Zeitblüten: Auszeit für 30 Minuten / Phantasiereise / Pferd / YingYang

Auszeit für 30 Minuten

Nach einem Burnout war ich in einer Klinik – dort bekam ich “Powernudel” die Hausaufgabe, täglich mind. 30 Minuten ins Bett zu gehen – und nichts zu tun. Kein Radio, kein Buch – nix! Einfach nur Ruhe halten. Das war für mich anfangs unglaublich schwer, aber schon bald gewöhnte ich mich daran und das Ritual habe ich über all die Jahre beibehalten.

Komme ich einmal nicht dazu, spüre ich das und schleppe mich durch den Tag. Energieaufladen beginnt für mich im Bett.

Birgit

Eine Phantasiereise

Heute habe ich wieder eine Phantasiereise unternommen – für 5 Minuten, nach der Mittagspause.

Ich habe begonnen, in Gedanken von 1 bis 50 zu zählen, um mir – ohne Uhr und ohne Handy – Zeit zum Durchatmen zu nehmen.

Und dann plötzlich habe ich mir jede Zahl als Ereignis vorgestellt, erst als großes Schild, zu dem ich gegangen bin, dann einen Tunnel, dann als Boot, mit dem ich eine kleine Fahrt gemacht habe, als Blume, in die ich hineingeklettert bin, als Vogel, auf dem ich geflogen bin (einem Schwan) – verbunden mit vielen Farben. Das hat richtig gut getan.

Matthias

Mein Pferd

Als berufstätige Mutter von drei kleinen Kindern weiß ich oft nicht, wo mir der Kopf steht. Ich bin oft müde und erschöpft.

Dann ist meine Zeitblüte ist mein Pferd, eine junge Stute. Auf ihrem Rücken verschwinden alle Sorgen. Ich reite in der Natur, lasse die Seele baumeln und meine Gedanken fließen.

Manchmal erzähle ich mir (oder ihr) halblaut eine Geschichte. Plötzlich lösen sich die Knoten in meinem Gehirn, oder es kommen mir neue Ideen. Nach meinem Ausritt fühle ich mich wieder im Gleichgewicht.

S.T.

YingYang

Ich habe darüber nachgedacht, ob ich eigentlich auch oder überhaupt in der Lage wäre, eine persönliche “Blüte” beizusteuern. Nach doch längerer Zeit fiel mir dann ein Traum ein – eigentlich war es eine bildliche Meditationsidee, die ich mal als “Einschlafhilfe” genutzt habe und die auch immer noch bestens funktioniert:

yingyang

Meine Zeitblüte ist die Vorstellung, von “oben” kommend/schwebend auf einer sehr großen Scheibenebene zu landen, die sich majestätisch wie eine Galaxie unter mir um ihr Zentrum dreht und aus der Vogelperspektive das YingYang-Symbol trägt.

Aus der Höhe betrachtet dreht sich die Scheibe beruhigend langsam. Während ich beim Sinken der Scheibenoberfläche immer näher komme, scheint sich die Geschwindigkeit der Scheibe zu erhöhen und die Kontrastlinie bedrohlich sensenartig “vorbeizufegen”.

Allmählich beginne ich mich zu fragen, ob ich mich bei einer “Landung” überhaupt auf der Scheibe werde halten können. Jeder erinnert sich sicher an die Drehscheiben auf Kinderspielplätzen und weiß noch, wie schwer es schon ist, sich auf einer solchen doch recht kleinen Scheibe zu halten.

Mein Sinken geht stetig voran und die Geschwindigkeit des Symboles unter mir scheint sich unbeirrbar zu erhöhen. Schon sehe ich nur mehr den sich weit biegenden Trennbereich zwischen dem schwarzen und dem weißen Bereich des Symboles.

Mir scheint, ich werde eher am Rande der Scheibe landen. Der Gedanke treibt mich um, wie hoch wohl die Rotationsgeschwindigkeit eines gedachten Punktes in meinem Zielgebiet sein wird und was das für meine Landung bedeutet.

Rein hypothetisch wäre die Geschwindigkeit eines Punktes auf dem Rande einer unendlich großen Scheibe dann wohl auch unendlich groß. Was aber würde das für jeden Punkt bedeuten, der weiter innen liegt?

Er würde sich, je weiter innen er liegt, immer langsamer um das Zentrum drehen! Wenn ich mir eine unendlich große Scheibe vorstellen kann, kann ich mir auch einen unendlich kleinen Zentrumbereich dieser Scheibe vorstellen.

Was, wenn es mir gelänge, mich auf das Zentrum der Scheibe zuzubewegen und gleichzeitig immer kleiner zu werden…?

Winzig klein, nanoklein…und noch kleiner! …dem Zentrum mit jeder Größeneinheit näher kommend, ohne es je zu erreichen! Ich müsste dann doch irgendwann eine Rotationsgeschwindigkeit gegen Null bekommen!?

Die Vorstellung gefällt mir und eine tiefe Ruhe kommt über mich – ich halte in Erwartung des Aufpralles und des unvermeidlichen “Weggeschleudertwerdens” durch die Fliehkraft schon seit geraumer Zeit die Augen geschlossen und fühle mich plötzlich immer stärker zum  Zentrum der Scheibe hingezogen.

Vor meinem geistigen Auge rotiert der Kontrastbogen unter mir immer langsamer und nach einer Ewigkeit des Weitersinkens unter gleichzeitiger beständiger Verkleinerung meiner selbst, scheint die Ebene nur mehr aus einer weißen und einer schwarzen Hälfte zu bestehen, die sich kaum noch wahrnehmbar um den Mittelpunkt zu drehen scheinen, auf den ich jetzt zusteuere.

Ich kann auf Grund des Fehlens irgendwelcher Bezugspunkte schon seit längerer Zeit nicht mehr sagen, in welcher physikalischen Höhe ich mich über der Ebene befinde. Es könnten Millimeter oder Kilometer gleichermaßen sein.

Es ist mir egal – alles ist unendlich langsam – es gibt keine messbare Zeit mehr und nichts ist mehr wichtig. Alles steht still. Das Königreich der Stille – einfach nur Ruhe. Ein ewig dauerender Moment.

Plötzlich – nach 2 Milliarden Jahren – tauche ich in die Grauzone zwischen Schwarz und Weiß ein – alles Grau für eine messbar kurze Zeit, dann immer heller, farbig – wache ich vollkommen erholt und mit einer wahnsinnigen “Lust auf Geschwindigkeit” auf.

Klaus Middendorf

Hier geht’s zu den weiteren Zeitblüten-Einsendungen.



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