Zuhören können wie Momo

Der folgende Ausschnitt aus dem Buch „Momo“ von Michael Ende gefällt mir deshalb so gut, weil er großartig vermittelt, was richtiges Zuhören bewirken kann – auch wenn uns das nicht immer ganz leichtfällt. Aber lesen Sie selbst:

Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören.

Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.

Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte – nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme.

Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.

Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten.

Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten.

Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden.

Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war.

So konnte Momo zuhören!

Aus „MOMO oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte“, von Michael Ende

Sie hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme …


Achtsames Zuhören für einen bleibenden Eindruck

Wie Sie einem Menschen in einem Gespräch zuhören, hat auch Einfluss auf den Eindruck, den Sie bei dieser Person hinterlassen werden.

Dazu eine Überlieferung, die von einer Dame berichtet, die sich sowohl mit dem britischen Premierminister-Kandidaten (1868) Benjamin Disraeli als auch mit seinem Gegenkandidaten William Gladstone zum Essen traf.

Ihr Resümee fiel nach den beiden Treffen so aus:

„Nach dem Essen mit Mr. Gladstone dachte ich, ER sei die intelligenteste Person Englands. Nach dem Essen mit Mr. Disraeli dachte ich, ICH sei die intelligenteste Person Englands.“

Sicher hat für diesen gewonnenen Eindruck auch das jeweilige Zuhören-Können der genannten Gesprächspartner eine maßgebliche Rolle gespielt.


Übungen zum achtsamen Miteinander und Umgang mit anderen Menschen erfahren Sie im ZEITBLÜTEN-Downloadpaket „ACHTSAMKEIT: Wahrnehmen, wie schön das Leben ist“!




Kommentare

  • ulrike barth

    DANKE! ich habe – wie so oft – viel gelernt und verstehe jetzt auch zum ersten mal die Dauerkritik meiner Tochter und meines Schwiegersohns.
    Es wird jetzt alles besser.

    Schöne Feiertage und einen glücklichen Start in den Juni = Sommer.

    U. Barth

    ulrike barth antworten

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