Chaos oder Ordnung – wozu tendieren Sie?

Hin und wieder komme ich in ein Unternehmen mit einem Großraumbüro. Es gibt wenige Orte wie ein Großraumbüro, die mit einem Blick die unterschiedlichen „Ordnungstypen“ erkennen lassen. So zahlreich die Schreibtische, so unterschiedlich die darauf vorherrschende bzw. fehlende Ordnung:

  • Da gibt es Schreibtische, die aufgrund der überbordenden Papierstapel kaum als solche erkennbar sind.
  • Andere, die so penibel aufgeräumt sind und deshalb eher vermuten lassen, dass sie nicht benutzt werden, würde dort nicht gerade ein Mitarbeiter sitzen.

Das sind die zwei Extreme. Dann gibt es einige Schreibtische, deren Benutzer einen Mittelweg zwischen Ordnung und Chaos gefunden haben.
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Chaos oder Ordnung – wozu tendieren Sie?

Der Schreibtisch lässt Rückschlüsse zu

Ob Chaos oder Ordnung – der Zustand auf dem Schreibtisch lässt häufig Rückschlüsse auf die Zusammenarbeit mit der entsprechenden Person zu.

Denn die Unordnung auf dem Schreibtisch ist oft das Resultat von fehlender bzw. mangelhafter Selbstorganisation, welche wiederum zu ineffizienten Arbeitsabläufen führt. Dementsprechend kann sich die Zusammenarbeit gestalten.

Nun ist der Zustand auf dem Schreibtisch üblicherweise nicht auf diese kleine Fläche begrenzt:

  • Eine Person, die großen Wert auf einen ordentlichen Schreibtisch legt, achtet in der Regel auch in anderen Lebensbereichen auf ein Mindestmaß an Ordnung.
  • Eine Person mit Unordnung auf ihrem Schreibtisch wird auch in den eigenen vier Wänden dazu neigen. Insbesondere dann, wenn sie alleine lebt. Teilt hingegen ein Chaostyp mit einer ordnungsliebenden Person die Wohnung, dann wirkt letztere eher als ausgleichender Pol. Das heißt, in dieser Konstellation wird in ihrer Wohnung eher die Ordnung dominieren als das Chaos.

Merkmale von Chaos- und Ordnungstypen

Natürlich gilt es stets, mit dem „Einordnen in Schubladen“ vorsichtig zu sein, so auch bei der Kategorisierung in Chaos- und Ordnungstypen. Diese Typen unterscheiden sich in der Ausprägung des Ordnungssinnes.

Während der Chaostyp zur Unordnung tendiert, ist der Ordnungstyp eine ordnungsliebende Person und darauf bedacht, in möglichst allen Lebensbereichen klare Strukturen zu etablieren.

Im Folgenden habe ich einige Merkmale und Eigenschaften aufgelistet, die auf den entsprechenden Typ schließen lassen.

Was kennzeichnet Chaostypen?

  • Tendenz zum Aufschieben
    Der Chaostyp leidet oft an „Aufschieberitis“. Bei seinem (täglichen) Kampf mit dem Schweinehund geht er meist als Verlierer hervor.
  • Mangelnde Selbstdisziplin
    Die im vorhergehenden Punkt genannte Aufschieberitis beruht oft auf der mangelnden Selbstdisziplin. Eine einmal geschaffene Ordnung – beispielsweise auf dem Schreibtisch – währt bei ihm nicht lange.
  • Ziele setzen fällt ihnen schwer
    Chaostypen fällt es schwer, Ziele zu setzen und entsprechende Maßnahmen zur Zielerreichung durchzuführen.
  • Sind Bauchmenschen
    Zu Chaos tendierende Personen zählen eher zu den Bauchmenschen. Bauchmenschen treffen als emotional veranlagte Wesen ihre Entscheidungen mehr aus dem „Bauch“ heraus und verlassen sich vordergründig auf ihre Intuition.
  • Sie sammeln
    Das Chaos resultiert auch daraus, dass Gegenstände gesammelt und gehortet werden. Der Chaostyp bewahrt diese Gegenstände auf, im Glauben, sie irgendwann nochmals zu benötigen. Auch deshalb, weil ihm als Sammler das Loslassen generell schwerfällt.

Was kennzeichnet Ordnungstypen?

