Nicht nur ein Wundermittel gegen Stress: spazieren gehen

Es gibt etliche wirkungsvolle Mittel, um Stress abzubauen. Dazu zähle ich auch den Spaziergang.

Im Folgenden stelle ich Ihnen in diesem Zusammenhang eines meiner Wohlfühl-Rituale vor, das ich (fast) täglich praktiziere: meine Wienfluss-Runde.

Unterwegs auf meinem Flussweg


Mein herrlicher Flussweg

Ich arbeite von zu Hause aus, was ich sehr genieße. Nach getaner Arbeit fahre ich meinen Computer herunter, rein in die Sportschuhe und raus aus dem Haus.

Dann gehe ich flotten Schrittes entlang der Wien (die Wien ist ein Fluss bzw. bei normalem Wasserstand vielmehr ein Flüsschen) – bei jedem Wetter und allein, denn nur so kann ich richtig abschalten und nach dem Arbeitstag runterkommen.

Am Wendepunkt angelangt, ziehe ich in den wärmeren Monaten die Sportschuhe aus und spaziere dann barfuß den Weg gemächlich zurück. Ich erfühle die unterschiedlichen Böden: Kies, Erde, Wiese, …

Zwischendurch mache ich eine kurze Rast, setze mich auf einen Stein und halte meine Füße ins frische, kühle Nass. Ich beobachte die quirligen Enten mit ihrem putzigen Nachwuchs und den stolzen Fischreiher, denen ich manchmal begegne. Dann geht’s gemütlich weiter.

Zeit für mich allein

Zu Hause angelangt, lege ich mich oft noch ca. 10 Minuten hin (abhängig von evtl. folgenden Vorhaben stelle ich den Wecker). Keine Musik oder andere Ablenkung im Hintergrund. NICHTS. Nur ruhig daliegen, Augen schließen und Gedanken kommen und ziehen lassen. Und manchmal nicke ich kurz ein – auch gut.

Dieses Wohlfühl-Ritual dauert insgesamt in etwa eine Dreiviertelstunde (ohne Hinlegen) – oft auch länger, je nach Dauer der eingelegten Zwischenrast.

Zeit für mich allein! Ich genieße dieses Ritual, es tut meinem Körper gut, beflügelt meinen Geist und erdet mich. Ich nehme über das Jahr bewusster den Lauf der Jahreszeiten wahr, welche die Natur so prächtig präsentiert.

Wozu das Ganze?

Aber diese Runde erfüllt für mich einen weiteren wesentlichen Zweck:

Auf dem flotten Hinweg reflektiere ich die Ereignisse des Arbeitstages, lasse mir noch einmal alles durch den Kopf gehen. Unter freiem Himmel werden auch die Gedanken freier und es lösen sich eventuelle Denkblockaden. Das hat auch der Schriftsteller Henry David Thoreau erkannt:

Sobald sich meine Beine bewegen,
beginnen meine Gedanken zu fließen.

Aber erst der temporeduzierte Rückweg macht den Kopf richtig frei. Das liegt auch daran, dass ich beim Barfußgehen stets auf den Untergrund achte, um spitzen Steinen auszuweichen – dadurch werden die Arbeitsgedanken verdrängt. Ich muss also automatisch sprichwörtlich entschleunigen.

Und genau in diesem „Zustand“ tauchen gute Ideen und Lösungen aus den Tiefen des Unterbewusstseins auf. Mein Flussweg lässt meine Kreativität fließen.

Auch ein Großteil des Inhalts für mein ZEITBLÜTEN-Buch ist gedanklich auf meinem entschleunigten Rückweg entstanden.

Gelegentlich gehe ich meinen Flussweg auch zu ungewohnten Zeiten – etwa frühmorgens vor oder während des Sonnenaufgangs mit zunehmender Vogelstimmen-Tonkulisse oder in der Abenddämmerung begleitet vom Grillenzirpen. Ich bin immer wieder erstaunt über die neu gewonnenen Eindrücke, die mir die Natur zu unterschiedlichen Zeiten darbietet.

