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Richtig streiten will gelernt sein! 12 Tipps

Es kann nicht stets alles eitel Wonne sein – weder im Berufs- noch im Privatalltag. Einem Streit kann und soll man nicht immer ausweichen. Aber richtig streiten – im Sinne eines konstruktiven Streitgesprächs – ist alles andere als einfach. Das liegt auch daran, dass bei einem Streit Emotionen meist von beiden Seiten im Spiel sind. Jeder wähnt sich im Recht. Und je größer die Emotionen, desto schwieriger ist eine kontrollierte „Steuerung“ des Streits. Streit_NL

Wer von beiden Streithanseln hat recht? Es kommt auf die Perspektive an!

Richtiges Streiten fällt auch deshalb vielen schwer, weil wir es nie gelernt haben. Im Gegenteil! Schon in der Kindheit wird uns vermittelt, dass Auseinandersetzungen etwas Schlechtes sind.
Kindern wird das Streiten verboten und sie werden dafür oft sogar bestraft. Dabei bietet sich schon bei Kindern die Chance, ihnen konstruktives Streiten zu vermitteln.

Streit in der Beziehung

Streiten ist wichtig – auch und gerade in einer Beziehung! Immer unter der Voraussetzung, dass der Streit möglichst konstruktiv erfolgt.
Gerade in Beziehungen kann eine niveauvolle Streitkultur ein gutes Fundament für eine stabile Beziehung sein.

„Wir streiten nie!“

In Beziehungen trifft man oft zwei „Extreme“ an. Da gibt es Partnerschaften, auch langjährige, in denen nie gestritten wird. Das kann daran liegen, dass einer oder sogar beide Partner „harmoniesüchtig“ sind und Streit ausschließlich als negativ bewerten. Ein Streit dient auch dazu, seine Unzufriedenheit, seine vernachlässigten Bedürfnisse und Wünsche kundzutun. Häufig findet diese Kommunikation des „Friedens willen“ nicht (mehr) statt. Diesem Harmoniebedürfnis in der Beziehung können Verlustängste zugrundeliegen: Jeder Streit wird gemieden, weil einer der Partner Angst hat, den anderen zu verlieren.
Diese aufgestaute Unzufriedenheit kann sich schließlich in Wut verwandeln. Irgendwann wird ein Ventil alles rauslassen und das äußert sich dann häufig in einer Eskalation, die eine Beziehung in ihren Grundmauern erschüttert oder auch zerstört.

Permanentes Streiten

Das andere „Extrem“ ist das permanente Streiten, auch und vor allem wegen Kleinigkeiten. Von einer gesunden Streitkultur kann man dabei nicht mehr sprechen. Hier sollte man weniger die einzelnen Streitauslöser unter die Lupe nehmen, sondern tiefer gehen und den Grund für die permanenten Sticheleien und Auseinandersetzungen suchen. So könnte der beispielsweise in Machtspielen liegen.

Buch-Tipp (BESTSELLER) – anstatt zu streiten und aneinander vorbeizureden, eine gemeinsame Sprache des Respekts & der Wertschätzung finden:

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Buch-Tipp – wenn es in der Partnerschaft häufig belastenden Streit gibt:

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Ein konstruktives Streitgespräch? Wohl eher nicht!

Richtig streiten – wie soll das gehen? 12 Tipps

Folgend einige Tipps, mit denen Sie eine gesunde Streitkultur fördern können:

1. Pauschalierungen vermeiden

Pauschalierungen wie „nie“, „immer“ und ähnliche werden häufig verwendet. Diese gilt es unbedingt zu vermeiden. Stattdessen gehören Fakten auf den Tisch. Wann genau? Also die Nennung konkreter Beispiele.

