Wie Sie in Ihrem Kind die Freude am Lesen wecken

Die Ergebnisse der Pisa-Studien zeigen es immer wieder auf: Die Lesekompetenz der Kinder lässt stark zu wünschen übrig. Die Gründe hierfür sind unterschiedlicher Natur.

Ein Hauptgrund besteht sicherlich auch darin, dass in der heutigen Medienflut der Reiz des Buches untergeht. Kinder lesen immer weniger. Computerspiele, Internet, Fernsehen – all das übt in der Regel einen größeren Reiz als das Lesen aus.

Warum die Lesekompetenz wichtig ist

Und hier liegt auch die Gefahr. Denn die Lesekompetenz ist enorm wichtig für die Weiterentwicklung des Kindes, für das Wissen, das Lernen und generell für die Forcierung der (Denk-)Fähigkeiten. Wird die Freude am Lesen nicht zeitig vermittelt, bleibt die Lesekompetenz mit den daraus resultierenden Fähigkeiten auf der Strecke.

Wenn Sie hingegen dem Kind von klein auf die Freude am Lesen, die Begeisterung für Bücher vermitteln, halten diese in der Regel auch ein Leben lang an, auch wenn später andere Interessen und Medien in den Vordergrund treten.

Deshalb sind vor allem wir Eltern gefordert und später auch die Pädagogen. Denn die Freude am Lesen kommt nicht von alleine.

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Die Magie der Bücher: Wenn Kinder in andere Welten eintauchen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen können …

Aber wie vermitteln Sie Ihrem Kind die Freude am Lesen?

Hierzu 12 Tipps:

1. Beginnen Sie zeitig

Der Spaß am Lesen sollte bereits im Vorlesealter geweckt werden, also schon bevor das Kind selbst lesen kann. Bilderbücher sind hierfür hervorragend geeignet. Oder Bilderbücher mit etwas Text, der von den Eltern gelesen wird. Damit wird dem Kind das Bewusstsein und das Interesse für das Lesen geweckt.

2. Führen Sie Leserituale ein

Rituale sind für Kinder sehr wichtig. Sie bieten ihnen Orientierung und geben ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Ein „Leseritual“ könnte beispielsweise die tägliche Gutenachtgeschichte sein.

Unser kleiner Sohn freut sich immer darauf. Einen Tag darf er ein Buch auswählen, den anderen Tag meine Frau oder ich, abhängig davon, wer den Vorleser gibt. Auch für uns Eltern ein wertvolles Ritual.

Neben den Vorzügen des Lesens vermittelt dieses Ritual auch Geborgenheit und Verbundenheit.

3. Füllen Sie das Haus mit Büchern

In einem Haus bzw. einer Wohnung ohne oder mit wenigen Büchern wird auch nicht großartig die Lust am Lesen aufkommen. Deshalb sollten Sie dafür Sorge tragen, dass im direkten Umfeld des Kindes auch Bücher zur Verfügung stehen.

4. Platzieren Sie Bücher griffbereit

Aber eine Wohnung voller Bücher ist auch nicht sonderlich gewinnbringend für das Kind, wenn diese für ihn nicht erreichbar sind. Deshalb sollten die (Kinder-)Bücher auch in für das Kind greifbarer Nähe platziert werden. Auch ein aufgeschlagenes Buch am Tisch kann zum Lesen und Schmökern animieren.

5. Richten Sie einen Leseplatz für Ihr Kind ein

Kinder schätzen einen Platz, an den sie sich zurückziehen können. So ein Rückzugsort kann auch als Leseplatz eingerichtet werden – und wenn es nur eine gemütliche Ecke im Kinderzimmer ist, Hauptsache das Kind fühlt sich dort wohl.

6. Seien Sie ein „Lese-Vorbild“

Kinder orientieren sich immer an Vorbildern. Und die erste Vorbildrolle im Leben des Kindes übernehmen die Eltern.

Wenn die Eltern nicht zum Buch greifen, wird sich dem Kind auch kaum der Reiz der Bücher erschließen.

Wenn hingegen Kinder ihre Eltern gelegentlich in einem Buch vertieft sehen, übt das auch eine Vorbildwirkung auf das Kind aus.

7. Sprechen Sie über Bücher

Viele Eltern finden heute selbst kaum die gewünschte Zeit, um sich einem Buch in Ruhe zu widmen. Neben einem fordernden Beruf stehen weitere tägliche Verpflichtungen an, die wenig Zeit zum Lesen eines Buches erlauben.