„Mein herrlicher Flussweg“ entnommen aus meinem ZEITBLÜTEN-Buch (Amazon)


Was regelmäßiges Spazierengehen bringt: 10 erwiesene Wirkungen

Diverse Studien – im Folgenden verlinkt (») – belegen die positiven Wirkungen.

Spaziergänge und regelmäßige sportliche Bewegung …

  1. heben die Stimmung und machen gute Laune (»),
  2. wirken lebensverlängernd (»),
  3. können psychischen Erkrankungen (z. B. Depression) vorbeugen und diese lindern (»),
  4. können das Risiko einer Demenzerkrankung verringern (»),
  5. können das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen erheblich senken (»),
  6. stärken das Immunsystem (»),
  7. wirken präventiv gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und Osteoporose (»),
  8. steigern die Kreativität sowie die Fähigkeit zur Problemlösung (»),
  9. fördern die Konzentrationsfähigkeit und die Gedächtnisleistung (»),
  10. senken den Cortisolspiegel und reduzieren damit die Stressbelastung (»).

Also ein richtiges Lebenselixier! Und das Ganze bedarf kaum Aufwand und erzeugt keine Kosten.

Zum Spazierengehen einfach raus an die frische Luft können Sie immer. Denn wie heißt es so schön:

„Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung.“

Dass das Spazieren an einer viel befahrenen Straße nicht wirklich gesundheitsfördernd ist, steht wohl außer Frage. Deshalb sollten Sie immer die Natur vorziehen, soweit es Ihnen möglich ist, und dort flotten Schrittes losmarschieren.

Übrigens:

Es müssen nicht unbedingt die in den Medien so häufig propagierten 10.000 Schritte sein, die Sie täglich erreichen sollten. Diese Marke stammt nicht aus wissenschaftlichen Untersuchungen, sondern aus einer alten Werbung.

Wie wäre es mit einer persönlichen Herausforderung?

Wenn Sie bisher nicht so häufig per pedes unterwegs waren, Sie aber zukünftig durch regelmäßiges Spazierengehen Ihrem Körper, Geist und Ihrer Seele etwas Gutes tun wollen, stellen Sie sich doch einer persönlichen Herausforderung.

Als Beispiel:

Die nächsten 14 Tage gehe ich – unabhängig vom Wetter – täglich für mindestens 15 Minuten spazieren.

Sie werden feststellen, dass es Ihnen mit so einer Zielsetzung wesentlich leichter fällt, den lästigen Schweinehund zu überwinden und dranzubleiben – zumindest geht das mir so.

(Hier als Beispiel eine sportliche Herausforderung, der ich mich gestellt habe, und was sie mir gebracht hat: Stiegenlauf: Täglich 419 Stufen – ein Erfahrungsbericht)

Ein gemeinsamer Spaziergang verbindet

Vielleicht können Sie sogar einen lieben Menschen (Freund/in, Familie) dafür begeistern, sich Ihrer Spaziergang-Challenge anzuschließen.

Dann können Sie diese gemeinsame Bewegung im Freien auch für Gespräche nutzen, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Zudem spricht es sich unter freiem Himmel auch leichter und befreiter. Und im Idealfall entwickelt es sich zu einem gemeinsamen lieb gewordenen Ritual, das der Beziehung immens guttut.

