Trost spenden: Wie Sie am besten trösten – 7 Tipps

Dass es einem lieben Menschen in unserem unmittelbaren Umfeld schlecht geht, kommt gelegentlich vor. Etwa weil die Person gerade einen schweren Schicksalsschlag erlebt hat, mit einer Enttäuschung oder einer anderen schwierigen Situation konfrontiert wurde. Dann ist Trost etwas sehr Wertvolles.

Denn Trost wirkt wie ein flauschiger, wärmender Mantel, in den wir bei Sturm und eisiger Kälte reinschlüpfen können.

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Wollen Sie einem Menschen Trost schenken, ihm eine Stütze in einer schwierigen Situation sein, dann sollten Sie Folgendes berücksichtigen:

Trösten: So schenken Sie Trost – 7 Tipps

1. Seien Sie da

Oft genügt auch nur die bloße Anwesenheit. Es bedarf keiner großen Worte. Für die trauernde bzw. Trost suchende Person ist es schon sehr wertvoll, zu wissen, dass Sie für sie da sind und dass sie nicht alleine ist.

2. Zuhören

Zuhören – das Wichtigste beim Trösten überhaupt. Sie müssen keine Lösungen anbieten oder Ratschläge geben. Nichts beschwichtigen.

Manchmal hilft es schon, sich etwas von der Seele reden zu dürfen.

Schenken Sie einfach ein offenes Ohr und zeigen Sie Mitgefühl.

3. Umarmung

Eine Umarmung kann sehr tröstlich sein. Aber das gilt nur dann, wenn Sie mit der leidenden Person wirklich vertraut sind. Andernfalls kann eine Umarmung auch befremden.

4. Nichts verharmlosen

„Das wird schon wieder“ oder „So schlimm ist es gar nicht“ – Floskeln, die alles andere als trostreich sind. Die leidende Person fühlt sich damit missverstanden.

Weitere vollkommen unangebrachte Floskeln:

„Ich kann verstehen, wie du dich fühlst“ oder „Das Leben geht weiter“.

Mitfühlende und ehrliche Worte können hingegen sein: 

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, mir fehlen einfach Worte, um dich zu trösten.“

Herzlichen Dank an Claudia, die dieses Beispiel unten in den Kommentaren genannt hat. Sie schreibt: 

» Als meine Schwester noch sehr jung und überraschend verstarb, sagte mir meine beste Freundin:

„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, mir fehlen einfach Worte, um dich zu trösten.“ Das war so ehrlich und kam so sehr von Herzen. Das tat gut. Und war tausendmal besser als jede dahergesagte Floskel. «

5. Gefühle zulassen

Gestehen Sie der trauernden Person Gefühle zu. Wut, Trauer, … Lassen Sie sie weinen. Das gehört zum Verarbeitungsprozess dazu. Tränen können wie kühlender Balsam für die brennenden Wunden wirken.

Versuchen Sie nicht, diese Gefühle durch Ablenkung zu unterdrücken. Einfach die Trauer der Person zugestehen.

Wo viel Gefühl ist,
ist auch viel Leid.

Leonardo da Vinci

6. Einen Brief schreiben

Manche tun sich leichter, ihr Mitgefühl schriftlich mitzuteilen, etwa durch einen Brief.

Denn Trost verbal kundtun, kann auch fehlschlagen. Schnell sagt man etwas, das die trauernde Person vielleicht missversteht und damit verletzt. Insbesondere weil man als Leidende/r besonders empfindsam ist.

Wenn Sie sich schwertun, mit gesprochenen Worten Trost zu spenden, dann wählen Sie am besten den schriftlichen Weg. Dabei können Sie sich jedes Wort genau überlegen.

Impulse für mutmachende und trostspendende Worte finden Sie in diesem Beitrag:

7. Unter die Arme greifen

Leidende bzw. trauernde Personen befinden sich oft in einer Schockstarre. Sie haben keinen Kopf für alltägliche Dinge und Aufgaben, die anstehen.

Hier können Sie unterstützend unter die Arme greifen – einfach praktische Hilfe anbieten, z. B. Einkäufe machen, (Amts-)Wege erledigen oder dabei begleiten, Koch- und Reinigungstätigkeiten übernehmen.