2. Du- bzw. Sie-Sätze vermeiden

Also Sätze, die mit Du bzw. Sie (abhängig vom Verhältnis) beginnen, sollten Sie möglichst vermeiden. Solche Anklage-Sätze treiben den anderen in die Ecke, aus der er sich mit aller „verbalen Kraft“ hinauszubugsieren versucht. Und damit ist schon eine große Portion Emotion mehr im Spiel, die ein konstruktives Streitgespräch umso schwieriger gestaltet.

3. Ich-Sätze verwenden

Mit Ich-/Mich-Sätzen sollten Sie dem Gegenüber vermitteln, was Sie fühlen. Beispiele:
„Ich habe mich sehr geärgert bzw. es ärgert mich, dass …“ „Es hat mich sehr verletzt …“
Oft ist dem anderen gar nicht bewusst, was er/sie z. B. durch eine Aussage oder eine Handlung ausgelöst hat. Das Kommunizieren der eigenen Gefühle kann dem Gegenüber die Augen öffnen und damit die Basis für ein konstruktives Streitgespräch liefern.

4. Beleidigungen vermeiden

Bei einem heftigen Streit kommen beleidigende Worte schnell über die Lippen. Aber genau solche Beleidigungen, Beschimpfungen und auch Provokationen lassen kein „richtiges“ Streiten zu. Im Gegenteil! Damit wird der Streit auf eine dekonstruktive Ebene verlagert. Zwei chinesische Sprichwörter bringen es auf den Punkt:
Es ist schwer, in einem Jahr einen Freund zu gewinnen. Es ist leicht, ihn in einer Stunde zu verlieren. Wer wütend ist, verbrennt oft an einem Tag das Holz, das er in vielen Jahren gesammelt hat.
Deshalb wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht und vermeiden Sie Beleidigungen!

5. Vergangenheit ruhen lassen

In einer Auseinandersetzung wird häufig Vergangenes wiederholt und für die eigene Argumentation verwendet. Dieses Aufwärmen vergangener Fehler ist alles andere als förderlich für die Lösungsfindung. Auch hier möchte ich nochmals eine chinesische Weisheit zitieren:
Ist eine Sache geschehen, dann rede nicht darüber. Es ist schwer, verschüttetes Wasser wieder einzusammeln.
In einem Streit sollten Sie möglichst auf die aktuelle Situation eingehen und nicht Vorkommnisse von früher herbeiziehen.

6. Unter vier Augen

Das Streitgespräch sollte möglichst stets unter vier Augen stattfinden. Das gilt auch für Beziehungen mit Kindern. Oft wird in deren Anwesenheit gestritten. Das verletzt und belastet die Kinder. Auch ein Streit zwischen Vorgesetzten und einem Mitarbeiter soll nicht vor der gesamten Belegschaft ausgetragen werden. Deshalb sollte immer unter vier Augen gestritten werden. Wenn hingegen beide Streitpartner keinen Schlichtungsweg finden, kann eine neutrale Person hinzugezogen werden, welche die Rolle des Mediators übernimmt. Eine objektive Perspektive kann für beide Partner eine wertvolle Hilfe darstellen.

7. Zuhören

Auch wenn es nicht leicht fällt, sollten Sie versuchen, der anderen Person zuzuhören. Also sie nicht unterbrechen, sondern ausreden lassen. Denn in einer Auseinandersetzung überhört man gerne die Anliegen des anderen, weil man nur die eigenen Argumente als die richtigen betrachtet.

8. Zusammenfassen

Auch wenn das jetzt vielleicht praxisfern klingen mag. Aber wenn beide Parteien an einer guten Streitkultur arbeiten und interessiert sind, sollte dieser Punkt nicht außer Acht gelassen werden: Jede Streitpartei sollte die Argumentation des anderen nochmals in eigenen Worten zusammenfassen. Das setzt natürlich auch den vorgenannten Punkt voraus: das Zuhören.
 „Habe ich das richtig verstanden, dass …?“ „Es ist also so, dass …“

9. Lösung bzw. Kompromiss anbieten

Im besten Fall laufen Auseinandersetzungen auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung hinaus. Das Anbieten eines Lösungsvorschlags trägt zu einem konstruktiven Streitgespräch bei.

