Trauer bewältigen – alles andere als einfach

Unter dem folgenden Beitrag haben Sie die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Es gibt dort bereits Leserbeiträge, die u. a. auch beschreiben, was bei der individuellen Trauerarbeit geholfen hat.

Jeder von uns kann in eine Situation kommen, die eine große Trauer auslöst, beispielsweise wenn man einen geliebten Menschen verliert.

Man glaubt, in ein tiefes Loch zu fallen, an dem Verlust zu zerbrechen, und hat keine Kraft, aus diesem Loch wieder rauszukommen.

Aber Trauer ist wichtig, um das Erlebte bzw. den Verlust zu verarbeiten, und jeder sollte sich diese auch zugestehen.

Die Trauerphasen bestehen häufig aus vielen Aufs und Abs. In den meisten Fällen wird der Schmerz nie ganz verschwinden, man lernt nur, besser damit umzugehen.

Jeder geht anders mit Trauer um.

Während etwa die eine Person ihre Trauer nicht zeigt und damit vielleicht andere irritiert, trägt eine andere alle Traueremotionen nach außen.

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Wie kann man die Trauer überwinden?

Es gibt kein Patentrezept und schon gar keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um den Trauerschmerz zu überwinden, auch weil die Trauerarbeit individuell ist.

Aber es gibt Möglichkeiten, welche die Trauerarbeit unterstützen:

1. Trauer zulassen

Viele Menschen glauben, sie müssen stark sein, sie dürfen ihre Trauer und die Emotionen nicht zeigen. Aber diese Überzeugung kann den eigenen Schmerz sogar steigern.

Trauer sollten Sie sich immer zugestehen und auch zulassen.

2. Reden

Den eigenen Schmerz mitteilen und über die eigenen Gefühle sprechen, kann für Trauernde eine Art Befreiung sein. Es tut einfach gut, darüber sprechen zu können/dürfen.

Deshalb: Sprechen Sie mit Ihnen vertrauten Personen über Ihren Schmerz, über Ihre Trauer.

3. Schreiben

Manche tun sich schwer damit oder wollen nicht über ihre Trauer und über ihre Gefühle reden.

Wenn auch Sie zu diesen Menschen gehören, kann Ihnen das Niederschreiben des Erlebten und der Gefühle bei der Trauerarbeit immens helfen.

Dieses Niederschreiben kann beispielsweise in Form eines Tagesbuchs erfolgen oder in Form von Briefen an den geliebten Menschen, auch wenn dieser nicht mehr da ist.

4. Ablenkung

Manche Menschen lässt eine Ablenkung die Trauer leichter „vergessen“. Sie stürzen sich in die Arbeit, treiben intensiv Sport – damit sie schmerzende Gedanken aus dem Kopf verdrängen und abends müde ins Bett fallen.

Vielleicht hilft Ihnen auch Ablenkung bei der Trauerarbeit. Welche Möglichkeiten der Ablenkung könnten für Sie infrage kommen?

5. Sich etwas Gutes tun

Im Trauerzustand vernachlässigt man die eigene Person. Und darin liegt auch eine Gefahr. Sie sollten versuchen, sich etwas Gutes zu tun – ohne Gewissensbisse. Und wenn es nur Kleinigkeiten sind, die Sie sich gönnen.

6. Hilfe in Anspruch nehmen

Wenn Sie das Gefühl haben, aus der Trauerspirale nicht alleine herauszukommen, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Ansprechperson kann der Hausarzt sein, der einen Therapeuten oder auch eine Selbsthilfegruppe vermittelt.

Denn Trauernde haben oft das Gefühl, dass die Mitmenschen sie nicht verstehen und ihre Trauer nicht nachvollziehen können. Hier sollte die betroffene Person den Austausch mit Menschen suchen, die ähnlich Schweres erlebt haben. Das kann in der Selbsthilfegruppe oder in einem Internetforum sein. Gern können Sie sich auch unten in den Kommentaren austauschen.


Hörenswert:

Im Podcast von Petra Drachenberg erzählt eine Mutter – Daniela Berg – in einem berührenden und Mut machenden Gespräch, wie sie den Schmerz und die Trauer bewältigt hat, als sie ihre 15-jährige Tochter Marlene durch Krebstod verloren hat. Auch wie die Familie, die Freunde und die Klasse mit dem Tod von Marlene umgegangen sind:

Teil 1 des Gesprächs „Begreifen, was nicht ist …“

Teil 2 des Gesprächs „Begreifen, was nicht ist …“

 


Für viele Trauernde, die einen geliebten Menschen durch Tod verloren haben, ist auch dieser Song von Sarah Connor tröstlich (wie die zahlreichen Kommentare auf YouTube zeigen):


Was fühlen Sie,
wie gehen Sie mit der Trauer um?

Unten im Kommentarbereich können Sie sich mit anderen Personen austauschen, die auch mit dem Verlust eines geliebten Menschen konfrontiert wurden.



Kommentare

  • Heinz Alenfelder

    Hallo Herr Heidenberger!

    Ihr Artikel beschreibt nach meiner Erfahrung sehr gut, was im Trauerprozess möglich ist. Ich selbst habe nach Verlust meiner Eltern sehr häufig einen nahegelegenen Friedhof besucht, da der Weg zum Grab zu weit war. Da ich weder religiös bin, noch die Gräber kannte, war das Spazierengehen ein Ausgleich für Grübeln und Sich-Grämen.

    Fast automatisch bin ich nach einiger Zeit auf mein Hobby, das Fotografieren, zurückgekommen und habe die Friedhöfe fotografiert.

    Diese kreative, konstruktive Zeit der Trauer hat mir sehr viel Ruhe gegeben und mir zu einem sehr bewussten Umgang mit meiner Trauer verholfen. Ich hoffe, auch anderen Anregungen damit geben zu können.

    Schönen Gruß, Heinz Alenfelder.

    Heinz Alenfelder antworten
    • Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag, Herr Alenfelder!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Müller M.

      Vielen herzlichen Dank für Ihre Tipps!

      Jeder muss sehen, was für ihn machbar ist. Auch ich bin frisch verwitwet. Da tut eh noch alles weh, aber man muss irgendwann nach vorn schauen und wieder leben … irgendwie.

      Müller M. antworten
    • Claudia

      Habe die Seite gerade entdeckt, mein Mann ist vor 8 Monaten verstorben mit 46 Jahren….. Lungenembolie…….

      Claudia antworten
  • Lieber Burkhard,

    schön auch ein solches Thema hier bei dir zu finden.

    Ich bin nun in einem Alter, wo man mit diesem Thema häufiger konfrontiert wird, weil die Eltern alt sind, krank werden … und sterben.

    Wobei ich im Moment die Zeit vor dem Sterben, das Kranksein, Leiden und Siechen noch schlimmer finde zu ertragen, dabei hilflos zuzusehen und nur wenig tun können, um es etwas leichter zu machen.

    Wichtig ist tatsächlich bei diesen Themen, sich Hilfe zu holen und mit anderen zu sprechen. Sei es mit anderen Familienangehörigen (falls man zu denen ein gutes Verhältnis hat :-), mit Freunden oder auch Therapeuten etc.

    Sehr wichtig auch dein Tipp: sich selbst in der Zeit auch Gutes tun, sich verwöhnen, Freizeit machen, Freunde treffen, Lachen – sonst hält man es nicht aus.

    Gute Erfahrung habe ich tatsächlich mit “Ablenkung” gemacht – lange Zeit dachte ich, das “darf man nicht” (so aus frühen Therapiezeiten, wo man in alle Gefühle hinein- und hindurchgehen “musste”). Bis ich kapiert habe, dass das ein Schmarrn ist. Alles ist gut, was einem hilft. Ständiges Grübeln und traurige Gedanken pflegen, hilft auch nicht, da ist Ablenkung ob durch Arbeit oder Kino durchaus ein probates Mittel.

    Ich denke auch, dass jeder seine Form finden muss.

    Aber zulassen und sich eingestehen, sollte man Trauer auf jeden Fall, auch wenn es in unserer Kultur kaum brauchbare Rituale gibt und lautes Wehklagen und Kleideraufreißen eher befremdlich wirkt. Den Betroffenen hilft es sicher besser, als die Zähne zusammen zu beißen und “gefasst” zu wirken.

    Oft kommt es ja dann auch viel später hoch. Als meine Mutter letztes Jahr starb, war ich zum einen schon lange darauf eingestellt und anschließend gut beschäftigt. Jetzt, wo mein Vater sehr krank geworden ist, kommt das alles erst so richtig hoch – und so kommt es, dass ich plötzlich beim Autofahren vor mich hinheule.

    Es taucht vor allem immer deutlicher die Frage auf:

    Was treibe ich in diesem Leben? Warum bin ich hier? Auf was will ich zurückblicken, wenn ich selbst auf dem Sterbebett liege?

    Denn in diesen Situationen wird man vor allem mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. DAS ist die Lernchance … und so schließt sich sogar der Kreis zu deinem Thema “Zeitmanagement”. Denn ich habe immer noch den Spruch von Covey an der Wand hängen (mit dem Foto eines alten Beduinen zusammen):

    “Niemand bedauert auf dem Sterbebett, nicht mehr Zeit im Büro verbracht zu haben!”

    Bohhh, jetzt hast du aber ein Thema bei mir erwischt! :-)

    Zamyat M. Klein antworten
  • Liebe Zamyat,

    da gebe ich dir vollkommen recht.

    Das Belastende ist vor allem die Hilflosigkeit. Also einen Menschen leiden zu sehen, mit dem man eng verbunden ist, den man liebt, und ihm nicht helfen zu können. Das belastet dann oft sogar weitaus mehr, als dann der Tod dieses Menschen.

    Burkhard Heidenberger antworten
  • Martina Fortmann

    Hallo, durch Zufall fand ich Ihre Internetseite.

    Ich befinde mich zur Zeit in einer ähnlichen Situation, habe 6 Jahre lang meine Mutter gepflegt, u. a. Morbus Parkinson, inoperabler Oberarmbruch, Pflegestufe 2, sie hat davon 4 Jahre nur in einem Sessel gesessen.

    Ihr Wunsch war es, zu Hause sterben zu dürfen und ich bin froh, dass ich ihr diesen letzten Wunsch erfüllen konnte, auch wenn es bei mir sowohl seelisch als auch psychisch und körperlich an meine Grenzen ging. Meine Mutter ist mit 87 Jahren in meinen Armen gestorben. Jetzt geht mir immer noch im Kopf rum, wie ich sie gepflegt habe, der letzte Atemzug usw. Aber ich denke, da muss man durch. Manchmal denke ich, schlimmer wie die letzten 6 Jahre kann es auch nicht mehr werden.

    Ihre Martina Fortmann

    Martina Fortmann antworten
    • Vielen Dank für Ihre offenen Worte, Frau Fortmann!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • mara

      an martina:

      ich suchte in völliger verzweiflung nach lösungen im internet.

      dein beitrag ist der erste, der mich angesprochen hat. ich kann das alles sooo gut nachfühlen, bzw. finde mich darin total wieder.

      allerdings habe ich ein problem: mein ziel war es, ein gutes lebensende – wenn es denn mal soweit sein sollte – für meine mutter zu schaffen. ich habe mir das zur aufgabe gemacht und mich mit vielem darauf vorbereitet.

      der absolute hammerschlag hat mich nun völlig unerwartet getroffen. durch einen behandlungsfehler wurde ihr tod äußerst qualvoll herbeigeführt. obwohl ich ständig stärkste zweifel an der “behandlung” hatte , habe ich nichts dagegen unternommen oder den arzt gewechselt. das leben war absolut lebenswert, das empfand sie auch so und wollte noch keineswegs abschied vom leben nehmen.

      ich sehe nun keine lösung, wie ich diesen horror ertragen könnte. keiner kann diese geschichte rückgängig machen. man kann auch nicht nachvollziehen, warum ich es unterlassen habe zu handeln und sie diesem brutalen töten tatenlos quasi ausgeliefert habe.

      mara antworten
      • Christine

        Liebe Mara,

        ich habe auch meine Mutter Jahrzehnte lang betreut und in den letzten 5 Jahren intensiv gepflegt. Drei Wochen vor ihrer Einlieferung ins Spital mit einem Gehirnschlag waren wir in der Therme noch Schwimmen – und das mit 93 Jahren!.

        Viereinhalb Wochen zusehen zu müssen, dass sie auf Grund ihres Alters im Vorhinein abgeschrieben war und mehrere schwere Behandlungsfehler zu einem qualvollen Sterbeprozess geführt haben, ist das eigentlich Schwierige an der Situation. Ich habe aber in diesen vier Wochen tagtäglich das Gespräch mit den Ärzten gesucht, bin gegen eine Glaswand gelaufen, habe Ignoranz und offene Feindseligkeit erfahren und versucht, zumindest das Sterben erträglicher zu machen.

