Reinhold Stritzelberger: Mehr Zeit für die Familie? So klappt’s!

Zur Person:

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Reinhold Stritzelberger, Gründer und Inhaber von RS-Training, DIN-zertifizierter Business-Coach und Business-Trainer.Unternehmen buchen ihn für Schulungen und langfristige Seminarmodule, vorrangig um Veränderungsprozesse in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung, Motivation und Kommunikation in die Wege zu leiten und zu begleiten.

Auftritte in Funk und Fernsehen machten ihn bekannt. Autor des Bestsellers (Buch plus 3 CDs) „Das Ampelprinzip der Rhetorik“.


Mehr Zeit für die Familie? So klappt’s!

„Was ist für Sie in Ihrem Leben am wichtigsten? Denken Sie bitte einmal zwei Minuten darüber nach und schreiben Sie die Antworten auf.“

So beginne ich manchmal Seminare und Trainings für hochrangige Führungskräfte mit dem Thema „Dauerhafte Selbst-Motivation“. Hierbei geht es darum, herauszufinden, was uns im Leben antreibt – und dazu gehört eben beispielsweise, was uns wirklich wichtig ist.

Raten Sie mal, was fast durchgehend als Antwort auf diese Frage kommt… genau: „Gesundheit“ und „Familie“. Dann frage ich weiter: „Jetzt haben Sie gesagt, was für Sie am wichtigsten in Ihrem Leben ist. Bitte denken Sie einmal darüber nach:

Wie viel Zeit investieren Sie für das, was Ihnen am wichtigsten ist?“

Dann herrscht meist betretenes Schweigen. Viele Manager wissen ganz genau, wie wertvoll ihre Gesundheit ist. Sie hegen und pflegen ihren Körper, gehen joggen, ins Fitnessstudio usw. Aber die Familie kommt eigentlich immer zu kurz.

In über 40 Podcasts zu „Das Abenteuer Familie“ habe ich mich damit beschäftigt, wie wir es schaffen, das, was uns so wichtig ist – nämlich die Familie – auch im Alltag wieder an die Stelle zu setzen, an die sie gehört: an die erste.

Dass das nicht in ein paar Zeilen und mit einigen Tipps abgehakt werden kann, liegt auf der Hand. Für tief liegende Probleme gibt es keine oberflächlichen Lösungen. Und beim  Thema Familie können Sie alles, aber auch wirklich alles vergessen, was Sie je über Zeitmanagement gehört haben.

Hier geht es nicht um Listen, die abgehakt werden, nicht um irgendwelche Tools oder Techniken, um irgendwo noch den Zoobesuch mit den Kindern reinpressen zu können.

Da kann der beschäftigte Papi nicht in seinem Time-Planer schauen, ob er noch ein bisschen Zeit für seine dreijährige Tochter findet, die weinend vor ihm steht und mit ihm spielen möchte.

Was also tun?

Zuerst einmal geht es um eine einzige, ganz entscheidende Frage:

Wie wichtig ist mir tatsächlich meine Familie? Und: Was bin ich bereit, dafür zu tun?

Auf die beiden Fragen antworten die meisten mit „sehr wichtig“ und „fast alles“. Gehen wir einmal davon aus, dass das keine Lippenbekenntnisse sind. Dann stellt sich die nächste Frage:

Was kann ich tun, damit ich meiner Familie – auch zeitlich! – wieder den Stellenwert einräume, den sie verdient hat?

Die meisten Manager wissen oder wüssten, was sie zu tun haben, wenn ihre Firma oder Abteilung in eine Krise gerät. Bei der Familie sind sie meist aufgeschmissen. Da gibt es  kein Patentrezept.

Der erste Schritt besteht also darin, dass Sie sich wirklich wieder mehr Zeit für die Familie
nehmen WOLLEN!

Und diesen Schritt kann ich in dem Text hier nicht beeinflussen. In meine „Beziehungs-Power-Seminare“ kamen stets Paare, die ihre Beziehung wirklich verbessern wollten. Da war der erste Schritt schon getan. Erst dann kann man zum zweiten Schritt übergehen.

Ich habe schon so viele Paare erlebt, die viele Jahre und Monate intensiv an ihrer Beziehung gearbeitet hatten – nur um dann festzustellen, dass der eine schon lange innerlich gekündigt und aufgegeben hatte. Von daher führt kein Weg daran vorbei, dass Sie sich ernsthaft hinterfragen, ob Sie tatsächlich mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen wollen.

Sie lachen und meinen „natürlich will ich das!“ Nun, so sicher ist das nicht. Im Berufsleben kriegen Sie jede Menge Selbstbestätigung, Sie feiern Erfolge, Sie meistern Krisen, Sie werden für Ihre Leistung bezahlt.

In der Familie ist selten einer dankbar, dass Sie die stinkigen Windeln wechseln, den Kindern Frühstück machen oder früher von der Arbeit nach Hause kommen, um noch eine Runde Fußball mit dem Sohnemann zu spielen – der dann vielleicht gar nicht zu Hause ist. Vielleicht reagiert Ihr Lebenspartner auch nicht ganz so positiv wie die Sekretärin, die sich immer freut, wenn der Chef ins Büro kommt? Und vielleicht können Sie in der Familie die Geschicke auch nicht ganz so zielstrebig und sicher lenken wie bei der Arbeit?

Also: Beantworten Sie sich im ersten Schritt ehrlich die Frage, ob Sie tatsächlich mehr Zeit mit Ihrer Familie verbringen wollen.

