Die Todesliste des Bären

Große Aufregung im Wald! Es geht das Gerücht um, der Bär habe eine Todesliste.

Alle fragen sich, wer denn nun da draufsteht. Als Erster nimmt der Hirsch allen Mut zusammen und geht zum Bären und fragt ihn:

„Entschuldige Bär, eine Frage: Steh ich auch auf deiner Liste?“

„Ja“, sagt der Bär, „du stehst auch auf meiner Liste.“

Voller Angst dreht sich der Hirsch um und läuft weg. Und tatsächlich, nach zwei Tagen wird der Hirsch tot aufgefunden.

Die Angst bei den Waldbewohnern steigt immer mehr und die Gerüchteküche auf die Frage, wer denn nun auf der Liste steht, brodelt.

Das Wildschwein ist das nächste Tier, dem der Geduldsfaden reißt und darauf den Bären aufsucht, um ihn zu fragen, ob es auch auf der Liste stehen würde.

„Ja, auch du stehst auf meiner Liste“, antwortet der Bär.

Verschreckt verabschiedet sich das Wildschwein vom Bären. Auch das Wildschwein fand man nach zwei Tagen tot auf.

Nun bricht Panik bei den Waldbewohnern aus. Nur das Häschen traut sich noch zum Bären.

„Hey Bär, steh ich auch auf deiner Liste?“

„Ja, auch du stehst auf meiner Liste!“

„Kannst du mich da streichen?“

„Ja klar, kein Problem!”

Autor unbekannt

Und was können wir vom Häschen lernen? Es ist nicht nur wichtig, dass man Fragen stellt, sondern dass man die richtigen Fragen stellt und das im passenden Moment. :-)

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Kommentare

  • Karin

    Erst einmal flößt einem (mir) die Geschichte/der Satz – die Todesliste – Angst ein, beim Weiterlesen revidiert sich das Ganze dann in ein gemischtes Gefühl und zum Schluss sagt das Gefühl: ja, wir sterben alle; der Verstand jedoch sagt, hätte doch jeder gleich nach der Möglichkeit gefragt/den Mut gehabt, ihn aus der Liste zu streichen, dann würde er noch (weiter)leben.

    Regt ganz gewaltig zum Nachdenken an … und das macht mich sehr zufrieden.

    Genau diese (Alltags-)Hilfe mag ich an Ihren Zeitblüten so sehr!

    Vielen Dank, sehr verehrter, Herr Heidenberger!

    Karin antworten
  • Christian

    Großartig! Diese Geschichte ist ein Dauerbrenner in jeder meiner Kommunikationsschulungen. Moral: Einfach mal miteinander reden … kann Leben retten. ;)

    Christian antworten
  • Steven Summer

    Im Leben die richtigen Fragen stellen, möglichst bei allen Gelegenheiten – entscheidend!

    Bin gerade im Krankenhaus und eine wichtige Frage an den Arzt lautete: “Darf ich auswählen, welcher Arzt Ihres Teams mich operiert?”

    “Warum denn nicht”, war die Antwort und ich war sehr froh über den Arzt meines Vertrauens, mit dem ich gerade sprach.

    Vielen Dank Herr Heidenberger für diesen Ansatz und Ihre vielen Vorlagen!

    Steven Summer antworten
  • Rosemarie Lenske

    Verblüffend einfach!

    Vielen Dank für diese erfrischende Kurzgeschichte.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Rosemarie Lenske

    Rosemarie Lenske antworten
  • Zwei alternative Enden:

    1. Das Häschen ging anschließen zur Waldpolizei und ließ den Bären wegen Mordes an Hirsch und Wildschwein verhaften
    2. Das Häschen wanderte aus

    In beiden Fällen hat das Häschen ebenfalls überlebt.

    Helmut König antworten
  • Andrea Engels

    Hallo Zusammen,

    Wirklich ein schöner Beitrag der zum Nachdenken anregt.

    Leider wird heute immer weniger miteinander gesprochen, sondern immer mehr über Social Medien
    kommuniziert.

    Dabei macht das “Miteinander Reden” doch soviel mehr aus. Dabei können manche Missverständnisse (siehe Geschichte) einfach aus dem Weg geräumt werden.

    Sonnige Grüße
    Andrea Engels

    Andrea Engels antworten
  • Tina

    Hi,

    ich selbst habe diese Geschichte einmal zur Einführung eines internen Firmen-Kommunikations-Workshops mit dem Titel “Schweigen ist Silber – Reden ist Gold” vorgelesen. Es war deutlich zu spüren, wie sehr diese zum Nachdenken angeregt hat. Aber es konnten (natürlich) auch nicht alle etwas damit anfangen und fanden die Geschichte “zu krass”. Ich persönlich finde sie genial!

    Tina antworten
  • Martin S.

    Irgendwie nicht nachvollziehbar, warum der Bär eine Todesliste hat. Wenn man den Bären durch einen Jäger ersetzt, wird es auch nicht besser…

    Martin S. antworten

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