Brief/E-Mail: 10 Floskeln, auf die Sie verzichten sollten

Wahrscheinlich schreiben Sie wie ich regelmäßig E-Mails, vielleicht sogar hin und wieder einen (geschäftlichen) Brief.

Nun hinterlassen wir mit unseren Schreiben bei den Empfängern immer einen Eindruck – ob gewollt oder nicht. Und dieser kann gut oder eben auch weniger positiv ausfallen – auch abhängig davon, ob und welche Floskeln Sie verwenden.

Nehmen wir an, Sie haben eine E-Mail oder einen Brief geschrieben. Nun werfen Sie nochmals einen Blick auf Ihren Text und stellen sich beim Durchlesen ganz bewusst folgende Frage:

Würde ich im direkten Gespräch mit der Person diese Worte und Formulierungen so verwenden? 

Allein diese kleine „Übung“ wird Ihren Blick auf unpassende oder unnötige Floskeln schärfen und Ihre Schreiben flotter und lebendiger gestalten – denn schon Gotthold Ephraim Lessing wusste:

Schreibe, wie du redest,
so schreibst du schön.

Auch wenn ich dieses Zitat nicht ganz wörtlich nehme, so dient es mir doch als Hinweis auf Optimierungspotenzial in meiner Korrespondenz.

Aber bevor ich häufige Floskeln und entsprechende Alternativen aufzeige, stellt sich die Frage, was eine Floskel überhaupt ist.

Was ist eine Floskel?

Unter einer Floskel versteht man allgemein eine nichtssagende Redensart. Im Schriftverkehr zählen dazu Wörter, Phrasen und Formulierungen, die häufig als informationsarm, abgedroschen und banal wahrgenommen werden.

Diese unbedeutenden und unpersönlichen „Textbausteine“ können Sie in der Regel weglassen, ohne dass dadurch der Informationsgehalt leidet – im Gegenteil: Ihr Text wird lesbarer, wirkt frischer und lebendiger.

Floskeln hinterlassen Eindruck, aber keinen positiven!

Eines sollten Sie sich stets vor Augen führen:

Mit jedem Ihrer Schreiben hinterlassen Sie bei den Empfängern einen Eindruck. Und bei der Verwendung von veralteten Formulierungen kann dieser hölzern, steif oder langweilig ausfallen, auch wenn diese Merkmale ganz und gar nicht Ihre Persönlichkeit widerspiegeln.

Deshalb sollten Sie vor dem Versenden Ihres Schreibens immer einmal einen kritischen Blick darauf werfen, um eventuelle Fehler zu korrigieren oder Formulierungen nachzubessern.

10 Floskel-Beispiele und wie Sie diese vermeiden

Im Folgenden habe ich 10 Floskeln aufgelistet, die heute nicht mehr zeitgemäß sind und auf die Sie deshalb ruhig verzichten können und sollten.

Floskel 1

Ich hoffe, Ihnen damit gedient zu haben.

Eine antiquierte Formulierung, die wie ein Kniefall und anbiedernd wirkt. Denn heute nimmt niemand mehr an, dass der Absender einem im wahrsten Sinne des Wortes wirklich dienen will.

Anstatt:

Ich hoffe, Ihnen mit der Übermittlung dieser Unterlagen gedient zu haben.

Besser so:

Ich freue mich, wenn Ihnen die Unterlagen weiterhelfen.

 

Floskel 2

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.

Diese steife Formulierung enthält gleich mehrere „Unwörter“:

Rückfragen:

Eine RÜCKfrage impliziert, dass es auch eine HINfrage gibt bzw. gab. Und weil dem nicht so ist, verzichten Sie am besten gänzlich auf diesen Begriff.

Jederzeit:

Wenn es die Empfänger wortwörtlich nehmen, stehen Sie ihnen an allen sieben Wochentagen jeweils 24 Stunden zur Verfügung. Ist das der Fall? Wahrscheinlich nicht.

Zu Ihrer Verfügung stehen:

Diese Phrase wirkt in der heutigen Zeit ähnlich wie „zu Ihren Diensten“ – also altmodisch. Weglassen!


Anstatt:

Für Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gern zur Verfügung.

Besser so:

Wenn Sie noch Fragen haben, melden Sie sich bitte einfach.

Evtl. als Ergänzung:

Telefonisch erreichen Sie mich am besten am … [Tag- und Zeitangabe].

 

Floskel 3

Wir möchten Ihnen mitteilen …

Eine unschöne und doch so häufig verwendete Einleitungsfloskel, insbesondere in einem Geschäftsbrief.

