Mit der 5-Spalten-Technik zur Work-Life-Balance

Dass es mit der Work-Life-Balance nicht ganz so einfach ist, habe ich bereits hier beschrieben. Damit eine Work-Life-Balance gelingt, müssen auch die Rahmenbedingungen im Unternehmen gegeben sein.

Aber persönlich können Sie auch einiges dazu beitragen.

Sie können sich die Balance am Beispiel einer Wippe vorstellen. Wollen Sie erreichen, dass die Wippe im Gleichgewicht ist, gilt es, das Gewicht entsprechend gleichmäßig zu verteilen.

Was heißt das jetzt bezüglich Work-Life-Balance?

Wenn die Balance zwischen Berufs- und Privatleben fehlt, so muss man den Zeitaufwand für die einzelnen Lebensbereiche umverteilen, die Wippe also ins Gleichgewicht bringen.

Hier kann die 5-Spalten-Technik helfen.

Gehen Sie dabei am besten so vor:

  • Nehmen Sie einen Notizblock und einen Stift zur Hand.
  • Nutzen Sie das Querformat und unterteilen Sie die Seite in 5 Spalten.
  • Dann kommen folgende Spaltenüberschriften dran:
  • Lebensbereiche: Das sind all jene Bereiche in Ihrem Leben, die Ihnen wichtig sind oder die Verpflichtungen mit sich bringen – also Bereiche, aber auch Personen, die Ihre Zeit brauchen oder in Anspruch nehmen. So könnte beispielsweise in dieser Spalte stehen:
    Beruf, Kinder, Partner, Freunde, Sport, Hobby
    Zeitaufwand/Woche: In dieser Spalte notieren Sie den Zeitaufwand pro Woche (Sie können auch ein anderes Zeitintervall wählen), den Sie für die einzelnen Bereiche bzw. für die jeweilige Person aufwenden.
  • Wenn Sie nun untereinander alle Lebensbereiche und den jeweiligen Zeitaufwand aufgelistet haben, so sehen Sie vor sich den Status quo.
  • In weiterer Folge überlegen Sie, welcher Lebensbereich zu kurz kommt in Ihrem Leben und wie viel Zeit Sie in Zukunft dafür aufwenden möchten. Das ist die dritte Spalte. Hier können Sie auch einen Mindest- oder Maximumwert eintragen.
  • In der nächsten Spalte geht es um die Anzahl der Stunden, die Sie für den jeweiligen Bereich umverteilen möchten.
  • Und zum Schluss noch die wichtigste Spalte – die Maßnahmenspalte. Hierein notieren Sie mögliche Maßnahmen, um in Zukunft den gewünschten Zeitaufwand für den einzelnen Lebensbereich zu erreichen.

Beispiel:

Lebensbereiche Zeitaufwand/Woche gewünschter Zeitaufwand Stunden umverteilen Maßnahmen
Beruf 60 Stunden max. 50 Stunden 10 Stunden
  • Arbeiten (welche genau) extern vergeben, auslagern
  • mehr Aufgaben delegieren
  • neue Mitarbeiter einstellen etc.
Obmann im Sportverein 3 Stunden 3 Stunden
  • ehrenamtliche Tätigkeit abgeben

Mit dieser 5-Spalten-Technik erhalten Sie einen guten Überblick über die aktuelle Situation. Oft werden einem damit erst Potenziale und Ressourcen bewusst, die man nutzen kann.

Ebenso kann diese Aufstellung verdeutlichen, dass mit dem derzeitigen Beruf eine wirkliche Work-Life-Balance nicht zu erreichen ist. Hier gilt es dann, abzuwägen und eine Entscheidung zu treffen – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen, z. B. Berufswechsel mit weniger Stress und eventuellen Gehaltseinbußen, aber mehr Zeit für die Familie und Hobbys.

Wenn auch Sie das Gefühl haben, dass es alles andere als eine Balance zwischen Ihrem Berufs- und Privatleben gibt und Sie in dieser Hinsicht auch etwas ändern möchten, dann nutzen Sie im ersten Schritt diese 5-Spalten-Technik.

Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • Daniele

    Hallo,

    ein echt guter Beitrag, der mir ein wenig hilft, mein Problem in Sachen “Work Life Balance” zu lösen.

    Mein Problem ist, ich bin sehr auf Weiterentwicklung “fixiert”.
    Ich hab einen Beruf und komme (weil ich pendle) um 19:00 Uhr nach Hause.
    Früher habe ich Dinge getan, die mir halfen. Sie waren nicht entspannend, aber sie brachten mich weiter (z. B. Bücher lesen).

    Nun aber, wegen dem Pendeln, komme ich nach Hause und bin mehr oder weniger ein Couch Potato, was schade ist. Und dann ist der Tag schon um und ich ärgere mich ständig, dass ich nicht weiter komme. Auch weil ich früh ins Bett gehen muss, weil ich so kurz vor fünf schon aufstehen muss.

    Das Pendeln bring meine Work-Life-Balance wirklich ins Wanken.
    Aber wenn ich tatsächlich z. B. um zehn schlafen gehe und bis dahin drei Stunden was Vernünftiges mache, habe ich vom Tag auch nichts mehr. Also wie da rangehen? Ist es eher ein Motivationsproblem?

    Daniele antworten
    • Danke für Ihren Kommentar! Zu Ihrer Frage:

      > Ist es eher ein Motivationsproblem?

      Eine “Fernanalyse” ist immer etwas schwierig. Aber gemäß Ihren Ausführungen scheint es tatsächlich eher ein Motivationsproblem zu sein.

      Vielleicht fehlt Ihnen als Perspektive ein lohnenswertes Ziel vor Augen, das Sie dazu motiviert, diese drei Stunden entsprechend zu nutzen, anstatt die Couch vorzuziehen.

      Vielleicht können Sie die tägliche Zeit des Pendelns für die Weiterbildung nutzen? Beispielsweise, indem Sie in dieser Zeit Bücher lesen, sollten Sie mit einem öffentlichen Verkehrsmittel pendeln. Wenn Sie hingegen mit dem Auto fahren, können Sie z. B. entsprechende Hörbücher nutzen.

      Kommen Sie dann nach Hause, haben Sie bereits etwas für Ihre Weiterbildung getan und können die verbleibende Zeit noch zur Entspannung nutzen.

      Burkhard Heidenberger antworten

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