Kennen Sie den Unterschied zwischen effizient und effektiv?

„Sie arbeiten zwar effektiv, aber nicht effizient!“ Haben Sie das schon mal gehört? Auch im Zusammenhang mit Zeitmanagement und Produktivität werden diese beiden Adjektive häufig verwendet. Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen effizient und effektiv?

Dem ein oder anderen mag die Antwort klar sein. Für alle anderen möchte ich den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz an einem Beispiel erläutern.

Effektivität und Effizienz – ein Beispiel

Nehmen wir an, ich hätte einen großen Garten. In diesem Garten steht ein morscher Baum, den ich fällen muss, damit er nicht auf mein Dach kracht. Mein Ziel ist es also, den Baum zu fällen. Alle Maßnahmen, die ich ergreife, um dieses Ergebnis zu erreichen, sind effektiv.

Nehmen wir weiter an, mir ist fad und ich suche die Herausforderung. Also beginne ich, den Baum mit einer Feile zu bearbeiten. Auch wenn ich dafür ein ganzes Jahr benötige, bis der Baum abtransportiert werden kann, arbeite ich mit der Feile effektiv. Effektiv deshalb, weil ich im Sinne meines Zieles arbeite – also Fällen des Baumes.

Wenn ich hingegen den morschen Baum möglichst schnell am Boden liegen haben will, verwende ich eine Motorsäge. Ich brauche nicht mehr ein Jahr, sondern zehn Minuten. Mit der Motorsäge arbeite ich also nicht nur effektiv – also im Sinne des gewünschten Ergebnisses –, sondern auch noch effizient.

Nochmals zusammengefasst

  • Effektiv arbeite ich dann, wenn ich etwas mache, das zum gewünschten Ergebnis bzw. Ziel führt.
  • Effizient arbeite ich, wenn ich das gewünschte Ergebnis bzw. Ziel mit geringem
    (Zeit-)Aufwand
    erreiche.

Effizientes Arbeiten ist möglich, wenn mir die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen. Wenn ich eine scharfe Axt verwende, dann arbeite ich effizienter als beispielsweise mein Nachbar, der sich mit einer stumpfen Axt abmüht.

Ich komme effizienter, also in einer kürzeren Zeit zum gewünschten Ergebnis, obwohl der Nachbar und ich beide effektiv arbeiten.

Zum Weiterlesen:

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Kommentare

  • Brigitte

    Sehr geehrter Herr Heidenberger,

    eigentlich wollte ich heute früh schlafen gehen (Stichwort “ausreichender Schlaf”), aber der Besuch auf Ihrer super-informativen Site war in diesem Fall bestimmt viel bereichernder. :)

    Schön, dass Sie so offen und großzügig sind und sozusagen jedem einen Zugang zu Informationen geben, die sonst oftmals nur in speziellen Seminaren für spezielle Menschen angeboten werden.

    Vielen Dank!!

    Antworten
  • Lena

    Ihnen vielen Dank für die Erläuterung. Alles wirklich klar. Ist für mich sehr interessant, dass es im Deutschen so feine Unterschiede gibt. In der russischen Sprache findet man solche Unterschiede nicht. Glaube, diese zwei Wörter kann man nur mit einem Begriff ins Russische übersetzen.

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  • Aleksej

    DANKE. (jetzt “kapisch” ich es, 100%)

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  • Lisa

    Vielen Dank für diese Erklärung und das überaus einleuchtende Beispiel.

    Vor drei Jahren in der achten Klasse haben wir mal eine ganze Deutschstunde mit unserem Lehrer darüber angeregt diskutiert. Dummerweise habe ich das “Ergebnis” verdrängt oder ähnliches, jedenfalls ist mir der Unterschied nicht mehr klar gewesen.

    Und gerade jetzt in der elften Klasse während ich meine Facharbeit schreibe, beginne ich wieder einmal darüber zu sinnieren, weil es mir schon wichtig wäre, den möglichst am besten entsprechenden Begriff zu verwenden. Und da finde ich Ihre Seite, die mich rettet, zugleich aber auch hinsichtlich des Fortschritts der Arbeit behindert, denn ich habe mich hier erstmal festgelesen. ;) Doch ich muss sagen, dass sich das echt gelohnt hat.

    Nochmals danke dafür,
    Lisa

    Antworten
  • Julia xD

    Danke vielmals!

    Ich bin im 1. Lehrjahr in der Schweiz als Detailhandelsfachfrau und muss das übermorgen in einem Test können. Ich vertausche die immer, aber jetzt ist mir einigermaßen wieder klar, wie das gemeint ist … danke. ;)

    Antworten
  • Michael Grunert

    Effizienz und Effektivität:

    Es ist effektiv, die Fliege mit einem Panzer niederzumachen! Effizient ist es jedoch nicht. Der Einsatz einer Fliegenklatsche wäre die effizientere Lösung!!

    Antworten
  • Bavarikus

    Vielen Dank für die Erklärung.

    Mich regt schon seit Jahren auf, dass die meisten Menschen die Begriffe “effizient” und “effektiv” verwechseln.

    Das ist nicht nur eine sprachliche Schlamperei, sondern es lässt auf grundsätzlich ungenaues Denken schließen. Leider ist ungenaues Denken seit einigen Jahrzehnten wohl Mode. :-)

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  • Julia

    Ich habe es auf Anhieb verstanden, danke!

    Antworten
  • Mario P.