        Ich habe den Weg zur Patientenanwaltschaft gesucht und zwei Tage vor ihrem Tod alles detailgenau zu Protokoll gegeben. Dort hat man mir zugehört, Mitgefühl entgegengebracht und versichert, dass das System krank sei.

        Durch Zufall lernte ich eine Dame kennen, die mit ihrem Onkel haargenau dieselben Probleme durchleben musste und auch mit einem Bericht über diese neurologische Abteilung bei der Anwaltschaft vorstellig wurde. Krank ist das System und die Menschen dahinter, denen ein fortgeschrittenes Leben nichts gilt.

        Wir alle haben unseren Lebensplan zu erfüllen. Ich habe meinen Frieden gemacht und bin froh, den Wunsch meiner Mutter wenigstens die letzten 6 Stunden erfüllt zu haben. Sie durfte zu Hause in meinen Armen ihr Leben beschließen.

        Manchmal muss man erkennen, dass etwas genau diesen Weg nehmen muss und man NICHTS daran verändern kann.

        Meiner Mutter geht es nun gut. Mir langsam besser.

        Den Hinterbliebenen bleibt die Aufgabe anzunehmen, was ist und den eigenen Weg positiv weiterzugehen.

        Christine antworten
  • Ute

    Hallo,

    auch ich habe einen Trauerfall. Mein Mann starb kürzlich. Er war schon über Jahre sehr krank gewesen. Als wir uns kennenlernten, hatte er 2 Jahre zuvor gerade einen Herzinfarkt mit 6 Wochen Koma überstanden. Über die Jahre hinweg kamen noch 3 Gehirnschläge dazu. Durch sein sehr schwaches Herz (24 % Herztätigkeit) und seiner Nierenschwäche war seine Zeit auf Erden schon angezählt. Trotzdem, und auch durch seinen sehr guten Hausarzt, waren uns noch über 20 Jahre miteinander vergönnt.

    Sein Tod war trotzdem unfassbar für mich, obwohl sein Arzt mir sagte, dass mein Mann bis jetzt immer noch sehr viel Glück mit seinen Krankheiten (Diabetes, Herzschrittmacher, div. Stents, Sauerstoffgerät, Dialyse) hatte. Ich konnte es nicht glauben, dass von jetzt auf gleich mein Mann im Sterben lag.

    Bis heute, 10 Wochen danach, plagt mich immer noch die Ungewissheit, ob ich alles für meinen Mann getan habe oder ob man vielleicht noch etwas hätte tun können. Sein Arzt sagte mir zwar, dass man medizinisch alles ausgeschöpft hatte und dass man meinem Mann nun die Ruhe gönnen sollte, aber die Schuldgefühle bleiben doch.

    Ich versuche nun irgenwie, gedanklich und auch körperlich, zur Ruhe zu kommen, was tagsüber auch durch die Arbeit gelingt. Schwer wird es, wenn man in die leere Wohnung kommt. Dann steigen die Emotionen in einem wieder auf und ich bin nur am Weinen.

    Ich gebe die Hoffnung aber nicht auf, dass es irgendwann mal besser wird.

    Ute antworten
    • Danke Ute!

      Bei vielen kommen zur Trauer auch noch Schuldgefühle dazu, wie Sie das auch beschreiben. Versuchen Sie sich mal ins Bewusstsein zu rufen, was Sie alles für Ihren Mann getan haben anstatt sich immer zu fragen, ob Sie etwas verabsäumt haben. Bringen Sie das Ganze auch zu Papier. Der Schreibprozess kann eine „reinigende“ Wirkung haben.

      Fragen Sie sich auch, was Ihr Mann zu Ihren Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen sagen würde. Vielleicht gelingt es Ihnen dann leichter bzw. schneller, diese loszuwerden.

      Ihnen alles Gute!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • mara

      das problem, wenn man in die leere wohnung kommt …

      wer könnte da eine lösung anbieten?

      der gefühlswahnsinn ist unbeschreiblich. die flucht nach draußen bringt auch nichts.

      mara antworten
      • Wolfgang

        Liebe Mara,

        ich kann dich gut verstehen, mir geht es auch so, ich habe meine Frau auch vor kurzem verloren.

        Das Loch, in das man fällt, scheint kein Ende zu nehmen. Ich stand auch vor der Frage, Maschine aus oder nicht. Die Entscheidung war grauenhaft.

        Und wie du schreibst, die leere Wohnung, ein Alptraum, den ich schon das zweite Mal erleben mußte.

        Wolfgang

        Wolfgang antworten
        • Erika

          Hallo Wolfgang,

          ich kann Deinen Schmerz gut nachempfinden, weil auch ich meinen Partner kürzlich verloren habe.

          Ich versuche, durch Kontakte diese Situation zu durchbrechen. Es gelingt nur zum Teil und für den Moment.

          So wie ich allein bin, muss ich kämpfen. Ich habe das Gefühl, von außen kann kaum Hilfe zu erwarten sein. Ich werde warten müssen, bis ich selbst in der Lage bin, wieder halbwegs vernünftig mit mir selbst umzugehen.

          Liebe Grüße
          Erika

          Erika antworten
    • Dagmar

      Hallo Ute,

      ich habe ähnliches hinter mir. Mein Mann hatte vor 13 Jahren einen Herzinfarkt hinter sich.

      Leider hat der Arzt es falsch diagnostiziert. Einige Jahre ging alles einigermaßen gut, doch dann rutschte er mir zu Hause immerzu zusammen, sein Defibrillator sprang immer an. Er hatte letztendlich noch 13 Prozent Herzleistung und kam nach langem Hin und Her in das Herzzentrum Leipzig.

      Das war im Februar. Leider zu spät. Er bekam ein Kunstherz und sein Rechtsherz hatte schon keine Kraft mehr. Er verstarb an Multiorganversagen im Mai.

      Ich habe seine Geräte abstellen lassen, weil er nur noch auf Grund seiner Medikamente lebte. Damit werde ich nicht fertig und kann das nicht verarbeiten. Er starb in meinen Armen.

      Dagmar antworten
      • Ute

        Hallo Dagmar,

        ich kann die Schuldgefühle verstehen, die man hat, wenn man die Geräte des geliebten Menschen abstellen läßt. Auch ich habe heute, nach fast zwei Jahren, immer noch das Bild vor Augen, als ich den Ärzten sagte, dass mein Mann nicht künstlich am Leben erhalten werden möchte.

        Daraufhin wurden die Geräte abgestellt. Am schlimmsten war es, als man den “Defi” außer Kraft setzte. Dies alles habe ich bis heute noch nicht verarbeitet. Es tut unheimlich weh, “beteiligt” daran zu sein, den geliebten Menschen getötet zu haben, obwohl es der ausdrückliche Wunsch gewesen ist.

        Ich hoffe, dass es irgendwann besser wird.

        Ich wünsche dir den Glauben und das Wissen, dass die geliebten Menschen trotzdem bei uns sind.

        Liebe Grüße

        U.Diete

        Ute antworten
    • Ursula Röring

      Liebe Ute, wenn ich nicht genau wüsste, dass Sie von Ihrem Mann berichten, würde ich glauben, es geht um meinen Mann.

      Fast die gleiche Krankengeschichte.
      Mich plagen auch Gewissensbisse.
      Mein Mann ist am 15.5.2019 an plötzlichem Herzversagen gestorben.

      Nachdem ich den Notruf abgesetzt habe, sollte ich meinen Mann wieder beleben.

      Ich stand wie erstarrt vor ihm und habe ihn nicht in die Liegeposition bekommen.

      Ich kann einfach keine Ruhe finden, denke immer, dass ich versagt habe.

      Ursula Röring antworten
  • Sylvia Schuhmacher

    Hallo,

    meine Mama ist kürzlich in einem jungen Alter von nur 67 Jahren verstorbenen. Ich bin 47. Ich kann es noch nicht begreifen, wir haben jeden Tag telefoniert und uns in der Woche sehr oft gesehen. Sie wohnte nur ein paar Kilometer weg von mir, wir haben sehr oft den Urlaub miteinander verbracht.

    Ich bin nicht in der Lage, auf den Friedhof zu gehen oder zu ihr ins Haus. Ich arbeite sehr viel, um mich abzulenken, doch die Abende und das Wochenende sind schlimme Momente für mich.

    Gedanklich versuche ich, ruhig zu werden, doch ich schaffe es nicht immer. Ob die Zeit was dazu tut, weiß ich noch nicht.

    Sylvia

    Sylvia Schuhmacher antworten
    • mara

      hallo,

      gedanklich schaffe ich gar nichts.

      ansonsten finde ich mich bei dir absolut wieder.

      ich kann mir nicht vorstellen, wie oder wann das alles ein ende haben soll. vermutlich erst, wenn man selbst total tot ist.

      mara antworten
      • Liebe Mara,

        Du beschreibst eine sehr verzweifelte Situation. Du machst Dir Vorwürfe für etwas, das Du nie wirklich in der Hand hattest. Du hast Deinen Beitrag geleistet; mehr war nicht möglich. Du bist auch nicht verantwortlich und schon gar nicht schuld.

        Mir erscheint es wichtig, dass Du Dir Hilfe bei einer Gruppe oder Institution holst.
        Diese gibt es, und sie können Dir helfen, wieder in den Alltag zurückzufinden, einen Alltag, in dem auch wieder Freude und Sonne Platz hat. Ganz wichtig ist dabei, dass Du Dich mit Deinen Vorwürfen versöhnst.

        Nimm den Anlauf und such Dir da jemanden, denn alleine ist so etwas schwierig, nicht nur für Dich!

        Alles Gute und viel Erfolg
        Urs

        Urs Nüesch antworten
    • Imka

      Hi.

      Mir geht es ähnlich wie Dir. Es ist jetzt schon 1 Jahr her, aber besser wird nichts.

      Sie ist nicht mehr da. Und kommt nie wieder, mit dieser neuen Situation kann ich mich nicht anfreunden. Sie war meine beste Freundin, meine Mutter, meine Gesprächspartnerin und alles in Einem.

      Wenn ich nun alleine bin (sonst war sie immer bei mir), fange ich an zu grübeln, was bei den Ärzten alles schiefgelaufen ist. Wer etwas verabsäumt hat, was ich falsch gemacht habe, und warum es überhaupt so gekommen ist. Und warum es uns traf. Was das alles für einen Sinn haben soll. Ich gehe meist abends, wenn ich im Bett liege, alle Situationen penibel genau durch, um Fehler zu finden. UND ich finde sie dann massenhaft. Und grüble dahin, schreib Bekannte an, was sie dazu sagen etc., ob sie das auch so sehen, dass alles falsch gelaufen ist …

      Die merken dann schon, dass mich die Situation an den Rand meiner Nerven bringt. Aber diese Schuldgefühle machen mich fertig.

      Hätte ich dieses getan, oder jenes, wäre sie nicht an einer Medikamentenallergie gestorben. Total unsinnig dieser Tod. Viel zu früh. Und überhaupt, man hinterfragt plötzlich alles. Warum darf der eine 95 werden der andere nur 50/60/70. etc. …

      Mit Menschen, die nie einen Verlust erlitten haben, kann man gar nicht reden. Die haben nur Kleinigkeiten im Kopf, die interessieren mich schon lange nicht mehr, nach all dem, was ich gesehen habe auf dieser Welt.

      Jetzt im Moment ist es so, dass ich sogar die Notärzte hinterfrage, die die Wiederbelebung erfolglos durchgeführt haben. Ich habe ein Buch, dort wird alles beschrieben. Ich zweifle jetzt sogar an denen. Das Schlimmste ist, dass man mit Niemandem reden kann.

      Imka antworten
    • Jasmin

      Hallo

      Ich habe vor 8 Monaten meinen Papa (63) verloren. Und wir hatten auch ein sehr enges Verhältnis so wie bei dir. Täglich telefoniert oder Nachrichten geschrieben oder ich war einfach da mal eben auf einen Kaffee. Ich kann es auch noch gar nicht verstehen, dass er jetzt nicht mehr da ist.

      Wenn ich zu ihm nach Hause fahre, wo meine Stiefmutter noch lebt, tut es jedes Mal so weh. Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich weiter damit umgehen soll. An manchen Tagen ist alles gut, da kann ich alles verdrängen, und an manchen Tagen sehe ich ihn jedes Mal wieder vor mir im Krankenhaus im Sterbebett liegen. Es war ein plötzlicher Herzinfarkt. Glücklicherweise konnte ich noch bei ihm sein und mich verabschieden. Aber zur Zeit schwirren diese Bilder immer wieder in meinem Kopf rum.

