Burnout – Erfahrungsberichte & Hilfe: „Der dritte Burnout war mein Wendepunkt.“

Von einem Burnout (vom englischen „burn out“: ausbrennen) spricht man bei einem chronischen Zustand der physischen und psychischen Erschöpfung. Diese Erschöpfung resultiert in der Regel aus einer Überforderung, die über einen längeren Zeitraum andauert.

Ein Urlaub bringt auch keine große Linderung, da man danach sofort wieder im belastenden (Arbeits-)Alltag gefangen ist. Davon berichten auch Betroffene.

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Burnout: Wenn die Belastungsgrenze erreicht ist …

Erfahrungsbericht zweier Burnout-Betroffener

Im Folgenden zwei Erfahrungsberichte, die verdeutlichen, wie belastend ein Burnout sein kann, und zwar nicht nur für die betroffene Person selbst, sondern auch für das unmittelbare Umfeld, für die Angehörigen.

Erfahrungsbericht 1: „Konnte mich an nichts mehr erfreuen!“

Im Zuge einer Projektarbeit zur betrieblichen Gesundheitsvorsorge, die ich begleitet habe, erhielt ich eine E-Mail, in welcher mir der Absender seinen Burnout schilderte.

Mit seiner Erlaubnis darf ich Ausschnitte aus dieser Nachricht hier veröffentlichen. Vielleicht erkennt sich der eine oder die andere in einer ähnlichen Situation wieder:

… Ich habe gekündigt, auch wenn es ein sehr schwerer Schritt für mich war, weil der Job mir grundsätzlich gefallen hat. […] Nach der Arbeit konnte ich überhaupt nicht mehr abschalten. Eine Nacht durchschlafen war für mich nicht möglich. Am Sonntagabend hat es mir dann schon richtig den Magen zusammengezogen, wenn ich an die Arbeit am nächsten Tag dachte.

[…] Das Arbeiten in unserem Großraumbüro hat mir früher kaum was ausgemacht, aber mit der Zeit hat es mich immer mehr belastet. […] Am Anfang waren es nur Konzentrationsschwierigkeiten, die ich so sonst nie hatte. Schließlich wurde ich immer vergesslicher und konnte mich nicht mal mehr erinnern, was bei einem Kundentermin besprochen wurde, obwohl dieser nur wenige Stunden her war. […] Dann hatte ich immer ein leichtes Kopfweh, kränkelte und war anfällig für Erkältungen. Das alles kam nicht von heute auf morgen, sondern fast stufenweise.

Zu Hause war ich meistens gereizt, was auch die Beziehung zu meiner Frau und zu den zwei Söhnen stark belastet hat. Das war dann für mich eine zusätzliche Belastung und hat mich noch weiter runtergezogen. Ich konnte mich an überhaupt nichts mehr erfreuen.

Ausschlaggebend, dass ich schließlich schweren Herzens gekündigt habe, waren Angstzustände, die plötzlich auftraten. Ich hatte auf einmal Angst, Anrufe entgegenzunehmen oder in Meetings zu sprechen, was ich ansonsten gewohnt war. […]

Nach der Kündigung habe ich mir zwei Monate Ruhe gegönnt. Heute bin ich froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Schon nach einer Woche konnte ich nach langer Zeit wieder einmal richtig durchschlafen.

Ich habe nun einen weniger stressigen und verantwortungsvollen Job, der nicht so gut bezahlt ist wie mein vorheriger. Aber das nehme ich gerne in Kauf. Ich mache nun mehr Bewegung, bin möglichst oft an der frischen Luft. Ich kann nach der Arbeit endlich wieder abschalten und lachen und meine Frau sagte, dass ich wieder der bin, der ich vor dem alten Job war.

Erfahrungsbericht 2: „Der dritte Burnout war mein Wendepunkt.“

Zu seinen Burnout-Erfahrungen habe ich auch einen Betroffenen direkt befragt. Sascha Dengel hat drei Burnouts hinter sich und hat seine Erfahrungen in einem Buch niedergeschrieben. Er leitet eine Burnout-Selbsthilfegruppe.

Zur Person:

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Sascha Dengel war selbst Burnout-Betroffener und ist Autor der Bücher „Burnout-Syndrom – Krise oder Chance?“ und „Vital und gesund durch den Alltag!“.


Herr Dengel, worin besteht der Unterschied zwischen Stress und Burnout?