Sie können dem Kind auch in Gesprächen die Vorzüge des Lesens und dadurch die Lust am Lesen vermitteln. Aber es sollte nie in einen Zwang ausarten.

Wie ein guter Verkäufer einem potenziellen Kunden sein Produkt schmackhaft redet, gilt es auch als Elternteil, dem Kind das Lesen als attraktiv zu „verkaufen“.

8. Auf die Inhalte kommt es an

Je eher der Inhalt eines Buches den Interessen des Kindes entspricht, desto leichter fällt es, die Begeisterung für das Lesen zu wecken und aufrecht zu erhalten. Deshalb sollten Sie Ihrem Kind auch selbst die Bücherwahl überlassen. Natürlich muss der Inhalt auch dem Alter des Kindes entsprechen.

9. Der „Bücherhimmel“

Als unser Sohn noch ein Kind war, besuchte ich regelmäßig mit ihm die Hauptbibliothek hier in Wien – ein Paradies für alle Leseratten. Eine Riesenauswahl an Kinderbüchern. Da bekam er stets große Augen, auch weil es sich so herrlich schmökern lässt. Man will ja nicht jede Woche ein neues Kinderbuch kaufen, das dann nach einiger Zeit nicht mehr gelesen wird, weil Kinder auch aus Büchern „herauswachsen“.

Eine gut ausgestattete Bibliothek bildet hier eine ausgezeichnete Möglichkeit, den Bedarf an Büchern zu decken. Die Abwechslung beim Lesestoff erhält auch den Lesereiz aufrecht.

10. Damit das Vorlesen nicht langweilig wird

Aber auch das Vorlesen selbst können Sie unterhaltsam gestalten, um dem Kind den Wert eines Buches bzw. des Lesens in ein positives Licht zu rücken. Monotonie beim Lesen dämpft die Spannung und das Interesse auf den Inhalt.

Mit unterschiedlicher Lautstärke beim Lesen können Sie dem Kind Stimmungen vermitteln – so wird beispielsweise durch allmähliches Lauterwerden Spannung erzeugt. Aber nicht nur die Lautstärke gilt es zu variieren, auch die Stimme selbst. Diese kann beispielsweise den in der Geschichte vorkommenden Figuren entsprechend angepasst werden. Je mehr Gestik, Mimik, Lautstärke und unterschiedliche Stimmen beim Vorlesen mit einfließen, desto lebendiger wird für das Kind das Buch und umso prägender der positive Eindruck auf das Lesen.

11. „Diskutieren“ Sie über den Inhalt mit Ihrem Kind

Nach dem Vorlesen sollte mit dem Kind auch über den Inhalt der Geschichte bzw. des Buches gesprochen und diskutiert werden. Fragen stellen, z. B.:

Was hat dir an der Geschichte am besten gefallen? Was weniger? Hättest du auch so gehandelt, wie der kleine Max in der Geschichte? Was glaubst du, warum …

Jedes Buch bietet eine Unmenge an Fragen, die dem  Kind gestellt werden können. Damit setzt sich das Kind weit aus intensiver mit dem Inhalt auseinander.

12. Loben Sie für das Lesen

Kinder lechzen nach Anerkennung. Und Anerkennung sollte ihm auch zuteil werden, wenn es zum Buch greift. Auch damit können Sie dem Kind den Reiz am Lesen vermitteln.

Begeistern Sie Ihr Kind für das Lesen! Machen Sie ihm Lust auf Bücher! Es wird Ihrem Kind nachhaltig eine Bereicherung und von Vorteil sein.

Abschließend noch eine von Peter Lüders eingesandte „kleine Anekdote aus seinem Leben“:

Meine Mutter hat mir auch immer vorgelesen und dann oft – weil sie müde wurde oder absichtlicht :-D – an teils doch recht spannenden Stellen aufgehört und gesagt, dass sie morgen weiterliest.

Sie meinte auch oft: „Wenn du erst mal selber lesen kannst, dann kannst du länger lesen.“

Ich war dann immer enttäuscht, fuchsig oder wie man das am besten beschreiben könnte.

Und so brachte sie mich quasi von selbst darauf, dass ich unbedingt lesen lernen wollte.

