Sind Sie reif für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit?

Dass die berufliche Selbstständigkeit nicht immer ein reines Honiglecken ist, und sie durchaus einige Stolpersteine birgt, habe ich bereits hier beschrieben.

Aber es gibt sehr reizvolle Seiten, die das eigene Unternehmen mit sich bringen kann: Selbstverwirklichung, Selbstentfaltung, (finanzielle) Unabhängigkeit, Freude am Arbeiten. Und genau darum liebe ich meine berufliche Selbstständigkeit.

Soll ich oder soll ich nicht?

Diese Frage quält viele Arbeitnehmer, die vielleicht schon seit Längerem mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen – ging mir genauso.

Nun ist nicht jeder zum Unternehmer geboren.

Allein mit dem Wunsch der beruflichen Selbstständigkeit und mit der Gewerbeanmeldung ist es nicht getan.

Einige Voraussetzungen sollte man mitbringen, wenn man den Schritt der Existenzgründung in Erwägung zieht.

Sind Sie fit für die berufliche Selbstständigkeit bzw. für die Existenzgründung?

Im Folgenden habe ich einige Punkte zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen können. Wenn Sie den überwiegenden Aussagen zustimmen, dann sollten Sie auf alle Fälle die Option Selbstständigkeit mal genauer ins Auge fassen. Denn mit dem nötigen Engagement, der richtigen Idee und/oder einem nachgefragten Produkt bzw. einer entsprechenden Dienstleistung stehen die Chancen gut, sich auf dem freien Markt zu behaupten.

Nun zu den Aussagen:

  • Ich bin voller Elan und Tatendrang, fühle mich in meinem Angestelltenverhältnis unterfordert, unwohl bzw. im falschen Beruf.
  • Ich kenne mich in meinem Fachbereich überdurchschnittlich gut aus und verfüge über ein umfassendes Fachwissen.
  • Ich habe ausreichend Selbstdisziplin.
  • Ich kann gut vorausplanen und (mich selbst) organisieren.
  • Ich habe eine Vision und Ideen, setze mir Ziele und arbeite konsequent an deren Erreichung.
  • Mir fällt es leicht, strukturiert in Richtung Ziel(e) vorzugehen und den Überblick zu behalten.
  • Ich bin mutig und entscheidungsfreudig.
    (Der Erfolg eines Unternehmens setzt sich u. a. aus der Summe der richtig getroffenen Entscheidungen zusammen.)
  • Probleme und Schwierigkeiten bringen mich nicht so schnell aus der Fassung. Ich arbeite lösungsorientiert.
  • Ich bin selbstbewusst und glaube an mich und an mein Vorhaben.
  • Mir ist bewusst, welche Anforderungen und Probleme eine berufliche Selbstständigkeit mit sich bringen kann.
  • Ich verfüge über Ausdauer und lasse mich von Durststrecken und Rückschlägen nicht so schnell entmutigen.
  • Ich bringe Leidenschaft, Begeisterung und Freude für meine selbstständige Tätigkeit mit.
  • Ich kann mich, meine Leistungen, meine Produkte gut „verkaufen“.
    (Es ist nicht damit getan, eine hervorragende Leistung, ein gutes Produkt anzubieten, man muss auch die relevante Zielgruppe erreichen – Marketing. Kaum etwas, das sich von selbst verkauft.)
  • Ich habe mir kaufmännische Kenntnisse angeeignet, die meine selbstständige Tätigkeit erfordert.
  • Mein persönliches Umfeld (Familie, Freunde) unterstützt mich in meinem Vorhaben (Existenzgründung).
  • Mir ist bewusst, dass für die berufliche Selbstständigkeit mehr dazugehört, als auf einem Gebiet Experte zu sein.
    (Als Selbstständiger wird man nicht nur als Experte gefordert, sondern als Generalist: Fach-, Marketingkompetenz, kaufmännisches Wissen etc. ist gefragt. Man kann zwar Tätigkeiten auslagern bzw. outsourcen, aber insbesondere zu Beginn der Selbstständigkeit bleibt einem vieles selbst überlassen.)

