Selbstbewusstsein: Ja, ich liebe mich! 2 Übungen

Wir vergleichen uns ja gerne mit anderen Menschen. Und bei diesem Vergleich schneiden meistens die anderen besser ab. Der kann das besser, die schaut besser aus, … Unser kleines Plappermaul im Kopf findet meistens etwas, was andere besser können, was andere haben, das wir nicht haben.

Und dabei gibt es so vieles, das jeden von uns zu etwas Besonderem, uns liebenswert macht, eben individuell. Wir sehen es eben viel zu selten oder gar nicht. Aber wir sollten uns immer wieder bewusst machen, was uns persönlich ausmacht, was wir selbst sind, also unser Selbstbewusstsein wecken.

pxb-selbstliebe

(Bild: Fotolia©77SG)

Sollten Sie manchmal das Gefühl haben, dass alle anderen besser sind und etwas besser können, dann habe ich im Folgenden zwei „Übungen“ für Sie.

Weitere Übungen habe ich in einer  Broschüre zusammengefasst:

Aber nun zu den zwei erwähnten Übungen:

Übung 1: Das liebe ich an mir …

Ziehen Sie sich an einen Ort zurück, an dem Sie sich wohlfühlen. Nehmen Sie dann einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand. Dann notieren Sie mindestens 10 Dinge, die Sie an sich lieben.

Hören Sie mit Ihrer Auflistung nicht auf, bevor Sie mindestens 10 Punkte gesammelt haben. Wenn Sie 10 Dinge schnell gefunden haben, umso besser. Fahren Sie mit Ihrer Liste fort, bis Ihnen nichts mehr einfällt.

Eine solche Liste könnte z. B. folgendermaßen aussehen:

  1. Ich mag an mir, dass ich selber über mich lachen kann.
  2. Ich mag meinen Humor.
  3. Ich liebe meine langen Haare.
  4. Ich mag meine ruhige Art.

Es geht nicht darum, aufzulisten, wen oder was Sie sonst so lieben, sondern nur, was Sie an sich selbst lieben. Wenn Ihnen dann nichts mehr einfällt, legen Sie diese Liste zur Seite. Sie werden merken, dass Ihnen nur dadurch, dass Sie eine solche Liste führen, häufiger bewusst wird, was Sie noch an Ihnen lieben.

Vielleicht fällt es Ihnen schwer, Dinge aufzulisten, die Sie an sich lieben. Vielen Menschen fällt es wesentlich leichter, aufzuzählen, was sie nicht an sich mögen.

Wenn auch Sie damit Schwierigkeiten haben, fragen Sie sich, was vertraute Menschen an Ihnen lieben bzw. schätzen. Oder noch besser: Fragen Sie diese Menschen direkt, z. B. Ihre Partnerin, Ihren Partner, Ihre Eltern etc. Sie werden über deren Antworten staunen und vieles erfahren, was Sie besonders liebenswert macht.

Und wenn Sie immer dazu tendieren, sich mit anderen zu vergleichen – hier weitere Tipps:

„Ich bin NICHT perfekt! Na und?!“

Übung 2: Das kann ich …

Nun gehen wir einen Schritt weiter. Beim Vergleichen mit anderen sehen wir häufig auch, was wir nicht können und übersehen dann unsere persönlichen Stärken. Ich bin ohnehin der Meinung, dass  sich sehr viele Menschen ihrer Stärken nicht oder zu wenig bewusst sind. Und das ist schade. Denn wer seine Stärken und Talente kennt, diese bewusst einsetzt, diese vielleicht auch noch in seinem Beruf nutzen kann, dem fällt vieles wesentlich leichter. Und der Lohn: zahlreiche persönliche Erfolgsmomente.

Aber wie wird man sich seiner Stärken bewusst?

Um seiner Stärken und Talente bewusst zu werden, hilft auch die Selbstreflexion. Nehmen Sie wieder Ihr Blatt oder Ihr Notizbuch zur Hand, wo Sie die Dinge aufgelistet haben, die Sie an sich lieben.