Burnout ist ein vegetatives Überlastungssyndrom. Anhaltender Stress kann irgendwann zu Burnout führen.

Wobei der Ausdruck Stress zu allgemein ist. Die Stressfaktoren, die schließlich zu Burnout führen, nennt man Stressoren. Diese unterscheidet man wieder in externe und interne Stressoren.

Ganz einig sind sich die Experten aber nicht, wie man Burnout definieren soll. Für manche ist es ein Prozess, der sich über die Jahre hinweg entwickelt. Für andere, und dazu zähle ich mich persönlich auch, ist Burnout ein vegetativer Zustand.

Warum sind heute viel mehr Menschen Burnout gefährdet als beispielsweise noch vor etwa zwanzig Jahren?

Ich denke, einige Gründe spielen da eine große Rolle. Unsere Gesellschaft hat sich verändert. Wir bewegen uns heute weniger, wodurch z. B. unser Gehirn schlechter durchblutet wird. Wir ernähren uns schlechter. Wir sind einer steigenden Reizüberflutung durch neue Technologien ausgesetzt.

Wir leben in einer beschleunigten Gesellschaft, niemand hat mehr Zeit. Die Arbeitsbedingungen haben sich verschlechtert, die Märkte sind global. Es gibt weniger Sicherheit bei den Jobs, was die Menschen wiederum belastet. Das alles kann bei Menschen zu psychosomatischen Erkrankungen führen, wie z. B. Burnout.

Worin sehen Sie die häufigsten Ursachen für das Burnout-Syndrom?

Zunächst will ich erwähnen, dass ein Burnout immer multifaktoriell ist. Das heißt, in den meisten Fällen führt mehr als eine Ursache (Stressor) zum Burnout-Syndrom. Oft sind es Stressoren, die mit der Arbeit zusammenhängen (Workaholic, Mobbing, zu hohe Verantwortung etc.). Aber auch Probleme im sozialen Umfeld (Familie, Partnerschaft) tragen oft dazu bei. Eine ungesunde Lebensweise begleitet meistens die Entwicklung von Burnout.

Gibt es Menschen und Berufsgruppen, die besonders gefährdet sind?

Grundsätzlich kann Burnout jeden treffen. Es gibt aber Berufsgruppen, die statistisch öfter betroffen sind. Dazu zählen z. B. Lehrer, Banker, Selbstständige und Pflegeberufe.

Unter permanentem Stress stehen heute ja viele Personen. Aber wie erkenne ich, dass ich an Burnout leide? 

Das ist schwierig. Das vegetative Nervensystem erzeugt Symptome, um uns einen Missstand mitzuteilen. Es sind also Signale, die uns etwas sagen sollen. Da das vegetative Nervensystem tausende Funktionen im Körper erfüllt, kann es tausende dazu missbrauchen.

Anzeichen können z. B. sein: chronische Nervosität, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Kreislaufprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten u. v. m.

Diese Anzeichen könnten aber genauso organische Ursachen haben. Eine internistische Abklärung durch den Hausarzt ist unerlässlich. Findet der allerdings keine organische Ursache und ist ein Überlastungsprofil vorhanden, liegt die Diagnose Burnout nahe.

Welche Folgen kann ein Burnout im Extremfall für die betroffene Person haben?

Nachhaltige organische Schäden oder Krankheiten wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Tinnitus, Magengeschwüre, Gallensteine, Depression.

Nicht zu vergessen ist natürlich auch die soziale Isolation und Vereinsamung des Burnout-Betroffenen. Die Akzeptanz der Erkrankung Burnout ist leider nicht sehr groß. Die Betroffenen fühlen sich häufig alleingelassen.

Kann ein Burnout von einem Arzt auch als solcher eindeutig diagnostiziert werden?

Nicht zu 100 %. Ich kenne einen Fall, bei dem die Diagnose Burnout zwei Jahre stand, bis man dann feststellte, dass die betroffene Person eine verschleppte Borreliose hatte.

Ob die Diagnose Burnout richtig oder falsch ist, zeigt sich meistens während der Behandlung. Schlägt diese nicht an, kann es an der Behandlung oder an der Diagnose liegen.

Nun könnte der Hausarzt meinen Burnout als vorübergehende Übermüdung abtun, auch deshalb, weil er noch keine Erfahrung mit Burnout-Patienten hat. An wen sollte ich mich dann wenden?