      Ich habe immer etwas Hemmungen, meine Familie und Freunde immer wieder damit zu belasten. Vor allem an solchen Tagen wie gerade jetzt, wo es mir wieder sehr schlecht geht ….

      Ich hoffe, dass es mit der Zeit einfacher wird damit umzugehen ….

      Jasmin antworten
    • Antje

      Hallo Sylvia,

      meine Mam war 76 und ich bin 50, aber ansonsten beschreibt uns Dein erster Absatz perfekt.

      Nun ist meine Mam allerdings erst heute morgen verstorben und ich verbringe den allerersten von vielen kommenden furchtbaren Abenden und Wochenenden und kann nicht begreifen, warum ich nicht den Telefonhörer nehmen und die Stimme meiner Mutter hören kann. Nie mehr.

      Fast alles, was mir heute durch den Kopf geschossen ist, fing mit diesen Worten an und im nächsten Moment überrollte mich diese Welle von Schmerz…

      Ich kann zu diesem frühen Zeitpunkt nicht wirklich behaupten, dass die Beiträge hier mich irgendwie trösten, aber zum ersten Mal heute fühle ich mich nicht ganz so allein.

      Antje

      Antje antworten
      • Ruth

        Du bist nicht allein, Antje!

        Ruth antworten
        • Antje

          Ich danke Dir sehr.

          Und ich bin froh, diese Seite gefunden zu haben, die trotz oder genau wegen der ganzen traurigen und berührenden Beiträge auch Hoffnung macht. Obwohl ich keinen von Euch kenne, fühle ich mich Euch sehr verbunden und wünsche uns allen viel Mut und Kraft und Zuversicht.

          Lieber Herr Heidenberger, danke dafür.

          Antje antworten
  • Stefanie

    Lieber Herr Burkhard,

    ich bin 40 Jahre alt und habe am heuer meinen Mann nach 22 gemeinsamen Jahren verloren. Er litt 1 1/2 Jahre an Krebs mit dem CUP-Syndrom. Wir wussten von Anfang an, dass es sich nur noch um eine Lebensverlängerung handelt. Wir haben eine 16-jährige Tochter.

    Es war furchtbar, mit anschauen zu müssen, wie ein so starker Mann immer schwächer wird und das mit den furchtbaren Schmerzen. Wir haben alles für ihn getan. Er starb bei uns zu Hause in seinem Bett.

    Ich lag 5 Tage neben ihm, um ihn nicht alleine zu lassen und hielt ihn in meinen Armen, als es starb. Er blieb noch über Nacht zu Hause bei uns. Ich habe ihn gewaschen, angezogen, und mit meiner Familie und den Freunden begleiteten wir den Sarg aus dem Haus.

    Jetzt ist es ganz still im Haus! Ich bekam Herzrasen und Gliederschmerzen wie bei einer Grippe. Dadurch dass ich ihn beim Sterben begleitet habe, kapier ich es, dass er tot ist.

    Aber der Schmerz, die Erinnerungen und die Stille sind unerträglich. Wie lange wird dieser Zustand noch anhalten?

    Euch allen alles Gute

    Lieben Gruß

    Stefanie

    Stefanie antworten
    • Liebe Stefanie,

      es ist sehr schmerzhaft, einen lieben Menschen zu verlieren. Ihr Mann durfte zu Hause in Ihren Armen sterben, das war für ihn sicher sehr tröstlich.

      Wie lange der schmerzhafte Zustand noch anhalten wird, kann wohl niemand sagen. Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, mit Ihrer Tochter oder anderen lieben Menschen in Ihrem Umfeld schöne Erinnerungen an Ihren Mann auszutauschen, über Ihre Gefühle zu sprechen. Dann sollten Sie das tun. Lassen Sie die Trauer und den Schmerz zu.

      Liebe Grüße

      Burkhard

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Angela

      Liebe Stefanie.

      Mein Mann ist auch letztes Jahr am 24.01. an Krebs gestorben. Einen Tag nach seinem Geburtstag. Es ist im Augenblick nicht auszuhalten. Dieser Schmerz erstickt mich.

      Ich kann genau nachfühlen wie es dir jetzt geht. Aber du warst wenigstens bei ihm. Mein Mann ist im Krankenhaus verstorben. Vorher haben wir noch telefoniert und er wollte Brötchen und Kaffee haben. Als ich den Kaffee fertig hatte und zu ihm fahren wollte, bekam ich einen Anruf von seiner Ärztin, die mir sagte, dass mein Mann gerade an einem Herzinfarkt gestorben ist. Seitdem hadere ich mit dem Schicksal. Ich kann mir vorstellen wie es dir geht. Ganz liebe Grüsse

      Angela antworten
  • Aaron

    Hallo!

    Meine Schwester hat Suizid begangen, das ist jetzt schon mehrere Jahre her!

    Ich war im ersten Moment geschockt und hatte auch meine Trauerzeit, doch fing ich mich dann ziemlich schnell wieder auf! Jetzt 4 Jahre später merke ich, wie eine Art Nebel vor mir liegt, der mein Leben trübt.

    Zamyat M. Klein, ich musste weinen, als ich deine Worte las. Es geht mir ähnlich wie dir. Ich stelle mir jeden Tag die Frage, was ich auf dieser Welt soll (das tönt jetzt, als ob ich selbst Suizidgedanken hege, doch so ist es ganz und gar nicht).

    Ich versuche zu verstehen, wieder mehr Freude am Leben zu haben und dem Strudel der Trauer zu entgleiten. So kam es, das ich auf diese Seite stieß und ich danke euch für eure Bereitschaft, eure Geschichten zu teilen. Viele haben mich zu tiefst gerührt. So wollte ich es euch gleichtun, damit ein anderer vielleicht auch durch meine Worte seine Trauer ausleben kann.

    Ich danke euch!

    Aaron

    Aaron antworten
  • Maria

    Ich habe vor drei Wochen meine Mutter verloren. Es war abzusehen, dass sie nicht mehr allzu lange auf dieser Erde verbringen würde. In ihrem letzten Lebensjahr musste sie zu Hause gepflegt werden – was wir, ihre Kinder, gern getan haben. Sie ist alt geworden. Ich bin sehr froh für sie, dass sie zu Hause in ihrem Bett sterben konnte – und nicht in einem Krankenhaus.

    Und jetzt ist es so, dass mit ihrem Weggang der Sinn des Lebens in Frage gestellt ist. Versteht mich nicht falsch: Ich denke nicht an Suizid. Ich habe einen Mann an meiner Seite und ein Kind. Aber die Mutter war eine wichtige Basis und ein Anker.

    In manchen Momenten weiß ich nicht, wie es weitergehen soll. Sie war immer da, man war immer willkommen bei ihr. Sie war so voll Liebe. Ein wunderbarer Mensch.

    Ich sehe mich daneben und frage mich, wo ich all die Kraft hernehmen soll, die sie stets hatte für ihr schweres Leben und ihre vielen Kinder, die sie großgezogen hat.

    Ich komme mir so null und nichtig vor, wenn ich mich selbst als Mutter erlebe. So unfähig. So unscheinbar. So verzichtbar.

    * Sie fehlt. *

    Ich bin dankbar, dass ich eine so wunderbare Frau als Mutter haben durfte. * Ich wünsch mir so sehr, an eine höhere Macht, an Gott oder etwas ähnliches glauben zu können. Dann wüsste ich, dass ich sie wiedersehen könnte … eines Tages …

    Maria antworten
    • Birgit

      Auch ich durchlebe gerade einen für mich sehr belastenden Abschied, mein Liebstes ist gegangen.

      Wunderbar aber ist, dass ich seitdem fast an jedem Tag eine kleine berührende Botschaft erhalte, oft immer dann, wenn ich die Trauer kaum noch aushalten kann.

      Ich fahre auf der Straße, und auf einem Graffiti steht plötzlich: Ich liebe dich! Oder ich mache das Radio an, weil ich versuche, mit dem Weinen aufzuhören, und unser Lieblingslied kommt. Ich fange im Supermarkt einen Gesprächsfetzen auf – “klar sehen wir uns wieder, was denkst du denn!?”

      Ich glaube jetzt, das Leben hier ist nur ein kleiner Teil vom großen Ganzen.

      Als meine Oma vor fünf Jahren starb (mein Mann und ich hatten sie sechs Jahre zu Hause gepflegt), war ich bei ihr. Ich glaube, dass im Moment ihres Sterbens ein Engel da war, denn ich fühlte, dass wir beide – Oma und ich – nicht allein waren und nicht allein weitergehen mussten, in unsere beiden verschiedenen “Richtungen”.

      Diesen Trost möchte ich euch allen weitergeben: “In der Welt habt ihr Angst, ich aber habe die Welt überwunden.” Das hat Jesus Christus gesagt. Ich versteh es so, dass man befreit wird von Trauer, Schmerz und Furcht, wenn man gestorben ist. Der Gedanke, dass meine Liebsten nicht mehr leiden, dass sie frei sind und unsere Liebe zueinander wirklich bleibt, das ist der Trost, der mir geschenkt worden ist. So gesehen bin ich irgendwie auch dankbar und voller Staunen und kapiere, dass wir Menschen wohl doch nicht wirklich alles wissen.

      Ich wünsche Euch allen von Herzen alles Liebe!

      Birgit antworten
  • Christine

    Genau so, wie alle anderen Betroffenen vor mir, bin ich auch immer wieder im Internet auf der Suche nach tröstlichen oder hilfreichen Artikel, die meine Trauer erträglicher machen.

    Vor 80 Tagen ist meine Mutter im hohen Alter von 93 1/2 auch in meinen Armen gestorben, nachdem sie entsetzliche 4 1/2 Wochen auf einer neurologischen Abteilung zubringen musste-Insult. Ende September war noch alles in bester Ordnung, meine Mutter – von mir rundum betreut, gepflegt und geliebt – hatte ausschließlich in der Fortbewegung Einschränkungen, jedoch geistig war sie ganz klar und lebensfroh. Sie bezeichnete ihr Leben immer “wie in einem weichen, warmen Nest”.

    Es ist selbstverständlich, dass man so ein schönes gemeinsames Leben – ich bin 52 Jahre – nur schwer hinter sich lässt. Immer wieder erlebe ich wahre Sturzbäche an Tränen, die stumm meine Wangen hinunterrinnen. Bei der Arbeit schaltet sich meine “Vernunft” ein – Freude ist aber auch hier nicht spürbar, obwohl ich meinen Beruf sehr liebe.

    Noch ist es mir nicht möglich an ein glückliches, frohes Heimkommen zu denken.

    Auch ich fühle mich, obwohl sehr bodenständig und lebenstüchtig, wie ein kleines Baby, das nach seiner Mama weint. Gerne würde ich diesen Zustand abkürzen, doch ich bekomme auch von allen Seiten versichert, dass es so lange dauert, wie es dauert – ein Jahr, zwei Jahre, …?

    Wie eine zweite Geburt fühlt es sich an – ein Feststecken im Geburtskanal auf dem Weg in ein neues Leben ohne den geliebten Menschen.

    Unsere Hundedame, die meine Mutter sehr liebte und die ihr in den letzten 5 Jahren ein großes Geschenk war, leidet mit mir. Auch sie braucht nun viel Unterstützung, denn sie kann auch nicht verstehen, warum das schöne Leben ein Ende hat und ob sie vertrauen darf, dass ich immer wieder komme, wenn ich außer Haus gehe.

    An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle Trauernden, die mir das Gefühl geben, nicht verrückt zu werden.

    Liebe Grüße
    Christine

    Christine antworten
    • Maria

      Hallo Christine,

      das hast du gut beschrieben, das Feststecken im Geburtskanal – genauso fühle ich mich auch. Meine Mutter starb vor 3 Wochen, sie fehlt mir so sehr, auch wenn ich weiss, sie war krank und ihr Lebensweg war jetzt zu Ende, ich vermisse so sehr mit ihr sprechen zu können und ihre Stimme zu hören!

      Wann hört dieser tiefe Schmerz auf?

      Ich glaube, dass man den Tod der Eltern nie ganz verwindet!

      Liebe Grüsse Maria

      Maria antworten
      • Christine

        Liebe Maria,

        ich fühle mit dir! Drei Wochen reichen bei weitem nicht aus, um auch nur im Entferntesten zu ermessen, wie es weitergehen wird.

        Seitdem meine Mama gegangen ist, sind nun fast 1 3/4 Jahre vergangen und seit dem vergangenen Herbst buddle ich mich langsam heraus und empfinde Freude, sehe meinen Weg und spüre die Präsenz meiner Lieben drüben, ohne dass mir etwas die Sicht versperren würde.