Neues Blatt und dort notieren Sie all jenes, das Sie besonders gut können. Dazu können folgende Fragen helfen:

  1. Wo war ich schon in der Schule immer gut?
  2. Was kann ich besonders gut?
  3. Wofür habe ich schon öfter Lob und Anerkennung bekommen?

Listen Sie wieder so viele Eigenschaften und Fähigkeiten auf, wie Ihnen einfallen. Fragen Sie wieder Menschen in Ihrem Umfeld.

Auch hier gilt: Wenn Ihnen nichts mehr einfällt, heißt das nicht, dass Sie alle Stärken und Talente gefunden haben. Allein durch diese Liste wird Sie Ihr Unterbewusstsein immer wieder auf Stärken aufmerksam machen, die Ihnen bisher noch nicht bewusst waren.

Also: Finden Sie Ihre Stärken und Talente und werden Sie sich bewusst, was an Ihnen besonders liebenswert ist, sei es aus der Sicht der anderen oder aus Ihrer persönlichen.


Passend zum Thema Selbstliebe abschließend noch eine Zeitblüte, eingesendet von der Leserin Pirko. (Zeitblüten sind persönliche Momente der Entspannung, des Wohlfühlens, des Krafttankens und des „Abschalten-Könnens“.)

Leserin Pirko schreibt:

Mein Weg zur (Selbst-)Liebe

Die umwerfendste, alles verändernde, wunderschönste Zeitblüte meines Lebens war und ist die Selbstliebe und damit die Liebe überhaupt. Ich habe sie noch nicht so lange, aber ich will sie keinen Tag meines Lebens mehr missen, denn sie blüht und blüht und blüht und schenkt mir täglich Freude und Kraft.

Ich wurde sehr zu Werten wie Verantwortung, Pflichtgefühl gegenüber anderen und einer verzerrten, selbstverletzenden Form von Demut/Bescheidenheit erzogen. Zu so ziemlich allem, nur nicht zur Selbstliebe. Das konnte mir in meiner Familie niemand vorleben oder beibringen, sie kannten Selbstliebe nicht.

Ich nehme es meiner Familie nicht übel. Es verletzt oder hemmt mich jetzt nicht mehr. Ich glaube nicht, dass sie mich nicht lieben/geliebt haben oder mir bewusst auch nur das kleinste Übel wollten. Im Gegenteil. Ich glaube, von ihren Standpunkten aus versuch(t)en sie mich von ganzem Herzen vor Schmerz, Enttäuschung und einem schlechten, leidvollen Leben zu schützen. Ich glaube, dass sie von eigener Angst und Sorge – um sich selbst und damit auch um die Menschen, die ihnen viel bedeuten – angetrieben waren (wie auch ich fast mein ganzes Leben).

Geteilte Liebe beginnt mit Selbstliebe

Es musste mit mir einiges passieren: Gewaltiges sowie auf den ersten Blick Unscheinbares, immer weiter, Einschläge (vor allem im letzten Jahr), die immer schneller und dichter kamen. Bis ich es endlich verstehen konnte, bis plötzlich der Teil von mir freigelegt war und an die Startlinie konnte, der sich nicht länger von Angst beherrschen lässt und der intuitiv weiß, dass wirklich miteinander geteilte Liebe mit Selbstliebe beginnt.

Ich habe erkannt, dass ich mit anderen umgehe WIE MIT MIR SELBST, ob ich will oder nicht. Und die anderen gehen mit MIR um wie mit SICH SELBST.

WIE dich selbst …

Bis mir – und ich bin absolut kein religiöser Mensch – auf einmal schmunzelnd bewusst wurde: es heißt „Liebe deinen Nächsten WIE dich selbst“, und nicht „Liebe deinen Nächsten mehr als dich selbst“, oder sogar „Liebe deinen Nächsten statt dich selbst“.

Es ist gerade die Selbstliebe und das daraus resultierende Selbstvertrauen, welches inspirierende, beflügelnde Nächstenliebe erzeugt.

