen an die Wanderung durch diese wunderschöne Landschaft.

Franz

Zeitblüte 60

Die kleinen Fortschritte

Ich bin 20 Jahre alt und arbeite zurzeit auf freiwilliger Basis in England. Meine persönliche Zeitblüte ist die Arbeit mit einem geistig beeinträchtigten Menschen. Er verwechselt manchmal die Bedeutung von Ja und Nein und kann kaum Wörter aussprechen.

Aber ab und zu hat er „klare“ Augenblicke, die mich glücklich machen. Und ich freue mich über jeden kleinen Fortschritt.

Daran merke ich, wie wichtig auch die kleinen Veränderungen und Fortschritte sind. Auch wenn es nur ein neues Wort ist.

Franziska

Zeitblüte 61

Innehalten und das Bewusstwerden

Ich bin eine alleinerziehende Mutter von zwei wundervollen Kindern im Alter von 14 und 12 Jahren. Mein Junge ist Autist.

Die Zeit mit ihnen ist mitunter sehr schwierig – beide sind in der Pubertät – und ich fühle mich oft überfordert und verzweifelt.

Gerade heute Morgen, als beide furchtbar stritten und auch mit mir meckerten, war ich kurz davor, ebenfalls zu schreien, hielt aber inne.

Warum hätte ich schreien sollen? Hätte die Situation sich verbessert? Hätten sich meine Kinder in der Zeit der schwierigen Pubertät besser gefühlt, wenn ich auch noch auf ihnen „herumgehackt“ hätte? Ist es nicht so, dass meine Kinder eine starke Mutter brauchen, die ihnen ein gutes Vorbild ist?

Plötzlich fühlte ich mich wie befreit und es war mir bewusst, dass ich im Grunde ein glücklicher Mensch bin.

Andrea

Zeitblüte 62

Eine Zeitreise
mit dem Oldtimer

In meiner Garage steht ein kleiner Oldtimer aus dem Jahr 1952. Mit seinen 16.5 Pferdestärken ist er nicht der schnellste.

Wenn ich in ihm – vorzugsweise abseits der vielbefahrenen Wege – unterwegs bin, scheint die Zeit stillzustehen.

Der Alltag ist schon beim Einsteigen vergessen. Allein schon der Geruch nach Öl, Gummi und Leder ist wie ein Wundermittel, bei dem jede Hektik sofort verschwindet.

Es ist eine Zeitreise in eine Welt, die irgendwie nicht zur gegenwärtigen passt und deshalb auch nicht mit ihr mithalten will.

Es ist aber auch immer ein kleines Abenteuer, da man nie weiß, was einem unterwegs begegnet. Geschehen ist noch nie etwas, zuverlässig tut das kleine Auto seinen Dienst und hat mich immer wieder nach Hause gebracht.

Es kommt zwar manchmal vor, dass es mit dem Nachhausekommen schwierig wird. Grund ist dann aber nicht irgendeine Panne, sondern man findet immer wieder eine Abzweigung, damit der Weg noch ein wenig länger wird. Ist man dann zurück von der Tour, brummt einem zwar ein wenig der Kopf, doch das Glücksgefühl hält an.

Die Gedanken schweifen dann immer wieder zurück auf den Weg, den man gefahren ist. Gedanken an unscheinbare Details wie ein Waldstück, eine Weide, ein altes Haus, jene Kurve, nach der der Ausblick so wunderbar war …

Jahre später kann ich mich noch an solche Details erinnern. Noch schöner ist es, wenn wir zu zweit unterwegs sind und dieses Erlebnis teilen.

Vielleicht begegnen wir uns ja einmal auf der Straße. Viele winken mir fröhlich lachend zu und ich habe dann jemand anderem eine Zeitblüte geschenkt.

Martin

Zeitblüte 63

Unsere Plätze
für Geist und Seele

Ich habe eine 14-jährige Tochter. Vor zwei Jahren haben wir angefangen, Orte/Plätze zu notieren, an denen wir gerne zusammen sind (Plätze für Geist und Seele). Das kann z. B. eine Bank mit wunderschöner Aussicht oder ein bestimmter Platz an einem Urlaubsort sein.

Dann haben wir die Plätze/Orte von 1 bis 20 durchnummeriert. Diese Liste wird immer zu Beginn des Jahres gelöscht und neu gestaltet.

Schon heute reden wir über diese schönen Momente und Plätze aus der Vergangenheit und freuen uns bereits jetzt auf die Liste für das kommende Jahr.

Gerald

Zeitblüte 64

Mein Körper ist
heute mein Seismograph

Es war der Moment, als ein Auto von hinten in mein stehendes Auto fuhr, als eine Fußgängerin die Straße überquerte. Natürlich auf dem Fußgängerstreifen. Zuerst realisierte ich überhaupt nicht, welchen Schlag mein Körper aufgefangen hat.

Doch schon vier Stunden später, beim Arzt, hieß es: einen Monat absolute Ruhe. Wirbelsäulentrauma, Rücken verstaucht, der ganze Körper traumatisiert. Arbeiten schon, aber keine heftigen Bewegungen mehr. Nur noch gehen und liegen.

Ich fühlte mich wie ein Pflock. Spürte nichts mehr außer ein großes Chaos in der Energie. Ich, ein Bewegungsmensch, einfach stillgelegt.

Nach einem Monat die erste Behandlung bei der Craniosacral-Therapeutin. Was für ein Schock, als mir mein Körper nach und nach zeigte, was er aufgefangen hatte.

Mein Körper spricht eine andere Sprache und ich habe ihn nicht mehr „im Griff“. Ich habe schließlich wieder gelernt, auf meinen Körper zu hören – nach über einem Jahr, nach 30 Physiotherapien, 9 Cranio, einer Miniskusoperation als Folge vom Unfall und immer noch in der Oesteopathie.

Während dieser Zeit habe ich wunderbare Menschen kennengelernt, die mich begleiteten und mir viele gute Tipps mitgegeben haben.