        Da ich schon oft Verluste erlitten hatte – das waren meine “Generalproben” für den Tag X, an dem meine Mutter gehen würde -, sehe ich wirklich auch die Wachstumschancen und das Potential, zu dem Menschen zu werden, der ICH bin und sein soll.

        Natürlich gibt es auch jetzt Momente, wo die Tränen fließen, aber die Freude über all die gemeinsamen Jahre und dieses unermessliche Geschenk der Liebe stehen im Vordergrund. Dabei stehen dir alle zur Seite, die vorangegangen sind!

        Lass dich von niemandem drängen “mit der Trauerarbeit” fertig zu werden und sie zeitlich zu limitieren. Gehe gut und liebevoll mit dir um!

        Viel Kraft und alles Gute auf deinem Weg

        Christine

        Christine antworten
    • Annette

      Liebe Christine, es ist schwer, egal wie alt die eigene Mutter war.

      Meine Mutter hat mir ins Leben geholfen. Ich war hilflos und lag in ihren Armen. Sie hatte Schmerzen. Ich habe ihr geholfen aus dem Leben zu gehen. Wir hatten zusammen einen schönen Weg. Sie war hilflos und lag in meinem Arm, als sie ging.

      Dieser Gedanke ist mein Trost. Auch wenn es im Krankenhaus war. Irgendwann werde ich hoffentlich alles verstehen und bis dahin Trost und Liebe bekommen. Was mir am meisten hilft.

      Liebe Grüße Annette

      Annette antworten
  • Anonym

    Hallo, ich möchte mich für Ihren Artikel bedanken.

    Ich selbst stecke in einer ungewöhnlichen Trauerarbeit. Ich habe zwei Kinder verloren – nein, nicht verstorben, aber sie wurden von den leiblichen Eltern nach beinahe sieben Jahre bei mir ins Ausland “verschleppt”.

    Als man mir die Kinder zur Pflege übergab, hat man mir sowohl ihre wahre Herkunftsfamilie (Größen im organisierten Verbrechen) wohlweislich verschwiegen als auch die schon damals im Gerichtsakt nachweislich bestehende Entführungsgefahr. Diese Kinder waren nicht einfach. Umso stärker habe ich darum gekämpft, ihnen ethische und soziale Werte ins Herz zu legen.

    Das Jugendamt hat jahrelang meine Arbeit “hintergangen”. Trotz richterlichem Besuchsverbot wurden Besuchskontakte inszeniert – und das nicht nur mit den biologischen Eltern – nein, da tauchte auch ein “Onkel” auf … (… da der Vater in Paris im Gefängnis saß) … Und selbst an dem Tag, als die Entführung stattfand und ich verzweifelt versuchte, diese zu verhindern – Polizei, Flughafenpolizei und Jugendamt waren über die akute Gefahr informiert -, konnte ich nichts tun, um dies zu verhindern. Es wurde NICHTS dagegen unternommen. Inwieweit Geld oder Drohungen hier eine Rolle spielten – ich weiß es nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

    Und ich?

    Ich bin an diesem Entführungstag nahe einem Gehirnschlag gewesen und stand monatelang unter Schock. Zu den Kindern hatte ich eine sehr starke, fürsorgliche Bindung aufgebaut.

    Körperliche Folgen: starker Gewichtsverlust, andauernde Kopfschmerzen, alle Anzeichen einer Depression. Nun hat mir Ihr Artikel geholfen, die Unterscheidung zu finden: Es ist keine Depression, sondern nichts anderes als tiefe Trauer. Tiefe Trauer über den Verlust der Kinder (welche offensichtlich wieder in den mafiösen Clan integriert wurden), tiefe Trauer über meine eigenen verlorenen sieben Jahre, die offensichtlich sinnlos gewesen sind, zornige und wütende Trauer über eine Gesellschaft, die solches zulässt und nicht gewillt ist, daraus zu lernen, traurige Trauer über Angehörige, welche mit Überforderung bzw. Unverständnis und Abwehr reagieren und kopfschüttelnde Trauer über Therapeuten, welche ebenso überfordert scheinen mit solch einer Geschichte umzugehen (diese war kurz auch in der Presse – wurde allerdings sofort zensuriert).

    Und zu guter Letzt, Trauer über mich selbst, die so dumm war und das Gute in der Welt vermehren wollte und zuletzt nichts anderes war als ein “nasser Lumpen”, welcher nach Gebrauch schnell ins Eck “ruhiggestellt” wurde.

    Ja, auch dies kann Trauer sein. Und ich bedanke mich dafür – Ihr Artikel hat mir sehr geholfen. Auch wenn ich im Augenblick im Status bin, alle meine guten Taten meines Lebens zutiefst zu bereuen, denn es scheint, ich habe Perlen vor die Säue geworfen (sorry, ich mag Tiere, kann es aber nicht anders ausdrücken). Und die Erkenntnis sich entwickelt hat: In mir ist Trauer, Zorn und Wut, denn so etwas wird niemals gut – niemals wieder gut …

    Lieben Dank dafür, dass ich die Möglichkeit habe, dies hier niederzuschreiben und mein Mitgefühl an alle Trauernden. Die Gründe/Auslöser mögen verschieden sein, die Herausforderungen der Trauer jedoch scheint mir nur allzu ähnlich …

    Anonym antworten
    • Danke, dass Sie hier von Ihrem Erlebten berichten.

      Sie schreiben, dass „die Jahre offensichtlich sinnlos gewesen sind“. Ich kann nachvollziehen, dass Sie in der aktuellen Situation diesen Eindruck haben. Aber wie Sie selbst schreiben, haben Sie den Kindern auch ethische und soziale Werte ins Herz gelegt und eine sehr starke, fürsorgliche Bindung aufgebaut. Und das kann niemals sinnlos sein – im Gegenteil!

      Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Kraft!

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Sabine

    Mein Vater erkrankte vor über 30 Jahren an einer besonders bösartigen Form von Lymphdrüsenkrebs und starb nur 3 Wochen nach seiner OP. Er wurde nur 43 Jahre alt. Damals war ich selbst erst 10 Jahre alt.

    Trauerarbeit ist in meiner Familie ein Fremdwort. Vor allem meine Mutter vertritt die These, dass das Leben irgendwie weitergehen MUSS. Wer aber offen über seinen geradezu körperlichen Schmerz durch den Verlust eines über alles geliebten Menschen spricht, ist in ihren Augen schwach. Wer Schwäche zeigt, ist nicht belastbar. Also habe ich meine Trauer um meinen Vater in mir “eingeschlossen” und den dringend notwendigen Trauerprozess nicht mal ansatzweise abgeschlossen.

    Wann immer Menschen so jung sterben, dass sie gerade einmal die Hälfte eines durchschnittlichen Lebens mit Höhen und Tiefen bewältigen durften, kommt meine Trauer und Verlustangst mit immer größerer Gewalt wieder hoch. Zumal meine Mutter mir immer wieder regelrecht um die Ohren haut, dass sie nicht mehr allzu lange “da” ist. Dass es nun mal der ganz normale Lauf der Dinge ist.

    Unlängst starb ein bekannter Politiker mit gerade einmal 54 Jahren an Leukämie. Und wieder nahm mich das so mit, dass ich einen kleinen Nervenzusammenbruch hatte. Ein Kollege hatte instinkt- und respektlos angemerkt, bei Krebs dürfte man halt kein langes Leben erwarten.

    Mittlerweile bin ich fast 44 Jahre alt und es tut so weh, dass ich ganz offensichtlich noch immer nicht über meine Trauer sprechen darf, ohne dummdreiste Kommentare ertragen zu müssen.

    Sabine antworten
    • Ina

      Hallo Sabine,

      tut mir leid zu hören, dass die Trauer noch so tief sitzt. Ich verstehe, dass das Verhalten Deines Kollegen Dich gekränkt hat. Allerdings haben sehr viele Probleme mit dem Thema Tod und was man in diesem Zusammenhang dazu sagt oder vielleicht besser nicht. Vielleicht hilft es zu denken, dass das eher Unvermögen ist als böse Absicht. Aber es gibt ja auch Andere.

      Ich selber bin eine Betroffene insofern, als dass mein Freund vor 6 Monaten ermordet wurde. Unaufgeklärt. Inzwischen geht es mir relativ gut, wobei ich nicht sagen würde, dass dies vollständig verarbeitet ist.

      Nicht trauern war für mich nicht machbar, hätte ich nicht geschafft. Die Arbeit hat mich abgelenkt. Aber ich musste viel drüber reden und habe ganz bewusst Mechanismen eingesetzt, damit ich nicht in Depressionen verfalle.

      Eigentlich kann ich nicht große Ratschläge geben. Mir haben die Gespräche mit meinen Freunden geholfen, Sport, Ablenkung und eine Entscheidung, die ich zum Leben getroffen habe. Offensichtlich sollte ich noch nicht sterben. Theoretisch hätte ich neben ihm liegen müssen; durch diverse Zufälle war das nicht der Fall.

      Vielleicht wäre es in Deinem Falle empfehlenswert, diese Trauer mit einem Psychotherapeuten aufzuarbeiten. Ich bin zwar nicht wirklich religiös, glaube aber an ein Leben nach dem Tod. Ein Gedanke hat mir geholfen, nämlich dass mein Freund sich nicht wünscht, dass ich nicht wieder zum Leben finde, sondern vielmehr möchte, dass ich ein erfülltes und glückliches Leben habe. Und irgendwann werde ich ihn wiedersehen …

      Ina antworten
  • Sabine

    Hallo Ina,

    einen geliebten Menschen durch ein Gewaltverbrechen zu verlieren, ist wohl die fürchterlichste Art. Und dazu noch ohne einen Ermittlungserfolg. Ich weiß gar nicht, was ich dir sagen kann, um meine Bestürzung und mein Mitgefühl richtig auszudrücken.

    Seit dem unschönen Vorfall mit meinem Kollegen sind nun ein paar Wochen vergangen, sodass ich wieder zur Ruhe kommen konnte. Zeitgleich mit diesem vergleichsweise sehr jungen ehemaligen Politiker starb auch ein ehemaliger Ministerpräsident mit 78 Jahren. Mein Kollege und dieser Politiker stammen aus dem gleichen Bundesland. Also eine unglückselige Verkettung von unterschiedlichen Empfindungen.

    Ich habe einfach das Gefühl, dass meine Trauer nicht wirklich ernst genommen wird. Meine Mutter hatte damals die Wahl zwischen einem völligen Zusammenbruch und “Business as usual”. Sie entschied sich für Letzteres. Bloß keine Schwäche zeigen. Sich mit mir gemeinsam einfach mal völlig zurückzuziehen und einfach nur mal weinen, dass der geliebte Mann respektive Papa nie wieder nach Hause kommt, fand nie statt. Dass es völlig in Ordnung ist, zu weinen und dass die Welt trotzdem nicht untergeht, habe ich nie gehört. Statt dessen immer nur “Du bist ja nicht belastbar”. Ergo habe ich meine Trauer verdrängt und nur im wahrsten Sinn des Wortes funktioniert.

    Vor zwei Jahren (ausgerechnet exakt eine Woche vor Karfreitag) verstarb der älteste Bruder meiner Mutter. Und auch zu diesem Menschen hatte ich eine sehr enge Bindung. Und auch diesen Trauerprozess habe ich bisher nicht mal ansatzweise abgeschlossen. Mittlerweile haben sich sogenannte Trauercafés etabliert. Ich habe das Gefühl, dass mir der direkte Austausch mit anderen Betroffenen/Hinterbliebenen mehr hilft als eine Therapie. Mit dem Thema bin ich wg. meiner ADS durch. Noch so ein “Paket”, mit dem ich mich allein beschäftigen muss.

    Sabine antworten
  • Iwona

    Hallo zusammen,

    erst mal mein herzlichen Beileid an alle, die einen lieben Menschen verloren haben!

    Es ist sehr schwer, so etwas zu akzeptieren, selbst wenn man schon ein bestimmtes Alter erreicht hat und jahrelang krank war … und auch weiß, dass „diese“ Zeit bald kommt und diese Ratlosigkeit …

    Die Eltern werden alt und krank und sie gehen irgendwann von uns … das ist sehr traurig, aber auch irgendwie „normal“ …

    Mich hat vor 2 Monaten ein sehr schweres Schicksal getroffen … Nämlich hat sich mein jüngster Bruder das Leben genommen … gerade mit 26 …

    Ich kann das überhaupt nicht verstehen und glauben … mir wurde ein Stück Herz einfach weggerissen … brutal und skrupellos …

    Jeden Tag denke ich an ihn und mache mir die schlimmsten Vorwürfe, vermisse ihn so sehr und bitte, dass er zu mir zurückkommt, selbst nur im Schlaf, und mir sagt, dass es ihm gut geht …

    Diese Schmerzen sind einfach nicht mehr zu ertragen … Ich bin einfach planlos …

    Iwona antworten
  • Michael

    Hallo Iwona, mein herzliches Beileid!

