Gespräche in der Familie fördern: 10 Tipps

Gastbeitrag von Dr. Priska Heidenberger, Kindergartenpädagogin und Kinderbuchautorin:

Gerade in der heutigen Zeit, in der oft beide Elternteile berufstätig sind, kommt die familieninterne Kommunikation vielfach zu kurz.

Dabei sind Gespräche nicht nur wichtig für die gesunde Entwicklung des Kindes, sondern auch für die Harmonie und den Zusammenhalt innerhalb der Familie.

Mangelnde Kommunikation bietet Konflikten fruchtbaren Boden. Und Konflikte lassen sich wiederum meist nur durch die Auseinandersetzung im Gespräch lösen. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Darüber hinaus ist eine rege Kommunikation innerhalb der Familie für den Erwerb der Sprachfähigkeit für kleine Kinder von besonderer Bedeutung.

Hinsichtlich des Sprachverhaltens orientieren sich Kinder an den Gepflogenheiten in der Familie.

Unterhalten sich die Eltern untereinander oder mit dem Nachwuchs ausgiebig, dann hat das letztendlich positive Auswirkungen auf die Fähigkeit, sich klar und grammatikalisch einwandfrei auszudrücken.


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Die Kommunikation in der Familie fördern: 10 Tipps

Mit der Umsetzung der folgenden Tipps können Sie die Kommunikation in Ihrer Familie und mit den Kindern fördern:

1. Möglichst oft gemeinsam essen

Auch wenn es oftmals schwer fällt, alle Familienmitglieder zur gleichen Zeit um den Tisch zu versammeln, so sollten Sie doch zumindest ein gemeinsames Essen am Tag anstreben.

Das fördert nicht nur die Kommunikation, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl. Vor allem das Abendessen bietet eine willkommene Gelegenheit, das Tagesgeschehen zu reflektieren.

2. Gesellschaftsspiele fördern die Kommunikation

Verregnete Wochenenden und lange Winterabende haben auch ihre guten Seiten. Denn diese Zeiten sind für Gesellschaftsspiele besonders gut geeignet.

Das gemeinsame Spielen schult nicht nur das soziale Verhalten, sowie strategische Fähigkeiten und fördert die Konzentration. Während des Spielens kommt zumeist auch die Kommunikation nicht zu kurz.

3. Familienausflüge planen

Vor allem Ausflüge dienen der Kommunikation und fördern das “Wir-Gefühl”, gemeinsame Erlebnisse stärken die Verbundenheit.

Wenn immer es Ihre Zeit erlaubt, sollten sie diese auch dazu nutzen, mit Ihrer Familie etwas zu unternehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie in den Bergen wandern, einen Zoo oder einen Vergnügungspark besuchen. Möglichkeiten finden sich immer.

4. Senden Sie klare Signale

Auch im Gespräch zwischen Familienangehörigen ist es wichtig, klare Signale zu senden. Sie sollten dabei Ihre Gefühle offen zeigen und Ihre Bedürfnisse verdeutlichen.

Denn nur wenn Sie das sagen, was Sie fühlen und denken, wirken Sie glaubwürdig.

Und nur dann kann man auf Ihre Wünsche auch wirklich eingehen. Unklare Formulierungen sollten Sie daher nach Möglichkeit vermeiden.

5. Ich statt Du

Halten Sie sich mit Du-Botschaften zurück.

Denn Ich-Botschaften werden in der Regel nicht nur wesentlich besser verstanden, sondern auch positiver interpretiert.

Viele Menschen fühlen sich durch eine Du-Botschaft manipuliert. Eine Mutter sagt zum Beispiel zu ihrem Kind: „Du bist immer so fleißig in der Schule.“ In diesem Fall könnte das betreffende Kind das als „Wink mit dem Zaunpfahl“ missverstehen und auf diese Art von Aufforderung trotzig mit einer Verweigerung reagieren.

Ein Satz wie „Ich freue mich darüber, dass du in der Schule so fleißig mitarbeitest“ klingt hingegen sehr viel persönlicher.