Mein Körper ist heute mein Seismograph. Ich habe auf eine umständliche Weise gelernt, seine Signale wahrzunehmen. Und um wahrzunehmen, braucht es Ruhe und Stille.

Ein wunderbares Geschenk. Ich bin rückblickend sehr dankbar für diese Reise und Erfahrung und natürlich, dass alles wieder komplett in Ordnung kommt.

Noch etwas: Während der ganzen Zeit hat die Versicherung des Unfallverursachers so alle 6-8 Wochen angerufen, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen, was ich in der heutigen Zeit als ausgesprochene Aufmerksamkeit erachte.

Lilian

Zeitblüte 65

Das hat mich
sehr stolz gemacht

In unserer Stadt organisieren seit vielen Jahren einige engagierten Menschen eine „Offene Tür“ für Obdachlose.

Immer, wenn das Kloster, wo täglich warme Mahlzeiten ausgegeben werden, seine Pforten schließt (um die Räumlichkeiten einmal ordentlich zu putzen), übernimmt diese kleine Gruppe die Verköstigung.

Dieser eine Tag im Monat ist bei den Bedürftigen deshalb so beliebt, weil sie ihre Mahlzeit nicht an einer Ausgabe abholen müssen, sondern an liebevoll, der Jahreszeit entsprechend, gedeckten Tischen von uns bedient werden.

Jedes Jahr im August findet unsere „OT“ auf den Rheinwiesen statt, wo eine Art Grill-Treffen veranstaltet wird.

Für viele unserer Stammgäste ist dieser Tag einer der Höhepunkte im Jahr, auf den sich wirklich alle freuen.

Vor einigen Jahren, meine Kinder und ich waren auf unseren Rädern zu den nahegelegenen Rheinwiesen unterwegs, um den Aufbau von Biertischen und Stühlen durchzuführen, geschah etwas, das mich nicht nur sehr stolz, sondern auch nachdenklich gemacht hat:

Einen Tag zuvor hatte sich mein 16-jähriger Sohn eine rote Kapuzen-Sweatjacke gekauft, für die er selbst gespart hatte und die er nun stolz trug.

Plötzlich aufkommender heftiger Wind und noch heftigerer Regen ließen unsere „OT“ buchstäblich ins Wasser fallen. Viele waren nur in Sommerkleidung erschienen und froren erbärmlich.

In ihrer Not nahmen sich die Leute blaue Mülltüten, zogen sie sich über den Körper, um sich wenigstens etwas gegen das Unwetter zu schützen. So froren wir gemeinsam im Schutz einer Brücke.

Als sich das Treffen viel früher als beabsichtigt auflöste und wir mit dem Aufräumen begannen, fiel mir auf, dass Adrian keine Jacke mehr trug. Ich fragte ihn danach. Mit hochrotem Kopf, aber mit einem Lächeln im Gesicht, antwortete er:

„Mama, die hab´ ich verschenkt! Ich habe doch noch so viele Sachen zu Hause.“ In der Ferne sah ich eine Gestalt in einer roten Jacke winken.

Monika

Zeitblüte 66

Pilze finden

Tja, ich erhole mich nach einer anstrengenden Woche gern im Wald. Im Herbst, aber auch im Frühjahr gehe ich gern „Pilze finden“.

Dann stehe ich sonntags ganz früh auf, frühstücke kurz eine Kleinigkeit und schnappe mir den Korb. Mit dem Auto geht es an den Waldrand und dann los.

Je nachdem, welche Zeit gerade ist, werden die Pilze eingesammelt, die essbar sind und die ich kenne. Vor ein paar Jahren habe ich einen kleinen Kurs mitgemacht, sodass ich nun mehrere Pilze außer Maronen und Steinpilze kenne.

Das macht richtig Spaß und dabei kann ich Stunden verbringen. Immer bergauf und bergab. Wenn dann das Licht mitspielt und ich auch noch meine Kamera dabeihabe, fotografiere ich die schönsten Pilze – das müssen keine essbaren sein.

Das ist für mich pure Erholung. So bekomme ich neuen Schwung für die nächste Woche.

David

Zeitblüte 67

Der Blick auf
die kleinen Dinge

Wenn ich in trüber Stimmung bin, nehme ich mir meine Kamera und fotografiere die kleinen Dinge um mich herum, einfach, um sie bewusst wahrzunehmen … einfach das, was mich im Moment anspricht …

Das kann eine schöne Farbe sein, grünes Gras nach einem Regen, der blaue Himmel, eine Blüte, die sich gerade öffnet, die fertige Bügelwäsche, ein Käfer oder einfach mal meine Lieblingstasse mit Kaffee. Einige Fotos kann ich wieder löschen.

Aber manchmal fällt mir ein schöner Satz oder ein Text dazu ein, den ich dazuschreibe. So bleibt mir der wunderbare Moment länger erhalten.

Karin

Zeitblüte 68

Trotz Höhenangst …

Eigentlich habe ich Höhenangst. Ziemlich große sogar.

Als es vor Monaten dazu kam, dass mein Sohn aus therapeutischen Gründen mit dem Klettersport begann, entschloss ich mich nach langem Überlegen, diesen Sport auch zu erlernen, um mit ihm etwas Gemeinsames zu haben.

Nach anfänglich großen Überwindungen haben wir inzwischen schon die eine oder andere Klettersteigtour gemeinsam absolviert und meine seit der Kindheit bestehende Höhenangst scheint „wegtrainierbar“ zu sein.

Wenn es nun im Alltag Stress gibt oder Probleme, versuche ich innezuhalten. Ich hole mir in Gedanken das Gefühl nach unserem ersten Gipfelsieg bzw. Ausstieg aus dem Klettersteig und weiß plötzlich:

Nichts ist unmöglich! Du kannst alles schaffen!

Wolfgang

Zeitblüte 69

Entschleunigung
mit Teebeuteln

Seit einigen Monaten schöpfe ich ganz viel Kraft und innere Ruhe aus Teebeuteln. Nein, ich pendle nicht und lese auch nicht aus dem Teesatz!

