Die Traumdeuter

Eine wirkungsvolle Kommunikation bedeutet auch, seine Worte mit Bedacht zu wählen – wie auch diese Geschichte zeigt: 

Vor hunderten von Jahren maßen die Menschen im Orient ihren Träumen eine ganz besondere Bedeutung zu. Daher gab es zu jener Zeit viele Traumdeuter, welche diese als Weissagungen und Prophezeiungen zu erklären wussten.

So trug es sich zu, dass ein Sultan einen beängstigenden Traum hatte. Er träumte, dass er all seine Zähne verlieren würde. Beunruhigt ließ er einen Traumdeuter zu sich rufen. Sorgenvoll hörte dieser des Sultans Schilderung an.

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„Sultan, du wirst all deine Angehörigen verlieren!“

»Leider muss ich dir eine traurige Mitteilung machen«, sagte der Deuter. »Du wirst genau wie deine Zähne, all deine Angehörigen verlieren!«

Diese Weissagung erregte des Sultans Zorn und er bezeichnete den Traumdeuter als Scharlatan und ließ ihn in den Kerker werfen.

Der Sultan ließ umgehend einen weiteren Traumdeuter zu sich kommen. Auch er ließ sich des Sultans Traum erzählen und sagte: »Ich bin glücklich, dir eine freudige Botschaft zu übermitteln! Du wirst älter werden als all deine Angehörigen, du wirst sie alle überleben!«

Der Sultan erfreute sich an dessen Botschaft und belohnte ihn reich. Der Schatzmeister war darüber sehr verwundert und fragte den Traumdeuter:

»Du hast dem Sultan eigentlich nichts anderes gesagt als dein armer Vorgänger. Wie kann es zugehen, dass jener im Kerker sitzt, während du fürstlich beschenkt wirst?«

Der belohnte Traumdeuter antwortete: »Beide haben wir des Sultans Traum gleich gedeutet. Letztendlich kommt es nicht nur darauf an, was man sagt, sondern auch wie man es sagt!«

© Gisela Rieger

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Gisela. Die Geschichte stammt aus ihrem Buch „Inspirationen für’s Herz“.

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