6. Begründen Sie Ihren Ärger

Wenn Sie sich über das Verhalten Ihres Sprösslings ärgern, dann macht eine bloße Ermahnung oftmals wenig Sinn. Auf die Aufforderung „Räum endlich dein Zimmer auf!“ reagieren viele Kinder eher trotzig, da sie sich zurechtgewiesen und kritisiert fühlen und meinen, sich verteidigen zu müssen.

Andere wiederum begegnen der Anweisung mit Desinteresse. Oder umgangssprachlich ausgedrückt: Was am einen Ohr reinkommt, kommt auf der anderen Seite wieder raus.

Daher ist es lohnend, den Grund für die Anweisung zu erklären.

Beispielsweise dass Sie Angst haben, über eines der auf dem Boden liegenden Spielzeuge zu stolpern oder eines davon versehentlich kaputt zu treten. Auf diese Weise können Sie Ihr Kind viel besser motivieren als durch eine schroffe Ermahnung.

7. Hören Sie hin!

Nicht nur bei Kommunikation innerhalb der Familie ist Zuhören eine wichtige Basis für ein gutes Gespräch.

Ein gutes Gespräch ist ein Geben und Nehmen – ein Austausch. Mit aufmerksamen Zuhören drücken Sie dem Gesprächspartner Ihre Wertschätzung aus und beugen Missverständnissen vor.

Spürt ein Kind, dass Sie ihm nicht richtig hinhören, dann fühlt es sich zurückgesetzt und nicht ernst genommen. Womöglich reagiert es darauf gekränkt, oftmals ohne dass Sie das bemerken. Scheuen Sie sich nicht davor, nachzufragen, falls Sie etwas nicht richtig verstanden haben. Denn vor allem kleine Kinder lernen dadurch, sich deutlicher auszudrücken und es wird ihnen der Wert des aufmerksamen Zuhörens vermittelt.

8. Helfen Sie, die richtigen Worte zu finden

Kinder können sich noch nicht so artikulieren wie Erwachsene. Demnach sollten Sie das auch nicht anprangern.

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, die richtigen Worte zu finden, und wiederholen Sie grammatikalisch falsch gesetzte Sätze erneut in der korrekten Form, ohne das Kind für seinen Fehler zu rügen.

Reflektieren Sie das Gesagte und machen Sie deutlich, wie Sie diesen Satz persönlich verstanden haben. Mit der Zeit wird das Kind dadurch lernen, sich besser auszudrücken.

9. Ergreifen Sie die Initiative

Wenn Ihr Kind von sich aus nicht sprechen möchte oder auch ansonsten eher zurückhaltend und still ist, dann sollten Sie die Initiative ergreifen und das Gespräch suchen.

Erkundigen Sie sich nach dem Wohlergehen, nach den derzeitigen Wünschen oder nach den Ereignissen im Kindergarten oder in der Schule. Erklären Sie so viel wie möglich. Beispielsweise weshalb Sie gerade das Ei für den Pfannkuchen aufschlagen, oder warum das Auto an der roten Ampel halten muss.

Versuchen Sie stets das Kind in das Gespräch miteinzubeziehen und fragen Sie nach dessen Meinung.

10. Schreiben als Mittel der Kommunikation

Nicht nur das Sprechen, sondern auch das Schreiben von Messenger-Nachrichten, E-Mails etc. ist auch eine Form der Kommunikation. Befindet sich ein Familienmitglied außer Haus, zum Beispiel auf einer Klassenreise, im Krankenhaus oder auf einem Lehrgang, dann können Sie durch das Schreiben die Kommunikation aufrechterhalten, Neuigkeiten mitteilen und auch das ein oder andere nette Wort weitergeben. Das stärkt die Verbundenheit.

Ein reger verbaler Austausch trägt wesentlich zur Entwicklung des Kindes bei. Wird dabei auch noch auf einen respektvollen Umgang Wert gelegt, bekommt das Kind eine wertvolle Basis mit auf den Lebensweg.

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