Es gibt von verschiedenen Herstellern ganz wunderbare Teesorten, bei denen an jedem Teebeutel ein kleines Sprüchlein hängt, z. B. „Achte auf deine Gedanken, sie schaffen Taten“.

Wenn ich genervt oder erschöpft von der Arbeit nach Hause komme, mache ich mir einen Tee. Allein die Zubereitung und das Trinken entschleunigt wunderbar.

Und die einfachen, aber tiefgründigen Sätze regen mich zusätzlich zum Nachdenken an und bringen mich von Wut und Ungeduld wieder zurück zu Ruhe und Ausgeglichenheit.

Carmen

Zeitblüte 70

Absichtslose Berührungen

Mein Mann und ich massieren uns gegenseitig seit etwa einem Jahr einmal pro Woche. Wir haben dafür einen fixen Termin im Kalender.

Die Massage ist absichtslos und nach einiger Übung sowohl für den Gebenden als auch für den Empfangenden sehr genussvoll und entspannend.

Als Kind erfährt der Mensch so viel Berührung, im Alter wird diese immer weniger.

Wir beide merken, wie gut uns diese liebevolle, entspannende Berührung tut und wie sie uns einander näherbringt.

Nora

Zeitblüte 71

Mein „kitschiges“
Erlebnis zum Kraftanken

Wenn es mir einmal nicht so gut geht oder ich entspannende Gedanken und neue Kraft brauche, denke ich an das folgende Erlebte und tauche ab in diese Welt.

Es klingt total kitschig, aber es ist wahr:

Es ist an der Isar bei München, an einer ruhigen Stelle. Isar … daneben „Kiesstrand“ … dann Wiese und Büsche … am Rand viele Bäume … ein kleines Bächlein fließt in die Isar … es ist eine sternenklare, tiefdunkle Nacht … neben dem Bächlein ein mittelgroßes Lagerfeuer.

Ich liege am Fuße mehrerer Büsche geborgen in den Armen meines Mannes – über uns die vielen wunderbaren Sterne …

Ich sehe in die rot-gelben flackernden Flammen … ich höre das leise Rauschen der Isar, das zarte Plätschern des Bächleins und das Knacken und Knistern des Holzes …

Ich rieche das Lagerfeuer, die darin backenden Kartoffeln und die gute klare Luft … ich spüre die Wärme des Feuers.

Ich fühle mich geborgen, frei, leicht, weit weg von allem und doch mit der Erde verbunden. Friede ist in mir.

Heidi

Zeitblüte 72

Von unserem Kater gelernt:
entspannt in den Tag starten

Morgens will unser Kater immer gestreichelt werden und schmusen. Das hat schließlich dazu geführt, dass mein Mann und ich uns täglich nach dem Frühstück noch 15 Minuten Zeit nehmen, um mit ihm und miteinander zu kuscheln.

Dieser kurze Augenblick bringt uns allen einen entspannten Start in den Tag.

Felice

Zeitblüte 73

Meine 16 Schnäbel

In meinem Garten gibt es einen großen Teich. Hier wohnen derzeit 16 Laufenten in den unterschiedlichsten Farben.

Wenn ich nach einem langen Bürotag nach Hause komme, erwarten mich 16 Schnäbel und begrüßen mich lauthals. Eine Bank steht vor dem Teich.

Manchmal nehme ich mir eine Auszeit, setze mich auf die Bank und beobachte einfach nur das Miteinander der Enten. Obwohl diese sehr laut sind, werde ich ganz ruhig.

Auch meine beiden Hunde freuen sich sehr, wenn ich zurück bin. Häufig geht es dann ab zum Spaziergang ins Feld.

Die Wildenten in der Luft, die Färbung des Himmels, das Ballspielen mit den Hunden, manchmal die Sichtung von Hasen und die frische Luft lassen mich durchatmen.

Christine

Zeitblüte 74

Wie Millionen von Blüten
auf mich herabschweben

Ich tauche manchmal mehrmals täglich in schöne innere Bilder ab, die ich u. a. aus Träumen habe.

Ein neueres Traumsequenzbild ist, dass aus dem Himmel Millionen von Blüten auf mich herabschweben. Es gibt einige solcher Bilder, die mir Momente der Ruhe und Kraft geben.

Birgit

Zeitblüte 75

Unsere zweitbeste
Entscheidung im Leben

„Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein …“ – dieser Schlager geht mir seit acht Monaten nicht mehr aus dem Kopf. Meine geliebte Frau und ich haben nach zwanzig Jahren und drei Kindern den zweitbesten gemeinsamen Entschluss gefasst.

Der erstbeste war damals zu heiraten und jetzt haben wir auf unsere alten Tage beschlossen, noch tanzen zu lernen.

Am Anfang war die Sache etwas stressig, bis wir unsere untrainierten Knochen in die richtigen Bahnen gebracht hatten, doch letztendlich hat sich die Anstrengung gelohnt.

Nicht nur, dass wir uns emotional noch nähergekommen sind, sondern auch unsere Fitness hat sich erheblich verbessert.

Jede Woche freuen wir uns wie die kleinen Kinder auf den nächsten Kursabend.

Peter

Zeitblüte 76

Mit fast 50 NEU anfangen

Zeitblüten sind für mich:

Zeit …

… FÜR MICH (die ich mir viel zu selten nahm),

… für meine (nun schon erwachsene) Tochter,

… für meine Eltern,

… für Freunde,

… für die Malerei,

… für das Saxophon,

… für den Garten,

… zum Spanischlernen,

… um Bücher zu lesen

… und so vieles mehr.

Ich habe vor zwei Wochen den Entschluss gefasst, mit fast 50 mein bisheriges Leben KOMPLETT zu ändern – und wenn es sein muss, noch einmal bei NULL anzufangen.

