Was (m)ein Zeitmanagement-Seminar bringt und wann es nichts bringt

Begonnen habe ich mit Zeitmanagement-Seminaren. Erst später kamen MS Outlook- und Büroorganisation-Seminare hinzu. Auch wenn ich mittlerweile keine Präsenzseminare mehr durchführe, sondern ausschließlich Online-Kurse, so sind die Intentionen, die einen Teilnehmer zur Buchung eines Kurses veranlassen, mehr oder weniger die gleichen wie bei einem Seminar.

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Mehr Lebensqualität mit Zeitmanagement (zurück)gewinnen

„Was bringt Ihr Zeitmanagement-Seminar?“

Diese Frage wurde mir des Öfteren gestellt, als ich mich und mein Zeitmanagement-Seminar zu Beginn meiner Seminartätigkeit – lange ist es her – an diversen Weiterbildungsinstituten vorgestellt habe.

In diesem Beitrag möchte ich die Frage nochmals aufgreifen und sie auch gleich beantworten. Also: Was „bringt“ mein Zeitmanagement-Seminar?

Es hat keinen Sinn, einem Seminarteilnehmer großartige Versprechungen zu machen, was er alles mit der Umsetzung der im Seminar vorgestellten Zeitmanagement-Methoden und Zeitmanagement-Tipps erreicht, wenn er sich beispielsweise in einem Arbeitsumfeld bewegt, in dem er extrem fremdbestimmt wird.

Ich kann ihm allerdings den Zusammenhang zwischen Fremdbestimmtheit und Selbstmanagement ins Bewusstsein rufen. Ich kann ihm Methoden vorstellen, mit denen er (auch fremdbestimmte) Tätigkeiten effizienter erledigt.

Ich kann ihn dazu animieren, eingefahrene Denkmuster zu hinterfragen und ihn zu Gewohnheitsänderungen motivieren, die seine Herangehensweise in der täglichen Arbeit verändern. Ich kann ihm Werkzeuge vorstellen, die ihn dabei unterstützen, den Überblick nicht zu verlieren.

Und genau damit kann ich meinen Beitrag leisten, damit der Seminarteilnehmer in Zukunft den Arbeitsalltag leichter bewältigen, aber auch im Privatbereich die Zeit besser für sich nutzen kann – auf welche Weise er das auch immer will – und dadurch ein Stück Lebensqualität (wieder)gewinnt.

Das ist also der Mehrwert, den das Seminar bringt/bietet.

Im Zuge meiner mehrjährigen Seminartätigkeit konnte ich viele Teilnehmer und ihre Motivationen kennenlernen. Mit einigen bin ich heute noch in Kontakt und konnte dadurch mitverfolgen, was ihnen das Zeitmanagement-Seminar gebracht hat.

Im Folgenden einige meiner persönlichen Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit den Seminarteilnehmern.

Der ideale Kurs-/Seminarteilnehmer hat Leidensdruck

Für mich ist der ideale Teilnehmer eine Person mit großem Leidensdruck. Warum?

Nun, dieser Leidensdruck – basierend auf den belastenden Konsequenzen durch beispielsweise schlechtes Zeitmanagement – ist meiner Erfahrung nach die optimale Voraussetzung, um wirklich nachhaltige Änderungen in Handlungs- und Denkmustern zu bewirken.

Denn die Umsetzung eines effektiven Zeitmanagements besteht in erster Linie in Änderungen von Gewohnheiten und eingefahrenen Denkmustern, die sich meist über Jahre gebildet haben.

Diese Änderungen sind ein Prozess, der nicht von heute auf morgen möglich ist. Und genau deshalb bedarf es einer gehörigen Portion an Motivation, um diesen Veränderungsprozess in Gang zu bringen, zu bewältigen, dranzubleiben und damit neue Gewohnheiten und Denkmuster zu etablieren.

Zum Leidensdruck ein Beispiel – kein fiktives, sondern eines, das so stattgefunden hat:

Max – ich nenne ihn einfach mal so – ist Projektmanager, fachlich kompetent, Soft Skills sind vorhanden. Aber was das Organisatorische betrifft, ist er eher „talentfrei“ unterwegs. Max ist in seinem Büro ständig am Suchen: Dokumente, Unterlagen, Dateien … Mit diesen Suchvorgängen verstreicht täglich wertvolle Zeit, die er eigentlich in seine Projekte investieren müsste.

