Ärger, Wut im Bauch – was tun?

Wohl jedem von uns ist schon mal so richtig die Wut, der Ärger hochgekommen. Und in diesem Zustand würde man gerne dem Ärger-Verursacher so richtig die Meinung posaunen. Ärger und Wut soll man auch zulassen. Aber wir sollten vorsichtig sein mit Handlungen, die wir aus Wut setzen – in der Regel unbedacht.

Ein chinesisches Sprichwort bringt es auf den Punkt:

Wer wütend ist, verbrennt oft an einem Tag das Holz, das er in vielen Jahren gesammelt hat.

Viele Beziehungen, sowohl geschäftlicher als auch privater Natur, sind aufgrund einer unbedachten Wutreaktion in die Brüche gegangen oder hinterließen einen Kratzer im Gemeinschaftsband.

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Manchmal muss man „Dampf ablassen“ (Bild: Fotolia©Brian Jackson)

6 Tipps im Umgang mit Ärger

Aber was soll man mit der Wut im Bauch anfangen? Dazu 6 Tipps:

1. Ärger zugestehen

Gestehen Sie sich Ihren Ärger zu. Es bringt nichts, den Ärger runterzuschlucken und zu allem Ja und Amen zu sagen. Irgendwann kommt dieser wieder hoch. Und dann ist die Reaktion häufig weitaus unberechenbarer und unkontrollierter.

2. Raus an die frische Luft

Wenn Sie die Möglichkeit haben, dann gehen Sie raus an die frische Luft. Das tut gut und reinigt die Wut-Gedanken. Am besten frische Luft in Kombination mit Bewegung.

3. Niederschreiben

Der Person, die Ihren Zorn verursacht hat, nicht gleich alles an den Kopf werfen. Genau solche ersten Wut-Reaktionen hinterlassen häufig verbrannte Erde. Schreiben Sie Ihre Wutauslöser nieder. Dieser Schreibprozess trägt auch dazu bei, dass die Gedanken wieder klarer werden.

4. Die andere Seite (versuchen zu) sehen

Versetzen Sie sich auch in die Lage der Person, die Sie zur Weißglut gebracht hat. Versuchen Sie, deren Gründe zu sehen, vielleicht sogar zu verstehen.

5. Darüber schlafen

Natürlich kommt es auf die Situation an, aber wenn möglich, versuchen Sie, nicht sofort zu reagieren. Was oder wer auch immer Sie zur Weißglut gebracht hat.

Mit dem Handy ist das auch so eine Sache. Jeder ist heute immer und überall erreichbar. Hat man den Ärger-Verursacher nicht direkt vor sich, so kann man ihn aber sicher gleich mit dem Handy erreichen, um Dampf abzulassen. Auch das sollte tunlichst vermieden werden. Zuerst einmal das erhitzte Gemüt abkühlen lassen und dann kann man immer noch zum Handy greifen.

6. Gesicht wahren

Auch wenn es nicht immer leichtfällt und Sie Ihren Ärger bei der betreffenden Person loswerden:

Versuchen Sie das immer so, dass Ihr Gegenüber dabei das Gesicht nicht verliert. Damit beweisen Sie Größe.

Niemals Ausdrücke „unter der Gürtellinie“. Die Auseinandersetzung auch nicht vor anderen (unbeteiligten) Personen suchen.

Buch-Empfehlung – mit alltagstauglichen & effektiven Tipps:


Meine Erfahrung

Aus eigener Erfahrung: Ich habe mich über den Inhalt einer E-Mail bzw. über deren Absender geärgert. Die erste gewollte (unbedachte) Reaktion: zum Hörer greifen und diesen Ärger kundtun. Was ich dann aber doch bleiben ließ.

Also habe ich eine Antwort-E-Mail geschrieben. Auch mit geschriebenen Worten kann man seinem Ärger Luft machen. Aber ich habe die E-Mail nicht gleich versendet. (Das mache ich ohnehin nie bei „heiklen“ E-Mails. Wenn möglich, schlafe ich eine Nacht darüber. Und damit bin ich in der Regel immer gut gefahren.)

Am nächsten Tag habe ich wieder einen Blick auf meine nicht versendete Antwort-E-Mail geworfen und war überrascht, was ich so in meinem ersten Ärger niedergeschrieben habe. Dann kam die Textüberarbeitung dran.

Wie gehen Sie mit Ärger und Wut um?

