Unsere fünf Sinne bilden das Tor zur Wahrnehmung. „Funktioniert“ einer dieser Sinneskanäle eingeschränkt oder gar nicht, so ist auch entsprechende Wahrnehmung eingeschränkt oder nicht vorhanden.
Ist dies der Fall, sind die anderen Sinne in der Regel stärker ausgeprägt. Das liegt auch daran, dass sie häufiger in Anspruch genommen und damit trainiert werden.
Blinde Menschen haben beispielsweise einen wesentlich stärker ausgeprägten Gehör- und Tastsinn als Menschen mit Sehvermögen.
Im Folgenden habe ich 14 Übungen zusammengestellt, mit denen Sie Ihre Sinne trainieren und damit die Wahrnehmung fördern können.
Die meisten der aufgelisteten Übungen eignen sich am besten zur Durchführung in der freien Natur – beispielsweise bei einem Spaziergang. Picken Sie sich jene Übungen heraus, die Sie ansprechen. Nutzen Sie dann für mindestens eine Woche jede Gelegenheit, Ihre Sinne zu trainieren. Sie werden erstaunt sein, wie sich nach regelmäßigem Üben die Wahrnehmung intensiviert hat.
Nun zu den Übungen:
Es gibt Menschen, deren Wahrnehmungsfähigkeit besonders stark ausgeprägt ist. Wie ist es um Ihre bestellt? Das können Sie testen:
Sie benötigen hierfür jedoch eine Person, die Ihnen dabei hilft. Schließen Sie die Augen und bitten Sie die andere Person, Sie an einer beliebigen Stelle am Körper mit dem Finger anzutippen.
Behalten Sie die Augen geschlossen und deuten mit Ihrem Finger auf genau jene Stelle. Besitzen Sie eine gute (Körper-)Wahrnehmung, dann fällt es Ihnen leicht, punktgenau die jeweilige Stelle zu treffen. Wenn Sie Ihr Ziel häufig verfehlen, dann ist das vermutlich ein Zeichen für eine verbesserungswürdige Wahrnehmung.
Achten Sie – z. B. während eines Spaziergangs – auf die unterschiedlichsten Formen. Zählen Sie die verschiedenen Formen, bis Sie eine innere Ruhe verspüren. Durch diese Übungen nehmen Sie Ihre Umgebung intensiver wahr. Eine Abwandlung dieser Übung: Farben zählen.
Suchen Sie die Möglichkeit, um barfuß zu gehen. Schließen Sie die Augen und gehen Sie einige Schritte vorwärts. Spüren Sie, wie der Boden unter Ihren Füßen sanft nachgibt und ein Fußabdruck entsteht?
Versuchen Sie beim Gehen, zuerst die Ferse und dann die Zehen vollständig auf den Boden zu drücken, um möglichst komplette Fußabdrücke zu hinterlassen, bei denen sowohl die Ferse als auch die Zehen und die Innen- und Außenkanten erkennbar sind.
Verteilen Sie beim Auftreten Ihr gesamtes Körpergewicht möglichst gleichmäßig auf die Fußsohlen.
Wenn Sie eine Mahlzeit zu sich nehmen, isst bekanntlich das Auge mit. Das sollten Sie bei dieser Übung allerdings vermeiden.
Schließen Sie deshalb die Augen oder tragen Sie eine Augenbinde. Lassen Sie sich von jemandem ein Ihnen unbekanntes Menü auftischen. Nehmen Sie einen Happen und riechen Sie daran. Was könnte das wohl sein? Dann ist der nächste dran. Es ist erstaunlich, wie schwer uns oft das “Erschmecken” fällt.
Sie können natürlich auch bei jedem anderen Essen die Augen kurz schließen, um den Geschmack intensiver wahrzunehmen – auch wenn Sie schon wissen, was Sie da zu sich genommen haben.
Durch diese Übung trainieren Sie Ihre geschmackliche Wahrnehmungsfähigkeit.
Begeben Sie sich in den Wald, in den Garten oder besuchen Sie einen Park. Nehmen Sie an einem bequemen Ort Platz. Sitzen Sie auf einer Bank, dann beugen Sie Ihren Kopf leicht nach hinten und lassen die Arme über die Rückenlehne baumeln.
Sitzen Sie ganz locker und schließen Sie die Augen. Zählen Sie die unterschiedlichen Geräusche und Töne, die an Ihr Ohr dringen. Das sind in der Regel auch Geräusche, die wir in der Hektik des Alltags gar nicht bewusst wahrnehmen.
Nutzen Sie diese Übung auch mal zwischendurch. Sie eignet sich nicht nur, den Gehörsinn zu trainieren, sondern ist auch eine ausgezeichnete Konzentrationsübung.