Ich habe in den 25 vergangenen Jahren nicht gelebt, sondern nur (für andere) funktioniert.

Ich blicke nach vorn mit Optimismus, Fröhlichkeit und Mut SOWIE – welch süßer Gedanke – immer öfter mit einem Bad im (angenehm duftenden) Zeitblüten-Meer.

Anett

Zeitblüte 77

Ich liebe dich, Mila!

Wenn ich abends von meiner Arbeit im Büro und meiner Arbeit als Hausfrau und Mutter erschöpft bin, lege ich mich manchmal zu meiner Tochter ins Bett, kuschle mich an sie und genieße den Augenblick.

Dankbarkeit, Glück, Liebe, Freude, Gelassenheit durchströmen mich und ich gewinne neue Kraft, um weiterzumachen. Dort fühle ich mich vor der harten Welt außerhalb des Kinderzimmers geschützt.

Die Nähe meiner Tochter wirkt wie Balsam und lässt mich abschalten.

Ich liebe dich, Mila! Danke, dass es dich gibt!

Meike

Zeitblüte 78

Mein Kraftplatz am Himalaja

Ich habe eine schwere Zeit hinter mir. Deshalb war ich bei Freunden in Indien, um etwas Abstand zu gewinnen. Wir fuhren in die Berge. Beim Frühstück den imposanten Himalaja zu sehen, war beeindruckend. Wir waren allein mitten in der Natur. Traumhaft!

Dann stieg ich ganz allein noch ca. 200 m über den Platz, wo wir uns aufhielten.

Und da war er: MEIN Kraftplatz! Plötzlich wusste ich, was richtig und was falsch ist, und wurde ganz ruhig.

Jetzt bin ich wieder zurück und wenn ich denke, es geht nicht mehr, schließe ich die Augen und gehe zurück zu meinen Kraftort. Das gibt mir so viel Kraft.

Ich bin sehr dankbar für die Stunden, die ich dort oben ganz allein verbringen durfte.

Heike

Zeitblüte 79

Mein 3-Minuten-Fokus zaubert
mir ein Lächeln ins Gesicht

Wenn ich einen besonders intensiven Tag hatte – viele Kundentermine, umfassende Vorbereitungen oder Ähnliches –, setze ich mich ins Auto und bevor ich losfahre, versuche ich, einen Vogel zu sehen, am Himmel oder auf einem Baum.

Nachdem ich einen erblickt habe, fokussiere ich mich ca. 3 Minuten auf diesen Vogel und versuche, an ihm etwas Besonderes zu entdecken.

Warum etwas Bewegliches, Kleineres, und ich selbst im Auto sitzend?

Ich liebe die Natur, und Vögel sieht man selbst in der Stadt – etwas weit Entferntes, damit ich den Blick schweifen lassen kann.

Zusehen, wie ein Lebewesen etwas macht, wie es das macht und mit welcher Genauigkeit, hat sehr viel Perfektion im Tun. Fliegt der Vogel, kann ich auch Anspannung und trübe Gedanken fliegen lassen.

Manchmal fliegen Vögel mit einer Nuss im Schnabel. Und das ist dann der ultimative Moment, wenn der Schnabel mit der Nuss darin zu einem V gebildet wird und vielleicht dahinter noch die Sonne durchblinzelt, muss ich automatisch lächeln.

Dann habe ich 3 Minuten gut genutzt, mich an etwas Natürlichem erfreut und bin entspannt genug, um meine Konzentration auf die nächsten Aufgaben zu lenken. Ich habe ohne Anstrengung ein Lächeln in mein Gesicht gezaubert.

Magdalena

Zeitblüte 80

Was sind wir doch
für kleine Wesen

Nach zahlreichen jährlichen Strandurlauben hat unsere Familie einen Urlaub in den Bergen von Österreich gebucht. Wir haben uns schon vom ersten Tag an in diese intensive Bergwelt verliebt, was schon eine Zeitblüte war.

Hinzu kam, dass wir in diesem Urlaub eine Familie kennengelernt haben, die unweit unseres eigentlichen Zuhauses im Ruhrgebiet wohnt. Nach dem ersten „Beschnuppern“ folgte eine innige Freundschaft mit mehrmaligen und jährlichen gemeinsamen Urlauben in den Bergen, was wiederum Zeitblüten waren.

Nun zu der eigentlichen Zeitblüte:

Der Mann dieser befreundeten Familie und ich haben uns dann jeden Urlaub einen gemeinsamen familienfreien Tag gegönnt und sind erst kleine, dann mittlere und schließlich schwierige Bergtouren gegangen. Irgendwann hatten wir aus einer Laune heraus beschlossen, den höchsten Berg Österreichs (Großglockner, 3.798 m) zu erklimmen.

Wir haben das Vorhaben verwirklicht und standen schließlich gemeinsam auf dem Gipfel. Beim Rundblick nahm ich diese gewaltige und massive Bergwelt noch realer als sonst wahr und dachte:

Was sind wir Menschen doch für kleine Wesen gegenüber dieser wunderbaren Natur. Ich verfiel in eine tiefe Demut. Diese Demut gegenüber dieser großartigen und doch so einfachen Natur brachte mir die Einsicht, dass vielleicht weniger doch manchmal mehr ist.

An diesen Eindruck und an diese Einsicht halte ich seitdem fest und lebe damit sehr gut und zufrieden. Es ist halt meine persönliche Zeitblüte.

Manchmal erwische ich mich dabei, dass ich gedanklich noch immer auf diesem Berg stehe und ich weiß dann, wie vergänglich das Leben ist. Es macht mir keine Angst – es motiviert mich, mein Leben zu leben.

Peter

Zeitblüte 81

Worte in Form
und Reim bringen

Sehe ich eine Bank oder eine andere Sitzgelegenheit in einem Park – bevorzugt mit Wasserblick –, dann nehme ich mir oft die Zeit und setze mich hin, genieße einfach den Wind in den Haaren, die Sonne auf der Haut, den Duft der Umgebung und lasse meinen Gedanken freien Lauf.