  • Zielfokussierung
    Der Ordnungstyp ist in der Regel sehr prioritäten- und zielorientiert. Daraus resultiert, dass dieser Typ tendenziell beruflich erfolgreicher ist als der Chaostyp. Denn Schwierigkeiten werden angepackt und nicht aufgeschoben. Auch treten Hindernisse, die aus der unordentlichen oder chaotischen Arbeitsweise resultieren, erst gar nicht auf.
  • Sind Kopfmenschen
    Im Gegensatz zu den Bauchmenschen treffen Kopfmenschen ihre Entscheidungen rational und lassen sich von Emotionen (den eigenen oder von denen der anderen) kaum/nicht beeinflussen. Sie agieren und reagieren „kopflastig“.
  • Loslassen fällt ihnen leicht(er)
    Ordnungstypen fällt das Loslassen leichter als Chaostypen. Das fängt schon damit an, dass sie nicht mehr benötigte Gegenstände entsorgen und nicht aus „Sicherheitsgründen“ aufbewahren.
  • Überblick ist ihnen wichtig
    Den Überblick zu bewahren sowie für klare Strukturen in den verschiedenen Lebensbereichen zu sorgen, ist ihnen wichtig, Unordnung und insbesondere Chaos sind ihnen ein Graus.

Erkennen Sie sich in einem dieser Typen wieder?

Im Folgenden habe ich jeweils acht Punkte für beide Typen zusammengestellt. Abhängig davon, wie vielen der aufgelisteten Punkte Sie zustimmen können, lässt sich ausmachen, zu welchem Typ Sie tendieren.

Chaostyp

  1. In meiner Kindheit/Jugend konnten wir uns vieles nicht leisten.
  2. Die Suche nach Dokumenten/Belegen/Gegenständen ist für mich meist nervenaufreibend und mit längeren Suchzeiten verbunden.
  3. Ich neige dazu, (unangenehme) Aufgaben aufzuschieben.
  4. Ich verlasse mich beim Treffen von Entscheidungen primär auf meine Intuition.
  5. Ich besitze zu Hause zahlreiche Geräte/Gegenstände, die ich in den letzten fünf Jahren nie benötigt habe.
  6. Mir wäre es unangenehm, müsste ich einem unangemeldeten Besucher meine Wohnung zeigen.
  7. In meinem Kleiderschrank sind mehrere Kleider, die ich in den letzten zwei Jahren nicht getragen habe.
  8. Ich neige dazu, mir Dinge anzuschaffen, die ich nicht brauche.

Ordnungstyp

  1. Was ich mir vornehme, schaffe ich meistens.
  2. Ich lasse mich nicht so schnell unterkriegen.
  3. Bevor ich eine Entscheidung treffe, wäge ich daraus resultierende Vor- und Nachteile ab.
  4. Das Loslassen fällt mir nicht sonderlich schwer.
  5. Ich führe regelmäßig Aufräumaktionen durch (am Arbeitsplatz, in der Wohnung).
  6. Ich kann mich und meine Arbeit gut organisieren – Stichwort Zeitmanagement.
  7. Ich neige zu Perfektionismus.
  8. Wenn ich an etwas arbeite, lasse ich mich nicht ablenken.

Wenn Ordnung oder Chaos zur Belastung werden

Nun gibt es Chaostypen, die mit ihrem Hang zur Unordnung gut zurechtkommen. Aber es gibt auch Personen, die darunter leiden – sowohl im Arbeits- als auch im Privatbereich. Diese Belastung ist umso größer, je mehr das Chaos die reibungslosen Arbeitsabläufe und den Alltag behindert. Ein Extrem in diesem Zusammenhang stellt das Messie-Syndrom dar.

Aber es gibt auch die andere extreme Seite: krankhafter Ordnungswahn. Also wenn die Ordnung zu einem Zwang wird und dieses starke Ordnungsbedürfnis sogar den Menschen im persönlichen Umfeld auferlegt wird.

Solche Extreme benötigen immer Hilfe von außen – beispielsweise von einem Therapeuten.

Vom Chaos zur Ordnung – ist das möglich?

Meiner Erfahrung nach können auch Chaostypen eine nachhaltige Ordnung schaffen, z. B. auf dem Schreibtisch.

Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je näher man der persönlichen Schmerzgrenze gekommen ist – also je stärker die wahrgenommene Belastung durch das Chaos ist.

Erst dann sind die idealen Voraussetzungen gegeben, um Änderungen durchzuführen. Denn Ordnung hat auch viel mit Gewohnheiten zu tun. Mit der Änderung von Gewohnheits- und Denkmustern kann der Schwenk vom Chaos zur Ordnung gelingen. Hierzu gilt es, Strukturen aufzubauen, die dem Chaostypen guttun und ihn dabei unterstützen.

Zum Weiterlesen: 



Kommentare

  • Carola Daschner

    Ich habe vor Jahren durch eine meiner Vorgesetzten folgende Unterscheidung kennen gelernt:

    Volltischler, Leertischler und Bodengründler.

    Meint, Volltischler ist der Mitarbeiter, mit der Tendenz zum Chaos. Leertischler ist derjenige, der zwar tagsüber seine strukturierten Stapel Arbeit auf dem Schreibtisch verteilt hat, jedoch mit System. Und am Abend ist der Schreibtisch wieder picobello aufgeräumt. Bodengründler hingegen sind die, denen der Platz für die Chaos-Stapel auf dem Schreibtisch nicht mehr reicht. Einen solchen Bodengründler kannte ich einmal (Anwalt). Er hatte die Akten seiner Mandanten in mehreren Stapeln in seinem ganzen Arbeitszimmer auf dem Boden verteilt.