Der Tastsinn ist dran: Bei dieser Übung gilt es, Gegenstände mit geschlossenen Augen zu erfühlen. Bitten Sie jemanden, verschiedene Gegenstände in einen Karton zu legen. Nehmen Sie einen der Gegenstände heraus und ertasten Sie mit den Fingern dessen Oberflächenstruktur. Können Sie auf Anhieb erraten, um welchen Gegenstand es sich handelt?
Auch diese Übung können Sie im Alltag einbauen. Greifen Sie hin und wieder nach einem Gegenstand und ertasten Sie seine Form, seine Oberfläche – auch wenn Sie bereits wissen, worum es sich dabei handelt.
Eine ausgezeichnete Sinnes- und vor allem auch Entspannungsübung, ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobson. Eine detaillierte Anleitung zur Durchführung habe ich hier beschrieben.
Nun zu einer einfachen Übung. Gehen Sie spazieren und achten Sie bewusst auf das, was Ihre Aufmerksamkeit weckt. Anschließend beschreiben Sie (in Gedanken) den betreffenden Gegenstand oder das was auch immer Ihre Aufmerksamkeit erregt.
Was fällt Ihnen dazu ein? Es ist manchmal verblüffend, was für Erklärungen die eigene Fantasie liefert. Vielleicht fühlen Sie sich durch eine alte Eiche oder einen Geruch an Ihre Kindheit erinnert.
Die eigenen vier Wände sind einem vertraut und man kennt darin jedes Detail. Also der ideale Ort, um den Tastsinn zu trainieren. Stellen Sie einen Wecker auf eine Viertelstunde und bewegen Sie sich in dieser Zeit mit verbunden Augen durch Ihre Wohnung.
Machen Sie dabei Alltägliches. Eine Viertelstunde kann dabei ganz schön lang sein. Aber es ist in der Regel eine interessante und intensive Sinneserfahrung.
Durch diese Übung können Sie das Raumgefühl stärken und gleichzeitig Entspannung erfahren. Beobachten Sie jeweils beim Einatmen einen weit entfernten Punkt. Beim Ausatmen richten Sie Ihren Blick hingegen auf etwas in unmittelbarer Nähe. Das Ganze sollten Sie mindestens zehnmal wiederholen.
Besuchen Sie einen Spielplatz und setzen Sie sich auf eine Schaukel, die robust genug ist, um einen Erwachsenen zu tragen. Schaukeln Sie vorerst mit geöffneten Augen, bis Sie genug Schwung haben.
Schließen Sie dann die Augen und konzentrieren Sie sich auf den Rhythmus der Auf- und Niederbewegung. Versuchen Sie, mit Ihren Beinen neuen Schwung zu holen.
Spüren Sie, wie sich Ihre Körperhaltung und Atmung verändert. Genießen Sie das rhythmische Gefühl, das Ihnen suggeriert, sie würden fliegen.
Geben Sie beim Laufen das gesamte Körpergewicht an den Boden ab und verteilen Sie Ihr Gewicht gleichmäßig über den ganzen Fuß. Dann ändern Sie kurz Ihre Lauftechnik und treten nur noch mit den Fersen auf. Das Ganze können Sie dann auch mit den Fußinnen- und -außenkanten durchführen – hierbei ist allerdings Vorsicht geboten.
Spüren Sie die Veränderungen, die den gesamten Körper durch die Positionsänderung ergreifen. Auch die Bewegung des Beckens sowie die Atmung verändern sich allein durch diesen Positionswechsel.
Stellen Sie sich möglichst gerade hin, und achten Sie auf das Gefühl unter Ihren Fußsohlen. Dabei atmen Sie langsam ein und aus und blicken um sich. Versuchen Sie, alles um Sie herum Befindliche mit einem offenen, weichen Blick zu betrachten.
Lassen Sie Ihre Gedanken ruhen und spüren Sie die Stille, die langsam Ihr Inneres erfasst. Ihre Augen betrachten die Umgebung, ohne dass das Gesehene einer persönlichen Beurteilung unterliegt. Sie sollten dabei den Blick weder auf ein bestimmtes Ziel richten, noch sollten Sie irgendetwas bewusst nicht ansehen.
Der alleinige Zweck dieser Übung ist, einfach nur dazustehen, zu beobachten und „im Sein aufzugehen“.
Wenn Sie das nächste Mal einen Spaziergang machen, lassen Sie sich von Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin führen. Sie haben also die Augen geschlossen und werden geführt. Des Weiteren lassen Sie sich Gegenstände aus der Natur reichen. Fühlen, ertasten Sie diese! Ein Spaziergang mit zahlreichen neuen Sinneseindrücken – Sie werden erstaunt sein!
Nutzen Sie Möglichkeiten, Ihre Sinne zu schulen und Sie werden merken, wie sich nach regelmäßigem Üben schnell Fortschritte und teils auch eine Änderung der Wahrnehmung feststellen lassen. Des Weiteren fördern diese Übungen auch die persönliche Achtsamkeit.
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