Trauer bewältigen – alles andere als einfach

Unter dem folgenden Beitrag haben Sie die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Es gibt dort bereits Leserbeiträge, die u. a. auch beschreiben, was bei der individuellen Trauerarbeit geholfen hat.

Jeder von uns kann in eine Situation kommen, die eine große Trauer auslöst, beispielsweise wenn man einen geliebten Menschen verliert.

Man glaubt, in ein tiefes Loch zu fallen, an dem Verlust zu zerbrechen, und hat keine Kraft, aus diesem Loch wieder rauszukommen.

Aber Trauer ist wichtig, um das Erlebte bzw. den Verlust zu verarbeiten, und jeder sollte sich diese auch zugestehen.

pxb_trauer-bewaeltigenDie Trauerphasen bestehen häufig aus vielen Aufs und Abs. In den meisten Fällen wird der Schmerz nie ganz verschwinden, man lernt nur, besser damit umzugehen.

Jeder geht anders mit Trauer um.

Während etwa die eine Person ihre Trauer nicht zeigt und damit vielleicht andere irritiert, trägt eine andere alle Traueremotionen nach außen.

Wie kann man die Trauer überwinden?

Es gibt kein Patentrezept und schon gar keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um den Trauerschmerz zu überwinden, auch weil die Trauerarbeit individuell ist.

Aber es gibt Möglichkeiten, welche die Trauerarbeit unterstützen:

Trauer überwinden, Tipp 1

Trauer zulassen

Viele Menschen glauben, sie müssen stark sein, sie dürfen ihre Trauer und die Emotionen nicht zeigen. Aber diese Überzeugung kann den eigenen Schmerz sogar steigern.

Trauer sollten Sie sich immer zugestehen und auch zulassen.

 

Trauer überwinden, Tipp 2

Reden

Den eigenen Schmerz mitteilen und über die eigenen Gefühle sprechen, kann für Trauernde eine Art Befreiung sein. Es tut einfach gut, darüber sprechen zu können/dürfen.

Deshalb: Sprechen Sie mit Ihnen vertrauten Personen über Ihren Schmerz, über Ihre Trauer.

 

Trauer überwinden, Tipp 3

Schreiben

Manche tun sich schwer damit oder wollen nicht über ihre Trauer und über ihre Gefühle reden.

Wenn auch Sie zu diesen Menschen gehören, kann Ihnen das Niederschreiben des Erlebten und der Gefühle bei der Trauerarbeit immens helfen.

Dieses Niederschreiben kann beispielsweise in Form eines Tagesbuchs erfolgen oder in Form von Briefen an den geliebten Menschen, auch wenn dieser nicht mehr da ist.

 

Trauer überwinden, Tipp 4

Ablenkung

Manche Menschen lässt eine Ablenkung die Trauer leichter „vergessen“. Sie stürzen sich in die Arbeit, treiben intensiv Sport – damit sie schmerzende Gedanken aus dem Kopf verdrängen und abends müde ins Bett fallen.

Vielleicht hilft Ihnen auch Ablenkung bei der Trauerarbeit. Welche Möglichkeiten der Ablenkung könnten für Sie infrage kommen?

 

Trauer überwinden, Tipp 5

Sich etwas Gutes tun

Im Trauerzustand vernachlässigt man die eigene Person. Und darin liegt auch eine Gefahr. Sie sollten versuchen, sich etwas Gutes zu tun – ohne Gewissensbisse. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind, die Sie sich gönnen.

 

Trauer überwinden, Tipp 6

Hilfe in Anspruch nehmen

Wenn Sie das Gefühl haben, aus der Trauerspirale nicht alleine herauszukommen, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Ansprechperson kann der Hausarzt sein, der einen Therapeuten oder auch eine Selbsthilfegruppe vermittelt.

Denn Trauernde haben oft das Gefühl, dass die Mitmenschen sie nicht verstehen und ihre Trauer nicht nachvollziehen können. Hier sollte die betroffene Person den Austausch mit Menschen suchen, die ähnlich Schweres erlebt haben. Das kann in der Selbsthilfegruppe oder in einem Internetforum sein. Gern können Sie sich auch unten in den Kommentaren austauschen.

 


Die eingesendete Zeitblüte einer Leserin (Zeitblüten sind Momente des Krafttankens):

Zeitblüte

Wenn ich das Gute in
meinem Leben zusammenzähle

Meine Mutter schenkte mir vor einigen Jahren eine kleine Magnetkachel. Darauf steht geschrieben:

Wenn ich das Gute in
meinem Leben zusammenzähle,
dann zähle ich dich immer zweimal.

Da sie kürzlich verstarb, „lebe“ ich derzeit von solchen Erinnerungsmomenten.

Margot

 


Zwei Buch-Tipps:

Von einer Trauernden (Nadine, s. u. in den Kommentaren) empfohlen. Sie schreibt:

… Mir hilft/half das Buch „Blick in die Ewigkeit” von Eben Alexander. Das gibt Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es den Verstorbenen gut geht und Hoffnung darauf, dass man sich wiedersehen wird. Und das Buch „Was bei Trauer gut tut“ von Roland Kachler …


Was fühlen Sie,
wie gehen Sie mit der Trauer um?

Unten im Kommentarbereich können Sie sich mit anderen Personen austauschen, die auch mit dem Verlust eines geliebten Menschen konfrontiert wurden.



Kommentare

  • Heinz Alenfelder

    Hallo Herr Heidenberger!

    Ihr Artikel beschreibt nach meiner Erfahrung sehr gut, was im Trauerprozess möglich ist. Ich selbst habe nach Verlust meiner Eltern sehr häufig einen nahegelegenen Friedhof besucht, da der Weg zum Grab zu weit war. Da ich weder religiös bin, noch die Gräber kannte, war das Spazierengehen ein Ausgleich für Grübeln und Sich-Grämen.

    Fast automatisch bin ich nach einiger Zeit auf mein Hobby, das Fotografieren, zurückgekommen und habe die Friedhöfe fotografiert.

    Diese kreative, konstruktive Zeit der Trauer hat mir sehr viel Ruhe gegeben und mir zu einem sehr bewussten Umgang mit meiner Trauer verholfen. Ich hoffe, auch anderen Anregungen damit geben zu können.

    Schönen Gruß, Heinz Alenfelder.

    Heinz Alenfelder antworten
    • Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag, Herr Alenfelder!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Müller M.

      Vielen herzlichen Dank für Ihre Tipps!

      Jeder muss sehen, was für ihn machbar ist. Auch ich bin frisch verwitwet. Da tut eh noch alles weh, aber man muss irgendwann nach vorn schauen und wieder leben … irgendwie.

      Müller M. antworten
      • Ruth

        Hallo M Müller,

        mein geliebter Mann ist vor 3 Monaten nach langer Leidenszeit erlöst worden.

        Ich bin unendlich traurig, aber ebenso dankbar, dass er nicht mehr leiden muss. Ich fühle mich einsam und muss jetzt versuchen, meinem Leben wieder einen Sinn und eine neue Struktur zu geben…

        Ruth antworten
    • Claudia

      Habe die Seite gerade entdeckt, mein Mann ist vor 8 Monaten verstorben mit 46 Jahren….. Lungenembolie…….

      Claudia antworten
      • Kerstin

        Hallo, mein Mann ist vor neun Monaten gestorben, es ist noch extrem schwer für mich und ich komme schlecht klar.

        Lieber Gruß Kerstin

        Kerstin antworten
        • Ivonne

          Hallo Kerstin, ich weiß ganz genau, wie es Dir geht und wie Du Dich fühlst. Ich habe meinen Lebensgefährten auch erst vor 8 Monaten verloren und mir geht es auch sehr schlecht damit.

          Ivonne antworten
      • Stefanie

        Liebe Claudia, mein Mann ist vor 10 Tagen an einer Lungenentzündung in Kombination mit seiner Herzschwäche gestorben. Er war 56 Jahre alt. Wir haben ein 6 jähriges Kind zusammen. Ich wünsche dir alles Gute!

        Stefanie antworten
      • Ivonne

        Hallo,

        ich habe meinen Lebensgefährten auch vor 8 Monaten verloren, er starb ganz plötzlich an einem Herzinfarkt. Er war erst 48 Jahre. Ich fühle mit Dir und ich weiß, wie stark der Schmerz ist.

        Ivonne antworten
      • Thomas Münchow

        Hallo Claudia,

        meine Frau ist am 13.06.2020 um 23.05 Uhr mit 49 Jahren in meinen Armen an einem Herzinfarkt verstorbenen. Es war zuvor ein wunderschöner Tag, keine Anzeichen dafür. Wir spaßten den Abend noch rum und 2 Stunden später alles vorbei.

        Die Rettungskräfte versuchten noch 35 Minuten lang, sie ins Leben zurückzuholen – es war nicht mehr möglich. Ich kann das alles noch gar nicht begreifen und weiß gar nicht, was ich machen soll. Der Schmerz ist dermaßen groß – kann sich keiner vorstellen, der Gleiches noch nicht miterlebt hat. Das Haus hat eine unbeschreibliche Leere und meine Tochter und ich sind nur am Weinen. Helfen kann einem dabei niemand.

        Thomas Münchow antworten
        • Ruth

          Hallo Thomas,

          das tut mir soo leid für Sie und ich wünsche Ihnen viel, viel Kraft und Zuversicht.

          Ich kann erahnen, wie es Ihnen geht. Meinen Mann habe ich vor 3 Monaten verloren. Ich denke, wir müssen die Trauer oder gar Verzweiflung zulassen in der Hoffnung, dass es einmal etwas besser wird, und wir die Neuorientierung unseres weiteren Lebens in Angriff nehmen können.

          Viel Mut und Vertrauen und liebe Grüsse

          Ruth

          Ruth antworten
        • Juliane

          Hallo Thomas,

          ich verstehe Ihre Trauer und die Leere, die sich ausbreitet, sehr gut. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Tochter viel Kraft und gute verständnisvolle Menschen, die Sie durch diese schwere Zeit begleiten.

          Herzlichst
          Juliane

          Juliane antworten
        • Sandra

          Hallo, mein Vater ist am 13.06.2020 verstorben. Genau 1 Monat nach der Diagnose Lungenkrebs. Er war 69 Jahre alt.

          Es ist immer noch unbegreiflich, zumal die Ärzte eigentlich recht zuversichtlich waren… Neben dem Verlust und dem damit verbundenen Schmerz ist es für mich aktuell das Schlimmste, meine Mutter so leiden zu sehen. Ich versuche ihr so gut es geht beizustehen, aber neben meiner Arbeit sind da auch noch meine Kinder und mein Mann…

          Besonders unsere Große leidet auch sehr unter dem Tod, da sie ein sehr enges Verhältnis zu meinem Vater hatte.

          Ich habe bisher noch keinen Weg gefunden, wie ich für mich mit der Situation klar kommen kann und mein Leben so gestalten kann, dass ich meiner Familie, meiner Mutter aber auch mir gerecht werde…

          Sandra antworten
          • Birgit

            Hallo Sandra,

            dein Verlust tut mir unendlich leid. So schnell nach einer Lungenkrebs-Diagnose zu sterben, ist richtig hart.

            Mein bester Freund, 30-jährige Freundschaft, hat Ende April 2019 die Diagnose Lungenkrebs erhalten und ist am 30.04.2020 verstorben, er ist nur 62 Jahre alt gewesen und ich kann es drei Monate später immer noch nicht glauben.

            Auch bei ihm haben die Ärzte immer gesagt, er hätte gute Chancen. Leider kann ich dir auch keinen guten Rat geben, der dir bei deinem Verlust hilft.

        • Stefanie

          Hallo Thomas,

          mein Mann starb am 10.06.2020 mit 65 Jahren. Ich bin 45, wir haben zusammen einen 16jährigen Sohn.

          Es war bei uns wie bei euch. Ein Tod aus dem Nichts. Es ist wahnsinnig schwer für mich und meinen Sohn, es muss weitergehen, die Abende sind das Schlimmste. Man ist einsam und oftmals hilflos.

          Das erste Mal im Leben wo ich sagen kann, man hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Man fragt sich warum, alles war gerade perfekt.

          Ängste sind nun da, mein Sohn hat Angst auch mich zu verlieren, so vieles spielt sich da nun zusammen. Ich kann deine Situation verstehen, der Schmerz ist fürchterlich. / Stefanie

          Stefanie antworten
          • Thomas Münchow

            Hallo Stefanie,

            wer solches nicht selbst mitgemacht hat, kann es sich nicht vorstellen, was das bedeutet.

            Das Haus ist leer und alles ruhig, wahrhaben will ich es nicht und ich glaube immer noch nach den 4 Wochen, es ist alles nur ein Alptraum.

            Wenn der Partner geht, ist es das Schlimmste, wir waren fast 30 Jahre zusammen, 28 davon verheiratet, man denkt daran, das was passieren kann, aber wenn es dann eintritt, plötzlich und unerwartet ist es einfach grausam.

            Freunde sind da Familie, auch und versuchen zu helfen, aber die Abende und die Nacht – am 21.08.2020 hätten wir den 28 Hochzeitstag und am 24.09.2020 wäre meine liebe Steffi 50 Jahre geworden und die Weihnachzeit kommt auch – das wird sehr schwer werden.

            Ich weiß nicht wie das alles gehen soll, in die Zukunft will ich gar nicht schauen – am liebsten würde ich gleich 30 Jahre vordrehen.

          • Annett Wardin

            Hallo Stefanie,

            auch mein langjähriger Lebensgefährte starb am 10.6.20 um 7.30 Uhr. Er hatte, wie oft schon, einen Asthmaanfall. Ich wollte morgens ganz normal aufstehen, Kaffee ansetzen, aber zuvor ins Wohnzimmer, weil ich hörte, dass er einen Asthmaanfall hatte. Er stand da, das Asthmaspray in der Hand und fragte, ob ich das gehört hatte. Ja, sagte ich und was ich nun tun könnte. Er sagte, er wird sich jetzt hinlegen ins Bett im Schlafzimmer, denn ihm sei schwindelig. Ich dachte, dass es so gut würde, wenn er schlief.

            Er ging in den hinteren Teil der Wohnung und saß dort auf der Couch mit dem Spray in der Hand. Ich ging in die Küche, setzte Kaffee an, nehme mir Kaffee und gehe auf den Balkon. Plötzlich höre ich ein Geräusch, ich renne ins Schlafzimmer. Da lag er, zwischen dem Nachtschränkchen und dem Bett. Die Augen verdreht, Puls ging, ich versuchte, seine Beine hochzuheben, aber er war schwer.

            Ich rief die Rettung, bis die kamen war mein Arm voller Blut, denn ich hielt ihn in meinen Armen. Das Blut lief und lief aus seinem Mund. Der Notarzt versuchte 30 min ihn zu reanimieren. Keine Chance! Er hatte ja schon 2 Stents, schweres Asthma, COPD, rauchte aber trotzdem.

            Der Arzt meinte, selbst wenn er ihn zurückholen hätte können, so hätte ich nun einen “Zombie” daheim gehabt. Denn er war bereits hirntot, als sie mit der Reanimation begannen. Und sowas wollte mein Schatz nie! Pflegefall, Beatmungsgeräte, künstlich am Leben erhalten, das wäre für ihn der Horror gewesen!

            Nun, heute denke ich, wäre er einfach sitzen geblieben, ich hätte ihm ins Bett geholfen, vielleicht hätte ich ihm helfen können, so dass er nicht umgekippt und auf den Tisch mit dem Kopf gefallen wäre. Der Arzt sprach auch davon, dass wohl alles zusammenkam. Herz, Asthma, Schwindel.

            Nun bin ich allein, seine Familie lehne ich bis auf den einen Bruder plus Cousin ab. Mein Schatz wurde nur 66 Jahre alt, und ob ich das Erlebte jemals verarbeiten werde, das ist fraglich. Ich bin jetzt 49 Jahre alt, und mein Walter, er war mein Fels in der Brandung. Ich weine, gehe auf den Friedhof, heule weiter, gehe arbeiten, funktioniere irgendwie.

            Nun, ich verstehe also, worüber Du schreibst. Sei einfach froh, dass Du Deinen Sohn hast, dass er Dir Trost gibt.

            Und mir ist es ein kleiner Trost, dass es auch andere Menschen gibt, welche so ein Schicksal teilen, welche hier auf dieser Seite zu finden sind.

            LG
            Annett

        • Sabine

          Hallo,

          bin durch Zufall auf die Seite gekommen und es ist gut zu lesen, dass viele die gleichen oder so ähnliche Schicksalsschläge erlebten. Mein Mann ist in der Nacht vom Samstag zu Sonntag am 05.07.20 im Alter von 59 Jahren plötzlich gestorben, ohne Vorwarnung, einfach so im Schlaf.

          Wir saßen noch bis spät im Garten und haben Pläne für den nächsten Tag und die Woche gemacht und sind dann normal zu Bett gegangen. Da denkt man doch nicht daran, dass dein Leben in ein paar Stunden völlig aus der Bahn geworfen wird.

          Der Notarzt und die Rettungskräfte haben auch über eine halbe Stunde versucht, ihn wieder zurückzuholen, aber vergebens und dann kommt die Frage, sollen wir weitermachen, aber wenn es uns doch noch gelingt, ihn wiederzuholen, dann ist er ein Pflegefall. Da steht man da. Mann denkt, es ist ein Traum und wacht gleich auf, aber leider ist es Wirklichkeit.

          Es ist unfassbar, mann kann es nicht begreifen, will es nicht begreifen. Es zieht einen den Boden unter den Füßen weg.

          Wir hatten noch soviel vor, Wohnwagen gekauft und ein Bett für unseren Enkel eingebaut, damit wir ihn mitnehmen können. Und dann ist dein Leben von einer Sekunde auf die andere komplett anders, nicht mehr so wie es einmal war.

          Das Schlimmste war für mich, meiner Schwiegermutter zu sagen, dass ihr Sohn nicht mehr lebt. Sie ist 86 Jahre, aber noch soweit gut auf den Posten. Es ist ihr einziges Kind, ihr Mann ist vor 8 Jahren gestorben. Da fragt man sich wieso, weshalb, warum. Sie muss weiter leben und ihr Sohn muss gehen.

          Dann stellt man sich die Frage, habe ich das Richtige getan, hätte ich ihn noch helfen können, aber das kann dir keiner beantworten.

          Der Verlust und der Schmerz ist groß, aber ich denke doch, die Zeit heilt die Wunden. Die Trauer wird immer da sein, aber dann anders, man geht besser damit um. Das Leben muss weiter gehen, wenn auch nichts mehr so ist wie es war. Die Kinder und Enkel helfen, auch sie müssen es verarbeiten. Zusammen sind wir stark.

          Sabine antworten
        • Jörg

          Hallo. Meine Lebensgefährtin ist nach unendlich schwerem Krebskampf nun verstorben.

          Es ist eine unbeschreibliche Leere in meinem Leben. Ich habe noch keinen Weg gefunden, wie ich damit umgehen kann und/oder soll….

          Wer kann mir Tipps geben? 2 Monate sind bislang vergangen. Wir waren 15 Jahre glücklich liiert.

          Jörg antworten
          • Ruth

            Lieber Jörg,

            meine herzlichste Anteilnahme zu Deinem grossen Verlust.

            Mein geliebter Mann ist vor 4 Monaten, nach langem, schrecklichen Leiden erlöst worden.
            Ich habe unglaublich Heimweh nach ihm, bin jedoch auch sehr dankbar, dass er nicht mehr leiden muss.

            Ich glaube fest daran, dass es unseren Lieben jetzt richtiggestellt geht, sie sich an einem wunderschönen Ort befinden und trotz allem immer mit uns verbunden bleiben. Das hilft mir sehr und ich hoffe, dass ich nach der Zeit des tiefen Trauerns wieder irgendwie einen Weg für mich finden kann.

            Das Trauern lasse ich einfach zu. Die Corona-Isolation ist mir dabei behilflich. Ich habe dadurch die Möglichkeit, zurückgezogen meine Trauerarbeit zu schaffen.

            Ich wünsche Dir viel Kraft, Mut und Zuversicht
            Ruth

        • Eva

          Hallo Thomas,

          das Leid kann Dir niemand abnehmen, aber ich hoffe, dass Du Menschen hast, die einfach da sind, euch in den Arm nehmen und im Alltag untersetzen.

          Mir hat es sehr geholfen, Fotos anzusehen, an schöne Erinnerungen zu denken und dabei einfach auch zu weinen, deine Tochter ist noch klein, aber such die trauert und darf deine Trauer miterleben. Weint gemeinsam, erzählt euch Geschichten über die Mama.

          Ich fühle unendlich mit euch!
          Eva

          Eva antworten
        • Patrizia

          Lieber Thomas, ich kann sie so gut verstehen. Am 19.Juli 2019 starb mein Vater, er hatte COPD, aber gestorben ist er nach kurzem Spitalsaufenthalt an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

          Nicht mal ein Jahr später klagte mein Partner über starke Bauch-und Rückenschmerzen, nichtsahnend gingen wir am 9. Mai 2020 in den Notfall. Dann die traurige Gewissheit. Kleinzelliges Bronchialkarzinom und schon Metastasen auf Leber und Knochen.

          Am 2 Juni ist er mit nur 59 Jahren gestorben. Es blieb keine Zeit sich zu verabschieden. Wir waren 23 Jahre zusammen. Er war mein Leben. Mir graust es jetzt schon vor Weihnachten.

          Patrizia antworten
      • Monika Willenbacher

        Liebe Claudia, ich glaube zu wissen, wie es in Dir aussieht. Vor 14 Tagen starb mein Sohn, nach kurzer, schwerer Krankheit. Rede mit Deinen Nächsten darüber, wahre Freunde halten das aus. Monika

        Monika Willenbacher antworten
      • Matthias

        Liebe Claudia,

        meine liebe Partnerin ist auch nur 53 geworden und an meiner Hand beim Gehen zum geparkten Auto mit Herzversagen tot hingefallen und hat nie mehr wieder ein einziges Wort gesprochen.

        Sie hatte eine Erkältung und ich hätte sie nicht zu Fuss bis zum Auto gehen lassen dürfen bei den Atembeschwerden. Deshalb habe ich Schuldkomplexe, die sich besonders frühmorgens beim Feststellen des Fehlens der Partnerin herausschreiend ihren Weg bahnen, auch noch nach 16 Monaten.

        Habe von Psychiatrie über Traumatherapie bis Tageskliniok das volle Behandlungspensum durch, zurückbringen kann sie niemand, leider.

        Ich kann Dir Deinen Schmerz nachfühlen, die meisten da draussen im Leben können es leider nicht.

        Matthias L

        Matthias antworten
    • Sandra

      Meine Tochter hat sich im April 2020 mit nur 16 Jahren das Leben genommen. Ich leide sehr darunter. Manchmal schaffe ich es, mich etwas abzulenken. Aber es tut so weh.

      Ich habe mir vorgenommen, über ihre jahrelange Sehnsucht nach dem Jenseits ein Buch zu schreiben. Als emotionale Hilfe für mich selbst.

      Sie hinterliess auch einen kleinen Bruder. Wir vermissen sie sehr

      Sandra antworten
  • Zamyat M. Klein

    Lieber Burkhard,

    schön auch ein solches Thema hier bei dir zu finden.

    Ich bin nun in einem Alter, wo man mit diesem Thema häufiger konfrontiert wird, weil die Eltern alt sind, krank werden … und sterben.

    Wobei ich im Moment die Zeit vor dem Sterben, das Kranksein, Leiden und Siechen noch schlimmer finde zu ertragen, dabei hilflos zuzusehen und nur wenig tun können, um es etwas leichter zu machen.

    Wichtig ist tatsächlich bei diesen Themen, sich Hilfe zu holen und mit anderen zu sprechen. Sei es mit anderen Familienangehörigen (falls man zu denen ein gutes Verhältnis hat :-), mit Freunden oder auch Therapeuten etc.

    Sehr wichtig auch dein Tipp: sich selbst in der Zeit auch Gutes tun, sich verwöhnen, Freizeit machen, Freunde treffen, Lachen – sonst hält man es nicht aus.

    Gute Erfahrung habe ich tatsächlich mit “Ablenkung” gemacht – lange Zeit dachte ich, das “darf man nicht” (so aus frühen Therapiezeiten, wo man in alle Gefühle hinein- und hindurchgehen “musste”). Bis ich kapiert habe, dass das ein Schmarrn ist. Alles ist gut, was einem hilft. Ständiges Grübeln und traurige Gedanken pflegen, hilft auch nicht, da ist Ablenkung ob durch Arbeit oder Kino durchaus ein probates Mittel.

    Ich denke auch, dass jeder seine Form finden muss.

    Aber zulassen und sich eingestehen, sollte man Trauer auf jeden Fall, auch wenn es in unserer Kultur kaum brauchbare Rituale gibt und lautes Wehklagen und Kleideraufreißen eher befremdlich wirkt. Den Betroffenen hilft es sicher besser, als die Zähne zusammen zu beißen und “gefasst” zu wirken.

    Oft kommt es ja dann auch viel später hoch. Als meine Mutter letztes Jahr starb, war ich zum einen schon lange darauf eingestellt und anschließend gut beschäftigt. Jetzt, wo mein Vater sehr krank geworden ist, kommt das alles erst so richtig hoch – und so kommt es, dass ich plötzlich beim Autofahren vor mich hinheule.

    Es taucht vor allem immer deutlicher die Frage auf:

    Was treibe ich in diesem Leben? Warum bin ich hier? Auf was will ich zurückblicken, wenn ich selbst auf dem Sterbebett liege?

