Soziale Unsicherheiten überwinden für mehr Freiheit und Energie

In diesem Gastbeitrag stellt Gustav Wohlleber (mehr über den Autor am Ende des Beitrags) drei Schritte vor, um sich von sozialen Unsicherheiten zu befreien und dadurch das Leben mit neuer Energie anzupacken.

Gustav schreibt:

Überall gibt es Menschen, die viel mehr Potenzial und Möglichkeiten hätten, als sie ausschöpfen, aber aus irgendeinem Grund halten sie sich selbst zurück.

Sie wissen eigentlich, was sie tun müssten, um voranzukommen, aber schaffen es trotzdem nicht aktiv zu werden. Der Grund dafür sind häufig Unsicherheiten!

Unsicherheiten treten in vielen Formen auf. Es gibt keine Person auf der Welt, die völlig frei davon ist. Einige der häufigsten Formen sind die sozialen Unsicherheiten.

Viele Menschen haben Angst davor,

  • einen schlechten Eindruck zu machen,
  • vor vielen Menschen zu reden,
  • belächelt und nicht ernst genommen zu werden,
  • auf Menschen zuzugehen,
  • zur eigenen Meinung zu stehen und Nein zu sagen, …

Diese Unsicherheiten können den Beruf und das Privatleben erschweren.

Ein Beispiel wäre eine Person, die längst dazu in der Lage ist, im Job eine bessere Position zu bekleiden, aber sich davor drückt, weil sie nicht vor anderen Menschen präsentieren möchte.

Solche Szenarien gibt es an jeder Ecke. Selbst wenn Sie fachlich auf sicheren Beinen stehen, können soziale Unsicherheiten für Sie zum Problem werden.

Damit das nicht passiert, zeige ich Ihnen in diesem Artikel drei Schritte, um sich von sozialen Unsicherheiten zu befreien und das Leben mit neuer Energie anzupacken.

Die lähmenden Fesseln abschütteln

Unsicherheit tritt in Situationen auf, in denen wir uns selbst nicht vertrauen. Denn ohne Vertrauen entsteht Ungewissheit. Wir wissen nicht, wie wir uns verhalten sollen und werden ganz nervös. Wir haben den Drang zu flüchten und uns zu verstecken.

Und weil wir dieses Gefühl nicht mögen, fangen wir damit an, solche Situationen zu vermeiden. Dadurch verhindert die Unsicherheit Fortschritt.

Sie verhindert klare, gezielte Handlungen. Und auf die Dauer führt das zu Frustration und einem Gefühl von Machtlosigkeit.

Dementsprechend befreit fühlen wir uns, wenn wir es schaffen, Unsicherheiten zu überwinden. Plötzlich sehen wir viele neue Handlungsmöglichkeiten und gefesselte Energien werden freigesetzt.

Nicht selten führt das zu einer positiven Veränderung in vielen Lebensbereichen zugleich.

Woher kommen soziale Unsicherheiten?

Die Ursachen für soziale Unsicherheiten sind vielschichtig.

Im Kern liegen folgende Überzeugungen:

  1. Ich muss perfekt sein, um akzeptiert zu werden.
  2. So wie ich bin, bin ich nicht gut genug.

Dies führt zu einer großen Angst davor zu versagen und abgelehnt zu werden, weil der eigene Wert an den Reaktionen der anderen Menschen gemessen wird.

Verstärkt werden die Unsicherheiten noch, wenn wir negative Erwartungen haben. Wir stellen uns unser Versagen immer wieder vor und kreieren dadurch eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Für einen besseren Überblick habe ich noch eine kleine Mindmap zu den Ursachen, Auswirkungen und Bedeutungen von sozialen Unsicherheiten erstellt:

[Zum Vergrößern auf die Grafik klicken]


Aber nun zur Frage:

Wie kann man Unsicherheiten überwinden?

Insbesondere bei sozialen Unsicherheiten gibt es einen Punkt, der am allerwichtigsten ist:

Durch die Bereitschaft, sich in Situationen zu begeben, in die man sich eigentlich nicht so gerne begibt.

Sobald diese Bereitschaft da ist, wird der Rest folgen.

5 Hindernisse auf dem Weg

Der Weg aus den Unsicherheiten heraus ist nicht immer leicht. Auch wenn man sich den entsprechenden Situationen stellt, gibt es einige Stolpersteine, die einem den Weg schwer machen und Fortschritt verhindern können.

