Der Indianer und die Grille

Schon seit meiner Kindheit interessieren mich Indianer und deren Kultur. Vor allem fasziniert mich deren Naturverbundenheit. Dazu heute eine Geschichte zum Nachdenken:

Ein Indianer, der in einem Reservat lebte, besuchte seinen weißen Freund in der Großstadt. Er war verwirrt vom vielen Lärm, von der Hektik und von der schlechten Luft.

Die beiden gingen die Straße entlang. Plötzlich blieb der Indianer stehen und horchte auf: “Ich höre eine Grille zirpen”.

“Du musst dich täuschen, hier gibt es keine Grillen. Und selbst wenn, dann würde man sie niemals bei diesem Lärm hören.”

Der Indianer ging ein paar Schritte und blieb vor einem mit Efeu bewachsenen Haus stehen. Er schob die Blätter auseinander und fand die Grille.

“Natürlich hast du die Grille zirpen gehört. Dein Gehör ist besser geschult als meines”, meinte der weiße Mann.

Der Indianer schüttelte den Kopf: “Das Gehör eines Indianers ist nicht besser als das eines weißen Mannes. Ich werde es dir beweisen.”

Er griff in seine Tasche, holte ein Geldstück hervor und warf es auf den Gehsteig. Sofort blieben mehrere Leute stehen und sahen sich um.

“Siehst du, mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen, liegt ausschließlich an der Richtung unserer Aufmerksamkeit.”

Mit dieser Geschichte möchte ich Sie motivieren, die Aufmerksamkeit gelegentlich auf die Stimmen der Natur zu richten. Versuchen Sie es doch einfach mal die nächsten zwei Tage.

Hören Sie bewusst den Wind, das Rauschen der Blätter, den Regen prasseln, den Vogelgesang. Sie werden staunen, wie viel Sie wahrnehmen, wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf ausrichten.

Dieses bewusste Hinhören hilft mir auch, nach einem hektischen Arbeitstag wieder „runterzukommen“.


Kommentare

  • dieter steuer

    Wunderschöne Geschichte!

    dieter steuer antworten
  • Renate Hoppe

    Weil ich mit meinen Hörgeräten unterwegs sein muss, höre ich gerade die Geräusche der Natur nur sehr bedingt. Wenn doch, manchmal ist die Windrichtung günstig, freu ich mich sehr.

    Danke für Ihre schöne Seite und herzliche Grüße aus 24211 Preetz.

    P.S. Es gibt hier viele Wälder, Seen und Bäche und dem entsprechend viele Tauben, Enten, Gänse, Möwen, Kraniche und Fischreiher. Auch einige Adler, Milane und und kleinere Raubvögel. Weil ich weiß, dass sie da sind, gucke ich eher zum Himmel als auf den Fußweg.

    Renate Hoppe antworten

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