Das kommt leider vor. Viele Hausärzte sind mit dem Burnout-Syndrom als psychosomatische Erkrankung überfordert. Man sollte sich an jemanden wenden, der mit dem Syndrom Erfahrung hat. Das können Fachärzte sein, Psychotherapeuten, Neurologen oder Heilpraktiker. Hilfreich kann auch eine regionale Selbsthilfegruppe sein, wie ich selbst auch eine gegründet habe.

Ein Burnout tritt ja in der Regel nicht von heute auf morgen auf. Gibt es verschiedene „Entwicklungsphasen“ bzw. Stadien bis zum Burnout und wenn ja, in welchem Zeitraum spielen sich diese ab?

Es gibt in der Literatur Phasenmodelle, welche die Entwicklung von Burnout beschreiben. Für mich ist das ein eher theoretischer Ansatz, der dem Betroffenen nicht wirklich weiterhilft. Deshalb habe ich diese Theorien nie weiter verfolgt.

Was man mit Bestimmtheit sagen kann: Ein Burnout entwickelt sich oft innerhalb von mehreren Jahren. Die Symptome werden dabei immer stärker und zahlreicher. Dann braucht es meist einen Auslöser und man befindet sich in einem akuten Burnout-Zustand.

Auch wenn Betroffene wissen, dass sie an einem Burnout leiden, fällt es wahrscheinlich vielen schwer, sich selbst und dem Umfeld das einzugestehen. Haben Sie selber diese Erfahrung gemacht?

Ich selbst habe diese Erfahrung nicht gemacht. Sehr wohl wusste ich, dass ich ein psychosomatisches Problem hatte, was damals wie heute schon schlimm genug ist. Allerdings ging es mir damals so schlecht, dass ich nur gesund werden wollte.

Ich kenne aber genug Menschen, die kurz vor dem Burnout stehen, damit aber nichts zu tun haben wollen. Oftmals müssen die gesundheitlichen Probleme so stark werden, dass man gezwungen ist, einzulenken und sich der Diagnose zu stellen.

Kann man den Weg aus dem Burnout auch alleine schaffen oder ist Hilfe von außen unumgänglich?

Wer zum ersten Mal einen Burnout hat, kommt an professioneller Hilfe nicht vorbei.

Das Entscheidende sind aber nicht irgendwelche Medikamente, sondern dass der Betroffene lernt, was Burnout ist und wie man mit ihm umgehen sollte. Hat er das verstanden, kann er sich bei einem Rückfall bzw. Wiederauftreten auch selbst weiterhelfen.

Der Eigenanteil bei der Therapie ist bei Burnout sehr hoch. Und ohne bedingungslose Mitarbeit des Betroffenen geht es nicht.

Was würden Sie einer Person raten, die Ihnen mitteilt, dass sie an einem Burnout leidet?

Wenn die Diagnose steht, ist es anfangs am wichtigsten, sich zu informieren. Dabei können Bücher helfen.

Selbsthilfegruppen leisten ebenfalls einen Beitrag zum besseren Verständnis. Je nachdem, wie akut der Zustand ist, würde ich auch einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik mit Burnout-Background empfehlen.

Worin sehen Sie die größten Schwierigkeiten, auf die betroffene Menschen stoßen?

Nicht zu wissen, was Burnout eigentlich ist. Das ist das Hauptproblem! Die Ärzte haben leider nicht die Zeit, dem Patienten das ausführlichst zu erklären. Nicht zu wissen, was man eigentlich hat, macht die Leute richtig fertig.

Oft sind es ja auch äußere Umstände, die zu einem Burnout führen. Nehmen wir als Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die auf ihren Job angewiesen ist. Durch den Leistungsdruck und die Angst vor dem Jobverlust schlittert sie in Richtung Burnout. Wie könnte sie noch rechtzeitig entgegensteuern?

Es ist klar, dass alleinerziehende Mütter unter erhöhter Belastung stehen, insbesondere wenn der finanzielle Druck da ist. Pauschal kann man da natürlich schlecht etwas raten. Wichtig ist mit Sicherheit, dass die Mutter auch mal an sich denkt und etwas für sich tut. Ausreichend Schlaf und Bewegung ist hier ganz wichtig. Meistens sind es Verhaltensmuster wie Perfektionismus, fehlende Gelassenheit, unbedingt „ihren Mann stehen zu wollen“, die zusätzlichen Druck aufbauen.