Die folgenden fünf Hindernisse muss man erkennen und überwinden, um die Unsicherheiten loszuwerden:

Die einzelnen Hindernisse im Detail:

1. Vergangene Enttäuschungen

Unsicherheiten entstehen häufig aus schlechten Erfahrungen.

Vielleicht haben Sie sich in der Schule einmal vor der ganzen Klasse blamiert, als Sie ein Gedicht vortragen sollten. Oder Sie wurden von Ihren Eltern oder Lehrern immer wieder kritisiert, bis sich diese Kritik in Ihr Gehirn eingebrannt hat.

Solange Sie an diesen Erfahrungen festhalten, können Sie Ihre Unsicherheiten nicht überwinden. Sie müssen die Vergangenheit ruhen lassen und daran glauben, dass die Zukunft anders aussehen kann.

Ansonsten beeinflussen Ihre Erwartungen an die Situation das Ergebnis. Sie werden mit einem schlechten Ausgang rechnen und dann normalerweise auch genau das bekommen.

2. Ein negatives Selbstbild

Wie man sich selber sieht, ist für soziale Situationen unfassbar wichtig.

Ich habe mich früher immer darauf konzentriert, was ich nicht kann und was mir fehlt. Ich dachte, irgendwas ist falsch mit mir.

Positive Dinge habe ich gar nicht wahrgenommen oder kleingeredet. Wenn ich eine gute Note hatte, dachte ich mir „die Prüfung war aber auch echt leicht“. Und wenn jemand gesagt hat, dass ihm mein Vortrag gefallen hat, dachte ich „der sagt das doch nur, um nett zu sein.“ Ich habe alle Situationen so interpretiert, dass sie zu meinem Selbstbild passen.

Merken Sie sich: Solange Sie sich für unsicher, unfähig und inkompetent halten, werden Sie sich auch so verhalten.

3. Abhängigkeit von Bestätigung

Bestätigung gibt uns ein großartiges Gefühl. Wir fühlen uns akzeptiert und gemocht.

Zum Problem wird es nur, wenn wir Bestätigung brauchen, um uns gut zu fühlen.

Dann werden Sie sich verstellen und etwas vorspielen, um die kurze Befriedigung positiver Bestätigung zu spüren. Und Sie werden negativer Bestätigung mit allen Mitteln aus dem Weg gehen.

Um soziale Unsicherheiten zu überwinden, sollten Sie lernen, mit Kritik umzugehen. Sie sollten lernen, negatives Feedback hinzunehmen und sich davon nicht gleich aus der Bahn werfen zu lassen. Dann können Sie Ihren Weg gehen, ohne so stark von anderen Menschen abhängig zu sein.

4. Unrealistische Standards

Viele Menschen messen sich heutzutage an völlig unrealistischen Standards. Sie gucken in den Spiegel und vergleichen ihr Aussehen mit einem Fitness-Model von Instagram. Oder sie vergleichen ihre Präsentation mit einem Facebook-Video, in dem ein professioneller Redner einen Saal mit 500 Menschen begeistert.

Diese Standards sind ungesund. Besonders die sozialen Medien stärken unsere Unsicherheiten häufig noch, weil das Leben der anderen Leute dort so makellos und perfekt erscheint.

Und auch wenn man sich völlig im Klaren darüber ist, dass diese Bilder nicht realistisch sind, so beeinflussen sie einen unterbewusst doch.

Setzen Sie Ihre Standards nicht zu hoch an. Jeder kleine Schritt ist ein Erfolg!

5. Unsicherheiten verstecken

Unsicherheiten zu verstecken ist eine schlechte Taktik.

Na klar – Sie mögen sie nicht und wollen deshalb nicht, dass andere sie sehen. Das ergibt Sinn. Aber das macht es Ihnen nur schwerer.

Wenn Sie Ihre Unsicherheiten verstecken, geben Sie sich damit das Gefühl, dass es nicht okay ist, diese Unsicherheiten zu haben. Sie beginnen damit, sich dafür zu schämen. Und dadurch wird die Unsicherheit immer größer.

Andere Menschen erwarten gar nicht von Ihnen perfekt zu sein. Niemand mag vermeintlich perfekte Menschen. Wir fühlen uns viel stärker zu ähnlichen, als zu „besseren“ Menschen hingezogen.

Und weil alle Menschen Unsicherheiten haben, werden sie sich verbunden zu Ihnen fühlen, wenn sie Ihre Unsicherheiten wahrnehmen.

