Wie wird man eigentlich Trainer? Mein Weg!

Noch konkreter: Wie wird man Trainer für Zeitmanagement und Arbeitsmethodik?

Kürzlich wurde mir zum wiederholten Male genau diese Frage gestellt. Deshalb möchte ich heute mal meinen Weg hier niederschreiben. Vielleicht findet der eine oder die andere mit ähnlicher Intention im Folgenden einige brauchbare Tipps.

Rückblickend bestand mein Wegzu meiner Trainertätigkeit aus 6 Etappen:

Etappe 1: Probleme am „eigenen Leib“ erfahren

Als ich nach dem Kolleg als Planer in einem technischen Büro begonnen hatte, war ich organisatorisch heillos überfordert.

In den meisten Ausbildungen und Studiengängen wird einem zwar das Fachliche umfassend vermittelt, aber so wesentliche Themen wie Zeitmanagement und Arbeitsorganisation werden – wenn überhaupt – nur am Rande gestreift.

Doch sind neben den fachlichen gerade diese organisatorischen Kompetenzen außerordentlich wichtig. Denn wer sich selbst und die Arbeit gut organisieren kann,

  • wird die täglichen Herausforderungen leichter bewältigen,
  • kommt in der Hektik des Arbeitsalltags nicht so schnell ins Trudeln,
  • nimmt die Stressbelastung weniger wahr,
  • ist dadurch weniger Burn-out-gefährdet,
  • tappt nicht so schnell in die Chaos-Falle
  • und liefert dadurch in der Regel auch bessere Arbeitsergebnisse.

Um wieder auf meine erwähnte Überforderung zurückzukommen: Meine „Schmerzgrenze“ war erreicht. Ich wollte und musste etwas ändern.

Etappe 2: Persönliche Problemlösungen gefunden

Ich habe begonnen, mich intensiv mit Zeitmanagement und Arbeitsmethodik zu beschäftigen, habe Bücher gelesen, im Internet recherchiert, Kurse besucht, mich mit anderen Leidensgenossen unterhalten, von guten Zeitmanagern einiges abgeschaut und die Erkenntnisse aus all dem in meinen Arbeitsalltag integriert bzw. versucht, sie umzusetzen. Einiges hat super funktioniert, anderes gar nicht.

Dieses permanente Versuchen und das sukzessive Umsetzen zogen schließlich kleine und größere Erfolgserlebnisse nach sich. Es folgte eine beträchtliche Entlastung im Arbeitsalltag. Ich konnte mit Zeitdruck besser umgehen, leichter von der Arbeit abschalten, die Qualität meiner Ergebnisse wesentlich steigern.

Die subjektive Stressbelastung nahm ab – auch logisch, da die täglichen Schwierigkeiten resultierend aus mangelhafter Selbstorganisation stetig weniger wurden.

Etappe 3: Die Lösungen anderen Menschen anbieten

Dann hat mich die Leidenschaft gepackt. Mit dem Bewusstsein, was mir das alles gebracht hatte – die spürbare Entlastung und letztlich auch eine Steigerung der Lebensqualität –, wollte ich meine Erfahrungen auch anderen weitergeben. Damals für mich das Naheliegendste und Reizvollste: in Form von Seminaren.

So habe ich zuerst ein Konzept und Seminarunterlagen ausgearbeitet und wurde damit bei einer Volkshochschule vorstellig. Das Glück war mir hold. Ich bekam dort die Möglichkeit, ein Zeitmanagement-Seminar zu halten.

Nach der Zusage folgte eine intensive Vorbereitungszeit. Das Vortragen wurde vor dem Spiegel und vor einer kleinen Gruppe – meiner Familie – geübt. Dadurch bekam ich mein erstes Feedback und war schließlich guter Dinge.

Etappe 4: Mein erstes Seminar als Referent

Nun ist das Präsentieren vor einer fremden Gruppe, vor Seminarteilnehmern noch einmal eine ganz andere Situation und beamt einen aus der Komfortzone raus.