10. Zeit nehmen

Ein Streit sollte nie zwischen Tür und Angel ausgetragen werden. Auch wenn es in den wenigsten Fällen möglich ist, so lässt sich der Zeitpunkt eines Streitgesprächs manchmal planen. Es ist wie mit einem guten Gespräch. Auch ein konstruktives Streitgespräch erfordert ausreichend Zeit.

11. Sich in die Lage des anderen hineinversetzen

Kritik kann berechtigt, aber auch unberechtigt sein. Trifft letzteres zu, sollten Sie hinterfragen, warum die andere Seite das so sieht. Also versuchen Sie, sich in deren Lage zu versetzen. Das gilt aber nicht nur bei unberechtigten Vorwürfen, sondern generell für jede Auseinandersetzung. Denn oft hilft es, die Perspektive zu wechseln, um sich bewusst zu machen, dass auch die andere Person aus ihrer Sicht durchaus recht hat – wie das die Eingangsgrafik darstellt.

12. Mit Lob beginnen

Abschließend noch ein effektiver „Trick“, um einen Streit in Richtung „konstruktiv“ zu lenken. Beginnen Sie den Streit mit einem Lob und erst dann teilen Sie mit, was Sie stört. Beispiel: „Ich schätze an dir, dass du …, wütend macht mich ...!“ Mit diesen 12 Tipps sollte eine konstruktive Streitkultur gelingen, natürlich vorausgesetzt, alle Beteiligten sind daran interessiert.

Unser Herzensgespräch

Zeitblüten sind Momente und Erlebnisse, die sich vom Alltag abheben, unser Leben wunderbar bereichern und uns einfach guttun – persönliche Momente der Entspannung, des Wohlfühlens, des Krafttankens und des „Abschalten-Könnens“. Abschließend passend zum Thema eine von Leserin Anja eingesendete Zeitblüte. Sie schreibt, wie es ihr gelingt, auch nach langjähriger Partnerschaft Herzensgespräche zu führen:

Zeitblüte

Mein Freund und ich kennen uns nun schon einige Jahre. Wir arbeiten auch zeitweise zusammen und gehen wöchentlich zum brasilianischen Paartanz. Aber zum Herzensgespräch in einer friedvollen und ruhigen Atmosphäre kommen wir erst, wenn wir uns dafür entscheiden und eine Zeit verabreden. Wir setzen uns bewusst gegenüber auf das Sofa und entscheiden gemeinsam, wer den Anfang macht. Wir stellen die Uhr und jeder hat 10 Minuten Zeit, um sich alles von der Seele zu reden, ohne vom anderen unterbrochen zu werden. Dazu benutzen wir einen Redestab, den ich selber gebastelt habe. Das kann ein schön verzierter Ast, ein Handschmeichler oder ein anderes Symbol sein, das einen persönlichen Wert hat und das gut gehalten werden kann. Vorher haben wir für eine ungestörte Atmosphäre gesorgt, haben unsere Handys ausgeschaltet und versuchen, bei uns selbst zu bleiben – also nicht in eine negative „Du-Botschaft“ abzudriften, sobald ein Thema aufkommt, bei dem der andere eine wichtige Rolle spielt. Dann – ohne Kommentar – wird der Redestab an den anderen weitergegeben, der wiederum seine 10 Minuten auskostet. Danach besprechen wir, was noch gesagt werden darf, um das Herzensgespräch abzurunden. Diesmal ohne die 10-Minuten-Regel, sondern in einer offenen Konversation mit Übergabe des Redestabs, sobald einer das Wort ergreift. Danach bedanken wir uns jeweils beim anderen und gehen wieder unseren Aufgaben nach.
Diese Herzensgespräche tun uns unheimlich gut und bereichern unsere Beziehung.
Anja

Herzensgespräche stärken die Beziehung


Zum Weiterlesen:
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