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Die Alm – ein Ort für die Seele

Bei einer Wanderung über Almen und im Gebirge kann ich herrlich abschalten, den Gedanken freien Lauf lassen und neue Energie tanken – es gibt für mich nicht viel Erholsameres. Deshalb bin ich im Sommer häufig in den Bergen (Südtirol) unterwegs und liebe es, nach einer Wanderung auf einer Alm einzukehren.

Almwanderung (aus meinem privaten Album)


Wohl auch deshalb hat mich das Buch „Die Alm – Ein Ort für die Seele“ von Martina Fischer sofort angesprochen. Zu ihren Erfahrungen und Erlebnissen habe ich sie befragt.

Zur Person:

Martina Fischer ist ausgebildete Krankenschwester und Ernährungsberaterin und lebt mit ihrem Mann auf einem Bauernhof am Chiemsee. Schon seit einigen Jahren verbringt sie die Zeit von Mai bis September als Sennerin allein auf einer Alm. Über ihre Erfahrungen berichtet sie in ihrem Buch „Die Alm - Ein Ort für die Seele“, ergänzt mit stimmungsvollen Bildern, kleinen Lebensweisheiten sowie 18 „Almrezepten“ zum Nachmachen: Almbrot, Blütenkräuterbutter, Almrauschlikör, Waldbeerenessig, Almkräutersalz, gebratene Steinpilze, … Ein Buch zum Verweilen, Innehalten und um nach einem stressigen Alltag wieder runterzukommen und sich eine kleine gedankliche Auszeit zu gönnen: 3424631183

Martina, du bist im Sommer auf der Alm. Auf welcher genau und wo liegt sie? Ja, sie liegt im Spitzinggebiet auf gut 1.400 m. Es ist die Krottentaler Alm, aber sie ist nicht ausgeschildert, da muss man sich durchfragen.

Kann man dich dort auch besuchen bzw. können Wanderer dort einkehren? Wer gut zu Fuß ist, kann gerne auf der Alm vorbeischauen. Ob ich jedoch an der Hütte anzutreffen bin oder mich gerade meinen Arbeiten im Weidegebiet widmen muss, kann ich nie genau sagen. Meine Alm ist offiziell keine, die Wanderer bewirtet. Aber wenn ich gerade da bin, richte ich jedem, der kommt, gern eine Almbrotzeit.

Unterwegs im Weidegebiet

Was hat dich eigentlich dazu bewogen, als Sennerin auf eine Alm zu gehen? Im tiefsten Herzen schlummerte dieser Wunsch schon lange. Besonders stark wurde er immer dann, wenn ich in den Bergen und auf Almen war. Als meine Freundin dann auf eine Alm ging und ich sie dort oben oft besuchte, wurde der Wunsch übermächtig und ich habe mich aktiv um eine Almstelle bemüht. Nach vielen Gesprächen mit meinem Mann wagte ich dann tatsächlich den Schritt.

Es ist ja doch ein recht einfaches, ursprüngliches Leben, das du auf der Alm führst – also im Sinne von wenig Komfort. Was reizt dich daran? Es reizt mich sehr, mit ganz wenig auszukommen. Ohne Strom, ohne fließend warmes Wasser, ohne Dusche ... – da können sich meine Sinne wieder entfalten und meine Seele atmet auf. Und auf der Alm habe ich meine ganz konkreten Aufgaben, die ich erledigen muss. Es gibt dort keine andere Ablenkung.
Wenn ich fertig bin, bin ich fertig. Wenn es den Tieren gut geht, Käse und Butter gemacht sind, bin ich glücklich und zufrieden.

Wenn die Butter gemacht ist ...

Unten ist das anders, dort habe ich eine Vielzahl an Möglichkeiten, meine Zeit zu gestalten – ich kann zum Yoga oder auf ein Konzert oder auf ein Fest oder dies oder jenes unternehmen. Das empfinde ich fast als Überflutung. Man hat immer Angst, etwas zu versäumen.
Diese Bedenken gibt es hier oben nicht. Deswegen ist vieles viel einfacher, und das macht mich zufrieden.

Vermisst du etwas auf der Alm? Mir fällt da wirklich nichts ein.

Welche Fertigkeiten muss man mitbringen, um als Sennerin zu arbeiten? Man braucht eine gute körperliche Kondition, darf keine Angst vor dem Alleinsein haben und sollte Freude an der Arbeit haben und unbedingt gern in der Natur sein, und zwar bei jedem Wetter.
Eine gute Intuition braucht man auch – ich spüre oft, wenn es einem Tier nicht gut geht oder wenn irgendetwas nicht stimmt.
Natürlich muss man auch das Wichtigste über die Tiere auf der Alm wissen, also über Rinderhaltung.