    Ich habe meine Mama verloren, dachte auch, sie lebt noch länger, doch dann ging es ganz schnell. Ich denke oft, dass ich einiges besser oder anders hätte machen können, sollen … sie hat sich nie beschwert, hat einfach alles hingenommen und ertragen …

    War nicht immer einfach, aber sie war eine Persönlichkeit … jeder Mensch hat sowas … ich tröste mich damit, dass ich mir sage, das Leben ist vorgezeichnet, man kann machen, was man will, es geschieht sowieso und es gibt eine Macht irgendwo, die Gutes tut auch nach dem Leben …

    Michael antworten
  • Sylke

    Hallo an alle, die einen geliebten Menschen aber auch Haustiere verloren haben.

    Ich habe sehr viel gelesen und es ist alles sehr traurig. Ich habe meinen Vater vor 36 Jahren plötzlich verloren. Meine Schwester und ich kamen aus der Schule und er war nicht mehr. Er war herzkrank und ist beim Frühstück mit unserer Mutter tot zusammengebrochen. Drei Tage nach seinem 40. Geburtstag. Ich war 12 Jahre und meine Geschwister waren 10, 4 und 2.

    Es war der Schock, aber ich musste für die anderen stark bleiben. Was zur Folge hatte, dass ich mit Essen betäubte. Da Resultat ist extremes Übergewicht.

    Mutti lernte schnell einen neuen Mann kennen und hat ihn geheiratet, Baby kam und nach außen war die Welt heil. Über die Trauer wurde nicht geredet. Wir lebten glücklich in einer Scheinwelt. Bis vor drei Jahren. Mutti erkrankte an Lungenkrebs, der gleich in den Kopf streute. Mit 63.

    Einen Monat später die Diagnose bei meiner Oma. Ich übernahm die Pflege meiner Oma, da Mutti durch ihre Krankheit es nicht schaffte. Nach 8 Wochen ist Oma ohne großes Leiden eingeschlafen. Leider war der Kopf von Mama schon sehr wirr durch die Tumore. Nach 14 Monaten ging fast nichts mehr.

    Für unseren Stiefvater und für uns war die Pflege zu Hause nicht machbar. Daher entschieden wir uns für das Hospiz. Wir waren tagsüber immer da und haben viel gemacht. Hatten aber durch das Personal ganz viel Unterstützung. Alleine hätten wir das nicht geschafft.

    Man weiß, dass der letzte Gang kommt und dass man sich auf den Tod vorbereiten kann. Aber es macht die Sache nicht besser. Nach sechs Wochen in der Warteschleife (so nannte ich es. Es gab die Arbeit, zu Hause die Familie und das Hospiz) war es so weit. Die Seele wollte gehen, aber wir haben sie aufgehalten.

    Man sprach mit uns, dass wir nach Hause gehen sollten. Es war sehr schwer, aber auch erleichternd, dass sie bald erlöst sei. Dann starb sie. Und heute nach zwei Jahren fühlt es sich immer noch traurig an. Und wird es auch bleiben. Ich lebe diese Tage auch nach meinen Gefühlen aus. Jeder ist betroffen und muss für sich einen Weg finden. Zwischendurch bin ich sehr traurig und hilflos meinen Gedanken ausgesetzt. Aber ich habe auch wieder sehr schöne Momente.

    Sylke antworten
  • Anna

    Hallo,

    meine Mama ist vor kurzem im Alter von 57 Jahren gestorben. Ich habe sie sehr geliebt, bin mit ihr durch dick und dünn gegangen, konnte mit ihr über alles reden. Ich bin so unfassbar traurig. Ich wusste zwar, dass es so kommen würde, aber ich fühle mich einfach leer.

    Sie hatte Krebs, der schon überall war. Ihr konnte nicht mehr geholfen werden, da es schon zu spät dafür war.

    Die letzten Wochen waren sehr schwer für uns, innerhalb von 4 Wochen hat sie sehr abgebaut und sie war auch nicht mehr die alte. Wir haben ihre Diagnose auch erst sehr spät erhalten, vor ungefähr 6 Wochen. Da wurde sie schon anders und wir hatten oft Streit, was ich extrem bereue, weil ich jetzt weiß, dass es der Krebs war und nicht sie. Ich hätte ihr so gerne noch geholfen, aber es ging nicht mehr.

    In dem letzten 4 Wochen war ich jeden Tag bei ihr und hatte immer ein schlechtes Gewissen, als ich ging. Dann kam vor ca. 1,5 Wochen der Anruf, dass sie eingeschlafen war. Ich bin sofort zu ihr gefahren, leider war ich zu spät, aber sie ist friedlich gegangen.

    Ich hoffe, sie ist jetzt an einem besseren Ort und kann dort runtersehen. Falls es sowas wie einen Himmel gibt, ist sie jetzt ein Engel.

    L.G
    A.

    Anna antworten
  • Daniela

    Hallo,

    meine Mutter ist nach einer Not-OP an einem Darmverschluss gestorben. Wir durften uns auf der Intensivstation, wo sie im Koma lag, noch von ihr verabschieden. Dann wurden die Medikamente abgestellt und ein paar Minuten später war es vorbei.

    Ich mache mir so große Vorwürfe, ob man sie nicht hätte retten können, wenn wir eher ins Krankenhaus gefahren wären.

    Ich bin derzeit wie in Watte gepackt und kann es noch gar nicht begreifen. Sie fehlt mir schon jetzt unglaublich, wir hatten eine sehr enge Bindung und wir konnten über alles reden. Jeden Morgen haben wir telefoniert, solche Sachen fehlen.

    Ich glaube aber auch fest daran, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und dass ich sie irgendwann wiedersehen werde. Ich hoffe, sie hat ihren Frieden gefunden.

    Vor mir liegt noch ein harter Weg und ich hoffe, dass die Zeit, wie man immer so schön sagt, das Ganze etwas erträglicher macht. Das wünsche ich auch allen, die diese Trauerarbeit noch vor sich haben.

    Liebe Grüße
    Daniela

    Daniela antworten
  • Frank

    Ich danke allen für die guten Aussagen hier. Nun zu meiner Geschichte:

    Ich lebe im Elternhaus zur Miete schon seit meiner Geburt. Bin nun 42. Seit mehreren Jahren bin ich arbeitslos wegen Epilepsien und Zwangsneurosen. Ich habe meinen Vater seit dieser Zeit gepflegt. Der hatte 7 Schlaganfälle, 100 GdB und Pflegestufe 3.

    Beim Arbeitsamt war ich als pflegender Angehöriger gemeldet. Die Krankenkasse zahlt(e) mir einen Rentenbeitrag. Nun kam bei Mutter vor zwei Jahren eine Erkrankung der Schulter, dann Hypertonie und Übergewicht dazu. Dann die Diagnose einer Arthrose der Kniegelenke und bösartiger Brustkrebs. Sie verstarb am 25. Oktober nach der letzten Chemotherapie, eine Metainfusion hier zu Hause im Bett. Ich war in der Dusche und bemerkte ihr Ableben.

    Das war ein großer Schock, ich verbrachte die Nacht wegen eines Anfalles im Klinikum. Vater wurde direkt in ein Klinikum für Schwerstbehinderte gebracht. Ich mit Rettungsdienst in ein Krankenhaus wegen epileptischer Anfälle. Dann nächsten Tag wieder zu Hause. Aber ich konnte, wollte bei Muttern sein. So nahm ich eine Überdosis Schlaftabletten. Hat zum Glück nicht gewirkt. Mich haben die Ärzte zurückgeholt.

    Ich war dann 5 Tage in einer geschlossenen Anstalt. Dies hat mir sehr geholfen. Dann wieder im Elternhaus, am 6. November verstarb mein Vater. Das war für ihn eine Erlösung. Der wurde nämlich über eine PEG-Sonde ernährt. Beide wurde in einer doppelten Urnenbeisetzung beerdigt.

    Nun kommt die Trauer wieder hoch. Ich lenke mich ab durch Aufräume in Elternhaus. Alle Erinnerungen geb ich weg, meine Eltern hatten 7.000 Euro Schulden. Aber durch die Sterbeversicherung hab ich die Schulden getilgt. Meine Geschwister haben das Erbe ausgeschlagen. Ich hab es angenommen, so ist die Familie “zerfallen”.

    Meine Nachbarin will mich nun aus dem Haus raus haben. Das sind zur Erklärung die alten Bayerwohnungen um 1900 erbaut. Jedes mit einem Garten und Parkplatz vor der Türe. Ich lasse mich hier nicht rausjagen. Der heutige Vermieter will nur Geld sehen. Das Arbeitsamt sollte, muss mir wenigsten die Kaltmiete zahlen. Ich suche nach Arbeit. Aber mit meinen Epilepsien und GdB 50 sehr schwer.

    Daher ist es mir wichtig, die Trauer zu verarbeiten, im Elternhaus zu bleiben und das Erbe und das Ansehen meiner Eltern zu wahren. Aber eben die eine Nachbarin hält mich für etwas außerhalb der “Normalität” eines gesunden Menschen. Da ich etwas unbeholfen bin und seit 25 Jahren einen festen Freund, Partner habe, der wohnt 500 Meter weg. Der hilft mir bei den Trauererlebnissen. Ich fühle mich einsam. Meine Arbeit in der Gemeinde als Messdiener und Lektor hilft mir, wieder in ein “Arbeitsleben” zu kommen.

    Allen Lesern dieses Kommentares wünsche ich Kraft bei der Trauerbewältigung.

    Frank antworten
  • Cornelia

    An alle Mitbetroffenen/Trauernden.

    Zunächst mein tiefes Mitgefühl an alle.

    Es tut so gut, hier zu erfahren, dass ich nicht falsch bin mit meiner immer noch so starken Trauer um meine geliebte Mama. Sie starb vor 14 Monaten so plötzlich.

    Dienstag wurde eine Biopsie bei ihr im KH vorgenommen. Sie sollte im Anschluss nach Hause, bis das Ergebnis da ist. Sie blieb im KH, weil sie nach der Untersuchung entsetzliche Schmerzen hatte. Mittwoch könne sie dann nach Hause, hieß es. Doch es wurde nicht besser. Sie habe nichts, sagten die Ärzte. Doch die Schmerzen waren unerträglich. Am gleichen Abend diagnostizierten sie mit einem mal eine Harnwegsinfektion. Wir dachten, jetzt wissen wir wenigstens, was los ist. Beruhigung!

    Wir sind 5 Kinder. Ich die Älteste von ihnen. Unser Vater war die ganzen Tage von nachmittags bis abends immer bei ihr. Ich hatte mir vorgenommen, sie am Donnerstag zu besuchen.

    Im der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag bin ich durch scheinbar entsetzlichen Lärm aufgewacht. Es hörte sich an, als klopfe jemand ganz heftig gegen die Heizung. Hört das niemand anderer? Ich konnte nicht aufstehen, ich war so müde. Kam nicht hoch.

    Am nächsten Morgen geht mein Telefon, meine Schwägerin weinend, ihr müsst alle schnell ins KH, eure Mutter liegt im Sterben. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Ich erlitt einen Schock.

    Nachts kam sie in die Not-OP. Es war zu spät. Man hat sie gleich wieder zu gemacht. Nicht aus der Narkose mehr rausgeholt. Der Dünndarm war bereits abgestorben. Das waren die Schmerzen! War das Mama nachts mit dem Lärm?

    Wir, Vater und die 5 Kinder, haben sie 12 Stunden begleitet, bis sie eingeschlafen ist. Das tröstet wenigstens etwas. Sie war nicht alleine. Sie hatte immer große Angst vorm Sterben.

    Jetzt haben wir folgenden Zustand: Die Geschwister und der Vater haben ihren Alltag aufgenommen. Meinen, das Leben geht weiter, das ist der Lauf des Lebens. Wie ich diese Aussagen verabscheue. Zumal mir das durchaus bewusst ist. Doch ich stoße auf Unverständnis, weil ich sie so sehr vermisse und so schmerzlich empfinde.

    Kraft bekam ich in der akuten Zeit durch meine Hündin. Diese ist mir dann auch von einem Tag auf den anderen in diesem Jahr verstorben. Das gab mir dann die nächste Trauer. Sie war für mich mein ein und alles.

    Freunde/Bekannte haben sich abgewandt. Und ich habe sie nicht zu sehr in Anspruch genommen, da ich mich eher zurück nehme, um nicht zu belästigen. Ich kam auch gar nicht erst dazu, sie waren vorher schon weg.