Wenn dann noch der Haushalt perfekt sein muss („vom Boden essen können“), die Kinder von A nach B gefahren werden (Taxi Mama) und noch Stress mit dem Ex-Partner und Vater der Kinder vorherrscht, wird die Situation noch schwerer.

Also es ist manchmal sehr schwierig und leider wird gerade der Fall der alleinerziehenden Mutter in der Gesellschaft unterschätzt.

Nicht nur die betroffene Person, sondern auch deren Angehörige und Freunde werden damit konfrontiert. Wie können beispielsweise Familienmitglieder oder Freunde einer an Burnout leidenden Person helfen?

Eigentlich nur durch viel Geduld und Interesse an der Erkrankung.

Wir haben in unserer Selbsthilfegruppe auch Angehörige, die berichten. Die meisten verspüren ein Gefühl der Ohnmacht. Die Partnerin bzw. den Partner zur Therapie oder zur Selbsthilfegruppe zu begleiten, ist aber ein gutes Zeichen, dem anderen zu sagen: Du bist nicht allein.

Gibt es auch Medikamente, die bei Burnout verabreicht werden?

Leider ja. Es ist gängige Praxis, dass bei Burnout erst mal die ganze Palette der Pharmaindustrie ausprobiert wird. Meistens sind das Medikamente aus der Gruppe der SSRI. Diese symptomorientierte Behandlung führt aber in den seltensten Fällen zu einem nachhaltigen Erfolg.

Mit welchen Maßnahmen kann man selber vorbeugen und welche vorbeugenden Maßnahmen kann ein Unternehmen für seine Mitarbeiter treffen?

Zunächst einmal muss man sich informieren. Je mehr man davon versteht, desto besser. Das kann z. B. auch ein Unternehmen durch Vorträge und Workshops leisten.

Der/die Betroffene oder Gefährdete selbst sollte auf einen ausgeglichenen Lebensstil achten. Ausreichend Sport und Bewegung, gesunde Ernährung, ausreichend Entspannungsphasen und mehr Gelassenheit helfen sehr.

Was hat bei Ihnen zum Burnout geführt, wie haben Sie ihn überwunden?

Ich bekam die ersten gesundheitlichen Probleme. Darauf bin ich komplett zusammengebrochen und war drei Monate in stationärer Behandlung. Ausschlaggebend waren die berufliche Überlastung (Existenzgründung) und Partnerschaftsprobleme.

Durch Medikamente konnte ich dann wieder arbeiten, als ich den zweiten Burnout feststellte. Ab dem Zeitpunkt fing ich an, selbst zu forschen und mich zu informieren.

Dennoch hatte ich noch nicht genug gelernt, denn wenige Jahre später ereilte mich der dritte und bisher letzte Burnout. Dieses Mal habe ich mich selbst in die Klinik eingewiesen, weil ich spürte, eine Auszeit zu brauchen. Das war, glaube ich, der Wendepunkt. Ich entschloss mich, ein Buch über das Burnout-Syndrom zu schreiben. Heute habe ich meinen Burnout im Griff, bin beschwerdefrei und leistungsfähig.

Sehen Sie ihn heute auch als Chance zur Veränderung, die Sie wahrgenommen haben?

Absolut! Ich habe akzeptiert, dass Burnout zu meinem Leben gehört. Ich verstehe mich heute als Burnout-Aktivisten. Ich schreibe Bücher über meine Erfahrungen mit Burnout, leite eine Selbsthilfegruppe und halte Vorträge.

Ich lebe heute bewusster als früher. Insofern trifft der Titel meines ersten Buches „Burnout-Syndrom – Krise oder Chance?“ auf mich 100 % zu.

Herzlichen Dank für Ihre aufschlussreichen Antworten, Herr Dengel!


12 Phasen zum Burnout

Der Psychologe Herbert J. Freudenberger (1926-1999) war einer der Ersten, die sich auf wissenschaftlicher Ebene mit Burnout befasst haben.

