ManagerIn, UnternehmerIn! DiebIn, VerbrecherIn? – Geschlechtergerechte Formulierung

Unlängst bekam ich eine E-Mail mit einer Kritik zu meinem Blogartikel „Zitate und Weisheitsgeschichten (nicht nur) für Manager“. In dieser E-Mail wurden meine Formulierungen im Artikel wie folgt beanstandet:

… hat mich enorm gestört, dass Sie permanent von „Managern“ geschrieben haben und die weibliche Form komplett ignorierten. Ich plädiere dafür, dass das gängige Bild einer Führungskraft sich auch mit einer weiblichen Form identifizieren lässt.

Die Kritik ist natürlich berechtigt und ich kann nachvollziehen, dass die Nichtberücksichtigung der weiblichen Form für manche Leser befremdlich und störend sein mag.

Deshalb möchte ich zu dieser Thematik Stellung nehmen und die Gründe nennen, warum ich die weibliche Form in meinen Artikeln zugegebenermaßen wenig berücksichtige – allerdings das durchaus bewusst.

Warum ich die geschlechterneutrale Formulierung bevorzuge

Meine Blogartikel schreibe ich in der Regel so, als würde ich das (Artikel-)Thema einer bekannten Person vermitteln. Ich schreibe meine subjektive Meinung, persönliche Erfahrungen, gebe Tipps, erzähle etc. Die Beiträge sind also „persönlich eingefärbt“ – was ja auch ein Merkmal eines Blogs ist.

Und wenn ich mit Bekannten oder Freunden spreche, verwende ich auch keine geschlechterGERECHTE Formulierung, weil diese die Kommunikation wesentlich umständlicher gestalten würde.

In meinen Texten achte ich zwar meist auf eine möglichst geschlechterNEUTRALE Formulierung, allerdings berücksichtige ich nicht bewusst die weibliche UND männliche Form (Paarform).

Lesefreundlichkeit leidet

Beiträge, in denen die geschlechterkonforme Paarform (z. B. Managerinnen und Manager bzw. ManagerInnen) verwendet wird, sind meiner Meinung nach weniger lesefreundlich, die Texte werden – zwar nur wenig – länger und es geht einiges an Lockerheit verloren.

Dadurch kommen die Inhalte mehr „technisch“ und „wahlkampfmäßig“ rüber. Oder eben sehr sachlich, was in bestimmten Publikationen (Nachrichten, Fachtexte, Berichte etc.) unbedingt angebracht ist.

Gibt es auch Verbrecherinnen, Diebinnen, Mörderinnen?

Ich konsumiere selbst diverse Medien, die großen Wert auf politisch korrekte sowie geschlechtergerechte Formulierungen legen. Wobei selbst in diesen Medien diese Linie nur bedingt konsequent durchgezogen wird.

So bleibt in Berichten im Zusammenhang mit negativen Vorfällen die weibliche Formulierung völlig unberücksichtigt – also es ist höchst selten von Verbrecherinnen, Diebinnen, Mörderinnen etc. die Rede, auch wenn es sich in konkreten Fällen um eine weibliche Person handelt. In diesen Fällen werden geschlechterneutrale Umschreibungen verwendet. Diese Umschreibung findet bei Verbrecher, Dieb und Mörder selten statt.

Eine Forderung der konsequenten geschlechtergerechten Sprache auch bei negativen Berichten ist mir noch nicht untergekommen – jedenfalls nicht von jener Seite, die eine sprachliche Gleichberechtigung der Geschlechter fordert.

Vorzugsweise geschlechterneutrale Sprache

Um nochmals auf die eingangs zitierte E-Mail zurückzukommen:

Dass ich im Artikel die weibliche Form (Managerinnen) nicht explizit erwähnt habe, sollte in keinster Weise den Eindruck vermitteln, dass sich das gängige Bild der Führungskraft nicht auch mit der weiblichen Form identifizieren ließe.

Deshalb: Generell ziehe ich die geschlechterneutrale der geschlechtergerechten Formulierung vor. Wenn ich aber von Managern, Arbeitgebern, Unternehmern, Teilnehmern oder Mitarbeitern schreibe, dann meine ich selbstverständlich auch Managerinnen, Arbeitgeberinnen, Unternehmerinnen, Teilnehmerinnen oder Mitarbeiterinnen. Für mich ist also die weibliche Person immer mit eingeschlossen, auch wenn ich sie nicht extra erwähne!

Zum Weiterlesen: Zum Thema gendergerechte Sprache ein Aufruf aus dem Verein Deutsche Sprache



Kommentare

  • V.

    Das passt schon, Herr Heidenberger – und macht die Texte lesefreundlich!