Die Folge:

Fälligkeits- bzw. Projekttermine werden nicht eingehalten, Max macht täglich Überstunden, ist ständig daran, Brandherde zu löschen, fühlt sich immer mehr ausgebrannt (Burnout-Gefahr!), kann von der Arbeit nicht mehr richtig abschalten …

Und als wäre das noch nicht genug, hat ihm ein großer Auftraggeber einen Schuss vor den Bug verpasst: Sollte es zu weiteren Projektverzögerungen kommen, werden zukünftig keine Folgeaufträge von diesem Unternehmen kommen.

Der Leidensdruck von Max ist offensichtlich groß und nahe seiner “Schmerzgrenze” – optimale Voraussetzungen für nachhaltige Veränderungen, auch wenn Max nicht umgehend einen Kurs bzw. ein Seminar besucht, um sich die entsprechenden organisatorischen Kompetenzen anzueignen, sondern zuerst das Projekt des erwähnten Auftraggebers abschließt.

So viel zum Thema Leidensdruck.

Nicht jedem kann geholfen werden

Zu Beginn meiner Seminartätigkeit war ich mit einer gehörigen (Über-)Portion an Idealismus ausgestattet. Erst nach mehr Seminarerfahrung hat sich ein Teil dieses Idealismus in Realismus umgewandelt.

Das bedeutet aber nicht, dass sich an der Leidenschaft in Anbetracht meiner Seminartätigkeit etwas geändert hat – im Gegenteil! Mir bereitet es immer noch große Freude, andere auf dem Weg zu mehr Effizienz und Produktivität zu begleiten.

Zum erwähnten Realismus:

Da können die Inhalte des Seminars noch so gut und die positiven Feedbacks noch so zahlreich sein, es wird immer Teilnehmer geben, die aus dem Seminar in den Arbeitsalltag zurückkehren und kaum etwas oder nichts (!) in die Praxis umsetzen, obwohl ihnen das Seminar zugesagt hat.

Die Gründe hierfür sind vielfältig und waren mir zugegebenermaßen anfangs nicht bewusst. Um nur einige zu nennen:

  • die Teilnahme am Seminar erfolgt mit Widerwillen, weil nicht auf eigenen Wunsch, sondern extern gefordert, z. B. vom Vorgesetzten
  • der genannte Leidensdruck ist nicht vorhanden
  • nach dem Seminar kommt es zu einer Änderung der Arbeits-/Lebenssituation
  • Altes beizubehalten ist der bequemere Weg als Neues umzusetzen (da sind wir wieder beim fehlenden Leidensdruck)
  • manche Menschen brauchen/wünschen sich eine Begleitung, um dranzubleiben. Nach dem Besuch eines Seminars ist diese in der Regel nicht mehr gegeben. (Dieser häufig geäußerte Wunsch war mit ein Grund, warum ich mein Angebot von Seminaren auf Online-Kurse mit persönlicher Betreuung geändert habe.)
  • zurück im Arbeitsalltag will der eine oder andere Teilnehmer – trotz eindringlicher Warnung im Seminar – alles möglichst gleichzeitig umsetzen, fühlt sich dadurch überfordert und gibt in weiterer Folge frustriert auf

Unter diesen Umständen bringt die Teilnahme am Seminar nichts oder zumindest nicht den gewünschten Erfolg.

Fazit

In ein Seminar kommen Teilnehmer mit unterschiedlichen Motiven und Anforderungen. Diese Seminarteilnehmer an einem gemeinsamen Punkt abzuholen, ist schwierig bzw. oft gar nicht möglich – muss es auch nicht sein. Letztlich kann ich als Seminarleiter den Teilnehmern nur nach bestem Wissen Möglichkeiten aufzeigen sowie ihr Bewusstsein für bestimmte Zusammenhänge wecken und sie motivieren.

Was sie letztlich daraus machten, hängt u. a. von der persönlichen Motivation ab, die sie veranlasst hat, das Seminar zu besuchen.

Zum Weiterlesen: 



Kommentare

  • Wolfgang Konczer

    Also, ohne jetzt Werbung für Ihre Seminare machen zu wollen: Ich habe vor Jahren (ich glaube 2006) an einem Ihrer VHS Seminare zum Thema Zeitmanagement teilgenommen. Ich habe es in positiver Erinnerung. Es ist sicher kein Allheilmittel, hat mir aber bei der Betrachtung der eigenen Situation geholfen.

    Gemerkt habe ich mir auch Ihr Motto “Wer schreibt, der bleibt”. :-)

    Liebe Grüsse,
    Wolfgang Konczer

    Wolfgang Konczer antworten

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