Sabbatical, berufliche Auszeit: 3 Fragen, 3 Antworten

Vom Pressedienst EPD wurde ich zum Thema Sabbatical/berufliche Auszeit befragt. Hier ein Ausschnitt der gestellten Fragen und meine Antworten:

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Aus dem Arbeitsalltag und dem Alltagstrott ausbrechen …

1. Herr Heidenberger, kündigen oder Ausstieg auf Zeit: Welche Vorteile bringt eine längere Auszeit im Beruf mit sich?

Grundsätzlich bietet eine Auszeit immer eine hervorragende Möglichkeit, aus dem Arbeitsalltag und dem Alltagstrott auszubrechen, die Perspektive zu wechseln, den eigenen Horizont zu erweitern und neue Kraft und Energie zu sammeln.

Es kommt eben darauf an, wofür die Auszeit genutzt wird. So kann sie etwa für einen langen Erholungsurlaub, für persönliche Projekte (Hausbau etc.), eine längere Reise, Freiwilligenarbeit, Fortbildung oder zur Selbstverwirklichung genutzt werden.

Auch im Zusammenhang mit einer permanenten Stressbelastung kann eine Auszeit erforderlich sein. Denn je belastender der Job, je größer der Leistungsdruck und Stress – und das über einen längeren Zeitraum und ohne absehbares Ende –, desto größer die Gefahr eines Burn-outs. Wird nicht rechtzeitig auf die Notbremse getreten, so wird es früher oder später der eigene Körper tun. Und das ist dann meist eine sehr schmerzliche Erfahrung.

2. Wie lange im Voraus sollte man sich auf eine solche Auszeit vorbereiten?

Auch die Vorbereitungszeit ist primär vom Zweck der Auszeit abhängig, also wofür das Sabbatical letztlich genutzt werden soll. Wenn die Auszeit etwa für eine Weltreise angedacht ist, sind hierfür eine längere Planungszeit und mehr Vorbereitungsmaßnahmen erforderlich als beispielsweise für eine Fortbildungsauszeit.

Je zeitiger mit der Planung begonnen wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, entsprechend gut vorbereitet in die Auszeit zu starten. Abhängig von der erwähnten Nutzung des Sabbaticals sollte damit bereits bis zu zwei Jahre vorher begonnen werden. Denn erfahrungsgemäß wird der Aufwand für die Vorbereitung häufig unterschätzt – zu viele Punkte gilt es zu berücksichtigen: z. B. die Finanzplanung, die Einbeziehung der Familie, die Auswirkungen auf das soziale Umfeld, …

Aber auch das Unternehmen, in dem man tätig ist, sollte rechtzeitig über das Vorhaben informiert werden. Denn verlässt ein Mitarbeiter die Firma, hinterlässt das eine Lücke. Je kürzer die Zeitspanne von der Bekanntgabe bis zum Austreten, desto schwieriger für das Unternehmen, einen Nachfolger zu finden. Deshalb sollte das Unternehmen rechtzeitig über die Intention der beruflichen Auszeit informiert werden, um genügend Zeit für daraus resultierende Erfordernisse zu haben, wie Einarbeitung der Vertretung, Übergabe laufender Projekte etc. Wenn möglich, sollte der Arbeitgeber mindestens ein Jahr vorher informiert werden.

3. Wie kann man es vermeiden, nach dem Wiedereinstieg in den Berufsalltag wieder in den alten Trott zu fallen?

Von einem Tag auf den anderen wieder ins Berufsleben zurückzukehren, fällt alles andere als leicht. Inwieweit die Gefahr besteht, wieder gleich in den alten Trott zu fallen, hängt auch davon ab, ob man nach der Auszeit im gleichen Unternehmen und im gleichen Tätigkeitsfeld einsteigt.

Auch der Wiedereinstieg erfordert eine gewisse Vorbereitung. Beispielsweise indem man einige Zeit vorher schon im Unternehmen vorbeischaut, sich informiert, was sich geändert (Arbeitsabläufe, Kollegenkreis etc.) hat – das erleichtert schon mal die psychische Vorbereitung auf den Wiedereinstieg. Wenn die Auszeit dem Ende zugeht, sollte man sich auch den zeitlichen Rhythmus des Arbeitstages wieder angewöhnen, also beispielsweise zu den entsprechenden Zeiten aufstehen und ins Bett, damit sich Körper und Geist langsam darauf einstellen.

Hilfreich – nicht nur für den Wiedereinstieg – sind auch kleine erholsame, wohltuende Rituale. Also eine Art „kleine Auszeiten“, die man in den (Arbeits-)Alltag integriert, beispielsweise lässt sich eine effektive Entspannungsübung jederzeit in der Arbeit zwischendurch einschieben. Ein weiteres Beispiel für ein Ritual: ein regelmäßiger Abendspaziergang mit der Partnerin bzw. dem Partner und dabei den Tag resümieren … Solche bewussten Unterbrechungen/Pausen in der Arbeit sowie „Kontraste/Ausgleichsrituale“ zur Arbeit beugen dem Alltagstrott vor.



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