    … nun würde ich an dieser Stelle noch um eine kurze Erläuterung bitten, ob man “effizient” überhaupt noch steigern kann. Da scheiden sich nämlich auf höherem Level die Geister. ;)

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  • Johannes

    Hab da mal im Englischen was Nettes gelesen:

    effectiveness: doing the things right.
    (mach eine Sache richtig –> im Sinne des Ziels)

    efficiency: doing the right things.
    (mach die richtige Sache –> im Sinne des Ergebnisses)

    Antworten
  • Georg Rüttiger

    Erst wenn möglichst auf die Verwendung von Fremdwörtern verzichtet wird, besteht Klarheit. Deutsch bietet doch genug Möglichkeiten. Nur Wichtigtuer bedienen sich missdeutiger Begriffe.

    Man kann doch auch sagen, dass jemand etwas wirtschaftlich (meinetwegen auch ressourcensparend) erledigt. Oder dass jemand etwas tatsächlich oder wirklich tut.

    Antworten
  • Jürgen

    Hallo Johannes,

    dass die Engländer auf der anderen Straßenseite fahren, wusste ich ja. Aber dass sie Effektivität und Effizienz auch seitenverkehrt nutzen, ist mir neu … Effektivität heißt, die richtigen Dinge tun. Effizienz heißt, die Dinge richtig tun. :-)

    Antworten
  • Zurek Kim

    Ich habe es auf Anhieb verstanden und möchte vielen Dank sagen! (:

    Antworten
  • Norbert Neuhaus

    Mir hat folgende Erklärung immer am besten gefallen:

    Bei einem Galadinner entfacht eine Kerze einen Brand auf dem Tisch, ein Gast nimmt den Champagner und löscht den Brand. Das war sehr effektiv. Hätte er aber das Mineralwasser genommen, wäre es auch noch effizient gewesen.

    Antworten
  • Grundsätzlich kann ich Ihre Ausführungen weiterempfehlen und das Thema “Effizienz ohne Effektivität” ist brandaktuell. Viel zu oft wird der SINN einer Arbeit nicht hinterfragt, wenn man ohnehin 40 Stunden im Büro “absitzen” muss.

    Mitarbeiter stehen oft vor dem Dilemma, “eine gegebene Aufgabe (ob sie nun wichtig ist oder nicht) so ökonomisch wie möglich zu bewältigen” (Zitat: Timothy Ferris, Die 4-Stunden-Woche, Seite 85).

    Also Schluss damit, “jede verfügbare Sekunde mit irgendeiner geschäftigen Tätigkeit verplanen zu wollen” (Ferris, Seite 83) und Mut zum zielorientierten Handeln – damit Effizienz und Effektivität wieder in Einklang stehen …

    Antworten
  • Effizienz ist auf das Ziel gerichtet, Effektivität ist auf den Mitteleinsatz gerichtet. Sie verhalten sich effizient, wenn Sie auf kürzestem Weg zu Ihrem Ziel gelangen.

    Das ist meine Definition.

    Ich sehe Zeit als nur eine von mehreren Ressourcen an, die man im Auge behalten soll. Neben Zeit sind ja auch Geld und Vitalität knapp.

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  • Hallo Burkhard,

    schönes Beispiel. Das Streben nach Effizienz sollte uns alle antreiben. Denn wer mit weniger Aufwand und dadurch schneller arbeitet, kann sich schneller wieder mit Dingen beschäftigen, die ihm oder ihr Spaß machen.

    Ich finde, in der IT gibt es mittlerweile ziemlich viele Programme, die einen IT-Consultant wie mich dabei super unterstützen.

    Was bist du eher? Effizient oder effektiv?

    Gruß
    Matthias

    Antworten
  • Hallo Burkhard,

    das kenne ich leider! ;-)

    Gruß
    Matthias

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  • Jürgen Muthig

    Sehr geehrter Herr Heidenberger,

    vielen Dank für Ihr anschauliches Beispiel für den Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität. Erlauben Sie mir dennoch auf eine für mich offene Frage hinzuweisen. Sie schreiben oben:

    “Mein Ziel ist es also, den Baum zu fällen. Alle Maßnahmen, die ich ergreife, um dieses Ergebnis zu erreichen, sind effektiv.”

    Nach dieser Definition wäre es auch effektiv, wenn ich beten würde und Gott bäte den Baum mit einem Blitzschlag zu fällen. Um das ganze noch etwas weiter zu treiben: Wenn ich jeden Tag meinen Teller leer esse, arbeite ich auch effektiv auf das Ziel hin, den Baum zu fällen, wenn ich nur glaube, dass diese Maßnahme zu meinem Ziel führt.

    Ich glaube, der Knackpunkt liegt in Ihrer Formulierung, dass Ihrer Meinung nach ALLE Maßnahmen (!), die ich ergreife, um das Ziel zu erreichen, effektiv sein sollen. Nach dieser Definition würde es ausreichen, dass ich fest davon überzeugt bin, dass eine bestimmte Maßnahme zum Ziel führt. Schon dann hätte die Maßnahme das Prädikat effektiv verdient.

    Muss aber nicht die Einschränkung gelten, dass nur jene Maßnahmen effektiv sind, für die wenigstens eine minimale Wirkung auf Zielerreichung verifizierbar ist?

    Mit freundlichen Grüßen

    Jürgen Muthig

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    • Sie haben bez. dieser Einschränkung im Zusammenhang mit der Definition von „effektiv“ natürlich recht! Vielen Dank für diese Ergänzung, Herr Muthig!

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