Laut Freudenberger verläuft dieses „Ausgebranntsein“ in 12 möglichen Phasen, wobei die folgende Reihung nicht zwingend ist:

  1. Sich selbst und anderen stets etwas beweisen wollen,
  2. extremer Ehrgeiz, hohe Erwartungen an sich selbst,
  3. stets überarbeitet, soziale Kontakte und persönliche Bedürfnisse werden vernachlässigt,
  4. das Ignorieren von inneren Problemen und Konflikten,
  5. Zweifel am bisherigen persönlichen Wertesystem („Brauche ich überhaupt mein Hobby, das mir immer so wichtig war?“, „Sind das wirklich meine Freunde?“)
  6. Probleme werden verleugnet, die Toleranzbereitschaft nimmt ab,
  7. soziale Kontakte werden bis auf ein Minimum reduziert,
  8. Verhaltensänderungen, zunehmende Ängstlichkeit und Minderwertigkeitsgefühle,
  9. Depersonalisierung – man nimmt sich und/oder die Umwelt als verändert, als fremd wahr,
  10. Empfinden von innerer Leere, die oft durch Überreaktion (Alkohol, Drogen, Essgewohnheiten, …) versucht wird zu kompensieren,
  11. Depression mit Symptomen wie Teilnahmslosigkeit, Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit,
  12. Suizidgedanken, akute Gefahr eines psychischen und physischen Zusammenbruchs.

Hilfe & Anlaufstellen

Was hilft gegen Burnout? [Video]

Wo und wie Betroffene Hilfe finden, hat bereits Herr Dengel im obigen Interview erläutert. Hier ein weiteres Gespräch in einer Sendung zum Thema mit einem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Berlin. Er spricht über die Heilungschancen und was Sie dazu selbst aktiv beitragen können:


Burnout-Forum & Anlaufstellen für den Notfall

Selbsthilfegruppe online

Wenn Sie sich online mit Betroffenen austauschen möchten, finden Sie in diesem Forum entsprechende Möglichkeiten:

» Zum Burnout-Forum

Anlaufstellen & Notrufnummern

Hier finden Sie wichtige Rufnummern und Adressen (Deutschland, Österreich, Schweiz):

» Anlaufstellen für den Notfall

Weiterführende Informationen

Umfassende weiterführende Informationen zum Thema Burnout:

» Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie, Test: Bin ich ausgebrannt?

Hilfreiche Bücher zum Thema:

Kommentare

  • TutnichtszurSache

    Burnout ist schon eine richtige Modekrankheit geworden und für viele auch ein gutes Geschäft. Es gibt ja schon Burnouttherapeuten, Burnoutkliniken, Wellness gegen Burnout uvm.

    Ja, und mein Mitleid mit denen, die angeblich an dieser „Krankheit“ leiden, hält sich auch in Grenzen. Es gibt schlimmere Krankheiten, für die es gescheiter wär, dort Hilfe anzubieten.

    TutnichtszurSache antworten
    • Mag sein, dass sich daraus für den ein oder anderen auch ein gutes Geschäft entwickelt hat.

      Und ja, natürlich gibt es schwerere Krankheiten. Es gibt wohl immer Schlimmeres. Aber mit solchen Aussagen ist den betroffenen Personen nicht geholfen. Dann könnte man gleich jegliche Hilfe (auch für andere Krankheiten) bleiben lassen, weil es immer etwas Schlimmeres gibt.

      Für Sie mag ein Burnout nicht schlimm sein, aber für Betroffene ist er oft eine große Belastung, wie auch die obigen Erfahrungsberichte zeigen.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Brigitta

      Jeder dritte Europäer erkrankt (mindestens) einmal in seinem Leben psychisch.

      Häufig sind es Depressionen oder Angststörungen, diese werden auch statt eines “Burnout” hauptsächlich diagnostiziert. Burnout selbst ist keine Diagnose, sondern eine Zusatzbezeichnung zur Erklärung der Entstehung der Erkrankung.

      Mitleid braucht wohl niemand, der erkrankt ist! Allerdings sind “Soziale Unterstützung” und “Freundlichkeit” wertvolle Ressourcen zur Genesung bei jeder psychischen und somatischen Erkrankung!

      Brigitta antworten
    • JANNY

      Hier kann man gut erkennen, warum es schwer ist, als betroffene Person die Anzeichen oder die Krankheit anzuerkennen.

      Trotz Aufklärungen, Berichten etc. wird diese als Nichts, als Aufspielerei, als Schauspielerei abgetan. Das geht mir übrigens mit meiner chronischen Migräne, die ich schon seit Kindertagen, also 46 (!) Jahre mit mir herumschleppe, ebenso. Kein Außenstehender kann sich auch nur in etwa vorstellen, wie quälend und nervenzerfetzend diese Erkrankungen sind.