Allein durch die Übermittlung des Schreibens teilen Sie den Empfängern bereits den Inhalt mit. Also brauchen Sie nicht zusätzlich darauf hinzuweisen, dass Sie etwas mitteilen möchten.

Anstatt:

Hiermit möchte ich Ihnen mitteilen, dass …

Besser so:

Diesen Satz ersatzlos streichen. Beginnen Sie einfach direkt damit, was Sie mitteilen wollen, ohne extra darauf hinzuweisen.

 


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Floskel 4

Mit der Bitte um Kenntnisnahme verbleiben wir …

„Ja, ich nehme es zur Kenntnis.“ So oder so ähnlich würde wohl die Antwort auf Ihre Bitte in einem direkten Gespräch lauten. Also nicht wirklich erbaulich. Zudem nimmt der Empfänger den Inhalt Ihres Schreibens ohnehin durch das Lesen zur Kenntnis.

Und weil Sie diese Floskel wahrscheinlich auch nie in einem Gespräch verwenden, vermeiden Sie sie doch auch in Ihrer Korrespondenz.

Anstatt:

Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass …

Besser so:

Auch für diese Floskel gilt: ersatzlos streichen.

 

Floskel 5

Wir erlauben uns …

Genau genommen kann Ihnen nur der Empfänger etwas erlauben, nicht Sie sich selbst als AbsenderIn.

Anstatt:

Wir erlauben uns, Ihnen anbei die Rechnung für den von uns durchgeführten Auftrag mit der Nr. 1234 zu übermitteln. Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern jederzeit zur Verfügung.

Besser so:

Herzlichen Dank für Ihren Auftrag und die angenehme Zusammenarbeit. Mit dieser E-Mail erhalten Sie die Rechnung. Haben Sie dazu noch Fragen, melden Sie sich bitte einfach.

 

Floskel 6

Bezüglich / Bezug nehmend / diesbezüglich

Diese Floskeln gelten zu Recht als bürokratisch und unmodern. Sie mögen durchaus praktisch sein, um auf eine bestimmte Sache zu verweisen, aber es gibt flottere Formulierungen.

Anstatt:

Bezüglich Ihrer Anfrage vom [Datum] möchten wir Sie darüber informieren, dass das Problem … nun behoben wurde.

Besser:

Danke für Ihre Anfrage vom [Datum]. Das Problem … ist nun behoben.

Oder:

Das von Ihnen gemeldete Problem ist nun behoben. Vielen Dank für Ihren Hinweis und Ihre Geduld!

 

Floskel 7

Wir würden uns freuen …

Der Höflichkeitskonjunktiv (würden) kann bei den Empfängern auch als Unsicherheit interpretiert werden. Formulieren Sie selbstbewusst und lassen Sie den Konjunktiv weg.

Anstatt:

Über Ihre Antwort würde ich mich sehr freuen.

Besser so:

Ich freue mich auf Ihre Antwort.

 

Floskel 8

Wir möchten Sie …

„Möchten“ stellt immer eine Absichtserklärung dar. Deshalb verzichten Sie am besten ganz darauf, wenn es ohnehin nicht nur bei der Absicht bleibt, sondern Sie das Vorhaben – z. B. sich bedanken – direkt umsetzen.

Anstatt:

Wir möchten uns für Ihre rasche Hilfe bedanken.

Ich möchte Sie bitten, mir die korrigierte Rechnung bis zum … zu schicken.

Besser so:  

Herzlichen Dank für Ihre rasche Hilfe.

Bitte schicken Sie mir die korrigierte Rechnung bis zum …

 

Floskel 9

Anbei / beiliegend / in der Anlage / als Anlage

Als Hinweis auf mitgesendete Unterlagen ist laut Duden sowohl als Anlage als auch in der Anlage grammatikalisch richtig, hingegen verwendet man Letzteres primär als Ortsangabe: In der Anlage gehe ich mit dem Hund Gassi.

In einem Schreiben gelten diese Floskeln mittlerweile als veraltet, ebenso anbei und beiliegend.

Anstatt:

Beiliegend sende ich Ihnen die von Ihnen angeforderten Unterlagen.

Besser so:

Sehr gern sende ich Ihnen mit diesem Schreiben die gewünschten Unterlagen.

Oder:

Mit diesem Schreiben erhalten Sie die gewünschten Unterlagen.