Wenn ich keine weiteren Termine habe, zücke ich mein Notizbuch und fange an, ein Gedicht zu schreiben. Je nach Stimmung entsteht ein trauriges, schwärmerisches, trotziges oder auch lustiges Gedicht.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob das Gedicht „gut“ ist. Einfach die Worte in Form und Reim zu bringen, hilft mir sehr, mit schwierigen Themen in meinem Leben umzugehen, ohne mich dabei zu verlieren.

Wenn die Grundlage eine positive Stimmung ist, dann genieße ich es einfach, etwas zu erschaffen.

Michaela

Zeitblüte 82

Depression als
Chance für die Zukunft

Ich möchte allen Mut machen, die gerade eine depressive Phase durchleben.

Mich ereilte letztes Jahr eine Depression. Mittlerweile kann ich verstehen und vor allem auch akzeptieren, wie es dazu kommen konnte.

Viele Menschen haben mir geholfen, sei es Familie, Freunde oder Therapeuten, mein Leben wieder positiv zu sehen und insbesondere auch mein eigenes Leben zu gestalten.

Vor einigen Wochen nahm ich an einer Veranstaltung des Depressionshilfe-Verbandes teil. Das Thema war „Depression auch Chance für die Zukunft“.

Hier fand ich mich wieder, denn ich habe meine Wahrnehmung wieder auf meine Bedürfnisse und Wünsche gerichtet, meine Leistungsgrenzen erkannt und für mich neue Wege gefunden bzw. auch neue Ziele für mich definiert.

Ich habe in der Zeit der Krankheit mich selbst wiedergefunden und heute kann ich auch meine Gefühle besser erkennen und somit auch gelassener mit ihnen umgehen.

Ich genieße die kleinen Freuden des Tages und bin dankbar, so viele erleben zu dürfen. Sei es ein Sonnenaufgang, der helle Vollmond, das Lachen meines Patenkindes, der Spielenachmittag mit meinen Eltern, die Wanderung mit Freunden, die Späße mit meinem Sohn, das Malen eines Bildes und noch vieles, was oftmals unter der Rubrik „Alltag“ abgetan wird.

Auch wieder Neues zu lernen und neue berufliche Perspektiven finden, Herausforderungen annehmen und eigene Schwächen überwinden, macht mein jetziges neues, glückliches Leben aus. Ich wünsche allen Betroffenen auch viel Glück dabei.

Anett

Zeitblüte 83

Eine seltene Form
des Verstehens

Lockeres Durcheinander in einer kleinen Gesprächsrunde. Da sagt eine Teilnehmerin einen Satz, den keiner mitbekommt – außer mir.

Das haben wir beide bemerkt, haben uns angesehen und in diesem Augenblick – sprachlos – eine seltene Form des Verstehens und der Präsenz empfunden.

Wir mussten beide nichts mehr sagen. Es bestand Einklang. Ein lang anhaltender Moment.

Manfred

Zeitblüte 84

Schön, solche
Freunde zu haben

Ich habe zwei Suizidversuche unternommen, die zum Glück beide nicht geklappt haben. In einer Nacht habe ich viele Schlaftabletten geschluckt und als das nicht funktioniert hat, habe ich mich aus dem Fenster meiner damaligen Wohnung im vierten Stock gestürzt.

Darauf lag ich knapp drei Monate im künstlichen Koma. Das erste Erlebnis in der Aufwachphase: Meine fünf besten Freunde standen an meinem Bett.

Es ist schön, solche Freunde zu haben, die auch nach einem solch negativen Ereignis noch zu einem stehen! Ich glaube, das gab mir unter anderem die Kraft, fast gänzlich gesund zu werden und meinen Weg zu gehen.

Anna

Zeitblüte 85

STOPP!

Wenn ich mich in einer Situation befinde, in der ich gar nicht sein möchte, sage ich „STOPP!“ und betrachte das Ganze aus einem anderen Blickwinkel.

Dazu stelle ich mir folgende Fragen:

  • Was wäre, wenn diese Situation genau die richtige für mich ist?
  • Warum könnte ich sie mir „unbewusst ausgesucht“ haben?
  • Welche positiven Aspekte bietet sie mir, welche Entwicklungsmöglichkeiten?

Ob es sich um eine abgesagte Verabredung oder den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes handelt – die anfänglichen Momente von Ärger oder Angst können durch Veränderung des Blickwinkels in eine bewusst erlebte Zeit der Akzeptanz, Selbsterkenntnis und innerer Zufriedenheit verwandelt werden, gewissermaßen das Erschließen einer neuen Zeitqualität.

Jutta

Zeitblüte 86

Ein besonderes Erlebnis
auf dem Musikfestival

Bei einem großen Musikfestival vor einigen Jahren habe ich meine Gruppe verloren und fühlte mich nach einer Zeit etwas einsam. So allein unter so vielen Fremden. Bis mich ein (bestimmt 10 Jahre jüngeres) Punk-Mädchen ansprach und feststellte, dass ich ziemlich allein dastand.

Sie lud mich ein zu ihrer Gruppe zu gehen, damit wir zusammen mehr Spaß haben. Das tat ich und es tat so gut. Ich hatte eine wirkliche tolle Zeit mit der netten, verrückten Gruppe. Sie haben mich einfach mit ihrer unbekümmerten Freude angesteckt.

Danach bin ich noch lange und sehr gerne allein – aber nicht mehr einsam – über das Gelände spaziert und habe die Musik und auch die unausgesprochene Gemeinschaft genossen. In diesem Zustand habe ich zwar meine Freunde erst am nächsten Morgen wieder getroffen, aber dafür viele, viele Bekanntschaften und einige Freundschaften – auch noch nach den netten Punks – geschlossen.

So viele Menschen, wie ich an diesem Abend getroffen hatte, so viele gute Erfahrungen habe ich gemacht. Das lag bestimmt daran, dass ich mit, über und für andere Menschen ehrlich freuen konnte. Ich habe mich einfach anstecken lassen. Das muss ich ausgestrahlt haben.