Die attraktiven Seiten der Selbstständigkeit

Die berufliche Selbstständigkeit bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Um nur einige zu nennen:

Sie sind Ihr eigener Chef bzw. Ihre eigene Chefin

Das Gefühl, frei und unabhängig zu sein, gehört zu den Hauptgründen, weshalb sich zahlreiche Arbeitnehmer für den Schritt in die Selbstständigkeit entscheiden. Die (eventuell) flexible Einteilung der Arbeitszeit ist für viele sehr reizvoll.

Sie sind Ihr eigener Chef bzw. Ihre eigene Chefin – diese Aussage stimmt zwar nur bedingt. Denn im Grunde nimmt dann der Kunde bzw. der Auftraggeber die Rolle des Chefs ein. Deshalb ist vor allem dann Pflichtbewusstsein und eine ziel- und termingerechte Arbeitsweise enorm wichtig. Schließlich möchte man seine Auftraggeber auf keinen Fall verprellen, denn ohne die entsprechende Kundschaft ist das Unternehmen letztendlich nicht erfolgreich.

Sie können sich selbst verwirklichen

Viele Menschen streben nach Selbstverwirklichung, weil sie sich in ihrem Beruf unterfordert fühlen oder ihre Stärken und Talente im aktuellen Beruf nicht nutzen können.

Wer ein Unternehmen gründet, kann seine eigenen Ziele und Ideen realisieren und die Entscheidungen ohne das Zutun eines Vorgesetzten treffen. Die Selbstverwirklichung ist daher für viele Unternehmensgründer neben dem Geldverdienen einer der wichtigsten Gründe, den Weg in die Selbstständigkeit zu wagen.

Höheres Einkommen durch Motivation

Wer sich selbstständig macht, wirtschaftet in die eigene Tasche und nicht in die des beschäftigenden Unternehmens.

Wer mit seinem Unternehmen erfolgreich ist, verdient in der Regel mehr als ein Angestellter. Das liegt jedoch nicht alleine daran, dass man nur für sich arbeitet und kein anderer an den Früchten der eigenen Leistung mitverdient. Sondern wem die Arbeit Spaß macht, der ist in der Regel motiviert und besonders engagiert bei der Sache.

Viele Unternehmer lieben ihren Beruf, da er ihnen die Möglichkeit zur Identifikation mit ihren persönlichen Zielen und die Chance zur Selbstverwirklichung bietet.

Geht es um das eigene Unternehmen, ist man eher bereit, mehr Arbeitsstunden zu leisten und sich überdurchschnittlich anzustrengen. Die höhere Leistungsbereitschaft schlägt sich im besten Fall auch in der Höhe des Einkommens nieder.

Freie Arbeitsplatzgestaltung

Als Selbstständige(r) bleibt es einem selbst überlassen, wie und wo man seinen Arbeitsplatz gestaltet. Arbeitet man am PC, dann bietet sich für den ein oder anderen sogar die Möglichkeit an, mit dem Notebook an schönen Tagen nach draußen zu gehen. Und auch hinsichtlich der Bürogestaltung können die Möbel und Accessoires gewählt werden, die einem persönlich am besten gefallen.

Prestigegewinn

Ebenso spielt der Gewinn an Prestige für manchen Menschen eine große Rolle, wenn sie sich dafür entscheiden, fortan unter einem eigenen Firmennamen zu agieren. Denn mit dem Erfolg steigt häufig  auch das Ansehen in der Gesellschaft.

Die berufliche Selbstständigkeit – auch eine Chance für Mütter und ältere Menschen

Die Chance zur freien Arbeitszeiteinteilung, welche die Selbstständigkeit häufig mit sich bringt, kommt vor allem Müttern zugute. Denn auf diese Weise lassen sich Beruf und Familie oftmals besser vereinbaren, als im Angestelltenverhältnis. Natürlich kommt das auch auf den Tätigkeitsbereich an.

Oft besteht sogar die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten – dort, wo die Kinder im Nebenzimmer spielen. Bei Erfordernis lässt sich die Arbeit unterbrechen und später wieder aufnehmen.