Zum Weiterlesen: 



Kommentare

  • Rowinja

    Zum Thema Wut:

    Raus an die frische Luft ist immer gut. Wenn man sich mal austoben will, um schneller wieder runterzukommen, empfehle ich die Eiswürfel-Methode:

    Eiswürfel mit voller Kraft gegen die Fliesen in der Dusche werfen. Das macht ordentlich Krach, aber nichts geht kaputt und man muss nachher nichts mehr demütigenderweise aufräumen.

    Es wirkt erstaunlich schnell. Meistens braucht man keine zweite Ladung!

    Rowinja antworten
  • Dalida

    :-))) Ja das ist super, vorausgesetzt man findet 10 Liter Kübel voll knallharter Eiswürfel. Mir genügen 10 Stk. nicht bei meinem Temperament. Wenn schon, denn schon!!!

    —- Ich habe auch eine “*Eiswürfelmethode”, MEINE Methode. Ich laufe, laufe und laufe … wie Forest Gump :-)))) Mensch, ich laufe manchmal 5 km am Tag.

    Fazit:

    Die teuersten Nikelaufschuhe kaputtgelaufen, Hüftgelenk rechts entzündet, mein Mann hats gar nicht gemerkt, dass ich nicht zu Hause war, und das Problem hat daheim schön gewartet. Man kann nicht davonlaufen.

    Dalida antworten
    • Birgit K.

      Liebe Dalida,

      bei bestimmten Problemen ist es wichtig, die eigenen Bedürfnisse auszusprechen, sich selbst klar zu werden, was man möchte oder auch nicht. Die eigenen Gedanken bestimmen die darauf folgenden Gefühle und daraus entsteht dann die Stimmung.

      Gefühle erstmal sich selbst zugestehen und wahrnehmen, annehmen. Erst danach kann Veränderung entstehen. Sich annehmen wie mann/frau ist, Selbstliebe und Selbstwert erarbeiten.
      Ich würde mich freuen, wenn die Worte helfen ohne zu nahe treten zu wollen.

      Liebe Grüße
      Birgit K.

      Birgit K. antworten
  • Heiemarie

    Da ich ja auch Malerin/Künstlerin bin, habe ich folgende Taktik:

    Wenn mich jemand ärgert oder es belastet mich etwas, male ich einfach das dazugehörige Bild. Das sieht dann so aus, dass ich z. B. eine Person, die mich tagsüber konfrontiert hat, zeichne und alle mir erdenklichen, für diese Person passenden Worten dazu schreibe.

    Dieses Bild stelle ich dann auf eine Staffelei in meinem Atelier und schaue es mir jeden Tag an. Manchmal kommen noch Worte oder Zeichnungen dazu und dann, nach einiger Zeit, muss ich über dieses Bild lachen.

    Damit sehe ich die Person in einem anderen Licht und kann tagsüber im Büro – oder wo auch immer Konfrontationen stattfinden – herrlich damit umgehen.

    Heiemarie antworten
  • Burgfräulein

    Zum Thema Wut: Ich schreibe meistens vorm Schlafengehen einen Wutbrief an die Person, die diesen Stress bei mir auslöste – dann gehe ich schlafen.

    Wenn ich den Wutbrief am nächsten Tag nochmals entspannt durchlese, muss ich oft lachen, zerreiße ihn und hoppla – der Bösewicht, der das Übel verursachte, hat plötzlich keine Macht mehr über mich und das strahle ich dann aus.

    Wenn der Täter sich mal wieder das Opfer sucht, das er für eigennützige Zwecke missbrauchen kann, ist der Wutbrief die ideale Lösung. Es befreit immens und die Belastung, die der andere auf einen übertragen will, ist wie weggeblasen.

    Burgfräulein antworten
  • Klaus

    Mir hilft es, Wut über Mitmenschen abzubauen, indem ich mir den Satz in Erinnerung rufe:

    „Wer sich ärgert, büßt die Schwächen (original: Sünden) anderer.“ (Konrad Adenauer)

    Klaus antworten
  • Sandra

    Ich unterscheide da gerne zwischen …

    1. … begründetem Ärger, der gesund ist und sich meldet, wenn jemand meine Grenzen verletzt oder sich unfair verhält.
      Dann gibt es eine klare Ansage zurück. Das musste ich aber erst lernen. Ich habe viele Jahre lang solche Grenzverletzungen eingesteckt und mich nachher über meine eigene Konfliktscheu geärgert. Manchmal ist einfach umgehend Contra angesagt, sonst macht man sich zum Schaf und Fußabtreter.
    2. … gibt es aber noch Wutauslöser, die mit meinen eigenen wunden Punkten zu tun haben. Das sind Dinge, die ich mir selbst heimlich vorwerfe, oder Themen und Menschen, die mich in der Vergangenheit verletzt haben.
      An dieser Wut merke ich dann, es gibt noch Altes zu bearbeiten oder loszulassen, mein Gegenüber hat damit wenig zu tun.
      Es gibt allerdings auch Menschen, die gezielt provozieren und versuchen, bei mir solche Knöpfe zu drücken. Ein Grund mehr, mein Leben und mich selbst mehr zu akzeptieren, damit mich solche Sticheleien nicht mehr treffen können.

