Was Unternehmen von der Natur abgeschaut haben

Die Natur als Vorbild zu nutzen ist vor allem im Bereich der technischen Entwicklung nicht neu. Das geschieht beispielsweise in der Bionik – ein Wissenschaftszweig, der sich mit der Lösung elektronischer und technischer Probleme nach dem Vorbild der biologischen Funktionen befasst.

Die Natur kann aber auch als Vorbild für eine erfolgreiche Unternehmensführung dienen. Die Möglichkeiten erstrecken sich dabei von der klassischen Symbiose bis hin zur Spezialisierung und dem fraktalen Prinzip.

Wie lassen sich diese biologischen Prinzipien auf die Führung eines Unternehmens übertragen?

Mittlerweile kommunizieren sogar Unternehmensberater die erfolgversprechenden Modelle der Natur, die auch dem Unternehmer von Nutzen sein können. Vieler dieser Naturmodelle und Prinzipien werden in Unternehmen aber bereits angewandt. Dabei ist uns häufig gar nicht bewusst, dass sie eigentlich von der Natur abgeschaut wurden, wo sie sich schon seit Millionen von Jahren bewährt haben.

Aber schauen wir uns diese Prinzipien mal etwas näher an:

Das fraktale Prinzip

Das fraktale Prinzip beruht auf der Tatsache, dass die Teilchen eines Ganzen in der Regel immer die gleiche Struktur aufweisen und sich damit auch dem großen Element, eben dem Ganzen, gleichen. Es spielt dabei keine Rolle, wie stark man die einzelnen Teilchen mit dem Mikroskop vergrößert, man findet immer wieder die gleichen Strukturen. Dieses Phänomen ist zum Beispiel sehr gut am Romanesco-Gemüsekopf zu beobachten:

romanesco

Aber auch viele Farne und selbst die Blutgefäße verkörpern dieses Prinzip.

Versuche, das fraktile Konzept auf die Unternehmensorganisation zu übertragen, starteten bereits in den 90er Jahren. Demnach stellt jeder Mitarbeiter eine kleine unternehmerische Einheit dar. Die Mitarbeiter funktionieren also wie kleine Unternehmen im Unternehmen.

Das fraktile Konzept zielt darauf ab, die Arbeitnehmer zu einem selbstverantwortlichen Handeln zu animieren. In einem fraktal organisierten Betrieb versteht sich jeder Mitarbeiter als Teil eines Ganzen.

Das Prinzip der Spezialisierung

Die Fähigkeit zur Spezialisierung und Anpassung kann nicht nur einem Individuum, z. B. einer Tier- oder Pflanzenart, das Überleben in der Natur sichern. Sehr viele Tiere und Pflanzen haben sich im Laufe der Evolution perfektioniert und konnten sich somit anderen Arten gegenüber einen enormen Überlebensvorteil verschaffen.

Auch Unternehmen nutzen die Strategie der Anpassung, füllen Nischen und erschließen sich somit weitere Märkte.

Dass durch dieses Verhalten andere Konkurrenten vom Markt verdrängt werden, entspricht wiederum dem Prinzip der Natur. Einige Unternehmen haben sich beispielsweise auf die Herstellung eines einzigen Produkts spezialisiert und damit ein Monopol aufgebaut, das es jeder Konkurrenz schwer macht, nur ansatzweise dagegen anzukommen.

Das Prinzip der Ausdehnung

Wo man sie lässt, dehnt sich die Natur aus. Dem Vorbild der Natur entsprechend expandieren viele Unternehmen und machen sich etwa die Vorzüge der Globalisierung zunutze. Solche Firmen beobachten das Verhalten ihrer internationalen Kundschaft sehr genau und kennen die ländertypischen Vorlieben und Schwächen und bieten demnach eine außergewöhnlich große Vielfalt an unterschiedlichen Produkten.

Orientiert sich ein international agierendes Unternehmen mit seinem Produktangebot am nationalen Kaufverhalten, dann spricht man auch von der so genannten Produktdifferenzierung. Die in einem bestimmten Land vertriebenen Waren sind demnach exakt auf die jeweiligen Konsumententypen zugeschnitten.

Das lässt sich zum Beispiel an der Unternehmensstrategie eines spanischen Winzers verdeutlichen, der seinen Wein, der für den deutschen Markt bestimmt ist, mit Traubensirup süßt, weil die Mehrheit der Deutschen liebliche Weine bevorzugen.

Das Prinzip der Symbiose

Eine Hand wäscht die andere. Den Unternehmen ist in der Regel klar, dass das Arbeiten nach diesem Prinzip den Gewinn steigern kann. Auch hierzu finden sich wieder genug Beispiele in der Natur. So reinigen Putzerfische den Rachen von Haien und profitieren dadurch, dass sie auf diese Weise zu ihrer Nahrung kommen. Auch zwischen dem Apfelbaum und der Biene besteht eine Symbiose. Die Biene bestäubt die Apfelblüte und erhält dafür süßen Nektar.

Im unternehmerischen Bereich zeigt sich das in Kooperationen, aus denen – wie bei einer Kooperation üblich – für beide Partner Vorteile entstehen.

Das Prinzip von Ursache und Wirkung

Wie in der Natur hängt auch in der Wirtschaft alles zusammen. Der Rohstofflieferant versorgt den Fertigteil-Hersteller. Dieser beliefert wiederum den Hersteller diverser Produkte, die letztendlich über den Großhandel zum Einzelhandel gelangen und sich schließlich beim Endverbraucher wiederfinden. Qualitätseinbußen am Anfang der Produktionskette haben eine unmittelbare Auswirkung auf den Erfolg der nachfolgend beteiligten Firmen.

Das Prinzip der Eroberung

Viele Unternehmen machen nur deshalb große Gewinne, weil sie gewisse Strapazen und Herausforderungen auf sich nehmen, um ein Ziel zu erreichen, das für andere schier unerreichbar scheint. Diese Firmen nehmen sich bewusst einer bestimmten Problematik an oder versorgen den Markt z. B. mit dringend benötigten Produkten, die sich nur unter widrigen oder sehr schwierigen Bedingungen herstellen lassen.

Parallelen zu solch einem Verhalten gibt es in der Natur mehr als genug. Beispielsweise der blinde Grottenolm, der in nahezu totaler Finsternis unter widrigsten Umständen überleben kann – dort, wo kein anderes Tier ein Auskommen findet. Deshalb hat er auch keine tierischen Feinde.

Diese Beispiele zeigen: Die Natur hat es vorgemacht und zahlreiche dieser Prinzipien lassen sich auch von Unternehmen gewinnbringend einsetzen.

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Bildnachweis: unpict©Fotolia.com



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