    Manchmal frage ich mich, was diese Frauen eigentlich wollen. Ernst genommen werden? Wer rumjammert und das generische Maskulinum nicht begriffen hat (Latinum lässt grüßen), soll’s halt lassen. Ach ja: Ich bin selbst weiblich, 31, einzige weibliche Führungskraft in meinem Unternehmen unter Ü45-Männern. Wenn ich mich so anstellen würde, wär ich’s ganz sicher nicht.

    V. antworten
    • Mir geht’s ausschließlich um die Lesefreundlichkeit. Wobei ich durchaus nachvollziehen kann, dass es die eine oder andere Leserin irritiert, wenn die weibliche Form nicht auch genannt wird.

      Burkhard Heidenberger antworten
    • Wilhelm Ernst

      Hallo H. Heidenberger,

      Sie meinen mit “weibliche Form” sicher das generische Femininum, während Sprachpolizistinnen Jenes es als das biologisches Femininum verstehen.

      “Schüler” können sowohl Schüler eines, als auch beiderlei Geschlechts bedeuten (Plural), als auch das Singular.

      “Schülerinnen” meint nur weibliche Schüler.

      Wilhelm Ernst antworten
    • Wilhelm Ernst

      Guten Tag Herr Heidenberger,

      Manager, Lehrer, Schüler, Zimmermann … das sind Gattungsbegriffe und die bezeichnen eine
      Eigenschaft von einer oder mehreren Personen.

      Eigenschaften, Gattungen etc. haben kein Geschlecht.

      Wilhelm Ernst antworten
  • Ulrike

    Hallo Herr Heidenberger,

    vielen Dank für Ihre “Stellungnahme”, die mir – vor allem als Frau – aus dem Herzen spricht.

    Ich verbitte mir inzwischen dieses Pseudo-gerechte Gehabe, wo es nur geht. Für mich sind Formulierungen wie Manager, Arbeitgeber, Unternehmer, Mitarbeiter etc. Beschreibungen einer Rolle oder Tätigkeit, die eine Person ausübt und Frauen sind durchaus darin eingeschlossen.

    Dieses Extra -Innen kommt mir erst recht einer Diskriminierung gleich, da man mir so deutlich macht, dass ich mit der ersten Bezeichnung offensichtlich nicht gemeint bin. Daher: Bitte kein -Innen, bin emanzipiert!

    Ulrike antworten
    • Wilhelm Ernst

      Guten Tag Ulrike,

      ganz meine Meinung. Diese SprachpolizistInnen brauchen ein Betätigungsfeld. Ziel: Es soll so aussehen, als seien sie wichtig und leisteten irgend etwas. Was die Damen vergessen:
      Erschwernis für alle LernendInnen und LehrerInnen der deutschen Sprache.

      Die FrauenbeauftragtIn meiner Kreisstadt z.B. befürwortet es trotzdem. Die Dame ist nämlich ganz, ganz wichtig. Das meint die wirklich.

      Wilhelm Ernst antworten
  • Heike Rössner

    ;-) getroffene Hunde bellen … da schließe ich mich nicht aus … ;-)

    Beschwert sich irgendjemand über geschlechterspezifische Namensgebung beim Wetter? Man(n)/frau kann es nicht allen recht machen.

    Schönen Tag

    LG,H.Rössner :-)

    Heike Rössner antworten
  • Kerstin

    Guten Tag Herr Heidenbreder

    Schade, dass Sie sich in Ihrer Stellungsnahme so ganz und gar in den Standard einreihen.

    Ich hätte hier 2 Anregungen für Sie: versuchen Sie doch einmal, nur die weibliche Form zu verwenden – in fast jeder Ärztin ist der Arzt nicht nur mitgedacht, sondern sogar mitgeschrieben. Es ließt sich nicht schlechter – kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen. Oder fürchten Sie, dass Männer im Mitgedachtsein nicht so geübt sind, wie Frauen?

    Eine Alternative wäre, sich nach Partizipien umzuschauen: Mitarbeitende, Leitende, Managende – klingt vielleicht noch nicht so gewohnt, aber ehrlich, länger ist es nicht und sprachlich wenig aufwendig.

    Warum ich Sie anregen möchte, dass zu probieren: unsere Sprache bildet unser Bewußtsein – und wo wir Frauen nur denken, sind sie nicht present.

    Meine Söhne (14 und 16 Jahre) sind immer sehr ungehalten, wenn ich sage, wir gehen zum Zahnarzt, denn wir haben eine Zahnärztin. Und ich finde es klasse !

    Vielleicht ist es unmodern, wieder auf feminine Formen zu achten – aber solange Männer nicht sich nicht selbstverständlich mitgedacht fühlen, lohnt der Aufwand.