    Denn in diesen Situationen wird man vor allem mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. DAS ist die Lernchance … und so schließt sich sogar der Kreis zu deinem Thema “Zeitmanagement”. Denn ich habe immer noch den Spruch von Covey an der Wand hängen (mit dem Foto eines alten Beduinen zusammen):

    “Niemand bedauert auf dem Sterbebett, nicht mehr Zeit im Büro verbracht zu haben!”

    Bohhh, jetzt hast du aber ein Thema bei mir erwischt! :-)

    Zamyat M. Klein antworten
  • Liebe Zamyat,

    da gebe ich dir vollkommen recht.

    Das Belastende ist vor allem die Hilflosigkeit. Also einen Menschen leiden zu sehen, mit dem man eng verbunden ist, den man liebt, und ihm nicht helfen zu können. Das belastet dann oft sogar weitaus mehr, als dann der Tod dieses Menschen.

    Burkhard Heidenberger antworten
  • Martina Fortmann

    Hallo, durch Zufall fand ich Ihre Internetseite.

    Ich befinde mich zur Zeit in einer ähnlichen Situation, habe 6 Jahre lang meine Mutter gepflegt, u. a. Morbus Parkinson, inoperabler Oberarmbruch, Pflegestufe 2, sie hat davon 4 Jahre nur in einem Sessel gesessen.

    Ihr Wunsch war es, zu Hause sterben zu dürfen und ich bin froh, dass ich ihr diesen letzten Wunsch erfüllen konnte, auch wenn es bei mir sowohl seelisch als auch psychisch und körperlich an meine Grenzen ging. Meine Mutter ist mit 87 Jahren in meinen Armen gestorben. Jetzt geht mir immer noch im Kopf rum, wie ich sie gepflegt habe, der letzte Atemzug usw. Aber ich denke, da muss man durch. Manchmal denke ich, schlimmer wie die letzten 6 Jahre kann es auch nicht mehr werden.

    Ihre Martina Fortmann

    Martina Fortmann antworten
    • Vielen Dank für Ihre offenen Worte, Frau Fortmann!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • mara

      an martina:

      ich suchte in völliger verzweiflung nach lösungen im internet.

      dein beitrag ist der erste, der mich angesprochen hat. ich kann das alles sooo gut nachfühlen, bzw. finde mich darin total wieder.

      allerdings habe ich ein problem: mein ziel war es, ein gutes lebensende – wenn es denn mal soweit sein sollte – für meine mutter zu schaffen. ich habe mir das zur aufgabe gemacht und mich mit vielem darauf vorbereitet.

      der absolute hammerschlag hat mich nun völlig unerwartet getroffen. durch einen behandlungsfehler wurde ihr tod äußerst qualvoll herbeigeführt. obwohl ich ständig stärkste zweifel an der “behandlung” hatte , habe ich nichts dagegen unternommen oder den arzt gewechselt. das leben war absolut lebenswert, das empfand sie auch so und wollte noch keineswegs abschied vom leben nehmen.

      ich sehe nun keine lösung, wie ich diesen horror ertragen könnte. keiner kann diese geschichte rückgängig machen. man kann auch nicht nachvollziehen, warum ich es unterlassen habe zu handeln und sie diesem brutalen töten tatenlos quasi ausgeliefert habe.

      mara antworten
      • Christine

        Liebe Mara,

        ich habe auch meine Mutter Jahrzehnte lang betreut und in den letzten 5 Jahren intensiv gepflegt. Drei Wochen vor ihrer Einlieferung ins Spital mit einem Gehirnschlag waren wir in der Therme noch Schwimmen – und das mit 93 Jahren!.

        Viereinhalb Wochen zusehen zu müssen, dass sie auf Grund ihres Alters im Vorhinein abgeschrieben war und mehrere schwere Behandlungsfehler zu einem qualvollen Sterbeprozess geführt haben, ist das eigentlich Schwierige an der Situation. Ich habe aber in diesen vier Wochen tagtäglich das Gespräch mit den Ärzten gesucht, bin gegen eine Glaswand gelaufen, habe Ignoranz und offene Feindseligkeit erfahren und versucht, zumindest das Sterben erträglicher zu machen.

        Ich habe den Weg zur Patientenanwaltschaft gesucht und zwei Tage vor ihrem Tod alles detailgenau zu Protokoll gegeben. Dort hat man mir zugehört, Mitgefühl entgegengebracht und versichert, dass das System krank sei.

        Durch Zufall lernte ich eine Dame kennen, die mit ihrem Onkel haargenau dieselben Probleme durchleben musste und auch mit einem Bericht über diese neurologische Abteilung bei der Anwaltschaft vorstellig wurde. Krank ist das System und die Menschen dahinter, denen ein fortgeschrittenes Leben nichts gilt.

        Wir alle haben unseren Lebensplan zu erfüllen. Ich habe meinen Frieden gemacht und bin froh, den Wunsch meiner Mutter wenigstens die letzten 6 Stunden erfüllt zu haben. Sie durfte zu Hause in meinen Armen ihr Leben beschließen.

        Manchmal muss man erkennen, dass etwas genau diesen Weg nehmen muss und man NICHTS daran verändern kann.

        Meiner Mutter geht es nun gut. Mir langsam besser.

        Den Hinterbliebenen bleibt die Aufgabe anzunehmen, was ist und den eigenen Weg positiv weiterzugehen.

        Christine antworten
    • Olga

      Liebe Martina,

      dein Bericht hat mich sehr berührt, da es mir ähnlich ergeht.

      Habe auch jahrelang meine geliebte Mutter gepflegt, sie ist vor 3 Jahren verstorben und meine Trauer nimmt kein Ende. Es kann einem niemand helfen. Die Sehnsucht und das Heimweh ist unsagbar gross. Auch das Gefühl, dass man kein Kind mehr ist, schmerzt fürchterlich, jetzt sind wir die Erwachsenen, die nirgendwo Trost finden.

      Ich fühle mit dir und drück dich, Olga

      Olga antworten
  • Ute

    Hallo,

    auch ich habe einen Trauerfall. Mein Mann starb kürzlich. Er war schon über Jahre sehr krank gewesen. Als wir uns kennenlernten, hatte er 2 Jahre zuvor gerade einen Herzinfarkt mit 6 Wochen Koma überstanden. Über die Jahre hinweg kamen noch 3 Gehirnschläge dazu. Durch sein sehr schwaches Herz (24 % Herztätigkeit) und seiner Nierenschwäche war seine Zeit auf Erden schon angezählt. Trotzdem, und auch durch seinen sehr guten Hausarzt, waren uns noch über 20 Jahre miteinander vergönnt.

    Sein Tod war trotzdem unfassbar für mich, obwohl sein Arzt mir sagte, dass mein Mann bis jetzt immer noch sehr viel Glück mit seinen Krankheiten (Diabetes, Herzschrittmacher, div. Stents, Sauerstoffgerät, Dialyse) hatte. Ich konnte es nicht glauben, dass von jetzt auf gleich mein Mann im Sterben lag.

    Bis heute, 10 Wochen danach, plagt mich immer noch die Ungewissheit, ob ich alles für meinen Mann getan habe oder ob man vielleicht noch etwas hätte tun können. Sein Arzt sagte mir zwar, dass man medizinisch alles ausgeschöpft hatte und dass man meinem Mann nun die Ruhe gönnen sollte, aber die Schuldgefühle bleiben doch.

    Ich versuche nun irgenwie, gedanklich und auch körperlich, zur Ruhe zu kommen, was tagsüber auch durch die Arbeit gelingt. Schwer wird es, wenn man in die leere Wohnung kommt. Dann steigen die Emotionen in einem wieder auf und ich bin nur am Weinen.

    Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass es irgendwann mal besser wird.

    Ute antworten
    • Danke Ute!

      Bei vielen kommen zur Trauer auch noch Schuldgefühle dazu, wie Sie das auch beschreiben. Versuchen Sie sich mal ins Bewusstsein zu rufen, was Sie alles für Ihren Mann getan haben anstatt sich immer zu fragen, ob Sie etwas verabsäumt haben. Bringen Sie das Ganze auch zu Papier. Der Schreibprozess kann eine „reinigende“ Wirkung haben.

      Fragen Sie sich auch, was Ihr Mann zu Ihren Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen sagen würde. Vielleicht gelingt es Ihnen dann leichter bzw. schneller, diese loszuwerden.

      Ihnen alles Gute!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • mara

      das problem, wenn man in die leere wohnung kommt …

      wer könnte da eine lösung anbieten?

      der gefühlswahnsinn ist unbeschreiblich. die flucht nach draußen bringt auch nichts.

      mara antworten
      • Wolfgang

        Liebe Mara,

        ich kann dich gut verstehen, mir geht es auch so, ich habe meine Frau auch vor kurzem verloren.

        Das Loch, in das man fällt, scheint kein Ende zu nehmen. Ich stand auch vor der Frage, Maschine aus oder nicht. Die Entscheidung war grauenhaft.

        Und wie du schreibst, die leere Wohnung, ein Alptraum, den ich schon das zweite Mal erleben mußte.

        Wolfgang

        Wolfgang antworten
        • Erika

          Hallo Wolfgang,

          ich kann Deinen Schmerz gut nachempfinden, weil auch ich meinen Partner kürzlich verloren habe.

          Ich versuche, durch Kontakte diese Situation zu durchbrechen. Es gelingt nur zum Teil und für den Moment.

          So wie ich allein bin, muss ich kämpfen. Ich habe das Gefühl, von außen kann kaum Hilfe zu erwarten sein. Ich werde warten müssen, bis ich selbst in der Lage bin, wieder halbwegs vernünftig mit mir selbst umzugehen.

          Liebe Grüße
          Erika

          Erika antworten
          • Elsa

            Nach 60 Jahren Gemeinsamkeit bin ich seit einigen Monaten allein. Ich vermisse meinen Mann jeden Augenblick. Ich schaffe es nicht, mich über irgendetwas zu freuen. Sein Tod kam zu einem Zeitpunkt, an dem wir wieder hoffen konnten, noch einmal gemeinsam eine schöne Zeit verbringen zu können.

            Mein Mann war nach einem wiederholten Eingriff am Herzen – Austausch seines Defis – aus der Narkose nicht wieder aufgewacht. 6 Monate haben wir gekämpft und haben es geschafft, dass er doch wieder nach Hause konnte. Es ging ihm jeden Tag besser,obwohl er 3mal die Woche zur Dialyse gefahren wurde, es klappte alles gut.

            Dann veränderte er sich, auf meine Hilferufe an das Dialysezentrum reagierte man zu spät. 3 Tage lag er noch auf einer Intensivstation, doch jede Hilfe kam zu spät. Ich begreife bis heute nicht, warum man nicht versucht hat, ihm eher zu helfen. Es waren doch ständig Fachleute vor Ort.

            Gemeinsam wollten wir noch einen Sommer erleben, mich tröstet nichts in meiner Einsamkeit und Verzweiflung.

      • Ruth

        Hallo Mara,

        ich bin seit 3 Monaten allein. Bevor ich das Haus verlasse, drehe ich immer das Radio an, damit, wenn ich nach Hause komme, die Stille und Leere nicht soo erdrückend sind und mir Stimmen oder Musik entgegenkommen.

        Vielleicht hilft Dir das auch?

        Viel Mut und Kraft und liebe Grüsse

        Ruth

        Ruth antworten
    • Dagmar

      Hallo Ute,

      ich habe ähnliches hinter mir. Mein Mann hatte vor 13 Jahren einen Herzinfarkt hinter sich.

      Leider hat der Arzt es falsch diagnostiziert. Einige Jahre ging alles einigermaßen gut, doch dann rutschte er mir zu Hause immerzu zusammen, sein Defibrillator sprang immer an. Er hatte letztendlich noch 13 Prozent Herzleistung und kam nach langem Hin und Her in das Herzzentrum Leipzig.

      Das war im Februar. Leider zu spät. Er bekam ein Kunstherz und sein Rechtsherz hatte schon keine Kraft mehr. Er verstarb an Multiorganversagen im Mai.

      Ich habe seine Geräte abstellen lassen, weil er nur noch auf Grund seiner Medikamente lebte. Damit werde ich nicht fertig und kann das nicht verarbeiten. Er starb in meinen Armen.

      Dagmar antworten
      • Ute

        Hallo Dagmar,

        ich kann die Schuldgefühle verstehen, die man hat, wenn man die Geräte des geliebten Menschen abstellen läßt. Auch ich habe heute, nach fast zwei Jahren, immer noch das Bild vor Augen, als ich den Ärzten sagte, dass mein Mann nicht künstlich am Leben erhalten werden möchte.

        Daraufhin wurden die Geräte abgestellt. Am schlimmsten war es, als man den “Defi” außer Kraft setzte. Dies alles habe ich bis heute noch nicht verarbeitet. Es tut unheimlich weh, “beteiligt” daran zu sein, den geliebten Menschen getötet zu haben, obwohl es der ausdrückliche Wunsch gewesen ist.

        Ich hoffe, dass es irgendwann besser wird.

        Ich wünsche dir den Glauben und das Wissen, dass die geliebten Menschen trotzdem bei uns sind.

        Liebe Grüße

        U.Diete

        Ute antworten
    • Ursula Röring

      Liebe Ute, wenn ich nicht genau wüsste, dass Sie von Ihrem Mann berichten, würde ich glauben, es geht um meinen Mann.

      Fast die gleiche Krankengeschichte.
      Mich plagen auch Gewissensbisse.
      Mein Mann ist am 15.5.2019 an plötzlichem Herzversagen gestorben.

      Nachdem ich den Notruf abgesetzt habe, sollte ich meinen Mann wieder beleben.

      Ich stand wie erstarrt vor ihm und habe ihn nicht in die Liegeposition bekommen.

      Ich kann einfach keine Ruhe finden, denke immer, dass ich versagt habe.

      Ursula Röring antworten
      • Kerstin

        Liebe Ursula, ich habe das auch erlebt. Meinen Mann fand ich nach einem Hirnstamminfarkt. 12 Tage später am 12. April 2019 gab ich die Zustimmung, die Geräte abzuschalten.

        Es war und ist immer noch sehr schlimm für mich, manchmal habe ich das Gefühl, die Trauer wird von Tag zu Tag schlimmer.

        Lieber Gruß Kerstin

        Kerstin antworten
      • Bianca Bahr

        Hallo Ursula,

        mein Mann ist vor 14 Tagen auch am plötzlichen Herztod gestorben mit 55 Jahren. Auf dem Sofa einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht.

        Unser 17jähriger Sohn hat ihn gefunden und den Notruf abgesetzt und auch versucht zu reanimieren, doch es war leider schon zu spät.

        Bin auch in ein tiefes Loch gefallen und man überlegt, wie man das alles schaffen soll … Haushalt, Kinder, Job??

        Ich weiß es auch noch nicht.

        Die Kinder 14 und 17 geben mir ganz viel Kraft und trösten und helfen wie sie können.

        Leider ist es zur Zeit ja auch mit Besuchen nicht möglich, getröstet oder aufgemuntert zu werden…doofe Zeit
        SG Bianca

        Bianca Bahr antworten
        • Susanne

          Liebe Bianca,

          auch ich musste dies Ende April so erleben, dass ich nach ganz ganz kurzem Aufenthalt im Nebenzimmer wieder in die Wohnstube gekommen bin, und mein Mann lag halb auf dem Sofa und ich konnte ihm nicht mehr helfen.

          Ich bin völlig in Panik geraten, habe alles versucht, die Rettung alarmiert etc., aber es war nichts mehr zu machen. Er ist mit nur 54 Jahren einfach zu Hause gegangen – so, wie er es sich immer gewünscht hat, ohne Leiden, ohne Schmerzen, ohne Krankenhaus – das ist etwas, was mich in dieser schlimmen schlimmen Zeit wenigstens etwas tröstet und mir Halt gibt.

          Ich kann nur nach vorne denken und die vielen Dinge in Angriff nehmen, die er/wir noch geplant hatte. Wenn ich anfange nach dem Warum zu fragen oder ob ich nicht noch etwas hätte machen können, gehe ich unter!

          Es hilft mir auch, wenn ich feststelle, dass ich nicht alleine bin, dass es derzeit so viele Menschen gibt, die Ähnliches und auch noch Schlimmeres erfahren mussten.

          Gespräche mit guten Freunden, lange Spaziergänge mit unseren Hunden, gute Bücher zu diesen Themen – all das tut mir sehr gut in dieser Zeit.

          Ich wünsche Ihnen und allen Menschen, die in dieser Zeit sehr unglücklich sind, dass Sie zur Ruhe kommen und dass Sie das Licht wieder sehen, das uns mit unseren Lieben verbindet und das niemals verschwindet.

          Liebe Grüsse Susanne

          Susanne antworten
  • Sylvia Schuhmacher

    Hallo,

    meine Mama ist kürzlich in einem jungen Alter von nur 67 Jahren verstorbenen. Ich bin 47. Ich kann es noch nicht begreifen, wir haben jeden Tag telefoniert und uns in der Woche sehr oft gesehen. Sie wohnte nur ein paar Kilometer weg von mir, wir haben sehr oft den Urlaub miteinander verbracht.

    Ich bin nicht in der Lage, auf den Friedhof zu gehen oder zu ihr ins Haus. Ich arbeite sehr viel, um mich abzulenken, doch die Abende und das Wochenende sind schlimme Momente für mich.

    Gedanklich versuche ich, ruhig zu werden, doch ich schaffe es nicht immer. Ob die Zeit was dazu tut, weiß ich noch nicht.

    Sylvia

    Sylvia Schuhmacher antworten
    • mara

      hallo,

      gedanklich schaffe ich gar nichts.

      ansonsten finde ich mich bei dir absolut wieder.

      ich kann mir nicht vorstellen, wie oder wann das alles ein ende haben soll. vermutlich erst, wenn man selbst total tot ist.

      mara antworten
      • Liebe Mara,

        Du beschreibst eine sehr verzweifelte Situation. Du machst Dir Vorwürfe für etwas, das Du nie wirklich in der Hand hattest. Du hast Deinen Beitrag geleistet; mehr war nicht möglich. Du bist auch nicht verantwortlich und schon gar nicht schuld.

        Mir erscheint es wichtig, dass Du Dir Hilfe bei einer Gruppe oder Institution holst.
        Diese gibt es, und sie können Dir helfen, wieder in den Alltag zurückzufinden, einen Alltag, in dem auch wieder Freude und Sonne Platz hat. Ganz wichtig ist dabei, dass Du Dich mit Deinen Vorwürfen versöhnst.

        Nimm den Anlauf und such Dir da jemanden, denn alleine ist so etwas schwierig, nicht nur für Dich!

        Alles Gute und viel Erfolg
        Urs

        Urs Nüesch antworten
    • Imka

      Hi.

      Mir geht es ähnlich wie Dir. Es ist jetzt schon 1 Jahr her, aber besser wird nichts.

      Sie ist nicht mehr da. Und kommt nie wieder, mit dieser neuen Situation kann ich mich nicht anfreunden. Sie war meine beste Freundin, meine Mutter, meine Gesprächspartnerin und alles in Einem.

      Wenn ich nun alleine bin (sonst war sie immer bei mir), fange ich an zu grübeln, was bei den Ärzten alles schiefgelaufen ist. Wer etwas verabsäumt hat, was ich falsch gemacht habe, und warum es überhaupt so gekommen ist. Und warum es uns traf. Was das alles für einen Sinn haben soll. Ich gehe meist abends, wenn ich im Bett liege, alle Situationen penibel genau durch, um Fehler zu finden. UND ich finde sie dann massenhaft. Und grüble dahin, schreib Bekannte an, was sie dazu sagen etc., ob sie das auch so sehen, dass alles falsch gelaufen ist …

      Die merken dann schon, dass mich die Situation an den Rand meiner Nerven bringt. Aber diese Schuldgefühle machen mich fertig.

      Hätte ich dieses getan, oder jenes, wäre sie nicht an einer Medikamentenallergie gestorben. Total unsinnig dieser Tod. Viel zu früh. Und überhaupt, man hinterfragt plötzlich alles. Warum darf der eine 95 werden der andere nur 50/60/70. etc. …

      Mit Menschen, die nie einen Verlust erlitten haben, kann man gar nicht reden. Die haben nur Kleinigkeiten im Kopf, die interessieren mich schon lange nicht mehr, nach all dem, was ich gesehen habe auf dieser Welt.

      Jetzt im Moment ist es so, dass ich sogar die Notärzte hinterfrage, die die Wiederbelebung erfolglos durchgeführt haben. Ich habe ein Buch, dort wird alles beschrieben. Ich zweifle jetzt sogar an denen. Das Schlimmste ist, dass man mit Niemandem reden kann.

      Imka antworten
    • Jasmin

      Hallo

      Ich habe vor 8 Monaten meinen Papa (63) verloren. Und wir hatten auch ein sehr enges Verhältnis so wie bei dir. Täglich telefoniert oder Nachrichten geschrieben oder ich war einfach da mal eben auf einen Kaffee. Ich kann es auch noch gar nicht verstehen, dass er jetzt nicht mehr da ist.

      Wenn ich zu ihm nach Hause fahre, wo meine Stiefmutter noch lebt, tut es jedes Mal so weh. Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich weiter damit umgehen soll. An manchen Tagen ist alles gut, da kann ich alles verdrängen, und an manchen Tagen sehe ich ihn jedes Mal wieder vor mir im Krankenhaus im Sterbebett liegen. Es war ein plötzlicher Herzinfarkt. Glücklicherweise konnte ich noch bei ihm sein und mich verabschieden. Aber zur Zeit schwirren diese Bilder immer wieder in meinem Kopf rum.

      Ich habe immer etwas Hemmungen, meine Familie und Freunde immer wieder damit zu belasten. Vor allem an solchen Tagen wie gerade jetzt, wo es mir wieder sehr schlecht geht ….

      Ich hoffe, dass es mit der Zeit einfacher wird damit umzugehen ….

      Jasmin antworten
    • Antje

      Hallo Sylvia,

      meine Mam war 76 und ich bin 50, aber ansonsten beschreibt uns Dein erster Absatz perfekt.

      Nun ist meine Mam allerdings erst heute morgen verstorben und ich verbringe den allerersten von vielen kommenden furchtbaren Abenden und Wochenenden und kann nicht begreifen, warum ich nicht den Telefonhörer nehmen und die Stimme meiner Mutter hören kann. Nie mehr.

      Fast alles, was mir heute durch den Kopf geschossen ist, fing mit diesen Worten an und im nächsten Moment überrollte mich diese Welle von Schmerz…

      Ich kann zu diesem frühen Zeitpunkt nicht wirklich behaupten, dass die Beiträge hier mich irgendwie trösten, aber zum ersten Mal heute fühle ich mich nicht ganz so allein.

      Antje

      Antje antworten
      • Ruth

        Du bist nicht allein, Antje!

        Ruth antworten
        • Antje

          Ich danke Dir sehr.

          Und ich bin froh, diese Seite gefunden zu haben, die trotz oder genau wegen der ganzen traurigen und berührenden Beiträge auch Hoffnung macht. Obwohl ich keinen von Euch kenne, fühle ich mich Euch sehr verbunden und wünsche uns allen viel Mut und Kraft und Zuversicht.

          Lieber Herr Heidenberger, danke dafür.

          Antje antworten
    • Olga

      Liebe Sylvia,

      erstmal meine aufrichtige Anteilnahme zu deinem Verlust der geliebten Mutter.

      Nichts ist mehr wie es war und der Gedanke, dass man den Rest seines Lebens ohne Mutter verbringen muss, ist unbegreiflich.

      Ich habe 65 Jahre mit Mama zusammen gelebt, sind durch dick und dünn miteinander gegangen. Habe sie die letzten Jahre gepflegt; sie ist in hohem Alter gestorben.

      Ich plage mich mit Schuldgefühlen, da ich nicht immer nett zu ihr war und wir oft gestritten haben. Ich bereue so sehr, ihr nicht gesagt zu haben, wie sehr ich sie liebe, da ich immer dachte, es hätte noch Zeit.

      Ich leide und weine fast jeden Tag und bin auch bei einem Psychologen. Es hilft aber nicht viel. Ich habe auch keine anderen Angehörige, und Freunde sind alle verschwunden, sie konnten mich nicht aushalten. Ich bin jetzt Rentnerin und habe manchmal einen Pflegehund, der mich etwas aufmuntert.

      Jeder Tag schmerzt in dieser neuen Welt, in der ich jetzt leben muss. Ich habe begriffen, dass der Mensch nicht auf der Erde ist, um glücklich zu sein. Wir sind hier, um zu lernen und nichts geht vorüber, solange wir es nicht begriffen haben.

      Liebe Sylvia, es wird aber der Tag kommen, an dem wir unsere Mütter wiedersehen werden, da keine Energie verloren geht, was wir ja letztendlich alle sind.

      Ich drück dich und alle anderen Trauernden von Herzen,

      Olga

      Olga antworten
  • Stefanie

    Lieber Herr Burkhard,

    ich bin 40 Jahre alt und habe am heuer meinen Mann nach 22 gemeinsamen Jahren verloren. Er litt 1 1/2 Jahre an Krebs mit dem CUP-Syndrom. Wir wussten von Anfang an, dass es sich nur noch um eine Lebensverlängerung handelt. Wir haben eine 16-jährige Tochter.

    Es war furchtbar, mit anschauen zu müssen, wie ein so starker Mann immer schwächer wird und das mit den furchtbaren Schmerzen. Wir haben alles für ihn getan. Er starb bei uns zu Hause in seinem Bett.

    Ich lag 5 Tage neben ihm, um ihn nicht alleine zu lassen und hielt ihn in meinen Armen, als es starb. Er blieb noch über Nacht zu Hause bei uns. Ich habe ihn gewaschen, angezogen, und mit meiner Familie und den Freunden begleiteten wir den Sarg aus dem Haus.