Dazu schreibt Veronika (unten in den Kommentaren):

» In solchen schwierigen Situationen versuche ich wirklich da zu sein. Meistens fahre ich zur betroffenen Person. Nach dem Zuhören und Weinenlassen versuche ich einfach in praktischen Dingen behilflich zu sein.

Ich koche etwas oder richte eine Jause, eventuell mache ich mit den Menschen einen Spaziergang. Je nach Anlass gestalte ich eine Kerze, die ich anzünde, frische ein paar Blumen ein oder ich versuche gefühlvoll ein paar Fragen zu stellen, die den Betroffenen helfen, sich zu öffnen.

Ich frage, ob ich etwas putzen, jemanden informieren soll oder wie die traurigen oder verletzten Menschen den Tag weiter verbringen möchten, ob ich etwas zu den nächsten Schritten beitragen kann oder soll. «


Abschließend noch ein Zitat, das auch dem einen oder der anderen in einer schwierigen Situation Mut machen kann:

Positiv zu denken bedeutet nicht,
dass man nicht traurig sein darf.
Es bedeutet, dass man auch
an schweren Tagen weiß,
dass es wieder bessere und
großartige Tage geben wird.


Wie trösten Sie Menschen? Was schenkt Ihnen selbst Trost? Gern unten als Kommentar schreiben.




Kommentare

  • Rita

    Lieber Burkhard, danke für diese so wichtigen Tipps!!

    Als wir unser Kind verloren haben, sagte meine beste Freundin, das wird schon wieder. Das tat so irrsinnig weh und daran ist dann auch unsere Freundschaft zerbrochen.

    Rita antworten
    • Das tut mir leid, Rita. Unbedachte, falsche Worte können leider sehr viel zerstören.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Tassilo

      Zunächst gut, dass es hier mal eine Art Anleitung zu dem Thema überhaupt gibt. Tipptopp. Man findet nur schwerlich etwas an Sprachbeispielen, um insbesondere Trauer auszudrücken.

      Deshalb hier noch etwas zu „unbedachte, falsche Worte“:

      Meine Erfahrung als Trauerredner zeigt, dass egal was man sagt – es immer auch „falsch“ im Sinne von unverstanden, missverstanden, unangebracht oder sogar verletzend sein kann. Höchstwahrscheinlich sind deshalb kurze Formulierungen (selbst floskelhafte) am unverfänglichsten, liegt ja auf der Hand, oder? Damit vermeidet man unüberlegtes Plaudern. Die kurzen Worte von Claudia Lünnemann sind Gold wert (Lob.) Vermutlich sind die bereits vollkommen ausreichend aber eventuell könnte man die zusätzlich ergänzen mit „… denn egal, was ich jetzt zu Dir sage – es kann gar nicht ausdrücken, was Du momentan fühlst und durchmachst.“

      (Aber eventuell ist das auch schon wieder „zuviel“ – oder liege ich sogar unter Umständen vollkommen falsch?)

      Tassilo antworten
  • rolf

    Ich mache es Sheldon aus der Serie The Big Bang Theory nach: Ich biete ein heißes Getränk als Seelenwärmer an. :-)

    rolf antworten
    • Das ist auch eine Möglichkeit. :-) Etwas Wärmendes kann tatsächlich dazu beitragen, dass man sich besser fühlt. Das kann ein heißer Tee oder eine Suppe sein, die von innen wärmen, und äußerlich wärmen eine Wolldecke oder eine Wärmflasche.

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Birgit

    Auch ein schnell dahergesprochener Satz: “Ihr macht das schon”. Das sagte mir ein guter Freund, als mein Mann seinen Job verloren hat. Ich war so wütend, dass ich ihm erst mal klar gemacht habe, wie schwer die Situation ist, wie viel Kraft es kostet, immer wieder Bewerbungen zu schreiben, die entweder gar nicht oder mit einer Absage beantwortet werden, von den finanziellen Problemen ganz zu schweigen.

    Er war sehr baff über meine heftige Reaktion, da er es ja nur gut gemeint hat.

    Ich denke, es ist auch wichtig, klarzumachen, wie solche Floskeln wirken und was sie in einem auslösen. So kann man erreichen, dass das Gegenüber zukünftig doch etwas vorsichtiger mit so lapidaren Äußerungen ist….

