Fernsehen macht dumm – oder schlau!

Unlängst saß mir in der U-Bahn ein Mann im eleganten Anzug gegenüber. Schließlich nahm er seine Aktentasche und holte eine Fernsehzeitung und einen Stift hervor. Das hat mich dann doch ein wenig überrascht, weil ich eher irgendwelche Geschäftspapiere, eine Qualitätszeitung oder etwas anderes in der Art erwartet hatte. Auf alle Fälle keine Fernsehzeitung.

Nun ging er das Fernsehprogramm Wochentag für Wochentag durch und markierte Sendungen. Ich nehme mal an, dass er einfach bewusst fernsieht. Auch mir ist bewusstes Fernsehen ein Anliegen und wir handhaben das zu Hause auch so.

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Wie verändert das Fernsehen unser Denken, unser Wissen, unser Weltbild?

Zwei Extreme

Nun gibt es zwei Extreme, was das Fernsehen anbelangt. Wir haben Bekannte, die haben keinen Fernseher zu Hause. Sie haben ihn ganz bewusst weggegeben. Nach ihrer Aussage hat die Kommunikation unter ihnen durch das Fernsehen stark gelitten. Und das ist sicher ein nicht abzustreitendes Argument.

Wenn ich abends müde nach Hause kommen würde, mich vor dem eingeschalteten Kasten niederlege und damit „entspanne“, wäre ich wohl auch nicht gerade sonderlich gesprächsfreudig. Oder vielleicht sogar beim Essen die Kiste laufen lassen, dann hätte ich kein Ohr mehr für das, was mir meine Frau erzählen möchte.

Und somit haben die Bekannten mit ihrem Argument sicher recht. Denn schläft erst mal die Kommunikation zwischen Partnern ein,  kann auch schon mal eine ansonsten gute Partnerschaft ins Wanken geraten oder gar in die Brüche gehen.

Dann gibt es das andere Extrem:

Der Fernseher ist ständig an. Es gibt Menschen, bei denen die Flimmerkiste fast ununterbrochen läuft. Das kann mehrere Gründe habe. So ist das häufig bei alleinstehenden Personen der Fall – eben aus Einsamkeit. Die laufenden Sendungen vermitteln ein Gefühl, dass da noch jemand im Raum ist, also dass man doch nicht ganz so allein ist.

Oder aus Langeweile. Wenn man kaum Hobbys hat und sonst mit der Zeit nicht viel anzufangen weiß, ist der Fernseher schon ein bewährtes Mittel, die freie Zeit totzuschlagen.

Fernsehen macht dumm – oder schlau

„Fernsehen macht dumm oder schlau – je nachdem“.

Dieses Zitat habe ich irgendwo mal aufgeschnappt und finde es sehr treffend. Es ist ein großer Unterschied, ob ich mir täglich wahllos irgendwelche „schlechten“ Sendungen reinziehe oder ob ich bewusst selektiere. Denn es gibt wirklich großartige Ausstrahlungen, beispielsweise Dokumentationen. Solche, die mich informieren und bilden, die mein Weltbild und damit meinen Horizont erweitern.

Fernsehkonsumation ist Gewohnheitssache

Wir in der Familie legen gelegentlich eine fernsehfreie Woche ein. Und dabei habe ich festgestellt, dass Fernsehen auch eine Gewohnheitssache ist. Zu Beginn der fernsehfreien Woche bin ich zwar immer mal versucht, den Fernseher aufzudrehen – aber eben mehr aus Gewohnheit.

Und mit Ende der Woche ist dieser Gewohnheitsreiz vollständig verschwunden. Oft ist man auch überrascht, wie viel Zeit plötzlich „übrig bleibt“, wenn das Fernsehen wegfällt.

Ich möchte nicht auf das Fernsehen verzichten

Aber ganz auf das Fernsehen verzichten möchte ich nicht. Ich wüsste beispielsweise nicht, wie elegant eine Giraffe in der freien Wildbahn läuft, wie landschaftlich schön die Mongolei ist und ich könnte auch kein spannendes Fußballspiel und die damit verbundenen Emotionen live miterleben, dass irgendwo auf der Welt stattfindet.

Bewusst auswählen

Nun machen wir es in der Familie auch so, wie der eingangs erwähnte “elegante” Mann.

Meine Frau kennzeichnet in der Fernsehzeitung ihre Sendungen mit einem roten Stift, ich meine mit einem blauen Stift. Manchmal gibt es natürlich auch Überschneidungen, da muss ein Kompromiss her, z. B. eine Sendung wird aufgezeichnet.

Dann haben wir ein ungefähres Zeitlimit festgelegt. Es ist eher ein Richtwert. Unser derzeitiger Richtwert für die Fernsehzeit pro Woche beträgt 6 Stunden. Mal schauen, wo sich dieser Wert einpendelt. Denn mit zwei guten Filmen am Wochenende ist schon mal die Hälfte weg.

Und auch eine sehr praktische Sache, die ich mir noch angewöhnt habe: Sport beim Fernsehen. Also den Heimtrainer raus, in ausreichendem Abstand vor dem Fernseher platziert und während des Radelns das Fußballspiel zu Gemüte ziehen.

Ergo: Es hat eben immer alles seine zwei Seiten – auch das Fernsehen.

Zum Weiterlesen:



Kommentare

  • hads1978

    Hallo!
    Da ich mich das 1. mal zu Wort melde, hier erstmal ein großes Lob an den Macher der Seite und vielen Dank für die wertvollen Ideen und Denkanstöße!!

    Das Thema “Fernsehen” ist bei uns zu Hause auch immer mal brisant. Ich mag zum Beispiel nicht, wenn wir zu festen Zeiten vor der Glotze hängen (müssen). Daher habe ich mir einen Festplattenrecorder zugelegt. Ich setze mich an einem bestimmten Tag davor, und programmiere die Woche durch alle relevanten Sendungen. Also ähnlich wie der Herr in der U-Bahn, nur digital ;-)

    Damit bestimmen wir selbst wann wir was schauen wollen. Nur das löschen darf man nicht vergessen. Und da wir auch Freunde von Ritualen sind, wird sogar seit einem Jahr das Sandmännchen täglich mit aufgenommen. Damit lernt auch unser Nachwuchs, das das Fernsehen eigentlich nur etwas nebensächliches ist, jedoch ruhig immermal sein darf.

    Viele Grüße!

    hads1978 antworten
  • Das Fernsehen hat sich die letzten Jahre enorm entwickelt. Wir müssen uns nicht mehr nach dem Fernsehen richten, das Fernsehen richtet sich nach uns.

    Marco antworten

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