Es gibt keine Sicherheit, nur verschiedene Grade der Unsicherheit.

Anton Tschechow

In 3 Schritten raus aus der Unsicherheit

Das waren die Hindernisse, die Ihnen auf dem Weg begegnen können. Diese sollten Sie erkennen und bewusst wahrnehmen, wenn sie auftreten. Alleine dadurch wird es Ihnen leichterfallen, sich nicht von ihnen aufhalten zu lassen.

Jetzt zeige ich Ihnen drei praktische Schritte, mit denen Sie soziale Unsicherheiten am zuverlässigsten überwinden können:

Schritt 1: Lernen Sie die Unsicherheiten besser kennen

Im ersten Schritt geht es um Bewusstheit. Sie müssen Ihre Unsicherheiten erstmal identifizieren und kennenlernen.

Das klingt vielleicht unspektakulär, aber es ist die Grundlage, um effektiv vorgehen zu können. Und dabei werden im besten Fall schon einige irrationale Überzeugungen und schädliche Gedanken ans Licht kommen.

Stellen Sie sich folgende Fragen:

  • In welchen Situationen fühle ich mich unsicher?
  • Welche Ungewissheit ruft dieses Gefühl hervor?
  • Welches mögliche Ergebnis macht mir Angst?
  • Welche zugrundeliegenden Überzeugungen verursachen die Unsicherheit?
  • Welche Gedankenmuster machen es mir schwerer?
  • Was ist in meinen Augen die Hauptursache für die Unsicherheit?

Am besten machen Sie es schriftlich, dann haben Sie es schwarz auf weiß und können jederzeit darauf zurückgreifen.

Je besser Sie Ihre Unsicherheiten und die Ursachen kennen, umso effektiver können Sie dagegen vorgehen.

Wichtig für diesen Schritt ist Objektivität. Sie sollten versuchen, Ihre subjektiven Überzeugungen vorübergehend hintenanzustellen.

Unterscheiden Sie zwischen Fantasie und Fakten! Jeder Mensch fühlt sich mal unfähig, aber das heißt nicht, dass es auch der Wahrheit entspricht. Meistens beschreiben Gefühle nur eine Momentaufnahme.

Schritt 2: Üben Sie sich in Selbstakzeptanz

Selbstakzeptanz ist die Kunst, alles an sich zu akzeptieren. Sogar die Schwächen, Kanten und Limitationen.

Niemand ist perfekt! Das von sich selbst oder anderen zu erwarten, führt zwangsläufig zu Enttäuschungen. Meistens ist der bessere Weg, auch negative Dinge zu akzeptieren.

Das bedeutet nicht, dass man es gut findet oder es sich ausgesucht hat. Im Gegenteil – man kann trotzdem daran arbeiten, es zu verändern.

Aber man kämpft nicht mehr gegen die Realität an und versucht, sich selbst und seinem Umfeld etwas vorzumachen.

Selbstakzeptanz ist auch der passende Schlüssel, wenn Ihnen eins der genannten fünf Hindernisse immer wieder den Weg versperrt.

1. Vergeben Sie der Vergangenheit

Akzeptieren Sie Ihre Vergangenheit!

Vergeben Sie den Menschen, die Sie verletzt haben. Vielleicht haben sie sich falsch verhalten, aber das tun wir alle mal. Niemand ist fehlerlos.

Deshalb vergeben Sie auch sich selbst für die Fehler, die Sie gemacht haben. Fehler passieren jedem. Lassen Sie die Vergangenheit los.

2. Akzeptieren Sie sich vollständig

Ein negatives Selbstbild entsteht durch Selbst-Ablehnung.

Hören Sie auf damit!

Sie können an sich arbeiten und sich entwickeln, aber vergessen Sie nicht, dass Sie auch jetzt schon ein vollwertiger und einzigartiger Mensch sind. Nehmen Sie alle Ihre Eigenschaften an.

3. Geben Sie sich selbst Bestätigung

Es gibt nur einen Menschen, dessen Bestätigung Sie unbedingt brauchen. Ihre eigene!

Lerne Sie es, sich selbst zu loben und positives Feedback zu geben. Legen Sie Ihre eigenen Standards und Werte fest. Dann orientieren Sie sich nur noch daran und nicht an den Meinungen und Gedanken anderer Menschen.

4. Kontrollieren Sie Ihre äußeren Einflüsse

Sogar eine Social-Media-Pause ist eine Option. Ich habe schon bei vielen Menschen erlebt, dass sie sich dadurch deutlich besser und weniger minderwertig gefühlt haben.