    AUs gutes alter Schule
    Kerstin

    Kerstin antworten
  • Rima

    Ich schliesse mich gerne und vollumfänglich Kerstins Kommentar an. Ich verfasse Lerrntexte für die Erwachsenenfortbildung und verwende die von Kerstin genannten Möglichkeiten. Mache ich Beispiele, bezeichne ich die Personen einmal “Chef und Mitarbeiterin” und ein anderes Mal “Chefin und Mitarbeiter”.
    Das geht prima und ist keineswegs “lesefeindlicher” als die nur männliche Form. Noch nie habe ich jedenfalls deswegen eine Kritik von Lesern erhalten, aber schon einiges Lob von Leserinnen UND Lesern bzw. – wie ich es formulieren würde – von Lesenden.

    Rima antworten
  • Susa

    Solange sich Frau selbst in die Opferhaltung begibt und auf diese selbst gewählte Rolle konzentriert, ihren eigenen Wert nicht erkennt, wird sie sich über Sprache definieren müssen.

    Schade, dass das Selbstwert an “Innen” hängt und sie sich darüber Aufmerksamkeit holen. Ich bin selbst eine Frau und finde selbstverantwortliche Sprache wichtig. Habe jedoch keinerlei Problem mit neutraler Sprache.

    Oder wollen die geschlechtergerechten Damen aus “man” “frau” machen ;) und 3. Person Plural ist doch sehr frauenspezifisch.

    Bisher habe ich noch keinen Mann aufschreien gehört, was “sie” anbelangt. Stattdessen konzentriert er sich darauf, wie er vorwärts kommt, wie er den und den Posten bekommt …

    Herzlichst
    Susa

    Susa antworten
  • Denny

    Es fällt mir schwer zu glauben, dass hier einige Kommentare ernst gemeint sind. Immerhin geht es auf dieser Seite darum, sich das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Da finde ich es unangebracht, von dem Autor zu erwarten, nicht so zu schreiben, wie er auch sprechen würde.

    Einen Text zu lesen, in dem überall noch ein -in angehängt wird, fällt mir genauso schwer, wie einen Text zu lesen, der vor Rechtschreibfehlern nur so wimmelt.

    Bitte machen Sie, lieber Herr Heidenberger, so weiter wie bisher.

    Übrigens: Ich bin auch eine Frau.

    Liebe Grüße,
    Denny

    Denny antworten
  • Thea Schäfer

    Hallo Herr Heidenberger,

    bisher ist es mir noch nicht so sauer aufgestoßen, dass Sie mich nur mitmeinen und nicht meinen. Nun ist es aber tatsächlich so, dass Sprache Bilder in unserem Kopf erzeugt. Als ich jünger war, fand ich geschlechtergerechte Sprache Mumpitz, bin allerdings mittlerweile eines Besseren belehrt.

    Es ist eben auch wertschätzend den Kundinnen und Kunden gegenüber, sie angemessen anzusprechen. Wenn zu einer Gruppe Professorinnen auch nur ein Professor dazu kommt, wird die ganze Gruppe nur noch männlich benannt. Ohne Foto sehen wir im Kopf tatsächlich nur Männer.

    Auch finde ich es nur gut und richtig, wenn auch negativ belegte Bezeichnungen verwendet werden. Ein Dieb ist im Kopf eben ein Mann. Und wenn wir nie von Diebinnen hören, können wir uns kaum vorstellen, dass es welche gibt.

    Da ich in einem Jugendverband sozialisiert bin und einen Männerberuf erlernt habe, ist geschlechtergerechte Sprache für mich selbstverständlich, sodass ich nicht mehr lange nach Formulierungen suchen muss.

    Sie werden hoffentlich nicht der Einfachheit halber zukünftig hier nur noch in Kleinbuchstaben schreiben, oder? :-)

    Thea Schäfer antworten
    • Wilhelm Ernst

      Guten Tag zusammen,

      Berufe, Ämter, Tätigkeiten, etc. … haben kein Geschlecht. Die Endung “-er” ist nicht männlich. “-mann” bezeichnet keinen Mann, sondern einen Beruf (Maurer, Gipser, Schneider, Müller …).

      Nicht existent sind: Zimmerfrau, Bergfrau, Amtfrau, …

      “Köchin” gibt es nicht. Es heißt: Koch. Das Inserat “Koch gesucht” meint beide Geschlechter.

      Wilhelm Ernst antworten
      • Renate

        Köchin gibt es sehr wohl! Laut Duden:

        Köchin: weibliche Form zu Koch

        Renate antworten
  • Ute Fritzsch

    Hallo in die Runde,

    ich finde nichts dabei, dass hier von Managern, Mitarbeitern usw. gesprochen wird und damit beide Geschlechter gemeint sind.