    Jetzt ist es ganz still im Haus! Ich bekam Herzrasen und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe. Dadurch dass ich ihn beim Sterben begleitet habe, kapier ich es, dass er tot ist.

    Aber der Schmerz, die Erinnerungen und die Stille sind unerträglich. Wie lange wird dieser Zustand noch anhalten?

    Euch allen alles Gute

    Lieben Gruß

    Stefanie

    Stefanie antworten
    • Liebe Stefanie,

      es ist sehr schmerzhaft, einen lieben Menschen zu verlieren. Ihr Mann durfte zu Hause in Ihren Armen sterben, das war für ihn sicher sehr tröstlich.

      Wie lange der schmerzhafte Zustand noch anhalten wird, kann wohl niemand sagen. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, mit Ihrer Tochter oder anderen lieben Menschen in Ihrem Umfeld schöne Erinnerungen an Ihren Mann auszutauschen, über Ihre Gefühle zu sprechen. Dann sollten Sie das tun. Lassen Sie die Trauer und den Schmerz zu.

      Liebe Grüße

      Burkhard

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Angela

      Liebe Stefanie.

      Mein Mann ist auch letztes Jahr am 24.01. an Krebs gestorben. Einen Tag nach seinem Geburtstag. Es ist im Augenblick nicht auszuhalten. Dieser Schmerz erstickt mich.

      Ich kann genau nachfühlen wie es dir jetzt geht. Aber du warst wenigstens bei ihm. Mein Mann ist im Krankenhaus verstorben. Vorher haben wir noch telefoniert und er wollte Brötchen und Kaffee haben. Als ich den Kaffee fertig hatte und zu ihm fahren wollte, bekam ich einen Anruf von seiner Ärztin, die mir sagte, dass mein Mann gerade an einem Herzinfarkt gestorben ist. Seitdem hadere ich mit dem Schicksal. Ich kann mir vorstellen wie es dir geht. Ganz liebe Grüsse

      Angela antworten
    • Ivonne

      Liebe Stefanie,

      es macht mich sehr traurig, wenn ich Deinen Bericht lese und es tut mir sehr leid für Dich. Ich habe Ähnliches erlebt, mein Lebensgefährte ist ganz plötzlich bei uns zu Hause an einem Herzinfarkt verstorben.

      Ich bereue es sehr, dass ich in dem Moment nicht zu Hause war, denn ich hätte ihn so gerne zum Abschied in meinen Armen gehalten, dann wäre er wenigstens nicht alleine gewesen. Es wird noch sehr lange weh tun, aber wir müssen lernen mit dem Schmerz umzugehen, sonst gehen wir selber daran kaputt. Es ist ein schwerer Weg, aber man kann sich auch Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe suchen.

      Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Liebe und Gute, vor allem ganz viel Kraft

      Ivonne antworten
  • Aaron

    Hallo!

    Meine Schwester hat Suizid begangen, das ist jetzt schon mehrere Jahre her!

    Ich war im ersten Moment geschockt und hatte auch meine Trauerzeit, doch fing ich mich dann ziemlich schnell wieder auf! Jetzt 4 Jahre später merke ich, wie eine Art Nebel vor mir liegt, der mein Leben trübt.

    Zamyat M. Klein, ich musste weinen, als ich deine Worte las. Es geht mir ähnlich wie dir. Ich stelle mir jeden Tag die Frage, was ich auf dieser Welt soll (das tönt jetzt, als ob ich selbst Suizidgedanken hege, doch so ist es ganz und gar nicht).

    Ich versuche zu verstehen, wieder mehr Freude am Leben zu haben und dem Strudel der Trauer zu entgleiten. So kam es, das ich auf diese Seite stieß und ich danke euch für eure Bereitschaft, eure Geschichten zu teilen. Viele haben mich zu tiefst gerührt. So wollte ich es euch gleichtun, damit ein anderer vielleicht auch durch meine Worte seine Trauer ausleben kann.

    Ich danke euch!

    Aaron

    Aaron antworten
  • Maria

    Ich habe vor drei Wochen meine Mutter verloren. Es war abzusehen, dass sie nicht mehr allzu lange auf dieser Erde verbringen würde. In ihrem letzten Lebensjahr musste sie zu Hause gepflegt werden – was wir, ihre Kinder, gern getan haben. Sie ist alt geworden. Ich bin sehr froh für sie, dass sie zu Hause in ihrem Bett sterben konnte – und nicht in einem Krankenhaus.

    Und jetzt ist es so, dass mit ihrem Weggang der Sinn des Lebens in Frage gestellt ist. Versteht mich nicht falsch: Ich denke nicht an Suizid. Ich habe einen Mann an meiner Seite und ein Kind. Aber die Mutter war eine wichtige Basis und ein Anker.

    In manchen Momenten weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Sie war immer da, man war immer willkommen bei ihr. Sie war so voll Liebe. Ein wunderbarer Mensch.

    Ich sehe mich daneben und frage mich, wo ich all die Kraft hernehmen soll, die sie stets hatte für ihr schweres Leben und ihre vielen Kinder, die sie großgezogen hat.

    Ich komme mir so null und nichtig vor, wenn ich mich selbst als Mutter erlebe. So unfähig. So unscheinbar. So verzichtbar.

    * Sie fehlt. *

    Ich bin dankbar, dass ich eine so wunderbare Frau als Mutter haben durfte. * Ich wünsch mir so sehr, an eine höhere Macht, an Gott oder etwas ähnliches glauben zu können. Dann wüsste ich, dass ich sie wiedersehen könnte … eines Tages …

    Maria antworten
    • Birgit

      Auch ich durchlebe gerade einen für mich sehr belastenden Abschied, mein Liebstes ist gegangen.

      Wunderbar aber ist, dass ich seitdem fast an jedem Tag eine kleine berührende Botschaft erhalte, oft immer dann, wenn ich die Trauer kaum noch aushalten kann.

      Ich fahre auf der Straße, und auf einem Graffiti steht plötzlich: Ich liebe dich! Oder ich mache das Radio an, weil ich versuche, mit dem Weinen aufzuhören, und unser Lieblingslied kommt. Ich fange im Supermarkt einen Gesprächsfetzen auf – “klar sehen wir uns wieder, was denkst du denn!?”

      Ich glaube jetzt, das Leben hier ist nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen.

      Als meine Oma vor fünf Jahren starb (mein Mann und ich hatten sie sechs Jahre zu Hause gepflegt), war ich bei ihr. Ich glaube, dass im Moment ihres Sterbens ein Engel da war, denn ich fühlte, dass wir beide – Oma und ich – nicht allein waren und nicht allein weitergehen mussten, in unsere beiden verschiedenen “Richtungen”.

      Diesen Trost möchte ich euch allen weitergeben: “In der Welt habt ihr Angst, ich aber habe die Welt überwunden.” Das hat Jesus Christus gesagt. Ich versteh es so, dass man befreit wird von Trauer, Schmerz und Furcht, wenn man gestorben ist. Der Gedanke, dass meine Liebsten nicht mehr leiden, dass sie frei sind und unsere Liebe zueinander wirklich bleibt, das ist der Trost, der mir geschenkt worden ist. So gesehen bin ich irgendwie auch dankbar und voller Staunen und kapiere, dass wir Menschen wohl doch nicht wirklich alles wissen.

      Ich wünsche Euch allen von Herzen alles Liebe!

      Birgit antworten
      • Ruth

        Liebe Birgit,

        dein Beitrag hat mich sehr angesprochen, habe vor 3 Monaten meinen lieben Mann verloren.

        Bin traurig und allein. Denke jedoch auch, dass er es gut hat und mir weiterhin Kraft und Mut gibt.

        Dir weiterhin alles Liebe

        Ruth antworten
      • Thomas Münchow

        Was wir wissen ist ein Tropfen, was wir nicht wissen ist der Ozean. LG Thomas Münchow

        Thomas Münchow antworten
  • Christine

    Genau so, wie alle anderen Betroffenen vor mir, bin ich auch immer wieder im Internet auf der Suche nach tröstlichen oder hilfreichen Artikel, die meine Trauer erträglicher machen.

    Vor 80 Tagen ist meine Mutter im hohen Alter von 93 1/2 auch in meinen Armen gestorben, nachdem sie entsetzliche 4 1/2 Wochen auf einer neurologischen Abteilung zubringen musste-Insult. Ende September war noch alles in bester Ordnung, meine Mutter – von mir rundum betreut, gepflegt und geliebt – hatte ausschließlich in der Fortbewegung Einschränkungen, jedoch geistig war sie ganz klar und lebensfroh. Sie bezeichnete ihr Leben immer “wie in einem weichen, warmen Nest”.

    Es ist selbstverständlich, dass man so ein schönes gemeinsames Leben – ich bin 52 Jahre – nur schwer hinter sich lässt. Immer wieder erlebe ich wahre Sturzbäche an Tränen, die stumm meine Wangen hinunterrinnen. Bei der Arbeit schaltet sich meine “Vernunft” ein – Freude ist aber auch hier nicht spürbar, obwohl ich meinen Beruf sehr liebe.

    Noch ist es mir nicht möglich an ein glückliches, frohes Heimkommen zu denken.

    Auch ich fühle mich, obwohl sehr bodenständig und lebenstüchtig, wie ein kleines Baby, das nach seiner Mama weint. Gerne würde ich diesen Zustand abkürzen, doch ich bekomme auch von allen Seiten versichert, dass es so lange dauert, wie es dauert – ein Jahr, zwei Jahre, …?

    Wie eine zweite Geburt fühlt es sich an – ein Feststecken im Geburtskanal auf dem Weg in ein neues Leben ohne den geliebten Menschen.

    Unsere Hundedame, die meine Mutter sehr liebte und die ihr in den letzten 5 Jahren ein großes Geschenk war, leidet mit mir. Auch sie braucht nun viel Unterstützung, denn sie kann auch nicht verstehen, warum das schöne Leben ein Ende hat und ob sie vertrauen darf, dass ich immer wieder komme, wenn ich außer Haus gehe.

    An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Trauernden, die mir das Gefühl geben, nicht verrückt zu werden.

    Liebe Grüße
    Christine

    Christine antworten
    • Maria

      Hallo Christine,

      das hast du gut beschrieben, das Feststecken im Geburtskanal – genauso fühle ich mich auch. Meine Mutter starb vor 3 Wochen, sie fehlt mir so sehr, auch wenn ich weiss, sie war krank und ihr Lebensweg war jetzt zu Ende, ich vermisse so sehr mit ihr sprechen zu können und ihre Stimme zu hören!

      Wann hört dieser tiefe Schmerz auf?

      Ich glaube, dass man den Tod der Eltern nie ganz verwindet!

      Liebe Grüsse Maria

      Maria antworten
      • Christine

        Liebe Maria,

        ich fühle mit dir! Drei Wochen reichen bei weitem nicht aus, um auch nur im Entferntesten zu ermessen, wie es weitergehen wird.

        Seitdem meine Mama gegangen ist, sind nun fast 1 3/4 Jahre vergangen und seit dem vergangenen Herbst buddle ich mich langsam heraus und empfinde Freude, sehe meinen Weg und spüre die Präsenz meiner Lieben drüben, ohne dass mir etwas die Sicht versperren würde.

        Da ich schon oft Verluste erlitten hatte – das waren meine “Generalproben” für den Tag X, an dem meine Mutter gehen würde -, sehe ich wirklich auch die Wachstumschancen und das Potential, zu dem Menschen zu werden, der ICH bin und sein soll.

        Natürlich gibt es auch jetzt Momente, wo die Tränen fließen, aber die Freude über all die gemeinsamen Jahre und dieses unermessliche Geschenk der Liebe stehen im Vordergrund. Dabei stehen dir alle zur Seite, die vorangegangen sind!

        Lass dich von niemandem drängen “mit der Trauerarbeit” fertig zu werden und sie zeitlich zu limitieren. Gehe gut und liebevoll mit dir um!

        Viel Kraft und alles Gute auf deinem Weg

        Christine

        Christine antworten
    • Annette

      Liebe Christine, es ist schwer, egal wie alt die eigene Mutter war.

      Meine Mutter hat mir ins Leben geholfen. Ich war hilflos und lag in ihren Armen. Sie hatte Schmerzen. Ich habe ihr geholfen aus dem Leben zu gehen. Wir hatten zusammen einen schönen Weg. Sie war hilflos und lag in meinem Arm, als sie ging.

      Dieser Gedanke ist mein Trost. Auch wenn es im Krankenhaus war. Irgendwann werde ich hoffentlich alles verstehen und bis dahin Trost und Liebe bekommen. Was mir am meisten hilft.

      Liebe Grüße Annette

      Annette antworten
  • Anonym

    Hallo, ich möchte mich für Ihren Artikel bedanken.

    Ich selbst stecke in einer ungewöhnlichen Trauerarbeit. Ich habe zwei Kinder verloren – nein, nicht verstorben, aber sie wurden von den leiblichen Eltern nach beinahe sieben Jahre bei mir ins Ausland “verschleppt”.

    Als man mir die Kinder zur Pflege übergab, hat man mir sowohl ihre wahre Herkunftsfamilie (Größen im organisierten Verbrechen) wohlweislich verschwiegen als auch die schon damals im Gerichtsakt nachweislich bestehende Entführungsgefahr. Diese Kinder waren nicht einfach. Umso stärker habe ich darum gekämpft, ihnen ethische und soziale Werte ins Herz zu legen.

    Das Jugendamt hat jahrelang meine Arbeit “hintergangen”. Trotz richterlichem Besuchsverbot wurden Besuchskontakte inszeniert – und das nicht nur mit den biologischen Eltern – nein, da tauchte auch ein “Onkel” auf … (… da der Vater in Paris im Gefängnis saß) … Und selbst an dem Tag, als die Entführung stattfand und ich verzweifelt versuchte, diese zu verhindern – Polizei, Flughafenpolizei und Jugendamt waren über die akute Gefahr informiert -, konnte ich nichts tun, um dies zu verhindern. Es wurde NICHTS dagegen unternommen. Inwieweit Geld oder Drohungen hier eine Rolle spielten – ich weiß es nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

    Und ich?

    Ich bin an diesem Entführungstag nahe einem Gehirnschlag gewesen und stand monatelang unter Schock. Zu den Kindern hatte ich eine sehr starke, fürsorgliche Bindung aufgebaut.

    Körperliche Folgen: starker Gewichtsverlust, andauernde Kopfschmerzen, alle Anzeichen einer Depression. Nun hat mir Ihr Artikel geholfen, die Unterscheidung zu finden: Es ist keine Depression, sondern nichts anderes als tiefe Trauer. Tiefe Trauer über den Verlust der Kinder (welche offensichtlich wieder in den mafiösen Clan integriert wurden), tiefe Trauer über meine eigenen verlorenen sieben Jahre, die offensichtlich sinnlos gewesen sind, zornige und wütende Trauer über eine Gesellschaft, die solches zulässt und nicht gewillt ist, daraus zu lernen, traurige Trauer über Angehörige, welche mit Überforderung bzw. Unverständnis und Abwehr reagieren und kopfschüttelnde Trauer über Therapeuten, welche ebenso überfordert scheinen mit solch einer Geschichte umzugehen (diese war kurz auch in der Presse – wurde allerdings sofort zensuriert).

    Und zu guter Letzt, Trauer über mich selbst, die so dumm war und das Gute in der Welt vermehren wollte und zuletzt nichts anderes war als ein “nasser Lumpen”, welcher nach Gebrauch schnell ins Eck “ruhiggestellt” wurde.

    Ja, auch dies kann Trauer sein. Und ich bedanke mich dafür – Ihr Artikel hat mir sehr geholfen. Auch wenn ich im Augenblick im Status bin, alle meine guten Taten meines Lebens zutiefst zu bereuen, denn es scheint, ich habe Perlen vor die Säue geworfen (sorry, ich mag Tiere, kann es aber nicht anders ausdrücken). Und die Erkenntnis sich entwickelt hat: In mir ist Trauer, Zorn und Wut, denn so etwas wird niemals gut – niemals wieder gut …

    Lieben Dank dafür, dass ich die Möglichkeit habe, dies hier niederzuschreiben und mein Mitgefühl an alle Trauernden. Die Gründe/Auslöser mögen verschieden sein, die Herausforderungen der Trauer jedoch scheint mir nur allzu ähnlich …

    Anonym antworten
    • Danke, dass Sie hier von Ihrem Erlebten berichten.

      Sie schreiben, dass „die Jahre offensichtlich sinnlos gewesen sind“. Ich kann nachvollziehen, dass Sie in der aktuellen Situation diesen Eindruck haben. Aber wie Sie selbst schreiben, haben Sie den Kindern auch ethische und soziale Werte ins Herz gelegt und eine sehr starke, fürsorgliche Bindung aufgebaut. Und das kann niemals sinnlos sein – im Gegenteil!

      Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Kraft!

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Sabine

    Mein Vater erkrankte vor über 30 Jahren an einer besonders bösartigen Form von Lymphdrüsenkrebs und starb nur 3 Wochen nach seiner OP. Er wurde nur 43 Jahre alt. Damals war ich selbst erst 10 Jahre alt.

    Trauerarbeit ist in meiner Familie ein Fremdwort. Vor allem meine Mutter vertritt die These, dass das Leben irgendwie weitergehen MUSS. Wer aber offen über seinen geradezu körperlichen Schmerz durch den Verlust eines über alles geliebten Menschen spricht, ist in ihren Augen schwach. Wer Schwäche zeigt, ist nicht belastbar. Also habe ich meine Trauer um meinen Vater in mir “eingeschlossen” und den dringend notwendigen Trauerprozess nicht mal ansatzweise abgeschlossen.

    Wann immer Menschen so jung sterben, dass sie gerade einmal die Hälfte eines durchschnittlichen Lebens mit Höhen und Tiefen bewältigen durften, kommt meine Trauer und Verlustangst mit immer größerer Gewalt wieder hoch. Zumal meine Mutter mir immer wieder regelrecht um die Ohren haut, dass sie nicht mehr allzu lange “da” ist. Dass es nun mal der ganz normale Lauf der Dinge ist.

    Unlängst starb ein bekannter Politiker mit gerade einmal 54 Jahren an Leukämie. Und wieder nahm mich das so mit, dass ich einen kleinen Nervenzusammenbruch hatte. Ein Kollege hatte instinkt- und respektlos angemerkt, bei Krebs dürfte man halt kein langes Leben erwarten.

    Mittlerweile bin ich fast 44 Jahre alt und es tut so weh, dass ich ganz offensichtlich noch immer nicht über meine Trauer sprechen darf, ohne dummdreiste Kommentare ertragen zu müssen.

    Sabine antworten
    • Ina

      Hallo Sabine,

      tut mir leid zu hören, dass die Trauer noch so tief sitzt. Ich verstehe, dass das Verhalten Deines Kollegen Dich gekränkt hat. Allerdings haben sehr viele Probleme mit dem Thema Tod und was man in diesem Zusammenhang dazu sagt oder vielleicht besser nicht. Vielleicht hilft es zu denken, dass das eher Unvermögen ist als böse Absicht. Aber es gibt ja auch Andere.

      Ich selber bin eine Betroffene insofern, als dass mein Freund vor 6 Monaten ermordet wurde. Unaufgeklärt. Inzwischen geht es mir relativ gut, wobei ich nicht sagen würde, dass dies vollständig verarbeitet ist.

      Nicht trauern war für mich nicht machbar, hätte ich nicht geschafft. Die Arbeit hat mich abgelenkt. Aber ich musste viel drüber reden und habe ganz bewusst Mechanismen eingesetzt, damit ich nicht in Depressionen verfalle.

      Eigentlich kann ich nicht große Ratschläge geben. Mir haben die Gespräche mit meinen Freunden geholfen, Sport, Ablenkung und eine Entscheidung, die ich zum Leben getroffen habe. Offensichtlich sollte ich noch nicht sterben. Theoretisch hätte ich neben ihm liegen müssen; durch diverse Zufälle war das nicht der Fall.

      Vielleicht wäre es in Deinem Falle empfehlenswert, diese Trauer mit einem Psychotherapeuten aufzuarbeiten. Ich bin zwar nicht wirklich religiös, glaube aber an ein Leben nach dem Tod. Ein Gedanke hat mir geholfen, nämlich dass mein Freund sich nicht wünscht, dass ich nicht wieder zum Leben finde, sondern vielmehr möchte, dass ich ein erfülltes und glückliches Leben habe. Und irgendwann werde ich ihn wiedersehen …

      Ina antworten
    • Nic

      Hallo Sabine,

      ich kann gut verstehen, dass deine Trauer immer noch da ist. Als ich 25 war, verstarb meine Mutter plötzlich. Ich fand sie in ihrer Wohnung, als es draußen über 30 Grad und herrlich sonnig war. Das ist über 23 Jahre her.

      Vor 8 Monaten verstarb mein Vater.

      Erst jetzt begreife ich, dass ich den Tod meiner Mutter nicht aufgearbeitet habe. Ich musste damals fast alles alleine machen. Mein Vater hat keine Kraft gehabt und in den Jahren danach haben wir fast gar nicht darüber geredet.

      Ich habe erst jetzt verstanden, dass ich nur zu meiner Mutter wahres Vertrauen hatte. Es fällt mir schwer, anderen Menschen zu vertrauen.

      Versuche Menschen zu finden, die deiner Trauer offen gegenüber sind. Diese kann sich auch nach vielen Jahren noch ganz frisch anfühlen. Vielleicht ist das auch ein Zeichen, dass der geliebte Mensch immer noch bei dir bzw. uns ist.

      Ich wünsche dir alles Gute!

      Nic

      Nic antworten
  • Sabine

    Hallo Ina,

    einen geliebten Menschen durch ein Gewaltverbrechen zu verlieren, ist wohl die fürchterlichste Art. Und dazu noch ohne einen Ermittlungserfolg. Ich weiß gar nicht, was ich dir sagen kann, um meine Bestürzung und mein Mitgefühl richtig auszudrücken.

    Seit dem unschönen Vorfall mit meinem Kollegen sind nun ein paar Wochen vergangen, sodass ich wieder zur Ruhe kommen konnte. Zeitgleich mit diesem vergleichsweise sehr jungen ehemaligen Politiker starb auch ein ehemaliger Ministerpräsident mit 78 Jahren. Mein Kollege und dieser Politiker stammen aus dem gleichen Bundesland. Also eine unglückselige Verkettung von unterschiedlichen Empfindungen.

    Ich habe einfach das Gefühl, dass meine Trauer nicht wirklich ernst genommen wird. Meine Mutter hatte damals die Wahl zwischen einem völligen Zusammenbruch und “Business as usual”. Sie entschied sich für Letzteres. Bloß keine Schwäche zeigen. Sich mit mir gemeinsam einfach mal völlig zurückzuziehen und einfach nur mal weinen, dass der geliebte Mann respektive Papa nie wieder nach Hause kommt, fand nie statt. Dass es völlig in Ordnung ist, zu weinen und dass die Welt trotzdem nicht untergeht, habe ich nie gehört. Statt dessen immer nur “Du bist ja nicht belastbar”. Ergo habe ich meine Trauer verdrängt und nur im wahrsten Sinn des Wortes funktioniert.

    Vor zwei Jahren (ausgerechnet exakt eine Woche vor Karfreitag) verstarb der älteste Bruder meiner Mutter. Und auch zu diesem Menschen hatte ich eine sehr enge Bindung. Und auch diesen Trauerprozess habe ich bisher nicht mal ansatzweise abgeschlossen. Mittlerweile haben sich sogenannte Trauercafés etabliert. Ich habe das Gefühl, dass mir der direkte Austausch mit anderen Betroffenen/Hinterbliebenen mehr hilft als eine Therapie. Mit dem Thema bin ich wg. meiner ADS durch. Noch so ein “Paket”, mit dem ich mich allein beschäftigen muss.

    Sabine antworten
  • Iwona

    Hallo zusammen,

    erst mal mein herzlichen Beileid an alle, die einen lieben Menschen verloren haben!

    Es ist sehr schwer, so etwas zu akzeptieren, selbst wenn man schon ein bestimmtes Alter erreicht hat und jahrelang krank war … und auch weiß, dass „diese“ Zeit bald kommt und diese Ratlosigkeit …

    Die Eltern werden alt und krank und sie gehen irgendwann von uns … das ist sehr traurig, aber auch irgendwie „normal“ …

    Mich hat vor 2 Monaten ein sehr schweres Schicksal getroffen … Nämlich hat sich mein jüngster Bruder das Leben genommen … gerade mit 26 …

    Ich kann das überhaupt nicht verstehen und glauben … mir wurde ein Stück Herz einfach weggerissen … brutal und skrupellos …

    Jeden Tag denke ich an ihn und mache mir die schlimmsten Vorwürfe, vermisse ihn so sehr und bitte, dass er zu mir zurückkommt, selbst nur im Schlaf, und mir sagt, dass es ihm gut geht …

    Diese Schmerzen sind einfach nicht mehr zu ertragen … Ich bin einfach planlos …

    Iwona antworten
  • Michael

    Hallo Iwona, mein herzliches Beileid!

    Ich habe meine Mama verloren, dachte auch, sie lebt noch länger, doch dann ging es ganz schnell. Ich denke oft, dass ich einiges besser oder anders hätte machen können, sollen … sie hat sich nie beschwert, hat einfach alles hingenommen und ertragen …

    War nicht immer einfach, aber sie war eine Persönlichkeit … jeder Mensch hat sowas … ich tröste mich damit, dass ich mir sage, das Leben ist vorgezeichnet, man kann machen, was man will, es geschieht sowieso und es gibt eine Macht irgendwo, die Gutes tut auch nach dem Leben …

    Michael antworten
  • Sylke

    Hallo an alle, die einen geliebten Menschen aber auch Haustiere verloren haben.