      Beim Bournout dachte ich noch, ich schaffe das, jetzt bin ich schon über zwei Jahre mit einer schweren Depression arbeitsunfähig. Bei mir treffen fast alle der genannten Auslöser zu. Dagegen anzugehen hat mir den Rest gegeben. Nicht jeder kann aus seiner Haut.

      Sie sollten froh sein, wenn es Ihnen und Ihrem Umfeld gut geht. Man kann nie vorhersehen, wie lange das so ist.

      JANNY antworten
    • Klaus

      Bei diesem Thema erinnere ich mich an einen Professor Mayer, der Anfang der 70er Jahre an der Ludwig-Maximilian-Universität, München, in seinen Psychologievorlesungen darauf hingewiesen hat, dass – bei der Einteilung der Menschheit in 600 Generationen – unsere letzte Generation qualitativ mehr Veränderung erlebt hat, als die 599 Generationen davor.

      Seine Schlussfolgerung: auf den daraus resultierenden Stress werden die Menschen vermehrt mit kindlichen Verhaltensmustern reagieren. Das beobachte ich nicht nur im Sraßenverkehr, sondern auch beim erhöhten Krankenstand von Berufstätigen. Ich habe deshalb sehr viel Verständnis für die “Modekrankheit” Burnout.

      Klaus antworten
  • Markus

    Immer mehr Menschen, selbst Jugendliche und Kinder, leiden heutzutage unter dem Überlastungssyndrom Burnout und man darf/muss sich die Frage stellen, was der Grund dafür ist, denn erstaunlicherweise kannten unsere Eltern und Großeltern solche Symptome nicht, obwohl diese nicht weniger, sondern mehr als wir arbeiten mussten.

    Einige Mediziner sind sich darüber einig, dass es nicht die Arbeit an sich, sondern das ganze „Drumherum“ ist, welches die Menschen ausbrennen lässt. Die Anforderungen an uns werden immer größer. Schauen wir in die Abläufe der meisten Unternehmen, so stellen wir fest, dass es inzwischen zum Prinzip geworden ist, die Mitarbeiter in ihrer Arbeit nicht zu fördern, sondern diese durch eine Vielzahl an zeitraubenden Aktionen von der eigentlichen Arbeit abzuhalten.

    Unzählige Meetings, Besprechungen, Brainstormings, Konferenzen, welche erfahrungsgemäß oft wenig produktiv sind, gefolgt von unnötigen Rundschreiben, Controllingmaßnahmen und Erfassungen prägen den Arbeitstag. Für das eigentliche Tun bleibt da nur noch wenig Zeit und die Arbeit bleibt liegen. Wird die geforderte Arbeit nicht zeitnah erledigt mit allen daraus entstehenden Konsequenzen, folgen dem noch mehr Sitzungen, Besprechungen, Controllings und Erfassungen, womit der Druck weiter steigt.

    Es ist nicht nur ein Gefühl, sondern eine Tatsache, dass man sich ständig irgendeinem Dritten gegenüber für seine Leistung rechtfertigen muss, zum Wohle des Unternehmens versteht sich. Ob dies am Ende tatsächlich dem Wohl der Firma dient, ist fraglich. Das Wissen, dass „dort draußen“ 50 Bewerber darauf warten, dass SIE ihren Job verlieren, wenn SIE nicht perfekt funktionieren und sich in das System einfügen und diese Bewerber noch dazu bereit sind, IHRE Arbeit für weniger Geld zu machen, verursacht zusätzlichen Stress.

    Kein Wunder also, dass manche Arbeitnehmer an dressierte Affen erinnern, welche ihre Kunststückchen aufführen, sobald der Chef in der Nähe ist. Unter diesen Umständen hilft auch kein persönliches Zeitmanagement, denn zu viele Dritte sorgen dafür, dass ihre Planung ganz sicher in die Hose geht.

    War früher die Familie der ruhende Pol im Alltag, so geht heute der Stress nach Feierabend zuhause weiter. Die Ansprüche sind gestiegen, die finanzielle Belastung auch. Bedenkt man, wie niedrig manche Löhne sind, die von Arbeitgebern bezahlt werden, dann sind finanzielle Krisen vorprogrammiert. Steigende Preise, aggressive Werbung wohin man blickt, verstärktes Besitzdenken, Konkurrenzkampf nicht nur im Beruf sondern auch im privaten Umfeld und der Leistungsdruck, unter allen Umständen „dazu zu gehören“ oder „nicht zurückgelassen zu werden“, tun ein Übriges, um den Menschen die letzte Energie auszusaugen.