Viele selbstständige Mütter (und Väter) arbeiten bevorzugt in den Abendstunden, wenn die Kinder schlafen und sie endlich die nötige Ruhe finden. Mütter in einem festen Angestelltenverhältnis sind nicht selten gezwungen, ihre Kinder auch am Nachmittag in die Kinderkrippe zu geben.

Auch für ältere Menschen eine Option

Die Selbstständigkeit eignet sich für Experten jeden Alters. Viele Menschen haben erst nach einer langjährigen abhängigen Beschäftigung die hierfür nötige „Reife“ erlangt. Denn häufig muss man als Unternehmensgründer über ausreichend Erfahrung verfügen, um sich auf einem bestimmten Sektor gegen die Konkurrenz behaupten zu können.

Dennoch sind es zumeist die jüngeren Personen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen und dabei nicht selten im kalten Wasser landen.

Aus diversen Gründen scheuen sich viele Ältere davor, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen, obwohl das wirtschaftliche und persönliche Potenzial grundsätzlich vorhanden wäre. Da die Vermittlungschancen auf dem freien Arbeitsmarkt mit zunehmendem Alter nachlassen, ist dabei gerade diese Personengruppe stärker von der Arbeitslosigkeit betroffen.

Aus der Not eine Tugend

Vor allem in Krisenzeiten fällt es schwer, sich für oder gegen einen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz zu entscheiden. Schließlich ist die Zukunft in beiden Fällen meist ungewiss. Häufig ist es so, dass sich insbesondere solche Menschen selbstständig machen, deren Arbeitsplatz ohnehin in Gefahr ist oder die diesen bereits verloren haben. Diese Personen machen aus der Not eine Tugend und sind damit in vielen Fällen sogar erfolgreicher, als in ihrem vorherigen Berufsleben.

Fazit:

Der Weg in die berufliche Selbstständigkeit will gut überlegt sein. Einige Voraussetzungen und Fähigkeiten sollte man auf alle Fälle mitbringen. Mögliche Probleme und Hindernisse muss man sich bewusst sein.

Wer die Möglichkeit hat, sollte sein Vorhaben erst nebenberuflich testen. Fühlt man sich dann für den großen Schritt gewappnet, kann man von der neben- in die hauptberuflich selbstständige Erwerbstätigkeit wechseln.

Auf alle Fälle kann die Selbstständigkeit eine immense Bereicherung sein!

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Kommentare

  • Endlich mal ein Artikel, der aus meiner Sicht pro Selbstständigkeit ist. Natürlich gibt es Risiken – aber gibt es diese nicht auch beim Angestelltendasein. Nokia in Bochum oder aktuell auch Schlecker zeigen, dass es faktisch keine Sicherheit gibt.

    Selbstständigkeit bietet viele Möglichkeiten und bedeutet auch eine starke Herausforderung. Natürlich bestehen auch hier Risiken, die Chancen mit einem guten Produkt und einer guten Marketingstrategie sind aber dennoch sehr gut.

    Ich würde es jederzeit wieder machen und in die Selbstständigkeit gehen.

    Klaus

    Klaus Schaumberger antworten
  • Auch ich habe vor über 15 Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gewählt. Und ich habe es nie bereut.

    Allerdings ist eine Existenzgründung nicht für jeden die beste Wahl. Auch wenn Geschäftsmodell, Kundennachfrage und finanzielle Rahmenbedingungen passen, ist vor allem auch die emotionale Seite zu beachten. Die vermeintlich geringere Sicherheit im Vergleich zur Festanstellung kann zu Unausgeglichenheit und Stress führen. Und das gilt nicht nur für den Selbstständigen persönlich, sondern auch für sein Umfeld. Was nutzt schon die ganze Freiheit, wenn der Partner oder die Partnerin nachts vor lauter Sorgen nicht mehr schlafen kann?

    Ich kann daher nur raten: in jedem Fall vor der Entscheidung alle harten und weichen Fakten sorgsam prüfen und dabei vielleicht auch erfahrene Helfer suchen.

    Peter Schmitt antworten

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