    Ich muss jetzt irgendwie einen Weg finden, den ich ohne Mama gehe. Das ist schwer. Wie hier in einem Kommentar bereits erwähnt, sie war immer bedingungslos liebend da.

    Ich wünsche allen die Kraft, mit ihrem Verlust einen Lebensweg zu finden, der dennoch erfüllend ist. Ich suche ihn auch.

    Herzlichst
    Cornelia

    Cornelia antworten
  • G.Weiß

    Danke an alle die hier so frei schreiben über Ihre Trauer.

    Auch ich trauer um mein jüngstes Kind, meinen Sohn, der plötzlich unerwartet in Los Angeles verstarb.

    Er war gerade 30 Jahre u. lebte dort seinen Traum seit 2 Jahren. Niemand kann ihn mir zurückholen. Ich begreife es immer noch nicht.

    Ich sitze ständig vor den Bildern u. Video, die es Dank seiner Bekanntheit u. seines Erfolges gibt.

    Auch die Reha u. Therapie haben mir noch nicht wirklich geholfen. Abseits vom Leben igel ich mich in die Vergangenheit ein.

    Hätte ich nicht meine beiden anderen Söhne und die beiden Hunde, dann wär ich wohl auch nicht mehr.

    G.Weiß antworten
  • Ria

    @G.Weiß

    Wir haben auch unser Kind verloren. Ist schon einige Jahre her. Es ist das Schlimmste, was einem als Eltern passieren kann. Unsere tiefe Trauer hat lange gedauert und wird wohl auch nie ganz vorbei sein. Mittlerweile können wir aber gut damit umgehen. Wir können sogar wieder lachen und unbeschwerter sein. Ich denke, dass hätte unsere Tochter auch so gewollt.

    Gib dir einfach die Zeit, die du brauchst. Gehe aber auch wieder unter die Menschen, werde aktiv, z. B. in einem Ehrenamt. Das hat mir immens geholfen. Oben im Artikel ist auch ein Link zu einem Forum, wo viele andere Personen sich austauschen, die einen lieben Menschen verloren haben.

    Ich wünsche dir viel Kraft!

    Ria antworten
    • Esther

      Liebe Ria, liebe/r G. Weiss,

      ich fühle mit euch! Meine Tochter (35) ist vor 6 Monaten plötzlich verstorben. Ich komme einfach nicht aus meiner “Spirale”. Bin permanent traurig und kann oft fast nicht arbeiten. Mir wird alles einfach zuviel. Lächeln kann ich seit August nicht mehr.

      Kommt man irgendwann aus der Spirale raus?

      Ich denke, “normal” wird das Leben nie mehr werden, denn wir müssen das Schlimmste ertragen, das überhaupt passiern kann.

      Euch viel Kraft
      Esther

      Esther antworten
    • Nicole

      Hallo Ria,

      ich habe vor 22 Jahren meinen kleinen Bruder verloren, ich war damals 9 Jahre alt, es lässt mich auch heute noch nicht los.

      Zumal ich damals versucht habe, ihn ins Leben zurückzuholen, während Krankenwagen und Polizei benachrichtigt waren.

      Nicole antworten
  • Rainer

    Hallo Herr Heidenberger,

    ich finde Ihre Tipps sind genau richtig!

    Ich habe schon bei manchen Foren die Beiträge gelesen und glaube, dass es den Betroffenen nicht wirklich weiterhelfen wird. Man muss der Trauer ihren Raum lassen, aber sich trotzdem wieder positiv zum Leben einstellen.

    Meine Frau ist im November letzten Jahres nach langer Krankheit verstorben. Wir sind sehr offen mit dem Thema Sterben umgegangen, und ich hatte auch mit ihr besprochen, wie die Trauerfeier und die Grabstätte gestaltet werden sollte. Die schlimmste Zeit war für mich, meiner Frau bei ihrem Leiden zusehen zu müssen, ohne wirklich helfen zu können. Aber ich konnte sie in der Klinik bis zuletzt begleiten. Mit ihrem Tod, ist sie von ihrem Leiden erlöst worden. Diese Tatsache hilft mir, den Verlust leichter zu ertragen.

    Natürlich vermisse ich meine Frau jeden Tag. Doch das ist nach nahezu 45 gemeinsamen Jahren auch völlig normal. Aber ich erinnere mich gerne an die schönen Zeiten, die wir gemeinsam erlebt haben. Das werde ich, und will ich auch nicht vergessen.

    Ich habe einige schöne Bilder von ihr im Haus aufgestellt, und besuche auch noch täglich ihre Grabstätte. Manchmal spreche ich auch mit ihr.

    Ich habe sofort nach ihrem Tod bewusst die sozialen Kontakte gepflegt. Mit engen Freunden habe ich auch über meine Trauer sprechen können, aber vor allem über das gemeinsam Erlebte.

    Auch vermeide ich keine Orte, an denen ich mit meiner Frau glücklich war. Ich fahre demnächst wieder in das Hotel, in dem wir jahrelang schöne Urlaube verbracht haben.

    Ich stelle mich wieder positiv zum Leben ein, ohne meine Frau zu vergessen.

    Vielleicht bin ich etwas zu rational, aber ich muss das Unabänderliche akzeptieren.

    Liebe Grüße
    Rainer

    Rainer antworten
    • Danke für Ihre offenen Worte, Rainer!

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Cora

      Lieber Rainer,

      danke für deinen Kommentar. Du sprichst mir aus der Seele. Mein über alles geliebter Mann ist vor 4 Wochen verstorben. Wir waren 31 Jahre ein tolles Team. Ihn leiden sehen und nicht helfen können. Das war 9 Monate lang eine schwere Zeit. Wir haben die Hoffnung auf Heilung nie aufgegeben.

      Der Tod kam schneller als ich vermutet habe. Der Arzt hat mir mit dem “wer weiß, was ihm erspart geblieben ist” erst einmal die Augen geöffnet. Ich war so vernagelt, weil ich ihn so gerne noch “behalten” hätte. Wie egoistisch.

      Der Schmerz ist groß, aber ich gebe dir Recht. Das unabänderliche zu akzeptieren. Genau das ist es! Soziale Kontakte pflegen und sich nicht in seiner Trauer verkriechen. Der über alles geliebte Mensch ist ja für immer in unseren Herzen, solange wir ihm dafür einen Platz geben. Er bleibt unvergessen.

      Wie schön, dass du demnächst das Hotel besuchst, in dem du mit deiner Frau eine glückliche Zeit erlebt hast. Anfangs habe ich gedacht, dass ich unsere gemeinsam besuchten Orte nicht mehr aufsuchen kann, weil es so weh tut. Ganz mutig bin ich Sonntag allein in unser Lieblings-Café gegangen, und, im Gegenteil, es hat mir gut getan.

      Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft!

      Herzliche Grüße
      Cora

      Cora antworten
      • Rainer

        Liebe Cora,

        vielen Dank für deine lieben Worte, und mein aufrichtiges Beileid zu deinem schweren Verlust. Es war sicher nicht einfach deinen geliebten Mann gehen zu lassen.

        Auch bei meiner Frau war es in der Endphase nicht einfach. Sie hat die Entscheidung getroffen, jegliche weitere Behandlung einzustellen. Es war ihr Wunsch zu gehen, und das musste ich akzeptieren. Auch mir wäre es lieber gewesen, es wäre anders ausgegangen.

        Ich denke nicht, dass das bei dir Egoismus war, sondern eher der Wunsch, das Wertvollste, den “geliebten Partner” nicht zu verlieren. Das du den Mut aufbringst, die gemeinsam besuchten Orte aufzusuchen, ist sicher der richtige Weg. Nur wenn man sich der Situation stellt, und sie nicht zu verdrängen versucht, hilft es einem weiter.

        Wenn ich verreise, habe ich immer ein schönes Bild meiner Frau mit dabei. Es erinnert mich an unsere schönen gemeinsamen Zeiten.

        Nun sind schon 9 Monate vergangen, und ich sehe dass es absolut richtig ist, sich nicht in seiner Trauer zurückzuziehen. Es ist wichtig, sein Leben positiv anzugehen, und im Herzen die Erinnerung an die schönen gemeinsamen Zeiten zu bewahren.

        Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft, und dass du dich positiv auf die Zukunft einstellen kannst. Ich bin sicher, es wird dir gelingen!

        Liebe Grüße
        Rainer

        Rainer antworten
  • Juliane

    Mein Papa ist kürzlich nach einem Herzinfarkt ,2 Bypass Op’s in 3 Tagen im Alter von 86 Jahren gestorben. Er hatte eine Sepsis dazubekommen und dann ging alles sehr schnell.

    Er war ein starker Mensch, immer da und immer ein offenes Ohr für jeden.

    Er baute neben der Pflege meiner Mutter … 40 Jahre hat er sie gepflegt … und Berufstätigkeit, eine ambulante Pflegestation auf und organisierte Hilfen für Pflegende und Pflegebedürftige.

    Als meine Mutter starb, entschied er sich noch einmal zu heiraten. Er war da so glücklich, blühte noch einmal auf und zog aus und um … obwohl viele Menschen ihm da große Hürden in den Weg stellen wollten.

    Er war einfach immer da. Vor 5 Wochen kaufte er noch eine neue Couch. Er wollte noch ein Tablet kaufen, um seine Bankgeschäfte online besser erledigen zu können und vieles mehr.

    Ich bin so traurig. Er war trotz 86 Jahren nicht alt und er war immer da … immer gesund.

    In ganz jungen Jahren habe ich ein Kind verloren.

    Damals erwartete man von mir, dass ich stark bin und ich hab die Trauer verdrängt.

    Es hat mich nach 30 Jahren eingeholt und ich habe 8 Wochen nicht arbeiten können und nur geweint.

    Jetzt habe ich mir die Zeit genommen und getrauert … ich trauere noch sehr und oft laufen die Tränen einfach so.

    Ich lenke mich auch nicht ab, aber ich gönne mir ab und zu etwas in dem Bewusstsein, dass ich von ihm gelernt habe … nicht stehen bleiben … trotz allem gut für sich sorgen und jeden Tag annehmen, wie er eben ist.

    Meine Kinder und mein Pferd helfen mir oft einen traurigen Tag gut zu überstehen.

    Dadurch dass ich schaue, wie mein Vater sein schweres Leben doch positiv gelebt hat und wo er für sich sorgte und wo er auch mutige Entscheidungen treffen konnte … bin ich ihm sehr nahe und dankbar, dass ich das so kann.

    Juliane antworten
    • Cornelia Westphal

      Juliane,

      mein tiefes Mitgefühl zum Verlust Ihres Vaters.

      Ich kann Sie nur ermutigen, die Trauer anzunehmen und mit jeder Faser zu spüren. Auch, wenn es schmerzt. Für mich hat das etwas mit Respekt und tiefem Empfinden zum Verstorbenen zu tun. Das ist auch Liebe. Diese tut leider manchmal auch weh. Doch, sie bleibt ganz tief in einem verankert und so bleibt Ihr Vater allgegenwärtig.
      Er kann gar nicht weg sein, denn er lebt in Ihnen weiter. Sie sind ein Teil von ihm, sie kommen aus ihm.

      Ich weiß, wie das ist. Meine Mama ist vor fast vier Jahren verstorben. Noch immer spüre ich den Schmerz, weil ich sie so sehr vermisse. Erzähle ich von ihr oder Erinnerungen sind präsent, dann laufen mir auch noch immer wieder mal Tränen. Das ist gut so. Mir hilft es und löst die Beklemmung.

      Bitte verdrängen Sie die Trauer nicht, leben Sie sie und Sie werden merken, ganz langsam stellt sich Ruhe ein und Sie werden mit guten Gedanken und Gefühlen an Ihren Vater denken und von ihm erzählen können.

      Ich freue mich, dass Sie Trost durch Ihre Kinder und Ihr Pferd bekommen. Tiere sind einfach wunderbare Lebensbegleiter in jeder Lebenssituation.

      Herzlichst
      Cornelia Westphal

      Cornelia Westphal antworten
    • Rainer

      Liebe Juliane,

      mein aufrichtiges Beileid zum Tod Ihres geliebten Vaters.

      Es ist natürlich sehr schlimm, dass es nach nur kurzer Krankheit passiert ist. Da bleibt wenig Zeit sich darauf einzustellen.

      Sie sind aber auf dem richtigen Weg, die Trauer zuzulassen, und sie nicht zu verdrängen.