    Vielleicht hat der eine oder andere schon bemerkt, dass Zuverlässigkeit, Verantwortung und Gewissenhaftigkeit immer mehr nachlassen? Sei es bei Behörden, bei Handwerkern, im Dienstleistungssektor … immer wieder stellt man fest, dass nichts mehr so läuft, wie es sollte. Falsche Ware wird geliefert, Termine nicht eingehalten, Unterlagen gehen verloren, Rechnungen werden zu hoch ausgestellt, die Qualität der Produkte geht immer mehr zurück und echter Service ist fast schon eine Seltenheit. Alles dreht sich nur noch um das „schnelle Geld“, nicht mehr um Kunden, nicht um Arbeitnehmer, nicht um Kollegen oder Geschäftspartner.

    Ich befürchte, dass dieses System schon zu sehr eingefahren ist, als dass man es noch ändern könnte. Nur der Starke gewinnt und die Schwachen bleiben auf der Strecke. Und letzteres Wissen gibt uns am Ende den Rest!

    Markus antworten
  • Marion Sieber

    Sehr geehrter Herr Heidenberger!

    Welch genialer Beitrag und informative Links übers Thema “Burnout”. Als Selbstbetroffene fand ich mich vollständig wieder.

    Die Diagnose Erschöpfungsdepression liegt zum zweiten Mal hinter mir. Das 2. mal s/s gemeldet bei der Ärztin.

    Aus vollster Überzeugung kann ich sagen, wenn DU selber DICH und DEINE Lebensweise hinterfragst und Muster durchbrichst, gehst DU reich beschenkt aus der Situation. Auch das Dasein von Familie und Freunden mit kleinen Gesten tat mir gut – einfach da waren.

    Alleine sein war nichts und eine Gesprächstherapie ist von Notwendigkeit für eine Erlernung des gesunden Maße zu finden und erlernen. Eine Auszeit in fachmännischer Begleitung ist hilfreicher Natur.

    Wichtig ist es mir geworden, NEIN sagen zu können, wo ich kein grünes Licht habe. Ein gesundes Setzen von Grenzen und das Zeitverbringen in der Natur. Ein Hören auf mein Bauchgefühl und den Kontakt zu Familie und Freunden ausgeglichen planen. Zeiten für mich alleine gönnen, fürs Kreativsein, Entspannen bei Atemübungen oder dem geliebten Hobby Backen und Kochen.

    Ich lebe viel bewusster und bin dankbar, nun mich selbst zu verwirklichen und mal “die 5 Grad sein lassen.”

    Finde die Balance zwischen Aktiv- und Passivsein. Genieße das Leben und gib acht auf DICH.

    Herzliche Grüße

    Marion Sieber

    Marion Sieber antworten
  • Karin Scharl

    Hallo und guten Tag, sehr verehrter Herr Heidenberger,

    ich kann alles, was Herr Dengel gesagt hat, genau so unterschreiben.

    Mein erster “Burnout” war am allerschlimmsten, weil mein “Umfeld” ständig zu mir sagte: “Stell Dich nicht so an – anderen geht es auch so – Du bist eine Memme – reiß Dich mal zusammen … u.s.w. … u.s.w.

    Zu dem ganzen seelischem und körperlichem Chaos, welches schon unerträglich war, kamen dieses … Da hast Du ja selber Schuld dazu .., was absolut – so – nicht stimmt – das weiß ich und wusste ich – Gottseidank – ganz genau und deshalb lebe ich auch noch! ! !

    Jedoch auf gar kein Verständnis und schon gar nicht auf Hilfe zu hoffen, war echt die “Hölle”. Was mich letztendlich stark gemacht hat, war mein großes Selbstvertrauen und das Wissen … egal was kommt, Du schaffst DAS … und heute ziehe ich sofort die Notbremse, wenn auch nur der kleinste Hauch einer Überforderung weht!

    Dann gibt es nur mich und meine Welt, meine “Achtsamkeit” auf die wirklich wichtigen Dinge, denn wenn es mir gut geht, dann geht es meinem “Umfeld” automatisch auch gut.

    Karin Scharl antworten
  • wiederGesund

    Der Erfahrungsbericht 1 regte mich an, Ihnen zu schreiben.