    Auch ich tue mir schwer damit, ständig “in” oder “innen” anzuhängen. Im normalen Sprachgebrauch tue ich das auch nicht. Die Politiker-Reden finde ich (nicht nur) aus diesem Grund sehr häufig eher ungelenk als ansprechend.

    Ich als Frau fühle mich auch angesprochen, wenn die weibliche Form nicht angehängt, es aber aus dem Kontext klar zu erkennen ist, dass Männlein und Weiblein angesprochen sind.

    Ist Emanzipation wirklich von den paar Buchstaben abhängig? Ich glaube nicht – nur die Formulierung bringt doch kein echtes Umdenken.

    Liebe Frauen, seid emanzipiert, das hängt doch nicht an weiblichen Endungen!!!

    Weiter so, es liest sich einfach besser!!!
    Ute

    Ute Fritzsch antworten
  • J.F.

    Wenn einem die wahren Probleme scheinbar (!) ausgehen, muss man eben welche erfinden, um sich mit der angeblichen Lösung dann weiterhin “modern” und “am Puls der Zeit” zu präsentieren.

    Vor allem Politiker und Medien sind da sehr anfällig dafür. Dass sich hiervon bei Weitem nicht nur Männer abgestoßen fühlen, zeigt ja, dass damit nicht den Frauen oder irgendeiner “Sprachgerechtigkeit” gedient ist, sondern sich die Obrigkeit mal wieder mit dem Verkauf oberflächlicher Retuschen als “Reformen” schmücken will. Und wir fallen brav drauf rein. Nichts neues…

    Österreich spielt hier überhaupt mal wieder eine negative Hauptrolle, siehe auch die Hymnen-Posse. Dass es auch anders geht, zeigen z. B. die deutschen (auch ö.-r.) TV-Sender, da wird mit dem Gender-Slang ganz im Gegensatz zum ORF u. a. sehr sparsam umgegangen.

    J.F. antworten
  • Man kann es natürlich übertreiben mit geschlechtsneutralen Formulierungen oder innen- Endungen. Aber gerade in Bereichen, in denen die Gleichstellung noch nicht erreicht ist, wie im Management und Führung, sollte man durch die Verwendung der weiblichen und der männlichen Form mithelfen, häufig unbewusste Begrenzungen im Denken zu überwinden. Das verträgt sich auch noch mit der Lesefreundlichkeit.
    Sprache schafft Realitäten!

    Stefanie Köster antworten
  • J.F.

    In diesem Fall eine (ohnehin fortschreitende) Realität der Bevormundung und Meinungsmache.

    Ich bezweifle auch, dass von oben diktierte Gleichstellung irgendwo erstrebenswert (im Unterschied zur Gleichberechtigung) oder auch nur praktikabel ist. Die Natur lässt sich nicht komplett verleugnen. Des Weiteren, selbst wenn Sie damit die angeblichen Ungerechtigkeiten auf höheren Ebenen beenden würden, schaffen Sie dadurch neue Diskrepanzen, nämlich zwischen eben diesen und anderen Gesellschaftsbereichen, denen dieser vermeintliche Vorteil dann vorenthalten bleibt. Und gleiche Voraussetzungen für alle Gesellschaftsschichten sollten wohl höhere Priorität haben, da sind nämlich die wahren Ungerechtigkeiten zu finden.

    J.F. antworten
  • Corinna Muster

    Überflüssige Diskussion und reine Ablenkungspolemik. Wo ist der gleiche Lohn für gleiche Arbeit?

    Aber im System geduldete Frauen sind ja schon immer sehr bemüht, Schaukämpfe zu führen, um den herrschenden Konsens zu unterstützen.

    Corinna Muster antworten
  • marco

    Einen schönen Tag,

    über Recherche nach Hinweisen für oder gegen Stress bin ich auf diese, recht ansprechende und informative Seite gekommen.

    Dann las ich diesen Beitrag und die Kommentare dazu.

    Mir ist noch nie logisch klar gewesen, weshalb in der deutschen Pluralform ganz plötzlich eine weibliche Form berücksichtigt werden und vor allem, was dies mit Emanzipation zu tun haben sollte. Die deutsche Pluralform kennt keine Geschlechtertrennung, die deutsche Pluralform ist immer geschlechterlos und bezieht sich somit auf alle Geschlechter gleichermaßen.

    Noch nie habe ich von den Kindern und den Kinderinnen gelesen oder gar von den Mitgliedern und den Mitgliederinnern, nun ja, beides sind sächliche Formen, nämlich das Kind und das Mitglied.

    Beim Verwenden von die Bürger sind alle weiblichen und männlichen Bürger gleichermaßen gemeint. Das ist nun mal so im deutschen Wortschatz. Mehrzahl ist stets geschlechterlos.

    Freundliche Grüße

    marco antworten
  • Haro

    Ich kanns auch nicht mehr hören .

    Haro antworten

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