Eine gute körperliche Kondition ist erforderlich ...

Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?

Beim Buttern ...

Was ist für dich die größte Herausforderung bzw. Anstrengung? Man möchte es kaum glauben, aber auf der Alm bekomme ich oft zu wenig Schlaf. Ich stehe sehr früh auf, und wenn dann am Abend noch Wanderer bewirtet werden wollen oder ein Problem mit einem Tier auftaucht, dann schlafe ich oft zu wenig. Und wenn ich über Wochen hinweg wenig Schlaf bekomme, macht sich das körperlich und psychisch bemerkbar. Dann habe ich das Gefühl, dass mir alles über den Kopf wächst. Eigentlich freue ich mich über Wanderer, aber wenn die in solchen Momenten eintreffen, wünsche ich mir nur Ruhe.

Und die angenehmste Tätigkeit? Wenn freie Zeit ist, mich an den warmen Bauch meiner Milchkuh zu legen, die auf der Weide liegt und genüsslich beim Wiederkäuen ist.
Dann halte ich ein Mittagsschläfchen und bin einfach nur glücklich.

Was ist für dich das Schönste am Sommer auf der Alm, was zählt mit zu den großartigsten Momenten? Früh morgens, wenn ich losgehe und die Kühe zum Melken hole – das ist unbeschreiblich schön. Auf dem Rückweg sehe ich die Sonne über dem Chiemsee aufgehen. Dann ist hier wirklich niemand unterwegs und es ist wunderbar ruhig. Ich mag auch, wenn der Abend hereinbricht und die letzten Besucher ins Tal zurückkehren. Dann denke ich:
„Wahnsinn, ihr geht jetzt alle runter und ich darf hier oben bleiben.“

„... wenn der Abend hereinbricht und die letzten Besucher ins Tal zurückkehren.“

Gibt es ein Erlebnis, das dich besonders berührt hat? Es sind viele Kleinigkeiten, die mich hier heroben auf der Alm sehr berühren. Unter anderem der gute Zusammenhalt unter den Almleuten und den Almbauern, die intensiven Gespräche, die sich dadurch oft entwickeln, die Spontanität und besonders die Lebensfreude, die hier auf dem Berg stark zu spüren ist.

Gibt es auch heikle, vielleicht sogar bedrohliche Situationen? Die größte Gefahr ist, dass ein Tier abstürzt. Einmal ist bei einem Unwetter eine hochträchtige Kuh von einem ausgesetzten Grat abgestürzt. Ein Hubschrauber hat den Kadaver dann geborgen. Ein anderes Mal hat sich ein Tier in einer Felsspalte das Bein verdreht. Es musste leider getötet werden. Deswegen sind die regelmäßigen Kontrollgänge so wichtig. Wenn die Tiere krank oder verletzt sind, müssen sie schnell gefunden werden.

Fühlt man sich auch einsam – etwa wenn man aufgrund schlechten Wetters längere Zeit keiner Menschenseele begegnet? Es gibt nur eine Phase, in der es hier oben seltsam ist: Nach dem Almabtrieb bleibe ich noch zwei, drei Tage, um die Sachen zu verräumen und Abschied zu nehmen. Aber ohne den Klang der Kuhglocken ist das Leben hier plötzlich so still. Dann fühlt man sich hier wirklich einsam.

Hat dich das Leben auf der Alm verändert? Ich habe auf jeden Fall mehr Selbstvertrauen bekommen.
Ich weiß jetzt, dass ich neue Situationen bewältigen kann und dass ich keine Angst davor zu haben brauche.
Vorher habe ich mich oft verrückt gemacht: Kann ich das, schaffe ich das? Jetzt denke ich mir: Ok, das ist jetzt eine neue Herausforderung. Ein wenig Bauchkribbeln darf man haben, und dann sage ich mir: So, das schaffe ich. Ich habe es vorher auch geschafft. Die Grundeinstellung wird relaxter.

Weil jetzt vielleicht einige LeserInnen auch Lust auf einen Almsommer bekommen haben – gibt es eine Plattform oder eine Kontaktstelle, bei der sich Interessenten melden können?

Und wem würdest du davon abraten? Wer Angst vor Kühen und dem Alleinsein hat, sollte nicht auf eine Alm gehen.

Hast du vielleicht abschließend noch eine Botschaft, die du den Lesern mitgeben möchtest? Was ich selbst auf der Alm gelernt habe:
Weniger ist mehr, öfter innehalten und der eigenen Intuition folgen.
Herzlichen Dank, Martina!

Das Buch von Martina – zum Verweilen, Innehalten und um nach einem stressigen Alltag wieder runterzukommen und sich eine kleine gedankliche Auszeit zu gönnen:

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