Gespräche – unabhängig, ob von mir oder jemand anderem begonnen – sind einfach und ganz natürlich entstanden, als würde man sich kennen; man hat zusammen gelacht, gegessen, getrunken und hat sich fast wehmütig verabschiedet.

Diese Erfahrung habe ich wirklich sehr genossen und ich denke gerne daran zurück.

Liza

Zeitblüte 87

Wenn ich das Gute in
meinem Leben zusammenzähle

Meine Mutter schenkte mir vor einigen Jahren eine kleine Magnetkachel. Darauf steht geschrieben:

Wenn ich das Gute in meinem Leben zusammenzähle, zähle ich dich immer zweimal.

Da sie kürzlich verstarb, „lebe“ ich derzeit von solchen Erinnerungsmomenten.

Margot

Zeitblüte 88

Meine Tochter …
sie wohnt nicht bei mir

Meine Zeitblüte ist meine Tochter. Da sie nicht bei mir lebt und ich sie nur zweimal die Woche sehen kann, ist die Zeit mit ihr für mich etwas ganz Besonderes.

Wenn ich mit ihr zusammen bin, gibt es nur noch sie und mich. Die Welt um uns herum verschwimmt wie in einem Traum. Die Zeit steht scheinbar stundenlang still und ist dann doch leider zu schnell vorbei.

Und immer, wenn ich Stress habe oder mich unwohl fühle, denke ich an meine Tochter. Die Gedanken an sie bringen mich zur Ruhe und ich kann mich wieder fokussieren.

Bevor ich ein Kind hatte, konnte ich nicht glauben, dass man einen Menschen so sehr lieben kann!

Ich bin seit drei Jahren in einer glücklichen Beziehung und meine Freundin kann dieses Gefühl der Verbundenheit mit einem Kind leider noch nicht nachvollziehen. Ich hoffe, dass wir bald eine gemeinsame Zeitblüte haben werden …

Andreas

Zeitblüte 89

Die Begegnung
mit dem alten Mann

Schon beim Aufwachen fühlte ich mich gestresst. Mein Tagesplan war übervoll. Vormittags hatte ich genau zwei Stunden Zeit, um verschiedenste Einkäufe zu erledigen, bevor ich wieder in die Arbeit musste.

Die meisten Einkäufe waren erledigt. Ich musste noch in ein letztes Geschäft. Mein Plan war: husch hinein, ruckzuck einkaufen, bezahlen und wieder raus.

Es kam anders:

In einem Gang sah ich einen älteren Herrn – später stellte sich heraus, dass er 85 Jahre alt ist – mit einer Einkaufsliste in der Hand und Verzweiflung im Gesicht. Ich fragte ihn, ob ich ihm helfen könne.

Er sagte mir, dass er sonst nie die Einkäufe besorgt, sondern seine Frau, die jetzt aber schwer krank ist. Er weiß nicht, wo er was finden kann und was seine Frau überhaupt mit dem Aufgeschriebenen meint. Er nannte mir ein paar Dinge, die er besorgen sollte und ich half ihm, die Lebensmittel in seinen Wagen zu packen.

Nachdem ich ihm noch den Weg zum Kühlregal gezeigt hatte, bedankte er sich und jeder ging seines Weges. Im nächsten Gang begegnete ich ihm erneut in fast aufgelöstem Zustand. Ich fragte ihn wieder, was er suche. Auch da konnte ich ihm helfen.

Der nette Herr bedankte sich wieder. Nachdem ich meine Einkäufe erledigt hatte und zu meinem Auto ging, wartete er bereits auf dem Parkplatz auf mich. Er schenkte mir ein wunderschönes, handgemachtes Schneidebrett.

Ich wollte es zuerst nicht annehmen, weil es ja selbstverständlich ist, dass man einander hilft. Er aber bestand darauf und erzählte mir, dass er früher eine kleine Tischlerei hatte und solche Sachen jetzt für andere Leute macht, dass er Menschen im Altersheim besucht und für alte Personen in seiner Umgebung immer wieder Nützliches in seiner kleinen Tischlerei werkelt.

Er zeigte mir einige Stücke, die er in seinem Auto verstaut hatte – ein Stockerl für eine alte Dame, das sie zum Schuhebinden verwenden kann, ein kleines Jausenbrett usw. Er hatte insgesamt zehn solcher Schätze in seinem Auto, die er nach seinem Einkauf nun zu den Leuten brächte.

Ich ignorierte die tickende Uhr in mir und hörte ihm zu. Er ließ mich auch wissen, dass er ein Musiker sei. Er habe sich das Akkordeonspielen selbst beigebracht. Wenn ich noch eine Minute Zeit hätte, könne ich es mir anhören.

Er packte eine Kassette aus, steckte sie in das Autoradio mit Kassettenfach (!) und lud mich ein, sich in sein Auto zu setzen, weil es windig war.

So saß ich also nun mit dem Herrn im Auto und lauschte seinen Aufnahmen. Dabei erzählte er mir aus seinem Leben. Während ich so da saß, dachte ich bei mir:

Das ist eine ganz reale Zeitblüte!

Die Begegnung mit diesem Mann „kostete“ mich etwa eine halbe Stunde. Aber ich bin dankbar dafür!

Ich war dadurch total aus meinem „Stressrhythmus“ geraten und fühlte mich absolut ruhig. Der Rest des Tages verlief mit genau diesem ruhigen Gefühl. Ich konnte ein Ding nach dem anderen erledigen, ohne noch einen Hauch von Stress zu verspüren.

Klara

Zeitblüte 90

Ein altes Gesicht

Das Alter und der Alterungsprozess haben es mir angetan.

Ein Bild eines alten Menschen, der scheinbar regungslos mit geradem Blick in eine Fotolinse schaut, versetzt mich immer wieder in Erstaunen und in einen Moment des Innehaltens.