Weitere 4 Möglichkeiten für mehr Bewegung im Alltag

Möchten Sie die Spaziergang-Challenge angehen, hier 4 weitere Möglichkeiten zur Umsetzung:

  1. Wenn es die Wegstrecke erlaubt, gehen Sie zu Fuß zur Arbeit. Parken Sie alternativ das Auto etwas weiter weg oder steigen Sie eine (Bus-)Station früher aus, sodass Sie den Abschnitt für einen Spaziergang nutzen können.
  2. Nutzen Sie die Mittagspause für einen kurzen Spaziergang – und wenn Sie hierzu nur eine Runde um den Block machen, ist das immer noch besser als gar nichts.
  3. Gehen Sie generell möglichst viele kürzere Strecken zu Fuß, die Sie sonst regelmäßig mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt haben.
  4. Indem Sie immer vorzugsweise die Treppe statt des Aufzugs bzw. der Rolltreppe nutzen, machen Sie auch regelmäßig einen „kurzen, zügigen Spaziergang mit Höhenmetern“.

Fazit:

Ob Sie spazieren gehen, Nordic Walking betreiben, Fahrrad fahren oder sich anderweitig regelmäßig bewegen – Sie tun sich damit stets etwas Gutes.

Sie gewinnen Abstand vom Alltag und den Sorgen, werden entspannter, achtsamer und gesünder. All das wirkt sich letztlich positiv auf Ihr körperliches und emotionales Wohlbefinden aus.

Und was die Gesundheit angeht – dazu abschließend noch folgende Worte von meinem 74-jährigen Nachbarn und Freund (in einer Person):




Kommentare

  • Christian

    Die Wahrheit liegt in der Einfachheit!

    Christian antworten
    • Herbert

      Ja Christian, Du hast völlig Recht. Aber auch in der Einfachheit muss der innere “Schweinehund” überwunden werden, und der ist es in unserem Fall.

      Herbert antworten
  • Ina

    Tolle Gedanken. Hat mich zum Nachdenken gebracht. :)

    Vielen Dank!

    Ina antworten
  • Beate

    Ich kann dem Artikel mit ganzem Herzen und Körper nur zustimmen!

    Beate antworten
  • Vielen Dank für diesen Artikel.

    Ich bin zur Zeit auf der Fraueninsel (Bayern). Hier ist es wunderbar um die Insel zu gehen. Das mache ich bereits morgends und kann oft den Sonnenaufgang bestaunen und auch abends mache ich mit meiner Frau eine Runde um die Insel. Das ist einfach wunderbar!

    Michael antworten
  • Rosemarie Lenske

    Hat wie immer sehr gut getan zu lesen.

    Vielen Dank für diesen Artikel, dem ich voll und ganz zustimme.

    Rosemarie Lenske antworten
  • Renate

    Ja, der innere Schweinehund … Mir hilft dabei ein treuer vierbeiniger Begleiter, der sein Recht auf Bewegung und seine tägliche Runde einfordert.

    So bin ich seit über 10 Jahren bei Wind und Wetter jeden Morgen bei Sonnenaufgang unterwegs. Seit 1 1/2 Jahren begleitet uns nun auch mein Mann. Wir sind inzwischen beide Rentner.

    Die tägliche Bewegung tut uns gut, und auch, wenn wir immer die gleiche Runde laufen, gibt es jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Wir genießen diesen schönen Start in den Tag.

    Renate antworten
  • Weissteiner G.

    So viele für mich interessante und wertvolle Informationen in diesem Beitrag! Vielen Dank, lieber Herr Heidenberger!

    LG Gerda

    Weissteiner G. antworten
  • Lieben Dank für eure Beiträge und Kommentare!

    Burkhard Heidenberger antworten
  • Korinna

    Was für ein schöner Beitrag! Danke fürs Teilen deines persönlichen Flussweges. Für mich gibt es im Alltag auch kaum besseres, als ein Spaziergang durch den Wald. Die Anregung zu Challange nehm ich gerne an, denn in letzter Zeit war ich weniger unterwegs!

    Korinna antworten
  • Katharina Hofmann

    Das Laufen bei fast jedem Wetter
    ist so eine Art Lebensretter…
    Danke für die Impressionen …
    sie tun sich sehr lohnen…

    Liebe Grüsse aus dem Remstal Katharina

    Katharina Hofmann antworten

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