    Ich habe sehr viel gelesen und es ist alles sehr traurig. Ich habe meinen Vater vor 36 Jahren plötzlich verloren. Meine Schwester und ich kamen aus der Schule und er war nicht mehr. Er war herzkrank und ist beim Frühstück mit unserer Mutter tot zusammengebrochen. Drei Tage nach seinem 40. Geburtstag. Ich war 12 Jahre und meine Geschwister waren 10, 4 und 2.

    Es war der Schock, aber ich musste für die anderen stark bleiben. Was zur Folge hatte, dass ich mit Essen betäubte. Da Resultat ist extremes Übergewicht.

    Mutti lernte schnell einen neuen Mann kennen und hat ihn geheiratet, Baby kam und nach außen war die Welt heil. Über die Trauer wurde nicht geredet. Wir lebten glücklich in einer Scheinwelt. Bis vor drei Jahren. Mutti erkrankte an Lungenkrebs, der gleich in den Kopf streute. Mit 63.

    Einen Monat später die Diagnose bei meiner Oma. Ich übernahm die Pflege meiner Oma, da Mutti durch ihre Krankheit es nicht schaffte. Nach 8 Wochen ist Oma ohne großes Leiden eingeschlafen. Leider war der Kopf von Mama schon sehr wirr durch die Tumore. Nach 14 Monaten ging fast nichts mehr.

    Für unseren Stiefvater und für uns war die Pflege zu Hause nicht machbar. Daher entschieden wir uns für das Hospiz. Wir waren tagsüber immer da und haben viel gemacht. Hatten aber durch das Personal ganz viel Unterstützung. Alleine hätten wir das nicht geschafft.

    Man weiß, dass der letzte Gang kommt und dass man sich auf den Tod vorbereiten kann. Aber es macht die Sache nicht besser. Nach sechs Wochen in der Warteschleife (so nannte ich es. Es gab die Arbeit, zu Hause die Familie und das Hospiz) war es so weit. Die Seele wollte gehen, aber wir haben sie aufgehalten.

    Man sprach mit uns, dass wir nach Hause gehen sollten. Es war sehr schwer, aber auch erleichternd, dass sie bald erlöst sei. Dann starb sie. Und heute nach zwei Jahren fühlt es sich immer noch traurig an. Und wird es auch bleiben. Ich lebe diese Tage auch nach meinen Gefühlen aus. Jeder ist betroffen und muss für sich einen Weg finden. Zwischendurch bin ich sehr traurig und hilflos meinen Gedanken ausgesetzt. Aber ich habe auch wieder sehr schöne Momente.

    Sylke antworten
  • Anna

    Hallo,

    meine Mama ist vor kurzem im Alter von 57 Jahren gestorben. Ich habe sie sehr geliebt, bin mit ihr durch dick und dünn gegangen, konnte mit ihr über alles reden. Ich bin so unfassbar traurig. Ich wusste zwar, dass es so kommen würde, aber ich fühle mich einfach leer.

    Sie hatte Krebs, der schon überall war. Ihr konnte nicht mehr geholfen werden, da es schon zu spät dafür war.

    Die letzten Wochen waren sehr schwer für uns, innerhalb von 4 Wochen hat sie sehr abgebaut und sie war auch nicht mehr die alte. Wir haben ihre Diagnose auch erst sehr spät erhalten, vor ungefähr 6 Wochen. Da wurde sie schon anders und wir hatten oft Streit, was ich extrem bereue, weil ich jetzt weiß, dass es der Krebs war und nicht sie. Ich hätte ihr so gerne noch geholfen, aber es ging nicht mehr.

    In dem letzten 4 Wochen war ich jeden Tag bei ihr und hatte immer ein schlechtes Gewissen, als ich ging. Dann kam vor ca. 1,5 Wochen der Anruf, dass sie eingeschlafen war. Ich bin sofort zu ihr gefahren, leider war ich zu spät, aber sie ist friedlich gegangen.

    Ich hoffe, sie ist jetzt an einem besseren Ort und kann dort runtersehen. Falls es sowas wie einen Himmel gibt, ist sie jetzt ein Engel.

    L.G
    A.

    Anna antworten
  • Daniela

    Hallo,

    meine Mutter ist nach einer Not-OP an einem Darmverschluss gestorben. Wir durften uns auf der Intensivstation, wo sie im Koma lag, noch von ihr verabschieden. Dann wurden die Medikamente abgestellt und ein paar Minuten später war es vorbei.

    Ich mache mir so große Vorwürfe, ob man sie nicht hätte retten können, wenn wir eher ins Krankenhaus gefahren wären.

    Ich bin derzeit wie in Watte gepackt und kann es noch gar nicht begreifen. Sie fehlt mir schon jetzt unglaublich, wir hatten eine sehr enge Bindung und wir konnten über alles reden. Jeden Morgen haben wir telefoniert, solche Sachen fehlen.

    Ich glaube aber auch fest daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass ich sie irgendwann wiedersehen werde. Ich hoffe, sie hat ihren Frieden gefunden.

    Vor mir liegt noch ein harter Weg und ich hoffe, dass die Zeit, wie man immer so schön sagt, das Ganze etwas erträglicher macht. Das wünsche ich auch allen, die diese Trauerarbeit noch vor sich haben.

    Liebe Grüße
    Daniela

    Daniela antworten
  • Frank

    Ich danke allen für die guten Aussagen hier. Nun zu meiner Geschichte:

    Ich lebe im Elternhaus zur Miete schon seit meiner Geburt. Bin nun 42. Seit mehreren Jahren bin ich arbeitslos wegen Epilepsien und Zwangsneurosen. Ich habe meinen Vater seit dieser Zeit gepflegt. Der hatte 7 Schlaganfälle, 100 GdB und Pflegestufe 3.

    Beim Arbeitsamt war ich als pflegender Angehöriger gemeldet. Die Krankenkasse zahlt(e) mir einen Rentenbeitrag. Nun kam bei Mutter vor zwei Jahren eine Erkrankung der Schulter, dann Hypertonie und Übergewicht dazu. Dann die Diagnose einer Arthrose der Kniegelenke und bösartiger Brustkrebs. Sie verstarb am 25. Oktober nach der letzten Chemotherapie, eine Metainfusion hier zu Hause im Bett. Ich war in der Dusche und bemerkte ihr Ableben.

    Das war ein großer Schock, ich verbrachte die Nacht wegen eines Anfalles im Klinikum. Vater wurde direkt in ein Klinikum für Schwerstbehinderte gebracht. Ich mit Rettungsdienst in ein Krankenhaus wegen epileptischer Anfälle. Dann nächsten Tag wieder zu Hause. Aber ich konnte, wollte bei Muttern sein. So nahm ich eine Überdosis Schlaftabletten. Hat zum Glück nicht gewirkt. Mich haben die Ärzte zurückgeholt.

    Ich war dann 5 Tage in einer geschlossenen Anstalt. Dies hat mir sehr geholfen. Dann wieder im Elternhaus, am 6. November verstarb mein Vater. Das war für ihn eine Erlösung. Der wurde nämlich über eine PEG-Sonde ernährt. Beide wurde in einer doppelten Urnenbeisetzung beerdigt.

    Nun kommt die Trauer wieder hoch. Ich lenke mich ab durch Aufräume in Elternhaus. Alle Erinnerungen geb ich weg, meine Eltern hatten 7.000 Euro Schulden. Aber durch die Sterbeversicherung hab ich die Schulden getilgt. Meine Geschwister haben das Erbe ausgeschlagen. Ich hab es angenommen, so ist die Familie “zerfallen”.

    Meine Nachbarin will mich nun aus dem Haus raus haben. Das sind zur Erklärung die alten Bayerwohnungen um 1900 erbaut. Jedes mit einem Garten und Parkplatz vor der Türe. Ich lasse mich hier nicht rausjagen. Der heutige Vermieter will nur Geld sehen. Das Arbeitsamt sollte, muss mir wenigsten die Kaltmiete zahlen. Ich suche nach Arbeit. Aber mit meinen Epilepsien und GdB 50 sehr schwer.

    Daher ist es mir wichtig, die Trauer zu verarbeiten, im Elternhaus zu bleiben und das Erbe und das Ansehen meiner Eltern zu wahren. Aber eben die eine Nachbarin hält mich für etwas außerhalb der “Normalität” eines gesunden Menschen. Da ich etwas unbeholfen bin und seit 25 Jahren einen festen Freund, Partner habe, der wohnt 500 Meter weg. Der hilft mir bei den Trauererlebnissen. Ich fühle mich einsam. Meine Arbeit in der Gemeinde als Messdiener und Lektor hilft mir, wieder in ein “Arbeitsleben” zu kommen.

    Allen Lesern dieses Kommentares wünsche ich Kraft bei der Trauerbewältigung.

    Frank antworten
  • Cornelia

    An alle Mitbetroffenen/Trauernden.

    Zunächst mein tiefes Mitgefühl an alle.

    Es tut so gut, hier zu erfahren, dass ich nicht falsch bin mit meiner immer noch so starken Trauer um meine geliebte Mama. Sie starb vor 14 Monaten so plötzlich.

    Dienstag wurde eine Biopsie bei ihr im KH vorgenommen. Sie sollte im Anschluss nach Hause, bis das Ergebnis da ist. Sie blieb im KH, weil sie nach der Untersuchung entsetzliche Schmerzen hatte. Mittwoch könne sie dann nach Hause, hieß es. Doch es wurde nicht besser. Sie habe nichts, sagten die Ärzte. Doch die Schmerzen waren unerträglich. Am gleichen Abend diagnostizierten sie mit einem mal eine Harnwegsinfektion. Wir dachten, jetzt wissen wir wenigstens, was los ist. Beruhigung!

    Wir sind 5 Kinder. Ich die Älteste von ihnen. Unser Vater war die ganzen Tage von nachmittags bis abends immer bei ihr. Ich hatte mir vorgenommen, sie am Donnerstag zu besuchen.

    Im der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bin ich durch scheinbar entsetzlichen Lärm aufgewacht. Es hörte sich an, als klopfe jemand ganz heftig gegen die Heizung. Hört das niemand anderer? Ich konnte nicht aufstehen, ich war so müde. Kam nicht hoch.

    Am nächsten Morgen geht mein Telefon, meine Schwägerin weinend, ihr müsst alle schnell ins KH, eure Mutter liegt im Sterben. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Ich erlitt einen Schock.

    Nachts kam sie in die Not-OP. Es war zu spät. Man hat sie gleich wieder zu gemacht. Nicht aus der Narkose mehr rausgeholt. Der Dünndarm war bereits abgestorben. Das waren die Schmerzen! War das Mama nachts mit dem Lärm?

    Wir, Vater und die 5 Kinder, haben sie 12 Stunden begleitet, bis sie eingeschlafen ist. Das tröstet wenigstens etwas. Sie war nicht alleine. Sie hatte immer große Angst vorm Sterben.

    Jetzt haben wir folgenden Zustand: Die Geschwister und der Vater haben ihren Alltag aufgenommen. Meinen, das Leben geht weiter, das ist der Lauf des Lebens. Wie ich diese Aussagen verabscheue. Zumal mir das durchaus bewusst ist. Doch ich stoße auf Unverständnis, weil ich sie so sehr vermisse und so schmerzlich empfinde.

    Kraft bekam ich in der akuten Zeit durch meine Hündin. Diese ist mir dann auch von einem Tag auf den anderen in diesem Jahr verstorben. Das gab mir dann die nächste Trauer. Sie war für mich mein ein und alles.

    Freunde/Bekannte haben sich abgewandt. Und ich habe sie nicht zu sehr in Anspruch genommen, da ich mich eher zurück nehme, um nicht zu belästigen. Ich kam auch gar nicht erst dazu, sie waren vorher schon weg.

    Ich muss jetzt irgendwie einen Weg finden, den ich ohne Mama gehe. Das ist schwer. Wie hier in einem Kommentar bereits erwähnt, sie war immer bedingungslos liebend da.

    Ich wünsche allen die Kraft, mit ihrem Verlust einen Lebensweg zu finden, der dennoch erfüllend ist. Ich suche ihn auch.

    Herzlichst
    Cornelia

    Cornelia antworten
    • Elfie

      Hallo Cornelia,

      fühle dich umarmt.

      Ich möchte hier speziell darauf eingehen, dass du nachts Lärm gehört hast.

      Ich kann dir die Erlebnisse meiner Oma schildern, die ähnliches erlebt hat.
      Das Ganze hat sich vor ca. 30 Jahren zugetragen, da ist meine Oma nachts aufgewacht, weil sie ein lautes Klopfen am Ofenrohr gehört hat.

      Meine Oma meinte, dass sich jemand zum Sterben angemeldet hat. Ca. 14 Tage später wurde sie verständigt, dass ihre Schwester, die im Ausland gelebt hat, gestorben ist.

      Ihr Todestag war an dem Tag, an dem meine Oma das Klopfen gehört hat.

      Ich wünsche dir alles Gute!

      Elfie antworten
  • G.Weiß

    Danke an alle die hier so frei schreiben über Ihre Trauer.

    Auch ich trauer um mein jüngstes Kind, meinen Sohn, der plötzlich unerwartet in Los Angeles verstarb.

    Er war gerade 30 Jahre u. lebte dort seinen Traum seit 2 Jahren. Niemand kann ihn mir zurückholen. Ich begreife es immer noch nicht.

    Ich sitze ständig vor den Bildern u. Video, die es Dank seiner Bekanntheit u. seines Erfolges gibt.

    Auch die Reha u. Therapie haben mir noch nicht wirklich geholfen. Abseits vom Leben igel ich mich in die Vergangenheit ein.

    Hätte ich nicht meine beiden anderen Söhne und die beiden Hunde, dann wär ich wohl auch nicht mehr.

    G.Weiß antworten
  • Ria

    @G.Weiß

    Wir haben auch unser Kind verloren. Ist schon einige Jahre her. Es ist das Schlimmste, was einem als Eltern passieren kann. Unsere tiefe Trauer hat lange gedauert und wird wohl auch nie ganz vorbei sein. Mittlerweile können wir aber gut damit umgehen. Wir können sogar wieder lachen und unbeschwerter sein. Ich denke, dass hätte unsere Tochter auch so gewollt.

    Gib dir einfach die Zeit, die du brauchst. Gehe aber auch wieder unter die Menschen, werde aktiv, z. B. in einem Ehrenamt. Das hat mir immens geholfen. Oben im Artikel ist auch ein Link zu einem Forum, wo viele andere Personen sich austauschen, die einen lieben Menschen verloren haben.

    Ich wünsche dir viel Kraft!

    Ria antworten
    • Esther

      Liebe Ria, liebe/r G. Weiss,

      ich fühle mit euch! Meine Tochter (35) ist vor 6 Monaten plötzlich verstorben. Ich komme einfach nicht aus meiner “Spirale”. Bin permanent traurig und kann oft fast nicht arbeiten. Mir wird alles einfach zuviel. Lächeln kann ich seit August nicht mehr.

      Kommt man irgendwann aus der Spirale raus?

      Ich denke, “normal” wird das Leben nie mehr werden, denn wir müssen das Schlimmste ertragen, das überhaupt passiern kann.

      Euch viel Kraft
      Esther

      Esther antworten
    • Nicole

      Hallo Ria,

      ich habe vor 22 Jahren meinen kleinen Bruder verloren, ich war damals 9 Jahre alt, es lässt mich auch heute noch nicht los.

      Zumal ich damals versucht habe, ihn ins Leben zurückzuholen, während Krankenwagen und Polizei benachrichtigt waren.

      Nicole antworten
  • Rainer

    Hallo Herr Heidenberger,

    ich finde Ihre Tipps sind genau richtig!

    Ich habe schon bei manchen Foren die Beiträge gelesen und glaube, dass es den Betroffenen nicht wirklich weiterhelfen wird. Man muss der Trauer ihren Raum lassen, aber sich trotzdem wieder positiv zum Leben einstellen.

    Meine Frau ist im November letzten Jahres nach langer Krankheit verstorben. Wir sind sehr offen mit dem Thema Sterben umgegangen, und ich hatte auch mit ihr besprochen, wie die Trauerfeier und die Grabstätte gestaltet werden sollte. Die schlimmste Zeit war für mich, meiner Frau bei ihrem Leiden zusehen zu müssen, ohne wirklich helfen zu können. Aber ich konnte sie in der Klinik bis zuletzt begleiten. Mit ihrem Tod, ist sie von ihrem Leiden erlöst worden. Diese Tatsache hilft mir, den Verlust leichter zu ertragen.

    Natürlich vermisse ich meine Frau jeden Tag. Doch das ist nach nahezu 45 gemeinsamen Jahren auch völlig normal. Aber ich erinnere mich gerne an die schönen Zeiten, die wir gemeinsam erlebt haben. Das werde ich, und will ich auch nicht vergessen.

    Ich habe einige schöne Bilder von ihr im Haus aufgestellt, und besuche auch noch täglich ihre Grabstätte. Manchmal spreche ich auch mit ihr.

    Ich habe sofort nach ihrem Tod bewusst die sozialen Kontakte gepflegt. Mit engen Freunden habe ich auch über meine Trauer sprechen können, aber vor allem über das gemeinsam Erlebte.

    Auch vermeide ich keine Orte, an denen ich mit meiner Frau glücklich war. Ich fahre demnächst wieder in das Hotel, in dem wir jahrelang schöne Urlaube verbracht haben.

    Ich stelle mich wieder positiv zum Leben ein, ohne meine Frau zu vergessen.

    Vielleicht bin ich etwas zu rational, aber ich muss das Unabänderliche akzeptieren.

    Liebe Grüße
    Rainer

    Rainer antworten
    • Danke für Ihre offenen Worte, Rainer!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Cora

      Lieber Rainer,

      danke für deinen Kommentar. Du sprichst mir aus der Seele. Mein über alles geliebter Mann ist vor 4 Wochen verstorben. Wir waren 31 Jahre ein tolles Team. Ihn leiden sehen und nicht helfen können. Das war 9 Monate lang eine schwere Zeit. Wir haben die Hoffnung auf Heilung nie aufgegeben.

      Der Tod kam schneller als ich vermutet habe. Der Arzt hat mir mit dem “wer weiß, was ihm erspart geblieben ist” erst einmal die Augen geöffnet. Ich war so vernagelt, weil ich ihn so gerne noch “behalten” hätte. Wie egoistisch.

      Der Schmerz ist groß, aber ich gebe dir Recht. Das unabänderliche zu akzeptieren. Genau das ist es! Soziale Kontakte pflegen und sich nicht in seiner Trauer verkriechen. Der über alles geliebte Mensch ist ja für immer in unseren Herzen, solange wir ihm dafür einen Platz geben. Er bleibt unvergessen.

      Wie schön, dass du demnächst das Hotel besuchst, in dem du mit deiner Frau eine glückliche Zeit erlebt hast. Anfangs habe ich gedacht, dass ich unsere gemeinsam besuchten Orte nicht mehr aufsuchen kann, weil es so weh tut. Ganz mutig bin ich Sonntag allein in unser Lieblings-Café gegangen, und, im Gegenteil, es hat mir gut getan.

      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!

      Herzliche Grüße
      Cora

      Cora antworten
      • Rainer

        Liebe Cora,

        vielen Dank für deine lieben Worte, und mein aufrichtiges Beileid zu deinem schweren Verlust. Es war sicher nicht einfach deinen geliebten Mann gehen zu lassen.

        Auch bei meiner Frau war es in der Endphase nicht einfach. Sie hat die Entscheidung getroffen, jegliche weitere Behandlung einzustellen. Es war ihr Wunsch zu gehen, und das musste ich akzeptieren. Auch mir wäre es lieber gewesen, es wäre anders ausgegangen.

        Ich denke nicht, dass das bei dir Egoismus war, sondern eher der Wunsch, das Wertvollste, den “geliebten Partner” nicht zu verlieren. Das du den Mut aufbringst, die gemeinsam besuchten Orte aufzusuchen, ist sicher der richtige Weg. Nur wenn man sich der Situation stellt, und sie nicht zu verdrängen versucht, hilft es einem weiter.

        Wenn ich verreise, habe ich immer ein schönes Bild meiner Frau mit dabei. Es erinnert mich an unsere schönen gemeinsamen Zeiten.

        Nun sind schon 9 Monate vergangen, und ich sehe dass es absolut richtig ist, sich nicht in seiner Trauer zurückzuziehen. Es ist wichtig, sein Leben positiv anzugehen, und im Herzen die Erinnerung an die schönen gemeinsamen Zeiten zu bewahren.

        Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft, und dass du dich positiv auf die Zukunft einstellen kannst. Ich bin sicher, es wird dir gelingen!

        Liebe Grüße
        Rainer

        Rainer antworten
  • Juliane

    Mein Papa ist kürzlich nach einem Herzinfarkt ,2 Bypass Op’s in 3 Tagen im Alter von 86 Jahren gestorben. Er hatte eine Sepsis dazubekommen und dann ging alles sehr schnell.

    Er war ein starker Mensch, immer da und immer ein offenes Ohr für jeden.

    Er baute neben der Pflege meiner Mutter … 40 Jahre hat er sie gepflegt … und Berufstätigkeit, eine ambulante Pflegestation auf und organisierte Hilfen für Pflegende und Pflegebedürftige.

    Als meine Mutter starb, entschied er sich noch einmal zu heiraten. Er war da so glücklich, blühte noch einmal auf und zog aus und um … obwohl viele Menschen ihm da große Hürden in den Weg stellen wollten.

    Er war einfach immer da. Vor 5 Wochen kaufte er noch eine neue Couch. Er wollte noch ein Tablet kaufen, um seine Bankgeschäfte online besser erledigen zu können und vieles mehr.

    Ich bin so traurig. Er war trotz 86 Jahren nicht alt und er war immer da … immer gesund.

    In ganz jungen Jahren habe ich ein Kind verloren.

    Damals erwartete man von mir, dass ich stark bin und ich hab die Trauer verdrängt.

    Es hat mich nach 30 Jahren eingeholt und ich habe 8 Wochen nicht arbeiten können und nur geweint.

    Jetzt habe ich mir die Zeit genommen und getrauert … ich trauere noch sehr und oft laufen die Tränen einfach so.

    Ich lenke mich auch nicht ab, aber ich gönne mir ab und zu etwas in dem Bewusstsein, dass ich von ihm gelernt habe … nicht stehen bleiben … trotz allem gut für sich sorgen und jeden Tag annehmen, wie er eben ist.

    Meine Kinder und mein Pferd helfen mir oft einen traurigen Tag gut zu überstehen.

    Dadurch dass ich schaue, wie mein Vater sein schweres Leben doch positiv gelebt hat und wo er für sich sorgte und wo er auch mutige Entscheidungen treffen konnte … bin ich ihm sehr nahe und dankbar, dass ich das so kann.

    Juliane antworten
    • Cornelia Westphal

      Juliane,

      mein tiefes Mitgefühl zum Verlust Ihres Vaters.

      Ich kann Sie nur ermutigen, die Trauer anzunehmen und mit jeder Faser zu spüren. Auch, wenn es schmerzt. Für mich hat das etwas mit Respekt und tiefem Empfinden zum Verstorbenen zu tun. Das ist auch Liebe. Diese tut leider manchmal auch weh. Doch, sie bleibt ganz tief in einem verankert und so bleibt Ihr Vater allgegenwärtig.
      Er kann gar nicht weg sein, denn er lebt in Ihnen weiter. Sie sind ein Teil von ihm, sie kommen aus ihm.

      Ich weiß, wie das ist. Meine Mama ist vor fast vier Jahren verstorben. Noch immer spüre ich den Schmerz, weil ich sie so sehr vermisse. Erzähle ich von ihr oder Erinnerungen sind präsent, dann laufen mir auch noch immer wieder mal Tränen. Das ist gut so. Mir hilft es und löst die Beklemmung.

      Bitte verdrängen Sie die Trauer nicht, leben Sie sie und Sie werden merken, ganz langsam stellt sich Ruhe ein und Sie werden mit guten Gedanken und Gefühlen an Ihren Vater denken und von ihm erzählen können.

      Ich freue mich, dass Sie Trost durch Ihre Kinder und Ihr Pferd bekommen. Tiere sind einfach wunderbare Lebensbegleiter in jeder Lebenssituation.

      Herzlichst
      Cornelia Westphal

      Cornelia Westphal antworten
    • Rainer

      Liebe Juliane,

      mein aufrichtiges Beileid zum Tod Ihres geliebten Vaters.

      Es ist natürlich sehr schlimm, dass es nach nur kurzer Krankheit passiert ist. Da bleibt wenig Zeit sich darauf einzustellen.

      Sie sind aber auf dem richtigen Weg, die Trauer zuzulassen, und sie nicht zu verdrängen.

      Ihr Vater war mit seiner positiven Lebenseinstellung ein gutes Vorbild. Das ist auch für Sie der richtige Weg. Es wird natürlich immer wieder Situationen geben, bei denen Sie die Trauer überwältigt. Doch werden mit der Zeit die schönen Erinnerungen an Ihren Vater überwiegen, und der Schmerz besser zu bewältigen sein.

      Ich wünsche Ihnen für die nächste Zeit viel Kraft, und positive Gedanken!

      Mir hat es nach dem Tod meiner Frau sehr geholfen, die sozialen Kontakte zu pflegen. Bei mir überwiegen inzwischen die schönen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit.

      Sie schaffen das sicher auch!

      Liebe Grüße

      Rainer

      Rainer antworten
      • Juliane

        Vielen Dank lieber Rainer,

        es ist noch sehr frisch und tut sehr weh.
        Aber das Leben hat mich auch gelehrt, daß es immer weiter geht und ich konnte das auch immer so annehmen.

