Nicht spalten lassen

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Unlängst saß ich mit einem lieben Freund gemütlich zusammen. Wir plauderten über verschiedene Themen.

Auch wenn wir manchmal komplett gegensätzlicher Meinung sind, schätzen wir uns sehr.

Dieses Gespräch hat mich auf das folgende Thema gebracht: die Spaltung unserer Gesellschaft – die sich oft dort zeigt, wo unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen.

Ein Thema, das auf den ersten Blick wenig mit Entspannung im Alltag zu tun hat.

Aber doch liegt darin eine große Chance für mehr innere Ruhe:

Wir müssen nicht jede Meinung bewerten oder jede Sichtweise korrigieren.

Es darf auch leicht sein, die Welt mit den Augen des anderen zu sehen, ohne sie sofort bewerten zu müssen.

Brücke bauen, wo Gräben tief scheinen

Brücke bauen, wo Gräben tief scheinen

Vom Dorfleben zur globalen Diskussion

Ich habe den Eindruck, dass wir heute tatsächlich gespaltener sind als früher.

In der Vor-Internet-Zeit bewegten wir uns hauptsächlich in unserem unmittelbaren Umfeld: in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz – ich im Dorf und im Verein.

Man begegnete unterschiedlichen Meinungen, aber meist in einem festen, persönlichen Umfeld.

Heute ist das anders.

Innerhalb kürzester Zeit können wir Diskussionen aus aller Welt mitverfolgen. Ob Politik, Klima, Gesundheit, gesellschaftliche Werte oder internationale Konflikte:

Wir sind ständig mit sehr unterschiedlichen Sichtweisen konfrontiert.

Das ist grundsätzlich etwas Positives. Noch nie hatten wir so einfachen Zugang zu so vielen Informationen und Perspektiven.

Gleichzeitig trägt das auch zur Polarisierung bei.

Wenn Schlagzeilen unsere Gelassenheit prüfen

Vor allem moderne Medien, insbesondere Social-Media-Plattformen können diese Entwicklung verstärken und dadurch die Spaltung fördern.

Je stärker eine Schlagzeile Emotionen auslöst, desto häufiger wird sie geklickt, kommentiert und verbreitet.

Mehr Klicks, mehr Reichweite, mehr Werbeeinnahmen.

Viele Inhalte sind deshalb bewusst zugespitzt oder provokant formuliert.

Dadurch entsteht leicht der Eindruck, dass besonders extreme oder laute Positionen die Mehrheit darstellen – was meist nicht der Fall ist.

Denn während sich in den Medien vieles um Konflikte dreht, zeigt der Alltag ein anderes Bild.

Und diesen Unterschied muss ich mir selbst immer wieder bewusst machen:

Die meisten Menschen begegnen sich respektvoll und freundlich, helfen Nachbarn, unterstützen Kollegen und kümmern sich um ihre Familien.

Wenn wir uns das vor Augen führen, fällt es leichter, gelassen zu bleiben und sich nicht von bewusst erzeugter Empörung mitreißen zu lassen.

Was in uns Spaltung verstärkt

Neben der Wirkung der Medien gibt es auch Ursachen in uns selbst.

Menschen haben ein starkes Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Orientierung. In unsicheren Zeiten suchen wir verstärkt nach Gruppen, die unsere Sichtweise teilen.

Das gibt Halt.

Gleichzeitig führt es dazu, dass Menschen außerhalb unserer Gruppe schneller als Gegner wahrgenommen werden.

Hinzu kommt eine zunehmende Tendenz zur Kategorisierung:

  • richtig oder falsch
  • für oder gegen etwas
  • links oder rechts
  • schwarz oder weiß

Dabei besteht das wirkliche Leben meist aus vielen Farbtönen und Facetten.

Respekt statt Rechthaben

Oft wird die Meinung einer Person mit ihrem Charakter gleichgesetzt.
Aber ein Mensch lässt sich nicht auf eine einzelne Meinung reduzieren.

  • Man kann unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem befreundet bleiben.
  • Man kann eine Ansicht ablehnen und trotzdem den Menschen dahinter achten.

Ich glaube:

Nicht die Meinungsverschiedenheit spaltet unsere Gesellschaft, sondern der Verlust des gegenseitigen Respekts.

☀️ Ein kleiner Impuls zum Mitnehmen

Bei der nächsten Begegnung mit einer Person, die anders denkt als Sie, versuchen Sie Ihren Blick bewusst auf das Verbindende statt auf das Trennende zu richten.

Fragen Sie sich innerlich: Was verbindet uns trotz allem?

Vielleicht ist es

  • der Wunsch, dass die eigenen Kinder gut durchs Leben kommen,
  • die Liebe zur Natur,
  • das Mitfiebern mit der Fußballmannschaft,
  • die Freude an gutem Essen,
  • an Musik
  • oder einfach das menschliche Bedürfnis, gesehen und respektiert zu werden.

Wenn wir beginnen, gezielt nach diesen Gemeinsamkeiten zu suchen, verliert das Trennende an Gewicht.

Denn Spaltung wird schwächer, wenn das Gespräch wichtiger wird als das Rechthaben.

Passend zum Thema habe ich abschließend wieder eine eingesendete Zeitblüte. Leserin Rita schreibt von lieben Nachbarn:

Zeitblüte: Liebe Nachbarn

Von Lesern eingesendete Zeitblüten. Zeitblüten sind persönliche Momente der Entspannung, des Wohlfühlens, des Krafttankens und des „Abschaltenkönnens“:

Ich habe eine dreijährige Tochter. Vor einigen Wochen war sie krank und wir konnten mehrere Tage nicht aus dem Haus. Damit ihr nicht langweilig wird, hatte ich eine Idee: etwas für die Nachbarn machen. Sie malte Bilder, klebte Sticker darauf und gestaltete kleine Kunstwerke.

Wir haben dann die Zeichnungen mit einem kleinen Gruß an die Türen aller Nachbarn geklebt.
Das Ganze ist nun schon fast zwei Monate her und die Nachbarn haben die Bilder alle (!) noch immer an ihren Türen hängen.

Einem Nachbarn ist das Papier anscheinend einmal heruntergefallen und er hat es mit Klebeband neu befestigt. Einige Nachbarn haben extra bei uns angeläutet, um sich zu bedanken. Und eine Teenager-Nachbarin hat sogar selbst eine wunderschöne Karte für uns gezeichnet und sie als Antwort an unsere Tür geklebt.

Wir haben wirklich sehr liebe Nachbarn. 😊

Rita


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