Betriebliche Gesundheitsförderung: So fördern Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter

Dass Mitarbeiter einen wesentlichen Anteil an der „gesunden“ wirtschaftlichen Entwicklung eines Unternehmens haben, ist ja keine neue Erkenntnis.

Allerdings sollten Unternehmer auch selbst ihren Beitrag leisten, um durch entsprechende Maßnahmen und Rahmenbedingungen die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern – und da sind wir schon bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF).

Vor allem in den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich einiges in den Köpfen der Unternehmer und Entscheidungsgremien getan und der Stellenwert der betrieblichen Gesundheitsförderung ist deutlich gestiegen.

Die Gründe hierfür sehe ich

  • darin, dass in vielen Branchen und Arbeitsbereichen die Arbeitsbelastung durch den wirtschaftlichen Druck und die Entwicklung neuer Technologien enorm zugenommen hat und deshalb eine entsprechende Anforderung gewachsen ist (je höher die Arbeitsbelastung, desto stärker die negativen Einflüsse auf die physische und psychische Gesundheit jedes Einzelnen),
  • in der fruchtenden Aufklärungsarbeit diverser einschlägiger Medien und Institutionen und in dem daraus resultierenden Bewusstmachungsprozess bei Unternehmern,
  • in den durch die Politik geschaffenen Rahmenbedingungen (z. B. steuerliche Vorteile bei der Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen).

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Eine von vielen Möglichkeit: den Mitarbeitern eine gesunde Pausenkost zur Verfügung stellen

Die Mitarbeitergesundheit beeinträchtigende Faktoren

Nun gibt es diverse Faktoren, welche die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter negativ beeinflussen können. Hier einige Beispiele:

  • Stress (insbesondere wenn er über einen längeren Zeitraum andauert)
  • hohes Arbeitspensum
  • ineffiziente Arbeitsabläufe
  • schlechtes Betriebsklima
  • Mobbing
  • autoritärer Führungsstil (z. B. Druck durch Vorgesetzte)
  • fehlende Perspektive im Unternehmen und mangelnde Motivation der Mitarbeiter
  • hoher Genussmittelkonsum (auch im Unternehmen)

Auf diese Belastungsfaktoren – insbesondere wenn sie über einen längeren Zeitraum einwirken – reagieren der Körper und/oder die Psyche: etwa durch Angst, Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten, chronische Müdigkeit, Magenprobleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, Burn-out etc.

Eine Win-win-Situation

Bieten Sie hingegen Ihren Mitarbeitern ein Gesundheitsprogramm an, betreiben Sie also aktive betriebliche Gesundheitsförderung, kommt das sowohl Ihrem Unternehmen als auch den einzelnen Mitarbeitern zugute. Eine Win-win-Situation!

Was ein Gesundheitsförderungsprogramm Ihrem Unternehmen bringt

Die Umsetzung eines solchen Programms in Ihrem Unternehmen fördert nicht nur die Gesundheit der Belegschaft, sondern weist zusätzliche Vorteile auf, die da wären:

  • Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation

    Zufriedene und motivierte Mitarbeiter zeigen mehr Engagement, sind leistungsbereiter und -fähiger und weisen eine höhere Loyalität gegenüber Ihrem Unternehmen auf.

  • Reduzierung der Fehlzeiten

    Die betriebliche Gesundheitsförderung führt längerfristig zu einer deutlichen Reduzierung der krankheitsbedingten Fehlzeiten, was wiederum zu einer Kostensenkung durch weniger Krankheits- und Produktionsausfälle führen kann.

  • Mitarbeiterbindung

    Die Gesundheitsförderung ist auch ein Signal der Wertschätzung an die Belegschaft und steigert den Wohlfühlfaktor. Je wohler sich ein Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen fühlt, desto stärker wird die Bindung an das Unternehmen.
    Die Fluktuation und die daraus resultierenden Kosten nehmen ab. Denn jeder Mitarbeiterabgang ist mit einem Kosten- und Zeitaufwand verbunden (z. B. für den Bewerbungsprozess, die Einschulung, Einarbeitung, …).

  • Steigerung der Produktivität

    Ein gesundheitlich stabiler Mitarbeiter wird auch die täglichen Herausforderungen besser bewältigen können, was sich wiederum positiv auf die Produktivität Ihres Unternehmens auswirkt.

  • Reputationssteigerung

    Ein umfassendes Angebot an gesundheitsfördernden Maßnahmen trägt auch wesentlich zur Reputation bzw. zur Außenwirkung Ihres Unternehmens bei.

  • Attraktiver Arbeitgeber

    Gesundheitsprogramme in Unternehmen erhöhen auch deren Attraktivität als Arbeitgeber. Als attraktiver Arbeitgeber tun Sie sich bei der Rekrutierung von Fachkräften wesentlich leichter.