    Als Burnout-Betroffener war es für mich immer unvorstellbar, wie die Krankheit verläuft, welche Schritte zur Gesundung folgen, wie man wieder ins Arbeitsleben zurückkommt. Vielleicht hilft mein Bericht anderen Betroffenen bei diesen Fragen.

    Mir erging es ähnlich (wie bei Erfahrungsbericht 1), jedoch habe ich nie daran gedacht zu kündigen, weil ich das Einkommen brauchte, sondern ich sagte mir jeden Tag, ich muss weitermachen, mehrere Jahre.

    Hin und wieder war ich beim Arzt wegen anderen gesundheitlichen Fragen. Wir sprachen jeweils über meine belastende berufliche Situation, ich dachte immer, da muss ich durch, denn viele haben heute anstrengende Jobs.

    Eines Morgens brach ich zusammen, mein Verstand weigerte sich, zu arbeiten. Ich ging mit meiner Frau zum Arzt, er schrieb mich sofort unbefristet krank.

    Es dauerte fünf Monate, während denen ich mich psychosomatisch behandeln ließ und daran arbeitete, bis der Verstand wieder zu funktionieren begann und ich mir wieder zutraute, zu arbeiten. Ein erster Arbeitsversuch bei meinem früheren Arbeitgeber endete, weil er mir gekündigt hat.

    Ich suchte mir eine neue Arbeitsstelle mit weniger Verantwortung, weniger Stress, weniger Einkommen, und ich erklärte meinem neuen Arbeitgeber, was geschehen ist und dass ich künftig “kleinere Brötchen” backen muss, begleitend zur Psychotherapie.

    Die begleitende Therapie dauerte 3 Jahre, um einen Rückfall vorzubeugen. Dank der Therapie habe ich das Werkzeug, um nicht rückfällig zu werden und kann es bei Bedarf einsetzen.

    Wie geht es weiter?

    Dazu ein Zitat, aus einem Buch, von dem ich nicht mehr weiß, von wem es geschrieben wurde.

    Der Therapeut sagt zum geheiltem Patienten:

    “… Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen …” Aber das Leben bereitet mir wieder Freude, ich kann wieder lachen, empfinde wieder Genuss und überfordere mich nicht mehr selber und sage nein, wenn Überforderung droht.

    wiederGesund antworten
  • Fiona

    Ein super Beitrag! Vielen Dank dafür.

    Auch ich habe alles über Jahre ignoriert, bis ich eines morgens nicht mehr aufstehen konnte. Seitdem sind 5 1/2 Monate vergangen. Aufenthalt in einer psychosomatischen Klink mit anschließender Reha. Ich bin morgens immer noch erschlagen. In psychotherapeutischer Behandlung, aber keineswegs belastbar.

    Der Zusammenbruch und dessen Folgen waren zu heftig. Ich lerne, wieder zu genießen, zu spüren und meine Kräfte einzuteilen. Ich weiß, es wird nie wieder sein, wie es war. Konzentration, Gedächtnis, Schnelligkeit, Orientierung sind nur noch in kleinem Maße vorhanden.

    Trotz alledem bin ich dankbar, der Zusammenbruch hat mich sicherlich vor Schlimmeren bewacht und ich komme zur Vernunft.

    Wie es beruflich weitergeht habe ich keine Ahnung, aber wie bisher garantiert nicht mehr.

    Fiona antworten
  • Ein wertvoller Artikel. Vor einigen Jahren wurde auch mir die Diagnose Burnout/Erschöpfungsdepression gestellt. Ich war als Selbstständiger bis zu 15 Std. täglich mit meinem Betrieb beschäftigt, hinzu kamen Geldprobleme. Irgendwann ertappte ich mich dann dabei, dass ich die Wand anstarrte.

    Was tun? Mit Unterstützung meiner Frau schaffte ich es tatsächlich mein Leben komplett auf den Kopf zu stellen. Ich habe neue Werte für mich entdeckt, setze ganz andere Prioritäten, freue mich über das Leben. Ich bin wieder freiberuflich tätig, schaffe es aber, Leistungsdruck erst gar nicht mehr entstehen zu lassen.

    Im Nachhinein sehe ich meinen Burnout als eine große Chance, die ich dafür nutzen konnte, mein Leben neu zu definieren.

    Tom Wilhelm antworten
  • Danke an dieser Stelle für alle Erfahrungsbeiträge in den Kommentaren!

    Burkhard Heidenberger antworten

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