Überlegen Sie sich gut, was Sie täglich (oder sogar stündlich) konsumieren wollen und nehmen Sie diese Dinge in die eigene Hand.

Alles, womit Sie sich umgeben, beeinflusst Sie. Das sollten Sie nie vergessen.

5. Öffnen Sie sich anderen Menschen

Zeigen Sie anderen Menschen Ihre Unsicherheiten. Das wird unspektakulärer sein, als Sie erwarten. Andere Menschen werden es akzeptieren und Sie genauso behandeln wie davor.

Aber für Sie folgt daraus eine große Erkenntnis:

Es ist okay, Unsicherheiten zu haben. Andere Menschen stört es nicht.

Schritt 3: Gehen Sie ihren Ängsten entgegen

Den Unsicherheiten nicht mehr aus dem Weg zu gehen, sondern darauf zuzugehen, ist letztendlich der entscheidende Schritt.

Ängsten zu begegnen und Unsicherheiten zu überwinden ist vergleichbar mit einem Muskel. Je öfter Sie den Muskel anspannen und Gebrauch davon machen, desto stärker wird er.

Durch jede Situation, die Ihr Herz zum Rasen bringt, werden Sie stärker!

Ein guter Weg, um mit Unsicherheiten in Kontakt zu kommen, ist öfter Ja zu sagen. Sagen Sie Ja zu Dingen, die Sie sonst lieber vermieden hätten. Probieren Sie Dinge aus, die Ihnen ein bisschen Angst machen. Bringen Sie sich bewusst in Situationen, in denen Sie dazu gezwungen sind, Ihre Komfortzone zu verlassen.

Sagen Sie Ja zu den Dingen, bei denen Sie unsicher sind, ob Sie Ja oder Nein sagen sollten. Damit können Sie ganz klein anfangen. Mit der Zeit wird es von alleine bedeutender.

Ich habe mich früher vor allem im Umgang mit fremden Menschen unsicher gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass ich

  • bewertet werde,
  • keine Fehler machen darf,
  • die anderen langweile.

Und genau deshalb habe ich nach Möglichkeiten gesucht, Situationen mit fremden Menschen zu trainieren.

Zu Beginn habe ich erst einmal ein paar Leuten auf der Straße Hallo gesagt. Dann bin ich zu ein paar Veranstaltungen gegangen, wo ich niemanden kannte. Eine Weile später bin ich alleine herumgereist, wo ich gezwungen war, in den Hostels Leute kennenzulernen, um zwischenmenschlichen Kontakt zu haben.

Zwei Jahre später habe ich dann plötzlich im Verkauf gearbeitet, wo ich zehn Stunden am Tag mit Menschen geredet habe. Das war zu Beginn natürlich auch nicht einfach und bei meinem ersten Job wurde ich nach der Probezeit gefeuert, aber ein halbes Jahr später habe ich noch einen Versuch gewagt und plötzlich lief es super.

Was ich damit sagen will: Soziale Unsicherheiten zu überwinden ist nicht einfach. Im Gegenteil – es ist eine große Herausforderung. Aber wenn man sich seinen Ängsten stellt und dranbleibt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis man es geschafft hat.

Und die Dinge, die man dabei lernt, finde ich persönlich unbezahlbar!


Fazit

Das ist der Weg: Die Situationen der Angst herausfinden, in kleinen Schritten darauf zugehen und den Umgang damit lernen.

Die auftretenden Hindernisse sind Möglichkeiten, sich selbst besser kennenzulernen. Zwischenmenschliche Kommunikation hat viel mit den eigenen Überzeugungen, Gewohnheiten und Gedankenmustern zu tun. Denn wie man spricht, denkt man auch.

Jede Erkenntnis und jeder Schritt nach vorne ist unfassbar wertvoll. Ich habe dadurch gelernt, mich selbst mehr zu akzeptieren, mich anderen Menschen zu öffnen und meine Unsicherheiten loszulassen.

Für diesen Weg wünsche ich auch Ihnen viel Glück.

Über den Autor:

Gustav Wohlleber hat in den letzten Jahren unter anderem in der Schweiz, Deutschland und Australien im Verkauf gearbeitet und sich intensiv mit zwischenmenschlicher Kommunikation beschäftigt.

Er studiert Kommunikationspsychologie und zeigt auf seinem Blog, wie man besser Smalltalk führt und Verbindungen zu anderen Menschen aufbaut.

 

 



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