Zeitblüten: ein Danke, kritzeln

Zeitblüten-Einsendungen:

Laufen

Meine Zeitblüte ist für mich das Anziehen meiner Laufschuhe und dann loszulaufen. Mit guter Musik im Ohr quer durch die Stadt oder den Park. Mal vom gewohnten Weg abbiegen und weiterlaufen, manchmal in ungewohnten Richtungen. Die Atmung und Straße spüren und an schöne Momente mit Freunden und Familie zurückbesinnen.

H.D.

Ein Danke

Wenn du die Hand eines Hilfsbedürftigen hältst und mit der Kraft deines Herzens dabei bist, kannst du spüren, dass auch du gehalten wirst.

Dazu folgendes Erlebnis:

Ich habe freiwillig in einem Pflegeheim ausgeholfen und zum Mittagessen den Damen das Essen gereicht. Eines Tages fehlte eine der Damen, weil es ihr sehr schlecht ging und sie im Bett geblieben war.

Sie war selten ansprechbar und zeigte keine Reaktion auf Worte, die an sie gerichtet waren. An ihrem Bett nahm ich – wie immer – ihre Hand in meine linke und reichte ihr mit der anderen das Essen. Plötzlich drückte sie meine Hand, ein tiefes Lächeln zog über ihr Gesicht und sie hauchte mir ein “Danke” zu.

Nicht nur an diesem Tag, sondern den Rest meines Urlaubs gab mir dieses Erlebnis Kraft und ein Gefühl von Aufgehobensein. Meine eigenen Sorgen rückten in den Hintergrund und eine beruhigende Zuversicht bestimmte meine nächsten Tage und Wochen.

Birgit Müller-Klaes, Rostock

Nordic Walking

Seit meiner Herz-OP habe ich das Nordic Walking für mich entdeckt. Wenn ich die Stöcke nehme und loslaufe, gehen schon die Mundwinkel hoch und es kommt ein Lächeln.

Wenn ich dann ein Stück gelaufen bin, bekommen meine Gedanken “Flügel” und sind nicht mehr so tranig wie früher. Ausserdem bin ich in der wunderschönen Natur und in der frischen Luft. Das ist jedes mal eine Zeitblüte für mich.

Bernd

Freudvolles Kritzeln

Vor einiger Zeit lernte ich einen sehr interessanten Menschen kennen. Es war eine Frau Mitte 40. Wir trafen uns im Wartezimmer beim Arzt. Sie erzählte mir, dass sie gerne malt und ich ihr, dass ich gerne schreibe.

Wir vereinbarten uns an einem Freitag Vormittag zu treffen. Ich besuchte sie zu Hause. Ein wunderschöner alter Bauernhof, der restauriert wurde. Ein heimeliges Gefühl verbreitete der beheizte große gusseiserne Ofen.

Sie erzählte mir, sie könne nur malen, was sie vor sich sieht, sie hätte keine Fantasie. Ich kann zwar überhaupt nicht zeichnen, weil ich die Dinge nie in den richtigen Proportionen schaffe. Aber trotzdem zeichne ich gerne und bezeichne es eben als Kritzeln.

Dann bat ich sie um Papier und zeigte ihr, dass Papier mein Freund ist, weil ich viel damit anfangen kann. Ich fertigte eine Kusudamaeinheit vor ihren Augen an.

Sie wollte es auch lernen. Dann saßen wir da, genossen die Wärme des rustikalen Ofens und sie diktierte mir, was ich zeichnen soll und ich versuchte es einfach.

Auch wenn es nicht so geworden war, wie ich wollte, so hatten wir doch riesigen Spaß, weil ich mich einfach dem Moment des Erfindens und Ausprobierens hingab.

Auch sie entdeckte plötzlich, dass sie sehr wohl Fantasie hatte. Aber nur wenn sie mit ihrer linken Hand zeichnet und mit der rechten die Dinge dann perfektioniert. Also die Ideen holt sie sich mit der linken Hand und mit der rechten macht sie es dann visuell ansprechend.

Die Zeit verflog sehr schnell. Ich kam beinahe zu spät zur Schule, um meine Kinder abzuholen. Das waren wunderschöne unbeschwerte Stunden.

Diane Wagner



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