Mein geplatzter Traum: Warum neue Wege oft wertvoller sind
Der folgende Impuls ist aus meinem Zeitblüten-Newsletter. Wenn Sie solche Gedanken regelmäßig direkt in Ihr Postfach erhalten möchten, können Sie sich → hier unverbindlich in die Verteilerliste eintragen.
„Du kannst alles erreichen, wenn du nur willst!“
Eine Botschaft, die wohl jedem von uns so oder ähnlich immer wieder begegnet – ob in einschlägigen Büchern, auf Social Media oder über andere Kanäle.
Ich sehe das etwas anders.
Natürlich können Menschen Außergewöhnliches erreichen. Das zeigen unzählige Beispiele. Auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es Personen, die Erstaunliches geschafft haben.
Doch Willenskraft allein reicht nicht immer aus. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Mein geplatzter Traum
Ich hatte auch ein großes Ziel.
In meiner Jugend spielte ich mehrere Jahre Trompete in einer Kapelle. Ich nahm Unterricht bei einem renommierten Professor, übte täglich, oft mehrere Stunden, und hatte sogar das Konservatorium im Blick.
Mein Traum war es, eines Tages in einem renommierten Orchester zu spielen, etwa bei den Wiener Philharmonikern oder dem London Symphony Orchestra.
Ich war mit großer Leidenschaft bei der Sache. Doch irgendwann musste ich erkennen:
Mir fehlte schlicht das Talent, um trotz meines Einsatzes das Niveau zu erreichen, das für ein solches Orchester erforderlich ist.
Ich konnte ein guter Trompeter werden. Für die internationale Spitzenklasse hätte es aber mehr gebraucht.
Leidenschaft und Willenskraft allein reichten nicht aus.
Diese Erkenntnis war damals nicht leicht. Schließlich hatte ich viel Zeit und Energie in meinen Traum investiert.
Aber sie half mir, meinen Blick neu auszurichten und mich stärker auf das zu konzentrieren, was meinen eigenen Stärken entspricht, statt verbissen an etwas festzuhalten, das mir offenbar nicht gegeben war.
Die Begeisterung für Musik ist aber geblieben.
Rückblickend bin ich froh, dass mein Leben eine andere Richtung genommen hat.
Denn manchmal zeigt sich erst im Nachhinein, dass ein anderer Weg ebenfalls sehr wertvoll ist, oft sogar besser.
Oder wie meine Mutter oft zu sagen pflegt, wenn etwas nicht wie gewünscht läuft:
„Wer weiß, wofür das gut sein wird.“
Diesen Satz meiner Mutter habe ich lange Zeit eher als Trost verstanden. Heute sehe ich darin etwas anderes.
☀️ Ein kleiner Impuls zum Mitnehmen
Denken Sie – vielleicht jetzt gleich – an einen Wunsch oder ein Ziel, das sich in Ihrem Leben nicht erfüllt hat.
Nicht mit der Frage, was Sie hätten anders machen müssen, sondern mit der Frage:
Was ist trotzdem aus diesem Weg entstanden?
Denn nicht alles erreichen zu können, heißt nicht, zu wenig erreicht zu haben.
Manchmal liegt das Gute auch darin, dass das Leben einen anderen Weg nimmt als geplant.
Zum Weiterlesen:
- Wenn der Tag schwer wirkt: Wie Überraschungen den Blick verändern
- Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern wie wir sind
- Zuhören statt Ratschläge: Warum Empathie mehr hilft als Lösungen
- Zähneputzen auf einem Bein als Gehirnjogging: Warum Gleichgewichtsübungen mehr bewirken als Sudoku
- Geistig fit bis ins hohe Alter: Die Nonnen-Studie und warum unser Lebensstil mehr bewirkt als unsere Gene
- Bestätigungsfehler erkennen: Wege aus der eigenen Echokammer