    In jedem Fall mache ich aber sofort eins:

    Wenn mich die Stresshormone fluten und Kampf, Flucht oder Erstarrung auslösen wollen, atme ich erst mal ganz tief durch und versuche, innerlich auf Abstand zu gehen, damit ich nicht wieder automatisch reagiere. Das ist Übungssache. Es gelingt mir auch nicht immer, aber schon viel besser als früher.

    Sandra antworten
  • Halim

    Ich möchte gerne an der Stelle mein eigenes Zitat mit Ihnen teilen:

    “Wer sich selbst steuern kann, kann die Welt steuern”.

    Darunter sollte man erst “Selbstbeherrschung” verstehen.

    Wutbeherrschung ist Hauptvoraussetzung für die Selbstbeherrschung.

    Ich arbeite an der Wutbeherrschung seit Jahren und kann mittlerweile meine positive Erfahrungen gerne weiterleiten:

    Wer geärgert wird, sollte erst eine Weile still bleiben, ein-/ausatmen und danach über den Fall nachdenken. Schließlich sollte man stark-intelligent- mit der Gewinner/Leader-Mentalität reagieren, also nicht mit Schreien, sondern mit smarten Worten und immer cool. ;)

    Nicht unsere Stimme sondern unser Wort muss stark sein.

    Vielen Dank für Ihre inspirierende Informationen.

    Halim antworten
  • Hubert Hürlimann

    In Besprechungen zähle ich von 1 auf 10. Ich habe extra einen Zettel in meiner Mappe, dass ich daran denke. Ich weiss dann – mein Gegenüber regt mich auf – aber das ist mein Problem – mein Triggerpunkt.

    Hubert Hürlimann

    Hubert Hürlimann antworten
  • Eva-Maria Spötta

    Kaum etwas ist so eilig, dass man sofort reagieren muss. Deshalb schlafe ich grundsätzlich immer mindestens eine Nacht darüber, wenn möglich sogar mehr. Ganz besonders dann, wenn ich jemandem am liebsten sofort mal ordentlich die Meinung sagen will.

    Im Schlaf verarbeiten wir sehr viel und oft zeigt sich dann eine Lösung, an die man im ersten Ärger nie gedacht hätte. Das hat sich ganz besonders bei Dingen, die juristische Folgen haben können, bewährt. Oft liegt die Lösung eines Problems in der angemessenen oder klugen Reaktion.

    Eva-Maria Spötta antworten
  • Danyela

    Ich gehe joggen. Das macht den Kopf frei und die Wut ist weg.

    Danyela antworten
  • Gerti

    Hallo zusammen,

    ein Punkt glaube ich, ist beim “Überärger” richtig wichtig: Nachdem man durch Atmen, Laufen udgl. schon ein bisschen Distanz gewonnen hat, auch noch kritisch zu hinterfragen, ob es sein könnte, dass ich beim anderen irgend was übersehe, das ihn oder sie so reagieren lässt.

    Wenn man sich nicht ganz sicher ist, wäre dann statt sich abzureagieren, die nobelste Art mit einer Frage zu reagieren: WARUM hast du das so oder so gemacht oder siehst du das so oder so?!? Und erst wenn man mit der Erklärung nicht zurecht kommt, die eigene Wut/Enttäuschung äußern.

    Gerti antworten
  • gersti

    Hallo an ALLE,

    gerade hatte ich mächtige Wut im Bauch, dann bin ich für 2 Min ins Freie gegangen, wieder gekommen und habe noch nicht die richtige Art gefunden, es meinem Gegenüber kontrolliert mitzuteilen, deshalb lasse ich mein Mund zu.

    Ich dachte, kuckst mal im Netz, was dazu geschildert wird, und kam auf diese Seite, hat mir total gut getan, die Kommentare zu lesen und zu merken, dass es ja anderen auch so geht, auch die Vorschläge sind klasse, aber manches mal kommt die Nacht erst zur ganz späten Stunde :) also Danke an Euch LG Gersti

    gersti antworten

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