Zeitblüten: Berührungen / Ecki / Begleitet von Rehen

Zeitblüten-Einsendungen:

Berührungen

Mein Mann und ich massieren uns gegenseitig seit etwa einem Jahr einmal pro Woche. Wir haben dafür einen fixen Termin im Kalender. Die Massage ist absichtslos und nach einiger Übung sowohl für den Gebenden als auch für den Empfangenden sehr genussvoll und entspannend.

Als Kind erfährt der Mensch so viel Berührung, im Alter wird diese immer weniger. Wir beide merken, wie gut uns diese liebevolle, entspannende Berührung tut und wie sie uns einander näher bringt.

Nora

Ecki

Ich wohne in einem kleinen Dorf in Thüringen, das eine Besonderheit hat: einen freilaufenden Hund (Golden Retriever) mit Spitznamen „Ecki“.

Von meinem Küchenfenster aus sehe ich ihn öfter, wie er über die Wiesen und Felder streicht, sich aber nie lange aufhält, weil er die Menschen und ihre Zwänge, ihn einzusperren, fürchtet.

Er hat den „Freibrief“ bekommen, frei zu sein. Die Gemeinde bezahlt die Hundesteuer und Haftpflicht-Versicherung, eine Einwohnerin füttert ihn und andere Einwohner haben ihm eine kleine Schutzhütte gegen Kälte und Wind gebaut.

Jeden Sonntag gegen 16:00 Uhr liegt er auf einem bestimmten Platz am Berg und sieht sich von oben sein „Dörfli“ an. Wir warten schon immer ganz gespannt auf sein Erscheinen.

Wir empfinden es als wunderschön, ein Tier beobachten zu können, das seine Freiheit ausleben darf und sich freiwillig an menschliche Regeln hält.

Angelika

Die kleinen Dinge

Für mich ist jeder Tag ein Geschenk, den ich mit offenen Armen empfange. Denn in der heutigen Zeit, wo alles schneller, besser sein und jeder alles haben muss, gehen die vermeintlich kleinen Dinge in der Alltagshektik oft verloren.

Mein Motto:

Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück durch Vernachlässigung kleiner Dinge (Wilhelm Busch).

Theresa

Begleitet von Rehen

Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich ein Lauf im Wald.

Es war etwas nass, aber nicht zu kalt und dafür total ruhig. Mir ist während der ganzen Stunde kein Mensch begegnet. Aber dafür sind mir auf einem schmalen Pfad hangabwärts durch einen weiten Nadelwald Rehe begegnet, die mit mir zusammen durch den Wald gehüpft sind.

Erst ein Reh, das unmittelbar an mir vorbei und dann vor mir hersprang, als ob es über den unebenen Boden tanzen würde. Und dann noch ein weiteres, das nur ein paar Meter von mir entfernt wie in Zeitlupe vorbeihüpfte.

Es war nicht nur ein Augenblick, sondern gute zehn Sekunden, die wir zusammen durch den Wald gelaufen sind. Die Rehe schienen sich nicht an mir zu stören. Im Gegenteil, sie schienen mich willkommen zu heißen.

Es war für mich wie in einer anderen Welt, in der Harmonie und Frieden das höchste Gesetz sind. Einfach unbeschreiblich und inspirierend.

Benjamin



Kommentare

  • petronella-anouschka

    “Ecki” hat mich sehr berührt.

    Es freut mich sehr, dass so etwas in den heutigen Zeit noch möglich ist.
    Vielen, vielen Dank für diese Zeitblüte.

    Selber habe ich ca. 5 Jahren lang einen Kater auf diese Art begleitet. Pünktlich kam er 2 x am Tag zu Tisch und saß dann oft lange Zeit einfach dort, hat mich beobachtet und hat gewartet, bis ich ihm seinen Teller nochmal nachgefüllt habe.

    Er aß immer sehr langsam und bedächtig. Niemals war er zudringlich oder habe ich gesehen, dass er sein Essen verschlang. Ich habe ihm gerne dabei zugesehen. Diese Bescheidenheit und liebevolle Dankbarkeit hat mich immer wieder fasziniert und tief bewegt.

    petronella-anouschka antworten
  • Martin

    Über Ecki wurde in der Hundeprofi-Sendung auf VOX vom 9.2.2013 mit Martin Rütter berichtet. Ich denke, man kann die Sendung im Internet noch eine gewisse Zeit anschauen. Es ist eine eindrückliche Episode, die auch gewisse Grenzen aufzeigt. Weil das Tier so scheu und zurückhaltend ist und keine Gefahr für Menschen oder andere Tiere darstellt, finde ich es schön, dass es nun auch auf Gemeindeebene toleriert wird. Hoffentlich bleibt es so.

    Martin antworten
  • Wilde Hirsche

    In der Nähe von Landsberg am Lech (Bayern) gibt es ein kleines Wäldchen, in dem man im Winter Hirsche füttern kann. Wilde Hirsche, wohlgemerkt. Also kein Gehege oder Tierpark. Ich erfuhr davon durch eine Freundin, die mich dorthin mitnahm.

    “Es ist auch nicht sicher, dass wir welche zu sehen bekommen”, sagte meine Freundin. “Es sind eben Wildtiere.”

    Wir stapften eine halbe Stunde in den verzaubert glitzernden Winterwald – und plötzlich waren sie da. Hatten uns wohl schon beobachtet. Außer uns war keine Menschenseele dort. Und so kamen sie plötzlich von allen Seiten. Wachsam, vorsichtig. Dampfwölkchen aus den Nüstern. Ich war wie verzaubert. Noch nie hatte ich einem Hirsch direkt gegenüber gestanden.

    Meine Freundin legte ein Stück Brot in Ihre Handfläche und flüsterte: “Du musst mit dem Geweih vorsichtig sein, wenn sie zum Fressen den Kopf senken.” Und tatsächlich! Als ich einem ein Stück Brot anbot, musste ich meinen Kopf schnell einziehen, um nicht härter getroffen zu werden! Aber es war magisch. Ein wilder Hirsch frisst aus meiner Hand!

    Nach ein paar Minuten – wir hatten noch lange nicht all unser Brot verfüttert – kamen mehr Menschen, und die Hirsche verschwanden. Heimlich und sanft, wie sie gekommen waren.

    Markus antworten

Diesen Artikel kommentieren

Bitte die Kommentarregeln berücksichtigen. Danke!