    Birgit antworten
    • » Ich denke, es ist auch wichtig, klarzumachen, wie solche Floskeln wirken und was sie in einem auslösen. So kann man erreichen, dass das Gegenüber zukünftig doch etwas vorsichtiger mit so lapidaren Äußerungen ist.

      Ja, das denke ich auch. Danke Birgit!

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Nadine

    Hallo Burkhard :)

    Danke für den Artikel, den sich einige Menschen zu Herzen nehmen könnten. Viele meinen es nicht mal böse, wenn sie “falsch” trösten.

    Bei Punkt 4 sehe ich es situativ etwas anders bezüglich “ich kann verstehen, wie Du Dich fühlst”.

    Wenn eine Person “dieselbe Erfahrung” gemacht hat und weiss, wie es sich anfühlt, dann kann sie auch das nötige Verständnis aufbringen. Jemand, der den Prozess (noch) nicht durchgemacht hat, kann das natürlich so nicht.

    LG

    Nadine

    Nadine antworten
    • Hallo Nadine! :-)

      Ja, damit hast du natürlich Recht, dass es wohl kaum jemand böse meint bzw. bewusst „falsch“ tröstet. Und ja, es ist sicher auch so, dass man eher das nötige Verständnis aufbringen kann, wenn man die gleiche oder eine ähnliche Erfahrung gemacht hat.

      Aber ich denke auch, dass für die betroffene Person ein „Ich kann verstehen, wie Du Dich fühlst“ nicht wirklich tröstlich ist.

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Martina

    Ich finde es tatsächlich auch sehr, sehr schwierig, für Menschen in schwierigen Lebenssituationen die richtigen Worte zu finden. Allerdings ist mir jetzt beim Durchlesen der 50 Mutmachsprüche aufgefallen, dass da auch einige in schwierigen Lebenssituationen nicht passend sind und die Betroffenen eher verletzen können. Ich möchte hinzu sagen, dass ich ein Fan solcher Sprüche bin und diese mir auch in weniger schwierigen Lebensphasen gut helfen. Ich kann mir aber vorstellen, dass es mir in ganz schwierigen Lebenslagen ähnlich ging wie Rita und solche Sprüche eher das Gegenteil bei mir bewirken würden.

    Martina antworten
    • Ja, das ist tatsächlich sehr schwierig, da man bei der Wortwahl sowohl die Persönlichkeit des Menschen als auch den Auslöser und die daraus resultierende, individuelle Situation berücksichtigen sollte.

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Claudia Lünnemann

    Vielen Dank für die wertschätzenden Tipps.

    Als meine Schwester noch sehr jung und überraschend verstarb, sagte mir meine beste Freundin:

    “…ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, mir fehlen einfach Worte, um dich zu trösten…” – das war so ehrlich und kam so sehr von Herzen. Das tat gut. Und war tausend Mal besser als jede daher gesagte Floskel…

    Offenes und ehrliches Mitgefühl könnte die Liste somit eventuell noch ergänzen.

    Claudia Lünnemann antworten
    • Es ist immer schwierig, die richtigen Worte zu finden ohne zu verletzen. Genau deshalb finde ich diese Worte Ihrer Freundin ganz wunderbar, weil ehrlich, authentisch und dennoch sehr feinfühlig. Ich habe sie oben im Text als Beispiel ergänzt. Lieben Dank, Claudia!

      Burkhard Heidenberger antworten
  • Veronika Spath

    In solchen schwierigen Situationen versuche ich wirklich da zu sein. Meistens fahre ich hin zur betroffenen Person. Nach dem Zuhören und Weinen-lassen, versuche ich einfach in praktischen Dingen behilflich zu sein. Ich koche etwas oder richte eine Jause, eventuell mache ich mit den Menschen einen Spaziergang. Je nach Anlass gestalte ich eine Kerze, die ich anzünde, frische ein paar Blumen ein oder ich versuche gefühlvoll ein paar Fragen zu stellen, die den Betroffenen helfen, sich zu öffnen.

    Ich frage, ob ich etwas putzen, jemanden informieren soll oder wie die traurigen oder verletzten Menschen den Tag weiter verbringen möchten, ob ich etwas zu den nächsten Schritten beitragen kann oder soll.

    Es kommt wohl ganz auf das Erlebnis an, das das Leid herbeigeführt hat. Und natürlich auf den Menschen, der es ertragen muss.

    Liebe Grüße, Veronika

    Veronika Spath antworten

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