 

Floskelsammlung 10

Weitere unnötige Floskeln

Abschließend weitere Formulierungen und Wörter in alphabetischer Reihenfolge, auf die Sie in einem modernen Schreiben verzichten sollten:

  • angesichts
  • gemäß
  • gewähren
  • hiermit, hierzu
  • hinsichtlich, im Hinblick
  • hochachtungsvoll
  • höflich bitten (das Bitten an sich ist bereits höflich)
  • in der Hoffnung
  • mittels, mithilfe
  • nachstehend, folgend
  • verbleiben

Fazit:

Welche Formulierungen Sie in Ihrer Korrespondenz verwenden, kommt natürlich auch auf das berufliche Umfeld an.

Dennoch können Sie durch Vermeidung bürokratischer und altbackener Floskeln mehr Persönlichkeit, menschliche Wärme und Wertschätzung über Ihre Schreiben vermitteln.

Sie werden feststellen, dass Sie mit floskelfreien, flotten Schreiben viel mehr Resonanz bei Ihren Empfängern erzeugen und sich daraus sogar bereichernde, langfristige Beziehungen ergeben können.



Kommentare

  • Konrad

    Gute Zusammenstellung. Dann will ich auch noch eine Floskel ergänzen und zwar Gschamster Diener.

    Konrad antworten
    • Danke Konrad! Ja, ich als zugereister Wiener kenne diese Grußfloskel. :-) Allerdings denke ich, dass sie heute wohl nicht mehr verwendet wird, zumindest ist sie mir noch nie untergekommen.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Helga Geiger

      lieber Burkhard,

      diese Floskeln haben ja nun wirklich einen langen Bart.
      Du warst derjenige, der mir vor Jahren den modernen Briefstil vermittelt hat.
      Da schrieben wir noch: Hochachtungs-voll.
      Dann…
      Mit freundlichen Grüßen … heute würde ich den Brief beenden:
      Sonnige Grüße aus Heinsberg – bleiben Sie gesund.

      Zeitblüten begleiten mich seit Jahren und waren und sind immer noch eine grosse Bereicherung. Vielen Dank, lieber Burkhard…

      Die Sonne scheint, genieße den Tag
      Helga

      Helga Geiger antworten
  • J. Wolbersen

    Danke für die Zusammenstellung. Ich bin ein Freund der Vielfalt in der Sprache. Deshalb werde ich auch weiterhin die eine oder andere “Floskel” verwenden. Das macht den Schreibstil weniger plump und es können manchmal Nuancen gesetzt werden, die derjenige versteht, für den sie bestimmt sind.

    J. Wolbersen antworten
  • Joachim Wolbersen

    P.S. zum Zitat: “Schreibe wie Du redest, dann schreibst Du schön.”: Ein großes Problem ist heute, dass viele Menschen so schreiben, wie sie reden. Da sie nicht gepflegt sprechen, schreiben sie auch nicht gepflegt. Und da sie nicht gepflegt denken, wissen sie häufig nicht einmal, was sie sprechen wollen. Besser wäre es, wenn mehr gedacht als gesprochen und mehr gesprochen als geschrieben würde.

    Joachim Wolbersen antworten
  • Dirk

    Sprachvokabular ist vielfältig, es zu reduzieren oder in bestimmten Absichten zu vereinfachen bzw. “umzuformulieren”, finde ich als Vorschlag teils interessant, aber als Aufforderung auf bestimmte Sätze zu verzichten, als etwas zu hart/belehrend. Gerade in geschäftlichen E-Mails (private Briefe sind ja eher ausgestorben), in denen man oft Dateien beifügt, ist “anliegend” oder “in der Anlage” treffend und kurz, die Alternativsätze vermeiden dann zwar diese Wörter, sind aber sehr ausschweifend und dann wieder für klare kurze Sätze die Entscheidungsträger gerne lesen zu lang/missverständlich. Auch andere Formulierungen wie “Rückfragen” (jederzeit kann man dabei gut weglassen) sind bekannter Standard und jeder weiß sofort was gemeint ist, ähnlich in eingeschränkter Form auf “bezüglich…”. Krampfhafte Umformulierungen bezwecken manchmal das Gegenteil.

    Ich finde gerade, auch um noch etwas Niveau in der Sprache zu halten, kann man auch mal leicht veraltete Wörter benutzen, um nicht auch noch selber der Verflachung beizutragen. Und oft muss es bei E-Mails auch schnell gehen, dann sind Standards auf allen Seiten einfach am einfachsten zu verwenden. Es gibt da teils auch abweichende Meinungen in der Lehre, die im kaufmännischen sogar auf eine möglichst einfache Sprache zielen. Der Satz: “Sehr gern sende ich Ihnen mit diesem Schreiben die gewünschten Unterlagen.” enthält “mit diesem Schreiben”. Da lautet dann die Theorie hier unnötig Text zu schreiben, denn das Schreiben liegt ja vor. Effizienter / einfacher ist dann wieder das unerwünschte “hiermit”, wobei ich keine Veraltung erkennen kann. So kann man Sprache sicher aus vielen Gesichtspunkten sehen: Niveau, Effizienz oder Modernität. Da weichen natürlich auch die Vorlieben naturgemäß ab und im Berufsleben muss man ggf. auch wieder Erwartungen erfüllen. Auch spielen die Adressaten und Themen eine wichtige Rolle bei der Wortwahl.