Es ist das Jetzt, meine Zeitinsel – im Nachgang das Ergebnis, das Bild selbst, das ich von diesem alten Menschen zeichne. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Familienmitglied oder einen wildfremden Menschen handelt.

Das Bild zu zeichnen, sich in dem Gesicht zu verlieren und in meiner Fantasie zu versinken, mich zu fragen, was dieser Mensch erlebt haben mag – das ist meine persönliche Zeitblüte.

Schura

Zeitblüte 91

Mein Gedanken-Stopp

Wenn ich eine kurze Auszeit benötige, an einem Problem hänge oder ich das Gefühl habe, ich weiß gerade nicht, wo ich anfangen soll, dann mache ich mir ganz bewusst eine Tasse Kaffee. Damit gehe ich dann auf meine Terrasse – ohne Handy und sonstigen „Ballast“.

Nun lasse ich den Blick über das Häusermeer schweifen und gönne meinen Gedanken eine Pause, trinke dabei entspannt und bewusst mit allen Sinnen für 5 bis 10 Minuten meinen Kaffee.

Danach fühlt sich mein Kopf wieder frisch und frei an – so kann ich zu neuen Taten schreiten.

Dieser Gedanken-Stopp ist für mich eine wunderbare Zeitblüte, die ich für mich entdeckt habe.

Ohne großen Zeitaufwand nehme ich mich für ein paar Minuten aus dem Geschehen. Ich wechsle bewusst den Ort und gebe auch meinen Gedanken einen „Ortswechsel“.

Michaela

Zeitblüte 92

In der Kaffeerösterei

Auch ich habe eine Zeitblüte, ein schönes „Stress-Abschalt-Ritual“:

Vor drei Jahren hat in unserer Nähe eine Kaffeerösterei eröffnet. Meine Schwester hat mir Kaffee von dort zum Geburtstag geschenkt und damit auch den Grundstein zu diesem Ritual geschaffen.

Wenn ich dort meinen Kaffeenachschub kaufe, genieße ich den Duft und die unglaublich netten Menschen. Immer gibt es einen Probekaffee und viele Informationen über Kaffee und neue Mischungen.

Neuerdings hat dort noch eine Konditorin einen Chocolaterie-Bereich eröffnet – auch das ist ein Genuss. Die Schokoladenspezialitäten werden von Hand zubereitet.

Es ist spürbar, dass dort Menschen brennen für das, was sie tun, und das wirklich lieben.

Bei einem Kaffeeseminar in der Rösterei haben wir uns eine Karlsbader Kanne gekauft. Das ist eine kleine Kanne für zwei Tassen mit einem Porzellanfilter. Seitdem gießen wir unseren Feierabendkaffee mit der Hand auf. Dieses Ritual bringt gleich Entspannung und Entschleunigung.

Es ist eine sinnliche Zeremonie mit dem Duft des Kaffees, dem langsamen Aufgießprozess und dem Werden des Kaffees und nicht zuletzt die Erinnerung an die schöne Atmosphäre beim Kauf, abgerundet durch den Genuss.

Wir kaufen dort nicht nur Kaffee und Schokolade, sondern ein ganzes Wellness-Package mit.

Diese Erfahrung versuche ich täglich in meinen hektischen Büroalltag zu übertragen, indem ich dort meinen Tee trinke und für die Zeit, in der ich zur Tasse greife, trinke, schmecke und schlucke, ganz bei mir und dem Teetrinken bin. Diese Minute tut mir gut und hilft mir, mich wieder neu zu zentrieren.

Susanne

Zeitblüte 93

Dankbarkeit …
auch für Negatives

Ich habe mich im Zuge meiner Burn-out-Arbeit gefragt, wie ich ärgerliche (oder auch nur unangenehme Begegnungen) in positive Gefühle verwerten kann. Herausgekommen ist „Dankbarkeit“!

Ich bin dankbar für die schönen Erlebnisse – das ist einfach, wenn man sich dieser Momente wirklich bewusst wird und innehält, um den Moment zu genießen.

Ich bin aber auch dankbar für negative Gefühle, weil mir bewusst ist, dass man Negatives ja nicht verhindern, aber sehr wohl lernen kann, es zu integrieren. Ich bin also dankbar für schlechte Beispiele, weil ich dann die Chance habe, selbst nicht so zu agieren.

Ich bin auch dankbar – so eigenartig das auch klingen mag – für alle anderen negativen Erlebnisse, weil ich der Meinung bin, dass ich damit meine Fähigkeiten verbessern kann, um ein besserer Mensch zu werden.

Der Lohn für diese Dankbarkeit (speziell für das Negative) ist, dass die guten Beziehungen mit vielen Mitmenschen spürbar tiefer und wertvoller geworden sind. Und dafür bin ich besonders dankbar!

Helmut

Zeitblüte 94

Eine meiner besten Entscheidungen

Zu Beginn meiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines Softwareunternehmens habe ich mir in Ruhe Gedanken zu proaktiven Maßnahmen gemacht, um mich selbst vor Alltagsstress und ungesunder Übermotivation zu schützen.

Als Resultat traf ich eine der besten Entscheidungen meines Lebens: einen Dobermann in mein Leben zu nehmen.

Mein treuer Gefährte hat mein Leben fundamental bereichert:

  • Seither beginne ich jeden Tag mit viel Freude gemeinsam mit meinem Hund draußen in der Natur – sehr sportlich und zugleich meditativ.
  • Bin ich unausgeglichen oder negativ gestimmt, spürt dies mein Hund sofort und sucht meine Nähe. Es geht mir sofort besser.
  • Es ist mir gar nicht mehr möglich, zu viel zu arbeiten. Dreimal täglich geht es raus an die frische Luft.
  • Auch meine Mitarbeiter spüren die positive Auswirkung, ein Tier mit im Team zu haben.
  • Zu eher introvertierten Mitarbeitern habe ich einen neuen Zugang gefunden. Mitarbeitergesprächeführe ich inzwischen zum Teil draußen im Wald.