War ein voller Erfolg. Noch heute lese ich gern, ab und an auch vor.

Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • Susanna Haller

    Lesen ist meine grösste Leidenschaft … und dabei waren wir nach Kriegsende und weitab vom Dorf wohnend nie so verwöhnt an Zugang zu Büchern wie das heute ist.

    Wie kamen ich und meine Geschwister trotzdem zu dieser grossen Liebe? Schon kaum auf der Welt spielten Vater und Mutter mit uns, und in einem Sing-Sang Verse sprechend, bewegten sie unsere Händchen und Füsschen – wiegten uns und sangen uns kleine Lieder vor.

    Später erzählten sie uns Geschichten über die Zeit, als sie noch Kinder waren. Vater schenkte Mutter zu Weihnachten immer Bücher, sie erzählte uns aus ihnen – Vater war selber sehr belesen und seine Geschichten waren immer ganz besonders. Zu Weihnachten schenkten die Tanten uns dieses und jenes Kinderbuch, Schätze die wir hüteten. Die älteren Brüder lasen mir dann vor – ich war von Beginn an fasziniert von den Formen der Buchstaben der Worte, welche da die Bilder beschrieben.

    Einen Kindergarten kannten wir nicht. Wir gingen gleich in die erste Klasse der Volksschule.
    Nach den ersten Übungen Buchstaben zu schreiben, erkannte ich plötzlich die Zusammenhänge – dass die Buchstabenfiguren sich zu Lauten formten – aus den Buchstabengruppen Worte wurden.

    Ich weiss noch wie ich unterwegs auf dem Schulweg das Schild „Konsumverein Steffsiburg-Thun und Umgebung“ entziffern konnte und damit, es immer vor mich hin brabbelnd, heimkam – natürlich betonte ich alles falsch und verstanden habe ich gar nichts.

    Aber mir ist geblieben, wie sich Vater darüber freute und mir dann beim nächsten Besuch im Laden erklärte. Ab da war ich nicht mehr zu bremsen und Vater musste sich etwas ausdenken. Noch heute muss ich unterwegs alles lesen.

    Vater betrieb eine Benzintankstelle an der Landstrasse fern vom Dorf, und für seine Kundschaft hatte er Strassenkarten.
    Diese waren mit kleinen Bildern geschmückt, wo sich Sehenswürdigkeiten befanden. Er schenkte mir eine dieser Karten. Dazu holte er das KNAURS-Lexikon hervor und nun gingen wir am Sonntagnachmittag auf imaginäre Reisen, da ging ich ins erste Schuljahr.

    Die ersten „Fahrten“ waren kurz – bis in die nächste Stadt. Schon diese auf der Karte zu finden, war nicht ganz einfach. Vater war viel herumgekommen und kannte die Strecken auswendig. Dann liess er mich im Lexikon die Orte suchen und ich las ihm vor, was da über diese stand. Meistens wusste er noch mehr dazu und erzählte. Er hatte eine unglaubliche Geduld.

    Dann las ich ihm aus der Zeitung vor, zuerst kleine Artikel aus der Umgebung und er versuchte zu erklären, so dass ich verstand um was es geht.

    Vater hat mir damit wunderbare Eigenschaften fürs Lesen mitgegeben.
    Ich lernte das ABC richtig nutzen, um mir Informationen im Lexikon zu suchen, eine Fähigkeit später Wörterbücher rasch zu Eigen zu machen. Er brachte mir spielerisch bei vernetzt zu denken, Fakten miteinander zu verbinden und neues Wissen aufzubauen.

    Ich lernte unser Land kennen und später das nahe Ausland, ohne dort gewesen zu sein. Er brachte mir schon in der Primarschule geschichtliche und politische Zusammenhänge bei.

    Oft ging er mit uns in die nahen Berge wandern, wir lernten Steinproben erkennen und Pflanzen. Diese suchte ich dann im Lexikon, legte mir ein Herbarium an und beschrieb das Gefundene noch bevor das in der Schule zum Thema wurde.

    Lesenkönnen, ist viel, viel mehr als ein Buch von Anfang bis zum Ende zu lesen – es ist das ganze Leben – immer wieder. Es geht nicht um Pisa-Studien und um Noten .. es geht um viel mehr … um die Neugier und auf Reisen zu gehen mit den Geschichten – um die Freude zu entdecken – immer wieder neu!

    Susanna Haller antworten

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