Zeitblüten: der aufziehende Morgen, Balsam für alle Sinne, erlaubte Aufregung

Zeitblüten-Einsendungen:

Der aufziehende Morgen

Ich arbeite in der Leitstelle und Verwaltung eines Rettungsdienstes. Gelegentlich, besonders in Nachtschichten, wenn ich mal kurz den Kopf frei kriegen muss, stelle ich mich bei uns in der Leitstelle (7.OG) ans offene Fenster, sehe in den aufziehenden Morgen und die Berliner Skyline, atme diese frische Luft, die aus dem Park herüber zieht und kriege den Kopf frei.

Das sind dann nur zwei oder drei Minuten, aber die helfen mir jedes Mal, wieder auf Null zu kommen und mich dann auf den nächsten Anruf voll einzulassen.

Vincent Thier

Balsam für alle Sinne

Eine Zeitblüte für mich ist ein Spaziergang am Meer! Das ist Balsam für alle Sinne: NUR die Natur sehen, fühlen und hören. Kein Beton und Asphalt, kein Autolärm – sondern Weite und Stille.

Ulrike Brede

In Kinderaugen blicken

Leider habe ich es aus verschiedenen Gründen – wie Hausbau und Studium – versäumt, meine Kinder bei den ersten Schritten zu begleiten. Heute befinden diese sich im Teenageralter und ich mich mitten in einem anspruchsvollen Berufsleben mit wenig Zeit zum Abschalten.

Die Wochen und Monate fliegen vorüber und Kinderwünsche werden oft erfüllt, um eine kurzfristige und allgemeine Balance im Alltag zu erreichen.

Kürzlich habe ich, aus einem mir heute unergründlichen Zufall, lange und tief in die Augen eines der Kinder gesehen und mich und meine Kindheit darin wieder entdeckt.

Ein langanhaltender und strahlender Blick aus Kinderaugen und ich wusste sofort, was ein gerechter Lohn für mein Einhalten war. Aber auch die Strafe für das zu lange Versäumnis.

Oliver B.

Ins Lebensbuch blicken und erlaubte Aufregung

In meinem Beruf als Trainerin erlebe ich die skurrilsten, spannendsten und oft auch sehr betroffen machende Begebenheiten. Zwei Dinge, die mir enorm helfen, damit umzugehen:

Der Blick ins Lebensbuch

Wenn so ein intensives Gespräch mit einem Kunden/Teilnehmer/Klienten zu Ende ist, mache ich symbolisch das Lebensbuch des Teilnehmers zu und bedanke mich, dass er/sie mich daran teilhaben hat lassen.

Dadurch bleibt die Geschichte in der Verantwortung des Betreffenden und ich kann mein Mitgefühl einbringen, Anregungen geben oder einfach nur zuhören – ohne die Geschichte zu meiner eigenen zu machen.

Aufregung erlauben

Manchmal gestatte ich mir ganz bewusst eine Aufregung unter dem Motto:

Wenn es jetzt passt, erlaube ich mir, mich aufzuregen.

Allein diese Erlaubnis, ein bestimmtes Gefühl zu einem selbstgewählten Zeitpunkt haben zu dürfen, entschärft die Situation ungemein. Und oft muss ich darüber lachen – auch über mich selbst. Dann muss ich mich nicht mehr so wichtig nehmen.

Gabriele Hofmeister



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