        Es ist nicht der erste schmerzliche Verlust.
        Als junge Frau konnte ich nach dem Tod meines Kindes nur entscheiden, ob ich in der Trauer bleibe oder für meine Familie und für mich weiter mache.

        Auch diese Trauer ist noch in mir, aber mittlerweile erträglich.

        Ich gehe nun wieder arbeiten und das hilft mir, da ich in einem tollen Team arbeiten darf und meinen Sohn als Kollegen täglich sehe.

        Wenige, aber gute Freunde sind da und das tut gut.

        Ich wünsche ihnen auch alles Gute weiterhin.

        Liebe Grüße
        Juliane

        Juliane antworten
  • Juliane

    Vielen Dank für Ihre Antwort und Ihre hilfreichen Worte.

    Alles Gute auch für Sie.

    Juliane antworten
  • Sarah

    Hallo zusammen,

    ich habe vor zwei Jahren meinen kleinen Bruder an Krebs verloren. Es war eine grausame Zeit, die mich sehr stark geprägt hat.

    Mein Leben war schon immer von Krankheiten geprägt. Alkoholkranke Großeltern, einen nierenkranken Vater, eine depressive Mutter. Mein Bruder und ich waren in all den Jahren ein komisches Gespann. Ständig haben wir uns gestritten und angekeift. Aber wehe jemand anderes tat uns weh. Nach außen waren wir ein starkes Team und haben uns gegenseitig immer beschützt.

    Irgendwann fing er an ständig über Bein- und Rückenschmerzen zu klagen. War bei Ärzten, die aber nichts Konkretes fanden. Die Ursache lag für jeden auf der Hand. Übergewicht, kein Sport, ungesunder Lebensstil, leicht schiefe Wirbelsäule, …

    Nach drei Jahren fand er einen Orthopäden, der es genauer wissen wollte. Das MRT zeigte einen Tumor im Oberschenkel, der bereits bis zur Wirbelsäule gestreut hat. Mein Kleiner war da gerade mal 25 Jahre alt.

    In den folgenden Monaten ging alles viel zu schnell. Im März war die Diagnose, im Mai bekamen wir die Gewissheit: inoperabel, keine Chance auf Heilung. Der Krebs war inzwischen in seinem Gehirn angekommen und wir erlebten einen Horror nach dem anderen. Er phantasierte, erkannte uns nicht mehr und bekam immer mehr Panikattacken. In so dahinsiechen zu sehen, an den Rollstuhl gefesselt und immer mehr abgemagert tat unendlich weh. Wir waren so machtlos.

    Im darauffolgenden August, also gerade mal ein knappes halbes Jahr nach der Diagnose, schlief er für immer ein.

    Ich funktionierte, fing meine Eltern auf, kümmerte mich um die Beerdigung und stand seinen besten Freunden zur Seite. Wie in Trance plante ich nebenbei meine Hochzeit, die mein kleiner Bruder sich so sehr gewünscht hatte.

    Es ging mir irgendwie gut. Ich kam klar. Mein Mann und viele gute Freunde waren echte Felsen und langsam hatte ich wieder Spaß am Leben. Ich liebte, lachte und lebte.

    Aber jetzt 2 Jahre später holt es mich irgendwie wieder ein. Ich bin ständig traurig, breche unerwartet in Tränen aus und verfluche die Welt und das Leben.

    Ich werde inzwischen wütend, wenn jemand über den Verlust von alten Menschen schreibt oder redet. Ich möchte ihnen am liebsten ins Gesicht brüllen, dass sie wenigstens 80 oder 90 Jahre gelebt haben und darüber verdammt glücklich sein sollen. Mein Bruder hatte nur 26 Jahre Zeit zu leben. Und so viele andere sterben viel zu jung und lassen Eltern wie Geschwister mit einer Leere zurück, die nicht sein sollte.

    Ich weiß wie unfair es ist, Menschen die trauern anzubrüllen. Jeder Mensch verdient es, dass um ihn getrauert wird und jeder Mensch soll trauern dürfen. Rational betrachtet weiß ich das. Jeder Verlust tut weh und mag nicht einmal daran denken, meine Eltern zu verlieren.

    Aber diese Wut in mir lässt sich immer schwerer von rationalen Gedanken kontrollieren. Ich habe das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Also habe ich angefangen im Internet über Trauer nachzulesen.

    Dabei bin ich auf diese Seite gestoßen und fange langsam an zu glauben, dass mein Trauerprozess jetzt erst richtig anfängt. Ich habe funktioniert, habe getan was mein Umfeld von mir erwartet oder gebraucht hat und habe dabei meine eigenen Gefühle vollständig verdrängt. Jetzt brauchen mich meine Eltern nicht mehr so sehr. Sie sind zurück im Leben und nun ist meine Zeit gekommen, mich fallen zu lassen.

    Ich danke allen für ihre offenen Worte und den beschriebenen Gefühlen. Es hat mir geholfen, meine eigenen zu hinterfragen und ich hoffe die Antwort nun gefunden zu haben. Ich bin einfach noch nicht zum Trauern gekommen und kann jetzt hoffentlich meine Wut in Akzeptanz umwandeln und irgendwann wieder mit einem Lächeln auf den Lippen an meinen Bruder denken. Zumindest wünsche ich es mir ganz fest.

    Viele Grüße und vor allem viel Kraft an all jene, die wichtige Menschen verloren haben. Ihr seid nicht alleine!

    Sarah antworten
  • Gaby Schmid

    Unsereins schmerzt das Herz unerträglich stark – innerer Schrei geht durch Knochen + Mark.
    Tiefer Schmerz schüttelt mich,
    innerlich zerrissen bin ich.
    Kann irgend einer meine Seele zähmen ?
    Findet jemand von euch den Knopf für die Tränen ?

    Die Trauer – ein erst innerliches Nagen –
    zerfrisst uns von Innen – können’s nicht wagen
    sie zu zu lassen – sie käme mit Wucht –
    schlage uns wieder in die Flucht.

    So wird sie weiter unaufhörlich in uns klagen
    und unsere Seele langsam zernagen –
    Sie zerfrisst uns von Innen Stück für Stück
    und wir werden vor Herzschmerz fast verrückt.

    Verkriechen, verstecken, unsichtbar machen,
    wo nötig anpassen…Trauer statt Lachen.

    Die Scham lässt den Rückzug an.
    Die Angst zieht uns grob die Zucht an:
    Reiss dich zusammen – Zier dich nicht so –
    hopp, auf, Marsch, vorwärts-funktioniere bloss!

    Der Gehorsam funktioniert wieder in seinem inneren Ton,
    ein Gruss von Hörig und Stockholmsyndrom!
    Egal, wie sehr unser Herz auch bangt,
    Hauptsache wir schweigen und tun was verlangt.

    So sitzen wir in uns selber gefangen
    im Abgrund der Seele eingekerkert
    Keine Hoffnung mehr – nur noch Bangen,
    bis keiner mehr von uns meckert.
    erschrocken und verharren –
    paralysiert in der Schockstarre.

    Im Schock treiben wir dahin –
    im Nirgendwo verloren – lautlos schreiend
    orientierungslos – die Luft ist dünn.
    zersprengt – zerrissen – heimlich weinend.

    Gaby Schmid antworten
  • Babs

    Hallo!

    Bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und möchte nun auch gerne meine Geschichte mit euch teilen. Ich entschuldige mich schon vorab für den langen Text.

    Vor ca. 10,5 Jahren erkrankte mein Vater mit 58 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er kämpfte 1 Jahr und in diesem Jahr sah man die schlimme Verwandlung, die diese fürchterliche Krankheit mit sich brachte.

    Es war die Hölle für mich, ihn so zu sehen und nichts tun zu können. Als er starb, war ich dennoch geschockt, irgendwo aber auch „erleichtert“, dass er es hinter sich hat.

    4 Monate später nahm sich mein Großvater, zu dem ich nicht so engen Kontakt hatte, das Leben. Auch das war irgendwie in Ordnung für mich, da er es ja selbst wollte.

    So ziemlich genau zum ersten Todestag meines Vaters (der übrigens genau am Geburtstag meiner Großmutter war (er war ihr einziges Kind)) verfiel ich dann in eine fürchterliche Depression. Ich hätte Panikattacken und teils dachte ich, dass ich das alles nicht überstehe.

    Mit der Zeit ging es mir besser, aber über meinen Vater reden fiel mir nach wie vor sehr schwer und ich konnte meine Tränen kaum bändigen.

    Letztes Jahr am 23.12. starb die Mutter meiner besten Freundin ebenfalls an Krebs. Die Trauer mit ihr durchzustehen, half mir wirklich sehr und ich konnte endlich den Tod meines Vaters verkraften.

    Tja und dann geschah eines der schlimmsten Dinge, die nur passieren konnte. Meine geliebte Nichte verunglückte am 13.6. dieses Jahr mit nur 21 Jahren bei einem Autounfall. Es brach mir das Herz und ich dachte, ich müsste sterben. Ich erfuhr es mehr oder minder über Fb, da ich nur 3 Std. nach dem Unfall über ein Zeitungsportal den Artikel darüber las. Es stand kein Name dabei, aber ich erkannte ihr Auto sofort.

    Ich wollte es partout nicht wahrhaben und hatte furchtbare Angst, sie oder meine Schwester (ihre Mutter) anzurufen. Ich rief meine beste Freundin an und erzählte ihr davon. Sie überzeugte mich davon,dass ich sie anrufen solle. Dies tat ich dann auch und wie zu erwarten war, hob bei beiden niemand ab. Ich rief dann meine andere Schwester an, die in der selben Ortschaft wie die andere Schwester wohnt und sie hob dann ab. Ich fragte sie nur: „Bist du in der Arbeit…?“ Sie antwortete nur: „Jetzt nicht mehr…“

    Eine Welt brach zusammen und mein Herz und mein Verstand flehten bitte bitte, lass das nicht wahr sein. Ich hatte so unglaubliche Angst vor dem Treffen mit meiner Schwester und meinem Schwager, hatte „Schuldgefühle“, weil ich 3 gesunde Kinder zu Hause habe, hatte Panik vor der Verabschiedung und wollte einfach nur aus diesem Albtraum aufwachen.

    Es tat und tut noch immer so unfassbar weh. Ich merkte, wie es mir von Tag zu Tag schlechter ging und ich mich wieder in einer Depression befand. Ich hatte Panikattacken und wusste nicht mehr, was ich machen soll. Ich hielt es zu Hause nicht aus, konnte kaum über meine Nichte sprechen, geschweige denn mir Bilder von ihr ansehen.

    Mittlerweile nehme ich wieder Antidepressiva und es geht mir soweit gut. Am 15. August (genau der Geburtstag meiner Mutter und 3 Tage vor dem Geburtstag meiner Tochter und mir) verstarb dann unerwartet meine Großmutter. Sie war 90 Jahre alt und wollte auch schon sterben. Es war seit dem Tod meines Vaters und jetzt auch meiner Nichte ihr sehnlichster Wunsch.

    So, nun bin ich am Ende meiner Geschichte und möchte mich einerseits nochmals für den langen Text entschuldigen und andererseits auch danken dafür das ich dies hier teilen durfte.

    Mit freundlichen Grüßen und alles Liebe

    Babs antworten
  • Michael Leberle

    Hallo miteinander,

    vielen Dank dir lieber Burkhard für dieses wichtige Thema und an alle, die etwas von sich geschrieben haben.

    Meine Mutter ist gestorben als ich drei Jahre und neun Monate alt war. Sie hatte Gehirntumor. Ich habe sie das letzte Mal gesehen, als ich drei Jahre und 6 Monate alt war. Danach kam sie ins Krankenhaus und ich durfte sie dort nicht besuchen. Fast alles, was ich von meiner Mutter weiß, hat mir meine Patentante erzählt.

    Meine Patentante ist die Schwester meiner Mutter. Sie hat mir z. B. erzählt, dass meine Mutter im Haushalt alles noch geordnet hat, bevor sie ins Krankenhaus kam. Vermutlich ahnte sie schon, dass sie nicht mehr zurückkommen wird.

    Während des Krankenhausaufenthaltes gab es natürlich viele schmerzliche Momente. Einer davon war, als meine Mutter meiner Patentante ihr Gebetsbuch gab und ihr sagte: Bete du jetzt für mich, ich kann nicht mehr beten.

    Meine Patentante hatte jedoch auch frohe Momente mit meiner Mutter im Krankenhaus: So hat sie mit meiner Mutter gescherzt, als sie keine Haare mehr hatte. Zu einem anderen Zeitpunkt griff sie fest die Hand meiner Patentante und flehte sie an: Du kümmerst dich um meine Buben, ja! Was konnte meine Patentante hier anders tun, als ihr diese Herzensbitte zu erfüllen.

    Das ist ein Ausschnitt aus meiner Erfahrung, die ich für ein Trauerradio erzählt habe. Der Trauerprozess war für mich sehr wichtig. Wer meine ganze Erfahrung wissen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Die Audioaufnahmen sind auch auf meinem youtube-Kanal zu finden. Ich kann auch das Trauerradio empfehlen, für das ich eine dreiteilige Sendereihe gestaltet habe. Dort findet ihr auch nähere Infos zu meiner dreiteiligen Sendereihe.

    Michael Leberle antworten
  • Monika Marx

    Das Thema Tod wird oft totgeschwiegen. Man traut sich nicht, Trauernde anzusprechen, weil man nicht weiß, wie man reagieren soll. Also geht man lieber kopfgebeugt an ihnen vorbei….

    Ich wurde schon sehr früh mit dem Thema Abschiednehmen konfrontiert. Mit 11 Jahren musste ich miterleben, wie meine Mutter vor der Türe angefahren wurde. Damals war mir nicht bewusst, was genau geschah. Meine Tante war für uns da und meine Mutter, damals auch erst Anfang 30, kämpfte ums Überleben. Nach 3 Monaten konnte mein Vater sie nach Hause holen.

    Ich bewundere heute noch immer ihre Entschlossenheit nicht aufzugeben, denn 2 Jahre später verunglückte mein Vater tödlich. Dies war für uns alle unbegreiflich, morgens noch gemeinsam gefrühstückt und abends nicht mehr da. Ich brauchte viele, viele Jahre um damit abzuschließen, denn damals hieß es nur, du musst für deine kleinere Schwester da sein.

    Meine Mutter war nach außen immer stark, doch mit den Jahren erkannte ich immer mehr, wie zerbrochen sie doch war. Ich war für sie da, kümmerte mich um ärztliche Termine, da ihr mittlerweile ein Bein amputiert werden musste und die Durchblutung und der Zucker ihr auch böse mitspielten. Trotzdem versuchte sie für andere stark zu sein und den Mut nicht zu verlieren.

    Sie verstarb im Januar nach einer weiteren OP erst, nachdem wir ihr zugestanden, gehen zu dürfen. Nachdem ich ihr dies gesagt hatte (sie lag im künstl. Koma), konnte man sehen, wie die Werte nach unten gingen.

    Den letzten Atemzug habe ich nicht mitbekommen, dies hätte ich auch nicht gewollt. Ich hatte mich vorher verabschieden können und sie zu meinem Vater entlassen, die nach 45 Jahren wieder irgendwo zusammen sind.

    Abschied nehmen ist nie schön, aber mich tröstet der Gedanken, dass wir irgendwann irgendwo wieder zusammenkommen in einer “Welt” ohne Streit und Missmut.
    … und Tränen dürfen weiterfließen, denn ich glaube, dass uns unsere Liebsten nie ganz verlassen.

    Danke, dass ihr mir zugehört habt
    Monika

    Monika Marx antworten
  • Doris Gollé

    Meine Mutter war 4 Jahre lang in einem Pflegeheim, nachdem nach einer Beckenfraktur bei uns zu Hause in einem alten Haus die Wohnsituation für sie nicht mehr möglich war.

    Nachdem das Seniorenheim nur im nächsten Ort war, bekam sie von mir praktisch täglich Besuch, am Wochenende auch von meinem Mann und unseren Kindern. Insofern hatte ich meinen Frieden mit der “Abschiebung” ins Altersheim, auch weil dort die Betreuung m.E. gut war. (Wobei ich Folgendes anmerken muss: Wenn man so oft dort auftaucht wie wir das taten, kennt man die Pfleger etc. und ich hatte das Gefühl, dass der intensive Kontakt mit den Angestellten dort auch den Bewohnern zugute kommt.)

    Nachdem meine Mutter immer hinfälliger wurde und dann mit 94 Jahren an einer Lungenentzündung sterben konnte, hatte ich nachher immer dieses gebrechliche Bild von ihr im Kopf, obwohl sie doch bis zum Tod meines Vaters eine starke Frau gewesen war.

    Ich musste dieses Bild aus dem Kopf bekommen. Deshalb habe ich mir ein Bild meiner Eltern aufgestellt, als sie in jungen Jahren ganz glücklich und schön angezogen bei einer Hochzeit waren. Dieses Bild, das ich schon als Kind geliebt habe, steht noch heute, 5 Jahre nach dem Tod meiner Mutter und 12 Jahre nach dem meines Vaters in der Küche. Es hat mir dabei geholfen, meine Eltern so fröhlich, wie sie im Leben waren, nach den schlimmen letzten Jahren wieder in Erinnerung zu bekommen.

    Doris Gollé antworten
  • Petra L

    Hallo zusammen,

    es ist sehr schön, dass das Thema Trauer hier seinen Raum bekommt.

    Ich habe vor 5 Monaten meinen Mann verloren, er war erst 48 Jahre alt und ich habe überhaupt nicht damit gerechnet.

    Wir haben schön zusammen am Samstag mittags gegessen, er lobte noch meine Kochkünste und am Nachmittag bin ich dann zu meinem Dienst aufgebrochen (ich hatte als Ärztin Notdienst). Da habe ich gleich als ersten Fall einen frisch Verstorbenen gehabt, bei dem ich die Leichenschau durchgeführt habe.

    Mein Mann rief mich später nochmal auf dem Handy an, ob ich der Familie auch ein wenig weiterhelfen konnte, erzählte von den Hunden daheim und meinte, ich solle doch noch etwas zum Abendessen mitbringen.

    Wir redeten ein wenig und ich sagte dann, dass ich jetzt aufhören muss, weil wir beim nächsten Patienten waren.

    Als ich 3 Stunden später, bestens gelaunt mit besorgtem Abendessen nach Hause kam, antwortete er nicht auf mein Rufen.
    Schließlich fand ich ihn leblos vor, versuchte noch zu reanimieren – der Notarzt kam auch noch – aber es war zu spät.

    Ich weiß, dass der Gedanke, zu spät gekommen zu sein, unsinnig ist, weil mich ja keine Schuld trifft – aber es ist so hart, dass ich ausgerechnet meinem eigenem Ehemann nicht helfen konnte.

    Er sah sehr friedlich aus, wahrscheinlich war es ein Sekundenherztod.

    Aber für mich ist eine Welt zusammengebrochen und ich versuche jeden Tag aufs Neue damit klar zu kommen.

    Ablenkung tut nur so lange gut, bis ich wieder allein zu Hause bin (mein alter Hund ist auch noch zu allem Unglück nach ein paar Wochen gestorben) – dann sitze ich oft da und weine mich in den Schlaf.

    Er fehlt mir so sehr…

    Ich hoffe, dass wir uns in einem anderen Leben wiedersehen.

    Im Moment überwiegt aber die Trauer. Die Dankbarkeit, ihn bei sich gehabt zu haben, kann sich noch nicht breit machen.

    Mit Freunden kann ich nur bedingt reden, nach drei, vier Sätzen bekommt man das allzu bekannte “das Leben geht weiter” und “die Zeit heilt schon alle Wunden” zu hören und ich schreie innerlich “Nein!”.

    Die einen erzählen von ihrem Pech in diesem Jahr “das Pferd humpelte” oder “ich hatte auch so ein Unglück, habe mir den Fuß verstaucht”. Ich fühle mich dann nicht ernst genommen – gibt es etwas Schlimmeres, als den geliebten Partner, mit dem man alt werden wollte, zu verlieren?

    Von allen Schicksalsschlägen (Sorgen um die Kinder, Familienproblemen, Scheidung, finanzielle Sorgen und eigene, wenn auch nicht lebensbedrohliche Erkrankungen) war das wirklich der bisher schlimmste und ich würde alles Materielle hergeben, wenn ich ihn dadurch wiederbekommen würde.

    Vielleicht hilft mir eine Trauergruppe weiter, da hier jeder etwas Ähnliches erlebt hat.

    Ich wünsche allen anderen viel Kraft.

    Danke für dieses wichtige Thema!

    Petra L antworten
    • Andrea H.

      Hallo Petra,

      Du sprichst mir aus dem Herzen!

      Ich habe vor sechs Wochen meinen Mann mit 45 Jahren verloren, heute ist sein erster Geburtstag, den ich ohne ihn durchstehen muss.

      2 Tage vor meiner Knie-OP hat er mich verlassen, total plötzlich und unerwartet.

      Er hat mich noch von meinem Anästhesiegespräch abgeholt, wir haben gemeinsam eingekauft, zu Abend gegessen, besprochen, was wir am Wochenende machen und wie der Montag mit meiner Knie-OP ablaufen wird. Er hatte für alles schon einen Plan und Reservepläne.

      Nachts bin ich aufgewacht, weil er seltsame Geräusche von sich gab.
      Trotz Schütteln gab er keinen Laut von sich. Seine Hautfarbe war auch nicht mehr rosig.
      Ich habe den Notruf gewählt und ihm dann eine Herzdruckmassage gegeben bis die Sanitäter eintrafen, was gefühlt eine Ewigkeit gedauert hat.
      Trotz vielfacher Reanimationsversuche gab es keinen einzigen Herzschlag mehr.

      Ich habe mit ihm 18 wundervolle Jahre leben dürfen und davon waren wir 7 Jahre verheiratet.

      Er war immer mein Leitfaden, hat mich aus den Tiefs geholt, aufgemuntert. Er war einfach immer für mich da, wollte immer nur, dass es mir gut geht und hat dafür alles stehen und liegen gelassen. Er war mein Seelenverwandter.

      Ich bin sehr froh, dass ich immer in unser gemeinsames Zuhause möchte. Allerdings ist die Wohnung leer und er nicht da. Jeden Tag glaube ich, er kommt gleich die Treppe rauf.

      Ich weiß, dass er das alles, was jetzt passiert ist, nicht wollen würde und möchte, dass ich mein Leben glücklich und munter weiterlebe.

      Ich möchte ihm diesen Wunsch auch erfüllen, weil er immer lebensfroh und lustig war.

      Aber das alles gestaltet sich extrem schwer und die Tiefs, aus denen ich mich selbst zum Glück bis jetzt wieder herausholen kann, nehmen immer mehr zu.

      Er fehlt mir so sehr und ich würde alles erdenkliche Pech auf mich nehmen, wenn ich ihn dafür wieder bei mir an meiner Seite hätte!

      Meine Freunde helfen mir zwar sehr viel und die Gespräche sind wundervoll und beruhigend.
      Nur wenn ich wieder alleine bin, geht alles wieder von vorne los.

      Ich würde gerne die Zeit nach vorne drehen, damit der Schmerz endlich weniger wird. Aber das geht leider nicht.

      Ich muss versuchen, nach vorne zu sehen und hoffe, dass dies allen hier auch gelingt!

      Andrea H. antworten
  • Peter Merhof

    Guten Tag,

    auch ich habe im Lauf der Jahre verschiedene Menschen verloren, die mir nah standen oder denen ich mich verbunden fühlte.

    Als mein Vater vor einigen Jahren starb, war die Situation mit allem, was zu tun war, sehr aufregend, zumal dann auch meine Mutter noch zusammenbrach und ins Krankenhaus musste.

    Alles lief wie im Nebel ab und erst einige Zeit nach der Beerdigung kamen wir alle etwas zur Ruhe.

    Wer uns bei der „akuten“ Trauer angesprochen hatte, wussten wir teilweise nicht mehr. Aber die Gespräche und auch Besuche, die später stattfanden, haben gut getan und auch heute noch schauen wir uns auch mal Trauerbriefe mit persönlichen Worten an.

    Ich habe mir angewöhnt, zumindest etwas Persönliches zu schreiben, wenn ich nicht direkt helfen kann. Dafür habe ich mir inzwischen eine Sammlung schöner Sprüche und Zitate in einem Büchlein angelegt, die immer mal ergänzt wird. Zusammen mit ein paar persönlichen Worten drücke ich dann zunächst mein Mitgefühl aus.

    Ich gehe dann lieber auf die Menschen zu, wenn der Trubel vorbei ist und habe festgestellt, dass dann sehr intensive Gespräche stattfinden können.

    Für mich selbst habe ich begonnen, Klarheit für meinen persönlichen Todesfall zu schaffen, auch um denen, die dann damit belastet sind, Entscheidungen zu erleichtern.

    Vielen Dank für die vielen Gedanken der „Mitleser“ und für Ihre Zeitblüten, Herr Heidenberger, die mir immer viel bedeuten.

    Peter Merhof antworten
  • Emily

    Eine Freundin sagte mir zum plötzlichen Tod meines Mannes:

    » Der Tod geschieht nur an einem Tag. Vorher und nachher ist Leben. «

    Diese Worte haben mich berührt und seltsamerweise getröstet und machen es immer noch.

    Emily antworten
    • Susanne

      Mir geht es genauso, mein Mann hat einige Zeit, bevor er gegangen ist, an Freunde einen Spruch gesandt:

      Charlie Brown sagt zu Snoopy “eines Tages müssen wir alle sterben, Snoopy”, und Snoopy sagt “stimmt, aber an allen anderen Tagen nicht”.