Wenn Sie das wirklich wollen, dann gebe ich Ihnen jetzt zwei Hilfsmittel an die Hand, mit denen Ihnen in wenigen Wochen wieder mehr Zeit für die Familie bleibt und Sie ein deutlich intensiveres Familienleben führen werden:

  1. Hören Sie Ihrem Partner richtig zu.
  2. Entwickeln Sie eine Familien-Vision.

Hören Sie Ihrem Partner richtig zu

Vielleicht denken Sie sich insgeheim: „Was soll das? Das tue ich doch schon längst.“ Aber Achtung! Die meisten Menschen können nicht richtig zuhören. Meist, weil Sie es nicht gelernt haben. Richtig zuhören bedeutet, die eigenen Interessen in den Hintergrund zu stellen, dem anderen – in dem Fall Ihrem Lebenspartner – einfach aufmerksam zuzuhören.

Fragen Sie ohne Hintergedanken nach. Verzichten Sie darauf, Lösungen anzubieten.

Das geht natürlich auch umgekehrt – dann hört der Partner Ihnen zu.

Planen Sie regelmäßige Gespräche einmal die Woche ein.

Bewährt haben sich feste Zeiten von 90 Minuten (pro Woche). Starten Sie mit der Frage „Was beschäftigt mich gerade am meisten?“ Wichtig: Wenn ein Termin, aus welchen Gründen auch immer, nicht statt finden kann – sagen Sie ihn nicht komplett ab, sondern verschieben Sie ihn.

Sorgen Sie dafür, dass Sie in diesen 90 Minuten nicht unterbrochen werden. Sie werden schon bald merken, wie viel Tiefe in der Beziehung zu Ihrem Lebenspartner möglich ist. Zudem werden Sie diese Gespräche nicht mehr missen wollen – und als Jungbrunnen für Ihre Beziehung empfinden.

Entwickeln Sie eine Familien-Vision

Zuerst einmal: Was ist eine Familien-Vision und was bringt die? Nun, sagen wir es mal folgendermaßen: Nicht die Geschwindigkeit ist entscheidend, sondern die Richtung. Die Richtung muss stimmen. Das können Sie sich wie bei einem Navigationssystem im Auto vorstellen. Da geben Sie am Anfang Ihr Ziel ein. Und dann fahren Sie los. Ihr Navi sagt Ihnen immer, wo Sie abbiegen müssen. Und das tun Sie in der Regel auch.

Was passiert, wenn Sie das nicht tun?

Dann berechnet das Navi die Route neu und lotst Sie anderweitig zum Ziel.

Das Wichtigste überhaupt ist also, dass Sie ein Ziel gemeinsam mit Ihrer Familie haben.

Wo wollen Sie mit Ihrer Familie hin? Wie sollen die Kinder einmal werden? Wie wollen Sie mit Ihrem Partner zusammen leben? Was ist Ihnen wichtig? Wo wollen Sie gemeinsam in x Jahren stehen?

In Firmen, in Abteilungen ist das meist ganz selbstverständlich. Im Idealfall gibt es gemeinsame Ziele, die dann von allen verfolgt werden. Quartals- und monatsweise schaut man, inwieweit man denen näher gekommen ist oder, wenn nicht, was man unternehmen muss, um wieder auf Kurs zu kommen.

Im Familienleben macht das fast niemand.

Bis vor kurzem gab ich ab und an ausschließlich für Manager und ihre Lebenspartner ein zweitägiges Seminar. Und, so unglaublich es klingt, aber es ist so:

Die Manager taten  sich fast immer verdammt schwer, sich auszumalen, wo sie mit ihrer Familie ankommen wollen. Da tauchte dann oft die Frage auf: „Was ist denn eigentlich Erfolg in der Familie?“ Darf man sich da überhaupt Ziele setzen? Kann man sich für Gefühle, für Vertrauen, für Liebe Ziele setzen?

Lassen Sie sich darauf ein. Sie können schon jetzt darauf gespannt sein. Im Prinzip ist das wie eine Reise. Sie planen gemeinsam einen Urlaub und jeder darf sein Scherflein dazu beitragen. Und dann geht die Reise los. Die Reise zu Ihrer Familien-Vision. Lassen Sie sich auf diese Reise ein. Ich kann Ihnen versprechen: Es wird ein Abenteuer.

Woher Sie die Zeit dafür nehmen sollen? Die kommt von ganz alleine – weil Ihnen die Zeit dafür so wichtig ist.

Versprochen!

Kommentare

  • Peter Hinzmann

    Sehr geehrter Herr Stritzelberger,
    sehr geehrter Herr Heidenberger,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Das Thema “Familie” wird im Zusammenhang mit Themen wie Zeitmanagement, Leadership o. ä. oft übersehen oder nur kurz gestreift. Natürlich wichtig (wie bei allem): das wirkliche “Wollen”.
    Die anschließenden Ziele können dann (u. U. auch mit “professioneller” Hilfe) gut ausgearbeitet werden.
    Was im Job noch “leicht” fällt – z. B. wiederkehrende Routinen zu etablieren – kann im Familienzusammenhang schon schwerer werden. Auch hier kann ein “externer Impulsgeber” sicher weiter helfen.
    Fakt ist: wenn Manager lernen, dass auch eine Familie “Management” benötigt, ist der “Erfolg” noch fern …

    Peter Hinzmann antworten

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