    Meine Feststellung: Ich bin Leertischler und arbeite gerne mit selbigen zusammen.

    Viele Grüße

    Carola Daschner

    Carola Daschner antworten
  • Schmidt

    „Äußere Ordnung ist oft nur der verzweifelte Versuch, mit einer großen inneren Unordnung fertig zu werden.“
    Albert Camus (1913-1960), frz. Schriftsteller und Philosoph
    Dies ist auch meine Erfahrung! Volltischler haben oftmals mehr Überblick!

    Schmidt antworten
  • Anette

    Im Chaos erkenne ich Seiten und Hinweise, die mir sonst nicht ins Bewusstsein kämen, nämlich eine Reihenfolge der Themen, die mir von Außen oft nur übergestülpt sind. Wenn ich anschaue, was liegenbleiben konnte, gelingt es mir gut, darin auch zu erkennen, wie viel weniger es mir bedeutet. Ich habe zwischen der Aktion als auch der Umsetzung eine unterschiedliche große Freiheit, einmal eigene wie die auch anderer Bedürfnisse gelten zu lassen: spontane als auch die, die überraschend an mich herangetragen werden: über meine Zeitgestaltung im Sinne von Lebenszeit bin ich niemandem Rechenschaft schuldig. Das Empfinden, der eigene Herr meiner Entscheidung zu sein, ist sehr angenehm: Ich bin in meiner Struktur, meinem Zeiterleben, meiner eigenen Freiheit, unverkennbar. Etiketten wie Bauch- und Kopfmensch empfinde ich als Schubladen, keine Größen, um Menschen zu erkennen und anzuerkennen. Diese Freiheit, die für mich auch Genuss ist, nimmt mir niemand. Achtsamkeit im Umgang mir mit ist dabei ein wesentlicher Anteil. Auf einen Arbeitsplatz bezogen, drückt sich darin auch Toleranz aus gegenüber unterschiedlichen Einstellungen und Bewertungen.

    Anette antworten
  • Chris

    Spontanität des Ideenmenschen

    Als vielseitig interessierter Mensch schaffe ich es nicht im häuslichen Bereich am Schreibtisch für Ordnung zu sorgen. Auch, weil ich wenig Platz habe und gerne auch Informationsmaterial sammle. Meine Aufgabenliste (ToDo) ist sehr lang, weil ich neben Kids und Beruf gar nicht die Zeit für meine div. Hobbys und Ideen habe.

    Deshalb habe ich mir angewöhnt, jeden 3. Tag momentan wichtige Dinge aus meiner Aufgabenliste zu wählen, die ich an diesem Tag unbedingt erledige. Der Rest ist eine Kann-Sache, aber kein Muss. So schaffe ich es, dass sich mein Schreibtisch nach und nach doch leert bzw. meine Aufgaben weniger werden. Und so finde ich gelegentlich auch Zeit für meine kleinen Hobbys.

    Chris antworten
  • Daniele

    Mir ist eines auch hier wieder klar geworden, obwohl ich leider nur den Text überflogen habe. Und zwar ist es so bei mir, dass ich mein Chaos gut versteckt habe und mich nicht überwinden kann, es aufzuräumen, weil ich mich sonst mit meinen alten Plänen (die ja alle gescheitert sind) konfrontieren müsste.

    Jedes Blatt oder jeder andere Gegenstand hat eine Erinnerung, die verknüpft war mit einem Plan. Ok, nun ja, vielleicht war ich nicht zielstrebig genug. Aber muss ich mich wirklich diesem Stress aussetzen, nur um das versteckte Chaos aufzuräumen?

    Da bleibe ich lieber in der Ungewissheit und somit in der Hoffnung meine Ziele und Pläne doch noch schaffen zu können.

    Daniele antworten
  • Leser

    Fragen die nicht richtig erfasst wurden:
    1. Welchen MA brauche ich als Chef für den Job (Kreativen oder Umsetzer), denn der falsche liefert nichts?
    2. Niemand verhält sich im Job so wie Zuhause!
    3. Hat MA überhaupt die Zeit, Ordnung ausleben zu können (Umfeld)?
    4. Liegen überhaupt ge-ordnete Prozesse vor, um Ordnung leben zu können?
    5. Feste Zeiten zum Ordnung schaffen bringen weit mehr, als jeden Tag viel Zeit zum Ordnen statt Arbeiten zu vergeuden.
    6. Die Super-Ordner sind meist Perfektionisten, die genau das weglassen, was im Notfall benötigt wird –
    und somit dann all den anderen sehr viel Ärger und zusätzliche Arbeit machen (von den hohen Kosten dann ganz zu schweigen)!
    7. Hier ist ganz klar die Führung und nicht der MA gefragt – also das gleiche wie bei der Kindererziehung.

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