Für mich war es ein langer, schwieriger und mühseliger Weg zu dieser Erkenntnis, den zu erläutern ich den Lesern hier ersparen möchte. Aber eine frohe Kunde möchte ich Euch doch mit auf den Weg geben:

Kein Selbstliebeersatz oder Trostpflaster

Die Menschen in unserem nahen Umfeld, die sich selbst mutig alles zutrauen und sich voller Überzeugung unverhohlen selbst lieben, achten und schätzen, versuchen uns nicht in ihren Schatten zu stellen. Sie laden uns ein zu ihnen ins Licht zu treten.

Sie brauchen andere nicht, sondern sie können sie genießen. Sie missbrauchen andere nicht als Selbstliebeersatz oder Trostpflaster, machen andere nicht für ihre eigene Bedürfnisbefriedigung verantwortlich, sie haben etwas Wundervolles zu verschenken.

Sie verurteilen andere nicht, bremsen sie nicht aus, sie lassen sich nicht so leicht von anderen verunsichern, sie wollen andere nicht verletzen, schwächen oder beabsichtigen ihnen ein „Ich bin besser als du!“ vor den Bug zu knallen. Sie müssen sich nicht durch andere validieren oder emporheben.

Mit Selbstliebe anstecken

Sie versuchen andere einfach nur mit ihrer Selbstliebe anzustecken, sie zu beflügeln und zu inspirieren, sie zu befreien und zu bereichern und in ihrer persönlichen Entfaltung zu ermutigen, weil das Gemeinsame das Leben nochmal doppelt und dreifach so wunderbar macht.

Diese Menschen sind für mich die wunderschönsten Zeitblüten des Lebens. Ich bin so über alle Maßen glücklich (und ein Glückspilz), dass ich ein ganz besonders schönes Exemplar in meinem Leben habe und mich gerade in dem Moment, wo ich es am meisten brauchte, mit seiner Selbstliebe anstecken lassen konnte. Und jetzt wünsche ich mir sehr, andere damit anzustecken.

Ich glaube, wenn wir es schaffen, wie auch immer an einen Punkt zu gelangen, an dem wir

  • beginnen können, die alten Ängste und negativen Glaubenssätze, die gegen Selbstliebe sprechen, Schritt für mühsamen Schritt loszulassen,
  • nicht mehr fühlen müssen, nicht gut genug zu sein, nicht wertvoll genug zu sein, nicht völlig in Ordnung und liebenswert und wunderschön zu sein so wie wir sind,
  • ohne Kampf und Krampf und auch mit Fehlern und Schwächen uns alles trauen dürfen,

dann ist wahre Liebe und eine tiefe, ergreifende Freude am Leben möglich und in unser aller Reichweite.

Ich bin selbst zu einer meiner Zeitblüten geworden und seitdem entdecke ich sie täglich, allerorts! :)

Pirko

 

Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • Schulze, Michael

    Ich muss nicht irgend etwas an mir hervorheben und es lieben. Ich muss mich einfach nur lieben, ganz und gar, mit allem, was ich bin und habe. Wobei die Betonung auf bin liegt, denn ich bin, und mein Sein ist nicht an das geknüpft, was ich habe.

    Früher, als ich noch etwas jünger war, dachte ich auch anders. Heute weiß ich, dass sich alle, wirklich alle Probleme in Luft auflösen, wenn man sich absolut und bedingungslos liebt.

    Das setzt voraus, dass man das akzeptiert, was im Augenblick ist. Lieben heißt also auch, die sogenannten Schwächen und sogenannten Fehler zu lieben, zu akzeptieren; denn hinter allem steht das Leben, das ich bin.

    Verfolgt mensch dies eine Weile konsequent, dann wird sich sein Leben absolut und fantastisch ändern. Und einfach ist es zudem auch noch. Statt den ständig plappernden Gedanken im Kopf zu folgen, ignoriere ich sie einfach dadurch, dass ich sie kommentarlos und wertfrei beobachte, dann verschwinden sie von alleine.

    Zudem kann ich Mantren sprechen, beim Meditieren und überhaupt immer. Ich kann sie laut sprechen und in Gedanken. Diese beiden, zum Beispiel: “Sei still und wisse, ich bin …” und “Ich liebe mich. Ich öffne mein Herz weit.” Beide jeweils 1000mal am Tag sprechen denken, oder noch häufiger, dann geschehen Wunder, die in Wahrheit keine sind.

