Der böse Brief

Wut, Ärger – man möchte am liebsten richtig auf den Tisch hauen und dem Ärgerverursacher die Meinung ins Gesicht schmettern.

Aber nicht immer kann und soll man seinem Unmut freien Lauf lassen. Denn mit den daraus folgenden Konsequenzen hat man häufig noch mehr Ärger am Hals.

Wut und Ärger sind keine guten Berater. Sie verleiten zu voreiligen Handlungen.

Es bleibt immer etwas hängen

Zu schnell kommen in der emotionalen Situation Worte über die Lippen, die sich nicht mehr zurücknehmen lassen. Auch eine Entschuldigung wird in den seltensten Fällen alles gerade biegen. Es bleibt immer etwas hängen. Ein chinesisches Sprichwort bringt es auf den Punkt:

Es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder aufzusammeln.

Deshalb sollten Sie, wenn es die Situation erlaubt, erst mal Ruhe einkehren lassen. Der Ärger wird dadurch voraussichtlich nicht weniger, aber daraus resultierende unüberlegte Handlungen werden vermieden.

Dazu ein Tipp: Schreiben Sie der betreffenden Person einen „bösen Brief“ (oder eine E-Mail).

boese-brief

Schreiben Sie drauflos

Ziehen Sie sich hierfür an einen Ort zurück, wo Sie nicht gestört werden. Ein Blatt und einen Stift zur Hand nehmen. Nun formulieren Sie Ihre Wut in geschriebenen Worten.

Dabei brauchen Sie auf die Wahl Ihrer Worte überhaupt nicht achten – einfach drauflosschreiben, wie sie Ihnen in den Sinn kommen. Nennen Sie die Person im Brief auch beim Namen.

Und dann das Blatt in ein Kuvert geben – das gehört dazu. ABER! Nicht abschicken! Irgendwo gut verstauen und darauf achten, dass der Brief nicht in die falschen Hände gelangt oder gleich entsorgen.

Wozu das Ganze?

Es geht ausschließlich um das Niederschreiben. Denn das Schreiben ist ein befreiender, reinigender Prozess. Die Wut wird zwar nicht ganz verschwinden, aber doch in ein erträglicheres Maß abklingen.

Noch einen Vorteil hat dieses Niederschreiben: Sie gewinnen dabei etwas Abstand und dadurch lassen sich Ereignisse objektiver betrachten.

Und aus dieser Perspektive zeigen sich oft Wege für die Konfliktlösung, die sonst vielleicht verborgen bleiben.


Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • A.Hoffmann

    Sehr geehrter Herr Heidenberger,

    ich wollte mich erst mal bei Ihnen für die ganzen hilfreichen Informationen bedanken.

    Sie bringen es genau auf den Punkt, mit diesem chinesischen Sprichwort:

    Es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder aufzusammeln.

    Bei schwerwiegenden Beleidigungen, worüber ich mich geärgert habe, angegriffen war und Beschuldigungen, die mich verletzt, gekränkt haben, ging es mir genauso, sodass ich geschwiegen und nichts mehr gesagt habe, nur noch nachgedacht …!

    A.Hoffmann

    A.Hoffmann antworten
  • Silvana

    Es ist auch mal schön, die Wut und den Ärger rauszulassen, wo er grade war. Wenn die Fronten mal so richtig “geklärt” werden in aller Härte, können sich daraus die schönsten Freundschaften entwickeln.

    Vor allem Wut runterzuschlucken macht krank. Ich habe meine Wut immer runtergeschluckt, bis ich mich in der Notfallaufnahme wieder sah, mit monströsem Bluthochdruck. Dann hab ich die Wut rausgelassen, so wie ich es für richtig hielt, und es kam nie wieder.

    Manchmal kann man Ärger und Wut auch so umfunktionieren, in dem man Scherze draus macht und somit richtig schön kreativ wird. Z.B. habe ich bei einem eine Strapsenfahne an den Gartenzaun gehangen. Ja ja, die Lausbubgeschichten … :-D

    Silvana antworten
    • Ja, da haben Sie natürlich recht! Wut und Ärger richtig rauslassen, kann auch eine sehr reinigende und letztlich positive Wirkung haben. Es kommt auf die Situation, die Umstände, die involvierten Personen etc. an.

      Eine Strapsenfahne an den Gartenzaun hängen … das ist wirklich kreativ! ;-)

      Burkhard Heidenberger antworten

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