  • Konkurrenzfähigkeit wird erhöht

    Alle diese aufgelisteten Vorteile durch die betriebliche Gesundheitsförderung tragen letztlich auch zur Wettbewerbsfähigkeit Ihres Unternehmens bei.

Nicht ohne finanziellen Aufwand – aber …

Abhängig vom Umfang des Gesundheitsprogramms ist dieses natürlich mit mehr oder weniger Kosten verbunden. So entstehen Kosten beispielsweise für die Abwicklung von Kursen und Vorträgen, die Beiziehung externer Experten zur Prozessbegleitung und die Freistellung von Mitarbeitern für die Durchführung von Maßnahmen.

ABER: Der finanzielle Aufwand darf in diesem Zusammenhang nicht als reine Kostenstelle gesehen werden. Denn die zu erwartenden nachhaltigen Effekte (die ich oben aufgelistet habe) lassen sich nicht so einfach in Zahlen quantifizieren.

Steuerliche Vorteile berücksichtigen

Bei der Kostenplanung für die betriebliche Gesundheitsvorsorge gilt es, auch die steuerlichen Vorteile zu berücksichtigen. So unterstützt der Staat (in Deutschland) gesundheitsförderliche Maßnahmen bis zu einer Höhe von 500 Euro pro Jahr und Person (sozialabgabe- und steuerfrei).

Dieser steuerfreie Betrag betrifft nicht nur innerbetriebliche Maßnahmen, sondern auch Aktionen, die von Mitarbeitern privat organisiert werden. So sind zum Beispiel Barzuschüsse durch Sie als Arbeitgeber möglich, sofern sich die Arbeitnehmer mit einem speziellen Bewegungstraining fit halten oder sich das Rauchen abgewöhnen wollen –  detaillierte Informationen dazu können Sie hier nachlesen.

Konzept zur Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung

Wollen Sie eine umfassende betriebliche Gesundheitsförderung durchführen, bedarf es einer sorgfältigen Planung. Die Umsetzung besteht aus folgenden Schritten:

Schritt 1: Budgetierung & Abklärung bez. finanzieller Förderungen

Im ersten Schritt sollten Sie zumindest grob festlegen, welches Budget innerhalb welchen Zeitraums Sie für die Gesundheitsförderung zur Verfügung stellen können und wollen.

Holen Sie auch Informationen ein, welche steuerlichen Vorteile Sie für Ihr Unternehmen nutzen können. Auch Krankenkassen bieten teils finanzielle Unterstützung und Experten, die Ihnen bei der Planung beratend zur Seite stehen.

Schritt 2: Bedarfsermittlung

Unternehmern sind die vorrangigsten Faktoren, welche die Mitarbeitergesundheit intern beeinträchtigen, häufig gar nicht richtig bewusst. Wie oben aufgelistet, können diese durchaus vielfältig sein. Erst wenn diese bekannt sind, lassen sich im weiteren Verlauf effizient Hebel ansetzen und gezielte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung durchführen.

Nun können diese beeinträchtigenden Faktoren bei einem Mitarbeitergespräch ermittelt werden – was natürlich nur in kleineren Betrieben praktikabel ist. In größeren Unternehmen kann auch eine anonyme Befragung (z. B. mittels einer Umfrage auf einer Intranetseite) durchgeführt werden.

Des Weiteren ist es sinnvoll, Personen aus den verschiedenen Bereichen im Unternehmen an einen Tisch zu holen, um eine Bestands- und Anforderungsanalyse durchzuführen.

Schritt 3: Maßnahmenplanung

Budget ist bekannt. Bedarf ist bekannt. Im nächsten Schritt werden konkrete Ziele zur Gesundheitsförderung formuliert und die entsprechenden Maßnahmen und Zuständigkeiten festgelegt (Maßnahmenplan aufstellen).

Dabei ist es empfehlenswert, für die interne Gesundheitsförderung verantwortliche Personen zu bestimmen, die auch die Umsetzung der definierten Maßnahmen regelmäßig kontrollieren. Abhängig von der Unternehmensgröße können das Mitarbeiter im Personalwesen und/oder Mitglieder des Betriebsrates sein. Auch eine gezielte Weiterbildung/Ausbildung dieser Personen ist ratsam.

Die BGF kann auch im Unternehmensleitbild – sofern es eines gibt – berücksichtigt werden.

Betriebliche Gesundheitsförderung – Beispiele

Im Folgenden habe ich einige Beispiele aufgelistet, die Ihnen als Inspiration bei der Ermittlung von Maßnahmen dienen sollen.

1. Gemeinschaftsverpflegung

Wer unter Zeitdruck arbeitet, gönnt sich oft kein ausgewogenes und gesundes Essen. Häufig sind aber auch schlichtweg die Bequemlichkeit und das fehlende Bewusstsein dafür verantwortlich, dass sich die Arbeitnehmer mit ungesundem Fastfood versorgen. Ein Schokoriegel ist schnell ein- und ausgepackt.