      Ich kannte diesen Cartoon nicht und er ist mir durch Zufall (Zufälle gibt es nicht!?) über den Weg gelaufen und ich habe ihn in die die Danksagungsanzeige eingebaut, weil ich ihn so schön und passend fand, und er gibt mir unglaublich viel Ruhe, Kraft und Halt in dieser schlimmen Zeit…

      Susanne antworten
  • Gerhard K. Ullrich

    Um das Thema “Tod” kommen wir nicht herum, weil es jeden betrifft. Bei mir nähert sich das 70. Wiegenfest, und deshalb habe ich schon sehr oft liebe Menschen “loslassen” müssen. Im Laufe dieser Erlebnisse habe ich gelernt, dass Trauer dazugehört, weil es einfach weh tun muss, nichts dagegen machen zu können und loslassen zu müssen, was einem so unbeschreiblich viel bedeutet…

    Trauer kann sich aber auch verwandeln: Inzwischen bin ich dankbar dafür, dass es mir bei so vielen Menschen so weh getan hat, denn ich hatte das Glück, dass ich diesen wunderbaren Menschen so nahe sein durfte, dass ich sie erleben durfte und sie Teil meines Lebens waren, sind und bleiben, bis ich selbst gehen muss.

    Diese Dankbarkeit erlöst mich von den Trauertränen, für die ich mich nicht schäme, aber ich kann sie nicht erzwingen. Sie kommt nicht auf Kommando, aber sie ist verknüpft mit der Pflege der Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, und so weiter…

    Ich bin froh, dass ich für mich diesen Weg gefunden habe

    Gerhard K. Ullrich antworten
    • » Inzwischen bin ich dankbar dafür, dass es mir bei so vielen Menschen so weh getan hat, denn ich hatte das Glück, dass ich diesen wunderbaren Menschen so nahe sein durfte, dass ich sie erleben durfte und sie Teil meines Lebens waren, sind und bleiben, bis ich selbst gehen muss. «

      Herzlichen Dank für diesen bereichernden, wertvollen Aspekt, Herr Ullrich! Ich finde diesen Zugang wunderbar.

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Ursula

    Als unser Sohn vor bald zwanzig Jahren mit knapp 18 verunfallte, fiel die Welt zusammen. Heute habe ich Krebs und die Welt gibt es immer noch.

    Zu akzeptieren, was geschehen war, dass der Tod zum Leben gehört. Das ist für mich die Zauberformel, damit umzugehen. Auch nach bald zwanzig Jahren Tränen fliessen lassen zu können, ist Glück. Es muss nicht aufhören, ich kann damit umgehen, es akzeptieren!
    Meine Zauberformel.

    Dankbar, dass ich über siebzehn Jahre die Zeit mit meinem Kind verbringen durfte. Lachen, weinen und glücklich mit ihm sein konnte. Es mein Leben bereichert hat. All die glücklichen Momente im gemeinsamen Leben wert zu schätzen, das ist Glück.

    Mit der Zeit, das Warum oder hätte ich doch und all solche Fragen aufzugeben und erkennen zu können, welches Glück ich hatte mit meinem Kind, mit meinem Partner/Partner, Elternteil, Geschwister, dafür ist jeder von uns selber verantwortlich. Doch nur so kann Freude und Glück in unser Leben zurückkommen.

    Auch der Krebs hat so keine Macht mir Angst zu machen. Ich hatte einfach bis jetzt Glück und geniesse meine Zeit. Das geht nur, weil ich es akzeptiert habe, niemand bleibt ewig auf dieser Welt auch ich nicht.

    Was ich ganz wunderbar finde, die Enkelkinder gehen ganz unbeschwert mit dem Thema Tod um, das möchte ich ihnen bewahren. Wir haben oder hatten Glück oder werden noch länger eine Zeit in dieser Welt zusammen verbringen dürfen.

    Niemand sagt, dass es einfach ist……. das Leben und der Tod…. nur ich kann es akzeptieren!

    Ursula antworten
  • Tanja

    Vielen Dank für diese wertvollen Tipps.

    Meine Oma ist vor einer Woche gestorben. Die ersten fünf Tage hat es ganz gut geklappt. Bei der Arbeit war viel zu tun, abends habe ich mich mit Sport und Haushalt abgelenkt – und Sonderurlaub bei Großeltern gibt es ja leider in der Regel nicht, egal wie nahe die einem standen. Meine Oma hat einen Großteil der Erziehung übernommen und hat nach dem Kindergarten und der Schule auf uns aufgepasst, bis unsere Mama am frühen Nachmittag zu Hause war.

    Heute ist die Beerdigung und ich hab es psychisch nicht geschafft dort teilzunehmen. Stattdessen sitze ich nun auf dem Sofa und heule. Ich wollte in die Kirche gehen, beten und eine Kerze anzünden, aber das schaffe ich heute noch nicht. Vielleicht am Wochenende.

    Ich komme nicht gut damit klar, dass nun alle 4 Großeltern von oben zu schauen und ich sie nicht mehr in den Arm nehmen kann. Ich habe Angst im Büro am Schreibtisch in Tränen auszubrechen und überlege deswegen schon die ganze Zeit, ob ich mich für den Rest der Woche krankschreiben lasse. Alle meine Kollegen wissen von diesem Verlust und würden es vielleicht sogar verstehen….

    Tanja antworten
    • Mia

      Liebe Tanja,

      alles was du schreibst, kann ich vollkommen nachvollziehen, weil ich vor einigen Jahren in einer ähnlichen Situation war. Ich konnte auch nicht an der Begräbnis teilnehmen.

      Wie schon Gerhard weiter oben geschrieben hat, hat mir geholfen, mit Dankbarkeit auf die Zeit mit meiner Tante zurückzublicken. Heute bin ich wirklich dankbar, dass ich so einen wunderbaren Menschen wie meine Tante in meinem Leben hatte, auch wenn ich natürlich immer noch traurig bin, dass sie nicht mehr da ist.

      Ich wünsch dir alles Gute und viel Kraft

      Mia

      Mia antworten
  • ursula

    Danke für die Hilfe,

    mir geht es nicht gut, mein Mann ist am 9.1.2020 gestorben, er war richtig krank, aber ich kann nicht vergessen, wie das abgelaufen ist im Krankenhaus.

    Ich weine jeden Tag, ich habe keine Lust mehr am Leben, ich vermisse ihn so sehr, wo bekomme ich Hilfe.

    Wir waren 47 Jahre zusammen… ich hoffe, dass ich das hin bekomme.

    ursula antworten
    • tanja

      hallo ursula,

      das ist wirklich sehr schwer, wenn ein geliebter mensch stirbt. ich habe ein kind verloren. trauer braucht zeit und die solltest du dir auch zugestehen. umgib dich mit menschen, die dir guttun. du kannst auch einen therapeutin aufsuchen, die kann dir eine große hilfe sein.

      dein mann hätte sicher gewollt bzw. will sicher – wo auch immer er jetzt ist –, dass es dir gut geht. das solltest du bedenken. schau auf dich und lass die trauer zu.

      alles gute

      tanja antworten
    • wira

      Hallo Ursula,

      mir geht es genauso, mein Mann verstarb am 15.1.20 am Sekundenherztod. Wir waren über 50 Jahre zusammen, ich werde mit seinem Tod nicht fertig und suche mir auch gerade professionelle Hilfe. Ich hoffe, es wird irgendwann besser.
      LG Wira

      wira antworten
    • wira

      liebe Ursula,

      auch ich habe im Januar meinen Mann verloren. Wir waren 53 Jahre zusammen, davon 49 verheiratet. Ich kann gut nachfühlen, wie Sie sich fühlen. Ich habe auch meine Schwierigkeiten. Ich habe das Gefühl bisher in einem Nebel gewesen zu sein und jetzt kommt die Gewissheit, er kommt nicht wieder. Auch ich habe keine Freude mehr an irgend was. Man fragt sich, warum durfte ich nicht mitgehen. Nicht falsch verstehen, ich habe keine Selbstmordgedanken. Man möchte einfach nur bei dem geliebten Partner sein.

      Mir helfen diese Seiten auf diesem Forum ein bisschen. Man kann seine Gedanken, Ängste mitteilen. Man sieht, dass es vielen geht wie Dir.

      Auch eine Gruppe für Trauerbewältigung hilft mir etwas. Zumindestens für einen Moment. Wenn man dann nach Hause kommt, alles leer, keiner da ist, ist erst mal eine Runde Weinen angesagt. Auch das hilft. LG Wira

      wira antworten
  • Paul.Z

    Guten Tag, ich habe diese Seite gefunden, weil ich traurig bin ohne Absicht. Ich dachte, ach was, ich brauch keine Seite, wo ich mir Tipps anhören kann, wie ich was zu machen hab. Aber genau das tut diese Seite nicht, sie gibt vielen Menschen Mut, genauso wie mir …

    Ich habe vor 3 Jahren meinen Vater verloren, 11 Tage nach meinem 16ten Geburtstag. Ich war und bin am Boden zerstört, seitdem komme ich allein im Leben nicht zurecht, meine Stimmung und meine Laune – einfach alles hat sich geändert.

    Ich esse seitdem auch kaum und sitze abends einfach im Zimmer, höre Musik und weine, weil er mir fehlt und an manchen Punkten gebe ich mir selber die Schuld.

    Denn ich war nie ein netter oder guter Sohn, aber ich habe meinen Vater geliebt und es hat mein Leben sehr verändert, ich habe mich von vielen Freunde abgewandt, habe mich in Alkohol und Drogen mehr als 1 Jahr über geworfen und ich war zu dem Zeitpunkt 16. Doch eines Tages ging ich zu meiner alten Grundschule und fragte mich, ob er es so wollen würde, dass ich mein Leben wegwerfe. Ich dachte mir, nein das würde er nicht wollen.

    Aber an machen Punkten bis heute habe ich Depressionen, denn diesen Tag kann ich auswendig, den Tag wo ich angerufen wurde, komm mal nach Hause, es ist etwas passiert, so schnell war ich noch nie zu Hause. Aber ich schweife zu sehr ab, aber das ist mir widerfahren.

    Diese Seite habe ich vor Kurzem entdeckt, hab dann auch ein paar Sachen ausprobiert, z.B. mein Kraftsport und meine Hobbys, und es tat mir gut, aber es hat mich an manchen Stellen auch in ein tiefes Loch geworfen, weil ich wusste, ich mach es nur um mich abzulenken.

    Aber irgendwann tat ich es nur noch für mich, aber selbst jetzt komme ich mit dem Schmerz und Verlust nicht klar, denn ich wünsche niemandem nach seinem 16ten Geburtstag seinen Vater zu verlieren oder wen anders, denn es zerstört einen.

    PS: Bin bald 19, also fast 3 Jahre her, aber trotzdem weine ich täglich und zünde eine Kerze an, um bei ihm zu sein.

    Paul.Z antworten
  • tanja

    hallo paul,

    gut, dass du so offen über deinen schmerz schreiben kannst. aus eigener erfahrung kann ich nur sagen, dass man sich auch zugestehen soll, dass es schmerzt, auch wenn es schon länger her ist. geht mir ähnlich, obwohl es bei unserem kind nun schon 12 jahre her ist, spüre ich den schmerz immer noch, zwar nicht mehr so stark. aber das ist ok und gehört wohl dazu.

    tanja antworten
  • Anna

    Hallo,

    ich bin ergriffen von jedem einzelnen Kommentar. Ich lese Gefühle und Gedanken, die ich selbst habe, aber eigentlich dachte ich, dass nur ich so fühle.

    Ich bin 28 Jahre alt, habe mit 4 meine Mutter verloren. Bei den Großeltern aufgewachsen, den Opa verstorben vorgefunden und nun liegt meine Oma auf der Intensivstation – nur wegen den Maschinen lebensfähig. Die einzige Person, die im Leben für mich da war, die einzige Person, der ich alles sagen konnte. Der Fels in der Brandung.

    Man weiß, der Tag wird irgendwann kommen, aber bereit ist man zu keinem Moment.
    Und trotzdem, egal wer das liest, ob er trauert oder nur aus Neugier da ist. Du bist wundervoll, sei für die Menschen da, die bei dir sind. Verstoße keinen. Allein wenn du trauerst, ist das der größte Beweis dafür, wie du die Person geliebt hast. Und diese Liebe halte fest. Jedes Leben ist vergänglich. Lebe, tut euch etwas Gutes. Seid gut! Seid füreinander da. Ihr seid nicht allein.

    Ich wünsche euch alles Gute.

    Anna antworten
  • Martina

    Ich bin sehr dankbar dafür, diesen Beitrag, vor allem aber auch die Kommentare hier gefunden zu haben.

    Ich bin seit etwa 17 Monaten nach dem Tod meines Vaters und der Vorgeschichte dienstunfähig und in therapeutischer Behandlung. So viele Aussagen hier, die widerspiegeln, was ich erlebt und empfunden habe. Und was mich heute noch begleitet.

    Vielen Dank für die offenen und teilweise tröstenden Worte.

    Martina antworten
  • Werner

    Hallo Zusammen,

    ich habe diese Seite gefunden und fast alle Nachrichten gelesen. Immer wieder schießen mir Tränen über das Gesicht, da ich mich in so vielen Nachrichten wieder sehe und die Menschen verstehen kann!

    Bei mir ist es so, dass ich vor 8 Monaten meinen Vater verloren habe. Nun bin ich der einzige Nachkomme meiner Familie und im Alter von 50 Jahren werde ich wohl der einzige bleiben. Meine Eltern waren so familiär und ich kann das nicht weiter geben.

    Als es meine Eltern noch gab, war das Leben eine wundervolle Reise. Trotz des Todes meiner 4 Großeltern, haben mich meine Eltern immer aufgefangen und mir Mut beschert.

    Jetzt ist alles anders. Ich schaffe es sehr schwer, den Alltag zu bewältigen. Trotz Freundin und deren Sohn holt mich fast täglich die Trauer ein. Auch die Freude ist nicht mehr so stark vorhanden, wie sie vorher bei einigen Dingen war. Ich bin dankbar für alles, was ich erlebt habe, aber die weitere Reise fällt mir sehr schwer. Trotz Psychologen und meiner Freundin ist es einfach nicht mehr so wie vorher.

    Versteht mich nicht falsch … ich liebe das Leben und bin dankbar, viele Jahre mit liebenden Menschen verbracht zu haben, aber ich glaube nicht, dass mein Leben wieder so schön werden wird.

    Viele haben hier bestimmt Schlimmeres erlebt, aber die unglaubliche Trauer vereint uns alle und tröstet auch ein wenig. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir deshalb das Wehklagen.

    Nun hoffe ich einfach, dass meine Trauer weniger wird und mehr schöne Erinnerungen hoch kommen, die ich mit meiner Familie teilen konnte!

    Ich hoffe,dass Ihr es auch schafft, auch wenn es wie bei mir gerade undenkbar scheint.
    Schön, dass ich an Eurem Leben durch Eure Artikel teilnehmen dufte.

    Viel Glück an alle und denkt daran … Ihr seid nicht allein!!!

    Lasst es Euch gut gehen, zumindest versucht es!

    Danke für´s Zuhören!

    Werner antworten
    • Stella

      Hallo Werner,

      mir geht es ganz ähnlich wie dir. Vor knapp 6 Wochen habe ich meinen Vater verloren. In meinem Leben gab es genau drei Herzensmenschen, meine Eltern und meinen Partner. Ich habe die letzten Jahre immer gesagt, dass mein einziger Wunsch ist, dass es noch möglichst lange so bleibt wie es ist.

      Nun sind nur noch 2 übrig. Meine Mutter ist auch schon Ende 70, ich selbst bin erst Ende 30. In absehbarer Zeit werde ich auch der einzige Nachkomme meiner Familie sein. Ich habe keine Geschwister und auch keine Kinder (werde auch keine mehr bekommen). Ohne meinen Partner wäre ich dann ganz allein auf der Welt, ein bedrückendes und unheimliches Gefühl.

      Ich glaube auch, dass die schönste Zeit in meinem Leben vorbei ist. Das heile Gefühl, als wir noch alle komplett waren, ist für immer zerstört. Ich werde irgendwie weitermachen, aber es wird nie mehr so sein wie es einmal war.

      Alles Gute für dich und alle anderen hier.

      Stella antworten
  • Josh

    Nachdem ich hier alles gelesen habe, ist das wirklich eine Seite, die mich zu verstehen scheint.

    Meinen Vater habe ich verwirrt und voll Blut (auf Grund eines Sturzes) zu Hause aufgefunden. Ich habe sofort den Notarzt gerufen und er kam ins Krankenhaus auf die Intensivstation. Herzinfarkt, Schlaganfall.

    Am selben Abend rief mich die Station an, ich solle vorbeikommen, da der Zustand sich drastisch verschlechtert. Ich sollte entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. Ich habe mich nach der Verabschiedung von meinem Vater dazu entschlossen, dass die Maschinen abgestellt werden. (Er war erst knapp über 60) Ich weiß, dass es sein Wunsch war. Wie hart das für mich war, muss ich hier ja keinem erzählen.

    Und es ist verdammt schwer, das alles zu verarbeiten. Zum Glück ist meine Frau mit zu dem Bestatter gegangen. Ich hab dort die Gespräche nicht führen können. Als es darum ging, eine Urne oder den Spruch des Bandes auszusuchen, hab ich meiner Frau gesagt, sie solle das machen. Ich wollte es gar nicht wissen, hätte das nicht verkraftet.

    Die ganzen Tage hatte ich riesige Panik vor der Beerdigung. Am Tag der Beerdigung habe ich es nicht geschafft, mit zu gehen. Ich dachte, ich kann mich besser alleine anschließend am Grab noch einmal verabschieden. Das ist jetzt 2 Tage her und ich bereue es sehr, dass ich nicht dort war.

    Meint ihr, es war die richtige Entscheidung?

    Wie ich mich an dem Tag der Beerdigung gefühlt habe, wo alle dort waren, nur ich nicht, kann man kaum beschreiben.

    Josh antworten
    • Petra

      Lieber Josh,

      ich möchte mein herzliches Beileid zum Tod Ihres Vaters aussprechen. Ich selbst habe mittlerweile vor ziemlich genau einem Jahr meinen Mann verloren und sollte auch entscheiden, ob mit der Reanimation durch den Notarzt, einem Kollegen, aufgehört werden soll (siehe meinen Beitrag vor 7 Monaten).

      Das war die schwerste Entscheidung in meinem Leben und hat unheimlich weh getan.

      Auch ich wusste, dass mein Mann das so gewollt hätte, da ihm die Vorstellung von einem Leben als kompletter Pflegefall ein absoluter Graus war. Es zu wissen (mit dem Verstand) und dann dem Gefühl (bitte lass mich nicht allein, bleib bei mir) nicht nachzugeben, ist sehr, sehr schwer.

      Aber ich denke, Ihr Vater und mein Mann wissen, dass uns diese Entscheidung unendlich schwer gefallen ist und sind uns sehr dankbar dafür.
      Lieben heißt loslassen müssen, wenn es notwendig ist.

      Nun zu Ihrer Frage, ob Ihr Verhalten rund um den Tag der Bestattung richtig oder falsch war:

      Von außen gibt es kein “richtig” oder “falsch” – Sie haben so gehandelt, wie Sie sich in diesem Moment gefühlt haben. Dann war dies genau richtig.
      Lassen Sie sich bitte nicht von Ihrer Umgebung, anderen Leuten oder einer Stimme in Ihnen “es gehört sich einfach, auf die Beerdigung eines geliebten Menschen zu gehen” in Ihrer Entscheidung verunsichern.

      Schließlich waren Sie sicher in Gedanken bei Ihrem Vater und nicht alternativ auf einer Party. Niemand kann die Art und Weise zu trauern jemandem vorschreiben, auch sich selbst nicht.

      Ihr Gefühl hat Ihnen gesagt, dass es für Sie nicht gut ist, hinzugehen – dann war es in diesem Moment auch richtig. Ihrem Vater waren Sie trotzdem nah und können ihm auch jeden Tag nah sein. Das kann ein Besuch beim Grab sein, es gibt aber auch andere Möglichkeiten.

      Mein Mann ist über 200 km entfernt im Familiengrab bei seiner Schwester und den Großeltern beerdigt – so kann ich nicht oft zu ihm ans Grab.
      Ich habe im Garten eine kleine Ecke, mit einem Stein, da setze ich mich oft hin und zünde eine Kerze an. Vielleicht finden Sie ja auch so einen Ort.

      Ich bin mir sicher, dass Ihr Vater stolz auf Sie ist und wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie Frieden in Ihrem Herzen finden. Hoffentlich verwandelt sich die Trauer, die wir beide empfinden, in dankbare Erinnerung.

      Seien Sie herzlich gegrüßt und gedrückt

      Petra L

      Petra antworten
  • Stella

    Vor zwei Wochen starb mein geliebter Vater in der Nacht völlig unerwartet im Alter von 79 Jahren. Seitdem ist nichts mehr wie es mal war, mir stehen ständig die Horrorbilder dieser Nacht vor Augen. Ein paar Stunden zuvor hat man noch miteinander gelacht und gescherzt und dann sieht man ihn auf dem Boden liegen mit einer Decke über dem Kopf.

    Die Seele und der Verstand wollen und können es einfach nicht begreifen, dass man sich in dieser Welt nie wiedersehen wird, nie mehr miteinander sprechen, die übliche herzliche Umarmung zu meinem Geburtstag demnächst wird es nie wieder geben. Mir graut vor diesem Tag und allen weiteren.

    Das Schlimmste ist, dass ich erst Ende 30 bin und eine endlose Zahl an Jahren und Jahrzehnten vor mir liegt, die irgendwie gefüllt werden müssen. Die beste Zeit meines Lebens liegt hinter mir. Sinn und Freude kann ich nicht mehr empfinden. Das Leben ist nicht mehr heil, es wurde zerrissen.

    Danke für diese Seite.

    Stella antworten
    • Thomas Münchow

      Hallo Stella, am 14.06.2020 ist um 23.05 Uhr meine geliebte Frau Steffi mit 49 Jahren in meinen Armen verstorbenen. An einem Herzinfarkt ohne Anzeichen vorher.

      2 Stunden zuvor spaßten wir noch im Garten und lauschten dem heranziehendem Gewitter. Ich weiß genau so wenig weiter. Ich und meine Tochter, sie ist erst 28 Jahre, sind den ganzen Tag am Weinen, können es nicht begreifen und die Bilder der Nacht laufen ständig wie ein Film ab. Ständige Fragen nach dem Warum und Schuldgefühle, was man falsch gemacht hat.

      Ich glaube, helfen kann einem niemand und es wird sehr lange dauern, dass der Schmerz nachlässt – ganz wird er nie vergehen, meine Frau war mein ein und alles. LG Thomas

      Thomas Münchow antworten
      • Britta

        Lieber Thomas,

        ich kann Deinen Schmerz so gut verstehen. Mein Mann, welcher übrigens auch Thomas heißt, ist vor 3 Wochen an einem Krebsleiden verstorben. Obwohl wir wußten, dass es keine Heilung mehr gab, hat es mir den Boden unter den Füßen weggerissen.

        Unsere Tochter ist 33 Jahre, wir haben 2 Enkelkinder, die jetzt keinen Opa mehr haben.

        Ich kann mir ein Leben ohne meinen Mann nicht vorstellen, wir waren 33 Jahre verheiratet. Alle sagen, irgendwann wird es erträglich… Ich glaube kaum.

        Dir und Deiner Tochter wünsche ich ganz viel Kraft, jeden Tag aufs Neue wieder zu überstehen. Britta

        Britta antworten
        • Ruth

          Liebe Britta,

          Dir und Deiner Tochter wünsche ich von Herzen viel Kraft und Trost.

          Ich habe meinen geliebten Mann vor 4 Monaten nach langer Krankheit verloren. Ich gönne ihm, dass er nicht mehr leiden muss und versuche, mich Tag für Tag im Leben zurecht zu finden und hoffe, dass mein Leben wieder einmal einen Sinn bekommt.

          Von Herzen alles Liebe
          Ruth

          Ruth antworten
      • wira

        Hallo Thomas,

        ähnlich wie bei Ihnen. Der ganze Tag war völlig normal. Ich schaute abends noch im Bett fersehen, er las und hörte Musik. Um 10.00 Uhr stand er noch mal kurz auf, kam wieder, setzte sich aufs Bett, krampfte kurz und fiel tot um. 2 Minuten, die unser ganzes Leben veränderte. Ich kann diese Bilder, auch danach den Notarzt nicht vergessen. Alles ging so schnell, kein Wort, kein Abschied. Einfach nur furchtbar.

        Ich wünsche Ihnen viel Kraft diese schwere Zeit zu überstehen. LG Wira

        wira antworten
    • Juliane

      Liebe Stella,

      ich bin mitten im Umzug jetzt wo ich Ihre Zeilen lese. Ich bin jetzt 63 und ziehe noch mal um, nachdem meine 3 Kinder alle aus dem Haus sind.

      Ich war 38, als meine Mutter starb und 22, als ich meine Tochter loslassen musste.
      Jedes Mal dachte ich, es geht nicht weiter. Es schien alles sinnlos.

      Ich erinnere mich, dass ich an einem wunderschönen Frühlingstag in unseren blühenden Kirschbaum schaute und den blitzblanken Himmel dahinter betrachtete.
      Ich sah es und trotzdem erschien es mir unwirklich und grau irgendwie. Die Farben und die Schönheit erreichten mich nicht.

      Aber ich möchte Ihnen auch sagen, dass es sich wieder geändert hat. Es war nie mehr wie vorher, aber ich habe angenommen, was nicht zu ändern war.

      Ich habe danach viele schöne und wertvolle Zeiten erlebt. Und ich habe sie bewusster erlebt.