Manuel

Zeitblüte 95

Ohne Veränderung
keine Chance auf …

Ich lebe seit drei Monaten in einem chaotischen Zustand, in dem man sich nun mal befindet, wenn nach 8-jähriger Beziehung alles katastrophal in die Brüche geht.

Ich nehme mir jeden Tag eine kleine Ecke der ehemals gemeinsamen Wohnung vor und befreie sie von der Vergangenheit.

Ich lasse auch Müdigkeit zu, da ich weiß, dass alles im Leben seinen eigenen Rhythmus hat und ich diese Jahre nicht in ein paar Wochen quetschen kann, um sie wieder loszulassen.

Ich lebe nach dem Rhythmus, den die Welt jetzt gerade für mich hat. Und genau dieses Zulassen hilft mir beim freien Atmen.

Denn das Annehmen der unangenehmen Situation ist der erste Schritt, sie zu verändern. Nichts bleibt auf Dauer gleich. Ohne Veränderung gibt es auch keine Chance auf etwas Neues, auf etwas Schönes.

Melanie

Zeitblüte 96

Eine liebevoll gestaltete Oase

Für den Weg zur Arbeit habe ich einen Abschnitt gewählt, an dem mehrere Bäume mit umgebenden Erd- und Grasflächen liegen.

Eine Erdfläche wurde von einer mir unbekannten Person liebevoll mit Blumen bepflanzt und gestaltet und ist jeden Morgen, den achtlos drauftretenden Fußabdrücken zunickend, wieder liebevoll geharkt:

Ich halte jeden Arbeitstag kurz vor dieser Oase an, verweile dort einen Moment und nicke dabei mit dem Herzen lächelnd dem Gestalter dieser Oase zu, bevor ich meinen Weg zur Arbeit fortsetze.

Auf dem Heimweg komme ich wieder an dieser Oase vorbei, auf der mittlerweile der ein oder andere Fußstapfen dazugekommen ist und so manche Zigarette oder anderer Müll hingeworfen wurde.

Manchmal hebe ich eine Zigarette oder ein Stück Müll auf und werfe es in den nächsten Mülleimer. So leiste ich meinen Beitrag, nehme Anteil und fühle eine Gemeinsamkeit mit dem Oasengestalter: Sei gegrüßt und hab Dank, Du Menschenfreund.

Baddr el Din Dehne

Zeitblüte 97

Der Besuch im
Altenheim erdet mich

Wenn ich spüre, dass ich angespannt, unausgeglichen, unzufrieden bin, gehe ich in ein hiesiges Altenheim. Dort frage ich bei den Betreuern, welche Bewohner in dieser Woche keinen Besuch hatten bzw. bekommen werden.

Dann nehme ich mir bewusst eine Stunde (oft werden es zwei oder mehr), um mich vorzustellen, um vorzulesen, mich zu unterhalten, ein Spiel zu spielen oder auch mitunter nur, um die Hand zu halten. Je nachdem, was die Person möchte und welche Möglichkeiten (noch) bestehen.

Diese Zeit mit den älteren Menschen und die Gespräche mit ihnen über deren Erlebtes erden mich,

machen mich dankbar, demütig für mein Sein und erfreuen mich – immer auch noch im Nachgang – eine lange Zeit.

Selbst bei einem nur „Dasein“ erhalte ich von den Bewohnern sehr oft ein Lächeln oder einen Blick tiefer Dankbarkeit zurück.

Zudem ist es Unterstützung und Hilfe für die Beschäftigten und auf jeden Fall Ablenkung für die Bewohner und eine Bereicherung für mich.

Janina

Zeitblüte 98

Die kleinen Momente

Wenn mich die Hektik des Alltags aufzufressen droht, mache ich entspannende Klaviermusik an, setz mich in meinen Hängestuhl und träume vor mich hin. Meist denke ich an schöne Momente aus der Vergangenheit.

In unserem Garten steht ein großer Kirschbaum, der im Wandel der Jahreszeiten immer wieder neue Schönheiten entdecken lässt.

Die Natur und ihre Facetten geben mir dann Halt und Geborgenheit, wenn sich drumherum vieles im Wandel befindet.

In manch trauriger Stunde krame ich auch gerne dazu die alten Fotoalben hervor und schwelge in der Vergangenheit. Mir wird dann bewusst, wie schnelllebig die Zeit geworden ist, und wie besonders wichtig es ist, die kleinen schönen Momente im Leben wahrzunehmen und kurz innezuhalten.

Es liegt im gewohnten Gang des Menschen, durch das eigene Leben zu hetzen. Jedoch sind gerade die kleinen Momente so wichtig und geben so viel Kraft. Manchmal genügt ein Lächeln, das erwidert wird, um den Tag freundlicher zu gestalten.

In diesem Sinne sende ich meine Zeitblüte mit einem Lächeln.

Tanja

Zeitblüte 99

Verbundenheit
mit der Musik

Das Beste für mich zum Abschalten nach einem stressigen Tag, ist das intensive Hören von Musik. Dazu lege ich mich auf die Couch und höre meine Lieblingsmusik.

Ich fühle mich richtig in die Musik hinein und habe nach einigen Minuten das Gefühl zu schweben, so sehr fühle ich mich in diesem Moment mit der Musik verbunden.

Ein wahnsinnig schönes Gefühl und ideal zum Entspannen.

Daniela

Zeitblüte 100

An der Klagemauer

Wir verbrachten unseren Urlaub letztes Jahr in Israel und besuchten u. a. auch Jerusalem. Obwohl ich nicht sonderlich religiös bin, war ein kurzes Gebet an der Klagemauer für mich ein unvergesslicher Moment.

Es war die Zeit des Laubhüttenfestes, der Andrang entsprechend groß. Ich fühlte mich wohl in dieser großen Gemeinschaft und denke gerne an diese Augenblicke zurück.

Melanie


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