Genießen Sie das Essen mit Ihrem Kind

Gastbeitrag von Dr. Priska Heidenberger, Kindergartenpädagogin und Kinderbuchautorin:

Dieses Thema ist mir persönlich sehr wichtig. Ich weiß aus Erfahrung, wie sehr das Essen Eltern beschäftigt und wie viele Machtkämpfe sich beim Essen abspielen.

Das alles muss nicht sein: Vertrauen Sie Ihrem Kind, trauen Sie den Gefühlen des Kindes und respektieren Sie diese. Manchen Eltern fällt dies beim Essen besonders schwer.

Schon ein Baby weiß, wann es satt ist und wann es Hunger hat. Ihr Kind hat ein gesundes Gespür für seinen Körper. Es isst, wenn es Hunger hat und hört auf, wenn es satt ist. Egal, wie viel Essen noch auf dem Teller ist. (Außer, es wurde schon zu oft mit Druck angehalten, alles aufzuessen, was auf dem Teller ist.)

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Für Kinder ist es ein wahrer Genuss, Selbstgekochtes und Selbstgebackenes zu essen.


Sparen Sie sich den Kampf ums Aufessen

Es kostet Sie und Ihr Kind Kraft. Ich erzähle Ihnen ein Beispiel, das ich unlängst beobachtet habe:

Ich sitze mit meiner Freundin in einem Restaurant. An unserem Nebentisch sitzt eine Familie mit einem Mädchen, etwa vier Jahre alt. Das Kind isst Pommes und Wiener Schnitzel. Als es etwa die Hälfte der Portion gegessen hat, hört es mit dem Essen auf.

Die Mutter bittet das Kind, noch etwas zu essen. Das Kind lehnt ab. Die Mutter versucht es mit dem Papi-Mami-Trick: „Noch eine Gabel für Papi und eine für die Mami.“ Das Kind wendet sein Gesicht von der Mutter ab. Die Mutter versucht es mit dem Flugzeugtrick, um dem Kind noch einen Happen in den Mund zu bringen. Das Kind spuckt das Essen aus. Irgendwann gibt die Mutter auf.

Kinder zum Aufessen zu zwingen, ist Unsinn

Wer mehr isst, als er Hunger hat, verliert sein Sättigungsgefühl. Er wird dadurch gezwungen, dieses Gefühl zu ignorieren.

Respektieren Sie, wenn Ihr Kind satt ist. Lassen Sie die Verantwortung für das Sattsein bei Ihrem Kind.

Das bedeutet aber nicht, dass es essen kann, wann und was es will. Für eine gesunde Ernährung tragen immer noch Sie die Verantwortung.

Es bedeutet, aufzuhören, das Kind zu manipulieren oder es zum Essen zu überreden. Kinder nehmen einen überfüllten Magen in Kauf, um die Liebe der Eltern zu erhalten.

Wenn das Kind nicht mehr essen will, fragen Sie es einfach: „Bist du satt?“ Wenn es satt ist, dann akzeptieren Sie, dass noch etwas Essen auf dem Teller übrig bleibt. Verzichten Sie darauf, dem Kind aufzutun.

Lassen Sie Ihr Kind das Essen selber auf den Teller schöpfen. Kinder machen das gerne. Sie lernen dabei, ihren Hunger einzuschätzen.

Anfangs wird es sich vielleicht zu viel auf den Teller geben, doch mit der Zeit bekommt es ein Gespür für das richtige Maß und es lernt, auf den „Bauch zu hören“.

Bringen Sie dem Kind bei, auf seinen Bauch zu hören

Nora hat sich zu Kindergartenbeginn immer zu viel auf den Teller gegeben. „Nora, höre auf deinen Bauch, wie viel er Hunger hat“, ermutigte ich sie immer wieder. Oder: „Heute hast du dir zu viel auf den Teller getan. Morgen erinnere ich dich, auf deinen Bauch zu hören.“

Nach etwa zwei Monaten konnte sie ziemlich gut abschätzen, wie groß ihr Hunger war. Sie schöpfte sich dementsprechend auf den Teller. „Ich habe jetzt gut gelernt, auf meinen Bauch zu hören“, verkündete sie eines Tages dann voller Stolz beim Mittagessen.

Und Laurenz sagte vor einigen Tagen: „Ich habe noch ein bisschen Hunger. Aber ich lasse in meinem Bauch noch einen Platz für die Nachspeise.“ Und das mit vier Jahren. Ist das nicht wunderbar?

Machen Sie das gemeinsame Essen zu einem schönen Ereignis für die ganze Familie

Achten Sie auf die Rahmenbedingungen beim Essen. Zünden Sie z. B. eine Kerze an, welche das Kind nach dem gemeinsamen Essen ausblasen darf. Kinder lieben es, Kerzen auszublasen.

Schmücken Sie den Tisch. Kinder genießen einen schön gedeckten Tisch. „Wow!! Ist der Tisch heute schön gedeckt,“ rief Peter, als er den mit Servietten und Blumen geschmückten Mittagstisch sah. Es braucht dafür nicht viel: eine Tischdecke, bunte Servietten, einen Blumenstrauß, ein Kerzenlicht.

Holen Sie die Natur auf den Tisch: Dekorieren Sie ihn mit bunten Herbstblättern, Rosskastanien, einem Frühlingsstrauß, Steinen, Tannenzweigen, …

Schalten Sie Fernseher und Handy beim Essen aus.

Lassen Sie Ihr Kind beim Tischdecken mithelfen. Wenn Sie ihm auf die rechte Handoberfläche einen Smiley malen, weiß es, auf welche Seite die Gabel neben den Teller kommt. So lernt es ganz nebenbei, rechts und links zu unterscheiden.

Kochen Sie mit Ihrem Kind. Riechen und kosten Sie gemeinsam unterschiedliche Gewürze, Kräuter. Genießen Sie den Duft des Essens. Für Kinder ist es ein wahrer Genuss, selbstgekochte Speisen zu essen. Tun Sie alles mit Genuss, was mit Essen zusammenhängt.

Zusammengefasst:

  1. Respektieren Sie, wenn Ihr Kind satt ist.
  2. Lassen Sie Ihr Kind selber das Essen schöpfen.
  3. Ermutigen Sie Ihr Kind, auf sein Sattseingefühl zu achten.
  4. Dekorieren Sie den Tisch.
  5. Lassen Sie Ihr Kind beim Tischdecken mithelfen.
  6. Kochen Sie gemeinsam. Riechen und kosten Sie die Zutaten.
  7. Radio, Fernsehr und Handy bleiben beim Essen aus.



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