      Es wurden andere Dinge wichtig und es gab andere Menschen, die mir durch die Zeiten geholfen haben und mein Vater war mir dabei die größte Hilfe.

      Letztes Jahr starb mein geliebter Vater ganz plötzlich. Ich habe lange gebraucht, um darüber hinweg zu kommen. Nun beim Umzug habe ich viele Erinnerungen wieder gefunden … an ihn … an glückliche Zeiten meiner Eltern … mit meinen Kindern.

      Ich hab mir dann die Zeit genommen, das zu betrachten, zu spüren und dann in liebevoller Erinnerung einzupacken.

      Ich verstehe, dass man das in so jungen Jahren anders fühlt und sich keine weiteren Schritte vorstellen kann.

      Ich wünsche Ihnen aber Kraft , Mut und Zeit, das zu verarbeiten und Menschen, die Sie begleiten.

      Herzliche Grüße Juliane

      Juliane antworten
      • Susanne

        Liebe Juliane,

        was für ein wunderschöner, kraftvoller Beitrag – ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür und drücke Sie ganz fest!

        Für Ihr neues Zuhause wünsche ich Ihnen ganz viel Liebe, Schutz und Geborgenheit und das viele wunderbare Menschen Sie auf Ihrem Weg begleiten mögen ☺🙏

        Liebe Grüße , Susanne

        Susanne antworten
  • Lagone

    Hallo zusammen,

    meine mutter starb vor knapp einem Jahr. Sie hatte fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Sie starb, als ich und meine Familie alle zusammen im Zimmer waren. Es kam mir vor, als hätte sie auf uns gewartet, um endlich erlöst zu werden von den Schmerzen.

    Am Anfang dachte ich, es sei richtig, offen damit umzugehen, dass ich sie nie wieder anfassen oder hören werde. Doch schnell wurde mir klar, dass es für die Menschen um mich herum unangenehm wurde. Also hörte ich auf und stieß jeden von mir weg, mein zweiter Fehler.

    Ich habe ihren Tod noch nicht mal ansatzweise überwunden und weine mich täglich in den Schlaf. Trauer tut scheiße weh und schnürt einem die Luft ab. Man kann kaum atmen und den Schmerz kann man zwar ignorieren, aber niemals überwinden.

    Lagone antworten
  • Astrid

    Am 19.7.20 ist meine Mutter gestorben. Ich kann nicht begreifen, dass sie einfach nicht mehr da ist.

    Seit dem Tod meines Vaters sind wir immer zusammen gewesen, wir hatten ja nur noch uns. Meine Mutter ist im Herzen immer jung gewesen, sie war auch meine Freundin.

    Gerade hatten wir einen Dauercampingplatz an der Nordsee bekommen, darauf hatten wir 5 Jahre gewartet. Wir haben dann Wintercamping von Oktober bis März gemacht und es war immer eine wunderschöne Zeit. Jetzt waren wir glücklich und haben uns auf den Sommer gefreut! Wir wollten alles fertig machen und sind am 17.7.20 an die See gefahren. Am nächsten Tag ist sie kurz vor dem Campingplatz gestürzt und auf den Hinterkopf gefallen. Ich bin ein paar Schritte vor ihr gegangen – wäre ich doch nur neben ihr gegangen, dann hätte ich sie vielleicht halten können.

    Der Arzt in der Notaufnahme meinte, ich könne sie am selben Abend mit nach Hause nehmen – ich war so glücklich! Dann fing sie plötzlich an sich zu übergeben, wurde ins CT geschoben und plötzlich herrschte Hektik und der Arzt rief: “Sie blutet”. Dann kam der nächste Arzt und fragte, ob sie noch etwas machen sollen.

    Ich war völlig überfordert und konnte nicht so schnell reagieren. Sie haben sich noch mit der Neurochirurgie eines anderen Krankenhauses in Verbindung gesetzt, aber es war nichts mehr zu machen. Sie haben meine Mutter zum Sterben auf die Intensivstation gelegt, als ich wieder zu ihr durfte, war sie tief sediert und mit Händen und Füßen ans Bett gefesselt. Sie hatte sich wohl noch gewehrt.

    Ich habe dann darum gebeten, dass die Fesseln gelöst werden und ich habe die ganze Nacht neben ihr gesessen und ihr beim Sterben zugesehen. Ich habe mit ihr geredet und sie die ganze Zeit berührt, aber sie war so tief sediert, ich weiß nicht, ob sie es gespürt hat.

    Am anderen Morgen habe ich ihr gesagt, dass es keinen Sinn mehr hat zu kämpfen und dass ich es allein schaffen werde. 2 Minuten später war sie tot. Ich habe gelogen – ich weiß nicht, wie ich ohne sie leben soll.

    Immer wieder sehe ich ihren Sturz vor mir. Ich musste ohne sie nach Hause fahren und löse jetzt ihre Wohnung auf, die auch mein Zuhause war.

    Ich suche sie überall, ich sehne mich nach einem Zeichen von ihr. Aber ich bin allein und werde es für den Rest meines Lebens bleiben.

    Wo soll ich jetzt hin mit meiner Liebe? Wird das Leben jemals wieder einen Sinn haben? Meine Emotionen fahren Achterbahn und mir graut vor dem, was noch vor mir liegt. Weihnachten ohne sie, Geburtstag allein, Sylvester allein…….

    Astrid antworten
    • Bettina

      Liebe Astrid,

      ich kann Dich so gut verstehen, Deine Mama war immer für Dich da. Meine Mama ist am 17.8.20 gestorben, nach einer Superinfektion.

      Nach dem Tod meines geliebten Papas war ich auch immer mit Mama zusammen, sie war meine lebenskluge Beraterin, immer positiv und mein Ruhepol. Ich suche sie, rufe nach ihr, weine. Ich kann kaum darüber schreiben, es tut zu weh. Die Vergangenheit ist nun tot, als Vollwaise sehe ich keine Zukunft mehr.

      Bettina antworten
  • Ramona

    Hallo, ich hab vor 8 Tagen meine Schwägerin verloren. Ich komme nicht drüber weg. Sie war wie eine Mutter für mich. Wir gingen durch dick und dünn, wir hatten auch manchmal Streit und sahen uns monatelang nicht. Seit sie im Krankenhaus war, war alles wieder gut, ich hatte sie an unsre Worte erinnert, immer stark bleiben und immer füreinander da zu sein. Jetzt ist sie weg und ich komme nicht drüber weg.

    Ramona antworten
  • Frederic

    Mein Vater ist vor wenigen Tagen in meinen Armen gestorben. Er ist in der Wohnung kollabiert, ich habe versucht ihn vom Boden aufzuheben, weil er praktisch kniend an der Wand lehnte (von hinten unter die Arme gegriffen), er röchelte noch kurz bevor die Atmung aussetzte und das wars.

    Wir hatten noch so viele Pläne für das restliche Jahr, gerade weil durch Corona die Aktivitäten stark eingeschränkt waren.

    Mein Vater war immer der Fels in der Brandung und ein wunderbarer Familienmensch, der immer für uns da war, als wir ihn brauchten – egal zu welcher Tages- und Nachtzeit. Ich wäre gerne für ihn dagewesen – leider kann ich nichts mehr zurückgeben.

    Es tut mir einfach unendlich leid, dass es so gelaufen ist und dass es keine Geburtstage, kein Weihnachten und einfach nichts mehr mit ihm zusammen geben wird.

    Frederic antworten
    • Juliane

      Lieber Frederic

      ich verstehe gut, was in Ihnen vorgeht und die unendliche Trauer. Mein Vater würde kommende Woche Geburtstag haben und das war immer ein besonderer Tag. Leider ist nun alles anders.

      Der Alltag geht weiter, aber oft rede ich mit ihm in Situationen, die nicht grad einfach sind. Er war immer da mit lebenspraktischen Ansichten und seinem Blick nach vorn.

      Alles Gute für Sie und dass Sie liebe Menschen um sich haben, die Ihre Trauer verstehen und Sie liebevoll begleiten.

      Herzliche Grüße Juliane

      Juliane antworten
  • Christa

    Guten Tag,

    ich habe die ganzen Zuschriften gelesen. Nicht in einem Zug, doch in Etappen und finde mich in unheimlich vielen Beiträgen wieder.

    Mein geliebter Mann ist am 09.07.2020 ebenfalls unvorhergesehen verstorben. Ich bin noch ziemlich spät ins Bett gegangen, er schon früher. Wir haben noch gesprochen. Er fragte, wie spät es sei,ich antwortete halb, er fragte noch wie halb und ich sagte halb drei. Er wollte noch wissen, was ich im Fernsehen angeschaut habe usw.

    Er hat noch gute Nacht gesagt, ich das Licht gelöscht und keine 5 Minuten später sagte er, dass er solche Schmerzen habe. Ich sofort wieder Licht gemacht, ums Bett gegangen und schon war er nicht mehr ansprechbar.

    Wie in Trance ist alles abgelaufen. Sofort Notarzt gerufen, die sich noch sehr bemüht haben, nach einer Stunde ab ins Klinikum, ich mit Taxi hinterher, wegen Corona durfte ich nicht mit in den Sanka und da dann die schreckliche Gewissheit, dass er nie wieder aufwachen würde.

    Er hat einen Aortenriss im Bauchraum erlitten und ist innerlich verblutet. Für ihn ein schöner Tod, aber ich kann mit mir nichts anfangen, komme mir total unnütz und überflüssig vor, er war mein Lebensinhalt, der nun für immer weggebrochen ist.

    Grüble immer wieder nach, ob ich ihm auch immer das Leben so schön gemacht habe, wie er es sich verdient hat. Ende des Jahres hätten wir Goldene Hochzeit gefeiert und wir haben in diesen fast 50 Jahren viele gesundheitliche Tiefen überwunden, so dass ich im Klinikum dachte, er wird wieder gesund.

    Ich vermisse ihn so seeehr und bin tieftraurig und nur am Heulen. Ich weiss, dass er dies nie so wollte, aber ich kann es jedenfalls im Moment nicht ändern.

    Wenn ich an einem Tag ein Ziel vor Augen habe, dann geht es mir besser. Fahre 2-3mal ans Grab, das ca. 15 km entfernt ist, rede mit ihm, gehe dann meist bei schönem Wetter noch in die Stadt, weil ich nicht heim möchte ins leere Haus. Aber nun kommt bald die schlimme dunkle Zeit mit Weihnachten, seinem Geburtstag, darf nicht drandenken, sonst werde ich verrückt.

    Habe 4 ganz gute Freundinnen, die ich aber nicht überstrapaziern möchte. Die einem aber den Partner nie ersetzen können. Ich hoffe ganz inständig, dass er an einem Ort ist, wo er es gut hat und dass wir uns wiedersehen werden, wo auch immer.

    Das ist nun meine Geschichte und ich hoffe, dass sie anderen weiterhelfen kann.

    Christa antworten
  • Nadine

    Liebe alle,

    mir hilft/half das Buch „Blick in die Ewigkeit” von Eben Alexander. Das gibt Hoffnung. Hoffnung darauf, dass es den Verstorbenen gut geht und Hoffnung darauf, dass man sich wiedersehen wird. Und das Buch „Was bei Trauer gut tut“ von Roland Kachler.

    Vielleicht hilft das eine oder andere ja auch noch anderen.

    Ansonsten, schwierig… es braucht wohl einfach viel Zeit, und die Akzeptanz, dass es eben Zeit braucht. Ein Trauerjahr war früher üblich, und hat wohl schon seine Berechtigung. Sollte man seiner Seele gönnen.

    Manchmal hilft mir, dass ich in Gedanken mit ihm spreche, ihn um Rat frage und versuche, mich in ihn hinein zu fühlen. Und dann kommen manchmal ganz wertvolle Antworten.

    Wer Kinder hat: Mir hat es gehofen/hilft es immer noch, wenn meine Tochter zu anderen Kindern spielen gehen kann. Dann hat sie wieder normale Stunden, und ich kann in Ruhe trauern ohne sie zu belasten.

    Sich ums Grab kümmern tut auch vielen gut.

    Es gibt auch Trauercafés, da habe ich es noch nicht hingeschafft.

    Bewegung und Sport wären gut, um die Stresshormone aus dem Körper zu schwitzen. Mir fehlt meistens die Kraft dazu. Aber Spazieren, dass schaffe ich meistens, und das tut auch sehr gut. Nicht umsonst gibt es Trauer-Wanderungen. Die Augenbewegungen im Grünen lösen das Trauma auf (Stichwort EMDR, Erfinderin Shapiro).

    Ich wünsche allen viel Kraft!
    Nadine

    Nadine antworten
    • Ruth

      Liebe Nadine,

      wunderbar Deine Gedanken und Ratschläge 🙏

      Einige davon wende ich auch an und es hilft wirklich. Die Bücher, die Du empfiehlst, kenne ich auch und finde sie echt gut.

      Ich wünsche Dir weiterhin von ganzem Herzen viel Kraft, Mut und Zuversicht

      Liebe Grüsse
      Ruth

      Ruth antworten
      • Nadine

        Vielen Dank liebe Ruth. Wie geht es Dir momentan mit Deiner Trauer? Hast du noch andere Bücher, die du gut findest?

        Über den Verstorbenen zu reden hilft mir auch sehr. Dann ist es, als würde er weiterleben. Und weinen hilft wirklich … auch wenn es zuerst schmerzt. Aber danach ist man jeweils einen kleinen Trauerschritt weiter, so scheint mir …

        Ich wünsche Dir und allen Lesern viel Kraft und die Hoffnung, dass es immer besser geht.

        Ach ja, und bespnders gut tut es mit Leuten zu reden, die diese Erfahrung schon gemacht haben. Das gibt Hoffnung und Kraft, weil man ihnen ansieht, dass man die Trauer überstehen wird.

        Nadine antworten
        • Ruth

          Hallo guten Abend Nadine,

          mir hilft täglich, dass ich denken kann, dass es ihm jetzt gut geht, er es sicher schön hat und von seinem schweren Leiden erlöst ist.

          Das gibt mir viel Ruhe in mein Herz und ich habe den Eindruck, dass er mir Kraft und Friede ins Herz legt.

          Diese Woche bekomme ich neue Bücher. Wenn sie gut sind, werde ich es an Dich weiterleiten.

          Dir und allen schwer Geprüften wünsche ich weiterhin viel Kraft, Mut und Vertrauen.

          Ruth antworten
  • Kathleen

    Ich habe meine Mama im Juli dieses Jahres von jetzt auf gleich verloren. Sie war bei uns zur Geburtstagsfeier meines Mannes und ist kurz nach 11 mit dem Taxi nach Hause. Sie kam noch in die Wohnung und muss dort unmittelbar verstorben sein. Sie hatte noch nicht mal die Jacke und Tasche abgelegt, der Schlüssel lag neben der Hand. Sie hatte über nichts geklagt an dem Abend, sie hat gelacht, erzählt und es ging ihr gut.

    Als ich sie am nächsten Tag nicht telefonisch erreicht hab und meine Nachricht über WA immer noch nicht gelesen war, sind mein Mann und ich zu ihr gefahren und haben sie tot aufgefunden.

    Es war und ist für mich immer noch die absolute Hölle. Am schlimmsten war das Prozedere mit Rettungsdienst und anschließend Kripo, da sie alleinstehend war. Dieses nicht in Ruhe Abschied nehmen können, diese Befragungen immer und immer wieder, erst durch Rettungsdienst und Polizei, dann von der Kripo.

    Ich hatte gerade 3 Minuten für einen Abschied, bevor man sie beschlagnahmt hat, obwohl man bereits dort von einem plötzlichen Herztod ausging. Ich musste mich innerhalb weniger Minuten für ein Bestattungsunternehmen entscheiden, wurde dann rausgeschickt für die polizeiliche Untersuchung, und hätten mein Mann und der Notfallseelsorger nicht auf diesen Moment des Abschieds bestanden, hätte ich nicht einmal diese 3 Minuten für eine letzte Umarmung gehabt. Ich muss da immer wieder daran denken und es tut so unendlich weh, dass man den Angehörigen diese Zeit nicht gibt.

    Meine Mama war meine beste Freundin, mein Fels in der Brandung. Wir haben jeden Tag telefoniert und jetzt ist da so ein riesiges Loch und ich versuche irgendwie für mich einen Abschied zu finden.

    Meine Kinder trauern wieder ganz anders, der jüngste verdrängt, meine Große leidet sehr.

    Es ist gut, zu lesen, dass man mit diesen Ohnmachtsgefühlen nicht allein ist.

    Kathleen antworten
  • Nadine

    Liebe Kathleen, das tut mir furchtbar leid, dass du unter diesen Bedingungen Abschied nehmen musstest. Ich weiss nicht, ob das eine Hilfe für dich sein kann… beim Lesen deines Kommentars hab ich an den Bericht gedacht, den ich auf http://www.seelensport.at gelesen habe (Kripo etc.). Vielleicht wäre es dir ein Trost mehr. Ich hatte dort viel Hilfreiches über Trauer allgemein gefunden.

    Sei gedrückt. Ich schicke Dir ganz viel Kraft

    Herzlich, N.

    Nadine antworten
  • Petra

    ich habe vor anderthalb jahren meinen sohn verloren, er ist mit 31 an einem hirntumor gestorben. ich komme damit überhaupt nicht klar. verfalle in heulkrämpfe und frage mich, warum genau er. darüber zu reden geht gar nicht, danach geht es mir noch schlechter

    Petra antworten
    • Juliane

      Liebe Petra,

      ich fühle mit ihnen und möchte ihnen sagen, dass sie sich von mir einfach einmal ganz lieb umarmt fühlen sollen.

      Herzlichst Juliane

      Juliane antworten
  • Matthias

    Ich habe auch den letzten lieben Menschen in meinem Leben, meine treue und herzensgute, fröhliche Lebenspartnerin bereits vor 16 Monaten verloren.

    An meiner Hand zum geparkten Auto wollte ich mit ihr gehen, um sie wegen einer Erkältung zum Arzt zu fahren. Plötzlich ist sie zu Boden gesackt und hat nie mehr das Bewusstsein erlangt. Zwar wurde ihr Herz-Kreislauf auf einer Intensivstation erst nach 90 min wieder zum Laufen gebracht. Nach 1 Woche verkündete man mir und ihrem Bruder, ein Ödem hätte sich im Schädel ausgebreitet und das Hirn zerstört, sodass sie niemehr aus dem Koma aufgewacht ist. Einen Hirnspezialisten hätten wir angefordert haben müssen statt mich auf die dem Klinikpersonal anbiedernde Art ihres Bruders einzulassen.

    Ich bin seitdem in einer schwer depressiven Phase, weil diese Frau einfach praktisch meinem Leben gleichzusetzen war. Ich habe alle Behandlungsmöglichkeiten bis hin zur Verschreibung von Neuroleptika in Anspruch genommen, damit mir niemand den Vorwurf machen kann, ich hätte nicht alles versucht.

    Die Trauer mit herausbrüllendem Schmerz und manchmal 1 Stunde anhaltendem Weinen über den Tag verstreut trotz aller Behandlungen und Therapien zeigt: Überwinden könnte ich diese Trauer nur, wenn ich diesen Menschen wieder in mein Leben zurückbekäme. So höre ich mir den ganzen Tag Stimmaufzeichnungen dieser liebenswerten Frau an und schreibe gerade unsere gemeinsame Geschichte und habe in einer Therapiemassnahme Grabplatte sowie Büste von ihr aus Ton hergestellt.
    Jetzt bin ich dabei, ihre Geschichte zu illustrieren.

    Der Körper, er verlangt zurück nach ihr und ich versuche, diese minimalen Andenken, die ich noch habe, als kleinen Ersatz dem Körper zu geben.

    Es gab keine weiteren engen Angehörigen in unserer Nähe zu Lebzeiten der Partnerin.

    Therapien nach 7 Wochen Tagesklinik, das sind jetzt wieder Traupatherepie und Trauerzentrum, wo ich für die Dauer der Therapie sowie vielleicht hier, wo ich auch einige Kommentare gelesen habe, etwas Trost bekomme, wenn ich nicht gerade die Büste aus Ton in den Armen halte.

    Matthias L.

    Matthias antworten
    • Ruth

      Ich wünsche Dir viel Kraft und Mut zum Weitermachen!

      Ruth antworten
    • Juliane

      Lieber Matthias,

      ich kann dich verstehen und ich wünsche dir viel Kraft und irgendwann auch wieder Zuversicht.

      Gib dir die Zeit, die du brauchst, um zu trauern. Unsere Gesellschaft ist leider so, dass sie uns wenig Zeit dafür zugesteht.

      Liebe Grüße Juliane

      Juliane antworten
      • Matthias Lederer

        Liebe Juliane,

        vielen Dank für Deine lieben Worte und Deine Anteilnahme.

        Liebe Petra,

        auch Dich kann ich gut verstehen, habe ich doch praktisch ohne ein einziges Wort des Abschiedes den letzten lieben Menschen in meinem Leben plötzlich mir tot vor die Füsse geworfen verloren, mit 53 Jahren auch noch längst nicht alt genug, um sterben zu müssen.

        Man sagt, geteiltes Leid sei nur halbes Leid, und trotzdem müssen wir die Hölle durchmachen.

        Matthias L.

        Matthias Lederer antworten
      • wira

        Liebe Juliane,

        da sagst Du ein wahres Wort. Das wird schon, Zeit heilt alle Wunden, Du musst nach vorne schauen, nicht in der Vergangenheit leben. Verstehen kann das aber nur einer, der dasselbe mitmacht. Solange mich niemand auf meinen Mann anspricht, habe ich mich auch gut nach aussen im Griff, wenn doch, fliessen die Tränen, ob ich will oder nicht.

        Ich lasse mir Zeit, doch wünschte ich mir, dass ich nicht immer gleich weinen muss. Liebe Grüsse Wira

        wira antworten
  • Olga

    Lieber Matthias,

    ich habe deine Berichte verfolgt und es tut mir unendlich leid, wie sehr du dich quälen musst in dieser Trauerzeit.

    Mir hat es sehr geholfen, dass ich in ein Kloster ging für einige Zeit.

    Natürlich bringt das deine geliebte Partnerin nicht wieder zurück, aber man bekommt eine neue Sichtweise.

    Es kostet erstmal Überwindung, aber es lohnt sich, schließlich hast du ja nichts mehr zu verlieren.

    Ich drück dich,
    Olga

    Olga antworten
    • Matthias

      Liebe Olga,

      wie lange warst Du denn im Kloster, hast Du dort auch Kontakte mit anderen Trauernden gehabt bzw. hast Du dort mit jemand zusammen gewohnt?

      Und als Du wieder zurück warst, hast Du Deine schlimmen Albträume, falls Du welche hattest (ich habe sie jeden Morgen vor dem Aufwachen), überwinden können?

      Ich werde einmal darüber nachdenken, muss aber mehr darüber wissen.

      Ich höre mir den ganzen Tag die alten Aufnahmen mit der Stimme der Verstorbenen an, mache Spaziergänge und setze mich ans Grab, sehe dabei Videos auf Youtube der Verstorbenen an. Zumindest schafft mir das den Eindruck von gewisser Anwesenheit, ist natürlich wenn wieder der Alltag mich fordert, kein echter Ersatz.

      Es gibt wohl deutschlandweit ca. 20 % Trauernde, die mit der Trauer nicht abschließen können. Somit wäre ich kein absoluter Außenseiter, wenn ich mich auch dazu zählen müsste.

      Aber es tut etwas gut, mit verständnisvollen anderen Trauernden zu sprechen, dank Internet. Ich habe leider mit den Trauerforen sehr schlechte Erfahrungen gemacht, leider auch im Trauercafe, da man doch sieht, wie oberflächlich manch einer wegen der Geringfügigkeit des Verlustes damit umgehen kann.

      Hier in diesem Forum scheint es besser zu sein.

      In Erwartung Deiner mich sehr interessierenden Antwort. Jäh aus dem Leben gerissen, war für mich wie des eigenen Leibes entrissen, ich hätte besser auf ihre Gesundheit achten müssen und dafür die grausame Quittung erhalten.

      Liebe an Dich
      Matthias

      Matthias antworten
  • Olga

    Lieber Matthias,

    bei deinen Zeilen liefen mir wieder die Tränen über’s Gesicht.

    Da mein Lebensgefährte (53) sehr krank ist, könnte mir das Gleiche passieren wie dir. Dieser Gedanke verursacht bei mir Brechreiz.

    Meine Trauer bezieht sich aber auf meine Mutter, die vor 3 Jahren in hohem Alter gestorben ist. Wir haben all die Jahre zusammen gewohnt und am Schluss habe ich sie gepflegt. Wir waren so stark verbunden, dass wir uns ein Leben ohne den Anderen nicht vorstellen konnten.

    Meine Trauer war und ist “krankhaft”! War genau wie du Tag und Nacht in Trauerforen unterwegs, die teilweise nicht förderlich waren.

    Letzten Herbst ging es mir so schlecht, dass ich verzweifelt nach einer Lösung suchte. Da ich mich von Allen unverstanden fühlte, wollte ich einfach abhauen.

    Bin dann im Internet auf einen Bericht vom Kloster Volkenroda/Thüringen gestossen, der mich angesprochen hat. Beten und Arbeiten (Kloster auf Zeit) hieß es in der Reportage.
    Ich habe für 3 Wochen gebucht ohne zu wissen, was mich erwartet.Es war mir auch egal, Hauptsache weg.

    Das Kloster hat weltlichen Charakter, ohne Nonnen etc. Es gibt 2 Seelsorgerinnen. Leider kann ich dir nicht alles so schreiben, wie es dort ist, aber es ist einfach befreiend, da es mehr Urlaub als Klosterleben ist.