      Ihr Vater war mit seiner positiven Lebenseinstellung ein gutes Vorbild. Das ist auch für Sie der richtige Weg. Es wird natürlich immer wieder Situationen geben, bei denen Sie die Trauer überwältigt. Doch werden mit der Zeit die schönen Erinnerungen an Ihren Vater überwiegen, und der Schmerz besser zu bewältigen sein.

      Ich wünsche Ihnen für die nächste Zeit viel Kraft, und positive Gedanken!

      Mir hat es nach dem Tod meiner Frau sehr geholfen, die sozialen Kontakte zu pflegen. Bei mir überwiegen inzwischen die schönen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit.

      Sie schaffen das sicher auch!

      Liebe Grüße

      Rainer

      Rainer antworten
      • Juliane

        Vielen Dank lieber Rainer,

        es ist noch sehr frisch und tut sehr weh.
        Aber das Leben hat mich auch gelehrt, daß es immer weiter geht und ich konnte das auch immer so annehmen.

        Es ist nicht der erste schmerzliche Verlust.
        Als junge Frau konnte ich nach dem Tod meines Kindes nur entscheiden, ob ich in der Trauer bleibe oder für meine Familie und für mich weiter mache.

        Auch diese Trauer ist noch in mir, aber mittlerweile erträglich.

        Ich gehe nun wieder arbeiten und das hilft mir, da ich in einem tollen Team arbeiten darf und meinen Sohn als Kollegen täglich sehe.

        Wenige, aber gute Freunde sind da und das tut gut.

        Ich wünsche ihnen auch alles Gute weiterhin.

        Liebe Grüße
        Juliane

        Juliane antworten
  • Juliane

    Vielen Dank für Ihre Antwort und Ihre hilfreichen Worte.

    Alles Gute auch für Sie.

    Juliane antworten
  • Sarah

    Hallo zusammen,

    ich habe vor zwei Jahren meinen kleinen Bruder an Krebs verloren. Es war eine grausame Zeit, die mich sehr stark geprägt hat.

    Mein Leben war schon immer von Krankheiten geprägt. Alkoholkranke Großeltern, einen nierenkranken Vater, eine depressive Mutter. Mein Bruder und ich waren in all den Jahren ein komisches Gespann. Ständig haben wir uns gestritten und angekeift. Aber wehe jemand anderes tat uns weh. Nach außen waren wir ein starkes Team und haben uns gegenseitig immer beschützt.

    Irgendwann fing er an ständig über Bein- und Rückenschmerzen zu klagen. War bei Ärzten, die aber nichts Konkretes fanden. Die Ursache lag für jeden auf der Hand. Übergewicht, kein Sport, ungesunder Lebensstil, leicht schiefe Wirbelsäule, …

    Nach drei Jahren fand er einen Orthopäden, der es genauer wissen wollte. Das MRT zeigte einen Tumor im Oberschenkel, der bereits bis zur Wirbelsäule gestreut hat. Mein Kleiner war da gerade mal 25 Jahre alt.

    In den folgenden Monaten ging alles viel zu schnell. Im März war die Diagnose, im Mai bekamen wir die Gewissheit: inoperabel, keine Chance auf Heilung. Der Krebs war inzwischen in seinem Gehirn angekommen und wir erlebten einen Horror nach dem anderen. Er phantasierte, erkannte uns nicht mehr und bekam immer mehr Panikattacken. In so dahinsiechen zu sehen, an den Rollstuhl gefesselt und immer mehr abgemagert tat unendlich weh. Wir waren so machtlos.

    Im darauffolgenden August, also gerade mal ein knappes halbes Jahr nach der Diagnose, schlief er für immer ein.

    Ich funktionierte, fing meine Eltern auf, kümmerte mich um die Beerdigung und stand seinen besten Freunden zur Seite. Wie in Trance plante ich nebenbei meine Hochzeit, die mein kleiner Bruder sich so sehr gewünscht hatte.

    Es ging mir irgendwie gut. Ich kam klar. Mein Mann und viele gute Freunde waren echte Felsen und langsam hatte ich wieder Spaß am Leben. Ich liebte, lachte und lebte.

    Aber jetzt 2 Jahre später holt es mich irgendwie wieder ein. Ich bin ständig traurig, breche unerwartet in Tränen aus und verfluche die Welt und das Leben.

    Ich werde inzwischen wütend, wenn jemand über den Verlust von alten Menschen schreibt oder redet. Ich möchte ihnen am liebsten ins Gesicht brüllen, dass sie wenigstens 80 oder 90 Jahre gelebt haben und darüber verdammt glücklich sein sollen. Mein Bruder hatte nur 26 Jahre Zeit zu leben. Und so viele andere sterben viel zu jung und lassen Eltern wie Geschwister mit einer Leere zurück, die nicht sein sollte.

    Ich weiß wie unfair es ist, Menschen die trauern anzubrüllen. Jeder Mensch verdient es, dass um ihn getrauert wird und jeder Mensch soll trauern dürfen. Rational betrachtet weiß ich das. Jeder Verlust tut weh und mag nicht einmal daran denken, meine Eltern zu verlieren.

    Aber diese Wut in mir lässt sich immer schwerer von rationalen Gedanken kontrollieren. Ich habe das Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Also habe ich angefangen im Internet über Trauer nachzulesen.

    Dabei bin ich auf diese Seite gestoßen und fange langsam an zu glauben, dass mein Trauerprozess jetzt erst richtig anfängt. Ich habe funktioniert, habe getan was mein Umfeld von mir erwartet oder gebraucht hat und habe dabei meine eigenen Gefühle vollständig verdrängt. Jetzt brauchen mich meine Eltern nicht mehr so sehr. Sie sind zurück im Leben und nun ist meine Zeit gekommen, mich fallen zu lassen.

    Ich danke allen für ihre offenen Worte und den beschriebenen Gefühlen. Es hat mir geholfen, meine eigenen zu hinterfragen und ich hoffe die Antwort nun gefunden zu haben. Ich bin einfach noch nicht zum Trauern gekommen und kann jetzt hoffentlich meine Wut in Akzeptanz umwandeln und irgendwann wieder mit einem Lächeln auf den Lippen an meinen Bruder denken. Zumindest wünsche ich es mir ganz fest.

    Viele Grüße und vor allem viel Kraft an all jene, die wichtige Menschen verloren haben. Ihr seid nicht alleine!

    Sarah antworten
  • Gaby Schmid

    Unsereins schmerzt das Herz unerträglich stark – innerer Schrei geht durch Knochen + Mark.
    Tiefer Schmerz schüttelt mich,
    innerlich zerrissen bin ich.
    Kann irgend einer meine Seele zähmen ?
    Findet jemand von euch den Knopf für die Tränen ?

    Die Trauer – ein erst innerliches Nagen –
    zerfrisst uns von Innen – können’s nicht wagen
    sie zu zu lassen – sie käme mit Wucht –
    schlage uns wieder in die Flucht.

    So wird sie weiter unaufhörlich in uns klagen
    und unsere Seele langsam zernagen –
    Sie zerfrisst uns von Innen Stück für Stück
    und wir werden vor Herzschmerz fast verrückt.

    Verkriechen, verstecken, unsichtbar machen,
    wo nötig anpassen…Trauer statt Lachen.

    Die Scham lässt den Rückzug an.
    Die Angst zieht uns grob die Zucht an:
    Reiss dich zusammen – Zier dich nicht so –
    hopp, auf, Marsch, vorwärts-funktioniere bloss!

    Der Gehorsam funktioniert wieder in seinem inneren Ton,
    ein Gruss von Hörig und Stockholmsyndrom!
    Egal, wie sehr unser Herz auch bangt,
    Hauptsache wir schweigen und tun was verlangt.

    So sitzen wir in uns selber gefangen
    im Abgrund der Seele eingekerkert
    Keine Hoffnung mehr – nur noch Bangen,
    bis keiner mehr von uns meckert.
    erschrocken und verharren –
    paralysiert in der Schockstarre.

    Im Schock treiben wir dahin –
    im Nirgendwo verloren – lautlos schreiend
    orientierungslos – die Luft ist dünn.
    zersprengt – zerrissen – heimlich weinend.

    Gaby Schmid antworten
  • Babs

    Hallo!

    Bin durch Zufall auf diese Seite gestoßen und möchte nun auch gerne meine Geschichte mit euch teilen. Ich entschuldige mich schon vorab für den langen Text.

    Vor ca. 10,5 Jahren erkrankte mein Vater mit 58 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Er kämpfte 1 Jahr und in diesem Jahr sah man die schlimme Verwandlung, die diese fürchterliche Krankheit mit sich brachte.

    Es war die Hölle für mich, ihn so zu sehen und nichts tun zu können. Als er starb, war ich dennoch geschockt, irgendwo aber auch „erleichtert“, dass er es hinter sich hat.

    4 Monate später nahm sich mein Großvater, zu dem ich nicht so engen Kontakt hatte, das Leben. Auch das war irgendwie in Ordnung für mich, da er es ja selbst wollte.

    So ziemlich genau zum ersten Todestag meines Vaters (der übrigens genau am Geburtstag meiner Großmutter war (er war ihr einziges Kind)) verfiel ich dann in eine fürchterliche Depression. Ich hätte Panikattacken und teils dachte ich, dass ich das alles nicht überstehe.

    Mit der Zeit ging es mir besser, aber über meinen Vater reden fiel mir nach wie vor sehr schwer und ich konnte meine Tränen kaum bändigen.

    Letztes Jahr am 23.12. starb die Mutter meiner besten Freundin ebenfalls an Krebs. Die Trauer mit ihr durchzustehen, half mir wirklich sehr und ich konnte endlich den Tod meines Vaters verkraften.

    Tja und dann geschah eines der schlimmsten Dinge, die nur passieren konnte. Meine geliebte Nichte verunglückte am 13.6. dieses Jahr mit nur 21 Jahren bei einem Autounfall. Es brach mir das Herz und ich dachte, ich müsste sterben. Ich erfuhr es mehr oder minder über Fb, da ich nur 3 Std. nach dem Unfall über ein Zeitungsportal den Artikel darüber las. Es stand kein Name dabei, aber ich erkannte ihr Auto sofort.

    Ich wollte es partout nicht wahrhaben und hatte furchtbare Angst, sie oder meine Schwester (ihre Mutter) anzurufen. Ich rief meine beste Freundin an und erzählte ihr davon. Sie überzeugte mich davon,dass ich sie anrufen solle. Dies tat ich dann auch und wie zu erwarten war, hob bei beiden niemand ab. Ich rief dann meine andere Schwester an, die in der selben Ortschaft wie die andere Schwester wohnt und sie hob dann ab. Ich fragte sie nur: „Bist du in der Arbeit…?“ Sie antwortete nur: „Jetzt nicht mehr…“

    Eine Welt brach zusammen und mein Herz und mein Verstand flehten bitte bitte, lass das nicht wahr sein. Ich hatte so unglaubliche Angst vor dem Treffen mit meiner Schwester und meinem Schwager, hatte „Schuldgefühle“, weil ich 3 gesunde Kinder zu Hause habe, hatte Panik vor der Verabschiedung und wollte einfach nur aus diesem Albtraum aufwachen.

    Es tat und tut noch immer so unfassbar weh. Ich merkte, wie es mir von Tag zu Tag schlechter ging und ich mich wieder in einer Depression befand. Ich hatte Panikattacken und wusste nicht mehr, was ich machen soll. Ich hielt es zu Hause nicht aus, konnte kaum über meine Nichte sprechen, geschweige denn mir Bilder von ihr ansehen.

    Mittlerweile nehme ich wieder Antidepressiva und es geht mir soweit gut. Am 15. August (genau der Geburtstag meiner Mutter und 3 Tage vor dem Geburtstag meiner Tochter und mir) verstarb dann unerwartet meine Großmutter. Sie war 90 Jahre alt und wollte auch schon sterben. Es war seit dem Tod meines Vaters und jetzt auch meiner Nichte ihr sehnlichster Wunsch.

    So, nun bin ich am Ende meiner Geschichte und möchte mich einerseits nochmals für den langen Text entschuldigen und andererseits auch danken dafür das ich dies hier teilen durfte.

    Mit freundlichen Grüßen und alles Liebe

    Babs antworten
  • Michael Leberle

    Hallo miteinander,

    vielen Dank dir lieber Burkhard für dieses wichtige Thema und an alle, die etwas von sich geschrieben haben.

    Meine Mutter ist gestorben als ich drei Jahre und neun Monate alt war. Sie hatte Gehirntumor. Ich habe sie das letzte Mal gesehen, als ich drei Jahre und 6 Monate alt war. Danach kam sie ins Krankenhaus und ich durfte sie dort nicht besuchen. Fast alles, was ich von meiner Mutter weiß, hat mir meine Patentante erzählt.