Dem lässt sich entgegenwirken: Bei Vorhandensein einer Kantine können die Betreiber angehalten werden, das Speisenangebot nicht nur vielseitig, sondern auch gesund zu gestalten. Oder den Mitarbeitern wird eine gesunde Pausenkost kostenlos zur Verfügung gestellt.

2. Präventionsprogramme und Entspannungskurse

Im Rahmen der Gesundheitsförderung können für die Belegschaft spezielle Präventionskurse organisiert werden, beispielsweise Kurse zur Raucherentwöhnung oder übergewichtige Mitarbeiter erhalten Unterstützung von fachlich geschulten Ernährungsberatern, überforderte Arbeitnehmer erfahren im Rahmen von Entspannungskursen, wie man mithilfe von Yoga, Meditation oder autogenem Training Stress besser bewältigen kann.

Auch einschlägige Vorträge zu verschiedenen Gesundheitsthemen kommen bei den Arbeitnehmern in der Regel gut an und fördern deren Gesundheitsbewusstsein.

3. Betriebssport

Etliche größere Unternehmen verfügen über eigene Fußball- und Turnvereine. Die Aufnahme ist für die Mitarbeiter kostenlos. Gesundheitsfördernd sind auch regelmäßige Sportveranstaltungen. So könnten Sie Ihren Mitarbeitern beispielsweise anbieten, einmal in der Woche an einem festgesetzten Termin gemeinsam unter fachkundiger Anleitung zu trainieren.

4. Gesundheitsgutscheine

Geburtstage, Jubiläen, aber auch das Weihnachtsfest bieten einen Anlass, um der Belegschaft für ihre treue Mitarbeit zu danken und sie mit einem kleinen Geschenk zu überraschen. Hierbei kann es sich etwa um eine Saisonkarte für das städtische Schwimmbad, einen Kursgutschein im örtlichen Sportverein oder bei der VHS oder aber um ein Wellness-Angebot handeln.

Im optimalen Fall wird dieses Sport-Angebot nach Nutzung der Gutscheine selbstständig fortgeführt, wenn z. B. ein Mitarbeiter merkt, wie gut ihm das regelmäßige Schwimmen (durch die Nutzung der geschenkten Saisonkarte) tut.

5. Firmeneigene Fitnessräume

Ich kenne mittlerweile auch einige Unternehmen, die ihrer Belegschaft interne Fitnessräume zur Verfügung stellen, in denen die Mitarbeiter nach Feierabend oder in den Pausen kostenlos trainieren können. Auch Tischtennisplatten und Laufbänder animieren zur Bewegung.

6. Obsttage

Wie wär’s mit einem wöchentlichen Obsttag? Ihre Mitarbeiter finden an diesem Tag auf ihrem Platz ein eigenes Körbchen mit süßen Früchten und knackigem Gemüse. Oder es steht ein großer, gefüllter Korb für alle bereit. Ob wöchentlich, mehrmals die Woche oder täglich, ist natürlich auch von der Mitarbeiteranzahl und dem vorgesehenen Budget abhängig.

7. Wasserspender oder gesunde Getränke

Wie wichtig regelmäßiges und ausreichendes Trinken für die Gesundheit ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Hier in Österreich sind wir glücklicherweise mit einem ausgezeichneten Trinkwasser gesegnet. Das ist in vielen Ländern nicht der Fall. Dann bieten sich Wasserspender an, welche die Belegschaft zum Trinken animieren.

Aber auch ein Angebot an gesunden Getränken wie natürliche Fruchtsäfte, Tees etc. verleiten zum regelmäßigen Trinken.

8. Gesundes Raum- und Arbeitsklima

Natürlich spielt auch die Arbeitsumgebung für die Gesundheit eine Rolle. Helle, freundlich gestaltete Räume heben die Stimmung und fördern das Wohlbefinden. Eine regelmäßige Frischluftzufuhr versorgt die grauen Zellen mit ausreichend Sauerstoff und macht müde Geister wieder munter. Pflanzen tragen nicht nur zu einer angenehmen Atmosphäre bei, sondern verbessern auch die Raumluft und das Raumklima.

9. Sporttage

Wie wäre es beispielsweise mit einem Nordic-Walking-Tag pro Monat oder mit betrieblich organisierten Spaziergängen? Dabei kann man sich hervorragend über berufliche Themen austauschen und zudem ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kollegen aufbauen.

10. Ergonomische Arbeitsmittel

Die Arbeitsmittel sollen auf alle Fälle ergonomisch gestaltet sein. Dadurch werden typische Büroarbeitsplatz-Beschwerden (Rückenschmerzen, Verspannungen, Kopfschmerzen) reduziert oder gänzlich vermieden.

Beispiele aus der Praxis

Das Deutsche Bundesministerium für Gesundheit zeigt auf seiner Website Beispiele von größeren Unternehmen, bei denen eine betriebliche Gesundheitsförderung umgesetzt wurde:

Weiterführende Informationen:

Zum Weiterlesen: 



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