    Es gibt Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad oder man kann sich auch ein Komfortzimmer (ohne Arbeit) buchen.

    Im Kloster auf Zeit (3Std. einfache Arbeit) sind Menschen mit unterschiedlichen Sorgen und Problemen und man kann sich austauschen.
    Ich habe viele gute Gespräche führen können und es war alles sehr entspannt.

    Es gibt auch Reportagen über das Kloster. Dort befindet sich auch das Christus Pavillon von der Expo 2000. Es werden Seminare abgehalten und es gibt einen Schulbauernhof.
    Einzig das Essen war nicht so der Hit.

    Lieber Matthias, du brauchst dringend eine Unterbrechung, da du sonst selbst kaputt gehst. Trauer ist Schwerstarbeit und deine geliebte Partnerin möchte sicher nicht, dass du dir schadest.

    Deine Schuldgefühle musst du nach und nach abbauen, da hast keine Schuld. Unser Handeln ist vorbestimmt. Es geschieht einfach, da wir unbewusst handeln und es Gottes Wille ist.
    Sei dir sicher Matthias, du wirst deine Liebste wiedersehen, denn es geht nichts verloren. Lass mich wissen was du vorhast.

    Ich sende dir von Herzen
    Zuversicht,
    Olga

    Olga antworten
  • Frank N

    Meine Welt ist voller Tränen, ich fühle mich wie halbiert, ich sehe nicht in die Zukunft, denn ich sehe nur “tageweise” voraus.

    Meine geliebte Ehefrau und Mutter unserer beiden Kinder (m 19, w 21) ist am 24.August 2020 an einem extrem bösartigen Uterus-Karzinosarkom ( = Müllerscher Mischtumor) gestorben, nur 14 Tage nach der Diagnose!

    Monika wurde nur 60 Jahre alt. Wir saßen zu dritt am Bett, als sie starb.

    Ich habe jeden Tag Besuche gemacht, nach einer Woche durfte ich trotz Corona unbegrenzt kommen (vorher nur 1 h). Ich habe jeden Tag über den speziellen Krebs gelesen, ja, ich sah hilflose Ärzte, und ich wusste, dass sie gegen diesen Krebs kein Mittel kannten.

    Ich fing an, als Atheist in die Kirche zu gehen und Stoßgebete zu beten. Schon am zweiten Tag, als man Monika noch “Monate” versprach.

    Ich weinte während der Leidenszeit, ich umklammerte meine schwerkranke Frau und sagte unter heißen Tränen: “Monika, du bist die Liebe meines Lebens, bitte verlass mich nicht, bitte geh nicht!” Einmal sagte ich: “Komm einfach nach Hause und werde gesund!” Das war der letzte verzweifelte Scherz, den ich gemacht habe.

    Ich weinte, als sie starb, ich weinte auf der Beerdigung; ich weine jeden Tag, beim Einkaufen, beim Gehen, beim Duschen.

    Der Tod hat uns geschieden, das ist furchtbar, Monika wollte leben, sie hatte nicht einmal genug Zeit, sich aufs Sterben “vorzubereiten”.

    Was mir bisher geholfen hat …

    … weinen und nochmal weinen, Konzentration darauf, dass Monika tot ist, dass sie niemals mehr zur Tür herinkommt, dass alles aus ist. Ich will mich gar nicht ablenken.

    … zwei Kirchenbesuche (bislang), einmal wurde für Monika eine Kerze angezündet, die Pastorin war eine Vertretung, kannte mich gar nicht und hat mich doch erkannt als “Witwer”. Das war ungeheuer aufmerksam. Die Kirche ist die einzige “äußere” Organisation, die offen und ehrlich über Tod und Trauer mit mir gesprochen hat.

    … nicht zu arbeiten. Mein sowieso schlechter Job würde mich jetzt völlig kaputt machen. Ich habe vier Wochen ohne Entgelt genommen, weil ich dachte, dass Monika zum Sterben noch nach Hause käme (was nicht gelang), ohne Rücksicht aufs Geld. Monika und ich waren immer bescheiden, leben in alten Sachen, das geht schon.

    … auf den Friedhof zu gehen, jeden Tag. Ich setze mich sogar ans Grab, ich will meiner Frau nahe sein. Das ist der einzige Ort, an dem ich ganz ruhig werde (dauert immer eine Weile).

    Dieser Artikel über Tod und Trauer spricht, wie ich sehe, viele, viele Leute an. Warum?

    Ich denke, weil die Trauer heute wirklich kaum einen Platz in der Arbeitswelt oder der Öffentlichkeit hat.

    Ja, ich ziehe mich jetzt ziemlich zurück, schreibe vielleicht auch nur dieses eine Mal hier, aber das ist in Ordnung, glaube ich.

    Ich fürchte mich vor der “normalen Welt” und würde gerne noch einige Jahre oder unbegrenzt um Monika trauern, ohne “gefordert” zu sein.

    Was viele “Außenstehende” nicht verstehen, ich bin nicht krank oder behandlungsbedürftig, ich bin in tiefer Trauer. Ich habe meine Ehefrau verloren, meine Liebste, meinen Kompass, meinen Leitstern.

    Frank N antworten
  • wira

    Hallo Frank,

    ich kann gut nachfühlen wie Du Dich fühlst. Mein Mann ist jetzt zwar schon seit 15.1.20 tot, aber ich komm immer noch nicht damit klar.

    An manchen Tagen ist es, als wäre es erst gestern gewesen. Wir konnten uns beide auch nicht darauf vorbereiten, er setzte sich abends aufs Bett und fiel einfach um und war tot. Es war furchtbar, ich vergesse die Bilder nie. Auch Reanimation und Notarzt konnten nichts mehr machen. Es war einfach furchtbar.

    Ich weine auch jeden Tag, gehe, wie Du, jeden Tag auf den Friedhof und verweile, um zur Ruhe zu kommen. Ich glaube einfach, man braucht viel Zeit über das Geschehene hinweg zu kommen. Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass die Umgebung erwartet, dass es doch langsam besser werden soll. Tut es aber nicht. Man kann eine so lange Zeit, in der man zusammen war (bei mir 53 Jahre) nicht einfach auslöschen. Selbst bei der Ablenkung denkt man unentwegt an den Partner.

    Auch ich bin nicht krank, nur einfach unendlich traurig und allein. Die “bessere Hälfte” ist einfach weg.

    wira antworten
    • Ruth

      Liebe Wira,

      Dein Kommentar spricht mir aus dem Herzen. Ich habe meinen geliebten Mann vor 6 Monaten, nach 54jähriger, sehr schöner Ehe, nach langer, schwerer Krankheit, verloren. Bei mir war der Abschied anders, als bei Dir. Wir haben ihm Erlösung gewünscht.

      Ja Du hast recht, man ist amputiert, ein wichtiger Teil fehlt.

      Ich habe jetzt unendlich viele Bücher über Sterben und Tod, sowie Nahtodeserlebnisse verschlungen … und das hat mit ein Stück weiter geholfen.

      Verhalte Dich immer so, wie es Deinen Bedürfnissen entspricht und nicht, wie das Umfeld es erwartet.

      Ich wünsche Dir weiterhin viel Mut und Kraft zum Weiterziehen und sende liebe Grüsse aus der Schweiz

      Ruth

      Ruth antworten
      • wira

        Liebe Ruth,

        danke für Deine lieben Worte. Auch mein Mann und ich haben zu Lebzeiten einige Bücher über Nahtoderfahrung gelesen. Aber heute helfen sie mir nicht weiter. Ich bin am Zweifeln. Gibt es was nach dem Tod, sehen wir uns wieder? Es wäre so schön.

        Ich gehe zu Einzelgesprächen und ab nächsten Monat in eine Gruppe zur Trauerbewältigung. Es hilft zeitweise, aber allzu oft fällt man wieder in ein tiefes, schwarzes Loch.

        Ein Trost, man ist nicht alleine. Fast allen geht es gleich, man braucht viel Zeit, jeder individuell lange, um darüber hinwegzukommen. Trotz Kinder und Enkel, die sich rührend kümmern, sie können den Verlust nicht auffangen. LG Wira

        wira antworten
        • Ruth

          Liebe Wira,

          ich persönlich glaube ganz fest daran, dass unsere Lieben in einem neuen Sein in der jenseitigen Welt weiterleben, auf uns warten und uns einmal freudig begrüssen werden. Ich glaube auch, dass es ihnen gut geht. Nur wir Zurückgebliebenen müssen kämpfen, uns zurecht finden und wieder einen Sinn für unser restliches Leben finden. Aber wir schaffen das!!!!

          Wünsche Ihnen weiterhin viel Mut und Zuversicht.

          Ruth antworten
    • Frank N

      Ja, “die bessere Hälfte ist einfach weg”, genau so fühle ich auch, liebe Wira! Ich wünschte, ich könnte das Rad der Zeit irgendwie zurückdrehen und unser schönes kleines bescheidenes Leben zurückgewinnen.

      Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich möchte jetzt wieder wie ein Kind sein, ‘als das Wünschen noch geholfen hat’ sozusagen. Aber das hilft heute nicht mehr, fürchte ich. Schon als meine Frau mit Krebsverdacht ins Krankenhaus kam, habe ich in der Kirche gebetet (obwohl ich nicht einmal Kirchenmitglied bin): “Lass diesen Kelch an uns vorübergehen. Rette meine Frau!” Das Schicksal wollte es anders.

      Bei mir waren es “nur” 26 Jahre Zweisamkeit, aber das ist die Hälfte meines Lebens. Wir Witwer und Witwen sind wirklich wie “abgeschnitten”, wir sind vom Schicksal gebeutelt. Dabei haben Monika und ich das Schicksal niemals herausgefordert, wir waren immer bescheiden und treu, haben nicht gejammert über Geld oder Politik, wir kamen ganz gut durch die Zeit – gebrauchtes Auto, altes Mietshaus. Hätte Gott uns da nicht belohnen können? Vielleicht hat er es ja, und ich sehe es in meinem Weinen noch nicht klar genug. Immerhin hat das Schicksal mir 26 Jahre mit einer Frau geschenkt, der ich bedingungslos vertraut habe und die mich liebte, liebte, liebte und mir immer beistand.

      Jetzt ist das Band der Ehe zerschnitten … es kommt schon zu “fast verrückten” Sachen: Wenn ich zum Friedhof fahren will, möchte ich ins Wohnzimmer gehen und meiner lieben Frau sagen, dass ich jetzt ans Grab meiner lieben Frau gehe. Wenn ich lange Zeit am Grab war, komme ich wieder nach Hause zurück und möchte sagen: “Monika, ich war da eben am Grab von dir, da liegt die tote Monika.”

      Jetzt, fast einen Monat nach ihrem Tod, ist das Warten schlimm. Ich denke, der Tod müsste doch einmal Pause machen und mir Monika wieder vorbeischicken. Aber das geschieht natürlich nicht.

      Nächste Woche soll/muss ich wieder ins Arbeitsleben, denn ich bin ja erst 52 Jahre alt. Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, wie ich das durchstehen soll, ich bin noch ganz und gar in der Trauer gefangen.

      Ich danke Ihnen für das Mitgefühl, und ich weiß, dass es bei mir so sein wird wie bei Ihnen, auch mehrere Monate später wird die Trauer noch da sein. Wir Verwitwete haben, wenn wir ehrlich sind, kaum eine Perspektive, kaum einen Ausweg – das ist einfach die Wahrheit; wir gehen einen langen traurigen Weg, aber wir gehen ihn schon jetzt, jeden Tag ein Stück.

      Herzliche Grüße und mein Mitgefühl für Ihren Verlust, Ihr Frank N

      Frank N antworten
      • Ruth

        Lieber Frank,

        es tut so weh, Ihren Bericht zu lesen. Ich kann Ihre Gefühle sehr gut nachvollziehen, da ich meinen geliebten Gatten ebenfalls verloren habe.

        Haben Sie keine Angst vor dem erneuten Einstieg ins Arbeitsleben. Es tut Ihnen vielleicht sogar gut, wieder in ein normaleres Leben eingebunden zu werden und gibt Ihnen ev. sogar etwas Ablenkung.

        Mir helfen im Moment Bücher über Sterben, Tod und Nahtoderlebnisse zu lesen. Dadurch habe ich den Eindruck, näher bei meinem Mann zu sein.

        Ich wünsche Ihnen von Herzen viel, viel Kraft, Mut und Zuversicht und einen guten Start ins Erwerbsleben.

        Liebe Grüsse
        Ruth

        Ruth antworten
  • wira

    Hallo Frank,

    nein, Sie können das Rad nicht zurück drehen. Es wäre zu schön. Zurück ins Berufsleben bringt Abwechslung, aber die permanenten Gedanken an den Partner bleiben. Sie zwängen sich immer dazwischen, ob man will oder nicht. Man ist dem Ganzen so ausgeliefert.

    Zeitweise bekommt man eine unbändige Wut, weil man nichts dagegen tun kann. Aber wir schaffen das, wir müssen. Ich bin ja schon in Rente (71), bin arg in meine Familie eingebunden, werde gefordert, aber der Partner fehlt, der Austausch mit ihm. Das kann keiner ersetzen, auch Kinder nicht.

    Liebe Grüsse Wira

    wira antworten
  • Alexa

    Es hat mir sehr gut getan zu lesen, dass es anderen ähnlich geht wie mir. Danke für diese Seite!

    Alexa antworten
  • Frank N

    Liebe Wira, liebe Ruth, lieber Matthias L., vielen, vielen Dank für das Mitgefühl.

    Ein paar “meiner Themen”:

    # 1 Zermürbende Angewohnheiten

    Wie geht es euch – wieder hundert alte Fotos angekuckt bis nach Mitternacht, wieder die Krankheit genau analysiert? So mache ich es, immer wieder gehe ich die Krankheit durch (Müllerscher Mischtumor), habe ja auch eigene schriftliche Aufzeichnungen während der 14 Tage Krankenhaus (von der Diagnose bis zum Tod!) gemacht, ganzes Schulheft voll. Mein Gott, ich habe das Ende ja vorausgeahnt!

    Vorgestern noch einmal Krankenhaus angeschrieben, eine Art “Trauerbrief”, private Fotos beigelegt. Warum mache ich das? Mitten in der Nacht aufgewacht und plötzlich total genaue Erinnerungen an unsere letzten kleine Ausflüge ans Zwischenahner Meer gehabt. Da wussten wir ja noch nichts vom Krebs, vielleicht gab es ihn nämlich da noch gar nicht.

    # 2 Körperliche Reaktionen

    Zwei schwere Tage gehabt, nicht den ganzen Tag, aber zweimal eben am Morgen sehr gelitten. Wie war das? Aufgewacht und “sofort alles gewusst”. Sehr hart zu erkennen, ja, Monika ist tot. Total klare Erkenntnis, “kaltes Entsetzen”.

    Als meine Kinder heute aus dem Haus waren (beide Ausbildung), habe ich am Küchentisch eine Minute lang laut gestöhnt vor Seelenschmerz. Manche würden das “Schreie” nennen, aber ich stöhne, dass ist mir schon passiert, als ich an Tag 2 von Monikas Krankenhausaufenthalt von “Lebermetastasen” hörte, da wusste ich schon, nur der liebe Gott kann uns retten. (Hat er nicht, nicht auf Erden zumindest.)

    # 3 Keine Perspektive

    Wie Wira schon irgendwo schrieb, das eigene Dasein ist einem jetzt recht egal. Würde man jetzt sterben, man würde diesem Leben nicht recht nachtrauern. Das hat nichts mit Suizid oder so zu tun (ganz recht). Mit Rücksicht auf die Kinder und so möchte ich auch nicht ständig sagen, dass ich mein Leben “an sich sinnlos” finde. Es ist eben nicht nur ein freudloses Tag-für-Tag. Es ist sogar so, dass mich jeder Tag ziemlich belastet und erschöpft.

    Außenkontakt = überaus schwierig. Heute Morgen bin ich nach sechzig Sekunden Telefongespräch mit erstickter Stimme praktisch sofort mit den Nerven fertig gewesen. Was war los? Meldete mich telefonisch bei dem Betrieb zurück, wo ich seit sechs Wochen nicht mehr gewesen bin (panikartig bei Monikas Krankenhausaufenthalt selber zum Arzt und krankgeschrieben für zwei Wochen, dann 4 Wochen Urlaub-ohne-Entgelt beantragt und bekommen. (Finanziell keine gute Idee, aber es ging ja um Monika, ich dachte, dass ich sie noch zu Hause pflege.) Auf die sehr freundliche Nachfrage heute vom Personalbüro: “Na, und wie geht’s jetzt?”, schnürte es mir die Kehle zu und ich bekam nur irgendein Krächzen heraus.

    # 4 Unsere Persönlichkeit ist “zu treu”

    Wir alle hier sind, glaube ich, Menschen, die sich sehr, sehr eng mit ihrem Ehemann, ihrer Ehefrau verbunden haben. Das ist nicht bei allen Leuten so. Es gibt Ehen, die funktionieren ganz anders, eher als “praktisches Team”, als Gemeinschaft, um Ziele zu erreichen. Und andere, die wollen ihr Leben ständig “optimieren”. Anders kann ich mir auch nicht erklären, warum es ganz schön viele Leute gibt, die fünf, sechs, sieben Langzeitbeziehungen nacheinander haben und dann (wenn der Partner noch lebt) zur nächsten Frau/zum nächsten Mann weiterpilgern.

    Ich wollte gar nichts optimieren. Eine Anekdote, selbst im schlimmsten Streit, und wir haben uns manchmal gestritten (um nichts, wie bei den meisten), habe ich gesagt: “Das wird jetzt durchgezogen, diese Ehe führe ich bis zum Schluss durch, da bin ich wie Karl Dall.” Dass der Tod uns mit 52 (ich) / 60 (Monika) so plötzlich scheidet, konnte ich nicht ahnen; ich dachte natürlich daran, dass Monika (wie statistisch zu erwarten) so ungefähr achtzig Jahre alt wird; ihre Eltern sind 79 und 87 geworden. Von Monika gab es den Spruch/den Wunsch: “Wir sterben gemeinsam, du bist acht Jahre jünger, aber ich werde ja auch schön alt.” Tatsächlich ging es Monika darum, uns beiden eine Witwe(r)nschaft zu ersparen. Und nun ist es doch eingetreten.

    Ich weiß, was geschehen ist, und sage doch oft: “Was, was nur ist mit uns beiden geschehen?”

    Ich denke, ihr stellt euch auch oft diese Frage.
    Euer Frank N

    Frank N antworten
    • Ruth

      Lieber Frank,

      Dein Leben ist absolut nicht sinnlos. Du hast ja noch Deine beiden Kinder!!! Im Moment hilft Dir das vermutlich noch nicht unbedingt weiter, aber das kommt wieder.

      Ich finde es einen guten Verarbeitungsprozess, wenn Du Aufzeichnungen machst, Dir Bilder ansiehst, Das hilft Dir mit Sicherheit.

      Ich wollte auch zusammen mit meinem geliebten Mann sterben. Das hatten wir auch einmal abgemacht. Aber, das Schicksal bestimmen halt nicht wir. Ich versuche zu lernen, dankbar zu sein, für viel Schönes das wir gemeinsam erleben durften und bin nach wie vor sehr dankbar, dass er sein Leiden nicht mehr länger ertragen musste. Ich glaube auch ganz fest, dass es unseren Lieben jetzt seehr gut geht und sie in ihrem neuen Sein immer bei uns sind.

      Durch dieses Denken und das Lesen unendlich vieler Bücher über Sterben und Leben nach dem Tod ist ein grosser Friede und Ruhe in meinem Herzen eingekehrt.

      Ich wünsche Dir von Herzen, dass eines Tage, nach der tiefsten Trauer auch wieder Ruhe in Dein Herz kehrt.

      Weiterhin viel, viel Kraft und Durchhaltewille

      Ruth

      Ruth antworten
  • Wira

    Hallo Frank,

    Du hast Recht. Wir waren wohl sehr eng mit unseren Partnern verbunden. Für uns war die Beziehung nicht nur eine Zweckgemeinschaft. Es war einfach nur Liebe. Bei mir halt 53 Jahre. Die kann man nicht in ein paar Monaten wegwischen.

    Wahrscheinlich nie. Noch kann ich keine Bilder von meinem Mann anschauen oder mich um seine Sachen kümmern. Auch schöne Erinnerungen tun noch zu weh.

    Lieber an eine Auseinandersetzung, dies natürlich auch gab, denken. Damit bekommt man etwas Abstand. Aber irgendwie werden wir es schaffen. Es dauert nur.

    Liebe Grüße. Wira

    Wira antworten
    • Ruth

      Hallo guten Abend Wira,

      ja, Sie haben mit jedem Wort recht. Wir haben meinen geliebten Mann an unserem 54. Hochzeitstag zu Grabe getragen. Am 1. April. Natürlich fehlen uns unsere Männer, jeden Tag und jeden Augenblick. Ich fühle mich trotz liebevoller Familie und Freude emotional einsam und isoliert. Ich suche einen Sinn fürs Weiterleben. Aber Wira, wir schaffen das.

      Dir viel Mut und Kraft und alles Liebe
      Ruth

      Ruth antworten
  • Jenna

    „Jetzt, fast einen Monat nach ihrem Tod, ist das Warten schlimm. Ich denke, der Tod müsste doch einmal Pause machen und mir Monika wieder vorbeischicken. Aber das geschieht natürlich nicht.“

    Das spricht mir so sehr aus der Seele. Heute vor vier Wochen ist meine Omi verstorben. Sie ist alt geworden, wir haben sie begleitet, alles ist „in Ordnung“.

    Wir standen uns sehr nah und sie fehlt mir sehr. Ich komme gut durch den Tag bis es mich immer wieder ganz plötzlich trifft, die Erkenntnis, dass ich meine Omi nie wieder sehen/hören/spüren werde.

    Das aktive Trauern ist so erschöpfend und ich ertappe mich eben auch manchmal bei dem Warten darauf, dass der Tod kurz eine Pause macht und ich meine Omi wiedersehe und sie fragen kann, ob sie das Sterben so schlimm empfunden hat, wie es den Anschein gehabt hat und ob es schön für sie war, wie wir sie begleitet haben und ob sie überhaupt weiß, dass sie tot ist und wie sie das so findet.

    Ich glaube schon, dass es leichter sein wird, diesen Verlust zu ertragen als den eines Lebenspartners oder des eigenen Kindes. Klar. Aber meine Liebe für sie ist groß und der Schmerz mindestens ebenso.

    Eine Freundin meint es gut und sagt, dass es mir bald besser gehen wird. Ich weiß gar nicht ob ich sagen würde dass es mir schlecht geht, ich bin nur unendlich traurig. Und ich will auch nicht, dass das „besser“ wird, denn diese Traurigkeit ist gerade noch meine stärkste Verbindung zu ihr und die will ich gar nicht loslassen.

    Jenna antworten
  • wira

    Hallo an alle,

    ich habe fast alle Beiträge gelesen und auch selber welche geschrieben. Es ist so tröstend zu wissen, dass man nicht alleine ist.

    Alle die einen lieben Menschen verloren haben, leiden alle gleich. Alle beschleicht die selben Ängste, wie solls weitergehn, schaff ich das überhaupt jemals.

    Aber wir schaffen das, jeder einzelne, der eine schneller, der andere langsamer. Lasst Euch Zeit zum Trauern.

    wira antworten
  • Patrizia

    Durch Zufall bin ich auf diese Seite gestossen, es tut einfach nur gut, nicht alleine dazustehen.

    Ich habe am 19. Juli 2019 meinen geliebten Papa verloren und nicht mal ein Jahr später am 2. Juni 2020 meinen über allesgeliebten Partner mit 59 Jahren innerhalb eines Monats nach der Diagnose Lungenkrebs.

    Ich bin in ein tiefes Loch gefallen, klar sind da Menschen die mich gern haben und lieben, und doch fühlt man sich allein und machtlos gegen diesen Schmerz. Es gibt bessere Tage aber dann auch wieder schlechtere, in denen ich mich zurückziehe und weine.

    Dann gibt es Menschen, die sagen, das Leben muss weitergehen, diese Aussage kann ich nicht mehr hören, da sie nicht wissen, wie es ist diese Leere, diesen Schmerz zu tragen. Das weiss nur jemand, der ähnliches erlebt hat.

    Ich wünsche allen hier sehr viel Kraft und Zuversicht in dieser schweren Zeit.

    Patrizia antworten
  • Wira

    Hallo Patrizia,

    Du hast ja so recht. Das wird schon, das Leben geht weiter, du musst nach vorne schauen nicht in der Vergangenheit leben.

    Das Leben geht weiter, sicher. Aber wie?

    Trauer, Ängste. Bald ist Weihnachten, eine furchtbare Vorstellung ohne den Partner.

    Wira antworten
  • Olga

    An alle Trauernden!

    Ich habe die Erkenntnis bekommen, dass jeder von uns auf seine “Art” trauert. Trauer ist individuell.

    Ich musste alle Dinge, die mich an meine geliebte Mutter erinnerten weggeben und ich konnte lange Zeit ihr Grab nicht besuchen. Andere machen genau das Gegenteil.

    Fakt ist, dass unser Leben nie mehr so sein wird als vorher und die Zeit nicht alle Wunden heilt. Ich lebe überwiegend in der Vergangenheit, aber das brauche ich auch. Andernfalls würde man ja die Trauer vergessen wollen, was einem verdrängen gleich kommt.

    Es ist wichtig die Trauer zu leben, sonst wird man irgendwann von ihr eingeholt.

    Also ihr Lieben, egal was die Nachbarn denken, wenn du weinen willst oder schreien, dann tu es.

    Fühlt euch umarmt,
    Olga

    Olga antworten

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