    Meine Patentante ist die Schwester meiner Mutter. Sie hat mir z. B. erzählt, dass meine Mutter im Haushalt alles noch geordnet hat, bevor sie ins Krankenhaus kam. Vermutlich ahnte sie schon, dass sie nicht mehr zurückkommen wird.

    Während des Krankenhausaufenthaltes gab es natürlich viele schmerzliche Momente. Einer davon war, als meine Mutter meiner Patentante ihr Gebetsbuch gab und ihr sagte: Bete du jetzt für mich, ich kann nicht mehr beten.

    Meine Patentante hatte jedoch auch frohe Momente mit meiner Mutter im Krankenhaus: So hat sie mit meiner Mutter gescherzt, als sie keine Haare mehr hatte. Zu einem anderen Zeitpunkt griff sie fest die Hand meiner Patentante und flehte sie an: Du kümmerst dich um meine Buben, ja! Was konnte meine Patentante hier anders tun, als ihr diese Herzensbitte zu erfüllen.

    Das ist ein Ausschnitt aus meiner Erfahrung, die ich für ein Trauerradio erzählt habe. Der Trauerprozess war für mich sehr wichtig. Wer meine ganze Erfahrung wissen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Die Audioaufnahmen sind auch auf meinem youtube-Kanal zu finden. Ich kann auch das Trauerradio empfehlen, für das ich eine dreiteilige Sendereihe gestaltet habe. Dort findet ihr auch nähere Infos zu meiner dreiteiligen Sendereihe.

    Michael Leberle antworten
  • Monika Marx

    Das Thema Tod wird oft totgeschwiegen. Man traut sich nicht, Trauernde anzusprechen, weil man nicht weiß, wie man reagieren soll. Also geht man lieber kopfgebeugt an ihnen vorbei….

    Ich wurde schon sehr früh mit dem Thema Abschiednehmen konfrontiert. Mit 11 Jahren musste ich miterleben, wie meine Mutter vor der Türe angefahren wurde. Damals war mir nicht bewusst, was genau geschah. Meine Tante war für uns da und meine Mutter, damals auch erst Anfang 30, kämpfte ums Überleben. Nach 3 Monaten konnte mein Vater sie nach Hause holen.

    Ich bewundere heute noch immer ihre Entschlossenheit nicht aufzugeben, denn 2 Jahre später verunglückte mein Vater tödlich. Dies war für uns alle unbegreiflich, morgens noch gemeinsam gefrühstückt und abends nicht mehr da. Ich brauchte viele, viele Jahre um damit abzuschließen, denn damals hieß es nur, du musst für deine kleinere Schwester da sein.

    Meine Mutter war nach außen immer stark, doch mit den Jahren erkannte ich immer mehr, wie zerbrochen sie doch war. Ich war für sie da, kümmerte mich um ärztliche Termine, da ihr mittlerweile ein Bein amputiert werden musste und die Durchblutung und der Zucker ihr auch böse mitspielten. Trotzdem versuchte sie für andere stark zu sein und den Mut nicht zu verlieren.

    Sie verstarb im Januar nach einer weiteren OP erst, nachdem wir ihr zugestanden, gehen zu dürfen. Nachdem ich ihr dies gesagt hatte (sie lag im künstl. Koma), konnte man sehen, wie die Werte nach unten gingen.

    Den letzten Atemzug habe ich nicht mitbekommen, dies hätte ich auch nicht gewollt. Ich hatte mich vorher verabschieden können und sie zu meinem Vater entlassen, die nach 45 Jahren wieder irgendwo zusammen sind.

    Abschied nehmen ist nie schön, aber mich tröstet der Gedanken, dass wir irgendwann irgendwo wieder zusammenkommen in einer “Welt” ohne Streit und Missmut.
    … und Tränen dürfen weiterfließen, denn ich glaube, dass uns unsere Liebsten nie ganz verlassen.

    Danke, dass ihr mir zugehört habt
    Monika

    Monika Marx antworten
  • Doris Gollé

    Meine Mutter war 4 Jahre lang in einem Pflegeheim, nachdem nach einer Beckenfraktur bei uns zu Hause in einem alten Haus die Wohnsituation für sie nicht mehr möglich war.

    Nachdem das Seniorenheim nur im nächsten Ort war, bekam sie von mir praktisch täglich Besuch, am Wochenende auch von meinem Mann und unseren Kindern. Insofern hatte ich meinen Frieden mit der “Abschiebung” ins Altersheim, auch weil dort die Betreuung m.E. gut war. (Wobei ich Folgendes anmerken muss: Wenn man so oft dort auftaucht wie wir das taten, kennt man die Pfleger etc. und ich hatte das Gefühl, dass der intensive Kontakt mit den Angestellten dort auch den Bewohnern zugute kommt.)

    Nachdem meine Mutter immer hinfälliger wurde und dann mit 94 Jahren an einer Lungenentzündung sterben konnte, hatte ich nachher immer dieses gebrechliche Bild von ihr im Kopf, obwohl sie doch bis zum Tod meines Vaters eine starke Frau gewesen war.

    Ich musste dieses Bild aus dem Kopf bekommen. Deshalb habe ich mir ein Bild meiner Eltern aufgestellt, als sie in jungen Jahren ganz glücklich und schön angezogen bei einer Hochzeit waren. Dieses Bild, das ich schon als Kind geliebt habe, steht noch heute, 5 Jahre nach dem Tod meiner Mutter und 12 Jahre nach dem meines Vaters in der Küche. Es hat mir dabei geholfen, meine Eltern so fröhlich, wie sie im Leben waren, nach den schlimmen letzten Jahren wieder in Erinnerung zu bekommen.

    Doris Gollé antworten
  • Petra L

    Hallo zusammen,

    es ist sehr schön, dass das Thema Trauer hier seinen Raum bekommt.

    Ich habe vor 5 Monaten meinen Mann verloren, er war erst 48 Jahre alt und ich habe überhaupt nicht damit gerechnet.

    Wir haben schön zusammen am Samstag mittags gegessen, er lobte noch meine Kochkünste und am Nachmittag bin ich dann zu meinem Dienst aufgebrochen (ich hatte als Ärztin Notdienst). Da habe ich gleich als ersten Fall einen frisch Verstorbenen gehabt, bei dem ich die Leichenschau durchgeführt habe.

    Mein Mann rief mich später nochmal auf dem Handy an, ob ich der Familie auch ein wenig weiterhelfen konnte, erzählte von den Hunden daheim und meinte, ich solle doch noch etwas zum Abendessen mitbringen.

    Wir redeten ein wenig und ich sagte dann, dass ich jetzt aufhören muss, weil wir beim nächsten Patienten waren.

    Als ich 3 Stunden später, bestens gelaunt mit besorgtem Abendessen nach Hause kam, antwortete er nicht auf mein Rufen.
    Schließlich fand ich ihn leblos vor, versuchte noch zu reanimieren – der Notarzt kam auch noch – aber es war zu spät.

    Ich weiß, dass der Gedanke, zu spät gekommen zu sein, unsinnig ist, weil mich ja keine Schuld trifft – aber es ist so hart, dass ich ausgerechnet meinem eigenem Ehemann nicht helfen konnte.

    Er sah sehr friedlich aus, wahrscheinlich war es ein Sekundenherztod.

    Aber für mich ist eine Welt zusammengebrochen und ich versuche jeden Tag aufs Neue damit klar zu kommen.

    Ablenkung tut nur so lange gut, bis ich wieder allein zu Hause bin (mein alter Hund ist auch noch zu allem Unglück nach ein paar Wochen gestorben) – dann sitze ich oft da und weine mich in den Schlaf.

    Er fehlt mir so sehr…

    Ich hoffe, dass wir uns in einem anderen Leben wiedersehen.

    Im Moment überwiegt aber die Trauer. Die Dankbarkeit, ihn bei sich gehabt zu haben, kann sich noch nicht breit machen.

    Mit Freunden kann ich nur bedingt reden, nach drei, vier Sätzen bekommt man das allzu bekannte “das Leben geht weiter” und “die Zeit heilt schon alle Wunden” zu hören und ich schreie innerlich “Nein!”.

    Die einen erzählen von ihrem Pech in diesem Jahr “das Pferd humpelte” oder “ich hatte auch so ein Unglück, habe mir den Fuß verstaucht”. Ich fühle mich dann nicht ernst genommen – gibt es etwas Schlimmeres, als den geliebten Partner, mit dem man alt werden wollte, zu verlieren?

    Von allen Schicksalsschlägen (Sorgen um die Kinder, Familienproblemen, Scheidung, finanzielle Sorgen und eigene, wenn auch nicht lebensbedrohliche Erkrankungen) war das wirklich der bisher schlimmste und ich würde alles Materielle hergeben, wenn ich ihn dadurch wiederbekommen würde.

    Vielleicht hilft mir eine Trauergruppe weiter, da hier jeder etwas Ähnliches erlebt hat.

    Ich wünsche allen anderen viel Kraft.

    Danke für dieses wichtige Thema!

    Petra L antworten
  • Peter Merhof

    Guten Tag,

    auch ich habe im Lauf der Jahre verschiedene Menschen verloren, die mir nah standen oder denen ich mich verbunden fühlte.

    Als mein Vater vor einigen Jahren starb, war die Situation mit allem, was zu tun war, sehr aufregend, zumal dann auch meine Mutter noch zusammenbrach und ins Krankenhaus musste.

    Alles lief wie im Nebel ab und erst einige Zeit nach der Beerdigung kamen wir alle etwas zur Ruhe.

    Wer uns bei der „akuten“ Trauer angesprochen hatte, wussten wir teilweise nicht mehr. Aber die Gespräche und auch Besuche, die später stattfanden, haben gut getan und auch heute noch schauen wir uns auch mal Trauerbriefe mit persönlichen Worten an.

    Ich habe mir angewöhnt, zumindest etwas Persönliches zu schreiben, wenn ich nicht direkt helfen kann. Dafür habe ich mir inzwischen eine Sammlung schöner Sprüche und Zitate in einem Büchlein angelegt, die immer mal ergänzt wird. Zusammen mit ein paar persönlichen Worten drücke ich dann zunächst mein Mitgefühl aus.

    Ich gehe dann lieber auf die Menschen zu, wenn der Trubel vorbei ist und habe festgestellt, dass dann sehr intensive Gespräche stattfinden können.

    Für mich selbst habe ich begonnen, Klarheit für meinen persönlichen Todesfall zu schaffen, auch um denen, die dann damit belastet sind, Entscheidungen zu erleichtern.

    Vielen Dank für die vielen Gedanken der „Mitleser“ und für Ihre Zeitblüten, Herr Heidenberger, die mir immer viel bedeuten.

    Peter Merhof antworten
  • Emily

    Eine Freundin sagte mir zum plötzlichen Tod meines Mannes:

    » Der Tod geschieht nur an einem Tag. Vorher und nachher ist Leben. «

    Diese Worte haben mich berührt und seltsamerweise getröstet und machen es immer noch.

    Emily antworten
  • Gerhard K. Ullrich

    Um das Thema “Tod” kommen wir nicht herum, weil es jeden betrifft. Bei mir nähert sich das 70. Wiegenfest, und deshalb habe ich schon sehr oft liebe Menschen “loslassen” müssen. Im Laufe dieser Erlebnisse habe ich gelernt, dass Trauer dazugehört, weil es einfach weh tun muss, nichts dagegen machen zu können und loslassen zu müssen, was einem so unbeschreiblich viel bedeutet…

    Trauer kann sich aber auch verwandeln: Inzwischen bin ich dankbar dafür, dass es mir bei so vielen Menschen so weh getan hat, denn ich hatte das Glück, dass ich diesen wunderbaren Menschen so nahe sein durfte, dass ich sie erleben durfte und sie Teil meines Lebens waren, sind und bleiben, bis ich selbst gehen muss.

    Diese Dankbarkeit erlöst mich von den Trauertränen, für die ich mich nicht schäme, aber ich kann sie nicht erzwingen. Sie kommt nicht auf Kommando, aber sie ist verknüpft mit der Pflege der Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, Gespräche, und so weiter…

    Ich bin froh, dass ich für mich diesen Weg gefunden habe

    Gerhard K. Ullrich antworten
    • » Inzwischen bin ich dankbar dafür, dass es mir bei so vielen Menschen so weh getan hat, denn ich hatte das Glück, dass ich diesen wunderbaren Menschen so nahe sein durfte, dass ich sie erleben durfte und sie Teil meines Lebens waren, sind und bleiben, bis ich selbst gehen muss. «

      Herzlichen Dank für diesen bereichernden, wertvollen Aspekt, Herr Ullrich! Ich finde diesen Zugang wunderbar.

      Burkhard Heidenberger antworten

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