    Die Welt ändert sich mit dir, mein Freund, allein mit dir. Liebe überflutet dich, wenn du dich selbst liebst. Auf in diesen wunderschönen “Kampf”, der keiner ist!

    Michael

    Schulze, Michael antworten
  • Peter Bähler

    Hallo Michael!

    Ich finde das, was du in deinem Kommentar schreibst, sehr wertvoll und es hat mich sehr stark berührt.

    Interessanterweise habe ich heute morgen, also bevor ich jetzt (ca. 22 Uhr) deinen Kommentar las, mit dem inneren “mich lieben” begonnen und beabsichtige dies zur Gewohnheit werden zu lassen.

    Herzlichen Dank
    Peter Bähler, Thun

    Peter Bähler antworten
  • Marius

    Da kann ich Peter nur Recht geben, Michael hat das wunderbar geschrieben.

    Selbstliebe ist sehr wichtig! Der Einklang zwischen mir und der Natur vereinfacht das Leben ins Unendliche.

    Das Gerüst, um andere zu lieben und geliebt zu werden, ist mit sich selbst im Reinen zu sein, Selbstvertrauen, Respekt und die Liebe zu sich. Gespräche mit Fremden haben mir wenig geholfen, da du dich in diesem Moment nicht mit dir auseinandersetzt, sondern dich wieder beeinflussen lässt.

    Es gibt etliche Hypnose-CDs, wie man sich selbst lieben lernt oder Entspannungs- oder Meditationsübungen. Es gibt so viel.

    Ich zum Beispiel habe Zeit mit mir verbracht und mich mit mir beschäftigt und habe irgendwann begonnen, mich selbst zu akzeptieren. Sich selbst zu lieben, ist definitiv keine Selbstverständlichkeit.

    Marius K.

    Marius antworten
  • Petra

    Genauso sehe ich es auch. Selbstliebe habe ich nie gelernt, dafür haben mir die Vorbilder gefehlt, am Ende hatte ich mich selbst vergessen, bin dem uralten Muster gefolgt, andere zu lieben, um selbst ein wenig dazu zu bekommen.

    Nun mit fast 60, und dafür bin ich sehr dankbar, nach vielen Jahren, in denen ich mich selbst fand, liebe ich jetzt mich selbst, wie ich bin und mit allem, was mich selbst ausmacht. So wurde aus einem unglücklichen kleinen, ängstlichen, hilflosen, enttäuschten Kind ein glücklicher erwachsener Mensch, der seinem Herzen folgt.

    Liebe Grüße
    Petra

    Petra antworten
  • Pia

    Mein Körper begann mir mit Stürzen zu zeigen “so geht das nicht”. Ich stürzte innerhalb von eineinhalb Jahren sechs Mal. Zumeist zogen die Stürze schwere Verletzungen und Brüche mit sich!

    Aber was geht da nicht? Ich wusste es zu Beginn nicht

    Erst als ich mich hinsetzte, mich in dieser schwierigen Lebenssituation annahm (mein ganzes Lebenskartenhaus brach in sich zusammen, Lebensfundament weg), mich und meine Lebenssituation begann zu akzeptieren – erst von diesem Moment an begann mein Weg der Heilung, der allerdings die Einsamkeit bedingte.

    Ja, in mich kehren, ganz bei mir sein – ohne Wenn und Aber -, das war mein Schlüssel zur Genesung. Das Annehmen der Einsamkeit lehrte mich zugleich, mich selbst anzunehmen. Meine ganzen 55 Jahre des Seins annehmen, Licht und Schatten akzeptieren.

    Akzeptieren, was war und immer ist, ist Veränderung. Gleiches mit Gleichem heilen.

    Ich durfte eintauchen, in das Wunder der Heilung
    Meine innre Leere ist der Selbstliebe gewichen
    Was für ein Geschenk
    Was für ein Reichtum
    Was für eine Freiheit
    Die innere Freiheit, die aus der Selbstliebe entsteht
    Eintauchen in sein eigenes Licht
    Selbstliebe
    Ich bin sehr dankbar

    Pia

    Pia antworten

Diesen Artikel kommentieren

Bitte die Kommentarregeln berücksichtigen. Danke!