    Dirk antworten
  • Claudia Betzeler

    Vielen Dank für die interessanten Alternativen!

    Einiges hat man schon damals bei Bewerbungsschreiben gelernt, aber manchmal ist es gut, sich so einiges wieder ins Gedächtnis zu rufen.

    Claudia Betzeler antworten
  • Renate

    Lieber Herr Heidenberger, das ist wieder mal ein Augenöffner für mich dieser Artikel, wie so viele von Ihnen, danke!

    Renate antworten
  • Christine

    Vielen Dank, da war vieles dabei, das ich gut umsetzen kann. Viele der Vorschläge gefallen mir – es tut mir gut wieder mal über meine “Floskeln” nachzudenken und die eine oder andere zu hinterfragen.

    Christine antworten
  • Bettina Janke

    Lieber Herr Heidenberger,

    wieder einmal wunderbar einfache Tipps, die auch meinen Schreibstil sicher weiter verbessern werden. Dürfte ich diesen Artikel für die interne Kommunikation in unserem Unternehmen verwenden? Selbstverständlich mit einem Hinweis auf die Quelle, von der ich dies übernommen habe. Danke für eine kurze Info.

    Lieben Gruß
    Bettina

    Bettina Janke antworten
  • Christoph

    Hm, schwierig. Also einerseits stimme ich Ihnen gerne zu, dass hier und da Formulierungen überdacht werden sollten. Mir klingt immer noch der Satz aus einem Training nach: “Man verbleibt heute nicht mehr…” Da gibt es sicherlich zeitgemäßere Lösungen, die auch ein bisschen Persönlichkeit in die geschäftliche Kommunikation bringen können. Ob ich allerdings jeden “herzlich” grüßen möchte, weiß ich auch nicht. “Viele”, “liebe” oder gar “schöne” Grüße passen halt auch nicht an jeder Stelle. Richtig ist: Gedanken machen und hier gerade auch bewusst vom Standard abweichen. Je nachdem, wo mein Adressat lebt, kann ich “aus dem Hohen Norden”, aus einer bestimmten Stadt grüßen oder auch mal “sonnige Grüße” senden, wenn ich weiß, dass mein Gegenüber auch gerade das Fenster weit geöffnet hat.

    Andererseits haben “Floskeln” auch oft den Vorteil, dass sie eingespielt sind. Da versucht niemand etwas hineinzuinterpretieren. Und dann gibt es ja immer auch unterschiedliche Aussagen: “Ich würde mich über eine Antwort freuen” (ob die jetzt wirklich “Ihrerseits” sein muss, lasse ich dann auch dahingestellt) lässt dem Empfänger zumindest von der Formulierung her offen, ob er wirklich antworten möchte. “Ich freue mich auf Ihre Antwort” baut da ein bisschen mehr Druck auf, finde ich. Was man allerdings auch bewusst nutzen kann.

    Noch ein Schmankerl am Rande: Ich bin neulich in einem Dankschreiben über das Wort “mithin” gestolpert. Ich glaube, das war in dem Moment nicht wirklich zielgruppenorientiert. Ich kenne das Wort nur in einem Zusammenhang (Deutschland): “Mithin sind zu wenig entrichtet…” aus meinem Steuerbescheid. Fand ich bemerkenswert. Als dann die (unter 30-Jährige) Verfasserin des Schreibens ein paar Sätze später noch “indessen” verwendete, freute sich zwar mein Sprachliebhaber-Herz, aber irgendwie passte da etwas nicht…

    Christoph antworten
  • LukyW

    Vielen Dank für diesen äußerst hilfreichen Artikel!

    Ich muss zu meiner großen Schande gestehen, dass ich bislang lediglich bei der Floskel #6 richtig gelegen bin. Und das obwohl ich immer nach bestem Wissen und Gewissen auf meinen Stil geachtet habe, aber offensichtlich war er ausbaufähig.

    Sie haben mir die Augen geöffnet und ich werde diese eindeutig besseren Alternativen definitiv im Hinterkopf behalten.

    LukyW antworten

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