Es lief nicht alles so reibungslos ab, wie ich mir das gewünscht hatte. Ab und zu gab es einen kurzen Hänger, einige technische Probleme mit dem Equipment etc. Aber all das gehört eben auch zum Lernprozess dazu.

Die größte persönliche Lernerfahrung im ersten Seminar:

Früher war ich der Meinung, was für mich gut funktioniert, muss auch für andere passen. Das ist natürlich Blödsinn. Es kann, muss aber nicht!

Denn jeder hat unterschiedliche Vorlieben, Fähigkeiten und (berufliche) Anforderungen. Und genau diese individuellen Besonderheiten verlangen auch unterschiedliche Lösungsansätze.

Das breite Spektrum an Anforderungen und Präferenzen wurde mir erst durch das Arbeiten mit den Seminarteilnehmern so richtig klar.

Etappe 5: Lear­ning by Do­ing

Das zweite Seminar lief dann deutlich besser. Feedback ist immens wichtig, insbesondere in dieser Anfangsphase. Deshalb ließ ich die Teilnehmer mein Seminar mittels anonymer Feedbackbögen bewerten.

Auch wenn mir nicht jede Rückmeldung gefiel, haben mir die Bewertungsbögen in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Es wurden mir Schwächen und Fehler aufgezeigt, die mir nicht bewusst waren. Aber erst dadurch konnte ich genau dort die Hebel ansetzen.

Die negativen Punkte – oder anders formuliert: die konstruktive Kritik – haben mich auch veranlasst, ein Train-the-Trainer-Coaching zu absolvieren. Ein Coach hat mit mir intensiv an meiner Präsentationstechnik und Rhetorik gearbeitet.

Von den Seminarteilnehmern wurden aber auch zahlreiche positive Punkte angeführt, die mir ebenfalls nicht bewusst waren. Auch diese Aspekte waren für mich sehr wichtig: Zum einen tut Lob immer gut und motiviert, zum anderen habe ich diese Stärken in den folgenden Seminaren deutlicher positioniert, sie weiter ausgebaut.

Und so habe ich meine Seminare laufend weiterentwickelt, Erfahrung gesammelt und schließlich eine gute Routine entwickelt. Etwa 1,5 Jahre war ich an zwei verschiedenen Volkshochschulen tätig – ein netter kleiner Nebenverdienst.

Etappe 6: Neue Türen öffnen

Nun fühlte ich mich bereit und hatte die Voraussetzungen, um weitere Türen (leichter) zu öffnen. Mit meinen Referenzen und meiner Seminarerfahrung habe ich mich an einem renommierten Weiterbildungsinstitut beworben. Mit Erfolg. Mit dieser neuen Referenz in der Tasche klopfte ich bei einem weiteren größeren Institut an. Auch bei diesem bekam ich eine Zusage.

Wie es weitergegangen ist?

Nun, man bleibt ja nicht stehen, sondern entwickelt sich weiter. Auf jeder Entwicklungsstufe öffnen sich neue Türen. Ich habe meinen damaligen Job gekündigt und mich beruflich selbstständig gemacht. Heute biete ich meine Seminare nur mehr online an, ich halte also keine Präsenzseminare mehr bzw. nur in Ausnahmefällen.

Mittlerweile habe ich meine Leidenschaft für Arbeitsmethodik und Organisation mit dem Schreiben verbunden. Das Schreiben hat mir bereits in der Grundschule große Freude bereitet und daran hat sich bis heute nichts geändert. Meine Website bietet mir die Möglichkeit, das Ganze miteinander zu kombinieren. Ich schreibe also über Themen, die mich interessieren und die meiner Leidenschaft entsprechen.

Das ist also mein persönlicher Weg. Natürlich gibt es genug andere Möglichkeiten und Wege, das Ziel in Richtung Trainertätigkeit zu erreichen.

Zum Weiterlesen:



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